Ökologische Mustersiedlung im Passivhausstandard

Bild: Lukas Vallentin

Im südlichen Teil der alten Kaserne im Prinz Eugen Park in München ist eine ökologische Mustersiedlung im Passivhausstandard entstanden. Die Siedlung in Holzbauweise erfüllt ökologische Kriterien und bietet ihren Bewohner*innen eine hohe Lebensqualität durch nachhaltigen Wohnraum, verschiedene Grünflächen und gemeinsame Treffpunkte.

 

In diesem Artikel:

Ein Gastbeitrag von Chris van Uffelen.

Münchens erste ökologische Mustersiedlung im Passivhausstandard

Das Büro ArchitekturWerkstatt Vallentin setzte im südlichen Teil der ehemaligen Kaserne im Prinz Eugen Park die Idee der Baugemeinschaft TEAM³ für ein Baufeld in der ökologischen Mustersiedlung um. Verschiedene ökologische Qualitäten waren Voraussetzung für den Kauf des Grundstücks – der hohe energetische Passivhausstandard und die Holzbauweise standen hier im Vordergrund. Durch „NAWAROS“ (Abkürzung für Baustoffe aus nachwachsenden Rohstoffen) und die Passivhauszertifizierung konnte der hohe ökologische und nachhaltige Standard gewährleistet werden.

Gartenhofwohnungen und Stadthaus West (Bild: Lukas Vallentin)

Die ökologische Besonderheit des Passivhausstandards

Punkthäuser mit Loggien (Bild: Jacob Kanzleiter)

Ein Passivhaus leistet einen großen Beitrag zum Klima- und Umweltschutz. Es ist ein Gebäude, in dem ein komfortables Innenklima ohne aktives Heizsystem erreicht werden kann – es kann also rein „passiv“ erwärmt und gekühlt werden kann. Durch seine beiden Grundprinzipien, einerseits Wärmeverluste vermeiden und andererseits freie Wärmegewinne optimieren, verbraucht es mit 15 kWh/(m²a) ca. 80 % weniger Energie als ein Neubau nach dem Gesetz heute in Deutschland verbrauchen darf und erreicht so den, zertifizierten und qualitätsgeprüften, Passivhausstandard.

Das Ensemble der Baugemeinschaft TEAM³ ist das weltweit erste, durch das Passivhausinstitut Darmstadt, in Passivhausstandard zertifizierte “Passivhaus Quartier”. Durch den Passivhausstandard und die damit zusammenhängende hocheffiziente Energienutzung bei Gebäuden wird zusätzlich zu dem im Holz eingespeicherten CO2 auch im laufenden Betrieb der Energieverbrauch auf ein Minimum reduziert und CO2 Ausstoß vermieden.

Das behagliche Innenraumklima wird durch ein optimal abgestimmtes Außenraumkonzept ergänzt. Durch die generelle, zum Teil intensive Begrünung der Dächer und weitestgehende Versickerung des Regenwassers von Belagsflächen in seitlichen Grünflächen wird erreicht, dass ein möglichst hoher Teil des Regenwassers im Wurzelbereich von Pflanzen versickert und verdunstet. Durch hohe Verdunstungsraten soll die hochsommerliche Hitze im Wohnumfeld gemildert werden. Durch Versickerung über belebte Bodenschichten wird der Schadstoffeintrag in das Grundwasser minimiert. Gießwasser für Grünflächen wird im Gegenzug zur Versickerung durch einen Brunnen aus dem Grundwasser gewonnen, eine Zisternennachspeisung mit Trinkwasser kann damit ausgeschlossen werden.

Dachbegrünung (Bild: Lukas Vallentin)

Passivhausstandard als notwendige Reaktion auf den Klimawandel

Gemeinschaftshaus am Quartiersplatz (Bild: Jacob Kanzleiter)

Das Architekturbüro ArchitekturWerkstatt Vallentin wird seit 1996 von Gernot und Rena Vallentin geführt und fokussiert sich neben einer technisch optimalen und kostengünstigen Umsetzung auf eine zeitgemäße Gestaltung der Gebäude. Zudem reagieren die Architekten auf den Klimawandel, indem sie in ihrer Arbeit klimagerechte Konzepte entwickeln. Dabei werden die Schwerpunkte Nachhaltigkeit und Gestaltung behandelt, welche wiederum unter Berücksichtigung ökologischer und ökonomischer Aspekte betrachtet werden.

