Klimaresilient bauen: So werden Häuser fit für Hitze, Starkregen und Sturm
Ein Haus, das heute gebaut wird, muss nicht nur dem aktuellen Klima standhalten. Es wird voraussichtlich auch noch in 80 oder 100 Jahren genutzt – unter Bedingungen, die sich deutlich von den heutigen unterscheiden können.
Schon heute zeigen sich die Auswirkungen des Klimawandels deutlich: Hitzewellen und Waldbrände treten häufiger auf, Starkregen und Überschwemmungen nehmen zu, Stürme oder Hagelschauer häufen sich. Allein 2025 wurden weltweit 157 Extremwetterereignisse erfasst. Energieeffizienz allein reicht deshalb nicht mehr aus. Zukunftsfähige Gebäude müssen so geplant sein, dass sie Menschen auch bei Hitze schützen, großen Wassermengen standhalten und nach Unwettern möglichst schnell wieder nutzbar sind.
Klimaresilientes Bauen berücksichtigt diese Risiken von Anfang an. Der Beitrag zeigt, worauf es bei Standort, Planung, Materialien und Gebäudehülle ankommt.
In diesem Beitrag:
Was bedeutet klimaresilientes Bauen?
Klimaresiliente Gebäude sind so geplant, dass sie mit den Folgen des Klimawandels möglichst gut umgehen können. Sie sollen Hitze, Starkregen oder Stürmen standhalten und auch unter veränderten Bedingungen sicher und angenehm nutzbar bleiben.
Dabei geht es nicht nur darum, Schäden zu verhindern. Ebenso wichtig sind ein gesundes Raumklima, eine lange Lebensdauer und ein möglichst geringer Verbrauch von Energie und Ressourcen.
Ausweichen, widerstehen oder anpassen?
Das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) hat in seinem Bericht „Bauen im Klimawandel“ drei Grundprinzipien für klimaresiliente Planung herausgearbeitet:
- Ausweichen: gefährdete Standorte wie bekannte Hochwassergebiete bei der Bebauung meiden
- Widerstehen: bauliche Vorkehrungen treffen wie wasserdichte Fenster oder hagelresistente Dachkonstruktionen
- Anpassen: so bauen, dass keine gravierenden Schäden entstehen und eine einfache Instandsetzung möglich ist
Klimaresilienz und Nachhaltigkeit gehören dabei zusammen. Ein Bauwerk, das zwar Extremwetter standhält, aber hohe Mengen an Ressourcen verbraucht oder problematische Materialien einsetzt, erfüllt die Anforderungen an Klimaschutz nur bedingt.
Hier gibt es viele Berührungspunkte mit der Baubiologie. Auch sie betrachtet Gebäude ganzheitlich und verbindet gesundes Wohnen mit naturnahen Baustoffen und einem verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen. Klimaresiliente und baubiologische Planung verfolgen daher in vielen Bereichen dieselben Ziele.
Vorausschauende Planung für mehr Widerstandsfähigkeit
Die Anpassungsfähigkeit eines Hauses beginnt lange vor dem ersten Spatenstich. Standort, Gebäudeform, Raumaufteilung und Grundstücksgestaltung bestimmen mit, wie gut ein Haus später vor Hitze, Starkregen und Sturm geschützt ist.
- Standortwahl: Grundstücke in hochwassergefährdeten Bereichen oder in stark versiegelten Umgebungen erhöhen die Anfälligkeit für klimabedingte Gefahren.
- Raumorganisation: Wohn- und Schlafräume, die nach Norden und Osten ausgerichtet sind, heizen sich im Sommer weniger stark auf. Große Fensterflächen nach Süden und Westen benötigen dagegen einen wirksamen außenliegenden Sonnenschutz.
- Gebäudeform: Kompakte Baukörper besitzen im Verhältnis zu ihrem Volumen eine geringere Außenfläche. Sie erwärmen sich im Sommer langsamer und haben weniger Energieverluste im Winter.
- Grundstück und Gebäudehülle: Entsiegelte Flächen fördern die Versickerung von Regenwasser, während Bäume und Bepflanzungen, Dach- und Fassadenbegrünungen Schatten spenden und durch Verdunstungskälte zur Abkühlung beitragen.
Welche baulichen Maßnahmen können Bauherren ergreifen?
