Ewilpa® – Urban Gardening mit essbaren Wildpflanzen

Bild: Birgit Matz

Wie wäre es, wenn man sich aus einem öffentlichen Park mit essbaren Wildpflanzen selbst versorgen könnte? Diese Vision verfolgt Dr. Markus Strauß mit dem Ewilpa®-Konzept. Mit dieser Art des Urban Gardenings wäre es möglich, eine gesunde Ernährung natürlich und nachhaltig zu ergänzen. In diesem Beitrag lesen Sie alles über das Konzept, die Grundlagen und Ziele sowie die Umsetzung der bereits bestehenden Ewilpas®.

In diesem Beitrag:

Ein Gastbeitrag der Stiftung Ewilpa®.

Was ist ein Ewilpa®?

Ein Ewilpa® ist ein Essbarer Wildpflanzenpark. Es handelt es sich hier um das von Dr. Markus Strauß entwickelte Konzept der öffentlichen Selbstversorgung aus der Natur mit ausschließlich essbaren Wildpflanzen. Dazu hat er 2015 die Stiftung Ewilpa® gegründet. Zwei dieser Parks gibt es schon, der dritte wird als erster innerstädtischer Park in diesem Frühling eröffnet. Zehn weitere Parks sind in der konkreten Projektplanung.

Beispielplan für die Umsetzung eines Ewilpas®
Beispielplan für die Umsetzung eines Ewilpas®
Bild: Stiftung Ewilpa®

Da sich die Gestaltung und Artenauswahl an den natürlichen Gegebenheiten orientiert, ist der Pflegeaufwand im Vergleich zu herkömmlichen Parks oder landwirtschaftlichen Nutzflächen gering. Essbare Wildpflanzenparks bieten kostenfreie Sammelgelegenheiten für krautig wachsende Wildpflanzen, Wildgemüse, essbare Blüten und Blätter, Obst, Wildobst und Beeren, Nüsse sowie Waldbaumfrüchte.

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In Anlehnung an den mittelalterlichen „Allmende-Gedanken“ soll der Zugang für jedermann frei und unentgeltlich möglich sein. Damit dienen sie nicht nur der Versorgung mit ehrlichen und hochwertigen Lebensmitteln, sondern auch dem sozialen Ausgleich. Sie sind zudem ökologisch wertvoller Lebensraum für viele einheimische Pflanzen- und Tierarten.

Ein Ewilpa® bietet nicht nur den verschiedensten Pflanzen Lebensraum...
Ein Ewilpa® bietet nicht nur den verschiedensten Pflanzen Lebensraum…
Bild: Meike Koppmann
...sondern ist auch für die Artenvielfalt von Bedeutung
…sondern ist auch für die Artenvielfalt von Bedeutung
Bild: Meike Koppmann

Die von Dr. Markus Strauß initiierte Stiftung EssbareWildpflanzenParks® unterstützt die verschiedenen Initiativen vor Ort mit fachkundigem Rat und wildem Wissen sowie mit projektbezogenen Spenden. Im sogenannten Ewilpa®-Film werden die vielfältigen Zukunftschancen eindrucksvoll dargestellt.

Der Ewilpa®-Film

Warum wild?

Essbare Wildpflanzen bieten das ganze Jahr über eine gesunde und schmackhafte Bereicherung des Speiseplans. Als Wildpflanzen gedeihen sie ohne menschliches Zutun – sie werden uns von der Natur geschenkt:

  • ohne Züchtung, Gentechnik, Dünger, Agrarchemie
  • keine langen Transportwege
  • weder Verpackung noch Müll
  • garantiert frisch
  • Nutzung regionaler und saisonaler Ressourcen

Im Vergleich mit Kultursorten enthalten Wildpflanzen ein Vielfaches an Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen. Zudem halten sie wertvolle sekundäre Pflanzenstoffe wie ätherische Öle, Bitterstoffe und Antioxidantien für uns bereit. Wildes Gemüse, Kräuter, Blüten, Salate, Beeren, Früchte und Nüsse sind eine kulinarische Bereicherung und die ideale Grundlage für ein gesundes Leben.

Vergleich von Kulturgemüse und Wildgemüse
Vergleich von Kulturgemüse und Wildgemüse
Quelle: Die 12 wichtigsten essbaren Wildpflanzen von Markus Straß, Neuauflage Hädecke-Verlag 2012, Seite 8

Ein praktisches Beispiel
Das schmackhafte und gesunde Wildgemüse Giersch wächst in der Natur an lichten Stellen im Laubwald, am Waldrand, unter Sträuchern und Hecken und zum Leidwesen vieler Gärtner auch in Gärten. In einem Ewilpa® gedeiht er unter Obstbäumen und Sträuchern wie Holunder, Johannisbeere, Aronia, Rose (Hagebutte) oder Himbeeren. Indem man Giersch 2-4 Mal pro Jahr mit Sichel oder Sense abmäht, erhält man bis in den späten Herbst hinein frühlingshaft frisches Gemüse. Von den Essbaren Wildpflanzenparks schließlich auf den Teller! Giersch schmeckt beispielsweise als “Spinat”, als Zutat im Salat oder (zusammen mit Brennnesseln) im Grünen Smoothie!


Zukunftsweisend und inklusiv

Seit Anbeginn der Menschheit vor über 2 Millionen Jahren bildeten essbare Wildpflanzen unsere Lebensgrundlage. Erst mit der Einführung der Landwirtschaft vor einigen tausend – und vor allem im Zuge der industriellen Revolution vor etwas über hundert Jahren – ging das archaische Erfahrungswissen fast gänzlich verloren. Erst heute wird uns in zunehmender Weise dieser Verlust an Lebensqualität bewusst. Die Stiftung EssbareWildpflanzenParks® zeigt hier zukunftsweisende Lösungen auf; In möglichst siedlungsnah gelegen Parks kann sich die Bevölkerung selbst versorgen. Darüber hinaus versteht sich ein Ewilpa® auch als Bildungsstätte und sozialer Treffpunkt. Hier kann das sichere Erkennen der Wildpflanzen und deren Zubereitung von fachkundigen Beratern erlernt werden.


Ewilpa®: Ziele und Umsetzung

Ewilpa® Ziele

Bildung (= Stichwort „Grünes Klassenzimmer“): Wiederbelebung von altem Wissen um Pflanzen und ökologische Zusammenhänge; Zubereitung von Speisen, Selbstversorgung; Garten und Landschaftsgestaltung mit essbaren Wildpflanzen

Nachhaltige Versorgung der Bevölkerung mit hochwertigen, ehrlichen Lebensmitteln aus der Natur (Wildgemüse, Kräuter, Wildsalate, Beeren, Obst, Nüsse)

Sozialer Ausgleich durch Wiederbelebung des mittelalterlichen „Allmende Gedankens“

Förderung der Integration durch interkulturelle Begegnungen sowie durch Nutzung der auch bei uns wachsenden essbaren Wildpflanzen aus fremden Kulturen wie zum Beispiel:
– Osteuropa/Russland: Gemeiner Schneeball, Bocksdorn, Sanddorn, Aronia
– Südamerika: Amaranth, Quinoa Melde
– aus den Mediterranen Ländern: Kräuter aus der Familie der Lippenblütler

Sozialer Treffpunkt in der Gemeinde, im Wohnviertel oder im Stadtteil (gemeinsames Sammeln unter Anleitung, Vorträge, Kochkurse, gemeinsame Mahlzeiten

Ökologische Ausgleichsfläche: Ein Essbarer Wildpflanzenpark ist sehr artenreich, bietet vielen Wildtieren einen Lebensraum, die natürliche Bodenfruchtbarkeit und der Wasserhaushalt regenerieren sich

Erholungsgebiet/ Naherholung

Die Einrichtung eines Essbaren Wildpflanzenparks ist ein wertvoller Beitrag zur nachhaltigen Stadtentwicklung


Zielgruppe

– Kinder & Jugendliche
– Naturliebhaber & Sammler
– Hobbyköche & an Kulinarik Interessierte
– An gesunder Ernährung und Gesundheitsvorsorge Interessierte
– Garten und Streuobstwiesen Besitzer
– Senioren (geben „altes“ Wissen weiter)


Wissenstransfer an Multiplikatoren in folgenden Berufsfeldern

– Lehrer & Erzieher
– Gastronomie, Touristik & Wellness
– Garten und Landschaftsbau, Landwirtschaft
– Heilberufe aller Art


Realisierungsvariationen

Gestaltung eines vielgestaltigen Essbaren Wildpflanzenparks mit unterschiedlichen ökologischen Bereichen (Aue, Feuchtwiese, trockeneres Ackerland, Berghang)

Realisierung eines Essbaren Wildpflanzenparks in einem Hochwasserschutzgebiet als ökologische Ausgleichsmaßnahme möglichst mit Integration der bereits vorhandenen Vegetation und bestehender Strukturen

Möglichkeit einer kompletten Neugestaltung, zum Beispiel nach Abriss alter Industriegebäude

Erschließung des Essbaren Wildpflanzenparks mit naturnah gestalteten Wegen und Sitzgelegenheiten

Installierung eines Infosystems, beispielsweise mit Schautafeln in Verbindung mit QR Codes

Erstellung eines Seminarhauses mit Schulküche, Gruppenraum/Klassenzimmer und sanitären Anlagen

Erschaffung eines Veranstaltungs- und/oder Bildungsprogrammes unter Mitwirkung der Fachberater/innen für Selbstversorgung mit essbaren Wildpflanzen (HfWU) und örtlicher Institutionen (Kindergärten, Schulen, Hochschule, Heilpraktiker, Ärzte, Gastronomen

Wissenschaftliche Begleitung des Projektes durch Hochschulen (Ökologie, Landwirtschaft, Didaktik)

Mediale Begleitung des Projektes als Modellprojekt von überregionaler Bedeutung (aktive, überregionale und nationale PR bei Print und TV Medien)


Voraussetzungen für einen essbaren Wildpflanzenpark

– Flächen in Größenordnung von 30 Ar bis einige Hektar in Siedlungsnähe
– Gute Erreichbarkeit: Radweg, S-Bahn, Bus, Straße
– Begrenzung mit Wildfruchthecke, Zaun (Schutz vor Hunden)
– Ökohaus mit Küche, Seminarraum, WC
– Wegebau: Naturnahe Kieswege, in Hanglage eventuell Treppen aus Naturstein
– Pflegeaufwand: Jährlich 1 bis 2 Mal Mahd der Wiesen und Streuobstwiesen, später erforderlicher Schnitt einzelner Gehölze sowie jährliche Boden Bearbeitung der Acker Brachfläche


Finanzierung

– Vorrangig Nutzung von Gemeinde oder Stadt eigenem Gelände
– Spenden von Firmen, Privatleuten
– Stiftung Essbare WildpflanzenParks®
– Fördergelder von Land, Bund, EU
– Ehrenamtliche Mitarbeit von Bürgern, Fachberater/innen für Selbstversorgung mit Essbaren Wildpflanzen (HfWU) sowie anderen Fachkundigen


Die ersten Ewilpas® in Deutschland

Der erste Ewilpa® hat am 16. Juni 2018 in Kemnath-Waldeck in der Oberpfalz geöffnet. Dieser erste realisierte und eröffnete Park ermöglicht eine Wildpflanzenvielfalt der besonderen Art mit dem trockenen, felsigen Südhang unterhalb der Burg, mit unterschiedlichen Waldtypen, mit Feldhecken, mit einer Streuobstwiese, mit einer Ackerbrache und mit einer Feuchtwiese. Sieben Flächen befinden sich dabei auf dem Schlossberg und sechs Flächen in der benachbarten Feldflur westlich von Waldeck. Ein fünf Kilometer langer Wanderweg führt durch die Parklandschaft. Insgesamt erläutern 13 Schautafeln die Teilflächen und weisen auf die wichtigsten essbaren Wildpflanzen hin.

Der zweite Ewilpa® wurde 2020 in Bad Pyrmont in Betrieb genommen. Weitere Parks befinden sich in der konkreten Planungs- sowie Projektphase; Der dritte Ewilpa® wird im Frühling 2021 in Mönchengladbach eröffnet.

Ewilpa® in Mönchengladbach

Im Möchengladbacher Stadtteil Eicken entsteht der erste innerstädtische und in sich geschlossene Ewilpa®. Initiatorin Meike Koppmann, selbstständige Kräuterpädagogin, pachtet hier für einen symbolischen Euro seit Februar 2020 dauerhaft ein 5.500 Quadratmeter großes Grundstück von der städtischen Entwicklungsgesellschaft Mönchengladbach EWMG.

Initiatorin des Ewilpas® Möchengladbach ist Meike Koppmann, selbstständige Kräuterpädagogin
Initiatorin des Ewilpas® Möchengladbach ist Meike Koppmann, selbstständige Kräuterpädagogin
Bild: Meike Koppmann
Bei ihrem Unterfangen wird Meike Koppmann von vielen freiwilligen Ewilpa®-Helfer*innen unterstützt
Bei ihrem Unterfangen wird Meike Koppmann von vielen freiwilligen Helfer*innen unterstützt
Bild: Timo Riegel

Bei ihren Aktivitäten für den Aufbau und Betrieb des Ewilpas® zählt sie auf die Unterstützung ihres dicht gewebten Netzwerks. Von den zahlreichen Kooperationspartnern seien hier Transition Town Mönchengladbach e.V., die Volkshochschule der Stadt und der benachbarte Kleingartenverein Alsbroich e.V. erwähnt. Die Stadt Mönchengladbach fördert den Aufbau des Ewilpa® finanziell sowie logistisch.

Nach der bereits erfolgten Untersuchung des Bodens auf eventuelle Altlasten wurde das Gelände im Februar 2020 geräumt und die verdichtete Erde gefräst. Danach begannen die ersten Pflanzungen und Einsaaten, die Gestaltung der Wege (Hackschnitzelbelag, Wiesenweg, Barfußweg), der Aufbau von Weidenzäunen, der Einzug der Wildbienen einer Imkerin sowie der Bau von Hochbeeten.

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Kräuterpädagogin Meike Koppmann realisiert realisiert den Aufbau des Parks mit ehrenamtlichen Unterstützern, die jeden Samstag zu den s.g. Helfertagen mit anpacken. Die Pflanzung der meisten Bäume und Sträucher erfolgte im Herbst 2020.

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Rezeptideen

Wildpflanzen sind ein starker Partner zu ökologischen Lebensmitteln, die wir auf dem Wochenmarkt oder im Bioladen erhalten. Sie ergänzen eine naturbelassene und vegetarische Ernährung (mit Smoothies und Pestos, Salaten und Kräuterdips) und erweitern das Spektrum für bekannte Gerichte (wie Spinat, Aufläufe, Kuchen, Pudding, Marmelade, Aufstriche).

Produkte aus dem BioladenErnte aus dem Ewilpa®Kombinierter Genuss
Hirse & Gemüsebrühe+Brennnessel-Spinat=Mittagessen
Quinoa & Erdnussmus+Wiesenbärenklau (Wiesen-Fenchel)=Abendessen
Buchweizen & Reismilch+Obst von der Streuobstwiese=Frühstücksbrei
Olivenöl & Mandeln, Walnüsse oder Haselnüsse+Knoblauchsrauke, Bärlauch oder Giersch=Pesto
Datteln+wilde Beeren (Brombeere, Aronia)=Smoothie

Durch die Ernte eines Ewilpas® kann man Mahlzeit natürlich gesund aufwerten. Sowohl inhaltlich als auch geschmacklich, denn Wildpflanzen sind in allem intensiver.

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Rezept für deftigen Meldenkuchen

Hefeteig : Aus 300g Dinkelvollkornmehl, einem ½ Würfel Frischhefe, etwas warmem Wasser, ½ TL Rohrohrzucker (zum Aufgehen der Hefe), 4 EL Olivenöl und 1 TL Salz einen Hefeteig zubereiten. Wildgemüse-Füllung : Meldenblätter, Blüten und Triebspitzen waschen, abtropfen lassen (alternativ sind auch Brennessel- oder Gierschblätter verwendbar). 1 Zwiebel und 1 Knoblauchzehe klein gewürfelt, in etwas Olivenöl dünsten. Melde hinzugeben, mit etwas Wasser ablöschen, abdecken und im Dampf zusammenfallen lassen, vom Herd nehmen.

  • 2 Eier, 200 ml Sahne, Salz und Pfeffer in einer Schüssel verquirlen.
  • 200g Schafskäse auf einem Teller zerbröckeln
  • Backofen auf 175 Grad vorheizen.

Hefeteig nach dem zweiten Gehen flach ausrollen und in die gefettete Form legen, Ränder andrücken. Eine erste Schicht Wildgemüse einfüllen, diese mit dem Schafskäse bestreuen und mit einer weiteren Schicht Wildgemüse belegen. Gleichmäßig mit der Eier-Sahne-Flüssigkeit übergießen. Etwa 35 Minuten backen, warm genießen.

