Alpine Architektur: Die Schönheit des Alten

alpine Architektur: das Forschungsprojekt ATLAS unter der Leitung von Prof. Dr. Natalie Eßig und Prof. Dr. Silke Langenberg
Die Schönheit alpiner Fassaden (Bild: Natalie Eßig)

Traditionelle alpine Architektur von historischen Gebäuden neu entdecken, bewerten und nachhaltig entwickeln – das ist das Ziel des europäischen Forschungsprojekts ATLAS. Zwei Professorinnen der Fakultät für Architektur sind in der wissenschaftlichen Leitung des Projektes aktiv.

In diesem Artikel:

Ein Gastbeitrag der Hochschule München.

„Wir wollen die traditionelle alpine Architektur bewahren und historische Gebäude – auch Häuser und Ensembles jenseits des Schutzniveaus – erhalten und für die Zukunft rüsten.“

Prof. Dr. Silke Langenberg und Prof. Dr. Natalie Eßig

Die Schönheit des Alten: alpine Architektur

Wer Urlaub in den Bergen macht, sieht sie oft: alte, traditionelle Bauernhäuser in einem kleinen Bergdorf. Sie sind nicht mehr bewohnt, und langsam aber sicher beginnt ihr Verfall. Für die Renovierung oder Sanierung solcher Häuser macht sich das Projekt »Advanced Tools for Low-carbon, high-value development of historic architecture in the Alpine Space« (ATLAS) stark.

»Wir wollen die traditionelle alpine Architektur bewahren und historische Gebäude – auch Häuser und Ensembles jenseits des Schutzniveaus – erhalten und für die Zukunft rüsten. Gleichzeitig sollen sie energieeffizient und nachhaltig saniert werden, denn nur so können wir die ehrgeizigen Klimaschutzziele erreichen und die Merkmale der alpinen Kulturlandschaft schützen«, erklären Prof. Dr. Silke Langenberg und Prof. Dr. Natalie Eßig das Konzept.

Prof. Dr. Silke Langenberg, wissenschaftliche Leitung des europäischen Forschungsprojektes ATLAS
Prof. Dr. Silke Langenberg (Bild: Johanna Weber)
Prof. Dr. Natalie Eßig, wissenschaftliche Leitung des europäischen Forschungsprojektes ATLAS
Prof. Dr. Natalie Eßig (Bild: Johanna Weber)

Die beiden Professorinnen ergänzen sich ideal in diesem Projekt: während Eßig die Professur für Baukonstruktion und Bauklimatik inne hat und Expertin für Nachhaltigkeit ist, ist Langenberg Professorin für Bauen im Bestand, Denkmalpflege und Bauaufnahme und steht für die Bewahrung der historischen Bausubstanz unter Berücksichtigung ihrer kulturellen Bedeutung.

Gebäude nachhaltig entwickeln

Bis zu 60 Prozent der Gebäude in ländlichen Gebieten können als historisch betrachtet werden. Meistens stehen sie in benachteiligten Gebieten im alpinen Raum – ob im slowenischen Soca-Tal, im italienischen Truden im Naturpark oder im österreichischen Hittisau in Vorarlberg – und bieten ein geringes Maß an Energieeffizienz und Komfort.

Die Besitzer*innen der historischen Gebäude müssen, ebenso wie Architekt*innen, Erbschaftsbehörden und politische Entscheidungsträger*innen in den Kommunen, meist erst für die Notwendigkeit und den Nutzen einer nachhaltigen Entwicklung der traditionellen alpinen Architektur sensibilisiert werden.

Gebäudeatlas für alpine Architektur

In einem ersten Schritt entsteht im Rahmen von ATLAS deshalb ein historischer Gebäudeatlas als Online-Datenbank mit Best-Practice-Beispielen.

Beispiel für alpine Architektur: Das Jurasteinhaus im bayerischen Altmühltal
Das Jurasteinhaus im bayerischen Altmühltal (Bild: Silke Langenberg)

Tobias Listl, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Forschungsprojekt, klassifizierte dafür unterschiedliche Typologien wie beispielsweise das Jurasteinhaus im bayerischen Altmühltal (Bild oben), das Appenzeller Haus in der Schweiz oder das Vorarlberger Holzhaus in Österreich (Bild unten) – und stellte gelungene Beispiele für die nachhaltige Sanierung solcher historischen Gebäude in die Datenbank ein.

Ein weiteres Beispiel für alpine Architektur: Das Vorarlberger Holzhaus in Österreich
Das Vorarlberger Holzhaus in Österreich (Bild: Natalie Eßig)

Darüber hinaus finden sich hier auch Tipps, was man von historischen Bauten lernen kann, zum Beispiel Fensterläden aus Holz, die man im Sommer als Sonnenschutz verwendet, im Winter aber aushängt, um Platz für ein zusätzliches Winterfenster zu machen.

Bewertungsschema für alpine Architektur

Im zweiten Schritt entwickelt Prof. Eßig mit ihrem wissenschaftlichen Mitarbeiter Ahmed Khoja ein Bewertungsschema mit so genannten »Key Performance Indicators« für die Nachhaltigkeit historischer Gebäudesanierungen. Dabei geht es – neben ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Kriterien – auch um kulturelle Aspekte wie die Vereinbarkeit der Sanierung mit den kulturellen Werten in der Region.

Darauf folgen wird ein »interactive retrofit guidance tool«, das jede und jeder Einzelne als Grundlage für Sanierungspläne nutzen kann: »Welcher Architekt ist sensibel für das Thema? Wie wurde ein ähnliches Gebäude saniert? Welche Baumaterialien haben sich bewährt? Wie wurde gedämmt?« nennt Eßig einige praktische Beispiele.

Kommunen sind gefragt

Ein Hauptergebnis des Forschungsprojekts ATLAS wird ein ganzheitliches Toolkit für Kommunen sein. »Gemeinden sind Schlüsselakteure, wenn es um die optimalen Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Sanierung historischer Gebäude geht. Sie können Pilotprojekte starten und sich selbst an der Renovierung traditioneller Gebäude beteiligen, lokale Netzwerke gründen oder sich als Modellregion positionieren«, erklären Eßig und Langenberg.

Prof. Dr. Silke Langenberg und Prof. Dr. Natalia Eßig
Eßig und Langenberg im Gespräch (Bild: Johanna Weber)

Professor Eßig hat übrigens selbst ein historisches Gebäude in Franken renoviert und weiß – aus der Perspektive der Bauherrin und der Architektin – wie viele Stolpersteine im Lauf eines solchen Projekts auftauchen. »Man muss sehr behutsam vorgehen, um die Schönheit des Alten zu bewahren, kann aber auch moderne Elemente integrieren«, sagt sie. In ihrem eigenen Haus hat sie zum Beispiel die inneren Fenster ihres Altbau-Kastenfensters durch eine energieeffizientere Verglasung ersetzt, deren Fensterrahmen aber die historischen Proportionen aufgreifen. Ein klarer Fall für die Best-Practice-Datenbank.

Projektdaten

Projekttitel:
Advanced Tools for Low-carbon, high-value development of historic architecture in the Alpine Space (ATLAS)

Projektlaufzeit:
April 2018 bis 16. April 2021

Projektpartner:

  • Accademia Europea di Bolzano, Italien (Koordinator)
  • Universität Innsbruck, Österreich
  • Energieinstitut Vorarlberg, Österreich
  • Posoški razvojni center, Slowenien
  • Gemeinde Truden im Naturpark, Italien
  • Teamblau GmbH, Italien
  • Sites et Cités Remarquables France, Frankreich
  • University of Applied Sciences and Arts of Southern Switzerland, Schweiz

Projektträger und Zuwendungsgeber:
Europäische Union sowie Interreg-Programm

Text: Elke Zapf

Das Studio Chamanga – Design Build in Ecuador

Das Studio Chamanga ist ein Design Build Projekt der Hochschule München in Ecuador.

Das Studio Chamanga ist ein Design Build Projekt der Hochschule München in Ecuador.

In diesem Artikel:

Ein Gastbeitrag der Hochschule München.

Ein Kulturzentrum für Chamanga: Bauen lernen und etwas Sinnvolles tun

Nach einem Erdbeben fehlt es im Küstenort Chamanga in Ecuador an Orten für Kultur. Deshalb planten Studierende der Fakultäten der Architektur und des Bauingenieurswesens in einem Projekt von Professorin Ursula Hartig ein Kulturzentrum und bauten es eigenhändig vor Ort. Für Manche war dies zudem eine Erfahrung, die auch die Wahrnehmung der eigenen Kultur veränderte.

