Der „unverpackt Laden“ – Vor- und Nachteile

Ein unverpackt Laden ist ein Geschäft, in dem bewusst auf die sonst übliche Umverpackung der Ware verzichtet wird.

Ein sogenannter „unverpackt Laden“ oder auch Unverpacktladen ist ein Geschäft, in dem bewusst auf die sonst übliche Umverpackung der Ware verzichtet wird.

In diesem Artikel:

Was ist ein unverpackt Laden?

In den meisten Supermärkten ist ein Großteil der Ware ein- oder sogar mehrfach in Plastik eingepackt. Für Obst und Gemüse stehen oftmals dünne Einwegplastiktüten bereit. Dadurch entsteht zuhause viel Verpackungsmüll, der häufig schon direkt nach dem Einkauf entsorgt wird.

Ein unverpackt Laden versucht diesen Überfluss an Verpackungen zu vermeiden, indem die Waren ohne diese verkauft werden. Wenn es nicht ohne eine Verpackung geht, sind die Produkte in Papier oder Pappe verpackt. Häufig gibt es zusätzlich Artikel, die zu einer Müllreduktion im Alltag beitragen. Das kann zum Beispiel wiederverwendbares Besteck für unterwegs oder ein Bienenwachstuch als Ersatz für Frischhaltefolie sein.

Es gibt viele Gründe, weshalb man über den Einkauf in einem plastikfreien Geschäft nachdenken sollte. Da es mit dem Thema „unverpackt“ jedoch oft Berührungsängste gibt, haben wir für Sie die Vor- und Nachteile zusammengefasst. So können Sie sich einen Überblick verschaffen und bei Interesse gleich den nächsten Einkauf in Angriff nehmen – mit möglichst wenig Verpackungsmaterialien!

Einmachgläser sind prima für die Aufbewahrung von Nüssen und Körnern
Mit Besteck aus Holz kann man unterwegs Plastikbesteck zum Wegwerfen vermeiden

Nachteile von unverpackt Läden


Die Umstellung auf mitgebrachte Behälter

Für einen Einkauf in einem Unverpackladen werden selbst mitgebrachte Behälter benötigt. Diese Umstellung auf wiederverwendbare Behälter kann am Anfang etwas schwierig sein. Denn man muss nicht nur die passenden Behälter finden, sondern diese auch beim Transport und der anschließenden Lagerung gut verstauen können.

Vor einem Einkauf sollten Sie also überlegen, was und wie viel Sie einkaufen möchten und dementsprechende Dosen, Beutel oder Gläser einpacken. Zudem ist eine etwas größere Einkaufstasche von Vorteil, da feste Behältnisse nicht so platzsparend sind wie bewegliche Plastikfolien.

Das Management von unverpackten Lebensmitteln kann zuerst überwältigend sein.
Das Management von unverpackten Lebensmitteln kann zuerst überwältigend sein

Der größere Zeitaufwand

Bei einem Einkauf in einem konventionellen Supermarkt ist die Einkaufsliste meistens mit wenigen Handgriffen abgearbeitet. In einem unverpackt Laden muss man hingegen die Behältnisse vorher auswählen, vor Ort bereithalten und die Lebensmittel einzeln abfüllen und wiegen. Zudem gibt es noch nicht in jeder Stadt Geschäfte, die sich auf den unverpackten Verkauf spezialisieren, sodass für den Einkauf eventuell ein kleiner Umweg in Kauf genommen werden muss.

Beispiel für eine Abfüllstation in einem unverpackt Laden
Abfüllstation in einem unverpackt Laden

Höhere Preise

Teilweise kosten die Lebensmittel in unverpackt Läden etwas mehr. Um vorher zu wissen, wie viel ein Einkauf kostet, kann ein kurzer Blick auf die Internetseite des ausgewählten Ladens und dessen Preisliste helfen. So kann man auch mit einem etwas kleineren Geldbeutel abwägen, welche Lebensmittel man ohne großen Aufpreis unverpackt kaufen kann. Oftmals handelt es sich bei Produkten aus dem Unverpacktladen auch um Bioprodukte, sodass der direkte Preisvergleich mit verpackten Bioprodukten keinen großen Unterschied aufweist.

Die Warenverfügbarkeit

Nicht jedes Lebensmittel kann ohne Verpackung gekauft werden. Daher ist die Auswahl in unverpackt Läden auch manchmal auf Grundnahrungsmittel und alltägliche Waren begrenzt. Auch vorgefertigte Gerichte oder stark verarbeitete Nahrungsmittel sind häufig Teil des Angebotes. Wer sich also schnell ein Fertiggericht oder vorverarbeitete Nahrungsmittel kaufen möchte, wird diese nicht unverpackt finden. Auch aus diesem Grund lohnt sich ein Blick auf die Homepage des ausgewählten Geschäftes. Ein Beispiel für ein großes Sortiment an unverpackten Waren finden Sie hier.

Spontaneinkäufe sind komplizierter

Sie möchten nach einem kurzen Ausflug in die Stadt kurz einkaufen gehen? In einem unverpackt Laden könnte das schwierig werden, wenn Sie die nötigen Behältnissen nicht dabei haben. Zwar gibt es in vielen plastikfreien Geschäften auch Behälter, die man gegen ein Pfand verwenden kann, ein größerer Einkauf könnte jedoch schwierig werden.