Koch und Backen mit Pflanzen aus einem Ewilpa®: Selbstgemachter Melden-Kuchen, alternativ auch schmackhaft mit Brennessel- oder Gierschblättern
Selbstgemachter Melden-Kuchen, alternativ auch schmackhaft mit Brennessel- oder Gierschblättern
Bild: Micha Brem

Weitere Rezeptideen mit Wildpflanzen finden Sie hier!


Über Dr. Markus Strauß

Dr. Markus Strauß lebt als freiberuflicher Autor, Berater und Dozent im Allgäu. In Kooperation mit der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) bietet er an deren Weiterbildungsakademie seit 2013 die Deutschlandweit erste und einzige Weiterbildung auf Hochschulniveau im Bereich essbare Wildpflanzen an. Er studierte Geografie, Geologie sowie Biologe in Heidelberg. Forschungsprojekte führten ihn nach Südamerika, zum Himalaya (Nepal) und nach Indonesien. Seit seinem langjährigen autarken und naturnahen Leben beschäftigt er sich mit der Thematik der Selbstversorgung mit essbaren Wildpflanzen.

Sein Werk als Autor umfasst elf Bücher, einen Ernteplaner sowie einen Tischaufsteller als immerwährender Kalender. Für zahlreiche Fachpublikationen schreibt er regelmäßig Beiträge und Essays. Vorträge, Kurzseminare und Kongresse führen ihn durch den deutschsprachigen Raum. Auch im Fernsehen (regelmäßig SWR, dazu ZDF, BR, WDR, ARTE, HR usw.) ist er als Experte sehr gefragt.

Ewilpa® Gründer Dr. Markus Strauß
Bild: Maximilian Gall

Bei allen Tätigkeiten bleibt seine Vision stets im Mittelpunkt: Die (Re-)Integration der essbaren Wildpflanzen in das Alltagsleben und die Alltagskultur sowie die Erschaffung von essbaren Wildpflanzenparks. Die Stiftung EssbareWildpflanzenParks® hat Markus Strauß hierfür im August 2015 initiiert. Das Ziel ist die Schaffung von 4.000 Ewilpas®, sodass die gesamte Bevölkerung Zugang zu qualitativ hochwertigen, essbaren Wildpflanzen erhält und die Natur wieder aufatmen und erblühen kann.

Dr. Markus Strauß
Aichbaindt 5
87487 Wiggensbach/Allgäu
kontakt@ewilpa.net
www.youtube.com/c/DrMarkusStrauss
www.dr-strauss.net
www.ewilpa.net

Text: Stiftung Ewilpa®
Bilder, wenn nicht anders gekennzeichnet: Unsplash, Pixabay

Deutsche Nachhaltigkeitspreise – eine Übersicht

Nachhaltigkeitspreise in Deutschland für Unternehmen, Forscher und Privatpersonen

In Deutschland gibt es zahlreiche Nachhaltigkeitspreise, die an Unternehmen, Start-Ups, Wissenschaftler*innen, Designer*innen oder Einzelpersonen vergeben werden. Wir zeigen Ihnen welche Preise es gibt und an wen sie vergeben werden.

In diesem Artikel:

Ein Beitrag unserer Redaktion.

Deutsche Nachhaltigkeitspreise: Förderung oder Ausschreibung durch die Bundesregierung

Bundespreis Ecodesign

Der Bundespreis Ecodesign ist, wie der Name schon verrät, ein Preis für ökologisches Design in Deutschland. Verliehen wird er vom Bundesumweltministerium und dem Umweltbundesamt in Kooperation mit dem Internationalen Design Zentrum Berlin.

Ausgezeichnet werden „herausragend gestaltete und umweltverträgliche Produkte, Dienstleistungen und Konzepte“.

Mehr zum Award und zur nächsten Ausschreibung, die Mitte Januar 2021 startet, lesen Sie hier:
Bundespreis Ecodesign


Der Deutsche Nachhaltigkeitspreis

Der Deutsche Nachhaltigkeitspreis gehört zu den höchsten Auszeichnungen in Deutschland und zu einer der größten Auszeichnungen dieser Art in Europa. Verliehen wird er seit 2008 jährlich von der Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis. Diese arbeitet mit der Bundesregierung zusammen. Ausgezeichnet werden Unternehmen, Kommunen und Forscher*innen. Erstmals wurden im Jahr 2020 auch Preise in der Kategorie Design vergeben.

Mehr zu den einzelnen Kategorien lesen Sie hier: www.nachhaltigkeitspreis.de

Wer die diesjährigen Finalisten in der Kategorie „Architektur“ sind, erfahren Sie in unserem Artikel Der DNP Architektur 2021: die Finalisten

Der Deutsche Nachhaltigkeitspreis gehört zu den wichtigsten Auszeichnungen der grünen Branche.

Auszeichnung für „Corporate Social Responsibility“

Nachhaltigkeit hat auch immer eine soziale Komponente. Deshalb zählt auch dieser Preis für nachhaltiges Handeln zu den deutschen Nachhaltigkeitspreisen. Faire und mitarbeiterorientierte Arbeitsweisen werden hier von der Bunderegierung prämiert und sollen zur Nachahmung animieren.

Die Auszeichnung geht an Unternehmen die sozial, ökologisch und ökonomisch agieren. Die drei Kategorien, in denen der Nachhaltigkeitspreis vergeben wird, richten sich nach der Unternehmensgröße. Im Jahr 2020 gab es auch Sonderpreise – für „Verantwortungsvolles Lieferkettenmanagement“ und „CSR und Digitalisierung“.

Mehr zur Auszeichnung lesen Sie hier:
CSR in Deutschland


Green Talents

Der Green Talents-Award ist der deutsche Nachhaltigkeitspreis für den Nachwuchs. Das Bundesministerium für Forschung und Bildung möchte damit den internationalen Austausch und die Vernetzung von Forscher*innen aus dem Bereich Nachhaltigkeit fördern. Internationale Nachwuchswissenschaftler*innen werden von der deutschen Expertenjury seit 2009 ausgezeichnet.
Die Preisträger*innen aus dem Ausland haben bei einer Auszeichnung auch die Möglichkeit, einen anschließenden Forschungsaufenthalt in Deutschland zu absolvieren.

Mehr Informationen zum Award des Bundeministeriums für Bildung und Forschung finden Sie hier:
Green Talents

Lokale Helden und private Initiativen für deutsche Nachhaltigkeitspreise

Auch lokale Initiativen leisten einen wertvollen Beitrag für eine nachhaltige Gegenwart.
Nachhaltigkeit fängt im Kleinen an, deshalb leisten vorallem auch lokale Initiativen einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz.

Hans-Carl-von-Carlowitz Nachhaltigkeitspreis

Nicht alle deutschen Nachhaltigkeitspreise werden auf Bundesebene vergeben. Der Hans-Carl-von-Carlowitz-Nachhaltigkeitspreis wird bei der jährlichen Sächsischen Nachhaltigkeitskonferenz vergeben.

Der Preis der Carlowitz Gesellschaft geht an Personen, die „im Sinne der Nachhaltigkeit in Politik und Gesellschaft hinein wirkten und wirken“. Ausgezeichnet werden Personen aus ganz Deutschland. Und auch international tätige Persönlichkeiten bekommen den Preis.
2019 war beispielsweise Alexej Kokorin, Leiter des Klimaprogramms der WWF Russland, einer der Preisträger. Und im Jahr 2020 erhielt unter anderem die Verhaltensforscherin Dr. Jane Goodall den international renommierten Preis.

Seinen Namen hat dieser deutsche Nachhaltigkeitspreis übrigens von dem deutschen Kameralist und Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz. Er gilt als wesentlicher Schöpfer des forstlichen Nachhaltigkeitsbegriffs.


Mehr dazu unter: Carlowitz Nachhaltigkeitspreis


Bundespreis Nachhaltigkeit

Die Bundesvereinigung Nachhaltigkeit ist eine zivilgesellschaftlich organisierte nationale Nichtregierungsorganisation. Sie vergibt einmal im Jahr den Bundespreis Nachhaltigkeit ist den Kategorien Gesellschaft, Politik, Verwaltung und Wirtschaft. Und seit 2019 gibt es die Sonderkategorie „Vorsprung: Jugend“.

Mehr Infos zum Preis gibt es auf der Website der Bundesvereinigung Nachhaltigkeit


Der ZEIT WISSEN-Preis „Mut zur Nachhaltigkeit“

Nachhaltig zu handeln erfordert auch mal Mut. Den Mut zur Nachhaltigkeit honoriert der „ZEIT WISSEN-PREIS MUT ZUR NACHHALTIGKEIT“ seit 2013 . Vergeben wird er von der Bildungsinitiative „Mut zur Nachhaltigkeit“, dem Magazin ZEIT WISSEN und der Aurubis AG.
Ausgezeichnet werden Personen, Initiativen und Unternehmen, die „einen besonderen Beitrag im Bereich nachhaltiger Entwicklung leisten“.

Mehr dazu lesen Sie unter: Mut zur Nachhaltigkeit


Der StartGreen Award

Gerade im Bereich Nachhaltigkeit gibt es zahlreiche Innovationen. Die junge Gründerszene verschreibt sich immer mehr der ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit. Die innovativsten Ideen aus der grünen Gründerszene werden jährlich mit dem StartGreen Award ausgezeichnet. Der Award ist eine Initiative des Borderstep Institut für Innovation und Nachhaltigkeit. Schirmherrin ist Bundesumweltministerin Svenja Schulze.

Mehr dazu auf Start Green


Nachhaltigkeitspreis ZeitzeicheN

Die Grüne Liga Berlin verleiht den Nachhaltigkeitspreis ZeitzeicheN an zukunftsweisende Projekte.
Die Grüne Liga Berlin ist ein Umwelt- und Naturschutzverband. Er unterstützt Bewegungen in Berlin und initiiert eigene Projekte im gesamten Bundesgebiet.

Der Preis ZeitzeicheN wird seit 2007 jährlich von der Organisation in fünf Kategorien verliehen. Dieser deutsche lokale Nachhaltigkeitspreis ehrt „zukunftsweisende Projekte und Initiativen […], die beispielhaft zu einer nachhaltigen Entwicklung der Gesellschaft vor Ort beitragen.“ Im Jahr 2020 wurde der Preis auch durch das Umweltbundesamt gefördert und unterstützt.

Mehr Infos zum Preis für lokale Projekte und Initiativen

In der grünen Branche werden zahlreiche Preise für nachhaltige Handlungen vergeben.

Projekt Nachhaltigkeit

Der Preis „Projekt Nachhaltigkeit“ ist seit 2018 eine feste Größe in der Landschaft der Deutschen Nachhaltigkeitspreise. Verliehen wird er von den vier Regionalen Netzstellen Nachhaltigkeitsstrategien (RENN) in Deutschland. Initiator ist der Rat für nachhaltige Entwicklung, der nach wie vor Kooperationspartner des Projekts ist und der 2001 von der Bundesregierung berufen wurde. Vergeben wird der Preis in jeder der vier RENN-Regionen auf regionaler Ebene. So haben besonders die lokalen Akteure eine Chance gehört und ausgezeichnet zu werden.

Ziel des Wettbewerbs ist es, innovative Beispiele für eine nachhaltige Entwicklung sichtbar zu machen und so andere zur Nachahmung anzuregen. Insgesamt werden 42 Bewerber*innen pro Jahr ausgezeichnet. Pro RENN gibt es zehn Gewinner. Zusätzlich zu diesen 40 Gewinner*innen werden zwei internationale Preise vergeben.

Für die Auszeichnung bewerben kann sich übrigens jeder: „Ob zivilgesellschaftliche Organisationen, Initiativen der sozialen Innovation, Privatpersonen, Kommunen, öffentliche Einrichtungen (Schulen, Universitäten, Bibliotheken etc.), Unternehmen, Startups oder Kooperationen derselben. Voraussetzung ist, dass sich das Projekt bereits in der Umsetzung befindet“, so die Veranstalter. Gesucht werden „Projekte und Initiativen, die zukunftsgerichtet für nachhaltige Entwicklung wirken und einen Beitrag für die Umsetzung der Globalen Entwicklungsziele leisten“. Die Schwerpunktthemen für das Jahr 2020 sind: Klimapositives Wirtschaften, Nachhaltige Arbeitswelten, Nachhaltiger Konsum im Blick und Kreative Kooperationen

Mehr Infos auf der Website Projekt Nachhaltigkeit

Deutsche Nachhaltigkeitspreise von oder für die Wirtschaft

Green Awards

Ein Fest der Nachhaltigkeit ist das jährliche Greentech Festival, bei dem sich drei Tage lang alles um die neusten Technologien für einen nachhaltigen Lebensstil dreht. Wer sich für den Umweltschutz interessiert, kann hier die neusten Innovationen und Technologien der vielen Aussteller anschauen.

Den krönenden Abschluss bildet die Verleihung der Green Awards. Diese gehen an „innovative Zukunftsprojekte und Vordenker für Nachhaltigkeit“.
In jeder der vier Kategorien Youngster, Start-up, Innovation und Impact wird am Ende ein*e Sieger*in gekürt. Unterstützt wird die grüne Party beispielsweise vom Gründungspartner Audi oder vom Premium Partner Facebook und der Deutschen Bahn.

Zwar handelt es sich beim Festival und der Preisverleihung um ein deutsches Event, dennoch herrscht hier internationaler Flair. Das zeigt auch die Liste der Preisträger*innen und Gäste, die aus der ganzen Welt stammen. Denn schließlich verlangt der Umweltschutz eine globale nachhaltige Lösung.


Mehr Infos auf Greentechfestival.com


Der Nachhaltigkeitspreis der Werbeartikelwirtschaft – die PSI Sustainability Awards

Ein reiner Produkt-Award, möchte man meinen. Noch der PSI Sustainability Award geht nicht an Unternehmen, die ein einziges nachhaltiges Produkt auf den Markt gebracht haben. Vielmehr wird das gesamte Nachhaltigkeitsprofil eines Unternehmens mit dem Award honoriert. Vergeben wird er von dem Promotional Product Institute (PSI) das mit seinen 6.000 Mitgliedern das größte Unternehmensnetzwerk der Werbeartikelwirtschaft in Europa ist.

Mehr Informationen gibt es unter: www.psi-awards.de


Nachhaltige Held*innen gesucht: Die Sustainability Heroes Awards

Unternehmen, die sich im Bereich Nachhaltigkeit engagieren, werden mit diesem Preis bei der gleichnamigen Konferenz ausgezeichnet. Verliehen wird der Preis von der DQS Gruppe (Deutschen Gesellschaft zur Zertifizierung von Managementsystemen). Der Award wird in acht verschiedenen Kategorien verliehen. Die DQS Nachhaltigkeitskonferenz findet seit Herbst 2014 statt und ist eine branchenübergreifende Konferenz, bei der sich Unternehmen austauschen können. Seit 2020 ist die Deutsche Gesellschaft für Qualität (DGQ) Mitveranstalter.

Mehr dazu auf www.sustainability-heroes.com


Der Green Product Award

Der Green Product Award ist ein Preis für nachhaltige und innvative Lösungen.

Ob große Unternehmen, kleine Start-Ups oder Studierende: der Green Product Award prämiert jährlich innovative, nachhaltige Lösungen. Auch wenn der Wettbewerb, den es seit 2013 gibt, seine Wurzeln in Deutschland hat, können sich hier Projekte aus aller Welt bewerben.

Initiator des Green Product Award ist die white lobster GmbH, eine Full-Service Agentur für nachhaltige Innovation und Kommunikation.

Mehr Infos zum Awards gibt’s unter: www.gp-award.com

Text: Julia Schenkenhofer
Bilder: Unsplash, Pixabay, Frank Fendler, Green Product Award

Baubiologie – ganzheitlich gesund wohnen und arbeiten

Was es mit der Baubiologie auf sich hat und wie Sie entsprechende Experten finden, lesen Sie hier.
Bild: IBN

Die ganzheitliche und naturnahe Lehre der Baubiologie hat vor bald 50 Jahren begonnen. Bis heute hat sie viele Spezialisten ausgebildet, die dabei helfen, dass Wohnungen und Arbeitsstätten die Gesundheit erhalten. Gute Baubiolog*innen in Deutschland sind im IBN oder den beiden Verbänden organisiert. Was es genau mit der Baubiologie auf sich hat und wie Sie entsprechende Experten finden, lesen Sie hier.

In diesem Artikel:

Ein Beitrag unserer Redaktion.

Was ist Baubiologie?

Kurz gesagt: Das Ziel der Baubiologie ist ein naturnahes, ganzheitlich gesunde Wohnen, Arbeiten, Bauen und Sanieren. Ein Schwerpunkt liegt traditionell auf dem Wohnen, da es schließlich uns alle betrifft.

