Nachhaltiger Wärmeschutz durch Holzbau

Nachhaltiger Wärmeschutz durch Holzbau: die Lernlandschaft der GIZ
Bild: Achim Birnbaum Fotografie

Waechter + Waechter Architekten BDA verfolgen mit ihrem Projekt die nachhaltige Umsetzung der Vision eines „Lernhauses“ mit „Lernlandschaften“. Dazu setzen sie das ökologische Konzept in einem Holzbau so um, dass eine Umgebung entsteht, die zum differenzierten und selbstorganisierten Lernen und Arbeiten einlädt.

In diesem Artikel:

Ein Gastbeitrag von Chris van Uffelen.

Lernlandschaft im naturnahen Holzbau

Der Neubau der Deutschen Akademie für Internationale Zusammenarbeit (AIZ) für die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) wird als Seminar- und Trainingszentrum genutzt und befindet sich am Waldrand des Kottenforsts nahe Bonn.

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So bietet dieser Standort die besten Voraussetzungen für eine effiziente Lernumgebung, eine Lernlandschaft. Der pavillonartige Holzbau schmiegt sich in den Landschaftsraum des angrenzenden Walds. Dort soll der potentiellen Unruhe des Lernens mit einer disziplinierten und systematischen Ordnung entgegengewirkt werden. Realisiert wurde diese Ordnung mit Hilfe der Holzbauweise innerhalb der rundum, vielgliedrig gestuften Fassade. Diese erlaubt fast überall Ausblicke in mehrere Richtungen der Landschaft. Mit anderen Worten wird so das ‚lernende Suchen’ ermöglicht.

Der Neubau der Deutschen Akademie für Internationale Zusammenarbeit (AIZ) für die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) wird als Seminar- und Trainingszentrum genutzt und befindet sich am Waldrand des Kottenforsts nahe Bonn.
Bild: Thilo Ross Fotografie

Nachhaltigkeit durch Holzbau

Ein Ziel der Gebäudekonstruktion ist, mit Hilfe des Holzbaus den Belüftungs- und Kühlungsaufwand zu minimieren. Einerseits soll das ökologische, nachhaltige Konzept eine freie Fensterlüftung ermöglichen. Andererseits sorgt die Kombination aus dem – durch die Konstruktion des Holzbaus – vorhandenen Wärmeschutz und einer effizienten Anlagentechnik für ein angenehmes Raumklima – sowohl in den Winter-, als auch in den Sommermonaten. Demzufolge werden technische Anlagen für das Heizen, Kühlen und Lüften nur als unterstützende Maßnahmen benötigt, um minimal zu belüften und zu kühlen. Zudem ist so auch die grüne, parkähnliche Umgebung miteingebunden: so ist sie im Innenraum erlebbar. Hierzu wurde eine transparente Gebäudehülle geschaffen, die Beziehungen zwischen dem Innen- und Außenraum herstellt.

Der Holzbau ist direkt am Kottenforst bei Bonn
Bild: Thilo Ross Fotografie
Transparente Gebäudehülle geschaffen, die Beziehungen zwischen dem Innen- und Außenraum herstellt.
Bild: Thilo Ross Fotografie

Sonnenschutz am nachhaltigen Holzbau

Um die passive Sonnenenergienutzung zu ermöglichen, wurden an der Fassade Sonnenschutzverglasungen in Form von dreifach verglasten transparenten Flächen eingesetzt. Zusätzlich bildet das Holzspalier eine natürliche, effiziente und ästhetische Verschattung. Sämtliche Oberflächen des Gebäudes sind strapazierfähig und dementsprechend für die Nutzung dauerhaft geeignet. Die Materialwahl berücksichtigt besonders die Nachhaltigkeit, den Lebenszyklus und die Schonung der natürlichen Ressourcen. So wird die gewünschte Energieeffizienz erreicht. Unter dem Strich werden durch den Holzbau und die Holzbauweise sowohl der Innen- als auch der Außenbereich effizient, nachhaltig und vorteilhaft genutzt. Aufgrund dieser Aspekte konnte das Gebäude in puncto Nachhaltigkeit das DGNB- Zertifikat (Standard Gold NBI-15) erreichen und unterschreitet den EnEV-Standard mit Zertifikat um 45%.

Um die passive Sonnenenergienutzung zu ermöglichen, wurden an der Fassade Sonnenschutzverglasungen in Form von dreifach verglasten transparenten Flächen eingesetzt.
Bild: Achim Birnbaum Fotografie

Wirtschaftliche Cluster in Planung und Nutzung des Holzbaus

Bereits in der Planung war es von Seiten der Bauherren gewünscht, durch die Struktur des Holzbaus eine möglichst hohe Flexibilität und Umnutzungsfähigkeit zu erreichen. Genauer gesagt: Die netzartige Grundrissstruktur – in Form eines Holzskeletts mit klarem, durchgehenden Stützenraster und wirtschaftlichen Spannweiten – ermöglicht eine hohe Variabilität und Flexibilität der Nutzung. Deswegen besteht die Struktur aus zwei Rasterfeldgrößen, wodurch die Anzahl von verschiedenen Bauteilanschlüssen reduziert wird.

Somit werden die Vorzüge einer modularen Bauweise optimal genutzt. Weiterhin ist der freistehende Baukörper in der Mitte ‚tailliert’ – so ergibt sich wie selbstverständlich der Eingangsbereich mit dem Café-/ Pausenbereich. Darüber hinaus bestimmen weiß lasierte Oberflächen die Atmosphäre in dem Seminargebäude. Zusammen mit der clusterartigen und wirtschaftlich strukturierten Beschaffung des Holzbaus und der Auswahl an umweltverträglichen Materialien werden die Anforderungen an Ökobilanz und Lebenszykluskosten erfüllt.

Wirtschaftliche Cluster in Planung und Nutzung des Holzbaus
Bild: Thilo Ross Fotografie

Kommunikationsbereiche und Lernlandschaften des Bildungsgebäudes

Das Nutzungskonzept sieht vor, dass sich die Seminarräume für den Sprachunterricht geschützt in den Randzonen des Holzbaus befinden. Dadurch entstehen Lernlandschaften, die sowohl offenes als auch abgeschlossenes Lernen und Arbeiten ermöglichen. Zudem bietet das Gebäude eine Themenwelt mit Bücherregalen, einen Lesehof, eine Servicebar und Medienplätze. Des Weiteren bilden Aufweitungen, die Halle mit Galerie, Nischen, Sitzbänken, Lernstationen und Lerninseln unterschiedliche Aufenthaltsorte. Im Außenbereich laden Terrassenflächen, die von Grün umgeben sind, als Kommunikationsbereiche zum Verweilen ein.

Der Holzbau ist eine Lernlandschaft
Bild: Achim Birnbaum Fotografie

Beteiligte und Pläne

Architektur
Waechter + Waechter Architekten BDA PartmbB, Darmstadt

TGA
HL-Technik Engineering GmbH, München

Brandschutz
BPK Fire Safety Consultants GmbH & Co. KG, Düsseldorf

Bauphysik + Akustik
Müller-BBM GmbH, Planegg/München

Holzbauunternehmen
GROSSMANN Bau GmbH & Co. KG, Rosenheim

Text: Chris van Uffelen
Bilder: Thilo Ross Fotografie und Achim Birnbaum Architektur Fotografie