Wohn- und Geschäftshäuser in massiver Holzbauweise

Die private Baugemeinschaft Z8 hat mit den Architekten von ASUNA ein Wohn- und Geschäftshaus in massiver Holzbauweise errichtet.
Bild: Peter Eichler

Die private Baugemeinschaft Z8 hat in Leipzig-Lindenau mit den Architekten von ASUNA ein selbstgenutztes Wohn- und Geschäftshaus in massiver Holzbauweise errichtet. Es beweist, dass Gebäude in einem städtischen Umfeld auch in Holz errichtet werden können. So erfüllt es auf einem Altlastensanierungsgrundstück einen ganzheitlich ökologischen und nachhaltigen Anspruch.

In diesem Artikel:

Ein Gastbeitrag des Redaktionsbüros van Uffelen.

Massive Holzbauweise als konstruktives Element

Energieoptimiertes Bauen beginnt bei der Wahl des Rohbaumaterials. Deshalb griffen die Architekten von ASUNA – atelier für strategische und nachhaltige architektur auf Holz zurück. Hierdurch reduziert sich die graue Energie zur Erstellung des Gebäudes an der Felsenkellerstraße 1 maßgeblich.

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Durch die Massiveholzbauweise mit Brettsperrholzelementen der Außenwand- und Deckenkonstruktionen und durch das Brettschichtholz der Stützen-Riegel-Konstruktion sind in dem Gebäude insgesamt etwa 520 Kubikmeter Holz verbaut. Dadurch werden etwa 520 Tonnen CO2 für die nächsten Jahrzehnte fest in dem Gebäude gebunden. Ausschließlich der Treppenhauskern und die Fundamente sind als Stahlbetonkonstruktion ausgeführt. Die Holzkonstruktionen sind auf Abbrand gerechnet und erfüllen die REI 90-Anforderungen, sodass keine Kapselung erforderlich ist.

Mit der inneren Stützen-Riegel-Konstruktion und dem hochflexiblen Fassadenprinzip entstand eine Hülle, die eine Gewerbeeinheit und vier Wohneinheiten aufnimmt und zudem eine große innere und äußere Gestaltungsfreiheit ermöglicht.

Außenansicht des Eckgebäudes: ästhetisch ergänzt das Haus in massiver Holzbauweise das Stadtbild
Außenansicht des Eckgebäudes
Bild: Peter Eichler
Außenansicht am Abend: die Fassade aus Holz fügt sich optisch ansprechend ins Stadtbild ein
Außenansicht am Abend
Bild: Peter Eichler

Energiekonzept und Unterhalt eines Massivholzbaus

Das Gebäude ist ein Effizienzhaus im KfW 55 Standard. Entsprechend des Energiekonzepts von IEBW – Ingenieurbüro für Energieeffizientes Bauen und Wohnen wird das Gebäude über eine Wärmepumpenanlage mit Wärme für Heizung und Warmwasser sowie mit passiver und aktiver Kälte versorgt. Eine 20 Quadratmeter Solarkollektoranlage und wassergeführte Kamine in den Wohneinheiten unterstützen dabei. Zudem versorgt eine Regenwassernutzungsanlage alle Toiletten mit Brauchwasser. Alle Wohneinheiten sind mit bedarfsgeführten Lüftungsanlagen ausgestattet. Diese sind über die Luftfeuchtigkeit gesteuert und reduzieren die Lüftungsverluste sehr effizient. Zugleich legten die Architekten bei der vergrauenden Lärchenholzfassade, den Aluminiumfenstern und den geplanten Dachgärten Wert auf reduzierte Unterhalts- und Instandsetzungskosten.

Massive Holzbauweise kombiniert mit gelasertem Aluminium: Fenster mit Aluminiumschiebeläden
Fenster mit gelaserten Aluminiumschiebeläden
Bild: Peter Eichler

Kooperative Umsetzung des Holzgebäudes

Die hervorragende vernetzte Zusammenarbeit aller Beteiligten war entscheidend für die Umsetzung. Das Architekturbüro ASUNA, der Energieberater IEBW, die Tragwerksplaner Hüls Ingenieure / Blankenfelde-Mahlow und der Entwickler des Brandschutzkonzepts Brandschutz Consult Ingenieurgesellschaft mbH Leipzig standen im regen Austausch mit der Bauherrengemeinschaft Z8 GbR. Trotz der Kombination von massiver Holzbauweise, regenerativem Energiekonzept und hohem Flexibilisierungsgrad für die einzelnen Nutzer sind auf angespannten Immobilienmärkten Erstellungskosten weit unter den üblichen Preisen umsetzbar.