Zwei Räume in Beton-Ziegel-Bauweise, dazwischen eine große Halle mit Bühne. Darüber mehrere Stockwerke ganz aus Bambus gebaut – viel Platz für Kurse und ein Radiostudio. So steht das Kulturzentrum der NGO „Opción Más“ jetzt in Chamanga. Dass es in viereinhalb Wochen Bauzeit fertig wurde, ein kleines Wunder – auch für Hartig, die Initiatorin des Projekts. Sie hat bereits langjährige Erfahrung mit internationalen Bauprojekten mit Studierenden.

Bauschild des Kulturzentrums in Chamanga
Bauschild des Kulturzentrums in Chamanga

Design Build Studio Chamanga

Die Studierenden entwickelten im „DesignBuild Studio Chamanga“ zunächst den Entwurf für ein Kulturzentrum, dann machten sie sich an die Ausführungspläne: Was muss man bedenken, wenn Beton gegossen wird? Wie genau lassen sich die Bambusbauteile aus den Rohbestandteilen zuschneiden? Erfahrung im eigenhändigen Bauen hatten bis zu diesem Zeitpunkt nur Wenige von ihnen. Nicht nur deshalb war ein Netzwerk von lokalen Architekten und anderen akademischen Partnern vor Ort für Hartig die wichtigste Voraussetzung für den Erfolg des Projekts.

„Kati vom Dach“ – Studentin beim Schnüren der Bambusstruktur
„Kati vom Dach“ – Studentin beim Schnüren der Bambusstruktur
Zwischenzeit beim Bau des Studio Chamanga
Zwischenzeit beim Bau des Kulturzentrums in Chamanga

Unplanbares planen

Noch in Deutschland erstellten die Studierenden einen so genannten Bauzeitenplan. „Der musste alles enthalten, zum Beispiel auch, dass immer zwei Personen durch Krankheit ausfallen“, sagt Hartig. Und eben solche Eventualitäten erlebten die Studierenden schließlich: Die rostfreien Schrauben aus Italien kamen partout nicht an. Und der angelieferte Bambus war so verschlammt, dass er zwei Wochen lang geputzt werden musste.

Die Gruppenmitglieder übernahmen jeweils Verantwortung für einzelne Teile des Baus, außerdem hat eine Person die Rolle des Bauleiters übernommen. Nicht nur durch die körperliche Arbeit, sondern auch mit den eigenen Kenntnissen kamen einige Studierende an ihre Grenzen. Doch die Gruppe unterstützte sich wechselseitig.

Bau der "Königsstützen" des Kulturzentrums in Chamanga
Bau der „Königsstützen“ des Kulturzentrums

Aus Sicht von Ferdinand Loserth, Masterstudent des Bauingenieurwesens und studierter Holzbauingenieur, hat sich auch der Bauzeitenplan bewährt: „Wir Deutschen kommen uns oft kleinkariert vor. Das sind wir auch! Aber über weite Strecken ist das notwendig für ein gewisses Niveau an Sicherheit und Qualität.“ Für ihn änderte der Aufenthalt seine Sicht auf die eigene Kultur: „Das tägliche Deja-vu, als wir abends in den Urlaubsort Mompiche kamen – völlig fertig, dreckig und hungrig – und dann die vom Surfen kommenden Urlauber. Das kam einem völlig surreal vor“.

Herstellung der "Bubble-Fassade" des Kulturzentrums von Chamanga. Verwendung von lokalen Materialien, wie zum Beispiel Bambus.
Verwendung von lokalen Materialien, wie zum Beispiel Bambus: Herstellung der „Bubble-Fassade“

Gute Aussichten für Chamanga

Hartig kennt diesen Effekt des Perspektivenwechsels bei ihren Studierenden in dem zugleich internationalen, interdisziplinären und praxisorientierten Lehrformat: „Da steht nicht nur das Architektonische im Mittelpunkt, sondern auch die Menschen und ihre Umgebung. Solche Projekte sind rundum sinnvoll für alle Beteiligten“.

Endlich fertig: am Abend vor der Fertigstellung des Studio Chamanga
Am Abend vor der Fertigstellung des Kulturzentrums: noch herrscht rege Betriebsamkeit

Dass das auch für die Menschen in Chamanga gilt, zeigte sich bereits kurz nach der Einweihung: “Opción Más“ hatte das Gebäude gleich in Beschlag genommen und veranstaltete am Folgetag den ersten Kurs. „Kultur hat dort einen ganz hohen Stellenwert“, sagt Hartig. Und mit dem Zentrum nun auch wieder einen festen Ort im Dorf Chamanga.

Abschließend wurde das Projekt eingeweiht: Abend der Einweihung des Kulturzentrums mit dem Deutschen Botschafter
Abschließend: Ein Einweihungsabend mit dem Deutschen Botschafter

Eckdaten Studio Chamanga

Der Bau des Kulturzentrums für die NGO „Opción Más“ in Chamanga, Ecuador, war eine Kooperation der Hochschule München (HM) mit der „Portland State University“, der “Tokyo University“ und der „Pontificia Universidad Católica del Ecuador“ sowie zwei Architekten vor Ort.

Die ProfessorInnen Christoph Dauberschmidt und Andreas Scholz sowie Ursula Schmid von der Fakultät für Bauingenieurwesen und Frau Prof. Hartig von der Fakultät für Architektur betreuten das Projekt an der HM. Insgesamt konnten Mittel in Höhe von Euro 70.000 für das Projekt eingeworben werden, davon ein Großteil über das HM-Programm Qualifive.

Weitere Design Build Projekte finden Sie hier.

Text: Christiane Taddigs-Hirsch
Bilder: Studio Chamanga, Hochschule München

Villa Windrose in Bad Sachsa (Harzgebirge)

Die imposante Villa Windrose von außen

Die Villa Windrose ist ein baubiologisch saniertes Fachwerkhaus in Bad Sachsa, Niedersachsen, in dem man Ruhe und Erholung vom Alltag findet.

In diesem Artikel

Ein Beitrag unserer Redaktion.

Ein Ferienhaus für die ganze Familie

Die Villa Windrose liegt am Rande des Südharzes, in der kleinen Stadt Bad Sachsa. Das Ferienhaus hat insgesamt vier Schlafzimmer, zwei Bäder, eine große Gemeinschaftslounge sowie eine gut ausgestattete Küche. Es bietet Platz für bis zu 10 Personen und ist dadurch auch für große Familien geeignet.

Ein Schlafzimmer und ein Badezimmer sind ebenerdig, sodass sie auch für Menschen mit eingeschränkter Mobilität erreichbar sind. Außerdem gibt es kostenlose Parkplätze am Haus, kostenfreies WLAN und einen Flachbildfernseher für die Möglichkeit gemeinsamer Filmabende.

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Das Wohn- und Esszimmer bietet einen herrlichen Panoramablick auf die Harzwälder, denn hier befindet sich ein großer Esstisch und eine gemütliche Leseecke. Auf der Terrasse und dem Balkon kann man nicht nur eine tolle Aussicht, sondern auch die frische Waldluft genießen. Die vielen Freiflächen eignen sich in klaren Nächten besonders gut dazu, den Sternenhimmel zu bestaunen.

Der Panoramablick der Villa auf die angrenzenden Wälder
Weiter Blick auf die Harzwälder

Auch der große Wildgarten des Naturgrundstücks lädt zum Verweilen sowie zum Entspannen ein. Dort gibt es einen Kräutergarten, dessen Kräuter Sie in den Sommermonaten gerne für Ihre Gerichte verwenden dürfen. Ein weiteres Highlight des Gartens ist die Feuerstelle, denn dort kann jederzeit ausgiebig gegrillt werden. Da das Haus direkt an den Wald angrenzt und der Naturpark Harz in naher Reichweite liegt, gibt es ein vielfältiges Angebot an Aktivitäten in der Umgebung.

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Des Weiteren gibt es noch einen ganz besonderer Vorteil dieser Location: die Gastgeber, Ute Janich und Klaus Harich, vermieten ein zweites Ferienhaus in Bad Sachsa – die Villa Weltenbummler. Dadurch gibt es die Möglichkeit, mit einer Gruppe mit bis zu 20 Teilnehmern nur 100 Meter getrennt voneinander Urlaub zu machen!

Naherholung in Bad Sachsa und Umgebung

Nicht nur die Villa Windrose bietet viele Möglichkeiten zum Entspannen, Erholen und Spielen, sondern auch die Ortschaft Bad Sachsa. Ein Besuch des kleinen Städtchens lohnt sich zu jeder Zeit – egal, ob es schneit, regnet oder die Sonne scheint. Der Harz besticht mit vielen Wanderwegen, die nicht nur zum Spazierengehen, sondern auch zu längeren Tagestouren einladen.

