Schimmel verhindern − mit ökologischen Baustoffen

Haus mit natürlichen Baumaterialien aus Holz, Wolle, Kalkputz
Foto: Unsplash/Andrea Davis

Schimmel in Wohnräumen kann erhebliche gesundheitliche Auswirkungen haben – von allergischen Reaktionen bis hin zu Atemwegserkrankungen. Dabei kann durch die Auswahl feuchtigkeitsregulierender Baumaterialien Schimmel effektiv vorgebeugt werden.

Ökologische Baustoffe eignen sich dafür ideal, denn sie bringen von Natur aus viele positive Eigenschaften fürs Raumklima mit − und sind gleichzeitig ein wichtiger Beitrag zum Umweltschutz. Hier erfahren Sie, welche ökologischen Baustoffe sich besonders gut eignen und geben praktische Tipps, wie Sie durch Ihr Wohnverhalten Schimmel effektiv verhindern können.

In diesem Artikel:

  1. Gutes Raumklima: Nachhaltige Materialien gegen Schimmel
  2. Aktiv Schimmel vorbeugen: Tipps für gesundes Wohnen

Christian Schaar
Fachautor CRADLE

Gutes Raumklima: Nachhaltige Materialien gegen Schimmel

Nachhaltig orientierte Bauherren setzen auf ökologische Baustoffe aus erneuerbaren, recyclebaren und gesundheitsfördernden Ressourcen. Ökologische Materialien bieten hervorragende feuchtigkeitsregulierende Eigenschaften und eine sehr gute Wärmedämmung. Beides beugt der Schimmelbildung effektiv vor und verbessert die Raumluftqualität.

Natürliche Baumaterialien wie Holz, Lehm, Hanf und Schafwolle sind eine ökologische und nachhaltige Alternativen zu traditionellen Baustoffen, die das Wohnklima und die Lebensqualität in Innenräumen verbessern. Sie setzen keine schädlichen Substanzen frei und können sogar Schadstoffe aus der Luft filtern. Viele natürliche Materialien weisen eine hervorragende Wärmedämmung auf, die dazu beiträgt, Energie zu sparen und für ein gleichmäßig warmes Raumklima zu sorgen. Letztlich trägt ein gesundes Raumklima somit auch zum allgemeinen Wohlbefinden bei und wirkt sich positiv auf die Wohngesundheit aus.

Diese ökologischen Baustoffe eignen sich besonders zur Schimmelprävention

Lehm hat eine diffusionsoffene Struktur, mit der es große Mengen an Feuchtigkeit aufnehmen und bei Bedarf wieder an die Raumluft abgeben kann. Das sorgt für ein ausgeglichenes Raumklima und verringert das Risiko von Schimmelbildung. Lehmputze und Lehmbausteine können zudem Gerüche und Schadstoffe neutralisieren, sind vollständig recyclebar, schadstofffrei und besitzen gute wärmedämmende Eigenschaften.

Kalkputz ist bekannt für seine feuchtigkeitsregulierenden und antibakteriellen Eigenschaften. Er ist atmungsaktiv und lässt Wasserdampf diffundieren, wodurch Schimmelbildung vorgebeugt wird. Kalkputz wirkt außerdem alkalisch und hemmt somit das Wachstum von Schimmelpilzen und Keimen. Der traditionelle Baustoff ist zudem in der Lage, Schadstoffe (wie Formaldehyd) zu binden.

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Holz ist ein natürliches, hygroskopisches Material, das Feuchtigkeit aus der Umgebungsluft aufnehmen und bei trockeneren Bedingungen wieder abgeben kann. Diese Eigenschaft hilft, das Raumklima zu stabilisieren und die Bildung von Kondenswasser und Schimmel zu verhindern. Als nachwachsender Rohstoff ist Holz eine umweltfreundliche Baustoffwahl, vorausgesetzt es wird nachhaltig bewirtschaftet.

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Zellulose ist ein Dämmstoff aus pflanzlichen Fasern und besitzt ebenfalls ausgezeichnete feuchtigkeitsregulierende Eigenschaften. Sie kann große Mengen an Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben und so das Raumklima stabilisieren, ohne selbst feucht zu werden. Zellulosedämmung bietet zudem eine gute Wärmeisolierung, ist nachhaltig und trägt zur Schallreduktion bei.

Schafwolle ist eine weitere natürliche Ressource, die bis zu 33 Prozent ihres Eigengewichts an Feuchtigkeit aufnehmen kann, ohne zu verklumpen. Dank des Eiweißproteins Keratin kann Schafwolle zudem Schadstoffe aus der Luft binden und die Raumluft reinigen. Darüber hinaus wirkt sie temperaturausgleichend und geruchsneutralisierend, was sie zu einer hervorragenden Wahl für ein gesundes Wohn- und Arbeitsumfeld macht.

