Buchvorstellung: ‚Pflanzenfaserarchitektur heute‘

Das Buch 'Pflanzenfaserarchitektur heute' und die dazugehörige Wanderausstellung 'Fibra – Zeitgenössische Architektur mit Pflanzenfasern' würdigen die 50 Finalisten des FIBRA Awards
Bild: Wang Ziling

Das Buch ‚Pflanzenfaserarchitektur heute‚ und die dazugehörige Wanderausstellung ‚Fibra – Zeitgenössische Architektur mit Pflanzenfasern‚ würdigen die 50 Finalisten des FIBRA Awards, des ersten weltweiten Preises für zeitgenössische Architektur aus Pflanzenfasern.

Ökologischer Wandel mit Pflanzenfasern

Der Einsatz von Materialien aus schnell wachsenden Pflanzen kann bei der Verringerung der Umweltauswirkungen von Gebäude einen wesentlichen Beitrag leisten. Er bietet die Chance, die CO2-Emissionen stark zu verringern und damit die globale Erderwärmung zu reduzieren.

Von chinesischen Lampenschirmen inspiriert: das aus Kieselsteinen, Stampflehm und Bambus gebaute Gasthaus zelebriert die Schönheit von Bambus
Von chinesischen Lampenschirmen inspiriert: das aus Kieselsteinen, Stampflehm und Bambus gebaute Gasthaus zelebriert die Schönheit von Bambus
Bild: Dominique Gauzin-Müller

Gebäude: Gasthaus für die internationale Bambusbiennale von Baoxi, China.
Architektin: Anna Heringer

Die ausgewählten Gebäude kommen aus allen Kontinenten und verwenden die verschiedensten Materialien: Bambus, Stroh, Schilf, Weide oder Rattan, Hanf, Palm- oder Zuckerrohrblätter, Rinde, sowie Nordsee- oder Andengräser. Die meisten Bauten kombinieren den Einsatz lokaler Ressourcen, die Revitalisierung traditioneller Techniken, zeitgenössisches Gestaltung und energiesparende Bauweisen. So bieten sie überzeugende Beispiele für eine kreative Suffizienz.

Auch Ferienhäuser werden in 'Pflanzenfaserarchitektur heute' vorgestellt. Hier ein Gebäude in Kenia mit einem Dachstuhl aus Mangrovenholz und einem langen Makuti-Kokosblattdach geschützt.
Mehrere separate Ferienhäuser werden von einem Dachstuhl aus Mangrovenholz und einem langen Makuti-Kokosblattdach geschützt. Bis auf die Bodenplatte aus Beton wurden alle Arbeiten mit Materialien aus der Insel Lamu handwerklich ausgeführt.
Bild: Alberto Heras

Gebäude: Ferienhaus Red Pepper in Lamu, Kenia
Architekten: Urko Sanchez Architects

Den Menschen wieder mit der Natur verbinden

In Europa wird mit nachwachsenden Rohstoffe wie Stroh, Hanf und Flachs gedämmt. In Ländern des Südens kann man aus Bambus, Schilf und anderen Fasern – oft in Verbindung mit Lehm – komfortable Häuser zu erschwinglichen Preisen errichten. Dazu schafft der Einsatz von Pflanzenfasern eine Ästhetik, die den Menschen wieder mit der Natur verbindet: ihre Struktur hat eine selbstverständliche haptische Schönheit.

Mehr als nur Pflanzenfasern: Diese lebendige Kuppel inmitten eines Waldes ist die natürliche Kulisse für die Aufführung von traditionellen chinesischen Opern
Diese lebendige Kuppel inmitten eines Waldes ist die natürliche Kulisse für die Aufführung von traditionellen chinesischen Opern
Bild: Wang Ziling

Architektur: Lebendes Bambus-Theater in Songyang County, China
Architektin: Xu Tiantian, DnA_Design and Architecture

Bauen und Renovieren mit Stroh und Hanf

Mit mehr als 5.000, mit Stroh gedämmten Bauten ist Frankreich Pionier. Rund zehn französische strohgedämmte Schul- und Wohngebäude, darunter ein sozialer Wohnungsbau mit sieben Etagen, gehören zu den Finalisten des FIBRA Awards. Die Verwendung von Hanfbeton nimmt auch in Frankreich zu, wie zwei Pariser Beispiele zeigen: die Renovierung eines alten Mietshauses und der Neubau von Sozialwohnungen.

In "Pflanzenfaserarchitektur heute" werden verschiedene Bauprojekte vorgestellt. Wie dieses Gebäude in Vitry-sur-Seine.
Die geflochtenen Weidengeländer des Wohnhaus Le Candide strahlen eine besondere Wärme aus. Die beweglichen Schiebewände und die Balkon-Trennwände wurden in der Werkstatt vorgefertigt, die Balkongeländer vor Ort gewebt.
Bilder: Luc Boegly

Gebäude: Wohnhaus Le Candide in Vitry-sur-Seine, Frankreich
Architekt: Bruno Rollet

Hygrothermischer Komfort

Nachwachsende Materialien sind diffusionsfähig, winddicht und können Feuchtigkeit puffern. Zudem wirken sie ausgleichend auf die Temperaturen im Innenraum. Dadurch tragen sie nicht nur zu einem ökologischen Wandel sondern auch zu einem gesunden Wohnen bei.

Auch Einfamilienhäuser werden in "Pflanzenfaserarchitektur heute" gezeigt
Architektur für Familien mit Pflanzenfasern: Das erste Strohballenhaus der Region will eine erschwingliche und ökologische Alternative zu den üblichen Einfamilienhäusern in den Vororten Nordamerikas sein.
Das erste Strohballenhaus der Region will eine erschwingliche und ökologische Alternative zu den üblichen Einfamilienhäusern in den Vororten Nordamerikas sein.
Bilder: Nicolas Koff

Gebäude: K-House in Toronto, Kanada
Architekten: Nicolas Koff, Office Ou

Details

Titel
Pflanzenfaserarchitektur heute – 50 ausgezeichnete Bauwerke aus aller Welt

Autorin
Dominique Gauzin-Müller

Verlag
éditions MUSEO/ vdf Hochschulverlag

Umfang und Preis
144 Seiten, 216 Fotos, 112 Grafiken und Illustrationen, durchgehend farbig, Format 24 x 32,5cm, broschiert

CHF 42.00/EUR (D) 39.90
ISBN 978-3-7281-4028-9

erscheint Mitte Oktober, auch als E-Book erhältlich

Details ‚Fibra – Zeitgenössische Architektur mit Pflanzenfasern‘

Zeitraum
16. Oktober 2020 – 10. Januar 2021

Ort
Ifa-Galerie Stuttgart

Info
Neben den 50 Finalisten des FIBRA Awards werden Modelle von 1zu1-Details dieser Bauten vorgestellt, wie Hanfbeton-Wände, Dach- und Wandverkleidung aus Stroh, Geländer aus Weide.

Text: Dominique Gauzin-Müller