Dachbegrünung – Pflanzen und Tipps für die Umsetzung

Dachbegrünung – Pflanzen und Tipps für die Umsetzung
Bild: anela / iStock

Eine Dachbegrünung wertet Garagen, Carports oder Wohnhäuser nicht nur optisch auf, sondern unterstützt die Artenvielfalt, verringert den Energieverbrauch und wirkt sich positiv auf das Raumklima aus. Was bei einer Dachbepflanzung zu beachten ist, welche Pflanzen sich dafür eignen und wie die Umsetzung gelingt, erklärt Christian Schaar in diesem Beitrag.

In diesem Artikel:

Ein Gastbeitrag von Christian Schaar.

Die Vorteile einer Dachbegrünung

Grünflächen sind vor allem in dicht bebauten Städten rar, doch Gebäudedächer bieten genügend Platz für ein kleines Stück Natur und sorgen nicht nur für Abwechslung, sondern haben ebenfalls positive Effekte für Mensch, Tier und Umwelt. Insbesondere Flachdächer bieten sich für die Begrünung an, die damit einen wesentlichen Beitrag zur Entsiegelung leisten. Dachbegrünungen speichern bis zu 90 Prozent des Regenwassers und geben es nur allmählich wieder an ihre Umgebung ab. Das entlastet die städtische Kanalisation und reduziert Abwasserkosten. Ein großflächiges Wurzelsystem reinigt und filtert das Regenwasser zusätzlich, wodurch Schadstoffe besser abgebaut werden.

Das gilt ebenfalls für die Luftqualität; Die Pflanzendecke sorgt durch ihre natürliche Verdunstungsleistung dafür, dass Staub und Schadstoffe in der Luft besser gebunden werden können. Damit helfen sie dabei, den CO2-Anteil in der Luft deutlich zu reduzieren. Auch das Raumklima in den darunter liegenden Wohnräumen profitiert von der Dachbegrünung. Während sie im Winter eine effektive Wärmedämmung bietet, wodurch Heizenergiekosten eingespart werden können, sorgt die Verdunstung im Sommer für eine angenehme Kühlung. Begrünte Flachdächer punkten mit einer längeren Lebensdauer, da sie Wettereinflüssen und Temperaturschwankungen besser standhalten können. Nicht zuletzt werten Begrünungen den ökologischen Wert einer Dachfläche auf, indem sie unter anderem als Trachtquelle und Kinderstube für Insekten dienen und Tieren sowie Pflanzen einen wertvollen Lebensraum bieten. Damit tragen sie zur Erhaltung der Artenvielfalt bei.

Die Vorteile von Dachbegrünung; sie filtern Wasser und Luft, dienen als Wärmedämmung im Winter, sorgen für Kühle im Sommer und tragen zur Erhaltung der Artenvielfalt bei.
Die Vorteile von Dachbegrünungen; sie filtern Wasser und Luft, dienen als Wärmedämmung im Winter, sorgen für Kühle im Sommer und tragen zur Erhaltung der Artenvielfalt bei.

Extensive und intensive Dachbegrünung für das Flachdach

Es gibt zwei verschiedene Arten, mit der Eigenheimbesitzer ihr Dach bepflanzen können; die extensive und intensive Dachbegrünung.

Die extensive Dachbepflanzung eignet sich für Dächer, die nur geringe Lasten zwischen 50 und 170 Kilogramm pro Quadratmeter tragen können. Die Substratschicht ist hierbei lediglich 8 bis 20 Zentimeter hoch und bietet niedrigwurzelnden Pflanzen Platz.

Im Unterschied dazu ist die bei der intensiven Dachbegrünung bis zu ein Meter dicke Erdschicht nicht nur für Rasenflächen, sondern auch Stauden und Sträucher geeignet. Voraussetzung ist allerdings, dass das Dach ein deutlich höheres Gewicht von 200 bis maximal 12.000 Kilogramm pro Quadratmeter tragen kann.

Während die intensive Begrünung nur auf flachen Dächern mit einer maximalen Neigung von 5 Grad umsetzbar ist, lässt sich die extensive Dachbegrünung auch auf Flachdächern mit einem Neigungswinkel von bis zu 45 Grad anlegen. Sie ist zudem wesentlich pflegeleichter und besonders für Carports, Garagen und Mülltonnenhäuschen geeignet.

Einen ausführlichen Beitrag über extensive Dachbegrünung finden Sie hier.

