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Was ist Sustainable Design?

Symbolbild Nachhaltiges Produktdesign
Foto: Adobe Stock

Klima, Gesellschaft, Umwelt, soziale Gerechtigkeit, Wiederverwendbarkeit von Ressourcen und Kreislaufwirtschaft sind wichtige Facetten von Sustainable Design (oder: Ökodesign).

Produkte sollen so gestaltet und umgesetzt werden, dass sie schonend mit Ressourcen umgehen und die Umwelt nicht schädigen. Mensch, Tier und Natur sollen gleichermaßen von diesen Produkten profitieren. Sustainable Design denkt dabei den gesamten Produktlebenszyklus mit. In diesem Beitrag erklären wir, was Sustainable Design ausmacht.

  1. Was bedeutet Sustainable Design?
  2. Wie zeigt sich Sustainable Design in den einzelnen Phasen des Produktlebenszyklus?
  3. Beispiel für Sustainable Design im Wohnbereich
  4. Fazit: Produkte nachhaltig gestalten

Ein Beitrag unserer Redaktion.

Was bedeutet Sustainable Design?

Nachhaltigkeit (Englisch: „Sustainability“) ist das Gebot der Stunde. Viele Begriffe etablieren sich im Kontext der Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit, wie ökologisches Wohnen, klimafreundliches Bauen oder den bewussten Verzicht auf energieintensive Materialien.

Sustainable Design ist die Klammer, die alle diese Themen umschließt: Es ist ein umfassender Gestaltungsansatz.

Synonyme Begriffe für Sustainable Design

  • Green Design
  • Ökodesign
  • Ecodesign
  • Nachhaltiges Design

Alle Begriffe stellen das Design, also die Gestaltung von Produkten, Möbeln, Häusern und Lebensmitteln in den Mittelpunkt. Damit ist nicht nur die optische Gestaltung gemeint, sondern ein grundsätzliches Denken, den gesamten Produktlebenszyklus nach ökologischen, nachhaltigen Gesichtspunkten zu planen.

Designer planen mit Nachhaltigkeit
Sustainable Design ist ein Gestaltungsansatz, der die nachhaltige Verwendung über den gesamten Produktlebenszyklus einplant.
Foto: Adobe Stock

Produkte sollen den aktuellen Bedarf erfüllen, aber künftige Generationen nicht belasten

Idee, Entwicklung, Produktion, Marketing, Verpackung, Vertrieb und Entsorgung bzw. Recycling von Produkten stellen eine Kette dar, die beim Sustainable Design beachtet werden will. Nicht: „Ex und hopp“ oder „Nach mir die Sintflut“, sondern „Positiv für zukünftige Generationen“ ist das Motto.

Sustainable Design bedeutet: in Kreisläufen denken

In der Wirtschaft gibt es normalerweise nur eine Zielmarke: Gewinn. Das einseitige Profitdenken wird beim Sustainable Design erweitert um die soziale Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit. Ökodesign-Produkte müssen also gleichermaßen rentabel, umweltschonend und sozial fair hergestellt werden.

Deshalb geht Sustainable Design auch über die Gestaltung des einzelnen Produktes hinaus. Stattdessen widmet es sich ganzen Ökosystemen, die Hand in Hand mit den Produkten für mehr Nachhaltigkeit sorgen. Produkte werden deshalb so gestaltet, dass Rohstoffe verwendet werden, die schnell nachwachsen oder klimafreundlich produziert werden. Außerdem sollten sie so gebaut sein, dass sie langlebig sind und nicht schnell ersetzt werden müssen.

Nachhaltiger Materialmix für Autokabinen
Nachwachsendes Holz, recyceltes Plastik, alte Weinkorken: Sustainable Design plant solche Rohstoffe - wie hier in der Automobilindustrie - statt teurer Materialien ein.
Foto: Volvo Cars

Wenn der Produktlebenszyklus zu Ende geht, sollten möglichst alle Bestandteile wiederverwendet werden können. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  • Recycling: Materialien werden zerlegt und zu neuen Produkten zusammengefügt. Beispiel: Aus PET-Flaschen werden Sweat-Shirts und alte Fischernetze erleben ihr Comeback in Autositzen oder Autofußmatten.
  • Downcycling: Materialien werden zu einem weniger wertvollen Produkt umgewandelt – etwa von Kleidung zum Putzlappen.
  • Upcycling: Hierbei werden Produkte oder Materialien aufgewertet, indem sie zum Beispiel in einem anderen Kontext genutzt werden. Viel Upcycling findet im privaten Umfeld statt, wenn beispielsweise ein alter Kissenbezug zu einer Tasche umfunktioniert wird.

Ein Beispiel für Sustainable Design ist der Ansatz Cradle-to-Cradle (C2C). Hier haben wir erklärt, was sich hinter dem Cradle-to-Cradle-Prinzip verbirgt.

 

 

 

Gute Ideen gehören prämiert

Seit 2012 stiften das Bundesumweltministerium, das Umweltbundesamt und das Internationale Design Zentrum Berlin den Bundespreis Ecodesign. Jährlich prämieren die Veranstalter Designer, Studierende und Unternehmen, die neue Ideen für Sustainable Design entwickelt haben.

Unterschiedliche Rohstoffarten
Beim Sustainable Design sollten möglichst alle Produktbestandteile recyclingfähig sein.
Foto: Adobe Stock

Wie zeigt sich Sustainable Design in den einzelnen Phasen des Produktlebenszyklus?