Auf der anderen Seite der kleinen Ortschaft gibt es einen Gipskarstgürtel zu bestaunen, der sich einmal entlang des Südharzes zieht. Die Landschaft dort ist geprägt durch steile Felsen, Erdfälle, alte Buchenwälder und Trockenrasen. Obwohl der Gipskarstgürtel nicht weit entfernt liegt, herrscht dort eine vollständig andere Vegetation mit ausgedehnten Weiden, Orchideenwiesen und Schluchtwäldern. Einen guten Einblick in die Region bekommt man außerdem auf dem durch das Gebiet führenden und zertifizierten Weitwanderweg „Karstwanderweg“.

Nur 1,4 km von der Unterkunft entfernt liegt das Erlebnisbad Salztal Paradies, in dem Klein und Groß einen Tag im Wasser verbringen können – auch bei schlechtem Wetter. Wer es lieber sportlich mag, kann die örtliche Kletterhalle besuchen. Doch auch Kulturliebhaber kommen hier auf ihre Kosten, denn nicht weit von Bad Sachsa entfernt steht das Weltkulturerbe Kloster Walkenried. Alternative Ausflugsziele sind die Harzer Schmalspurbahn (die zum Teil noch mit Dampfloks betrieben wird), die vielen Bergwerke der Region sowie die Whisky Destillerie in Zorge.

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Ferner gibt es noch die Möglichkeit, eine Imkerin zu besuchen und an einer Kerzenwerkstatt im Ort teilzunehmen. Auch im Winter gibt es sportliche Aktivitäte im Harz, denn es mangelt nicht an Rodelbahnen und Langlaufloipen. Auf dem Ravensberg, dem Hausberg von Bad Sachsa, gibt es zudem ein Skigebiet mit mehreren Liften.

Die meisten Aktivitäten in und um Bad Sachsa haben somit einen kleinen CO2-Abdruck. Die Anfahrt kann mit dem öffentlichen Nahverkehr geschehen (mit einem kurzen Fußmarsch von einem Kilometer) und mit der Kurkarte können Sie zudem die Busse kostenlos benutzen.

Baubiologische Sanierung der Villa Windrose

Das alte Fachwerkhaus, bevor es zur Villa Windrose wurde
Das Fachwerkhaus der Familie vor der aufwändigen Sanierung

2016 entschieden sich Ute und Klaus für eine Sanierung ihres alten Fachwerkhauses. Dieses wurde 1905 auf dem großen Naturgrundstück errichtet und war daher bestens für eine ökologische Nachrüstung geeignet. Da die Gastgeber großen Wert auf Nachhaltigkeit legen, entschieden sie sich für eine baubiologische Sanierung. Dafür wurde das alte Fachwerk aufwändig mit Lehm ausgefacht.

Während der Fußboden mit geschäumtem Altglas gedämmt wurde, wurden für die Dämmung der Wand Holzfaserplatten verwendet. Das Dach wurde hingegen mit Holzfasern gedämmt und auch die Fenster sind aus Holz. Generell spielt Holz in dem Haus ein große Rolle: so wurden für den Boden Buchendielen verlegt und auch die meisten Möbel sind aus Holz.

Buchendielen und Möbel aus Holz im Wohn- und Speisezimmer
Das Wohnzimmer ist mit den Buchendielen und dem altem Holzschrank eine Wohltat für die Augen
Der Treppenaufgang des Fachwerkhauses ist ein Highlight
Besonders gut gelungen ist der Treppenaufgang, denn hier wurde mit viel Aufwand ein Himmelsblick durch die alten Balken geschaffen
Natürliche Farben und gemütliches Interieur tragen zur wohnlichen Atmosphäre bei
Die Villa Windrose überzeugt mit natürlichen Farben und gemütlichem Interieur

Durch die vielen Lehmputze (auch im Badezimmerbereich) ist das Raumklima in dem Haus besonders angenehm, denn so ist eine optimale Feuchtigkeitsregulierung gewährleistet.

Das alte Bad im ersten Stock
Das alte Bad im ersten Stock
Das alte Bad im Erdgeschoss
Das alte Bad im Erdgeschoss
Das neue Bad im ersten Stock
Das neue Bad im ersten Stock
Das neue Bad im ersten Stock der Villa
Im Erdgeschoss sieht man die tolle Lehmtextur der Wände
Das neue Bad im Erdgeschoss: hier kann man deutlich den Lehmputz mit seiner schönen Textur sehen

Auch auf die Verwendung grüner Ressourcen wurde Wert gelegt, denn die Warmwasserbereitung ist solar und im Winter wird (optional) ein Holzofen im Wohnzimmer als Zusatzofen verwendet. Das Holz dafür stammt vom eigenen Grundstück oder aus den angrenzenden Wäldern.

Viele der Geräte und Objekte in dem Haus sind außerdem ressourcensparend. Zum Beispiel sparen die Toiletten, Duschen und Wasserhähne Wasser und die Leuchtmittel Strom. Die Elektrogeräte entsprechen der A-Klasse und es sind einige Zwischenschalter verbaut, um den Stand-by zu verhindern. Im Alltag wird Müll durch wieder auffüllbare Seifenspender vermieden, die Spül- und Waschmittel sind ökologisch. Zudem werden Bioprodukte verwendet.

Kontakt

Ute und Klaus sprechen Deutsch und Englisch. Anrufen können Sie unter den folgenden Nummern:

015771891894
01787680013

Alternativ können Sie eine E-Mail an die folgende Adresse schreiben:

ute.janich@gmail.com

Die Unterkunft mit Preisen finden Sie auf gängigen Buchungsplattformen wie airbnb.de, booking.com oder fewo-direkt.de.

Text: Jenny Heim
Fotos: Ute Janich, Klaus Harich, Pixabay

Design Build – studentische Bauprojekte

Design Build Projekte: die Bauprojekte werden von Studierenden geplant und umgesetzt
Bild: Matthias Kestel

Design Build: das sind Projekte, die Architekturstudierende planen und ausführen, und die jungen Menschen somit reale Bauerfahrungen vermitteln.

In diesem Artikel:

Ein Beitrag unserer Redaktion.

Design Build: Studentische Bauwerke

Mit Design Build sind nun auch Partizipation und Selbsthilfe in den Universitäten und Hochschulen angekommen. Die Studierenden planen aber keine Luftschlösser, sondern bauen notwendige Gebäude wie Gemeinschaftshäuser. Die Planung und das Bauen verbinden somit die verschiedenen Ebenen: von der Großform über die Details bis hin zur greifbaren Realität.

Bei einem Design Build werden die Projekte von Studierenden nicht nur geplant, sondern auch durchgeführt

Geplant und gebaut werden sowohl auf dem eigenen Campus als auch international. In Schwellen- oder Entwicklungsländern werden gemeinsam mit Einheimischen kommunale Projekte wie Schulen, Bibliotheken, Ambulanzen sowie Einrichtungen für sozial Benachteiligte entwickelt. Besonders im Ausland ist dieses gemeinsame Selbstbauen ein sozialer Prozess.

Dieser soziale Aspekt von Architektur gerät zunehmend ins Blickfeld: Auch wichtige Nachhaltigkeitssiegel wie das der Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen und das Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen des Bundes lenken ihren Fokus inzwischen auf soziale Bereiche. Dafür haben sie eigene Bewertungskriterien entwickelt. Die Ausstellung ‚Think Global, Build Social!‘ des Deutschen Architekturmuseums (DAM) und des Architekturzentrums Wien lief 2013 im Frankfurter DAM und tourte dann noch einige Jahre durch die Welt.

Minimalistische Ästhetik

Beim selbst Bauen sind die Ressourcen immer knapp. Der geringe finanzielle Rahmen wird daher mit viel Eigeninitiative und Kreativität ausgeglichen. Die Ästhetik, die an den Hochschulen durch das Weiterentwickeln aktueller Designtendenzen entsteht, hat dadurch etwas Selbstverständliches. Deswegen wird gerade lokalen Baumaterialien oft viel Raum eingeräumt.

Bei der Schule in Nairobi wurden zum Beispiel Steine aus dem nächsten Steinbruch verwendet. Bei der Modellbauwerkstatt in Liechtenstein wählten die Professoren Holz, die Studierenden entschieden sich hingegen für Holzlatten. Für das Studentenwohnheim in Stuttgart kamen vorfabrizierte Baustoffe zum Einsatz und die Schule in Bangladesch entstand aus Bambus und Lehm.