Die intensive Begrünung ist nur auf flachen Dächern mit einer maximalen Neigung von 5 Grad umsetzbar
Die intensive Begrünung ist nur auf flachen Dächern mit einer maximalen Neigung von 5 Grad umsetzbar
Die extensive Dachbegrünung lässt sich auf Flachdächern mit einem Neigungswinkel von bis zu 45 Grad anlegen
Die extensive Dachbegrünung lässt sich auf Flachdächern mit einem Neigungswinkel von bis zu 45 Grad anlegen

Was ist bei der Pflanzenauswahl für die Dachbegrünung zu beachten?

Die intensive Dachbegrünung bietet ohne weiteres die Möglichkeit, die Grünfläche wie einen Garten anzulegen und zu nutzen. Die Pflanzenauswahl ist hier etwas größer als bei der extensiven Bepflanzung. Wichtig ist in jedem Fall, dass die Pflanzen robust und pflegeleicht sind, denn sie müssen ohne weiteres Wind, Frost und Hitze standhalten und sich idealerweise allein durch den natürlichen Niederschlag erhalten können. Eine entscheidende Rolle spielt bei der Auswahl der richtigen Pflanzenkombination nicht nur die Region, sondern auch die Lage des Daches. Ein Dach, das im gesamten Tagesverlauf die meiste Zeit im Schatten liegt, bedarf anderer Pflanzen als ein Dach, das permanent der Sonne ausgesetzt ist. In jedem Fall trägt die Dachbegrünung zur Artenvielfalt bei und bietet Insekten und Bienen Nahrung.

Die intensive Dachbegrünung bietet die Möglichkeit, die Grünfläche wie einen Garten anzulegen und zu nutzen
Die intensive Dachbegrünung bietet die Möglichkeit, die Grünfläche wie einen Garten anzulegen und zu nutzen
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Bei der extensiven Dachbegrünung ist die Pflanzenauswahl nicht ganz so groß wie bei der intensiven Dachbegrünung
Bei der extensiven Dachbegrünung ist die Pflanzenauswahl nicht ganz so groß wie bei der intensiven Dachbegrünung
Bild: fotolinchen / iStock

Welche Pflanzen eignen sich für ein Gründach?

Für die extensive Bepflanzung ist ein bunter Mix aus verschiedenen Pflanzenarten wie Sukkulenten, Kräutern, Steingartenpflanzen und Gräsern empfehlenswert. Die zu den Sukkulenten zählende Pflanze „Scharfer Mauerpfeffer“ eignet sich besonders gut für Gründächer, da er gut Wasser speichern kann und sehr pflegeleicht ist. Ebenfalls zu den Sukkulenten gehört der Hauswurz, der extreme Bedingungen aushält. In Form von dicken, niedrigen Polstern trotzt er Wind und Wetter und passt bestens auf sonnige und halbschattige Dächer. Polsterschleierkraut und verschiedene Arten von Storchschnabel sind ebenso pflegeleicht und kommen gut mit Trockenheit zurecht.

Geeignet für die extensive Dachbegrünung: Scharfer Mauerpfeffer
Geeignet für die extensive Dachbegrünung: Scharfer Mauerpfeffer
Geeignet für extreme Wetterbedingungen: Hauswurz
Geeignet für extreme Wetterbedingungen: Hauswurz

Bei einer Substrattiefe von mindestens 8 bis 10 Zentimeter sind des Weiteren diverse Kräuter für die Dachbegrünung von sonnigen Dächern geeignet, wie zum Beispiel Salbei, Oregano, Rosmarin, Lavendel, kriechendes Bohnenkraut oder die heimische Pimpinelle, auch kleiner Wiesenknopf genannt. Weitere Pflanzen für sonnenexponierte Dachflächen sind Walderdbeeren, kleiner Sauerampfer, Sandmohn, Silbergras oder Färberkamille.

Lavendel
Geeignet ab einer Substrattiefe von mind. 8-10 cm: Lavendel

Auf halbschattigen Dächern gedeihen beispielsweise Klatschmohn, Gewöhnliche Schafgarbe, Echter Dost und Majoran, die vor allem für Insekten, Schmetterlinge und Bienen Nahrung bieten. Die unzähligen Arten des Steinbrech sind besonders anspruchslos und robust und gedeihen ohne Probleme auf sonnigen, halbschattigen oder vollschattigen Dächer.

