Leben im Mehrgenerationenhaus – ein Interview

Leben im Mehrgenerationenhaus? Warum sich das lohnt, lesen Sie in unserem Interview mit Katja Bürmann!

Wie gestaltet sich das Leben im Mehrgenerationenhaus? Wir haben mit der Architektin Katja Bürmann gesprochen, denn sie beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren mit gemeinschaftlichen Wohnprojekten. Welche Gründe es für einen gemeinsamen Lebensraum gibt, was ein gutes Mehrgenerationenhaus ausmacht und warum klare Strukturen dafür so wichtig sind, lesen Sie im Interview!

Über Katja Bürmann

Sie ist Mitgründerin des Beratungsbüros KoWerk, freie Architektin, Master Real Estate Management und Baubiologin. Außerdem ist sie als DGNB Consultant ausgebildet, hat die Gemeinschaft Tempelhof bei Crailsheim beraten und unterstützt aktuell das Wohnprojekt Neuer Norden e.V. in Stuttgart. Mitglied ist sie im Netzwerk Immovielien, wohnbund e.V. und mehreren Genossenschaften. Schließlich engagiert sie sich wohnungspolitisch bei der IBA’27 Region Stuttgart.

Katja Bürmann kann viel über das Leben im Mehrgenerationenhaus berichten.

Leben im Mehrgenerationenhaus: Interview mit Katja Bürmann

Sollten wir alle in Mehrgenerationenhäusern wohnen?

Grundsätzlich muss jede*r entscheiden, wie er/sie wohnen will. Wohnen in Mehrgenerationenhäusern bietet in jedem Fall viele Chancen. Während heute unsere ursprünglichen Familien tendenziell immer kleiner werden und oft weit entfernt wohnen, bilden sich hier neue familienähnliche Zusammenhänge. Unter dem Dach eines Hauses bzw. in nächster Nachbarschaft, mit Menschen, die für Gemeinschaft offen sind, bestehen vielfältige Möglichkeiten der unkomplizierten und bereichernden Begegnung und Unterstützung. Ob ein regelmäßiger Sonntagsbrunch, gegenseitiges Babysitting, Einkaufshilfen, der Plausch an der Haustür oder im Gemeinschaftsraum, vieles ist einfach möglich.

All das lebt immer auch von den Menschen selbst. Gerade für Familien mit Kindern ergeben sich in so einem Projekt tolle Möglichkeiten. Kinder haben Spielgesellen, ohne auf Eltern-Taxis zurückgreifen zu müssen. Sie haben weitere „Geschwister“ und auch andere Erwachsene, die an ihnen teilnehmen und Ansprechpartner sind. Ältere nehmen ganz selbstverständlich an der Vielfalt des Lebens teil. Auch Tausch/Sharing-Konzepte sind aufgrund der Nähe einfach umzusetzen, Car-Sharing, Gästeappartement, Waschmaschinen, aber auch Kleineres. Somit lassen sich auch nachhaltige Ansätze leichter realisieren.

So werden in Mehrfamilienhäusern gute Antworten auf gesellschaftliche Fragestellungen, wie demografischer Wandel, Vereinzelung oder soziale Spaltung gegeben. In den vergangenen Jahrzehnten wurden bereits viele Mehrgenerationenhäuser gebaut und auch in Forschungsprojekten begleitet und teilweise auch über Programme gefördert. Es zeigt sich, dass der Ansatz in vielen Häusern sehr erfolgreich umgesetzt wurde, und die Bewohner*innen sehr zufrieden sind. Aktuell sehe ich, dass Mehrfamilienhäuser – wie insgesamt gute, unterstützende Nachbarschaften – zu einer Resilienz der Bewohner auch unter derzeitigen Pandemiebedingungen beitragen.

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Das Wohnhaus in der Münchner Fritz-Winter-Straße der Wogeno eG zeigt, wie Leben im Mehrgenerationenhaus geht.

Was macht ein gutes Mehrgenerationenhaus aus?

Grundsätzlich muss gesagt werden, dass Mehrgenerationenprojekte sehr unterschiedlich aufgestellt sein können, von der Größe, von der Organisationsform auch von den Zielsetzungen. Und die Unterschiedlichkeit hat auch ihre Berechtigung.

Größere Projekte bieten die Möglichkeit, dass sich gemeinsame Infrastruktur, wie ein Gästeappartement oder ein Gemeinschaftsraum besser wirtschaftlich tragen. Auch können hier leichter Kooperationen mit z.B. sozialen Trägern geschlossen werden, und z.B. eine Pflege- oder Demenz-WG im Haus etabliert werden. Es gibt aber auch sehr engagierte kleine Projekte, die z.B. die Eltern-Kind-Gruppe organisieren und auch Plätze für Kinder aus dem Stadtteil anbieten. Hier sind oft starke Selbstorganisation und Selbstverwaltung zu finden. Dies ist aber abhängig von den Menschen und auch ihren Möglichkeiten.