Erstes Beispiel: Skills Center, Nairobi, Kenia

Das erste Beispiel ist die ästhetische Handwerkerschule ‚Skills Center Nairobi‘, die von Studierenden aus Deutschland und Kenia geplant und gebaut wurde. Mit lokalen Baumaterialien errichteten sie eine soziale Schule, in der junge Erwachsene des nahen Slums ausgebildet werden.

Ein Bauprojekt in Nairobi. Das Skills Center Nairobi wurde von Studierenden aus Deutschland und Kenia geplant.
Bild: Matthias Kestel

Organisatoren sind deutsche sowie kenianische NGOs. Das Fachgebiet Holzbau der Technischen Universität München kooperierte dazu mit der lokalen Universität. Die Architekturstudierenden entwarfen und planten Klassenzimmer, einen Gemeinschaftsraum mit Speisesaal, Küche und Verwaltung, Schlafräume, Toiletten sowie Duschen. Die Gebäude bilden begrünte Innenhöfe, die wie Oasen in dem staubigem Gelände wirken. Indem sich überdachten Bereiche mit geschlossenen, hohen Räumen abwechseln, ist das Gebäude optimal an das lokale Klima angepasst.

Die Wände der Gebäude sind aus massivem, handbehauenem Naturstein in der lokalen Tradition vermauert. Die schwere Bauart puffert die starken Tag-Nacht-Temperaturschwankung ab und gewährleistet somit ein angenehmes Raumklima ohne aktive Heizung und Kühlung.

Hohe Räume und luftgekühlte Decken: so bleibt das Skills Center in Nairobi auch an heißen Tagen kühl.
Das Skills Center in Nairobi ist durch hohe Räume und luftgekühlte Decken auch im heißen Klima komfortabel
Bild: Matthias Kestel

Die Dachtragwerke sind aus leichten Bambusrohren konstruiert. Der schnell wachsende, einheimische Bambus wurde auch für das Flechtwerk an Fenstern und Türen, als Armierung der Betonbodenplatten sowie für Leitern und Gerüste verwendet.

Regionale und nachwachsende Ressourcen wie Bambus werden bei den studentischen Projekten gerne verwendet.
Zum Einsatz kommen lokale Materialien wie Naturstein sowie unterschiedliche Qualitäten von Bambus

Baudaten Design Build Nairobi

  • Architektur: Prof. Stefan Krötsch, Fachgebiet Holzbau der TU München sowie Prof. Hermann Kaufmann
  • Nutzfläche: 285 m² sowie 83 m² überdachte Freifläche
  • Mitarbeitende: 67 Studierende der Architektur, des Bauingenieurwesen und der Baukonstruktion von der TU München, der HS Augsburg und der JKUAT Nairobi, außerdem 32 lokale Arbeiter
  • Internet: orangefarm-ev.de

Zweites Beispiel: Modellbauwerkstatt, Liechtenstein

Die Modellbauwerkstatt ist ein Bauprojekt der Uni Liechtenstein
Auch die neue Modellbauwerkstatt der Universität Liechtenstein ist ein prämiertes Design Build Projekt
Bild: Bruno Klomfar

In Liechtenstein entwarfen und bauten Studierende der Architekturfakultät ihre eigene Modellbauwerkstatt. In einem intensiven Gestaltungsprozess mit handwerklichem Fokus entstand ein konstruktiv elegantes und haptisch ansprechendes Gewölbe aus filigranen Holzbögen.

Design Build mit Holz: filigrane Dachelemente, die von Hand verlegt werden
Identifikation durch Hand anlegen: Die in einer handlichen Größe vorgefertigten, filigranen Dachelemente werden zusammengebaut
Bild: Darko Todorovic

Die 2017 fertig gestellte, schwungvolle Konstruktion nutzt elegant die organische Spannung des Naturbaustoffs. Die minimalistische Tragstruktur der ausgewählten Variante besteht nur aus gebogenen Brettern, sowohl für den Boden als auch für das Dach. «Die dabei gemachten Erfahrungen im realen Maßstab stellen einen unschätzbaren Wert für die Studierenden dar», betont Dr. Carmen Rist-Stadelmann, Hochschuldozentin und Leiterin einer der beiden Entwurfsgruppen.

In gemeinsamer Arbeit werden die Lärchenschindeln verlegt
Die Studierenden beim Verlegen der Lärchenschindeln
Bild: Bruno Klomfar

2018 wurde die Modellbauwerkstatt deshalb als eines von 7×7 guten Beispielen im Rahmen des durch die EU geförderten Projektes «Triple Wood – nachhaltige Holzbaukultur im Alpenraum» ausgewählt.

Baudaten Modellbauwerkstatt Design Build Liechtenstein

  • Bauherr: Universität Liechtenstein, Institut für Architektur und Raumentwicklung
  • Nutzfläche: 72 m²
  • Begleitung Umsetzung: Zimmerei Frommelt Ing. Holzbau AG
  • Mitarbeitende: 53 Studierende, Entwurfsleitung Dr. Carmen Rist-Stadelmann sowie Prof. Urs Meister
  • Internet: uni.li/de/thema/architektur/hands-on/modellbauwerkstatt

Drittes Beispiel: Studentenwohnheim Bauhäusle, Stuttgart Vaihingen

Das Studentenwohnheim ‚Bauhäusle‘ wurde bis 1983 von den Professoren Peter Hübner und Peter Sulzer mit 250 Studierenden geplant und gebaut. Sie griffen dabei auf ein modulares System des englischen Architekten Walter Segal zurück. Nach diesem System hatte er zuletzt in London zwei öffentlich geförderte Siedlungen in Selbsthilfe gebaut. Auch er verwendet vorfabrizierte Elemente wie Mauerwerksdielen, sodass die Erbauer ihr Gebäude mit einfachen Mitteln und wenig Maschinen selbst errichten können.

EIn Projekt des Studierendenwohnheims Stuttgart Vaihingen: das Bauhäusle
Beim Stuttgarter Studentenwohnheim ‚Bauhäusle‘ wird seit Jahrzehnten partizipativ geplant und zusätzlich weitergebaut
Bild: Bauhäusle

Das Bauhäusle ist ein Holzbau, der in das Grundstück eingepasst und um einen alten Kirschbaum herum geplant wurde. Es bietet Zimmer zwischen 15 und 28 Quadratmetern. Auch heute noch ist das Wohnheim selbst verwaltet und ist somit für seine Bewohner*innen ein Ort hoher Identifikation.

Versammlung der Studierenden auf dem Dach des Bauhäusles
Versammlung auf dem Dach des selbst verwalteten Wohnheims
Bild: Heiner Steinacker

Immer bauen sie weiter: 2019 haben sie einen gemeinsam genutzten Wintergarten erneuert – leicht vergrößert und besser gedämmt. Dabei sind sie konsequent nachhaltig. Sogar die recycelten Fenster fuhren sie mit dem Lastenrad auf die Baustelle.

Der Wintergarten des Studierendenwohnheims Bauhäusle
Bild: Heiner Steinacker

Baudaten Design Build Stuttgart

  • Nutzfläche: 30 Zimmer, 2 Küchen, 4 Duschen sowie 4 Toiletten auf ca. 757 m²
  • Architektur: Prof. Peter Hübner, Prof. Peter Sulzer, Studierende
  • Mitarbeitende: 250 Studierende (ca. 28 000 h)
  • Internet: bauhaeusle.de

Viertes Beispiel: Meti Handmade School, Rudrapur, Bezirk Dinajpur, Bangladesch

Das Design Build Projekt von Anna Heringer: die Meti Handmade School in Rudrapur, Bezirk Dinajpur, Bangladesch
Die preisgekrönte Meti Handmade School in Bangladesch besteht aus den örtlichen Baumaterialien Lehm und Bambus
Bild: Kurt Hörbst

Ein etwas anderes Design Build Projekt ist die Meti Handmade School in Bangladesch, denn sie war Teil von Anna Heringers Abschlussarbeit ihres Architekturstudiums und wurde 2005 mit lokalen und internationalen Kooperationspartnern gebaut. Der Architekt Eike Roswag unterstützte Heringer bei der Ausarbeitung der technischen Planung.

Mit Lehm und Bambus: die Meti Handmade School
Bild: Bauteam

Mit lokalem Lehm und Bambus, lokalen Energieressourcen wie Büffeln und lokalen Kompetenzen entstand nicht nur ein Ort des Lernens, sondern auch ein Zuhause für die Schüler*innen. Neben hohen, schattigen Räumen gibt es außerdem kleine Höhlen als Refugium.