Klimaresiliente Gebäude entstehen durch das Zusammenspiel aus ganzheitlicher Planung, angepasster Bauweise und geeigneten Materialien. Welche Maßnahmen sinnvoll sind, hängt von den jeweiligen Risiken am Standort ab:
1. Schutz vor Starkregen und Hochwasser
Starkregen stellt eine besondere Herausforderung dar. Innerhalb kurzer Zeit fallen große Niederschlagsmengen, die Entwässerungssysteme belasten und zu Überflutungen führen können. Eine wirksame Strategie beginnt daher auf dem Grundstück. Mulden, Rigolen und andere Versickerungselemente halten Niederschlagswasser zurück und geben es nach und nach an den Boden ab. Retentionsdächer können zusätzlich große Wassermengen speichern und den Abfluss verlangsamen.
Die Gebäudehülle sollte ebenfalls auf größere Wasserbelastungen vorbereitet sein. Erhöhte Sockelbereiche, druckwasserdichte Keller sowie sorgfältig ausgeführte Anschlüsse an Fenstern und Türen verringern den Wassereintritt. Technische Anlagen sollten möglichst außerhalb gefährdeter Bereiche installiert werden.
2. Häuser gegen Sturm und Hagel sichern
Nicht nur Wasser kann einem Gebäude zusetzen. Auch Sturm und Hagel verursachen regelmäßig Schäden an Dächern und Fassaden. Eine widerstandsfähige Dachkonstruktion bildet die erste Schutzlinie. Dachziegel sollten mit Sturmklammern befestigt werden, während Flachdächer eine ausreichende Sicherung gegen Windsog an den Rändern und Ecken benötigen. Neben einer mechanischen Befestigung können Auflasten wie Kies oder Dachbegrünungen zur Sicherung beitragen.
Ebenso wichtig sind belastbare Fassadenkonstruktionen. Fassaden mit Putzoberflächen können durch Hagelschlag beschädigt werden, wodurch Feuchtigkeit eindringen kann. Hier empfehlen sich robuste Oberputze mit Gewebeeinlagen. Noch besser schützen vorgehängte hinterlüftete Fassaden oder zweischaliges Mauerwerk.
Darüber hinaus kann auch die Freiraumplanung dazu beitragen, Gefahren zu minimieren. Eine standortgerechte Bepflanzung mit Hecken und Bäumen bremst Windgeschwindigkeiten und verbessert das Mikroklima.
3. Sommerliche Hitzeresistenz mit natürlichen Materialien verbinden
Lange Hitzeperioden zählen zu den spürbarsten Folgen des Klimawandels. Ohne geeignete Gegenmaßnahmen können sich Innenräume stark aufheizen und sowohl Wohnkomfort als auch Gesundheit beeinträchtigen.
Am wirksamsten sind Maßnahmen, die möglichst wenig Sonnenwärme ins Gebäude gelangen lassen:
- angepasste Fensterplanung
- Dachüberstände
- außenliegender Sonnenschutz (z.B. Markisen)
- innenliegende Systeme (z.B. Plissees)
- Sonnenschutzfenster bzw. Sonnenschutzfolie
- begrünte Dächer und Fassaden
Materialien mit hoher Wärmespeicherkapazität, etwa Ziegel, Naturstein oder Lehm nehmen tagsüber Wärme auf und geben sie zeitversetzt wieder ab. Natürliche Dämmstoffe wie Holzfaser, Zellulose, Hanf oder Schafwolle verzögern das Eindringen von Wärme und sorgen zugleich für ein wohngesundes Innenraumklima.
Fazit
Klimaresilientes Bauen beginnt nicht erst bei speziellen Schutzmaßnahmen gegen Hochwasser oder Sturm. Schon die Wahl des Grundstücks, die Ausrichtung der Räume, Grünflächen und der sommerliche Wärmeschutz entscheiden darüber, wie gut ein Gebäude mit Klimafolgen umgehen kann.
Wer diese Aspekte früh berücksichtigt und langlebige, möglichst natürliche Materialien einsetzt, schützt nicht nur das Gebäude vor Schäden. Er schafft auch Wohnräume, die bei Hitze angenehm bleiben, Ressourcen schonen und langfristig nutzbar sind.
Autor Christian Schaar ist Geschäftsführer der S2 GmbH. Seine baubiologischen Kenntnisse erlangte er durch den täglichen Umgang mit Problemen der Baubiologie in verschiedenen Unternehmen des ökologischen Holzbaus. Als Geschäftsführer eines Planungsbüros mit Schwerpunkt auf ökologischem Holzbau wird er regelmäßig mit baubiologischen Fragestellungen konfrontiert und als Experte auf diesem Gebiet konsultiert.
Wie gefällt Ihnen dieser Beitrag?
Wegweisende Nachhaltigkeitsarchitektur – unser Newsletter hält Sie up to date!
Newsletter abonnieren