Energetische Sanierung: Kosten sparen und die Umwelt schonen

Umweltschutz und Energieeffizienz sind wesentliche Pluspunkte moderner Wärmepumpen – mit Ökostrom ist ihr Betrieb sogar absolut CO₂-
Foto: Viessmann

Klima- und Energiekrise sind längst in den deutschen Haushalten angekommen. Die hohen Kosten für fossile Energieträger sowie die immer deutlicheren Auswirkungen des Klimawandels haben zu einem Umdenken geführt und beschleunigen die Energiewende. Großes Potenzial verspricht vor allem der Gebäudesektor. Laut Umweltbundesamt ist der Energieverbrauch hier sogar höher als im Verkehrssektor.

In den Fokus rücken dabei besonders die Bestandsimmobilien, denn diese verbrauchen im Vergleich zu Neubauten deutlich mehr Energie. Viele Immobilienbesitzer setzen deswegen auf die energetische Sanierung älterer Gebäude. Doch welche Maßnahmen umfasst die energetische Sanierung und welche Kosten kommen auf Immobilienbesitzer zu?

  1. Energiebilanz: Großes Einsparpotenzial vor allem bei Bestandsimmobilien
  2. Energetische Sanierung: Diese Möglichkeiten gibt es
  3. Kosten einer energetischen Sanierung
  4. Fördermöglichkeiten für eine bessere Energieeffizienz
  5. Lohnt sich die energetische Sanierung?

Ein Gastbeitrag von Christian Schaar.

Energiebilanz: Großes Einsparpotenzial vor allem bei Bestandsimmobilien

In Deutschland gibt es rund 21 Millionen Gebäude. Um diese Gebäude nutzen können, muss Energie aufgewendet werden, zum Beispiel für die Heizung, die Kühlung, die Aufbereitung von Warmwasser oder die Beleuchtung.

Aktuell entfällt ein Drittel der gesamten Treibhausemissionen in Deutschland auf den Gebäudebestand. Laut der Deutschen Energie-Agentur (Dena) geht der Großteil der benötigten Energie auf Wohnimmobilien zurück. 39 Prozent entfallen dabei auf Ein- und Zweifamilienhäuser, 24 Prozent auf Mehrfamilienhäuser.

Besonders Wohnimmobilien, die vor dem Jahr 2001 errichtet wurden, weisen eine schlechte Energiebilanz auf. Im Vergleich zu Neubauten verbraucht eine ältere Bestandsimmobilie rund fünfmal so viel Energie wie ein Neubau. Mit einer umfassenden energetischen Sanierung kann dieser Verbrauch optimiert werden. Dies schont nicht nur die Umwelt, sondern spart in Zeiten von hohen Energiekosten auch jede Menge Geld.

Skyline von Frankfurt
Blick auf die Skyline von Frankfurt. Aktuell entfällt ein Drittel der gesamten Treibhausemissionen in Deutschland auf den Gebäudebestand.
Foto: Pexels/Philipp Birmes

Energetische Sanierung: Diese Möglichkeiten gibt es

Erklärtes Ziel der Bundesregierung ist ein klimaneutraler Gebäudestand. Um diesen hohen Ansprüchen gerecht zu werden, wurde am 1. November 2020 das sogenannte Gebäudeenergiegesetz (kurz GEG) verabschiedet. In diesem Gesetz werden u.a. die Anforderungen an den energetischen Zustand eines Gebäudes geregelt sowie die Einsatzmöglichkeiten von regenerativen Energien. Des Weiteren verpflichtet das Gesetz Immobilienbesitzer, dessen Ein- oder Zweifamilienhaus vor dem 1. Februar 2002 gebaut wurde, zur energetischen Sanierung. Vorausgesetzt, geltende Standards können mit dem bisherigen Zustand der Immobilie nicht eingehalten werden.

Zu den typischen Maßnahmen der energetischen Sanierung gehören dabei Dämmmaßnahmen, etwa des Daches oder Dachgeschoss oder von Rohrleitungen, aber auch der Einbau einer neuen, klimafreundlichen Heizung.

Aktuell ist vor allem der Umstieg auf eine Wärmepumpe gefragt. Ein solcher Wechsel kann rund 25 Prozent der bisherigen Energiekosten einsparen, ist allerdings mit hohen Investitionskosten verbunden. Je nach Wärmepumpe müssen Kosten zwischen 10.000 und 35.000 Euro aufgewendet werden. Oftmals müssen mehrere Maßnahmen kombiniert werden, um den gewünschten Effekt zu erzielen.

In unserem Artikel zum Thema Wärmepumpe installieren erfahren Sie, welche Voraussetzungen für den Einbau und die Nachrüstung einer Wärmepumpe erfüllt sein müssen.

Wärmepumpe im Keller
Wer sich für eine umweltfreundliche Wärmepumpe entscheidet, kann von staatlichen Zuschüssen profitieren.
Foto: Stiebel Eltron

Ein neues Heizsystem kann besonders effizient arbeiten, wenn es mit einer optimalen Wärmedämmung kombiniert wird. Tatsächlich ergeben sich bei älteren Häusern mit der richtigen Dämmung erhebliche Einsparpotenziale. Vor allem über das Dach oder die Außenwände geht sonst bei schlecht isolierten Häusern ein Großteil der Energie verloren.