Höhlen aus Lehm bieten den Kindern einen Ort des Rückzuges
Aus massivem Lehm sind auch die Höhlen, ein gutes Versteck für die Kinder
Bild: Bauteam

Inzwischen ist Heringer Honorarprofessorin des UNESCO Lehrstuhls für Lehmarchitektur, Baukultur und Nachhaltigkeit. Weiter veranstaltet sie Workshops und Selbstbaustellen. 2018 stampfte sie zum Beispiel mit der Gemeinde des Wormser Doms einen Altar und ein Ambo aus Lehm. Des Weiteren baute sie 2019 mit Studierenden der Harvard University Graduate School of Design einen Pavillon aus Stampflehm.

Baudaten Design Build Bangladesch

  • Nutzfläche: 325 m² für 3 Klassenräume und 6 Höhlen im EG sowie einen teilbaren Klassenraum im OG
  • Architektur: Anna Heringer, At-Salzburg/Laufen sowie Eike Roswag, Berlin
  • Tragwerksplanung, Fachberatung Lehmbau: Ziegert Roswag Seiler, Berlin sowie Martin Rauch, At-Schlins
  • Mitarbeitende: 2 Architekten, 2 Fachhandwerker aus Deutschland, 6 Freiwillige aus Deutschland und Österreich, außerdem 40 lokale Arbeiter*innen
  • Internet: anna-heringer.com

Ein weiteres Design Build Projekt finden Sie hier.

Text: Achim Pilz
Bilder, wenn nicht anders gekennzeichnet: Pixabay

Stadl mit Lehm – eine zweite Heimat im Chiemgau

Stephanie Thatenhorst hat den alten Stadl im Chiemgau stylisch verwandelt
Bild: Stephanie Thatenhorst

Ein Stadl mit Charakter und Stil. Die Innenarchitektin Stephanie Thatenhorst hat sich einen Traum erfüllt und dafür die alte Scheune der Familie in ein Urlaubsdomizil verwandelt.

In diesem Artikel:

Ein Beitrag unserer Redaktion.

„Ich bin der festen Überzeugung, jeder Mensch braucht einfach mehr Natur.“

Für das Projekt ist Stephanie Thatenhorst ist an ihren Geburtsort zwischen Wald und Chiemsee zurückgekehrt. Dort hat sie den 120 Jahre alten Stadl ihrer Kindheit magisch verwandelt: dunkler Lehmputz und lebendige Hölzer bilden die Bühne für ihre edlen und unkonventionellen Möbelentwürfe mit pink- und salbeifarbenem Gewebe.

Der Stadl – Heimat mit Textur

Ob Stadl, Scheuer oder Schopf – Heulager heißen überall anders und sind überall ganz ähnlich: große Innenräume, einfach und bewährt aus Holz konstruiert. Stephanie Thatenhorst ist auf einem Bauernhof mit einem solchen Stadl im Chiemgau aufgewachsen. Dort sprang sie schon als junges Mädchen vom Gebälk ins Heu: „Da konnte man sich so schön reinplumpsen lassen“, erinnert sie sich.

das Heulager vor dem Umbau
Bild: Stephanie Thatenhorst

Die Fassade blieb erhalten: dadurch hat der Stadl seinen alten Charakter nicht verloren

Die Fassade verleiht dem Stadl seinen alten Charakter
Bild: Stephanie Thatenhorst
Die Scheune von außen
Bild: Stephanie Thatenhorst

Während ihrer Au Pair Zeit in Australien verliebte sie sich in Architektur. Nach ihrem Architekturstudium arbeitete sie dann als Innenarchitektin und realisierte gediegene Residenzen, exklusive Hotels und coole Interieurs für Bars und gemütliche Restaurants. Mit ihrem Mann und ihren zwei Söhnen lebt sie in München.

Den Hof ihrer Eltern führt ihre Schwester seit zehn Jahren als Biohof mit Milchwirtschaft. Als Ausgleich für das Leben in der Großstadt hatte Familie Thatenhorst schon lange ein Ferienhaus im Chiemgau gesucht – Da war es ein Glücksfall, als ihr Vater ihr die Hälfte des Heulagers im Obergeschoss des Stadls anbot. „Das war der Sechser im Lotto“, freut sich Thatenhorst daher, „Wir durften es ausbauen.“

Heute gibt es viel natürliches Licht im alten Stadl. Die Giebelfassade erhielt ein neues, großes Fenster neben den alten Öffnungen, während die Westfassade großzügig verglast wurde und beim Esstisch eine kleine Loggia an der Gebäudeecke bekam. „Ansonsten haben wir die Außenhaut so belassen, wie sie war“, sagt die Innenarchitektin. Gedämmt wurde von innen, das Dach danach verschalt und die Wände erst mit Kalk, dann mit Lehm verputzt.

Historische Fassade der Scheune
Die historische Fassade blieb erhalten
Bild: Stephanie Thatenhorst
Großes Fenster in der Fassade
Durch das große neue Fenster in der Giebelfassade wird der Innenraum gut belichtet
Bild: Stephanie Thatenhorst

Raum durch Holz

Das alte Gebälk prägt die Räume, vom großzügigen Einraum mit acht Metern Höhe bis zum gemütlichen Kinderzimmer im hinteren Teil des Gebäudes. Dort schließt das Stockbett exakt an die alte Holzkonstruktion an.

Der Stadl wirkt herrschaftlich mit seinen hohen Öffnungen
Die hohen, schlanken Öffnungen wirken herrschaftlich
Bild: Stephanie Thatenhorst
Im Hintergrund ist das Kinderzimmer zu sehen
Die Kinderzimmer nutzen den Raum bis unter den First
Bild: Stephanie Thatenhorst
Die Kinderbetten auf der Empore
Empore für die Kinderbetten, darunter ist Stauraum
Bild: Stephanie Thatenhorst
Stahl, Holz und Lehm machen die Scheune zu einem Ort des Wohlfühlens
Der schwarze Stahl, der bei der Rolltür, der Leiter und dem Geländer verbaut ist, ergänzt Holz und Lehm
Bild: Stephanie Thatenhorst

Die Dachuntersicht besteht aus neuen, sägerauen Fichtenbrettern mit einer Patina durch Essigbeize. Der Tipp dazu kam vom Handwerker. „Das ist super gelungen“, freut sich die Bauherrin. „Es sieht sehr lebendig aus, ist aber keine jodelige Altholzerscheinung.“

Naturmaterialien: Treppe, Möbel und Türen aus Ulmenholz, Nadelholz und alten Bodendielen
Symphonie aus Naturmaterialien: alte Bodendielen für die Treppe, rötliches Ulmenholz für die eigens entworfenen Möbel und Türen sowie gebeizte Nadelhölzer für die Dachuntersicht
Bild: Stephanie Thatenhorst

Nur für die Treppe verwendete die Gestalterin wurmstichiges Holz weiter. „Hier war es ein schöner Anlass, die ehemaligen Bodendielen wieder zu verwenden.“

Wohnraum, Holztreppe und First des Stadls
Der Wohnraum öffnet sich bis unter den acht Meter hohen First
Bild: Stephanie Thatenhorst

Sonst setzte sie leicht rötliches Ulmenholz ein, zum Beispiel für die Türen und die opulenten Küchenmöbel.

Offene Küche, Gäste sind willkommen
In der offenen Küche sind Gäste willkommen
Bild: Stephanie Thatenhorst
Die Kücheninsel lädt zum gemeinsamen Kochen ein
Bild: Stephanie Thatenhorst

Ausstattung mit Gewebe

Als Ergänzung zu internationalen Designexponaten, wie zum Beispiel den Superleggera Stühlen von Gio Ponti, entwarf sie das gesamte Mobiliar selbst. Die Küche, die leicht geschwungene Couch mit salbeifarbenem Samtbezug, eine Bank mit alpinen Blümchen auf pinkfarbenem Bezug, die Ankleide sowie alle Betten und das Sideboard.