Seit bald 50 Jahren wird die Baubiologie von einem Netzwerk aus Fachleuten optimiert. Jede*r bringt seine oder ihre persönliche Fachkompetenz ein, bildet sich stetig weiter und hilft im Netzwerk. Das Ziel der Baubiologie ist ein naturnahes, gesundes Wohnen, Arbeiten, Bauen und Sanieren, mit einem Schwerpunkt auf dem Wohnen. Denn Baubiolog*innen verstehen das Wohnumfeld als dritte Haut. Diese sollte so gesund und frei von Giften sein, wie die eigene Kleidung und die eigene Haut. Im Gegensatz zu den einzelnen Gewerken gestalten sie das Wohnumfeld ganzheitlich und möchten es möglichst naturnah erhalten. Als Wohnumfeld verstehen sie dabei die gesamte gebaute Umwelt von der Wohnung bis zur Stadt. Je nach Fachkompetenz beraten Baubiolog*innen beim Planen, Messen oder Bauen.

Baubiologische Aufklärung

Die Baubiologie hat ihr Profil durch Aufklärung über neue umweltmedizinische Forschungen geschärft. Oft musste sie dabei dem Greenwashing von Firmen entgegenarbeiten; wie in den 1970er und 80er Jahren bei den Pestiziden in sogenannten Holzschutzmitteln, beispielsweise in Xylamon. Es enthielt bis 1978 die extrem giftigen Stoffe PCP und Lindan, die sogar heute noch manchen Altbau belasten.

Früh warnten Baubiologen auch vor Schadstoffen wie Asbest, krebserregendem Formaldehyd, Schimmelpilzen oder dem giftigen Flammschutzmittel HBCD in Polystyrol, welches seit 2015 verboten ist. Heute klären sie zudem über schlechtes Licht, ‚Elektrosmog‚ und Radioaktivität auf. In den 25 Leitlinien hat das 1983 gegründete Institut für Baubiologie & Nachhaltigkeit IBN die Grundregeln der Baubiologie formuliert. In den fünf Bereichen „Innenraumklima“, „Baustoffe und Raumausstattung“, „Raumgestaltung und Architektur“ „Umwelt, Energie und Wasser“ sowie „ökosozialer Lebensraum“ ist alles zusammengefasst, was heute zu einem gesund erhaltenden Wohnumfeld gehört.

Die Baubiologie umfasst Kriterien für ein gesundes, naturnahes, nachhaltiges und schön gestaltetes Lebensumfeld. Dabei geht es um Baustoffe und Raumgestaltung sowie um ökologische, ökonomische und soziale Aspekte.
Anmerkung: Zur Vergrößerung bitte auf das Bild klicken
Die Baubiologie umfasst Kriterien für ein gesundes, naturnahes, nachhaltiges und schön gestaltetes Lebensumfeld. Dabei geht es um Baustoffe und Raumgestaltung sowie um ökologische, ökonomische und soziale Aspekte.
Bild (Ausschnitt): IBN, Christian Kaiser

Die Grafik (Quelle IBN/Christian Kaiser) können Sie hier herunterladen:

Schöner Leben mit Baubiologie

Die zweite Generation von Baubiolog*innen gestalten das Wohnumfeld zunehmend ästhetisch – ein Genuss für die Augen, mit angenehm warmen Oberflächen, Wohlgerüchen für die Nase und stressfreier Akustik. Das zeigen das Buch „Gesundes Bauen und Wohnen – Baubiologie für Bauherren und Architekten“ oder der internationale Fibra Award. Stellschrauben für die Ästhetik sind ökologische Baustoffe wie Holz, Kalk, Lehm oder Stroh sowie auch Farben und Putze. Aber auch Themen wie Wärmedämmung, Heizung und Lüftung sind wichtig für ein gutes Raumklima.

In den Artikeln „Stadl mit Lehm – eine zweite Heimat im Chiemgau“ und „Strohboid – nachhaltige Bausysteme für Events“ können Sie nachlesen, wie mit den Materialien Lehm, Stroh und Holz gebaut wird. Der Artikel „Recyclinghaus – ein preisgekröntes Wohnprojekt“ zeigt, dass man auch mit Recyclingmaterialien gut bauen kann.

Neu auf dem Markt sind mineralisch matte Lehmfarben, die schnell eine moderne Farbigkeit in die eigenen vier Wände bringen
Neu auf dem Markt sind mineralisch matte Lehmfarben, die schnell eine moderne Farbigkeit in die eigenen vier Wände bringen
Bild: Auro

Messbare Qualität

Der Erfolg einer baubiologischen Gestaltung ist aber nicht immer zu sehen. Erst Messtechnik macht auch unsichtbare biologisch riskante Umwelteinflüsse sichtbar. Sie erkennt beispielsweise elektrische, magnetische und elektromagnetische Felder (EMF), auch ‚Elektrosmog‘ genannt, oder leicht flüchtige Schadstoffe (VOC). Mit technischer Hilfe spüren Baubiolog*innen auch Schadstoffe wie Radon auf. Bei Schimmel gibt es auch die Möglichkeit, einen Spürhund einzusetzen. Baubiologische Messtechnik kommt bei ganz unterschiedlichen Gebäudegrößen zum Einsatz; in Wohnungen, ganzen Gebäuden oder kompletten Siedlungen. So prüfte und bewertete der Baubiologe IBN Stephan Streil bei der Untersuchung des 22 Hektar großen Grundstücks für das Ecoquartier Pfaffenhofen die Einflüsse von Hochspannungsleitungen, Bahn, Trafohäusern, Mobilfunk, Radon-Bodengas sowie Schallemissionen.

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Kleinteiliger ist die Bebauung im so genannten „Taldorf“
Kleinteiliger ist die Bebauung im so genannten „Taldorf“
Bild: Achim Pilz

Baubiologische Institutionen

Die Berufsbezeichnung Baubiologe ist in Deutschland nicht geschützt und unterliegt keiner definierten Ausbildung. Das führt dazu, dass neben gut ausgebildeten Baubiolog*innen auch Mitläufer zu finden sind. Eine fundierte Ausbildung und regelmäßige Weiterbildungen bieten folgende Institutionen an:

Institut für Baubiologie + Nachhaltigkeit IBN

Das unabhängige IBN in Rosenheim berät seit mehr als 30 Jahren. Besonders erfolgreich ist es in der Grundausbildung. Die meisten deutschen Baubiolog*innen haben dort mit dem von Anton Schneider gegründeten Lehrgang begonnen. Heute wird es von dem Architekten Winfried Schneider geleitet und bietet einen Fernlehrgang mit digitalen Unterlagen an. (Zu einem Interview mit Winfried Schneider geht es hier.)

Institut für Baubiologie + Nachhaltigkeit IBN

Das IBN hat mit an den 25 Leitlinien und dem wichtigen Standard der Baubiologischen Messtechnik gearbeitet. 2015 baute es als Mustergebäude sein neues Büro mit Einliegerwohnung. Das Passivhaus hat ein nachhaltiges Gesamtkonzept und ist konsequent mit baubiologischen Materialien gebaut. So sehen Verbraucher*innen, was heute rund um den gesunden Innenraum und das nachhaltige Bauen möglich und sinnvoll ist. Das IBN vernetzt außerdem weltweit weitere baubiologische Institute.

Institut für Baubiologie + Nachhaltigkeit IBN, Rosenheim
Tel.: 08031-353920
E-Mail: institut@baubiologie.de
Homepage: www.baubiologie.de

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Verband Baubiologie e.V. VB

Der VB ist ein unabhängiger und gemeinnütziger Interessenverband der gesundheitlich verträglichen und ökologischen Produkte, Technologien, Baustoffe und Bauweisen propagiert. Er fördert die Zusammenarbeit und den Erfahrungsaustausch unter den Baubiolog*innen.

Verband Baubiologie e.V. VB

Kurzinterview mit dem Vorstandsvorsitzenden des Verbands Baubiologie Ulrich Bauer (Architekt, Baubiologe):

Warum sind Sie neben Ihrer Profession als Architekt auch Baubiologe?
Die Baubiologie gibt mir die Möglichkeit als Architekt wieder den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen und Lebensräume zu schaffen, die alle Sinne ansprechen, behaglich sind und eine hohe Lebensqualität anbieten.

Kurzinterview mit dem Vorstandsvorsitzenden des Verbands Baubiologie Ulrich Bauer (Architekt, Baubiologe)
Bild: natürlich-baubiologisch.de

Was ist der wichtigste Schwerpunkt des Verbands Baubiologie?
Die Vision des Verband Baubiologie ist es unumgänglicher Partner bei der gesunden und nachhaltigen Wohn- und Lebensraumgestaltung zu sein. Dazu bilden wir unsere über 400 Mitglieder zu hoch qualifizierten, unabhängigen Experten weiter und machen Öffentlichkeitsarbeit in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

Was sind aktuell die wichtigsten Themen für gesundes Wohnen?
Ein großes Anliegen ist es uns alle unnatürlichen Felder aus dem Stromnetz und Felder aus Funk zu reduzieren. Große Themen sind weiterhin schadstofffreie Gebäude, die Bilanzierung der Herstellungsenergien, Kreislaufwirtschaft und ökosoziales Leben.

VB – Verband Baubiologie, Bad Neuenahr
Tel.: 02641 – 911 93 94
E-Mail: info@verband-baubiologie.de
Internet: www.verband-baubiologie.de

Gemeinsam haben IBN und die beiden Baubiologen-Verbände mit der Agenda2025 die erreichbaren Ziele für die nächsten Jahre formuliert
Gemeinsam haben IBN und die beiden Baubiologen-Verbände mit der Agenda2025 die erreichbaren Ziele für die nächsten Jahre formuliert
Bild: IBN

Berufsverband Deutscher Baubiologen e.V. VDB

Der VDB vernetzt Sachverständige bei der Qualitätssicherung von möglichen Risiken in der bebauten Umwelt durch Schimmelpilze, Schadstoffe, elektromagnetische Felder sowie Strahlung. Für Interessierte hat er ein ‚Gesünder-Wohnen-Telefon‘ eingerichtet.

VDB – Berufsverband Deutscher Baubiologen, Jesteburg
Tel.: 04183-77 35 301
E-Mail: netzwerk@baubiologie.net
Homepage: www.baubiologie.net

Passende Baubiolog*innen finden

Baubiolog*innen, die vom IBN ausgebildet wurden, sind Generalisten, die zu allen 25 Leitlinien beraten können. Meist haben sie zudem durch eine Berufsausbildung oder ein Studium verschiedene Ausrichtungen und Spezialisierungen. Gute Plattformen, um einen örtlich nahen Baubiologen zu finden, bieten das IBN, der VB sowie der VDB. Dort gibt es nach Postleitzahlen geordnete Verzeichnisse.

Wählt man auf andere Art und Weise einen Baubiologen, so sollte man seine Grundausbildung und die Aktualität seines Fachwissens vor der Beauftragung auf jeden Fall abfragen. Um für eine persönliche Fragestellung den passenden Berater zu finden, haben wir hier eine kleine Auswahl von Beratungsstellen IBN mit Angabe ihrer wichtigsten Spezialisierung angelegt. Telefonische Kurzauskünfte erteilen sie in der Regel kostenlos und vermitteln geeignete Fachleuten, Firmen und Handwerker.

NameSpezialisierungonline
Bauer, Ulrich Schadstoffarme Baustoffenatuerlich-baubiologisch.de
Canters, RolfEnergetische Sanierungbauplusenergie.de
Dippold, UweWasserschädenbaubiologie-nuernberg.de
Ehm, ChristineBiologische Schädlingegiftfreie-schaedlingsbekaempfung.de
Feldbrügge, DavidLehmbaustoffhandellehm-laden.de
Jentner, PamelaRadonfachpersonradon-protect.com
Kaiser, ChristianAltbausanierungzekadesign.de
Längle, HolgerVerarbeitung von Lehmbaustoffenerfolgsgeheimnis-lehmbau.de
Mierau, Dr. ManfredEMF, Smart Homemaes.de
Müller, KarlheinzBaubiologische Grundstücksuntersuchungbaubiologie-verzeichnis.de/adresse/baubiologie-mueller/
Schön, StefanHolzbödenbaubiologie-schoen.de
Schweighöfer, SabineNaturbaustoffhandellebensart-freising.de
Streil, StefanSchadstoffe in Fertighäusernbaubio-logisch.de
von Dall’Armi, Dr. ThomasÖkologische Baukunstdenkenplanenbauen.de

Text: Achim Pilz

Raumklima – Gesundheit schützen, Viren reduzieren

Bild: entertheloft.com

Ein optimales Raumklima ist wichtig für die Gesundheit in den eigenen vier Wänden. Eine mittlere Luftfeuchtigkeit, Flächenheizungen, ein regelmäßiger Luftaustausch und zügig trocknende Oberflächen sind Faktoren, die sogar (Corona-)Viren reduzieren können.

In diesem Artikel:

Ein Beitrag unserer Redaktion, mit Tipps der Zeitschrift natürlich gesund und munter.

Raumklima, Viren und Gesundheit

Jeder Mitteleuropäer hält sich normalerweise mindestens 21 Stunden täglich in Räumen auf; zum Wohnen, Schlafen oder Arbeiten. Durch die Corona-Pandemie wurde es bei den meisten noch einmal länger. Das richtige Raumklima kann helfen, die Virenhäufigkeit in Innenräumen zu reduzieren. Deshalb sollten alle Innenräume so gestaltet sein, dass sie unmittelbar das Wohlbefinden verbessern und langfristig die Gesundheit unterstützen. Im wissenschaftlichen Sinne spricht man bei einer solchen Gestaltung von einem guten Raumklima.

Die Qualität des Raumklimas ist dabei von vielen Faktoren abhängig, die teilweise individuell wahrgenommen werden (siehe Tabelle unten). Erfrischend wirken gesundes Licht und saubere Luft ohne Schadstoffe. Besonders bei Temperatur und Luftfeuchtigkeit gibt es individuelle Vorlieben, die sich aber alle innerhalb des Behaglichkeitsfeldes befinden.

Bei mittleren Feuchtegehalten und Temperaturen wird das Raumklima allgemein als angenehm empfunden. Unbehaglich sind schwüle und austrocknende Kombinationen.
Bei mittleren Feuchtegehalten und Temperaturen wird das Raumklima allgemein als angenehm empfunden. Unbehaglich sind schwüle und austrocknende Kombinationen.
Bild: Grafik nach K. Sedelbauer, K. Breuer, A. Kaufmann

In Zeiten einer Pandemie ist es besonders wichtig, dass das Raumklima vor den vermehrten biologischen Angriffen schützt. Der Verband Ausbau und Fassade qualifiziert deshalb seine Mitglieder zu „Meistern des Raumklimas“. Ihr Ausbilder Karl-Heinz Weinisch vom Institut für Qualitätsmanagement und Umfeldhygiene (IQUH.de) warnt: „Das Raumklima kann – vor allem am Ende der Winterzeit – ein entscheidender und mitauslösender Faktor für Infektionserkrankungen sein“.

Faktoren, die das Raumklima und die Gesundheit beeinflussen

chemischphysikalischbiologischindividuell
VOCLichtSchimmelpilzePsychische Belastung
MVOCIonenHefepilzeEmpfindlichkeit
BiozideSchallBakterienZufriedenheit
AerosoleLuftwechselParasitenGeschlecht
TabakrauchElektrostatikVirenAllergien
EndotoxineLuftbewegungAsthma
Temperaturen
relative Luftfeuchtigkeit
Das Raumklima wird durch unterschiedliche Faktoren beeinflusst

Verbreitung von Coronaviren

Der Hauptübertragungsweg der neuartigen Coronaviren SARS-CoV-2 ist die Tröpfcheninfektion. Dabei gelangen die Viren schon beim Atmen und Sprechen, vermehrt jedoch beim Niesen und Husten von infizierten Personen in winzigen Sekrettröpfchen in die Luft. Die Tröpfchen sind so klein, dass sie ungeeignete Masken einfach durchdringen. Anschließend können sie von einem anderen Menschen eingeatmet und über die Schleimhäute aufgenommen werden. Auch eine Kontakt- oder Schmierinfektion, die zum Beispiel beim Händegeben oder über kontaminierte Oberflächen geschieht, ist möglich. Beide Übertragungswege – Luft und Oberflächen – lassen sich durch bauliche Vorsorge so gestalten, dass die Anzahl der aktiven Viren stetig abnimmt.

