Lehm- und Kalkputz beim Hausbau: Vorteile und Tipps

Beim Hausbau und der Gebäudesanierung liegen ökologische und nachhaltige Baustoffe im Trend. Immer mehr Hausbesitzer und Bauherren entdecken natürliche und traditionelle Baumaterialien für sich, darunter Lehm- und Kalkputz, die mit besonderen Vorteilen punkten.

Ein Gastbeitrag von Christian Schaar.

Das sind die Vor- und Nachteile von Lehm- und Kalkputz

Lehm- und Kalkputz gehören zu den mineralischen Putzen. Während Kalkputz vor allem aus Sand, Kalk oder Kalkstein besteht, setzt sich Lehmputz in erster Linie aus Sand zusammen. Beide Putze sind diffusionsoffen, das heißt sie nehmen Feuchtigkeit aus der Luft auf und geben sie bei trockener Raumluft wieder ab. Sie neutralisieren aber ebenfalls Gerüche, wie Zigarettenrauch, Küchendunst oder Gerüche von Haustieren, sowie Schadstoffe.

Kalkputz ist zudem in der Lage, Formaldehyd, Kohlenwasser- und Stickstoffe zu binden und aufgrund seines hohen pH-Wertes Mikroorganismen, Pilz- und Schimmelsporen abzutöten. Daher ist besonders Kalkputz für Allergiker, Familien mit Kindern oder Bauherren interessant, die großen Wert auf gesundheitsbewusstes Bauen und Renovieren legen. Darüber hinaus zeichnen sich beide Putze durch ihre ausgezeichneten brand- und schalldämmenden Eigenschaften sowie durch ihre gute Wärmespeicherung aus.

Während Lehmputz verhältnismäßig preiswert ist, schlägt Kalkputz deutlich teurer zu Buche und ist in der Verarbeitung aufwendiger, da er alkalisch ist und bei der Verarbeitung mit gesundheitlichen Risiken verbunden ist. Lehmputz ist allerdings empfindlicher gegenüber Nässe und weder wasser- noch schimmelfest. Auch Kalkputz ist gegenüber direktem Spritzwasser empfindlich, was bei der Verarbeitung im Innenbereich, etwa im Bad, zu berücksichtigen ist. Anders als Kalkputz kann Lehmputz jedoch recycelt und wiederverwendet werden.

Zusammenfassung Vor- und Nachteile:

Vorteile von Lehm- und Kalkputz Nachteile von Lehm- und Kalkputz
  • diffusionsoffen (nehmen Feuchtigkeit aus der Luft auf und geben sie bei trockener Raumluft wieder ab)
  • neutralisieren Gerüche und Schadstoffe
  • Brand- und schalldämmend
  • gute Wärmespeicherung
  • Kalkputz bindet Formaldehyd, Kohlenwasser- und Stickstoffe
  • Kalkputz tötet Mikroorganismen, Pilz- und Schimmelsporen ab
  • Lehmputz kann recycelt und wiederverwendet werden
  • Kalkputz ist verhältnismäßig teuer
  • Kalkputz muss aufwendig in der Verarbeitung (bei der Verarbeitung mit gesundheitlichen Risiken verbunden)
  • Lehmputz ist empfindlich gegenüber Nässe und weder wasser- noch schimmelfest
  • Kalkputz ist gegenüber direktem Spritzwasser empfindlich
  • Kalkputz kann nicht recycelt und wiederverwendet werden

Kalkputz im Außenbereich verarbeiten – das ist zu beachten

Kalkputz im Bad verarbeiten – das ist zu beachten: zu sehen ist der Oberkörper eines Mannes, der einen Spachtel mit weißer Kalk-Spachtelmasse hält.

Kalkputz kann sowohl im Innen- als auch Außenbereich angewendet werden. Im Außenbereich kommt er etwa beim Verputzen der Gefache von Fachwerkhäusern zum Einsatz und kann nach der Austrocknung mit einer Kalkfarbe gestrichen werden. Zu beachten ist, dass die Fassade, auf der der Kalkputz auftragen wird, durch einen ausreichend großen Dachüberstand geschützt ist, damit sie nicht zu stark dem Regen und Wind ausgesetzt ist.