Weltoffene Ausstattung im Hauptraum des Stadls.
Wohnen im historischen Raum mit weltoffener Ausstattung
Bild: Stephanie Thatenhorst
Farben und Motive: Holz und Stoff in der Küche.
Farbtupfer und florale Motive beleben zusammen mit den warmen Hölzern den coolen Loftcharakter
Bild: Stephanie Thatenhorst
das Schlafzimmer der Eltern
Elternschlafzimmer mit Waschzuber de luxe
Bild: Stephanie Thatenhorst
Übergang zwischen Bad und Schlafzimmer
Fließender Übergang zwischen Schlafzimmer und offenem Wellnessbereich
Bild: Stephanie Thatenhorst
Marmor, Ulmenholz und Messingarmaturen im Badezimmer
Edler Marmor kombiniert mit Ulmenholz und Messingarmaturen
Bild: Stephanie Thatenhorst

„Textil in sämtlichen Einsatzgebieten ist mein Lieblingsmaterial“

Auch die Schiebetüren des Sideboards sind mit Stoff bespannt, „Textil in sämtlichen Einsatzgebieten ist mein Lieblingsmaterial“, bestätigt die Designerin. Dazu passt auch der Lehmputz mit seiner textilen Struktur sehr gut.

Das Sideboard wurde mit Stoffen verziert: ein echter Hingucker
Das Sideboard als Hingucker: hierfür wurden Ulmenholz und Stoff kombiniert
Bild: Stephanie Thatenhorst

Oberflächen mit Lehm

Der verwendete Lehmputz ist durchgefärbt und enthält außerdem winzige Glimmerplättchen, die abhängig von der jeweiligen Lichteinstrahlung das Licht reflektieren und glitzern. „Sie verleihen den Wänden tatsächlich einen natürlichen Glanz“, beschreibt es die Gestalterin. Des Weiteren kann Lehm besonders gut ohne Fugen verarbeitet werden. Durch die handwerkliche Spuren bekommt ein Wohnraum so einen individuellen Charme.

Glimmerplättchen im Lehmputz. So glitzert es im Stadl
Im Lehmputz befinden sich Glimmerplättchen: dadurch glitzert es ein wenig
Bild: Stephanie Thatenhorst

Allerdings bleibt Lehm wasserlöslich, weshalb er in den Nassbereichen einen farblosen Wasserlack erhielt. Dieser muss dann immer wieder nachgearbeitet werden – für eine Dauernutzung nicht wirklich geeignet. „So wahnsinnig robust ist er nicht“, weiß Thatenhorst, „Einem Kunden muss man vorher sagen, dass er empfindlich ist.“

Lehmputz im Bad, mit Lack geschützt
Lack in den Bädern, denn dadurch wird der empfindliche Lehmputz geschützt
Bild: Stephanie Thatenhorst

Lehmputz ist außerdem baubiologisch und verbessert das Raumklima. „Der gesundheitliche Aspekt wurde in vielerlei Hinsicht umgesetzt“, fasst es die Bauherrin zusammen, „Es ist sehr angenehm hier zu wohnen.“ Vor allem auf dem Land ist Weiterbauen besonders nachhaltig, denn es spart viel graue Energie und versiegelte Verkehrsflächen. Auch an Heiz- und Warmwasser ist im Stadl gedacht – dafür sorgt die vorhandene Hackschnitzelheizung des Bauernhauses.

Modernes Zuhause

Für die Familie ist der Stadl jedes Wochenende und zudem in den Schulferien das neue Zuhause. „Es war ein sehr großer Luxus, dass ich alles so verwirklichen konnte, wie ich es haben wollte“, lacht Stephanie Thatenhorst, „auch unpragmatische Dinge, die nur der Schönheit dienen und nicht der Funktionalität.“

Diese Radikalität erzeugte ein großes Medienecho, sowohl online als auch in Print und TV. Zudem erhielt der Ausbau den ersten Preis von „Best of Interior 2019“. Die Laudatio attestiert „eine moderne Loft-Atmosphäre. Das Chiemgau trifft in dieser Scheune auf die große, weite Designwelt. Mit mehr Gefühl für die Umgebung, die eigene Heimat und zeitgenössische Gestaltung kann man kaum einrichten.“

Das Chiemgau trifft in dieser Scheune auf die große, weite Designwelt

Laudatio „Best of Interior 2019“

Vier Fragen an Stephanie Thatenhorst

Warum haben sie auf dem Bauernhof Ihrer Eltern ein Heulager zu Ihrem Feriendomizil ausgebaut?
Die Kinder lieben den Stadl sehr. Es ist schön, dass sie neben dem schnellen und lauten Stadtleben hier die Einfachheit zu spüren bekommen. Und der See ist mit dem Fahrrad gut erreichbar.

Wie vermitteln Sie zwischen alt und modern?
Ich würde sagen – zwischen alt und Zeitgeist: Dass man natürlich die Historie bewahrt und alt sein lässt, was alt da ist, aber dann nicht irgendwelche pseudoalten Dinge hinzufügt, sondern etwas zeitgenössisches. Es muss ja auch nicht an allen Ecken und Enden jodeln.

Was waren Ihre gestalterischen Prämissen?
Ein großes Augenmerk lag darauf, dass man so wenig Materialien wie möglich für die Oberflächen verwendet und das ganz konsequent durchzieht. Und ich wollte definitiv eine Wandoberfläche haben, die nicht gestrichen werden muss. Die Oberfläche sollte schon die fertige Farbe mit sich bringen – wie ein Lehmputz. Er ist mit seiner Struktur eine unglaublich schöne Erscheinung, baubiologisch und bringt ein angenehmes Raumklima. Den Lehm haben wir sogar in den Nassbereichen verwendet, wofür er eigentlich nicht geeignet ist. Der Boden ist einheitlich und das Ulmenholz für Möbel und Türen. Das waren meine Kernaussagen.

Wie verändert sich das Tageslicht in den Räumen?
Tagsüber bekommen wir durch die großen Fenster an der Westseite sehr viel Licht, wodurch der große Wohnraum trotz dunkler Wände förmlich zu glänzen beginnt. Abends entsteht durch die lediglich punktuelle Beleuchtung eine sehr gemütliche Atmosphäre.

Drei Fragen an Michaela Huber

Michaela Huber geht handwerklich meisterlich mit Lehm um. Mit einem Kollegen veredelte sie den Stadl und war 2018 zudem Preisträgerin des Claytec-Oberflächenpreises. Heute arbeitet sie als Restauratorin und Bauleiterin in der Denkmalpflege.

In was wurde der Stadl verwandelt?
In einen sehr besonderen Ort – vielleicht auch durch den erdigen Lehm. Er bringt Emotion hinein. Ich empfinde den Raum als sehr angenehm – kreativ gestalteter Wohnraum einmal anders erzählt.

Was ist das Besondere an Lehm?
Durch die Erdpigmente gibt es immer ein Lichtspiel. Das Material ist lebendig. Seine Haptik, seine Optik. Das ist für Körper und Geist wohltuend.

Wie aufwendig war die Oberfläche?
Wir haben die Oberfläche geglättet und dann noch leicht angeschliffen, damit sie optisch samtig wird und um das Gesamtbild ruhiger und homogener zu machen. Teilweise wurde sie bis zu 14 Mal mit einem Wasserlack eingelassen.

Der letzte Schliff für die verwandelte Scheune
Um die handwerklichen Spuren zu harmonisieren, wurde abschließend geschliffen
Bild: Michaela Huber

Baudaten Stadl

  • Baujahr: ca. 1900
  • Ausbaujahr: 2017
  • Grundfläche: 200 m²
  • Deckenhöhe: 8 m
  • Bauweise: Holzkonstruktion
  • Umbau: großzügige, neue Fenster, Holzfassade belassen, innen gedämmt, mit Kalk und Lehm verputzt, geschliffen, stellenweise lackiert sowie Möbel und Türen in Ulmenholz
  • Putzarbeiten: Michaela Huber für Maler Epple
  • Planung: Stephanie Thatenhorst

Text: Achim Pilz

Wärmedämmverbundsysteme – Probleme und Lösungen

Ein Dämmsystem mit Holz
Bild: Stefan Meyer

Wärmedämmverbundsysteme werden oft für die Bekleidung von Bestandsfassaden verwendet, da sie direkt verputzt sind. Zudem kommen meist Systeme mit biozider Ausrüstung zum Einsatz. Umweltbewusste Bauherren sollten daher Alternativen wählen.

In diesem Artikel:

Ein Beitrag unserer Redaktion.

Nach der Energiekrise 1973 verschärfte die Politik Schritt für Schritt die gesetzlichen Anforderungen an die Gebäudedämmung. Inzwischen muss bei einem Neubau die Energieeinsparverordnung (EnEV) 2016 beachtet werden. Diese besagt, dass Gebäudehüllen sehr gut gedämmt sein müssen – die Werte müssen ungefähr einem Achtel des Energieverbrauchs eines ungedämmten Altbaus entsprechen. Außerdem müssen die Gebäude weitgehend luftdicht errichtet werden.

Wärmedämmverbundsysteme als Lösung?