Aspekte des RaumklimasZielWeg
relative Luftfeuchtigkeit40 – 60 %feuchtepuffernde Baumaterialien und Feuchterückgewinnung bei Lüftungsanlagen mit Wärmetauschern
Luftbewegungmöglichst geringgroße Heizflächen mit niedrigeren Temperaturen
Oberflächentrockenbenetzbare Oberflächen und feuchtepuffernde Untergründe
Frischluftmindestens alle 2 h Komplettaustauschmechanisches Lüften oder täglich mehrmaliges Stoßlüften
Besonders wichtige Aspekte, die über das Raumklima Viren reduzieren können

Mittlere Luftfeuchtigkeit

Eine relative Luftfeuchtigkeit um 50 % hat viele positive Einflüsse (siehe Grafik unten). Am wichtigsten in Zeiten der Pandemie ist, dass sie die Lebensfähigkeit vieler Bakterien und Viren verringert. Bei normalen Raumlufttemperaturen liege der für den Menschen komfortabelste Bereich der Luftfeuchtigkeit in der Mitte zwischen 40 und 60 %, stellt Prof. em. U. Marmai fest. Solch eine mittlere Luftfeuchtigkeit reduziere biologische Eindringlinge wie Bakterien, Viren, Pilze sowie Milben. Ebenso mildere sie Asthma, Allergien und Husten.

Eine mittlere Luftfeuchtigkeit verringert außerdem den Feinstaubgehalt der Luft, aktiviert die Abwehrfähigkeit der Haut gegenüber Mikroben und reduziert Geruchsbelästigungen sowie störende elektrostatische Aufladungen.

Tipp der natürlich gesund und munter Redaktion:
Klassiker der Luftbefeuchtung sind Wassergefäße, die auf die Heizung gestellt oder an ihr aufgehängt werden. Zusätzlich gibt es weitere Möglichkeiten zur Luftbefeuchtung: Verdunstungsgeräte befeuchten die Luft passiv über nasse Filtermatten; Verdampfer erhitzen Wasser bis zum Siedepunkt und verströmen den dabei entstehenden Wasserdampf; Ultraschallvernebler zerstäuben Wasser in einen feinen Nebel, der die Luft befeuchtet. Auch das Aufstellen von Raumluftreinigungsgeräten, die die Luft „waschen“ und dabei kleinste Partikel entfernen, ist eine geeignete Maßnahme, um das Infektionsrisiko zu verringern.

Feuchtepuffernde Baumaterialien können die Luftfeuchtigkeit ausgleichen. Sie speichern die Feuchtigkeit, die bei alltäglichen Aktivitäten wie Kochen, Baden sowie Putzen entsteht, und geben sie in trockenen Zeiten wieder ab. In Lüftungsanlagen sorgen Wärmetauscher mit Feuchterückgewinnung für eine Erhöhung der Luftfeuchtigkeit. Vor allem in der kalten Infektionszeit wird dadurch eine zu trockene Luft im Innenraum verhindert.

Eine mittlere relative Luftfeuchte reduziert auch die Wirksamkeit von Viren auf den Menschen
Eine mittlere relative Luftfeuchte reduziert auch die Wirksamkeit von Viren auf den Menschen
Bild: Scofield und Sterling, ASHRAE Journal 34

Wenn man von aktiver Luftbefeuchtung spricht, muss man auch vor Schimmel warnen – vor allem in Altbauten. Das Institut für Baubiologie & Nachhaltigkeit in Rosenheim gibt hier einige Hinweise, wie Luftfeuchte und Schimmelpilze zusammenhängen und die Gesundheit vor Schimmel geschützt werden kann.

Wenig Luftbewegung

Mehr oder weniger heiße Radiatoren bringen die Raumluft in Bewegung und halten somit Sekrettröpfchen mit Viren in der Luft. Flächig abstrahlende Heizungen minimieren hingegen Luftbewegungen. Diese heizen mit geringeren Temperaturen und größeren Flächen wie Fußböden, Wänden oder Decken. Auch im Wohnbau werden inzwischen Decken zum Heizen im Winter sowie Kühlen im Sommer herangezogen. Auch für Hausstauballergiker und Asthmatiker ist eine Flächenheizung vorteilhaft. Denn durch sie ist die Luft zudem staubarm.

Richtiges Lüften

In geschlossenen Räumen kann die Anzahl von Viren schon durch den Atem von infizierten Personen ansteigen. Der regelmäßige Austausch von durch Tröpfchen beladener Luft mit sauberer Luft senkt das Ansteckungsrisiko. Zudem verbessert Lüften die übrigen Kriterien der Luftqualität wie CO²-Gehalt. Auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung rät auf ihrer Internetseite „infektionsschutz.de“ neben dem regelmäßigen Händewaschen zum ausreichenden Lüften. Dies kann entweder mechanisch geschehen oder durch täglich mehrmaliges Stoßlüften.

Tipp der natürlich gesund und munter Redaktion:
Lüften Sie Ihre Räume drei- bis viermal täglich für zehn Minuten so richtig durch. Am besten gelingt das mit Stoßlüften, bei dem idealerweise Durchzug entsteht. Das Fenster zu kippen, kühlt die Räume nämlich lediglich aus, zu einem Luftaustausch kommt es dabei nicht.

Trockene Oberflächen

Oberflächen aus Lehm, Kalk- und Silikatfarben sowie aus nachwachsenden Rohstoffen und offenporiges Holz sind benetzbar. Sie lassen Feuchtigkeit in den Untergrund und sind dadurch trockener. Nicht nur deshalb werden sie oft wohngesund genannt. Um ihre volle Wirkung entfalten zu können, muss der Untergrund selbst trocken sein. Zudem sollte er Feuchte gut puffern können. Laut einer Studie, die mitunter auch das Bundesinstitut für Risikobewertung BfR veröffentlicht hat, kann das Coronavirus SARS-CoV-2 auf glatten Oberflächen wie Stahl oder Plastik bis zu 3 Tage infektiös bleiben.

Ein gesundes Raumklima durch Silikatfarbe. So kann man Viren reduzieren.
Auch Silikatfarben wie bei ‚The LOFT‘ in Amsterdam sind wohngesund
Bild: entertheloft.com
für das optimale Raumklima (Gesundheit) sind Kaseinfarben gut geeignet
Kaseinfarben aus nachwachsenden Rohstoffen lassen sich zudem mit zarten Pflanzen-Farbtönen lasieren
Bild: Aglaia

Auf trockenen Oberflächen hingegen seien die Viren „nicht besonders stabil.“ Verallgemeinernd kann man sagen: je benetzbarer eine Oberfläche, umso trockener. Auf benetzbarem Holz oder Stoff bleiben die Viren beispielsweise deutlich kürzer infektiös, so die Studie. Das gleiche gilt für Oberflächen aus alkalischem Silikat und Kalk sowie aus Lehm. Nur auf bakterizidem Kupfer, wie es auch für Türklinken und Lichtschalter eingesetzt wird, ist die Ansteckungsgefahr noch geringer. Dort seien die Viren schon nach 4 h inaktiv.

Raumklima: Gesundheit unterstützen mit Kalkfarbe
Kalk als Farbe und Schlämme sorgt bei dieser Sanierung durch das Architekturbüro Manderscheid für trockene Oberflächen
Bild: Johannes-Maria Schlorke
Mit Lehmfarbe können Raumklima und somit die Gesundheit optimal verbessert werden
Lehm hat eine brillante mineralische Farbigkeit und gleicht die Luftfeuchtigkeit aus
Bild: Claytech

Zimmerpflanzen und Feinstaubbelastung

natürlich gesund und munter über Feinstaub und Atemwegsinfekte:
Wintersmog ist ein weiterer Faktor für die Zunahme von Atemwegsinfekten. Er entsteht vor allem bei Inversionswetterlagen in der kalten Jahreszeit, also wenn eine warme Luftschicht wie ein Deckel über einer kalten Luftschicht liegt. Der sichtbare Dunst, der sich in der unteren Luftschicht sammelt, besteht vor allem aus Feinstaub. „Dieses Stoffgemisch aus Schwebepartikeln ist für die Lunge hochgradig gesundheitsgefährdend, weil es Krankheitserreger bis tief in die unteren Atemwege transportiert und dort akute und chronische Entzündungen auslösen kann“, erklart Dr. Kai-Michael Beeh, Internist, Pneumologe und Grunder des Instituts für Atemwegsforschung in Wiesbaden. „Zudem erhöht der Feinstaub die Infektiosität von Viren und Bakterien.“

Die Reduzierung des Feinstaubs in der Luft ist deshalb eine weitere Präventionsmaßnahme, zu der jeder Einzelne seinen Teil beitragen kann; Verzichten Sie wann immer möglich auf Fahrten mit dem Auto und heizen Sie bei Feinstaubalarm nicht mit Kaminöfen. Auch auf das Rauchen sollten Sie verzichten: Der Rauch einer einzigen Zigarette entspricht der Feinstaubmenge, die freigesetzt wird, wenn ein alter Dieselmotor ohne Katalysator eine Stunde lang im Leerlauf läuft.

Tipp der natürlich gesund und munter Redaktion:
Grüne Zimmerpflanzen mit großen Blattern geben durch permanente Verdunstung mehr als 90 Prozent des aufgenommenen Gießwassers an die Raumluft ab. Damit lasst sich die Luftfeuchtigkeit um etwa fünf Prozent erhöhen. Besonders gut gelingt das dem Zyperngras, das an sonnigen Sommertagen mehrere Liter Gießwasser umsetzen kann. Auch Zimmerlinde, Ficus, Nestfarn, Kolbenfaden und Aralien sind empfehlenswert.

Grüne Zimmerpflanzen mit großen Blattern geben durch permanente Verdunstung mehr als 90 Prozent des aufgenommenen Gießwassers an die Raumluft ab.
Links: Der beliebte Ficus Benjamina ist nicht nur ein natürlicher Luftbefeuchter. Er filtert auch Schadstoffe aus der Luft.
Mitte: Pflanzen mit großen Blättern wie der Kolbenfaden geben besonders viel Wasser an die Raumluft ab.
Rechts: Die Sumpfpflanze Zyperngras saugt mit ihren Wasserwurzeln viel Feuchtigkeit auf, die über die Blätter verdunstet.
Bilder: Pixabay und Unsplash

Optimales Raumklima für die Gesundheit gestalten

Generell beeinflussen viele Faktoren das Raumklima. Dementsprechend sollten alle Bauweisen und -stoffe auf ihre positiven Wirkungen darauf ausgesucht werden. Eine mittlere Luftfeuchtigkeit, ausreichender Luftwechsel, wenig Luftbewegung und trockene Oberflächen reduzieren zudem die Anzahl der aktiven Viren. In Zeiten drohender Pandemien sollte deshalb das Raumklima besonders überdacht und umsichtig gestaltet werden.

Wissenswertes über die Zusammenhänge zwischen einem gesunden Raumklima, ätherischen Ölen, einer aktiven Unterstützung der Schleimhäute sowie dem Vitamin-D-Spiegel können Sie in der aktuellen Ausgabe von natürlich gesund und munter (06 2020) nachlesen.

Text: Achim Pilz, mit Tipps der natürlich gesund und munter Redaktion

Wie Deutschland bis 2050 klimaneutral wird

Kann Deutschland klimaneutral werden?

Kann Deutschland klimaneutral werden? Eine Reduktion der Treibhausgase in Deutschland bis zum Jahr 2030 um 65 Prozent und Klimaneutralität bis 2050 sind machbar und technisch umsetzbar. Das zeigt erstmals die Studie „Klimaneutrales Deutschland“, deren Ergebnisse im Oktober vorgestellt wurden. Darin haben Prognos, Öko-Institut und Wuppertal Institut in verschiedenen Szenarien untersucht, mit welchen konkreten Maßnahmen Deutschland bis zum Jahr 2050 seine Treibhausgasemissionen auf null senken kann.

In diesem Artikel:

Ein Gastbeitrag von Öko-Institut, Prognos und Wuppertal Institut.

In der Studie Studie „Klimaneutrales Deutschland“ haben Prognos, Öko-Institut und Wuppertal Institut in verschiedenen Szenarien untersucht, mit welchen konkreten Maßnahmen Deutschland bis zum Jahr 2050 seine Treibhausgasemissionen auf null senken kann. So wird Deutschland klimaneutral

Treibhausgasemissionen senken und vermeiden

Im November 2019 verabschiedete der Bundestag das Klimaschutzgesetz. Ziel des Gesetzes ist es, dass Deutschland bis zum Jahr 2050 treibhausgasneutral wird. Die von Prognos, Öko-Institut und Wuppertal Institut erstellte Studie „Klimaneutrales Deutschland“ zeigt erstmals, wie Deutschland dieses Ziel erreichen kann. Klimaneutral bedeutet dabei, dass die Treibhausgasemissionen in allen Bereichen vollständig oder fast vollständig vermieden werden. Insbesondere in der Landwirtschaft – aber auch in einzelnen industriellen Prozessen – verbleiben auch im Jahr 2050 noch Restemissionen. Diese residualen Emissionen werden durch die gezielte CO2-Entnahme aus der Atmosphäre und Speicherung als sogenannte „negative Emissionen“ ausgeglichen. In der Summe wird Deutschland so klimaneutral.

Der Weg zur Klimaneutralität in der EU
Der Weg zur Klimaneutralität in der EU
Bild: Öko-Institut

Zudem zeigt die Studie, wie Deutschland bis zum Jahr 2030 die Treibhausgasemissionen deutlich stärker senken kann als bislang vorgesehen und damit die aktuell diskutierten Ziele auf europäischer Ebene erfüllt. In dem Hauptszenario werden bis zum Jahr 2030 die Emissionen um 65 Prozent im Vergleich zu 1990 gesenkt – zehn Prozentpunkte mehr als das aktuelle Klimaschutzgesetz vorsieht. Die hierfür notwendigen zusätzlichen Einsparungen ergeben sich vor allem in der Energiewirtschaft durch einen beschleunigten Kohleausstieg und schnelleren Ausbau der erneuerbaren Energien sowie durch eine zügigere Transformation in der Industrie. Aber auch im Verkehr und Gebäudebereich werden zusätzliche Einsparungen erzielt.

Klimaziele für Deutschland
Klimaziele für Deutschland
Bild: Öko-Institut

Umfang der Studie

Für die Studie untersuchten und modellierten die drei Institute Prognos, Öko-Institut und Wuppertal Institut insgesamt ein Jahr lang detailliert die Maßnahmen in den Sektoren Energiewirtschaft, Industrie, Verkehr, Gebäude, Landwirtschaft und Abfall. Auch die oft vernachlässigten Bereiche Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft (LULUCF) sowie die effiziente Gewinnung und Nutzung von Bioenergie wurden umfassend analysiert.

Bei der Auswahl der Maßnahmen zur Umsetzung der Treibhausgasminderung standen einerseits die Kosten im Vordergrund. Aufgrund der an vielen Stellen notwendigen schnellen Transformation wurden zudem die Fragen der technischen Umsetzbarkeit und dem möglichen Markthochlauf berücksichtigt. Um möglichst robuste Szenarien zu erhalten, lag der Fokus auf Technologien mit möglichst geringen technologischen und wirtschaftlichen Risiken. Der Einsatz von CO2-Abscheidung und -Ablagerung (Carbon Capture and Storage, CCS) wurde soweit es geht reduziert und wenn möglich alternative Technologien bevorzugt.

Umstellung statt Verzicht

Gleichzeitig setzen die Szenarien explizit nicht auf Verzicht als notwendige Voraussetzung für Klimaneutralität. So steigt in der Studie die Pro-Kopf-Wohnfläche weiter und die Mobilität bleibt vollumfänglich erhalten. Bei der Ernährung wurden aktuelle Trends fortgeschrieben, wie ein moderat sinkender Milchkonsum, eine Verschiebung des Fleischkonsums hin zu mehr Geflügel sowie ein leichter Anstieg bei Biolebensmitteln. In den Berechnungen behält der Industriestandort Deutschland sein hohes Produktionsniveau und die Investitionen werden im Rahmen der normalen Modernisierungszyklen getätigt.

Wie sich ein Ernährungsumstellung auf die Emissionen von Treibhausgasen auswirkt
Wie sich ein Ernährungsumstellung auf die Emissionen von Treibhausgasen auswirkt
Bild: Öko-Institut

Die Studie stellt damit einen aus Kostensicht und unter Berücksichtigung der Umsetzbarkeit optimierten Weg zur Erreichung der Klimaneutralität 2050 dar. Die Studie wurde im Auftrag von Agora Energiewende, Agora Verkehrswende & Stiftung Klimaneutralität erstellt.

Hintergrundinformation zu den Sektoren – wie wird Deutschland klimaneutral?

