Holz als Baustoff: Vorteile und Tipps für den Hausbau

Holz als Baustoff: Vorteile und Tipps für den Hausbau

Warum eignet sich Holz als Baustoff so gut und welche Vorteile bietet das Bauen mit Holz?
Beim Hausbau erfreut sich Holz immer größerer Beliebtheit. Der Baustoff weist zahlreiche positive Eigenschaften auf, die Bauherren zu schätzen wissen. Als nachhaltiger Rohstoff schont er nicht nur die Umwelt, sondern auch den Geldbeutel und trägt zu einem gesunden Wohnraumklima bei.

In diesem Artikel:

Ein Gastbeitrag von Christian Schaar.

Holz als Baustoff

Holz ist das wohl älteste Baumaterial der Menschheitsgeschichte. Angesichts des Klimawandels und einem entsprechenden Umdenken in Architektur, Haus- und Wohnungsbau, erfreut sich der Baustoff heute immer größerer Beliebtheit. Laut Statistischem Bundesamt ist der Anteil genehmigter Wohngebäude in Holzbauweise, in Bezug auf die Gesamtzahl aller Neubauten, deutlich gestiegen. Betrug er 2015 noch 16%, sind es 2020 immerhin schon 18,7%.

Den Dimensionen sind hierbei nahezu keine Grenzen gesetzt. Der Werkstoff eignet sich beispielsweise in Form einer massiven Holzplatte als Bodenplatte oder Geschossdecke. Holz kommt als Bodenbelag oder Dachelement ebenso zum Einsatz wie zur Fassadenverkleidung oder zur Konstruktion ganzer Häuser. So ist Holz nicht nur attraktiv für Eigenheimbauer, sondern ebenso für den Städtebau. Erst im März 2019 ist mit dem 85,4 Meter hohen Mjøstårnet im norwegischen Brumunddal, das weltweit höchste Holzhochhaus fertiggestellt worden. In der Hamburger Hafencity entsteht aktuell Deutschlands höchstes Holzhochhaus. In Sydney wird sogar ein 180 Meter hohes Gebäude aus Holz geplant, das vollständig mit erneuerbarer Energie betrieben werden und über Sonnenkollektoren sowie selbstbeschattende Fenster verfügen soll.

[Einschub der Redaktion: Einen Beitrag zum Thema massive Holzbauweise bei Wohn- und Geschäftshäusern finden Sie hier]

Holz als Baustoff kann für die verschiedensten Zwecke im Hausbau eingesetzt werden.

Bauen mit Holz: die Vorteile

Holz verfügt über gute bautechnische Eigenschaften und hat eine lange Lebensdauer. 500 Jahre alte Fachwerkhäuser sind dafür das beste Beispiel. Für den Hausbau und die Wohngesundheit bringt der Baustoff allerdings noch eine Vielzahl weiterer Vorteile mit sich – vorausgesetzt, beim Bau werden gewisse Qualitätskriterien berücksichtigt.

Nachhaltiger und klimaneutraler Werkstoff

Laut Angaben der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) fallen allein in der Baubranche 40 Prozent des weltweiten Rohstoffverbrauchs an, der Gebäudesektor verursacht etwa 30 Prozent der CO2-Emissionen in Deutschland. Als erneuerbarer und nachwachsender Rohstoff hat Holz eine deutliche bessere Klimabilanz als manch anderer Baustoff und kann CO2-intensive Materialien ersetzen. Allein Zement ist für acht Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich. Holz hingegen speichert CO2 langfristig und Bauprodukte aus Holz lassen sich klimaneutral und mit deutlich weniger Energieaufwand herstellen.

So können verschiedenen Studien zufolge beim Bau eines typischen Einfamilienhauses mit Massivholz allein im Herstellungsprozess etwa 60 bis 70 Tonnen CO₂ eingespart werden. Und gegenüber einem gewöhnlichen Haus benötigt der Bau eines Holzhauses laut DBU lediglich ein Drittel der Energie. Als Teil des natürlichen Kreislaufes lässt sich Holz zudem umweltschonend entsorgen und recyceln. Alte Holzhäuser können zurückgebaut und einzelne Bauteile wiederverwendet werden.

Holz ist nachhaltig, klimaneutral und Teil des natürlichen Kreislaufes (cradle to cradle).

Verwendung von Bauteilen aus Holz verkürzt die Bauzeit

Von den klimafreundlichen Aspekten einmal abgesehen, verfügt Holz als Baustoff über einen niedrigen Wärmedurchgangswert und damit gute Wärmedämmeigenschaften. Holz dämmt etwa 20 Mal besser als Beton – 6,5 Zentimeter Nadelholz sind für die Dämmung genauso effektiv wie 40 Zentimeter Vollklinker. Zwar weist Holz ein deutlich geringeres Eigengewicht gegenüber Beton, Stahl oder Ziegel aus, verfügt aber dennoch über eine hohe Tragfähigkeit und kann das 14-Fache seines Gewichts stemmen. Hinsichtlich des Hausbaus kann der Einsatz von Holz als Baumaterial die Bauzeit wesentlich verkürzen. Anders als Beton benötigt der Werkstoff keine langen Trocknungszeiten. Des Weiteren ist er bestens für die Vorfertigung geeignet. Gebäudeteile wie Decken, Wände oder ganze Zimmer können vorab in Werken angefertigt und später auf der Baustelle modular zusammengesetzt werden. Dadurch ergibt sich beim Bau eine Unabhängigkeit von Witterungsverhältnissen und es können ebenfalls Kosten eingespart werden.

