SuperAdobe im Krisengebiet: Vom Mars nach Hormus

Foto: Tahmineh Monzavi

Am Strand von Hormus, einer kargen Felseninsel im Persischen Golf, liegt ein ungewöhnliches Resort: Mehr als 200 farbige Kuppeln versammeln sich am Strand und erzählen von einem Traum, der weit über die Erde hinausreicht. Die Anlage basiert auf einem Baukonzept, das ursprünglich für Mond und Mars entwickelt wurde – und zeigt heute, wie ressourcenschonendes Bauen, Nachhaltigkeit und soziales Engagement zusammenfinden können.

Chris van Uffelen
Fachautor CRADLE

Dies ist das (gekürzte) Titelthema aus der aktuellen Print-Ausgabe No. 8 von CRADLE.

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Von Mars nach Hormus

Zwei Jahre vor der Challenger-Katastrophe von 1986 verfolgte die NASA noch ehrgeizige Visionen. Die Besiedlung von Mond und Mars schien greifbar, doch ein zentrales Problem stellte sich schon damals – und stellt sich bis heute: Wie kann man in einer lebensfeindlichen Umgebung bauen? Bei Temperaturen zwischen –173 °C und +127 °C, ohne Infrastruktur, ohne erschlossene Materialressourcen, ohne Maurer, Zimmerleute oder Dachdecker.

Auf einem Symposium in Washington, D.C. 1984 sowie in dem 1985 erschienenen Sammelband „Lunar Bases and Space Activities of the 21st Century“ präsentierte der 1936 in Teheran geborene Architekt Nader Khalili eine radikale Antwort. Sein Vorschlag war ein Do-it-yourself-Bausystem, mit dem sich aus Mondstaub und Gesteinsbrocken stabile Kuppeln errichten lassen – ohne schwere Geräte, ohne Fachpersonal. Die NASA lud Khalili ein, das Verfahren im Los Alamos National Laboratory in New Mexico weiter zuentwickeln. Zwar existieren auch 40 Jahre später keine Mondbasen, doch auf der Erde entstand aus Khalilis Ideen eine weltweite Baupraxis, die bis heute Schule macht.

Die aus der Entwicklung für Mond und Mars hervorgegangenen Technologien haben sich als widerstandsfähig gegen über extremen Umgebungen und Naturkatastrophen erwiesen.

Nader Khalili, Architekt aus Teheran
Die karge Felseninsel Hormus ist ein Salzdiapir, der seit etwa 50 000 Jahren aus dem Persischen Golf aufragt. Durch geologische Abbauprozesse entstanden verschiedene Erden und Formationen mit malerischen Namen wie Safran-Tal, Salzgöttin oder Regenbogenschlucht. Das rötliche Ockerpigment dominiert den Anblick in der Meerenge.
Foto: Tahmineh Monzavi

Keep your feet on the ground 

Zerlegt man die Bauten eines Tages wieder, so bleiben von ihnen nur Erde und Geröll, das an seinen Ursprungsort zurückkehrt, wieder- verwendbare Plastik- oder Stoffschläuche sowie wenige Befestigungsmittel.
Foto: Payman Barkhordari

Das wohl schillerndste Beispiel dieser Entwicklung ist die Majara Residence an der Küste der Straße von Hormus. Das Resort ist Teil des umfassenden Entwicklungsprojekts Residence in Hormus, das auf nachhaltigen Tourismus und die Förderung lokaler Kultur und Wirtschaft zielt. Verantwortlich zeichnet unter anderem das iranische Büro ZAV Architects, das auch weitere Bauten des Masterplans entwarf, darunter das Rong Cultural Center, das 2017 als Pilot projekt für die Bauweise diente.

In der Majara Residence formen rund 200 SuperAdobe-Kuppeln unterschiedlicher Größe Ferienwohnungen sowie Gemeinschafts- und Infrastrukturbauten. 130 der Kuppeln bilden 17 Wohneinheiten für die maximal 75 Gäste. Die Gemeinschaftseinrichtungen stehen sowohl den Feriengästen als auch der Bevölkerung zur Verfügung: Majara Residence ist im Gegensatz zu anderen Resorts programmatisch nicht umzäunt, ist für Flora und Fauna durchlässig. 40 ungelernte Arbeiter wurden im Rahmen des Projekts für die Bautätigkeit qualifiziert und haben auf den Gebäuden wortwörtlich ihren Handabdruck hinterlassen.

Während Khalili für den Mond eine streng konzentrische Anordnung vorgesehen hatte, gruppieren sich die Kuppeln hier spielerisch in unregelmäßigen Clustern auf rund 4.000 Quadratmetern. 6.300 Quadratmeter blieben als Freiraum unbebaut. Auch die Farbigkeit der Bauten folgt irdischen Gesetzen: Sie greift die natürlichen Töne der sogenannten Regenbogeninsel auf, die durch unterschiedliche Mineralien im Salzdiapir – einem geologisch aufsteigenden Salzstock – entstehen. Städtebaulich wie ästhetisch unterscheidet sich die Freizeitarchitektur von Hormus damit deutlich von den nüchternen Visionen extraterrestrischer Siedlungen.

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www.zavarchitects.com

Fotos: Payman Barkhordari, Tahmineh Monzavi

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