Zentrale Maßnahmen, damit Klimaneutralität im Jahr 2050 erreicht werden kann
Zentrale Maßnahmen, damit Klimaneutralität im Jahr 2050 erreicht werden kann
Bild: Öko-Institut

Bild: Öko-Institut, Prognos und Wuppertal Institut

Energiewirtschaft

Ein Drittel der gesamten Treibhausgasemissionen entfiel 2018 auf die Energiewirtschaft. Mit der Beendigung der Kohleverstromung im Jahr 2030, einem ambitionierten Ausbau erneuerbarer Energien im Stromsektor auf rund 70 Prozent des Bruttostrombedarfs, dem Ausbau von erneuerbaren Energien in den Wärmenetzen sowie einem Einstieg in die Wasserstoffnutzung in Gaskraftwerken können die Emissionen bis zum Jahr 2030 um etwa zwei Drittel gesenkt werden. Die Energiewirtschaft leistet damit den mit Abstand größten Beitrag zur Emissionsreduktion bis zum Jahr 2030.

Im Zeitraum bis 2050 werden die erneuerbaren Energien weiter ausgebaut und die Stromerzeugung aus fossilem Erdgas vollständig durch Wasserstoff ersetzt. Durch den Ausbau von Speichern, einen verstärkten Stromaustausch mit dem Ausland sowie eine gesteigerte Flexibilität der Stromnachfrage können auch langfristig – trotz des hohen Anteils der Windenergie- und Photovoltaik – das Stromangebot und die Nachfrage effizient in Einklang gebracht werden.

Der Strommix in Deutschland
Der Strommix in Deutschland im Jahr 2018
Bild: Öko-Institut

Industrie

Deutschland ist auch zukünftig ein bedeutender Standort für Grundstoffe wie Stahl, Grundstoffchemikalien und Zement, und meistert die Transformation der Grundstoffindustrien hin zur Klimaneutralität. Klimaneutralität lässt sich in der Industrie durch Effizienzmaßnahmen, einen weitgehenden Umstieg auf erneuerbare Energieträger (Strom, Wasserstoff, biogene Energieträger), innovative Produktionsrouten, wie die Herstellung von Roheisen in Direktreduktionsanlagen und chemisches Recycling, sowie den Einsatz von CO2-Abscheidung und Speicherung (Carbon Capture and Storage, CCS) erreichen.

Die Industrie spielt eine wichtige Rolle bei der Erreichung der Klimaneutralität. Durch den gezielten Einsatz von biogenen Energieträgern ermöglicht sie in Kombination mit CCS negative Emissionen. Hierfür sind aufgrund ihrer räumlich hochkonzentrierten Energiebedarfe insbesondere die Standorte der chemischen Industrie und der Stahlindustrie geeignet.

Die Grundstoffindustrien Stahl, Grundstoffchemie, Zement, Kalk, Nichteisenmetalle, Glas, Gießereien, sowie Zellstoff, Papier und Pappe stehen zudem mit Blick auf eine Reduktion von Treibhausgasemissionen aufgrund der für die Umwandlung von Rohstoffen nötigen energieintensiven Hochtemperaturprozesse sowie dem Auftreten von prozessbedingten Emissionen vor besonders großen Herausforderungen und wurden deshalb besonders detailliert untersucht.

Verkehr

Statt motorisiertem Individualverkehr braucht es auf dem Weg zu einer klimaverträglichen Mobilität mehr öffentlichen Rad- und Fuß-Verkehr. Pkw müssen durch Pooling-Konzepte höher ausgelastet, der Gütertransport auf die Schiene verlagert und die Entwicklung emissionsfreier Antriebe vorangetrieben werden. Konkret bedeutet das: Im Jahr 2030 gibt es 14 Millionen Elektroautos und es fahren rund ein Drittel der Lkw elektrisch mit Batterien, Oberleitungen oder Brennstoffzellen.

Trotz Schiff und Schiene: Güterverkehr auf der Straße bleibt dominant
Trotz Schiff und Schiene: Güterverkehr auf der Straße bleibt dominant
Bild: Öko-Institut

2050 sind Pkw- und Lkw-Bestand dann nahezu vollständig elektrifiziert. Güter werden – mit 190 Milliarden Tonnenkilometern (Mrd. tkm) im Jahr 2030 und 230 Mrd. tkm im Jahr 2050 – verstärkt auf der Schiene transportiert. Der Luftverkehr und die Seeschifffahrt, bei denen Möglichkeiten der direkten Elektrifizierung noch nicht absehbar sind, basieren langfristig vollständig auf dem Einsatz strombasierter Kraftstoffe. Insgesamt verursacht der Verkehrssektor 2030 noch 89 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente – 74 Millionen weniger als im Jahr 2019. Im Jahr 2050 ist der Verkehr in den Szenarien klimaneutral.

Klimaschutz im internationalen Flugverkehr: Emissionsziele im Vergleich
Klimaschutz im internationalen Flugverkehr: Emissionsziele im Vergleich
Bild: International Civil Aviation Organization/Öko-Institut

Gebäude

Im Gebäudesektor entstehen die Emissionen hauptsächlich bei der Erzeugung von Raumwärme und Warmwasser. In den betrachteten Szenarien steigt die jährliche Sanierungsrate im Vergleich zu heute um etwa 50 Prozent auf rund 1,6 Prozent. Gleichzeitig wird die Qualität (Sanierungstiefe) der eingesetzten Bauteile gesteigert. Der Verbrauch für Raumwärme und Warmwasser verringert sich im Szenario bis 2050 um 36 Prozent gegenüber 2018. Die verbleibende Wärme wird weitestgehend CO2-neutral erzeugt. Die Zahl der Wärmepumpen erhöht sich von aktuell rund einer Million auf sechs Millionen in 2030 und auf 14 Millionen im Jahr 2050. In urbanen Gebieten steigt die Bedeutung der Wärmenetze stark an; die Nachfrage nach Fernwärme verdoppelt sich im Zeitraum 2018 bis 2050.

Landwirtschaft

In dem Sektor Landwirtschaft verbleiben im Jahr 2050 Restemissionen in Höhe von 44 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente, was hauptsächlich auf die Tierhaltung zurückzuführen ist. Die wesentlichen Maßnahmen zur Reduktion von Emissionen in der Landwirtschaft sind vor allem die Reduktion von Düngemitteln und Tierbeständen, eine verstärkte Wirtschaftsdüngervergärung, die Ausweitung des Ökolandbaus und die Anpflanzung von weniger stickstoffintensiven Kulturarten. In der vorliegenden Studie werden keine Änderungen in den Ernährungsgewohnheiten bis 2050 angenommen, sondern aktuelle gesellschaftliche Trends fortgeschrieben.

Abfall

Bis zum Jahr 2030 sinken die Methanemissionen aus der Deponierung durch verstärkte Maßnahmen der Deponiebelüftung. Aufgrund von biologischen Prozessen bei der Deponierung und der Abwasserbehandlung lassen sich bis zum Jahr 2050 geringe Restemissionen nicht vollständig vermeiden.

Nicht nur Deutschland muss klimaneutral werden. Verkehr, Gebäude, Abfall und Landwirtschaft: Emissionsziele der EU im "Effort Sharing"
Verkehr, Gebäude, Abfall und Landwirtschaft: Emissionsziele der EU im „Effort Sharing“
Bild: European Environment Agency/Öko-Institut
Abfallvermeidung ist der richtige Weg in Richtung klimaneutrales Deutschland: Stufen der Abfallvermeidung: Wertschöpfung und Nutzung entlang des Lebenswegs eines Produktes
Stufen der Abfallvermeidung: Wertschöpfung und Nutzung entlang des Lebenswegs eines Produktes
Bild: Öko-Institut

Infos zur Studie

Eine Zusammenfassung der Studie „Klimaneutrales Deutschland“ von Öko-Institut, Prognos und Wuppertal Institut können sie hier nachlesen. Zuständigkeiten: Prognos verantwortete in dieser Studie die Sektoren Gebäude und Energiewirtschaft und war mit der Gesamtprojektleitung sowie dem Szenariendesign betraut. Das Öko-Institut war zuständig für Verkehr, Landwirtschaft, Abfall und LULUCF (Landnutzung, -änderung und Forstwirtschaft) und die Herleitung der Emissionsminderungsziele. Das Wuppertal Institut bearbeitete den Sektor Industrie.

Über das Öko-Institut

Das Öko-Institut ist eines der europaweit führenden, unabhängigen Forschungs- und Beratungsinstitute für eine nachhaltige Zukunft. Seit der Gründung im Jahr 1977 erarbeitet das Institut Grundlagen und Strategien, wie die Vision einer nachhaltigen Entwicklung global, national und lokal umgesetzt werden kann. Das Institut ist an den Standorten Freiburg, Darmstadt und Berlin vertreten.

Öko-Institut: Homepage, Blog, Twitter

Über Prognos

Prognos ist eines der ältesten Wirtschaftsforschungsinstitute Europas. An der Universität Basel gegründet, forschen Prognos-Expertinnen und -Experten seit 1959 für verschiedenste Auftraggeber aus dem öffentlichen und privaten Sektor – politisch unabhängig, wissenschaftlich fundiert. Die bewährten Modelle der Prognos AG liefern die Basis für belastbare Prognosen und Szenarien. Mit rund 150 Expertinnen und Experten ist das Unternehmen an neun Standorten vertreten; Basel, Berlin, Bremen, Brüssel, Düsseldorf, Freiburg, Hamburg, München und Stuttgart. Die Projektteams arbeiten interdisziplinär, verbinden Theorie und Praxis, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik.

Prognos Homepage

Über das Wuppertal Institut

Das Wuppertal Institut erforscht und entwickelt Leitbilder, Strategien und Instrumente für Übergänge zu einer nachhaltigen Entwicklung; auf lokaler, regionaler, nationaler und internationaler Ebene. Im Zentrum stehen Ressourcen-, Klima- und Energieherausforderungen in ihren Wechselwirkungen mit Wirtschaft und Gesellschaft. Die Analyse und Induzierung von Innovationen zur Entkopplung von Naturverbrauch und Wohlstandsentwicklung bilden einen Schwerpunkt seiner Forschung. Im Fokus der Forschung des Wuppertal Instituts stehen Transformationsprozesse zu einer nachhaltigen Entwicklung. Die Forschungsarbeiten hierzu bauen auf disziplinären wissenschaftlichen Erkenntnissen auf und verbinden diese bei der transdisziplinären Bearbeitung komplexer Nachhaltigkeitsprobleme zu praxisrelevanten und akteursbezogenen Lösungsbeiträgen. Problem, Lösungsansatz und Netzwerke sind dabei gleichermaßen global, national sowie regional/lokal ausgerichtet.

Homepage Wuppertal Institut

Bilder (wenn nicht anders gekennzeichnet): Pixabay

Elektrosmog – Quellen vorsorglich reduzieren

Raus mit dem Elektrosmog ! Wie riskant elektromagnetische Felder von Geräten und Kabeln, Handys und Funkmasten für die Gesundheit sind, ist umstritten. Doch gerade in der eigenen Wohnung kann man viel tun, um ihren Einfluss vorsorglich stark zu reduzieren.

Raus mit dem Elektrosmog ! Wie riskant elektromagnetische Felder von Geräten und Kabeln, Handys und Funkmasten für die Gesundheit sind, ist umstritten. Doch gerade in der eigenen Wohnung kann man viel tun, um ihren Einfluss vorsorglich stark zu reduzieren.

In diesem Artikel:

Ein Gastbeitrag der Zeitschrift natürlich gesund und munter.

Elektrosmog im eigenen Zuhause

Wir alle werden fast ständig von verschiedensten elektromagnetischen Feldern und Signalen umschwirrt, ohne sie sinnlich wahrnehmen zu können. Sie sind unsichtbar, erzeugen kein Gefühl auf der Haut, geben keine Gerüche ab und auch keine Geräusche. Nur gelegentlich kann ein störendes Knattern und Brummen im Lautsprecher zeigen, dass der „Feldsalat“ von Handys und ihren Masten, schnurlosen Telefonen, WLAN-Netzen und sämtlichen elektrischen Geräten permanent präsent ist – und auch mal unerwünschte Effekte auslösen kann.

Smart Homes sorgen für eine Dauerbestrahlung im Eigenheim

Allein dieses Gefühl, selbst im eigenen Zuhause solchen unsichtbaren Kräften ausgeliefert zu sein, kann belasten und sogar krank machen. Doch gibt es schädliche Wirkungen, die darüber hinausgehen? Viele Menschen sind überzeugt, dass der „Elektrosmog“ ihren Schlaf stört und bei ihnen Beschwerden wie starke Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit auslöst. Überraschend wäre das nicht, schließlich funktionieren fast alle Vorgänge in lebenden Organismen über elektrische Spannungsänderungen; sämtliche Nervensignale, der Herzschlag, die Energieversorgung der Zellen.

Doch wie groß das Risiko elektromagnetischer Strahlen und Felder tatsächlich ist, wird von Experten durchaus unterschiedlich bewertet und muss zudem für jeden Frequenzbereich einzeln betrachtet werden (siehe Infokasten). Einig sind sich alle zumindest in einem Punkt: „Man sollte die Exposition so gering wie möglich halten“, sagt etwa die Biologin Dr. Gunde Ziegelberger, Leiterin der Arbeitsgruppe Elektromagnetische Felder beim Bundesamt für Strahlenschutz (BfS). „Und gerade bei den stärksten Einflüssen kann jeder selbst ganz viel tun.“

Strahlungsquelle Internetrouter

Wenn Messtechniker wie Johannes Schmidt, Referent am Institut für Baubiologie und Nachhaltigkeit in Rosenheim, ihre Prüf­geräte einschalten, geben sich die verborgenen elektromagnetischen Felder zu erkennen. So weist ein Knattern darauf hin, dass der WLAN-Router eingeschaltet ist. Der arbeitet mit hochfrequenten Signalen, die nicht gleichbleibend senden, sondern gepulst. Umweltmediziner und Baubiologen sehen das kritisch: „Es gibt Hinweise, dass solche gepulsten Signale den Herzrhythmus negativ beeinflussen können“, so Schmidt. „Versuchen zufolge kann sich das Herz auf den Takt des Routers einschwingen, statt variabel dem eigenen Rhythmus zu folgen.“

W-Lan Router sind meistens dauernd eingeschaltet; mit unseren Tipps können Sie den Elektrosmog reduzieren

Da Fritzbox & Co. permanent senden, ist die potenzielle Belastung in der Wohnung hoch. Was viele Nutzer nicht wissen; Sie lässt sich deutlich reduzieren – bei gleichbleibendem Komfort. Schmidt erläutert, welche Möglichkeiten es gibt:

› Datenkabel in der Wohnung verlegen – das geht auch nachträglich, entweder als Aufputzleitung oder in oft bereits vorhandene Leerrohre.

› Zusätzlich lassen sich sogenannte Femtozellen in den Zimmern errichten – das sind nur dort aktive WLAN-Netze, die mit äußerst geringer Sendeleistung auskommen und sich nach Bedarf einzeln aktivieren und deaktivieren lassen.

› Die Strahlungsintensität des Routers lässt sich manuell deutlich verringern, ohne dass sich Datenladegeschwindigkeit und Empfang verschlechtern. Für kleinere Wohnungen reichen meist 6 Prozent der ab Werk eingestellten vollen Sendeleistung. Für eine weitere Abdeckung (zum Beispiel inklusive Garten) muss man ausprobieren, wie weit sich die Sendeleistung des Routers reduzieren lässt. Diese lässt sich in den Grundeinstellungen ändern.

› Abends sollte der Router ausgeschaltet werden, entweder manuell oder automatisch (ebenfalls über die Grundeinstellungen). So lässt er die Bewohner wenigstens im Schlaf unbehelligt. „Die Nachtruhe dient der Regeneration, deshalb sollten Menschen in dieser Zeit besonders geschützt sein“, sagt der Baubiologe Schmidt.

[Einschub der Redaktion: mehr zum Thema Dauerstrahlung/Smart Home und baubiologische Empfehlungen können Sie hier lesen.]

Schnurlostelefone und Babymonitore

Auch Schnurlostelefone und Babymonitore sind Elektrosmogquellen

Auch Schnurlosgeräte senden hochfrequente gepulste Signale – und zwar beim üblichen DECT-Standard sogar dann, wenn sie nicht benutzt werden.

› Geräte mit „Eco-DECT“-Standard senden nur während des Telefonats, zudem ist die Sendeleistung um 90 Prozent reduziert – was meist völlig ausreicht. Bei Geräten mit „Eco-Mode +“ strahlt auch die Basisstation nicht, wenn nicht telefoniert wird. Wichtiger Hinweis von Johannes Schmidt: „Dieser Modus muss allerdings auch aktiviert sein.“

› Bei Babyphonen statt eines DECT-Modells lieber ein analoges Gerät wählen und mindestens zwei
Meter Abstand zum Kind einhalten.