Holzböden und -möbel fördern die Wohngesundheit

Als Naturprodukt, das praktisch mit allen Sinnen wahrnehmbar ist, schafft Holz eine angenehme Wohnatmosphäre und trägt wesentlich zur Wohngesundheit bei. Es duftet gut durch die ätherischen Öle, strahlt Wärme aus, fühlt sich gut an und setzt mit seinen Farben und Maserungen optische Akzente. Das Spektrum an Eigenschaften reicht aber noch viel weiter. Holzböden oder -möbel regulieren das Raumklima und die Temperatur. Steigt die Luftfeuchtigkeit auf über 30 Prozent, nimmt es die Feuchtigkeit aus der Luft auf. Sinkt die Luftfeuchtigkeit an warmen Tagen unter diese Grenze, gibt Holz die Luftfeuchtigkeit wieder an die Umgebungsluft ab. Die niedrige Wärmeleitfähigkeit sorgt dafür, dass Holz Wärme lange speichert und nur langsam an seine Umgebung abgibt. Zudem lädt sich das Material anders als etwa Kunststoff nicht elektrostatisch auf und zieht so auch kaum Staub an, was für Allergiker von Vorteil ist. Durch seine offene Struktur kann Holz ebenso Schad- und Giftstoffe, wie etwa Formaldehyd, absorbieren.

Als Baustoff kann Holz zum Beispiel für Möbel, den Boden oder die Hauskonstruktion verwendet werden.

Holz als Baustoff erfordert keine aufwändige Pflege

Im Vergleich zu anderen Baumaterialien erfordert Holz nicht unbedingt mehr Pflege und muss auch nicht extra behandelt werden, solange es immer wieder abtrocknen kann. Viele Holzhäuser sind unbehandelt und auch eine Holzfassade kann unbehandelt bleiben. Durch Witterung und Sonneneinstrahlung findet dann zwar eine Vergrauung statt und es bildet sich eine Patina. An den guten Eigenschaften des Holzes oder gar der Stabilität des Hauses ändert das jedoch nichts. Dagegen ist der konstruktive Holzschutz durch Dachüberstände sehr wichtig und sollte bei der Planung berücksichtigt werden.

Da Holz nicht nur eine hohe Elastizität aufweist, sondern als Naturprodukt auch arbeitet, können gelegentlich auch undichte Stellen entstehen. Sorge bereitet vielen Hausbauern, dass Holz ein brennbarer Baustoff ist. Allerdings brennt es nur sehr langsam, da es eine Verkohlungsschicht bildet, und seine Tragfähigkeit so länger erhalten bleibt – im Gegensatz zu Stahl, der bei großer Hitze schmilzt.

Holz als Baustoff: die Vorteile in einer Übersicht

  • Bauprodukte aus Holz lassen sich klimaneutral herstellen
  • speichert CO2 langfristig
  • kann umweltschonend entsorgt oder recycelt werden
  • gute Wärmedämmeigenschaften (dämmt 20 Mal besser als Beton)
  • weniger Eigengewicht als Beton, Stahl oder Ziegel
  • hohe Tragfähigkeit (kann das 14-Fache seines Gewichts tragen)
  • bestens für die Vorfertigung geeignet (modulares Bauen, zudem unabhängig von Witterungsverhältnissen)
  • angenehme Wohnatmosphäre (trägt zur Wohngesundheit bei)
  • reguliert Raumklima und Raumtemperatur
  • kann Schadstoffe absorbieren
  • zieht kaum Staub an (für Allergiker gut geeignet)
  • eine Holzfassade kann unbehandelt bleiben

Wichtige Kriterien beim Bauen mit Holz

Um diesen Risiken bei der Verwendung von Holz als Baustoff zu begegnen, sind gewisse Kriterien zu berücksichtigen. Beim Bau von Holzhäusern spielt die sorgfältige Planung eine wesentliche Rolle. Gesetzliche Brandschutzkriterien, die das Brandrisiko minimieren, sind ebenso zu berücksichtigen wie der Schutz vor Wärme und Feuchtigkeit. Holzhäuser sollten weder überwärmen noch sollte Feuchtigkeit nach innen eindringen. Da Holz wetterabhängig arbeitet, sind ebenfalls Spielräume bei der Verlegung von Rohren und Leitungen zu bedenken.

Tipps für den Hausbau

Beim Verarbeiten von Holz als Baumaterial und um Verformungen möglichst gering zu halten, ist die Holzfeuchte von etwa 12 Prozent zu beachten. Je nach Anwendungsbereich und Einsatzzweck sind verschiedene Holzarten geeignet. Fichte, Tanne, Lärche, Kiefer, Douglasie oder Eiche eignen sich zum Beispiel als Vollhölzer mit tragender, stützender oder überspannender Funktion. Edelhölzer wie Kirsche, Walnuss oder Eiche sind dagegen für den Innenausbau bestens geeignet, Laubhölzer wie Rotbuche oder Esche für Möbel.

Anwendungsbereiche und Einsatzzwecke verschiedener Holzarten

Vollhölzer mit tragender, stützender oder überspannender Funktion:
Fichte, Tanne, Lärche, Kiefer, Douglasie oder Eiche

Innenausbau:
Kirsche, Walnuss oder Eiche

Möbel:
Laubhölzer wie Rotbuche oder Esche

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Text: Christian Schaar
Bilder: S2 GmbH