Die unterschiedlichen Phasen eines Produktes – sei es eines Telefons, eines Badezusatzes oder eines ganzen Hauses – bieten mehrere Ansatzpunkte für einen nachhaltigen Gestaltungsprozess. Einige wichtige Ideen sind:

1. Rohstoffe

  • Es kommen Rohstoffe zum Einsatz, die zu ihrer Herstellung wenig Energie benötigen und einen geringen negativen Einfluss auf die Natur haben.
  • Designer verzichten auf die Verwendung von umweltschädlichen Materialien. Beispiel: Statt Plastikfolie aus Erdöl kommt eine biologisch abbaubare Folie zum Einsatz. Stärkebasierte Verpackungschips lassen sich entweder wiederverwerten oder kompostieren.
  • Damit Rohstoffe besser recycelt werden können, müssen sie voneinander trennbar sein. Deshalb nutzen die Produktentwickler möglichst keine Verbundstoffe.
  • Einzelkomponenten von Produkten lassen sich nachträglich einfach voneinander trennen – etwa Kunststoffe von Papier oder Pappe.
  • Langlebige Materialien nutzen bedeutet, dass sich das Problem der Wiederverwertbarkeit später oder gar nicht stellt. Glas oder Metall halten länger als Plastik.

2. Herstellung

  • Designer, die Produkte gestalten, die bei Raumtemperatur und ohne Hochtemperaturbereiche hergestellt werden, reduzieren die Energiekosten
  • Die Produktion sollte so aufgebaut sein, dass wenig Müll anfällt.
  • Stoffe werden additiv miteinander verbunden, sodass sie nicht verschmolzen werden müssen. Dies ist bei niedrigen Temperaturen möglich.
  • Der Herstellungsprozess sollte die Verunreinigung von Wasser, Luft und Böden reduzieren, am besten sogar auf null herabfahren. Insbesondere Wasserverschwendung und -verschmutzung und die Verschmutzung der Luft durch Emissionen muss reduziert werden.
Autositze aus recycelten Plastikflaschen
Recycelte Plastikflaschen genießen ein zweites Leben als Autositze.
Foto: Volvo Cars

3. Produktnutzung

  • Produkte sollten dauerhaft nutzbar sein und nicht schnell weggeworfen oder ersetzt werden müssen.
  • Designer entwerfen Produktlösungen so, dass reduzierter Energieverbrauch Teil der Gestaltungsaufgabe ist. Ein Beispiel ist etwa die kontinuierliche Reduktion von benötigtem Wasser und Heizenergie bei effizienten Wasch- oder Geschirrspülmaschinen.
  • Auch bei der Verwendung der Produkte sollte kein vermeidbarer Müll oder Verschmutzungen der Umwelt anfallen.
  • Wann immer möglich, sollten Produkte die Möglichkeit haben, erneuerbare Energien zu nutzen, etwa mit einem Solarpanel als Stromquelle.

4. Transport

  • Jeder Verzicht auf Transporte spart Energie. Transport von einem Ende der Welt zum anderen sollte unbedingt vermieden werden.
  • Wenn Transporte notwendig sind, sollten weniger umweltschädliche Varianten gewählt werden – also etwa die Bahn statt des Flugzeugs.
  • Der Schwerpunkt sollte bei der Nutzung lokaler Rohstoffe liegen – sodass etwa Architekten Häuser mit den regional verfügbaren Steinen und Holzarten bauen. Dafür müssen langfristig lokale Lieferketten aufgebaut werden.
Transport Symbolbild
Jeder Verzicht auf weite Transportwege spart Energie.
Foto: Continental

5. Produktlebensende

  • Sustainable Design bedeutet, das Ende des Produktlebens schon bei der Entwicklung mitzudenken.
  • Angestrebt werden langjährige Weiternutzung und Dauerhaftigkeit des Produkts.
  • Viele Waren haben heute einen eingebauten „Produkttod“ (Obsoleszenz). Stattdessen sollten sie reparierbar sein, um möglichst viele Komponenten weiternutzen zu können.
  • Möglichst alle Bestandteile des Produktes sollten recyclingfähig sein.
  • Dafür müssen sämtliche Einzelkomponenten leicht voneinander trennbar sein. Untrennbare Stoffe sind tabu.
Wiederverwertung von Kartons
Eine sorgfältige Rohstofftrennung ermöglicht eine hohe Recyclingfähigkeit.
Foto: Adobe Stock

Beispiel für Sustainable Design im Wohnbereich

Ein Beispiel für nachhaltiges Bauen und Wohnen ist das Firetube Ofensystem, das mit dem Bundespreis Ecodesign ausgezeichnet wurde. Es zeigt, wie Sustainable Design diese scheinbar konfligierenden Ziele lösen kann. So ist einerseits Langlebigkeit auch bei Einzelfeueranlagen erstrebenswert. Allerdings sollen technischer Fortschritt und auch steigende, strengere Anforderungen an den Umweltschutz nicht an ihnen vorbeigehen − was einen Ofenaustausch nötig machen würde.

Die Lösung: Der Ofen ist modular aufgebaut. So können die Einzelteile des Ofens können ausgetauscht, umgerüstet und repariert werden. Damit werden bei minimalem Ressourcenaufwand beide Ziele – Langlebigkeit und moderne Technik – gleichzeitig erreicht.

firetube Einzelraumfeuerung
Foto: Bundespreis Ecodesign

Fazit: Was ist Sustainable Design?

  • Sustainable Design ist ein nachhaltiger Gestaltungsansatz: Designer planen den gesamten Produktlebenszyklus unter nachhaltigen Gesichtspunkten.
  • Sustainable Design bedeutet, in Kreisläufen zu denken und die Rückführung der verwendeten Rohstoffe in einen neuen Kreislauf vorzuplanen.
  • Der Designansatz findet in den Bereichen Rohstoffe, Herstellung, Nutzung, Transport und Produktlebensende Beachtung.
  • Die Zielmarke Profit wird beim Sustainable Design um die beiden Bereiche soziale Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit ergänzt.