Elektrosmog von Handystrahlen

Obwohl auch Fernseh- und Radioprogramme über elektromagnetische Signale in die eigene Wohnung gelangen, sind es vor allem Sendemasten für Handys, die von vielen skeptisch betrachtet werden. „Es gibt jedoch bisher keine nachgewiesene Wirkung, die geltende Grenzwerte infrage stellen würde“, fasst die Biologin Ziegelberger den Stand der Forschung zu den Mobilfunkstrahlen zusammen.

Elektrosmog im Alltag: Auch Fernseh- und Radioprogramme gelangen über elektromagnetische Signale in die eigene Wohnung.

Dabei wurde in etlichen Studien sogar untersucht, wie diese auf Menschen wirken, die sich selbst als elektrosensibel einstufen. In einer Untersuchung bewerteten sie ihre Schlafqualität, die zugleich per EEG dokumentiert wurde, während sie unter einem schützenden Baldachin lagen. Sowohl die subjektiven als auch die objektiven Aufzeichnungen zeigten, dass die Schlafqualität unabhängig davon war, ob der Baldachin die Probanden wirklich oder nur scheinbar von den Strahlen abschirmte.

In einer anderen Studie wurde ein norddeutsches Dorf im Funkloch mit einem neuen Sendemasten ausgestattet. Es zeigte sich sowohl in den Protokollen als auch im EEG; Wer sich über die Strahlung Sorgen machte, schlief messbar schlechter – aber die Schlafqualität war unabhängig davon, ob die Station sendete oder ausgeschaltet war.

Wichtiger als die ziellosen Mobilfunkstrahlen in der Umgebung sind jedoch die, welche direkt mit dem eigenen Gerät ausgetauscht werden. Dadurch entstehen direkt am Körper die höchsten Feldstärken, denen Menschen im Alltag ausgesetzt sind. Die wichtigste Sorge ist die vor der tumorfördernden Wirkung. „Bislang gibt es keinen Nachweis, dass Mobilfunkstrahlung Krebs auslösen kann. Gerade in Bezug auf langjährige, intensive Handynutzung können wir es aber nicht sicher ausschließen, denn viele Tumoren haben eine lange Latenzzeit“, sagt Gunde Ziegelberger. Wer das Handy bewusst nutzt, kann viel für den eigenen Schutz tun.

Handys/Smartphones sind eine Dauerquelle von Elektrosmog

Empfehlung zur Reduktion von Elektrosmog

› Den ständig im Hintergrund laufenden Funkverkehr drastisch reduzieren und WLAN, GPS und/oder Datenverkehr nur einschalten wenn nötig. Nachts können Sie mit dem Flugmodus sogar alle Funksignale des eigenen Geräts kappen und es trotzdem zum Beispiel als Wecker benutzen.

› Abstand halten, also beispielsweise Freisprecheinrichtungen nutzen. Das gilt vor allem bei schlechtem Empfang; Die höchsten Feldstärken entstehen, wenn das Gerät eine Verbindung sucht und der nächste Mast schlecht erreichbar ist.

› Handy nutzen, dessen SAR-Wert (Maß für die Strahlungsintensität) möglichst weit unter dem Grenzwert von 2,0 Watt pro Kilogramm (W/kg) liegt. Die Werte finden Sie hier.

Elektromagnetische Felder

Die gute Nachricht zuerst: Hochspannungsleitungen in der Nähe des Hauses sind laut BfS unbedenklich. Bei dem gelegentlich hörbaren Knistern und Summen handelt es sich um Entladungen, zu denen es bei feuchtem Wetter kommen kann. Für den Menschen sind sie unschädlich. Im Hinblick auf den Strahlenschutz ist etwas anderes wichtiger: „Die Stärke des elektromagnetischen Feldes nimmt mit jedem Meter stark ab“, sagt Ziegelberger. Dagegen wirken die Felder all der elektrischen Geräte in jeder Wohnung durchaus auf die Bewohner ein. „Es handelt sich um ein niedriges Frequenzspektrum, das aber gerade im Bereich dessen liegt, was die Zellen in einem lebenden Organismus auch nutzen“, sagt der Baubiologe Johannes Schmidt.

Elektrosmog von Strommasten? Hochspannungsleitungen in der Nähe des Hauses sind laut BfS unbedenklich

Sich dem völlig zu entziehen, ist in einem Land wie Deutschland fast unmöglich, doch wenigstens der Bettplatz sollte so weit wie möglich frei von den elektromagnetischen Feldern und Wellen sein. „Schließlich halten wir uns an keinem anderen Ort so viele Stunden hintereinander auf“, sagt Schmidt. Zudem wird diskutiert, dass Felder und Wellen die Produktion des Hormons Melatonin beeinflussen und so den Schlaf beeinträchtigen könnten.

Gunde Ziegelberger vom BfS beschäftigt etwas anderes­ mehr: „Epidemiologische Studien geben teils Hinweise auf einen Zusammenhang von nieder­frequenten Feldern und Leukämie im Kindesalter“, berichtet sie. In diesen Studien lag die Belastung der von Leukämie betroffenen Kinder mit 0,3 bis 0,4 Mikro­tesla bis zu viermal höher als das Hintergrundlevel. Wegen der geringen Fallzahlen ist jedoch bisher nicht bewiesen, ob es sich um einen ursächlichen Zusammenhang handelt. „Bislang konnte das in experimentellen Studien nicht bestätigt werden“, so die Expertin Ziegel­berger. Es laufen jedoch derzeit mehrere Studien, die genau diese Frage untersuchen.

Epidemiologische Studien geben teils Hinweise auf einen Zusammenhang von nieder­frequenten Feldern und Leukämie im Kindesalter

Die Physik hinter Elektrosmog

Strahlen und Felder sind eigentlich Schwingungen,
die man sich wie Wellen vorstellen kann. Tatsächlich sind sie (unter anderem) durch ihre „Wellenlänge“ charakterisiert, genauer; wie dicht die Spitzen der Wellenberge aufein­anderfolgen.
Das Maß dafür ist die Frequenz, die gemessen in Hertz (Hz) die Anzahl der Spitzen pro Sekunde angibt. Sendemasten und Empfangsgeräte senden hochfrequente Signale aus, während durch den Hausstrom niederfrequente elektromagnetische Felder entstehen.
Die Stärke aller elektromagnetischen Felder wird in Tesla gemessen. Dabei gelten 0,1 Mikrotesla (µT) beziehungsweise 100 Nanotesla (nT) als „Hintergrundlevel“ für die durch elektrische Geräte verbreiteten Felder. Das Erdmagnetfeld hat hierzulande eine Stärke von etwa 48 µT.

Geschützter Schlaf – so geht’s

Wer auf die Ergebnisse nicht warten will, hat verschiedene Möglichkeiten, die Schlafplätze der Wohnung vor Elektrosmog zu schützen:

› Keine elektrischen Geräte nah am Bett betreiben. Wichtig: Das gilt auch für solche, die sich auf der anderen Seite der Schlafzimmerwand befinden, vor allem, wenn diese auch nachts laufen, zum Beispiel der Kühlschrank.

› Manche Geräte wie Nachttischlampen erzeugen sogar dann ein Feld, wenn sie ausgeschaltet und nur an eine stromführende Steckdose angeschlossen sind. Einen Ausweg bieten sogenannte Netzfreischalter, die man im Sicherungskasten einbauen lassen kann. „Das bedeutet: Wenn der letzte Stromverbraucher – meist die Nachttischlampe – ausgeknipst wird, schaltet die Stromversorgung auf 12 V Gleichstrom um, die für den Körper unbedenklich sind“, erläutert Schmidt. „Schaltet man ein Gerät ein, ist die volle Leistung sofort wieder da.“ Ein Messtechniker sollte vorab prüfen, welche Stromkreise Einfluss auf den Bettplatz haben.

› Sollten die Strahlenquellen beim Nachbarn liegen, gibt es Möglichkeiten der Abschirmung, die jedoch der Fachmann planen und überprüfen sollte.

› Verbannen Sie Geräte mit Transformatoren, beispielsweise Niedervoltlampen, möglichst aus Ihrer Wohnung – sie können im Nahbereich von rund einem Meter starke magnetische Felder verursachen.

Ironischerweise kann sogar das Bett selbst zur Störquelle werden. Häufig sind die Federkerne von Matratzen magnetisiert, manchmal auch andere Metallteile am Bett oder den Lattenrosten. Erkennbar sind die magnetischen Gleichfelder daran, dass z. B. ein auf dem Bett liegender Kompass sie anzeigt. Als Gegenmaßnahme hilft nur, weitgehend metallfreie Betten und Matratzen zu kaufen.

Auch am Schlafplatz gibt es viele Elektrosmog Quellen

Text: Kirsten Segler mit fachlicher Beratung von Johannes Schmidt und Dr. Gunde Ziegelberger
Bilder: Unsplash und Pixabay

Vertikale Begrünung im urbanen Raum

Vertikale Begrünung mit modularen Systemen kombiniert eine flexible Bauweise mit positiven Eigenschaften für das Stadtklima und einem ausgezeichneten Lärmschutz. Ein Projekt von Fraunhofer UMSICHT.

Vertikale Begrünung mit modularen Systemen birgt viele Vorteile für wachsende Städte, denn sie ist verhältnismäßig pflegeleicht und ist zudem wirtschaftlich. Die Vorteile reichen von verbesserter Luftqualität über Schallschutz bis hin zu einer optimalen Temperaturregulierung. Ein Projekt von Fraunhofer UMSICHT.

In diesem Artikel:

Ein Gastbeitrag von Fraunhofer UMSICHT.

Projektziele

Immer mehr Menschen leben in Städten. Begleiterscheinungen sind unter anderem Luftverschmutzung durch Verkehrsaufkommen und hohe Geräuschpegel. Um eine hohe Lebensqualität zu sichern und diese weiter zu optimieren, bedarf es entsprechender Lösungen; Zunehmend rückt die Begrünung des urbanen Raums und urbaner Infrastrukturen ins Blickfeld von Architektur, Planungs- sowie Bauwesen. Es besteht zum einen der Wunsch, grüne Flächen als gestalterisches Element zu verwenden, zum anderen verspricht man sich von der Begrünung positive Einflüsse auf Sauerstoffproduktion, CO2-Bindung und Luftreinhaltung. Hinzu kommen energetische Einsparpotenziale und positive Auswirkungen auf das Mikroklima, bedingt durch die dämmende und kühlende Wirkung von bepflanzten Flächen sowie positive Auswirkungen auf die Biodiversität durch das Schaffen neuer Lebensräume.

Vertikale Begrünung: der Nutzen

Zusammen mit Partnern hat das Fraunhofer UMSICHT spezielle Elemente auf Basis eines mineralischen Werkstoffs (Kalksandstein) für den Bau von bodenungebundenen begrünten Wänden entwickelt. Der mineralische Werkstoff eignet sich durch seine optimierten saugfähigen und flüssigkeitsspeichernden Eigenschaften ideal für derartige Anwendungen. Die einzelnen Elemente sind mit Pflanzrinnen versehen und werden zu einem Modulsystem verbaut. Die Rinnen werden mit Pflanzsubstraten befüllt und können anschließend eingesät oder bepflanzt werden. Die Pflanzen wachsen nach vorne aus den Bauelementen heraus und bedecken die vertikale Fläche. Für die Begrünung eignen sich je nach gewünschtem Begrünungstyp unterschiedlichste Pflanzenarten. Insbesondere Gräser erzielen einen Begrünungserfolg bereits nach 2 bis 3 Wochen.

Pilotwand zur vertikalen Begrünung beim Fraunhofer UMSICHT: Modulsystem auf Basis von mineralischen Bauelementen.
Pilotwand zur vertikalen Begrünung beim Fraunhofer UMSICHT: Modulsystem auf Basis von mineralischen Bauelementen.

Die Bewässerung erfolgt von oben, wobei aufgrund der Flüssigkeits-Transporteigenschaften des Steins das Wasser in der Wand allein durch Schwerkraft nach unten geführt wird und so alle Pflanzrinnen erreicht. Das mindert den Aufwand für die Pflege der Pflanzen erheblich. Bei Bedarf können einzelne Steinlagen zudem separat bewässert werden.

Durch den Einsatz einzelner Bauelemente ist das System skalierbar, sodass sich beliebig große Flächen erstellen lassen. Die Anwendungsgebiete reichen von der Wandverkleidung- und Begrünung über die Nutzung als gestalterisches Element oder begrünte Trennwand bis zum vertikalen Gärtnern. Kleinteilige Module sind schon im Größenbereich von Balkonen oder Terrassen für die Bepflanzung nutzbar – beispielsweise als Kräutergarten.

Ergebnis

Die Bauelemente ermöglichen durch ihren Aufbau eine wirtschaftliche und industrielle Herstellung in Serie. Bislang sind Pilotsysteme in Castrop-Rauxel (UNIKA), im spanischen Orihuela Costa (biolit) sowie in Oberhausen (Fraunhofer UMSICHT) zu Forschungszwecken installiert – mit überzeugenden Praxisergebnissen. Aktuell abgeschlossene Messungen zum Lärmschutzverhalten bestätigen dem System ausgezeichnete Werte.

In nachfolgenden Arbeiten begleitet das Fraunhofer UMSICHT die Realisierung von Begrünungsobjekten. Im Fokus stehen dabei insbesondere Untersuchungen zum Verhalten des Systems im Hinblick auf die Mikroklimaverbesserung und Kühlwirkung im urbanen Raum.

Projektpartner

Biolit Vertical Green®
UNIKA – Ruhrbaustoffwerke GmbH & Co. KG

Das Projekt für urbane vertikale Begrünung ist eine Kooperation von Fraunhofer UMSICHT, biolit und UNIKA
Das Projekt für urbane vertikale Begrünung ist eine Kooperation von Fraunhofer UMSICHT, biolit und UNIKA
Bild: Fraunhofer UMSICHT/Holger Wack

Über die vertikale Begrünung von Biolit und UNIKA

Luftqualität, Schallschutz, Temperaturregulierung – all das sind Faktoren, die einen hohen Anteil an unserer Wohn- und Lebensqualität tragen. Sie gilt es nicht nur zu erhalten, sondern zu optimieren, um die immer weiter wachsenden Städte lebenswert zu gestalten.

Ein Baustein dazu ist die vertikale Begrünung mit dem neuen Begrünungssystem Biolit Vertical Green®. Diesem liegt ein Patent des Fraunhofer-Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT und Herrn Dipl.-Ing. Berthold Adler zugrunde. Die Vorteile dieser grünen Wände sind überzeugend:

Bauelement zur vertikalen Begrünung.
Bauelement zur vertikalen Begrünung.
  • Schall wird um mehr als 50 dB reduziert, bis zu 8 dB werden dabei absorbiert
  • Die Bindung von Kohlendioxid (CO2) und Stickoxiden (NOX) aus der Luft wird positiv beeinflusst
  • Das System trägt zur Luftreinhaltung und Biodiversität bei.
  • Das Mikroklima wird positiv beeinflusst
  • Der konstruktive Aufbau und die schnelle Begrünung schützen vor Schäden durch Vandalismus (z. B. Graffiti)
  • Die Pflege der Anlage ist einfach und wirtschaftlich
  • Mit dem voll integrierbaren Bewässerungssystem gehören vertrocknete grüne Wände der Vergangenheit an.

Viele Stadtverwaltungen haben erkannt, dass der Platz für Grünflächen zur Wohnklima- und Luftverbesserung nicht mehr ausreicht. Deshalb werden Begrünungsprojekte an Gebäuden gefördert. Neben der Förderung für Gründächer gilt dies seit wenigen Jahren auch für vertikale Flächen. Je nach Stadt sowie nach Art und Umfang der Begrünung werden bis zu 50 Prozent der Kosten erstattet.

Bei einer Messe wurde das Projekt vorgestellt
Bei einer Messe wurde das Projekt vorgestellt
Bild: Fraunhofer UMSICHT/Holger Wack

Statik und bautechnische Eigenschaften

Die Konstruktion kann flexibel und skalierbar geplant und zusammengefügt werden. Der Größe der zu begrünenden Flächen sind somit nahezu keine Grenzen gesetzt. Die Pflanzsteine können entweder als Vorsatzschale vermauert und über eine Verankerung an einer bestehenden Fassade befestigt werden oder sie erhalten als freistehende Wände oder Trennwände – beispielsweise zur optischen Gestaltung, zum Lärmschutz oder als Sichtschutz – bei Bedarf ein Fundament oder Tragsystem.

Die Bewässerung ist im System voll integrierbar und damit vor Vandalismus geschützt. Sie macht sich die speziellen Eigenschaften des mineralischen Baustoffs zunutze. Feuchtigkeit wird gespeichert und bei Bedarf wieder an das Pflanzsubstrat und die Pflanzen abgegeben.