Es liegt auf der Hand, dass auch die gestiegenen Dämmvorschriften das Bauen immer teurer machen. Normalerweise sind Bauherren daher bemüht, die Kosten eines Hausbaus oder einer Sanierung zu optimieren. Da kommen einfache Fassadendämmungen, die direkt verputzt werden können, gerade recht.

Für sogenannten Wärmedämmverbundsysteme werden dicke Dämmplatten direkt auf die Fassade geklebt oder gedübelt und anschließend mit einer mehrlagigen, relativ dünnen Kunstharzspachtelung verputzt. Am häufigsten werden hierfür Polystyrol- oder Mineralwollplatten verwendet, da diese zum günstigen Materialpreis erhältlich sind. Die Spachtelung ist meist 3-6 mm dünn und zur Rissvermeidung außerdem mit Kunststoffen vergütet.

WDVS – Nachträgliche Fassadendämmung
Durch nachträgliche Fassadendämmungen wird das Erscheinungsbild von Gebäuden verändert
Bild: Christian Kaiser

Probleme bei der Dämmung

Der konstruktive Aufbau der Wärmedämmverbundsysteme birgt allerdings verschiedene Tücken. Durch Niederschlag und Betauung bleibt Feuchtigkeit beispielsweise lange auf der synthetischen, dünnen und harten Fassadenschale liegen. Dadurch kommt es häufig zu einer starken Algenbildung, was von Bauherren als deutlicher optischer Mangel gerügt wird.

Fassade mit algenbedingten Verfärbungen auf einem WDVS
Bereits nach kurzer Zeit können Verfärbungen durch Algen auf WDVS-Fassaden entstehen – dadurch zeichnen sich Dübelköpfe heller ab
Bild: Christian Kaiser
Algenbewuchs auf einer Fassade
Algenbewuchs als Gestaltungselement?
Bild: Christian Kaiser

Inzwischen schreiben Systemhersteller den Zusatz von Bioziden in Fassadenanstrichen vor. Daraufhin schlägt jedoch die Wasserwirtschaft Alarm, da sich die giftigen Zusätze aus den Anstrichen herauslösen und so in den Gewässerkreislauf gelangen. Folglich gelangen die Gifte auch in das Grundwasser, das häufig als Trinkwasser genutzt wird.

Gleichzeitig muss festgestellt werden, dass Polystyrol-Dämmschichten bei Brandfällen nicht nur die Luft mit hochgiftigen Dioxinen und Furanen verschmutzen, sondern auch Gebäudenutzer wie Rettungskräfte gefährden.

Auch im täglichen Gebrauch mehren sich negative Erfahrungen mit den Dämmsystemen, da die dünne Deckschicht sehr leicht beschädigt werden kann. Beispielsweise stanzen achtlos abgestellte Fahrradlenker schnell Löcher in die Dämmungen oder ein Hagelschlag führt zu Putzabplatzungen. Es stellt sich daher die Frage, wie nachhaltig ein direkt verputztes WDVS tatsächlich ist.

Wärmedämmverbundsysteme als Sanierungsfall

Wer sich auf die Suche nach belastbaren Angaben zur Lebenserwartung der Wärmedämmverbundsysteme macht, wird wegen der oben genannten Gründe sehr unterschiedliche Auskünfte bekommen. Tatsache ist jedoch, dass zahlreiche Hausbesitzer bereits nach wenigen Jahren schon wieder Gerüste wegen kleineren Schäden aufstellen müssen. Die Dämmfassade muss dann entweder ausgebessert oder sogar komplett neu gestrichen werden.

Darüber hinaus klingt auch der Lebenszyklus von Polystyrol-Dämmungen in der Theorie besser als in der Praxis. Viele Hersteller geben beispielsweise an, dass Polystyrol-Dämmungen weitgehend recycelbar seien. Praktisch macht sich allerdings keiner die Mühe, die Kleber und Putze bei einer Entsorgung zu entfernen. Die meisten Dämmplatten landen daher fast vollständig in der Müllverbrennung. Doch auch dort sorgen diese dann für giftige Verbrennungsrückstände.

Könnte es somit sein, dass die WDVS, die heute noch als weit verbreiteter „Stand der Technik“ gelten, bereits in naher Zukunft zum massenhaften Sanierungsfall werden? Denn bereits heute müssen andere Schadstoffe der Vergangenheit wie Asbest- und Holzschutzmittelprodukte mühselig saniert werden.

Gibt es Alternativen?

Dem umweltbewussten Bauherrn stellt sich daher immer öfter die Frage, ob es auch umweltverträglichere Dämmungen für seinen Neu- oder Altbau gibt. Eine Alternative sollte schließlich nicht nur zum Zeitpunkt des Kaufes ‚billig‘, sondern auch langfristig unterhaltsarm und nachhaltig sind. Wer sich tatsächlich eine verputzte Fassade wünscht, sollte deswegen darauf achten, dass er ein verputztes Dämmsystem wählt, welches ohne synthetische Zuschläge auskommt.

Hierfür braucht man zunächst eine deutlich festere und stabilere Dämmplatte, zum Beispiel aus Holzfasern, Kork oder Mineralschaum. Auf dieser kann man 10-15 mm dick mit rein mineralischem Fassadenputz verputzen und anschließend mit einer mineralischen Farbe ohne biozide Zusätze streichen.

Bauen als kultureller Beitrag

Verputzte Dämmsysteme bieten in der Regel kaum gestalterische Möglichkeiten, sodass gerade bei Bestandsgebäuden die Fassade nach einer Dämmmaßnahme ihren ursprünglichen Charme verliert. Darunter könnten beispielsweise Fenstereinfassungen, Klappläden, die Schattenwirkung der Fenstereinschnitte und weitere Aspekte leiden.

Man sollte auch bedenken, dass nicht nur denkmalgeschützte Gebäude erhaltenswert sind. Schließlich sind auch weniger auffällige oder besondere Häuser sind Teil unseres kulturellen Umfeldes. Kultur findet schließlich nicht nur im Theater statt! Es wäre ein besonderes Armutszeugnis, wenn als bauliches Erbe unserer Zeit ausschließlich gesichtslose Dämmfassaden zurückblieben.

Insofern empfiehlt es sich, über gestalterisch und konstruktiv hochwertige Fassadenausbildungen nachzudenken. Das kann beispielsweise mit Klinker oder hinterlüfteten Holzschalungen umgesetzt werden. Des Weiteren bieten diese Fassaden bei deutlich besserer Widerstandsfähigkeit gegen Wind und Wetter auch gleichwertige Dämmwerte. Zudem könnten sie dann ‚in Würde altern‘.

Eine Innendämmung könnte ebenfalls eine passende Alternative sein. Sonst werden wir nicht mehr lange warten müssen, bis der nächste „Schock“ die Politik erschüttert: Nämlich dann, wenn die Entsorgungsprobleme der vorhandenen WDVS überhand nehmen und wir erkennen müssen, dass es kaum noch sehenswerte Altstädte gibt. Und das nur, weil wir im allgemeinen Dämmwahn unsere Altbauten unkenntlich gemacht haben.

Wärmedämmverbundsysteme kann man mit einer Innendämmung vermeiden
Diese historische Fassade blieb von einem WDVS verschont, weil sie innen gedämmt wurde
Bild: Christian Kaiser

Ökologische WDVS-Dämmstoffe

DämmstoffVorteileSonstige Anwendung
Holzfaser– Nachwachsender Rohstoff
– Guter sommerlicher Wärmeschutz
– Kapillaraktiv
– Innendämmungen
– Dachdämmungen
– Trittschallplatten u.v.m.
Kork – Nachwachsender Rohstoff
– Dauerhaft und beständig
– Herkunft aus Portugal
– Als Putzträgerplatte für mehrlagige Dämmaufbauten
– Innenausbau, Bodenbeläge, Dehnfugen, etc.
Mineralschaumplatte– Mineralischer Rohstoff – Innendämmung
Gedämmte Fassade mit Holz
Holz und andere Fassadenmaterialien bieten zum Beispiel ganz andere Möglichkeiten der Gestaltung als verputzte Dämmstoffe
Bild: Stefan Meyer
DämmstoffVorteileAnwendung
Zellulose– Recyclingprodukt
– Günstiger Materialpreis
– Guter sommerlicher Wärmeschutz
– Ausblasdämmung im Holzbau
Flachs und Hanf– Nachwachsender Rohstoff
– Kapillaraktiv
– Gute Verarbeitbarkeit
– Regionale Herkunft
– Innen- oder Dachdämmung
– Fassadendämmung mit separatem Wetterschutz (z.B. Holzfassade)
Stroh– Nachwachsender Rohstoff
– Regional verfügbar
– Im Holzsystembau oder auch als lasttragende Strohballenbauweise
EIn Wärmedämmverbundsystem (WDVS) kann mit einer alternativen Dämmung mit Strohballen vermieden werden
Nachträgliche Außendämmung mit Strohballen: Nachwachsende Dämmstoffe bieten einen besseren sommerlichen Wärmeschutz, sind kapillaraktiv und stammen außerdem aus regionalen Rohstoffen
Bild: FASBA

Text: Christian Kaiser

Smart Home – Risiken und Empfehlungen

smart home - risiken und empfehlungen

Was ist ein Smart Home und mit welchen Risiken ist es verbunden? Wir stellen das Konzept der Hausautomation vor und zeigen Ihnen anschließend, wie Sie ein gesünderes Smart Home einrichten können.