Hofansicht: das Haus kombiniert eine massive Holzbauweise, ein regeneratives Energiekonzept und einen hohen Flexibilisierungsgrad für die einzelnen Nutzer
Hofansicht
Bild: Peter Eichler

Nutzungsflexibilität durch Stützen-Riegel-Konstruktion

In dem Gebäude befinden sich im Erdgeschoss und ersten Obergeschoss eine Gewerbeeinheit mit rund 430 Quadratmetern sowie im zweiten bis vierten Obergeschoss insgesamt vier Wohneinheiten mit jeweils 120 bis 195 Quadratmetern. Das fünfte Obergeschoss mit dem allseitigen Blick über die Dächer der Stadt ist hingegen als gemeinschaftlich nutzbarer Dachgarten ausgebaut.

Blick auf die Straße aus der Gewerbefläche
Blick auf die Straße aus Gewerbefläche
Bild: Martin Jehnichen

Aufgrund der inneren Stützen-Riegel-Konstruktion bleibt das Gebäude hoch flexibel, sodass sowohl Gewerbeeinheit und als auch Wohneinheiten künftig veränderten Nutzungen angepasst werden können: Übrigens ist dies ein weiterer überaus nachhaltiger Aspekt des Holzbaus. Grundlage der individuellen und zeitgemäßen Räume der Wohnungen und der Gewerbeeinheit bilden die offenen Untersichten der Decken sowie die Stützen-Riegel-Konstruktion aus Brettschichtholz.

Holzrohbau der Gewerbefläche
Holzrohbau Gewerbefläche
Bild: Peter Eichler

Städtebaulicher Zugewinn durch Holzbauweise

Nur mit einer engagierten Bauherrengemeinschaft sind innerstädtische, ambitionierte und selbstgenutzte Bauprojekte im wirtschaftlichen Rahmen realisierbar. Indem der Massivholzbau die Grundform des spitzwinkligen innerstädtischen Grundstücks nachzeichnet und die Höhen der benachbarten Bebauungen aufgreift, ergänzt er die Stadtstruktur sinnvoll und bildet einen markanten Anker an einer Hauptverkehrsstraße Leipzigs. Zudem schafft die Aufständerung des Eckbereichs sowohl einen markanten Eingangsbereich für das Gebäude und die Gewerbeeinheit als auch eine öffentliche Durchwegung, die von den Anwohnern intuitiv genutzt wird.

Fassadenansicht des Eckgebäudes
Fassadenansicht des Eckgebäudes
Bild: Peter Eichler

Ästhetik: Holz und Aluminium in abwechslungsreichem Spiel

Holz und Aluminium in ihren ganz unterschiedlichen, aber dennoch harmonierenden optischen und emotionalen Qualitäten bestimmen das Erscheinungsbild. Das hochflexible Fassadenprinzip aus Aluminiumbändern bildet die Grundlage für ein lebendiges Spiel mit unterschiedlichen Fensterformaten. Gleichzeitig betont es die Position der vor der Holzfassade laufenden Schiebeläden aus gelasertem Aluminium. Diese elegante horizontale Gliederung nimmt außerdem die Brandschotten der hinterlüfteten Fassade und der vorvergrauten Lärchenholzverkleidung auf. Sie bewirkt gleichsam ein sich nach Jahres- und Tageszeiten änderndes Erscheinungsbild des Massivholzgebäudes.

Geräumige Wohnfläche mit Loggia
Geräumige Wohnfläche mit Loggia
Bild: Claus Morgenstern

Durch die Mehrschichtigkeit der Fassade entsteht eine räumliche Tiefe, die die grundstückskonforme Gebäudeform unterstreicht. Die individuelle Laserung der Schiebeläden ist auf die Anforderungen des sommerlichen Wärmeschutzes ausgelegt. Sie bildet mit ihrem Schattenspiel nach Innen und dem Durchscheinen nach Außen ein lebendiges und emotionales Element der Fassade. Somit ist der Massivholzbau von ASUNA als ästhetischer Blickfang zugleich ein optischer Zugewinn für den Stadtteil, ein nachhaltiger Speicher für CO2 und ein moderner urbaner Wohnraum für die Nutzer und Nachnutzer der Bauherrengemeinschaft Z8.

Grundriss, Lageplan und Schnitt





Text: Chris van Uffelen