Der Pflanzstein mit den Abmessungen 25 x 24 x 24 cm (Länge x Breite x Höhe) wurde bezüglich der Materialstruktur, auf Basis von Kalksandstein, speziell auf seine Wasserspeicher- sowie Wassertransporteigenschaften hin entwickelt. Bautechnisch gelten für ihn dieselben Parameter, die den Baustoff Kalksandstein auszeichnen. Er bietet einen hervorragenden Schallschutz und erfüllt zudem auch baurechtliche Anforderungen, z. B. im Brandschutz. Zudem liegt eine Umwelt-Produktdeklaration nach ISO 14025 vor. Die gute Frostbeständigkeit des Materials garantiert eine lange Wertbeständigkeit und Freude am vertikalen Grün.

Mit Winkelsteinen können die Pflanzrinnen umlaufend auf die andere Seite der Wand weitergeführt werden.

Bewässerung, Substrat und Pflanzen

Nach dem Aufbau der Wand werden die Rinnen mit Substrat gefüllt und anschließend direkt bepflanzt oder eingesät. Das Substrat und die Pflanzen können dabei in vielfältiger Weise variiert und auf den gewünschten Begrünungstyp angepasst werden. Bei der Begrünung mit Gräsern wird ein schneller Erfolg (2 bis 3 Wochen) erzielt und das entstehende Mikroklima ermöglicht die Ansiedlung weiterer Pflanzen.

Perfekter Ort für Erdbeeren: Das Modulsystem auf Basis von mineralischen Bauelementen zur vertikalen Begrünung.
Perfekter Ort für Erdbeeren: Das Modulsystem auf Basis von mineralischen Bauelementen zur vertikalen Begrünung.

Meist reicht ein einzelner Wasseranschluss, um eine komplette Wand zu bewässern. Die Bewässerung des Systems erfolgt von oben, denn aufgrund der Flüssigkeitstransporteigenschaften des Pflanzsteins gelangt das Wasser in der Wand allein durch Schwerkraft nach unten und erreicht so jede Pflanzrinne. Bei Bedarf – zum Beispiel extreme Witterungsverhältnisse, Südseite – können die einzelnen Steinlagen jedoch auch separat bewässert werden.

Durch Regenereignisse nimmt das System eigenständig Wasser auf, was zu einer guten Bewässerungsbilanz führt. Durch die Nutzung von Regenwasser (beispielsweise mit Zisternen) ist eine Einleitung in die Kanalisation verzichtbar.

Bewässerungstechnik und Monitoring

Die Bewässerungsanlage lässt sich über verschiedene Module und Sensoren zu einem intelligenten System erweitern. Beginnend mit einfachen Zeitschaltuhren, die den Wasserzulauf regeln, sind auch Sensoren zur Luft- und Bodenfeuchtemessung und weitere, bis hin zur kompletten Wetterstation, integrierbar. Auf Basis der ermittelten Messdaten wird die Feuchtigkeit im System bedarfsgenau gesteuert und die Bewässerung somit individuell geregelt.

Per WLAN und GPRS-Adapter können die Sensorwerte auch an eine App weitergegeben werden. Der Anwender hat so die Möglichkeit, seine Bewässerungsanlage zu überwachen und gegebenenfalls zu justieren. Über Solarpanele bleibt auch die Stromversorgung autark.

Text und Bilder (wenn nicht anders gekennzeichnet): Fraunhofer UMSICHT

STROHBOID – nachhaltige Bausysteme für Events

STROHBOID ist ein Unternehmen, das sich auf Bausysteme für die Toursimus- und Eventbranche spezialisiert hat. Im Fokus steht dabei CO2-neutrales und ökologisches Bauen mit natürlichen und schadstofffreien Baustoffen.

STROHBOID ist ein Unternehmen, das sich auf Bausysteme für die Tourismus- und Eventbranche spezialisiert hat. Im Fokus steht dabei CO2-neutrales und ökologisches Bauen mit natürlichen und schadstofffreien Baustoffen.

In diesem Artikel:

Ein Gastbeitrag von STROHBOID.

STROHBOID  bietet ikonographische Bausysteme an, die aus nachhaltigen und klimaneutralen Materialien bestehen

STROHBOID stellt sich vor

Die STROHBOID GmbH entwickelt, produziert und vermarktet zukunftsweisende Bausysteme aus nachhaltigen, natürlichen und CO2-neutralen Materialien für die Event – und Baubranche. Die ersten drei Produkte sind das STROHBOID Eventzelt, der STROHBOId Pavillon und das STROHBOID Chalet.

STROHBOID ist ein Team aus Zukunftsdenkern, die den Bausektor verändern wollen. Die beiden Gründer Max Schade und Fritz Walter teilen die Leidenschaft für natürliches Bauen und den unumstößlichen Vorsatz, der nächsten Generation eine nachhaltigere Umwelt zu schaffen.

„Wir stehen kompromisslos für nachhaltige Baustoffe, CO²-Neutralität und Langlebigkeit. Einzigartiges Design kombiniert mit höchster Qualität ist unser Standard.
Wir beweisen, dass nachhaltige Architektur Räume schaffen kann, über die wir normalerweise noch nicht einmal zu träumen wagen. Wir garantieren ein rundum nachhaltiges Wohnerlebnis auf einer völlig neuen Ebene:“

STROHBOID ist ein Team aus Zukunftsdenkern, die den Bausektor verändern wollen. Die beiden Gründer Max Schade und Fritz Walter teilen die Leidenschaft für natürliches Bauen und den unumstößlichen Vorsatz, der nächsten Generation eine nachhaltigere Umwelt zu schaffen.

Die Vision dahinter

Warum nachhaltig bauen?

40 % aller CO²-Emissionen werden durch das Erbauen und anschließende Heizen von Gebäuden verursacht. Alle Anstrengungen beim Energiesparen werden von Reboundeffekten aufgefressen. Was moderne Gebäude beim Heizen sparen, verbrauchen sie schon bei ihrer Herstellung. Nur mit nachhaltigen Baustoffen können wir diese Emissionen tatsächlich reduzieren. Die Herstellungsenergie für Gebäude aus Holz, Stroh und Lehm schrumpft um 80 bis 90 %. Zudem binden nachwachsende Rohstoffe Kohlenstoff, den die Pflanze während ihres Wachstums der Atmosphäre in Form von CO² entzieht.

Pro Tonne verbautem Stroh wird die Atmosphäre um zwei Tonnen CO² erleichtert. Es lassen sich Gebäude errichten, die genauso viel CO² speichern, wie herkömmliche Bauweisen freisetzen. Ein konsequenter Umstieg würde mit einer CO²-Reduktion von 20 % mehr einsparen als die Elektromobilität.

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Natürliche Materialien zeichnen die Bausysteme von STROHBOID aus

Wie nachhaltig kann gebaut werden?

In Europa stehen mindestens dreimal so viel Holz und Stroh zur Verfügung, wie wir zur Herstellung aller Gebäude bräuchten. Folglich ist der konsequente Umstieg auf nachwachsende, natürliche Baustoffe jederzeit machbar. Abgesehen davon, dass nachhaltige Häuser deutlich gesünder für unsere Atmosphäre sind, sind sie auch deutlich gesünder für ihre Bewohner; Heute wissen wir, dass Lehm in Verbindung mit organischen Materialien völlig ohne aufwendige Technik ein optimales Raumklima erzeugen und sogar Schadstoffe aus der Luft filtern kann

Der richtige Weg in die Zukunft?

Das 21. Jahrhundert gehört nicht mehr dem Stahl und dem Erdöl, sondern dem Silizium. Das ist der Stoff, aus dem unsere Mikrochips und Solarzellen gebaut sind. Ein Material, was nichts weiter macht als Elektronen zu bewegen. Und dadurch Erstaunliches leistet: Es produziert Strom oder lässt Computer denken. Die gleichen Eigenschaften des im Lehm natürlich vorhandenen Siliziums nutzen wir schon seit Jahrhunderten, um unsere Raumluft zu reinigen und zu regulieren. Es ist kein Zufall, dass der Lehmputz ein echtes Hightech Material ist! Heute können sich junge Menschen eher mit Mikrochips oder Solarzellen identifizieren als mit den Maschinen ihrer Vorfahren.

Wir glauben, dass die Menschheit die großen Herausforderungen der Zukunft nur meistern kann, wenn sie sich auf die Eigenschaften des Siliziums besinnt. Immer mehr Menschen sind immer besser informiert und wollen die Vorteile des nachhaltigen Bauens nutzen. Klar ist: Mit der Natur zu arbeiten, ist viel leichter als gegen sie.

Warum ist das noch nicht die Norm?

Als archaischer Selbstbau oder Hippietraum verschrien, hat das nachhaltige Bauen heute das gleiche Imageproblem wie das Elektroauto vor zehn Jahren. Wir sind überzeugt davon, dass das gleiche Konzept auf die Architektur übertragbar ist. Was aber ist der Sportwagen der Architektur? Was setzt neue Trends, und lässt uns schon heute die Zukunft in gebauter Form erleben? Es ist die ikonographische Architektur, die Wahrzeichen unserer Städte, Gebäude wie Museen, Bibliotheken, Bahnhöfe oder Messehallen, die die Trends der Zukunft setzen.

Der Sportwagen des nachhaltigen Bauens: ikonographische Architektur
Der Sportwagen des nachhaltigen Bauens: ikonographische Architektur

Deswegen haben wir das erste konsequent nachhaltige Bausystem für frei geformte ikonographische Gebäude jeder Größe und Spannweite entwickelt, vom Tiny House bis zum Olympiastadion. Ob mobiles, mit Stoff bespanntes Bühnenzelt, Flugdach oder mit Stroh gedämmtes Passivhaus: Das STROHBOID Bausystem bietet für jeden Einsatz die perfekte Lösung.

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Mit dem STROHBOID Freiform System lassen sich organisch gekrümmte Räume gestalten, die mit der Natur harmonieren. Wir wollen zeigen, dass nachhaltige Architektur Räume schaffen kann, über die wir normalerweise noch nicht einmal zu träumen wagen! Wer heute schon in der Zukunft wohnen will, lebt in einem STROHBOID!

STROHBOID baut mit natürlichen und nachhaltigen Material nach dem Motto "form follows nature"

3 Fragen an STROHBOID

Gab es ein spezielles Erkenntnis, die dazu führte, dieses Unternehmen zu gründen?
Das Potential CO² einzusparen ist im Bausektor sehr groß und wird bisher noch wenig beachtet. Carbon-negative Häuser mit zum Beispiel Holz, Stroh und Lehm sind aber möglich! Holz bindet CO² aus der Atmosphäre – nicht zuletzt deshalb haben wir uns für diesen Baustoff entschieden. Bisher gibt es noch wenige Firmen die Vorzeigeprojekte zu
CO²-neutraler Architektur vorweisen können. Wir haben uns zum Ziel gesetzt das Image des CO2 neutralen ökologischen Bauens mit unseren Produkten aufzuwerten und einen Stein ins Rollen zu bringen.

Was braucht es Ihrer Meinung nach, um gesellschaftliche Veränderung zu bewirken?
Eine nachhaltige CO2 neutrale Bauwirtschaft hätte einen größeren positiven Impact auf das Klima als Umstellung auf Elektromobilität. Um eine gesellschaftliche Veränderung zu bewirken braucht es vor allem ein besseres Image für nachhaltiges Bauen mit natürlichen Rohstoffen. Dafür braucht es Architektur, die sich in deutlich von herkömmlichen Häusern abhebt. Wir haben uns mit all unseren Produkten zum Ziel gesetzt, herausragende Ergebnisse in den Punkten Ökologie, Qualität, Design und gesundem Raumklima zu erreichen. Des Weiteren ist geplant auch für größere Bauten Vorzeigeprojekte aufzuweisen.

Welches langfristiges Ziel verfolgt ihr?
Wir haben das Ziel, dass unsere Produkte die Menschen erreichen und überzeugen. Zudem ist uns unser stetige Entwicklung wichtig: wir wollen kontinuierlich neue Gebäude entwerfen, die für eine CO2 neutrale Zukunft stehen und diese auch maßgeblich mitgestalten können. Mit genügend Impact und Kapital können wir in die richtige Richtung gehen und den Bausektor revolutionieren, da es in entsprechender Serienproduktion auch günstiger sein wird nachhaltige Bauten zu errichten.

Die Systeme können auch privat den Garten gemütlich machen
Ein STROHBOID Bausystem von oben

Text und Bilder (wenn nicht anders gekennzeichnet): STROHBOID

INUAS Konferenz 2021

Die Inuas Konferenz 2021 findet vom 03.-05. März statt.

Die INUAS Konferenz 2021 ist der zweite Teil der Konferenzreihe „Urbane Transformationen: Wohnen | Ressourcen | Öffentliche Räume“. Sie findet vom 3. bis 5. März 2021 an der Hochschule München statt.

In diesem Artikel:

Ein Gastbeitrag der Hochschule München.

Die INUAS Konferenz

München, Wien und Zürich. Der INUAS-Verbund von Hochschulen dieser drei Städte veranstaltet in München mit „Ressourcen – Material, Zeit, Raum, Energie“ eine Konferenz zu den urbanen Transformationen unserer Zeit.

Drei Städte, die sich in wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen sowie ihrer Lebensqualität ähneln. Drei Hochschulen, die sich zusammentun, um für die Herausforderungen der Metropolregionen München, Wien und Zürich gemeinsam Lösungen zu entwickeln. 2011 gründete die Hochschule München, der FH Campus Wien und die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften gemeinsam das International Network of Universities of Applied Sciences (INUAS). Eine neue Form ihrer Zusammenarbeit ist seit 2019 die Konferenzreihe „Urbane Transformationen: Wohnen I Ressourcen I Öffentliche Räume“.

„Die Schweiz und Österreich sind uns [beim Thema Materialwiederverwendung im Bau] in rechtlicher und politischer Hinsicht voraus. Auch hier ist der Hochschulverbund INUAS ideal dazu geeignet, Wissen zu transferieren und Prozesse zu verändern. Wunderbar wäre es, wenn wir uns bei der Konferenz zu diesem und den anderen Themen austauschen und neue Verknüpfungen ermöglichen könnten“

Prof. Dr. Andrea Kustermann

Ressourcen urbanen Wandels – transdisziplinär erforscht

Die Reihe startete mit dem Thema „Wohnen“ 2019 in Wien und wird nun 2021 in München unter dem Titel „Ressourcen“ fortgeführt. Das Thema „Öffentliche Räume“ wird eine abschließende Veranstaltung in Zürich behandeln. Dass die Konferenz „Ressourcen“ urbane Transformation mit internationalem und transdisziplinären Fokus behandelt, wurzelt in der Ausrichtung der drei Hochschulen. „Unsere angewandte Forschung organisieren wir zunehmend transdisziplinär. Um Antworten auf Fragen der Ökologie, der Ökonomie, des Sozialen und der Kultur finden zu können, ist der Austausch zwischen den Disziplinen von Bedeutung“, sagt Prof. Dr. Sonja Munz, Vizepräsidentin für Forschung der Hochschule München.  

Vier Perspektiven auf Ressourcen

Die vier Sektionen der Tagung stellen auf die vier Themen Material, Zeit, Raum und Energie scharf. Diese vielseitige Ausrichtung entspricht der Vision der scheidenden Vorsitzenden des Scientific Committees, Prof. Dr. Silke Langenberg, für die Münchner Konferenz: „Interessant ist, sich Fragen zu Problemen zu stellen, die erst in der Zukunft auftreten werden. Bei der Themensetzung der Konferenz haben wir versucht, die Interdisziplinarität zwischen der Architektur, dem Bauingenieurwesen und den Sozialwissenschaften abzubilden“.

Die Sektion Material behandelt unter anderem die Bauwirtschaft zwischen Wertstoffkreisläufen und nachhaltigem Neubau. Im Bereich Zeit stehen beispielsweise die widersprüchlichen Bewegungen zwischen demokratischer Teilhabe und Zeitknappheit zur Debatte. Die hart umkämpfte Ressource Raum wird für die Städte unter anderem in punkto Mehrfachnutzung und Verdichtung diskutiert, der Energiebedarf der Metropolregionen zwischen umweltfreundlicher Gewinnung und nachhaltigen Energiesystemen.

Prof. Dr. Andrea Kustermann, Professorin für Bauingenieurwesen der HM, löst Prof. Dr. Silke Langenberg als Vorsitzende des Scientific Committees ab, die zum Wintersemester an die ETH Zürich berufen worden ist, aber weiterhin Teil des Committees bleibt. Auch ihre Forschung zur Materialwiederverwendung im Bau profitiert von internationalem Austausch: „Die Schweiz und Österreich sind uns hier in rechtlicher und politischer Hinsicht voraus. Auch hier ist der Hochschulverbund INUAS ideal dazu geeignet, Wissen zu transferieren und Prozesse zu verändern. Wunderbar wäre es, wenn wir uns bei der Konferenz zu diesem und den anderen Themen austauschen und neue Verknüpfungen ermöglichen könnten“, so Kustermann.