Zudem ist im Außenbereich die Wahl eines Fertigproduktes im richtigen Mischverhältnis empfehlenswert. Hochhydraulischer Kalkputz zeichnet sich durch seine hohe Belastbarkeit und Wetterbeständigkeit aus, wobei es sich hier aber um keinen reinen Kalkputz handelt, sondern um Produkte mit zusätzlichen Beimengungen, wie zum Beispiel Kalkzementmörtel oder Kalkgipsputze. Des Weiteren gibt es fertige Kalkputze mit Holzkohlezusatz, die die Ausgleichsfeuchte begünstigen und dafür sorgen, dass sich keine Moose oder Flechten auf den Putz setzen.  

Kalkputz im Bad verarbeiten – das ist zu beachten

Im Innenbereich kann der Kalkputz aufgrund seiner alkalischen Eigenschaften auch in Feuchträumen, wie zum Beispiel dem Bad, eingesetzt werden. Er verhindert beispielsweise in fensterlosen und damit schlecht zu lüftenden Bädern die Bildung von Schimmel, sollte jedoch nicht im unmittelbaren Nassbereich verarbeitet werden. Hier empfiehlt sich sogenannter Tadelakt, der wasserbeständig ist und durch das Verdichten und Hydrophobieren von Kalkputz entsteht. Beim Auftragen von Kalkputz ist zuvor dafür zu sorgen, dass der Untergrund schmutz-, staubfrei und gleichmäßig ausgetrocknet ist. Übergänge an Holzbalken oder -brettern sind mit selbstklebendem Putzanschlussband abzukleben.

Der Kalkputz wird in der Regel in zwei Lagen als Unter- und Oberputz aufgetragen, wobei die Mindestputzdicke zwischen ein und zwei Zentimeter beträgt. Der Auftrag erfolgt zunächst mit einer Glättkelle und anschließend mit einer Kartätsche. An Fenster-, Tür- oder anderen Maueröffnungen, aber auch auf Mischmauerwerk, eignet sich der Einsatz von Armierungsgewebe, um Rissbildung zu vermeiden. Nach dem Auftragen der ersten Lage Kalkputz muss dieser mindestens einen Tag lang trocknen bevor der Oberputz aufgetragen wird. Dieser hat eine Putzschichtdicke von drei bis fünf Millimeter und wird im Anschluss mit einem Filz- oder Schwammbrett gefilzt. Bevor der Kalkputz gestrichen wird, sollte dieser mindestens drei Tage trocknen. Als Farbe eignet sich am besten Kalk- oder Kalk-Kasein-Farbe, die die positiven Eigenschaften des Kalkputzes nicht einschränken. Kunstharzbasierte oder Silikatfarben sind nicht geeignet, da sie die Feuchtigkeitsregulierung unterbinden.

Lehmputz im Innenbereich verarbeiten, auftragen und streichen

Alternativ zu Kalk- eignet sich ebenfalls Lehmputz für Innenräume, und das nicht nur für Wohn- oder Schlafzimmer, sondern durchaus auch im Bad, da er sehr viel Luftfeuchtigkeit bindet. Vor dem Auftragen des Lehmputzes ist darauf zu achten, dass der Untergrund staubfrei und sauber ist. Zu glatte Oberflächen sind zuvor aufzurauen oder mit einer Haftspachtelung vorzubereiten. Untergründe mit stark saugendem Material sind dagegen vorher leicht anzufeuchten. Der vorbereitete Untergrund wird zunächst mit Lehmschlämme vorgestrichen. Sie ist eine Art Haftbrücke aus Lehm und Wasser ist, die etwa ein bis zwei Millimeter dick ist. Der frische Lehmputz wird anschließend auf die noch feuchte Lehmschlämme aufgetragen, wobei die Putzschichtdicke bei Unterputz einen Zentimeter und bei Oberputz fünf Millimeter beträgt. Mit einer Kartätsche wird der Lehmputz abgezogen und die Oberfläche nach dem weitgehenden Trocknen mit einem Holzreibe- oder Filzbrett gefilzt. Zum Streichen eignen sich am besten Lehmfarben.

Lehmputz im Innenbereich verarbeiten: zu sehen ist eine gemütliche Couch in einem mit Lehmfarbe gestrichenen Wohnzimmer. Eine junge Frau sitzt auf der Couch, dekoriert ist mit Pflanzen und einem Couchtisch aus Holz.

Text: Christian Schaar

Bilder: AURO AG