So schätzen Experten den Energieverlust in den verschiedenen Bereichen eines Gebäudes ein:

  • Undichte Fenster verursachen einen Wärmeverlust von bis zu 25 Prozent
  • Über das Dach können bis zu 20 Prozent Wärme verloren gehen
  • Ein schlecht isolierter Boden kann bis zu 10 Prozent Energie verschwenden

Ältere Gebäude haben demnach eine Vielzahl an Optimierungspotenzialen, angefangen beim Tausch der Fenster, über eine moderne Fassaden- und Dachdämmung bis hin zum Einbau einer klimafreundlichen Lüftungsanlage mit effizienter Wärmerückgewinnung.

Kosten einer energetischen Sanierung

Entscheidend für den Erfolg der energetischen Sanierung ist eine genaue Analyse des Bestandsgebäudes und die anschließende Auswahl passender Maßnahmen. Hier ist meist der Rat eines Experten gefragt, um die richtigen Lösungen zu finden. Empfehlenswert ist dabei die Zusammenarbeit mit einem zertifizierten Energieberater, einem Gutachter der Verbraucherzentrale oder einem Energieeffizienz-Experten der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Wichtig ist nicht nur die Auswahl der richtigen Maßnahmen, auch die Reihenfolge der Umsetzung wirkt sich direkt auf die Energiebilanz des Hauses aus und sollte wohlüberlegt sein.

Die Sanierung eines Gebäudes ist für die meisten Immobilienbesitzer vor allem ein hoher finanzieller Aufwand. Eine pauschale Aussage zu den erwartbaren Kosten kann jedoch kaum getroffen werden, da sich zu viele individuellen Faktoren auf die Gesamtkosten auswirken. Je sanierungsbedürftiger ein Haus, desto mehr Geld muss in die Hand genommen werden.

Grundsätzlich können Hausbesitzer mit diesen Kosten rechnen

  • Dämmung der Außenwände: 10.000−40.000 Euro rechnen
  • Heizungsaustausch: 5.000−25.000 Euro
  • Neue Fenster: 5.000−10.000 Euro
  • Dachdämmung: bis zu 5.000 Euro .
Energieberater
Energieberater ermitteln energetische Schwachstellen und erstellen Sanierungsfahrpläne fürs Haus.
Foto: KfW-Bildarchiv/Jens Steingässer

Fördermöglichkeiten für eine bessere Energieeffizienz

Die Kosten für die energetische Sanierung können mitunter sehr hoch sein. Es gibt aber mehrere Möglichkeiten der günstigen Finanzierung und staatlichen Förderung. Schließlich hat die Bundesregierung ein großes Interesse daran, dass Immobilienbesitzer ihre Gebäude sanieren und so einen Beitrag zur Energiewende leisten.

Infrage kommt zum Beispiel ein Baudarlehen oder Wohnkredit.

  • Belaufen sich die zu erwartenden Kosten auf unter 60.000 Euro ist ein Wohnkredit ratsam, da keine neue Grundschuld ins Grundbuch eingetragen werden muss und dadurch auch keine Kosten für Notar und Grundbuchamt anfallen.
  • Bei höheren Investitionen erscheint hingegen ein Baudarlehen sinnvoller, denn hier sind die Zinsen meist niedrig und die Laufzeit ist länger. Des Weiteren gibt es spezielle Sanierungs- oder Modernisierungskredite, die sich durch eine hohe Flexibilität und Individualisierung auszeichnen.

Neben Krediten sollten Immobilienbesitzer auch die staatlichen Förderungen und Tilgungszuschüsse in Anspruch nehmen. Infrage kommen hierbei die Förderungen der KfW und des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). Ist zum Beispiel der komplette Umbau zu einem Effizienzhaus geplant, kann über den Wohngebäude-Kredit 261 ein Kredit von bis zu 150.000 Euro mit einem Tilgungszuschuss von 5 bis 25 Prozent aufgenommen werden. Bei der Umsetzung von Einzelmaßnahmen bietet die BAFA Förderungen für effiziente Gebäude. Auch hier gilt, dass eine umfassende Beratung entscheidend ist, um von den maximalen Fördermöglichkeiten zu profitieren.

Lohnt sich die energetische Sanierung?

Eine pauschale Antwort auf die Frage, ob sich die Investitionen in die energetische Sanierung lohnen, gibt es nicht. Zu viele Faktoren spielen eine Rolle. Bei vielen Gebäuden amortisieren sich die hohen Investitionskosten aber bereits nach 10 bis 15 Jahren. So profitiert am Ende nicht nur die Umwelt von der eingesparten Energie, sondern auch der eigene Geldbeutel.

Text: Christian Schaar

Christian Schaar ist Geschäftsführer der S2 GmbH. Seine baubiologischen Kenntnisse erlangte er durch den täglichen Umgang mit Problemen der Baubiologie in verschiedenen Unternehmen des ökologischen Holzbaus. Als Geschäftsführer eines Planungsbüros, dessen Schwerpunkt ebenfalls der ökologische Holzbau ist, wird er bei Neubauprojekten und Sanierungen regelmäßig mit baubiologischen Fragestellungen konfrontiert und als Experte auf diesem Gebiet konsultiert.

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