Prof. Dr. Andrea Kustermann ist Vorsitzende des Scientific Committee der INUAS Konferenz 2021 an der Hochschule München
Prof. Dr. Andrea Kustermann ist Vorsitzende des Scientific Committee der INUAS-Tagung „Ressourcen“ 2021 an der Hochschule München
Bild: Johannes Lesser

Die Konferenz „Urbane Transformationen – Ressourcen: Material, Zeit, Raum, Energie“ findet vom 3.-5. März virtuell an der Hochschule München statt. Interessierte finden das genaue Programm sowie Informationen zur Anmeldung ab Mitte November unter https://www.inuas.org/konferenz-2021/programm-konferenz/.

Weitere Beiträge der Hochschule München

Ein Modellprojekt in München, das die Kreislaufwirtschaft im Hochbau revolutionieren könnte: Betonrecycling – Bauen statt Deponieren

Ein europäisches Forschungsprojekt zur Wiederentdeckung traditioneller Gebäude in den Alpen: Alpine Architektur: Die Schönheit des Alten

Ein studentisches Bauprojekt: Das Studio Chamanga – Design Build in Ecuador

Text: Christiane Taddigs-Hirsch

Der DNP Architektur 2021: die Finalisten

Der DNP Architektur wird auch dieses Jahr vergeben. Drei Finalisten stehen schon fest.
Bild: DGNB

Für den DNP Architektur 2021 stehen die Finalisten nun fest: SKAIO in Heilbronn, UNIQUE³ in Saarbrücken und Walden 48 in Berlin.

In diesem Artikel:

Ein Gastbeitrag der DGNB.

„Der DNP Architektur prämiert in Kooperation mit der DGNB herausragende und beispielhafte Leistungen im Bausektor, die Beiträge zur Transformation zu nachhaltigem Leben und Wirtschaften leisten und darüber hinaus große Innovationskraft sowie eine hohe gestalterische Qualität aufweisen.“

Die Finalisten des DNP Architektur 2021

Gebäude aus Berlin, Heilbronn und Saarbrücken im Finale des DNP Architektur 2021.

Zwei außergewöhnliche Wohnungsbauten aus Holz und ein umgenutzter denkmalgeschützter Gebäudekomplex sind die Finalisten des Deutschen Nachhaltigkeitspreises Architektur. Sie stehen beispielhaft für die Leistungsfähigkeit des urbanen Holzbaus und den nachhaltigen Umgang mit vorhandener Bausubstanz. Die renommierte Auszeichnung wird in diesem Jahr zum achten Mal gemeinsam von der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen – DGNB e.V. sowie der Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis e.V. vergeben.

„Alle drei Finalisten für den diesjährigen Deutschen Nachhaltigkeitspreis Architektur lösen ihre jeweilige Bauaufgabe auf außergewöhnliche, beispielhafte Weise“, sagt DGNB Präsident Amandus Samsøe Sattler. „Sie zeigen in besonderer Weise, wie sich eine gute architektonische Qualität mit innovativen Lösungen und einem hohen Nachhaltigkeitsanspruch kombinieren lassen.“

DGNB Präsident Amandus Samsøe Sattler
Bild: DGNB

Der Auswahlprozess

Für eine fundierte und unabhängige Bewertung werden die Sieger und Finalisten beim Deutschen Nachhaltigkeitspreis Architektur in einem zweistufigen Juryprozess ausgewählt, an dem sich namhafte Experten aus den Bereichen Architektur und Bauen, aber auch Experten aus Kommunen, Forschung, Zivilgesellschaft und Politik beteiligen. Nachdem eine DGNB Jury unter dem Vorsitz von Amandus Samsøe Sattler über die nominierten Projekte entschied, wurden die Finalisten und der Sieger in einer zweiten Auswahlrunde durch die Jury des Deutschen Nachhaltigkeitspreises bestimmt. Im Expertengremium unter dem Vorsitz von Prof. Günther Bachmann, Generalsekretär des Rates für Nachhaltige Entwicklung a.D., befanden sich unter anderem Susanne Warzeck, Präsidentin Bund Deutscher Architekten (BDA), Reiner Nagel, Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung Baukultur, sowie DGNB Präsidiumsmitglied Prof. Alexander Rudolphi.

Die Preisverleihung findet am 4. Dezember 2020 im Rahmen des Deutschen Nachhaltigkeitstages in Düsseldorf statt. Die Auszeichnung wird in diesem Jahr durch Caparol, den Bund Deutscher Architekten, die Bundesarchitektenkammer sowie die Bundesstiftung Baukultur unterstützt.

Weitere Informationen im Detail gibt es unter www.nachhaltigkeitspreis.de/architektur und www.dgnb.de.

SKAIO, Heilbronn

Das SKAIO in Heilbronn ist mit zehn Geschossen und einer Höhe von 34 Metern das erste und bis heute das höchste Holzhochhaus in Deutschland. Es entstand im Rahmen der Bundesgartenschau 2019 in Heilbronn, die eine ambitionierte Brachflächen-Revitalisierung mit einem Stadtentwicklungsprojekt sowie unterschiedlich innovativen Bauvorhaben verband. Das SKAIO steht also nicht für sich allein, sondern ist Teil eines umfassenden Konzeptes zukunftsfähiger Stadtentwicklung: sinnvoll im Quartier, kompakt, flächensparend und deshalb bezahlbar, mit einer gut durchdachten Nutzungs- und Nutzermischung, intelligenten Wohnungsgrundrissen und dem Ziel, die Grenzen des Machbaren im Holzbau auszuloten. 60 Mietwohnungen, davon 25 öffentlich gefördert, werden um vier Wohngemeinschaften für bedürftige Menschen und integrierte Gewerbeeinheiten ergänzt.

dnp architektur 2021 finalist skaio
Bild: Höfele

Durch die „Vergemeinschaftung“ von Nebenfunktionen gewinnen die zum Teil sehr kleinen Wohnungen ein Maximum an Wohnqualität und haben sozialverträgliche Mieten. Ein gutes Vorbild im Hinblick auf Flächensuffizienz. Ein herausstechendes Merkmal dieses Projektes ist es, dass man sich hier nicht mit dem Bewährten zufrieden gibt, sondern ausprobiert, was als sinnvoll erkannt wurde. So steht das SKAIO als Modellprojekt beispielhaft für die Leistungsfähigkeit urbanen Holzbaus. In die Weiterentwicklung des Landesrechts in Baden-Württemberg zur Verwendung des Baustoffes Holz im Hochhaus sind die Erkenntnisse aus dem Projekt unmittelbar eingeflossen. Das Experiment SKAIO hat den Blick für das Machbare geschärft. Welches Objekt kann das von sich behaupten?

Dabei bleibt das Projekt unideologisch: Weil sie sich im Lebenszyklus als sinnvoll erwiesen, wurde die Fassadenverkleidung mit vorgehängten, hinterlüfteten Aluminiumelementen verkleidet. Konsequent wurden Fragen der Rückbaubarkeit konstruktiv bearbeitet und das Cradle to Cradle-Prinzip verfolgt. Im Rahmen der DGNB Zertifizierung wurde darüber hinaus eine Lebenszykluskostenanalyse durchgeführt.

Hier wollte man genau wissen, ob die ehrgeizigen Ziele wirklich eingelöst werden. Auch deswegen kann das SKAIO prototypisch für Innovation im Bauwesen gesehen werden.

UNIQUE³, Saarbrücken

Das UNIQUE3 ist ein umgenutzter, denkmalgeschützter Gebäudekomplex der ehemaligen SiemensNiederlassung in Saarbrücken aus dem Jahr 1965. Das Wohnquartier beantwortet auf beispielhafte Weise die Frage, wie der wertvolle Raum solch eines Baudenkmalareals weiter genutzt werden kann. Schließlich galt das Ensemble aus einem sechsgeschossigen Bürohaus, einem Casino und Werkstätten nach seiner Aufgabe 2010 zunächst als energetisch nicht sanierbar und stand lange leer. Gegen ein Wohnquartier sprachen zuerst die Raumtiefen der ehemaligen Großraumbüros und die Schwierigkeit eines denkmalgerechten Umgangs mit dem äußeren Erscheinungsbild, die vor allem hinsichtlich der durchgängigen festverglasten Fensterbänder des Bürohauses bestand.

Hinzu kamen die von Gebäuden der Nachkriegsmoderne her vertrauten bautechnischen Probleme wie niedrige Geschosshöhen (durch enorme Technik über den Abhangdecken für Lüftung, Klima etc.) sowie thermische Bauteilschwierigkeiten. Die Umnutzung gelang beim ehemaligen Bürohaus durch den Einsatz einer zurückgesetzten Klimahülle, einem Haus-im-Haus-Prinzip, mit dem die EnEV- und KfW-55-Anforderungen erfüllt werden konnten. Wobei zugleich die neu geschaffenen, großzügigen Loggien, die für Wohnzwecke zu groß geratenen Raumtiefen reduzieren.

Dabei hat man etwa die Hälfte der Glasfelder aus den Fensterbändern entnommen – ein Schritt, der im Rahmen der Bewertung der Einreichung durchaus ambivalent gesehen wurde. Diese Maßnahmen, die in Abstimmung mit der Denkmalpflege erfolgten, gehen durchaus selbstbewusst mit dem Bestand um und setzen dadurch ein neues, eigenes Zeichen. Zugleich bleibt die Ästhetik der Moderne als eine historische, visuelle Zeitschicht weiterhin deutlich ablesbar. In dem ehemaligen Bürohaus entstanden 41 großzügige Wohnlofts mit Raumhöhen von circa 3,70m und ansprechenden konstruktiven Details, wie zum Beispiel den freigelegten Stahlbetonrippendecken.

dnp architektur 2021 finalist unique3
Bild: Iris Maria Maurer

Bauen mit Holz

Zudem wurde positiv bewertet, dass die Erweiterungen der Nachbargebäude konstruktiv in Holzbauweise realisiert wurden. Das ehemalige Casino wurde entkernt und eingeschossig in Holztafelbauweise aufgestockt, wobei auch die neuen Bauteile in Anlehnung an den Bestandsbau eine Fassade mit weißen Aluminiumkassetten erhielten. Durch neue Deckenöffnungen wurde außerdem ein Atrium geschaffen, über das sechs Wohnungen mit Gartenanteil im Erdgeschoss und 14 Apartments in den Obergeschossen erschlossen werden. Die ehemaligen Siemens-Werkstätten wurden im Rahmen einer zweigeschossigen Aufstockung in Brettschichtholzbauweise in Townhouses mit nach Süden ausgerichteten Gärten und Terrassen aufgeteilt. So entstanden sieben Lofts im Erdgeschoss sowie 20 weitere Wohneinheiten im ersten und zweiten Obergeschoss.

Durch die Revitalisierung einer Gewerbebrache ohne zusätzliche Flächeninanspruchnahme wurde hochwertiger, zentrumsnaher Wohnraum geschaffen, der Wärme-, Schall-, Brand- und Denkmalschutz miteinander kombiniert und versöhnt. Durch eine weitgehende Entsiegelung und eine extensive Dachbegrünung wurden zudem lokale klimatische Verbesserungen erreicht.

Walden 48, Berlin

Das Wohnhaus Walden 48 ist ein sehr gelungenes Beispiel innerstädtischer Nachverdichtung. Die Vorbildwirkung des Projektes liegt in der hohen Qualität architektonischer Gestaltung. Als Gebäude mit starkem Anteil an sichtbaren Holzoberflächen und -fassaden ist es beispielhaft für den urbanen Holzbau. Gleichzeitig setzt es einen Meilenstein im Diskurs um den Wohnungsbau in Holzbauweise, der gerade in Berlin einsetzt.

Das Wohnhaus besetzt ein Baufeld am Rande eines Friedhofs und erstreckt sich als langgezogener Baukörper an einer Ausfallstraße mit Straßenbahntrasse. Über einer zweigeschossigen Sockelzone, die von der historischen Friedhofsmauer zurückspringt, scheint der darüber liegende Wohnriegel zu schweben. Die verschieferte Lochfassade mit locker angeordneten Fensterformaten überzeugt als selbstbewusster, städtischer Baukörper. Zum Friedhof hin öffnet sich das Gebäude über Loggien, die den Schottenbau repräsentieren und einen Beitrag zur Aufenthaltsqualität leisten. Die Gartenfassade sowie das Staffelgeschoss sind mit einer naturbelassenen vertikalen Holzschalung aus Lärche versehen.

dnp architektur 2021 finalist Walden 48
Bild: Jan Bitter

Bauen in einer Baugemeinschaft

Das intensiv mit einer Baugemeinschaft entwickelte Gebäude spiegelt die diversen Wünsche der Beteiligten wider. Im Kellergeschoss ist ein Fahrradparkhaus angeordnet, ergänzt durch drei ECarsharing-Plätzen im Freiraum. Dies ermöglicht den Verzicht auf individuelle PKW. Im Erdgeschoss und auf dem Dach sind Gemeinschafts- und Gewerbeflächen angeordnet, die ein Siebtel der Flächen ausmachen. Das Erdgeschoss und 1. Obergeschoss verbinden zudem Maisonettewohnungen. Die Obergeschosse werden mit drei straßenseitigen Erschließungskernen angebunden. Der Schottenbau wird mit individuellen Grundrissvarianten der diversen Nutzer bespielt.

Ab der Kellerdecke ist das Gebäude weitestgehend in Massivholzbauweise errichtet. Lediglich die Treppenhaus- und Brandwände sind in Stahlbeton ausgeführt. Alle Schotten, die Aufzugskerne sowie die Treppenläufe wurden in Massivholz, die Decken in Holz-Beton-Verbundbauweise hergestellt. Die Außenwände wurden hochdämmend in Holzrahmenbauweise ausgeführt. Die straßenseitige Außenwand reagiert auf die hohen Schallschutzanforderungen. Alle Massivholzteile wurden als sichtbare Holzkonstruktionen auf Abbrand bemessen, auf teure Sprinkleranlagen wurde auch in den Treppenhäusern verzichtet. Energetisch ist das KfW-55-Gebäude mit Erdwärmepumpe und ergänzender Gastherme und Wohnraumlüftung eher konventionell ausgestattet.

Technisch setzt das Projekt in Sachen Brandschutz einen Meilenstein. Nach der in den vergangenen Jahren im Holz-Geschossbau üblichen Kapselung, also Bekleidung des Holzbaus mit Brandschutzbekleidungen aus Gips, folgen nun sichtbare Holzkonstruktionen. So ist es möglich, die positiven Eigenschaften des Holzes erlebbar zu machen, das Bauen mit Holz zu vereinfachen sowie Kosten zu reduzieren. Die Baugemeinschaft zeigt über das sehr ambitionierte Projekt, wie sich bürgerliches Engagement vorbildlich in die Stadt einschreiben kann.

DNP Architektur 2021: Bauherren und Architekten in der Übersicht

SKAIO, Heilbronn
Bauherr: Stadtsiedlung Heilbronn GmbH
Architekt: Kaden + Lager

UNIQUE³, Saarbrücken
Bauherr: Unique SB Entwicklung GmbH & Co. KG
Architekt: Hauser + Luft Architekten Part GmbB

Walden 48, Berlin
Bauherr: Baugemeinschaft Walden 48 GbR
Architekt: Scharabi Architekten in Arbeitsgemeinschaft mit Anne Raupach

Über die DGNB

2007 gegründet, ist die DGNB heute mit rund 1.200 Mitgliedsorganisationen Europas größtes Netzwerk für nachhaltiges Bauen. Ziel des Vereins ist es, Nachhaltigkeit in der Bau- und Immobilienwirtschaft zu fördern und im Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit zu verankern. Mit dem DGNB Zertifizierungssystem hat die unabhängige Non-Profit-Organisation ein Planungs- und Optimierungstool zur Bewertung nachhaltiger Gebäude und Quartiere entwickelt. Dieses hilft dabei, die reale Nachhaltigkeit in Bauprojekten zu erhöhen. Dabei fußt das DGNB System auf einem ganzheitlichen Nachhaltigkeitsverständnis, das die Umwelt, den Menschen und die Wirtschaftlichkeit gleichermaßen einbezieht. Über die Fort- und Weiterbildungsplattform DGNB Akademie wurden zudem bereits mehr als 4.500 Personen in 40 Ländern zu Experten für nachhaltiges Bauen qualifiziert.

Dieses Jahr wird zudem das erste Mal der DNP Design verliehen. Dieser Preis honoriert neben funktionaler Ästhetik unter anderem auch eine effiziente Verwendung von Ressourcen, Umweltverträglichkeit sowie faire Lieferketten.