Heizungssysteme: Nachhaltig heizen im Eigenheim

Gibt es nachhaltige Heizungssysteme, die für ein warmes Zuhause sorgen und gleichzeitig die Umwelt schonen? Am einfachsten und kostengünstigsten ist es, bereits bei der Bauplanung auf die richtigen Heiz- sowie Lüftungssysteme zu setzen. Um deren Nachhaltigkeit zu verstärken und Wärmeverluste zu reduzieren, sollte zudem smart geheizt und gelüftet werden.

In diesem Artikel:

Ein Gastbeitrag von Christian Schaar, Geschäftsführer der S2 GmbH.

Nachhaltige Heizungssysteme

Die Idealbedingungen für unser Wohlfühlklima sind zwar individuell etwas unterschiedlich, doch im Herbst und Winter möchte sich schließlich jeder in einem warmen und heimeligen Zuhause aufhalten. Schon bei einem Neubau sollte daher das passende Heizsystem eingeplant werden. Dafür stehen unterschiedliche Systeme zur Auswahl. Neben den klassischen Gas- und Ölheizungen – die mit modernster Brennwerttechnik zwar sehr effizient sind, aber auf fossile Energieträger zurückgreifen – setzen sich immer mehr nachhaltige Systeme durch. Im Vergleich zu den herkömmlichen Heizsystemen sinkt der Energieverbrauch bei nachhaltigen Heizsystemen um bis zu 75%. Auch der CO2-Ausstoß verringert sich.

 

Erdwärmepumpen

Eine nachhaltige Heizungsmöglichkeit stellt die Verwendung von oberflächennaher Geothermie dar. Mithilfe einer Erdwärmepumpe wird aus Tiefen von bis zu 100m die dort natürlich vorkommende thermische Energie nutzbar gemacht. Dabei transportieren entweder eine Tiefenbohrung, Spiralsonden oder Flächenkollektoren die Wärme zur Pumpe, die diese dann ins Haus bringt.

In tieferen Bodenschichten beträgt die Temperatur ganzjährig konstant mehr als 7°C. Von diesem Effekt profitiert dieses Heizsystem vor allem im Winter. Sowohl ökologisch als auch ökonomisch lohnt sich eine solche Heizung. Deswegen sollten bei der Anschaffung nicht nur der Kaufpreis, sondern besonders die Folgekosten bedacht werden. Erdwärmepumpen verwenden Strom, um zu arbeiten. Dieser kann durch eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach des Hauses selbst produziert werden. Dadurch verringern sich sowohl der ohnehin niedrige CO2-Ausstoß als auch die entstehenden Folgekosten noch weiter.

Funktionsweise der Erdwärmepumpe

Luftwärmepumpen

Ein weiteres nachhaltiges Heizungssystem ist die Luftwärmepumpe. Ähnlich wie bei der Erdwärmepumpe profitiert die Luftwärmepumpe von der Temperaturdifferenz zwischen Innen- und Außenluft. Die Kosten bis zur Installation des Systems sind gering, denn hier muss im Gegensatz zur Erdwärmepume nicht gebohrt werden. Allerdings ist dieses System nicht so effizient wie Erdwärmepumpen.

Bei Temperaturen von etwa -25°C muss eine elektrische Ersatzheizung die Arbeit übernehmen. Die Geräte arbeiten auf Wunsch auch zur Kühlung der Räume. Das ist im Hinblick auf steigende Temperaturen ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Von daher ist dieses System besonders dann empfehlenswert, wenn das Haus gut isoliert ist und die Umgebungstemperatur nicht unter den kritischen Wert fällt. Auch hier profitieren Umwelt sowie Geldbeutel von der Kombination mit einer Fotovoltaikanlage.

 

Pelletheizungen

Noch eher selten im Einsatz sind Heizungssysteme mit Holzpellets. Nachhaltig ist dieses System, da die Abfälle der holzverarbeitenden Industrie – wie zum Beispiel Sägespäne, die bei der Produktion von Schnittholz anfallen – zur Herstellung der Pellets verwendet werden. Wenn die Holzpellets zudem regional erworben werden, hält das die Lieferwege kurz und schon das Klima. Bauherren sollten hierbei allerdings berücksichtigen, dass für die Lagerhaltung der Pellets genügend Raum zur Verfügung steht. Statt schwerem Schleppen kommen für die Beförderung der Pellets aus dem Lagerraum in den Verbrenner automatische Fördersysteme zum Einsatz und halten damit den Arbeitsaufwand gering.

 

Solarthermie

Die Kraft der Sonne ist nicht nur in Form von Fotovoltaikanlagen nutzbar. Die Solarthermie ist eine zuverlässige Technologie, Solarenergie zu nutzen und in Verbindung mit einem Solarspeicher und einem Heizkessel dafür zu sorgen, dass immer ausreichend Wärme zur Verfügung steht. In Kollektoren auf dem Dach befindet sich eine Wärmeträgerflüssigkeit, die durch Absorption der Strahlungsenergie aufgewärmt wird. Die gewonnene Energie wird dann zum Wärmespeicher transportiert, wo sie zu Wärme für die Warmwasserbereitung oder Heizungsunterstützung umgewandelt wird. Solarthermie findet häufig in Kombination mit einem anderen Heizsystem Verwendung; Denn während sich im Sommer der Wärmebedarf vollständig durch Sonnenenergie decken lässt, reicht die Strahlung im Winter oft nicht aus.

Blockheizkraftwerke und Kleinwindanlagen

Die sogenannten Mikro-BHKW sind auf dem Vormarsch, wenn es um nachhaltige Heizungssysteme geht. Üblicherweise verbrennen Blockheizkraftwerke fossile Rohstoffe – und zwar sehr effizient und mit einem hohen Nutzungsgrad. Moderne Mikro-BHKW für das Eigenheim verwenden als Rohstoff dagegen Biomasse und gelten dadurch als eine sehr grüne und umweltschonende Lösung. Auch Kleinwindanlagen sind im Kommen und machen sich die Windkraft als regenerative Energie zu Nutze. Aufgrund ihrer Größe haben sie nur einen verschwindend geringen Einfluss auf die Umwelt – sie beeinträchtigen weder Mensch noch Tier. Die durch sie gewonnene Windenergie kann beispielsweise für den elektrischen Betrieb von Wärmeanlagen verwendet werden. Außerdem gilt sie dank niedriger CO2-Werte als sehr nachhaltig.

Über den Autor

Christian Schaar ist Geschäftsführer der S2 GmbH. Seine baubiologischen Kenntnisse erlangte er durch den täglichen Umgang mit Problemen der Baubiologie in verschiedenen Unternehmen des ökologischen Holzbaus. Als Geschäftsführer eines Planungsbüros, dessen Schwerpunkt ebenfalls der ökologische Holzbau ist, wird er bei Neubauprojekten und Sanierungen regelmäßig mit baubiologischen Fragestellungen konfrontiert und als Experte auf diesem Gebiet konsultiert.

Text: Christian Schaar
Bilder: S2 GmbH-NIBE