Steinbrech
Geeignet für halbschattige Dächer: Steinbrech

Ideal für große Dächer sind das filzige Hornkraut, das sich sehr schnell ausbreitet und ein dekoratives Polster bildet, sowie Wolfsmilchgewächse, die viel Platz benötigen. Für ein farbenfrohes Dach im Frühling sorgen Frühblüher wie Krokusse, Osterglocken, Traubenhyazinthen oder Tulpen auch bei der extensiven Dachbegrünung ab einer Substratschicht von 10 Zentimeter.

Filziges Hornkraut
Geeignet für große Dächer: Filziges Hornkraut

Dachbegrünung selber machen: Planung, Aufbau und Umsetzung

Bevor es an die Umsetzung einer intensiven oder extensiven Dachbegrünung geht, sind nicht nur die passenden Pflanzen zu wählen und zusammenzustellen. Vorab sind die Statik des Gebäudes und die Tragfähigkeit des Daches durch einen Architekten oder Bauträger ebenso zu überprüfen wie gegebenenfalls örtliche Bauvorschriften. Die erlaubte Dachlast sollte ausreichend sein, um eine intensive oder extensive Dachbegrünung überhaupt zu tragen.

Das Gründach besteht in der Regel aus mehreren Schichten:

  • Wurzelschutzfolie
  • Speicherschutzmatte
  • Drainageschicht
  • Filterschicht
  • Substrat
  • Vegetationsschicht

Vor dem Aufbringen aller Schichten ist zunächst die Position der Abflussrohre zu prüfen und sicherzustellen, dass Wasser- und Stromanschlüsse weiterhin zugänglich sind und das Dach nicht beschädigt ist. Nachdem das Dach mit einem Besen gründlich abgefegt worden ist, wird zunächst die Wurzelschutzfolie aufgebracht, damit die Pflanzen mit ihren Wurzeln das Dach nicht beschädigen. Mit einem Teppichmesser werden die Dachabläufe ausgeschnitten bevor das Schutzvlies und darüber Drainagematten ausgelegt werden. Auch bei diesen Schichten müssen die Abläufe freigeschnitten werden.

Danach folgt ein Filtervlies, damit die kleinen Hohlräume der Drainageschicht nicht verstopfen. Im Anschluss wird ein Streifen Kies entlang der Kante und auf die restliche Dachfläche das Substrat aus Bims, Ziegelsplit, Lava oder Mineralwolle für die Dachbegrünung aufgebracht. Für die Vegetationsschicht können schließlich Pflanzen gesetzt, eine Saatgutmischung ausgebracht oder fertige Sedummatten verlegt werden. Zu Beginn ist es wichtig, das Gründach zu wässern und mindestens drei Wochen feucht zu halten, damit die Pflanzen wachsen können. Danach ist es nur noch in Trockenzeiten notwendig zu wässern und zweimal im Jahr Unkraut zu beseitigen.

Zusammenfassung: intensive vs. extensive Dachbegrünung

Intensive DachbegrünungExtensive Dachbegrünung
Dachlastvon 200 bis maximal 12.000 Kg pro Quadratmeterzwischen 50 und 170 Kg pro Quadratmeter
Neigungswinkel maximale Neigung von 5 Gradbis zu 45 Grad
Substratschichtbis zu 1m dicke Erdschicht8-20 cm
BepflanzungRasenflächen, Stauden und Sträucherniedrigwurzelnden Pflanzen, Sukkulenten, Kräuter, Steingartenpflanzen und Gräser
Auch geeignet fürDachgartenCarports, Garagen und Mülltonnenhäuschen

Welche Pflanzen sind für welche Dächer geeignet:

Extensive BepflanzungScharfer Mauerpfeffer, Hauswurz, Polsterschleierkraut, Storchschnabel
Bei einer Substrattiefe von mind. 8-10 cmSalbei, Oregano, Rosmarin, Lavendel, kriechendes Bohnenkraut, Pimpinelle, Walderdbeeren, kleiner Sauerampfer, Sandmohn, Silbergras oder Färberkamille
Halbschattige DächerKlatschmohn, Gewöhnliche Schafgarbe, Echter Dost und Majoran, Steinbrech
Große DächerFilziges Hornkraut, Wolfsmilchgewächse
Im Frühling, ab einer Substratschicht von 10 cmKrokusse, Osterglocken, Traubenhyazinthen oder Tulpen

Text: Christian Schaar
Bilder, wenn nicht anders angegeben: Pixabay / Pexels / Unsplash