Seitdem sind viele Projekte beispielsweise im Passivhausstandard in ganz Deutschland und international umgesetzt worden. Im Auftrag des Ensembles Baugemeinschaft Team³ entstand in ARGE mit Johannes Kaufmann Architektur die erste ökologische Musterhaussiedlung im Passivhausstandard und zugleich die bundesweit größte Wohnsiedlung aus Holz.

Die Baugemeinschaft Team³ ist ein Zusammenschluss aus den Baugemeinschaftsinitiativen ArchitekturNatur, „Holzbau findet Stadt“ und „Wohnen ohne Auto“. Ziele der Baugemeinschaften sind: Holzbau, energetisches Bauen und PKW-reduziertes Wohnen. Das Zusammenleben in einer lebendigen Nachbarschaft in nachhaltig hergestellten und zu bewirtschaftenden Gebäuden soll ermöglicht werden.

Wohnquartier im Passivhausstandard in ökologischer Mustersiedlung

Wie kann man sich nun einen Teil der ökologischen Mustersiedlung in zertifiziertem und qualitätsgeprüftem Passivhausstandard vorstellen? Realisiert wurden hier 36 Wohneinheiten, die von 56 Quadratmeter bis 120 Quadratmeter reichen. 16 Wohnungen in zwei Punkthäusern, zwölf Wohnungen in zweigeschossiger Atriumszeile und acht Gartenhofwohnungen.

Axonometrie Holzkonstruktion
Grundrisse
Schnitte
Ansicht Ost
Ansicht West

Das Projekt greift das städtebauliche und landschaftsplanerische Konzept eines kompakt bebauten, urbanen Wohnclusters auf, das von großflächigen Parkanlagen umspült wird. In diesem Wohncluster teilen sich beide Baufelder mit ihren verschiedenen Wohntypologien den zentral gelegenen Platz, der von allen Bewohnern des Clusters genutzt wird. Im Baufeld Ost sind die Gebäude mit Wohngassen und Wohnwegen gut miteinander vernetzt und formen im Inneren einen kleinen Dorfplatz, der als Treffpunkt und für unterschiedliche Aktivitäten der Bewohner dient. Im Norden des Baufeldes wurden die winkelförmige Gartenhofhäuser errichtet, bei denen ein zweigeschossiger Hauptbaukörper und ein eingeschossiger Vorbau einen kleinen Gartenhof bilden. Im Bereich der verdichteten Flachbauten wird das Atriumhaus in Form eines winkelförmigen Gebäudes, mit einem zweigeschossigen Hauptbaukörper und einem eingeschossigen Vorbau, errichtet.

Diese Wohnungen dienen als Schluss des Baufeldes nach Osten. Im Nord-Süd ausgerichteten Hauptbaukörper sind die zentralen Nutzungen untergebracht. Alle Aufenthaltsräume nehmen durch geschosshohe Verglasungen und Fensteröffnungen Bezug auf den eigenen Garten und zur begrünten Dachfläche des eingeschossigen Vorbaus. Im Süden und in der Nähe der Straße, liegen die beiden Punkthäuser. Diese bilden den markanten Abschluss des Baufeldes über vier Geschosse. Mit einer einheitlichen klaren Gebäudeform sind diese Häuser als höchste Gebäude im Baufeld. Die beiden Stadthäuser werden vom Dorfplatz betreten und sind in ihrer Struktur ähnlich, verfolgen aber im Inneren unterschiedliche Konzepte.

Gemeinschaftsdachgarten mit Beeten (Bild: Lukas Vallentin)

Projektbeteiligte

ARGE Partner Architektur Johannes Kaufmann GmbH
Landschaftsarchitekt Wamsler Rohloff Wirzmüller FreiRaumArchitekten GbR
Tragwerksplaner     Reiser Tragwerksplanung
TGA Planung IBP Ingenieure GmbH & Co. KG
Holzbaubetrieb O.LUX GmbH & Co.

Text: Chris van Uffelen
Bilder: Lukas Vallentin und Jacob Kanzleiter