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Hanf ist eine robuste und schnell wachsende Pflanze. Als Baumaterial können die Hanffasern für Dämmzwecke verwendet werden. Hanf bietet nicht nur eine gute Wärmeisolierung, sondern kann auch effektiv Feuchtigkeit regulieren und trägt so zu einem gesunden Raumklima bei. Hanf ist zudem widerstandsfähig gegen Schimmel und Schädlinge.

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Darüber hinaus kommen auch Kork, Bambus, Kalkstein oder Mineralfaser-Dämmstoffe als feuchtigkeitsresistente bzw. feuchtigkeitsregulierende Materialien bei einer nachhaltigen Bauweise zum Einsatz.

Neben den genannten Baustoffen gibt es weitere Möglichkeiten zur Schimmelprävention:

  • Dampfsperren verhindern zum Beispiel, dass Feuchtigkeit aus dem Inneren des Gebäudes in die Konstruktion eindringt.
  • Lüftungssysteme, etwa in der Kombination mit einer Wärmepumpe, sorgen für einen regelmäßigen Luftaustausch und tragen so zur Reduzierung der Feuchtigkeit in Gebäuden bei. Auch das ist wichtig für ein gesundes Raumklima.

Aktiv Schimmel vorbeugen: Tipps für gesundes Wohnen

Neben den verwendeten Baumaterialien und einer effektiven Wärmedämmung kommt es bei der Schimmelprävention aber auch auf die Hausbewohner an. Sie können selbst aktiv zu einer gesunden Raumatmosphäre beitragen und zum Beispiel durch bewusstes Lüften, Heizen und Trocknen in der Wohnung das Schimmelrisiko minimieren:

Lüften

Stoß- und Querlüften bei gegenüberliegenden Fenstern gelten als besonders effektiv. Für einen schnellen und effektiven Luftaustausch empfiehlt es sich, mehrmals täglich für 5 bis 10 Minuten alle Fenster zu öffnen – auch bei kaltem Wetter. Das ist besonders wichtig nach Aktivitäten, die viel Feuchtigkeit erzeugen, wie zum Beispiel Kochen oder Duschen. Die Kipplüftung ist dagegen zu vermeiden, da sich so Kondenswasser an den Fensterrahmen bilden kann. Die ideale Luftfeuchtigkeit beträgt 40 bis 60 Prozent.

Zimmer mit Fenstern
Täglich mehrmals querlüften, aber auch ein gleichmäßiges Beheizen der Wohnräume hilft gegen Schimmelbildung.
Foto: Unsplash/Toa Heftiba

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Heizen

Alle Räume, auch wenig genutzte, sollten gleichmäßig beheizt werden, um kalte Oberflächen zu vermeiden, an denen Kondenswasser ausfallen könnte. Eine Innentemperatur von etwa 20°C in Wohnräumen und etwa 15°C in weniger genutzten Räumen, wie dem Schlafzimmer, wird empfohlen. Wer die Heizung nachts leicht herunterdreht, spart Energie, aber die Räume sollten nicht völlig auskühlen. Zudem sollten Möbel nicht direkt vor den Heizkörpern stehen, um die Luftzirkulation und eine effektive Wärmeabgabe zu gewährleisten.

Wäsche trocknen

Wäsche sollte nach Möglichkeit nicht in der Wohnung getrocknet werden, da sonst die Luftfeuchtigkeit erheblich ansteigt. Zum Trocknen eignen sich neben elektrischen Wäschetrocknern auch gut belüftete Außenbereiche oder Trockenräume, sofern vorhanden. Lässt es sich nicht vermeiden, die Wäsche in der Wohnung zu trocknen, sollten die Räume im Anschluss intensiv gelüftet werden.

Diese Maßnahmen tragen wesentlich dazu bei, die Luftfeuchtigkeit auf einem gesunden Niveau zu halten und die Kondensation von Feuchtigkeit an Wänden und anderen Oberflächen möglichst gering zu halten.

Autor Christian Schaar ist Geschäftsführer der S2 GmbH. Seine baubiologischen Kenntnisse erlangte er durch den täglichen Umgang mit Problemen der Baubiologie in verschiedenen Unternehmen des ökologischen Holzbaus. Als Geschäftsführer eines Planungsbüros mit Schwerpunkt auf ökologischem Holzbau wird er regelmäßig mit baubiologischen Fragestellungen konfrontiert und als Experte auf diesem Gebiet konsultiert.

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