In diesem Artikel:

Ein Beitrag unserer Redaktion.

Das Smart Home

Unsere Häuser werden immer ’smarter‘ – Geräte und Installationen funken oder haben ’smarte‘ Funktionen, um sie zu kontrollieren und zu steuern. Doch wer gesundheitlich vorsorgt, reduziert so die Belastung durch Funk.

Beim Smart Home geht es um eine neue Generation der Hausautomation. Haushaltsgeräte, Multimediageräte, Beleuchtung, Installationen oder Haustechnik interagieren miteinander und können oft auch aus der Ferne gesteuert werden. Der dafür erforderliche Datenaustausch erfolgt sehr häufig per Funk, wobei Smartphones oder Tablets oft als ‚Fernbedienung‘ fungieren.

es handelt sich um das Konzept der Home Automation

Es ist zudem Trend, Sendemodule in mehr oder minder jedes Gerät im Haus einzubringen. Einige Anwendungen sind praktisch und sinnvoll, zum Beispiel optimiertes oder automatisiertes Heizen oder Lüften. Vieles ist allerdings schlicht riskant und aus baubiologischer Sicht abzulehnen.

Der Begriff Smart Home umfasst sehr viele verschiedene Geräte, Systeme und Anwendungen. Von einfachen Geräten aus dem Discounter bis hin zu hoch komplexen Systemen aus dem Fachhandel ist alles dabei. Es gibt komplette Hausvernetzungen, aber auch Einzelanwendungen.

Bei Komplettsystemen ist eine Zentraleinheit nötig, welche oft Router, Zentrale oder Gateway genannt wird. Diese kann ein Dauersender sein, muss es aber nicht. Bei Einzelanwendungen hingegen gibt es häufig nur Kontakt zwischen zwei Sendern (beispielsweise zwischen Funkschalter und Lampe oder dem Smartphone und der Kaffeemaschine). Oft, aber nicht immer, ist der Kontakt nur aktionsgesteuert und damit selten funkend.

Smart Home Anwendungsbereiche und -beispiele

Grob zusammengefasst gibt es vier Bereiche bei Smart Home-Anwendungen mit verschiedenen Beispielen:

  • Sicherheit: z.B. Überwachung, Alarmsysteme, Warnmelder, Zugangskontrollen
  • Energie und Klima: z.B. Heizung, Belüftung, Verschattung
  • Komfort: z.B. Haushalt, Elektronikgeräte, Beleuchtung
  • Entertainment: z.B. TV, Audio, Spiele

Viele Installationen können ’smart‘ sein, von Alarmanlagen bis zu Lichtschaltern. Im Entertainment-Bereich werden mittlerweile sogar sehr viele Geräte miteinander verbunden. Selbst Haushaltsgeräte haben schon ’smarte‘ Funktionen. Schließlich gibt es noch diverse und teilweise kuriose ’smarte‘ Geräte: Spielzeuge und Spielekonsolen, Smartwatches, Hörgeräte, Kleidung mit Fitnesskontrolle, Windeln, Tampons, elektrische Zahnbürsten, Toilettensitze, Duschköpfe oder Katzen-/Hunde-Klappen und -Funkchips (im Halsband oder implantiert).

Elektrosmog im Alltag: mögliche Anwendungen in einem Smart Home
Elektrosmog im Alltag: Mögliche Strahlungsquellen im Haushalt
Bild: diagnose:funk

Weitere ergänzende Anwendungen:

  • internetbasierte Sprachassistenten wie Alexa, Siri sowie Google Assistant, welche als Schnittstelle zu den ’smarten‘ Geräten dienen
  • Smartmeter, also ‚intelligente‘ Stromzähler zur Erfassung und Weiterleitung von Strom- und anderen Hausdaten an Versorgungsunternehmen
  • Anbindungen an Cloud-Dienste

Arten der Datenübertragung

  1. Übertragung über Datenkabel. Dabei treten in der Regel keine elektromagnetischen Belastungen auf
  2. Übertragung über Stromleitungen (dLAN, Powerline). Die Strahlungsstärken sind dadurch meist geringer als bei vielen Funksystemen
  3. Übertragung per Funk

Gesundheitsrisiken durch Funk

Risiken durch Funk sind seit Jahren bekannt, sowohl aus der baubiologischen Praxis wie auch durch diverse Studien. Auch bei einem Smart Home bestehen diese Risiken.

Risiken durch Funk eines smarten Gebäudes

Die WHO hat 2011 hochfrequente elektromagnetische Felder in die Gruppe 2B krebserzeugender Substanzen eingestuft. Die medizinische EUROPAEM EMF-Leitlinie forderte 2016 niedrige Werte für WLAN, DECT und Mobilfunk, die den baubiologischen Richtwerten weitgehend entsprechen. Selbst das Bundesamt für Strahlenschutz mahnt: „Wo man Dauerbelastungen durch elektromagnetische Felder herabsetzen kann, da sollte man es tun.“

Weitere Smart Home Risiken

Neben Funkbelastungen werden des Weiteren die Themen Datenschutz und Sicherheit diskutiert – denn bei einem Smart Home besteht das Risiko, in seinen eigenen vier Wänden ‚gläsern‘ zu werden.

Außerdem könnten Kriminelle Zugriff auf hausinterne Geräte und Dienste bekommen.

Auch der Stromverbrauch wird offenbar zu einem Problem: Laut einer aktuellen BUND-Studie sind europaweit langfristig 70 TWh pro Jahr für den zusätzlichen Stromverbrauch bei ’smarten‘ Küchen- und Haushaltsgeräten sowie der Beleuchtung zu erwarten – deutlich mehr als die Stromerzeugung aller deutschen Windkraftanlagen 2013.

Baubiologische Empfehlungen

  • Vor dem Kauf von ’smarten‘ Geräten oder Smart Home-Komponenten überprüfen, was diese tun, insbesondere ob und wann sie funken (Leistung, Dauer, Häufigkeit) – im Zweifel sollten Sie dies nachmessen

  • Möglichst nur leitungsgebundene Geräte und Funktionen einsetzen

  • Bei Neu- oder Umbauten Netzwerk-, BUS- oder sonstige Datenkabel verlegen

  • Funkende Geräte und Komponenten sollten nur kurz und schwach senden, also aktionsgesteuert (wie beim Einschalten eines Gerätes) beziehungsweise nur, wenn eine Aktivität im System notwendig ist und entsprechende Daten übermittelt werden müssen

  • Keinesfalls funkende Geräte und Systeme verbauen, die nicht auszuschalten sind (zum Beispiel Beleuchtungen oder Alarmsysteme)

  • Baubiologisch akzeptable Systeme scheinen hier nach aktuellem Wissenstand am ehesten mit Anbietern wie beispielsweise HomeMatic, EnOcean oder KNX-RF realisierbar
  • ‚Smarte‘ Geräte, die an hauseigene WLAN- oder DECT-Netze angebunden sind, können dauerstrahlen. WLAN-Router, -Repeater und -Access Points sollten zumindest nachts bzw. immer bei Nichtgebrauch abschaltbar sein. Des Weiteren sollte deren Reichweite/Sendeleistung möglichst gering eingestellt werden

Smart Home ganz ohne Funk ist schwierig, denn viele ’smarte‘ Anwendung würden dann nicht mehr möglich sein. Smart Home ohne Dauerfunk ist aber sicher möglich, da sehr viele ’smarte‘ Steuerungen kabelgebunden bzw. mit nur kurzen Funkimpulsen umgesetzt werden können. Dafür gibt es vielfältige Möglichkeiten und Systeme.

Text: Manfred Mierau
Bilder, wenn nicht anders gekennzeichnet: Pixabay