Vorteile von unverpackt Läden


Müllvermeidung

Das augenscheinlichste Argument lässt sich direkt am Namen ablesen: die Waren sind nicht verpackt. Somit gibt es viel weniger Müll im Haushalt. Laut Umweltbundesamt sind 2018 pro Einwohner 535 kg Siedlungsabfall angefallen. Davon waren große Anteile Hausmüll, Verpackungen, Kartonagen und Glas. Mit wiederverwendbaren Behältern können Sie so schon einen großen Teil der wöchentlichen Abfälle reduzieren.

In einem unverpackt Laden kauft man kein Plastik ein und schont so die Umwelt

Bessere Organisation

Mit der nötigen Vorbereitung kann man auch als Anfänger den Einstieg in den müllfreien Einkauf wagen. Sie könnten zum Beispiel jederzeit anfangen, zuhause passende Behälter zu sammeln. Für den Einkauf im unverpackt Laden eignen sich eigentlich alle Behälter, die fest verschließbar und gut zu transportieren sind. Das sind wiederverwendbare Dosen, Einmachgläser, Jutebeutel mit Schnur oder gesammeltes und gespültes Altglas, beispielsweise große Gurkengläser. Auch kleine Säckchen können für Nüsse oder Süßwaren Anwendung finden.

Gezielter Einkauf durch selbst gewählte Verpackung und selbstständiges Befüllen
Mit einer durchdachten Planung gelingt auch ein Einkauf ohne Verpackungen gut

Selbstbestimmte Menge

Während in Supermärkten lediglich die Verpackungsgrößen bereitstehen, die von den Herstellern angeboten werden, können Sie in einem Geschäft ohne Umverpackungen selbst bestimmen, welche Menge Sie kaufen. So kann zum Beispiel eine exakte Mengen von Lebensmitteln abgewogen werden, die für ein bestimmtes Rezept benötigt wird. So wird zusätzlich die Verschwendung von Lebensmitteln verringert.

Die Menge der Nahrungsmittel kann in einem unverpackt Laden selbst bestimmt werden
Die Menge der Nahrungsmittel kann in einem Unverpacktladen selbst bestimmt werden

Gesundheit

Viele Einzelhändler, die sich auf unverpackte Waren spezialisiert haben, setzen auf Produkte in Bioqualität. Außerdem sind die Lebensmittel, die ohne Verpackung gekauft werden können, häufig nicht industriell verarbeitet. Wer im Unverpacktladen kauft, ernährt sich also tendenziell gesünder, da die Gerichte mit frischen Zutaten zubereitet werden.

Nachhaltigkeit

Mit jeder Verpackung, die eingespart wird, wird die Umwelt etwas weniger belastet. Zudem beziehen Unverpacktläden häufig regionale Produkte; somit sinkt auch der CO2-Abdruck der Waren. Außerdem birgt der unverpackte Einkauf, bei dem die Nahrungsmittel einzeln gewogen und abgefüllt wird, die Chance auf einen bewussteren Konsum.

Neben Lebensmitteln werden in unverpackt Läden auch häufig Alltagsprodukte wie biologisch abbaubare Putzmittel, wiederverwendbare Kosmetikartikel oder nachhaltige Küchenutensilien verkauft. Auch so kann die Umwelt vor unnötigen Belastungen geschützt werden.

Zahnbürste aus Holz und ohne Plastik
auch Seife im Block spart Plastik
Plastikfreier Rasierer
Kosmetikartikel aus dem Unverpackladen

Übersicht der Vor- und Nachteile im unverpackt Laden

Nachteile

  • Umstellung
  • Zeitaufwand
  • höhere Preise
  • Verfügbarkeit
  • Spontaneinkauf kann kompliziert sein

Vorteile

  • weniger Müll
  • man ist besser organisiert
  • bewusster Konsum
  • Mengen wählbar
  • gesünder
  • nachhaltiger

Tipps

  • Behälter sammeln
  • den Einkauf gut vorbereiten
  • Preise vergleichen

Fazit: Schritt für Schritt in die richtige Richtung

Der erste Schritt in die richtige Richtung ist der Umstieg auf wiederverwendbare Behältnisse. Man muss auch nicht den Anspruch haben, direkt alle Produkte auf der Einkaufsliste unverpackt zu kaufen. Jeder kleine Beitrag für weniger Müll zählt. Sie können zum Beispiel mit ein paar ausgewählten Lebensmitteln oder Alltagsprodukten anfangen.

Und auch das Vorurteil, dass die Produkte in unverpackt Läden teurer sind als in Supermärkten, trifft nur bedingt zu. Denn wer generell häufig zu Marken- oder Bioprodukten greift, kann die Waren zu ähnlichen Preisen oder sogar billiger unverpackt kaufen.

Auch im Alltag kann man mit wenigen bewussten Handlungen schon Verpackungen einsparen. Verwenden Sie zum Beispiel einfach beim nächsten Einkauf – ob im unverpackt Laden oder im Supermarkt – ein Obst- oder Gemüsenetz, anstatt zur Einmaltüte zu greifen. Mit einer Brotdose und einer Trinkflasche können zudem Brottüten und Plastikflaschen ersetzt werden. So kann man Stück für Stück den Verpackungskonsum reduzieren und einen Teil für eine lebenswerte Zukunft mit weniger Müll beitragen.

Mit einem Obst- und Gemüsenetz kann man Einmaltüten vermeiden

Text: Jenny Heim