Interview: Der Wohnraum als Longevity-Elixier
Erwin Thoma gilt als Pionier des modernen Massivholzbaus. Der ehemalige Förster baut mit reinem Holz, ohne Klebstoffe und Holzschutzmittel, denn für den Österreicher zeigt sich nachhaltiges Bauen dort, wo Menschen es unmittelbar erleben: beim Raumklima, beim Schlaf und beim Gefühl von Geborgenheit. Er macht Wohnraum zum Gesundheits-Booster.
Das Interview führte:
Kann unser Zuhause uns gesünder machen?
Weniger Stress, besserer Schlaf, mehr Wohlbefinden: Holzbau-Pionier Erwin Thoma erklärt, welchen Einfluss unsere Wohnräume auf die Gesundheit haben können – und warum wir beim Bauen grundlegend umdenken sollten.
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Herr Thoma, Sie sprechen davon, besonders gesunde Häuser zu bauen. Was unterscheidet Ihren Ansatz?
Thoma: Zuerst muss man klarstellen, dass es „den Holzbau“ gar nicht gibt. Massivholzbau und Holzleicht bau sind technisch völlig unterschiedliche Welten. Ich spreche ausschließlich vom Massivholzbau. Unser Ansatz ist puristisch: Wir bauen mit reinem Holz und verzichten konsequent auf Klebstoffe, synthetische Leime, problematische Beschichtungen und Holzschutzmittel. Man kann lange diskutieren, welcher Stoff belastend sein könnte. Oder man verwendet ihn gar nicht erst.
Was bedeutet das für den Menschen, der darin lebt?
Wir nehmen unsere Umgebung auch im Schlaf wahr. Gerüche, Ausgasungen, Temperatur und Oberflächen registriert unser Organismus. Wenn der Körper etwas als ungewohnt oder potenziell problematisch wahrnimmt, bleibt ein Teil des Systems in Alarmbereitschaft. Das kann Schlaftiefe und Erholung beeinflussen. In einem unbelasteten Raum aus reinem Holz fällt dieser Stressfaktor weg.
Sie haben sich mit dem Mediziner Maximilian Moser von der MedUni Graz intensiv damit beschäftigt. Was hat Sie besonders überrascht?
Ich bin kein Arzt und wollte deshalb nie selbst medizinische Versprechen formulieren. Gemeinsam mit Professor Moser konnte ich mich aber intensiv mit der Forschung beschäftigen. Besonders beeindruckt hat mich, was Professor Moser über den nächtlichen Puls erklärt hat. In einem unbelasteten Holzraum leistet das Herz nachts demnach deutlich weniger Arbeit. Wir sprechen von rund 3.500 bis 4.000 Pulsschlägen weniger pro Nacht. Bildlich gesprochen erspart sich das Herz damit ungefähr eine Stunde Arbeit.
Das klingt fast zu schön, um wahr zu sein ...
Deshalb war mir die medizinische Begleitung wichtig. Es geht nicht darum, Holz romantisch aufzuladen. Entscheidend ist das unbelastete Material. Ein Raum mit Spanplatten und Kunststoffoberflächen ist etwas anderes als ein Raum aus purem Massivholz. Wir kennen das: Man betritt ein Hotelzimmer, riecht etwas Unangenehmes und schläft schlecht. Der Körper verarbeitet solche Signale auch dann, wenn wir längst eingeschlafen sind.
Beruhigende Wirkung von Zirbenholz: Mythos oder Realität?
Der Duft von Zirbenholz hat auf viele Menschen eine entspannende und beruhigende Wirkung. Der Schlaf in einem Zirbenbett soll deshalb besonders erholsam sein − so sagt es zumindest der traditionelle Volksglaube. Aber was sagt die Wissenschaft dazu: Ist die wohltuende Wirkung der Zirbe nur eingebildet oder tatsächlich nachweisbar? Zum Beitrag: Beruhigende Wirkung von Zirbenholz: Mythos oder Realität? »
Kann Wohnen tatsächlich zu einem Gesundheitsfaktor werden?
Natürlich. Wir diskutieren intensiv darüber, was wir essen und wie wir uns bewegen. Aber wir verbringen einen enormen Teil unseres Lebens in Gebäuden. Die Frage, wie wir wohnen, müsste mindestens genauso wichtig sein. Professor Moser hat mir gesagt, dass Menschen, die auf solche gesundheitlichen Faktoren achten, statistisch gesünder und länger leben. Daraus würde ich keine Heilsbotschaft machen. Aber die Qualität unserer gebauten Umgebung spielt für unser ganz persönliches Wohlbefinden eine große Rolle.
Wie gesund ist Ihr Zuhause wirklich?
Kann Massivholz Häuser auf natürliche Weise kühlen? Und warum gehören gesundes Wohnen und nachhaltiges Bauen untrennbar zusammen?
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