Schön ist, wenn sich die Projekte in den Stadtteil öffnen, z.B. mit einem Nachbarschaftscafe oder Angeboten wie ein Quartiersladen in der Münchner Fritz-Winter-Straße der Wogeno eG (s. Bilder).

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Was sehen Sie als einen Nachteil von Mehrgenerationenprojekten an?

Es tut der Bewohnerschaft gut, wenn klare, transparente Strukturen vorhanden sind und gelebt werden. Wenn klar ist, wer was übernimmt. Bestimmtes kann sich natürlich frei ergeben, aber gemeinschaftliche Infrastruktur muss gemeinsam getragen werden. Projekte organisieren das wiederum unterschiedlich, und es kann unterschiedlich gelingen. Mit einer kleinen Stelle, die als Hausmeister geschaffen wird, mit bestimmten Stunden oder Bereichen in die sich jeder einbringt, oder auch mit „professionellen“ Lösungen, die noch eine Anbindung an Mitbestimmung der Bewohnerinnen haben. Wenn diese Strukturen fehlen und auch das Bewußtsein dafür, dann kann es schwierig werden.

Auch empfehlen sich klare Rückzugsräume und ggfs. Absprachen. Die gute Differenzierung zwischen privaten und (halb-)öffentlichen Räumen wird auch durch eine gute Architektur ausgebildet. Wer allerdings einfach keine Lust auf Nachbarschaft hat, der muss auch nicht in einem Mehrgenerationenhaus leben.

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Wo geht Ihre Arbeit über Mehrgenerationenprojekte hinaus?

Mich interessiert immer auch der weite Blick – der Zusammenhang mit gesellschaftlichen Entwicklungen und auch Rahmenbedingungen, wie z.B. der wohnungspolitische Kontext. Seit den 90ern beschäftige ich mich mit Projekten, die das gemeinschaftliche Wohnen umsetzen. Der bauliche Kontext hat sich seitdem geändert, indem sich Bauen immer mehr ökologischen Themen verpflichtet hat und verpflichten musste. Insbesondere seit der Finanzkrise sind Wohnungsbau, Grund und Boden immer mehr in einen internationalen Anlagewettbewerb und -Druck geraten. Wir erleben hier Entwicklungen, insbesondere durch starke Preissteigerungen und knappes Angebot an Wohnraum in deutschen Ballungszentren, die eben auch massiv auf das persönliche Leben der Einzelnen und ihre Entwicklungsmöglichkeiten einwirken.

In Städten, wo der Grund- und Boden sehr teuer ist, können großteils ehrenamtliche Ansätze oft nicht mehr umgesetzt werden. Hohe Grundstücks- und Baukosten legen hohen Druck auf den späteren Betrieb von gemeinsamer Infrastruktur, und erschweren auch massiv eine Mischung der Bewohner*innenschaft. Genau das ist aber für Mehrgenerationenprojekte wichtig, dass sie auch für breite Schichten der Bevölkerung leistbar sind. Deshalb spannen Länder und Kommunen unterstützende Rahmen auf, wie Förderprogramme oder besonderer Grundstücksvergaben und Kooperationen. Wir sehen hier auch wie Genossenschaften mit ihrem Ansatz der Selbstorganisation und Selbsthilfe wieder gemeinschaftliche Wohnprojekte verwirklichen.

Vielen Dank für das Interview, Frau Bürmann!

Das Interview mit Katja Bürmann führte Achim Pilz.

Ewilpa® – Urban Gardening mit essbaren Wildpflanzen

Bild: Birgit Matz

Wie wäre es, wenn man sich aus einem öffentlichen Park mit essbaren Wildpflanzen selbst versorgen könnte? Diese Vision verfolgt Dr. Markus Strauß mit dem Ewilpa®-Konzept. Mit dieser Art des Urban Gardenings wäre es möglich, eine gesunde Ernährung natürlich und nachhaltig zu ergänzen. In diesem Beitrag lesen Sie alles über das Konzept, die Grundlagen und Ziele sowie die Umsetzung der bereits bestehenden Ewilpas®.

In diesem Beitrag:

Ein Gastbeitrag der Stiftung Ewilpa®.

Was ist ein Ewilpa®?

Ein Ewilpa® ist ein Essbarer Wildpflanzenpark. Es handelt es sich hier um das von Dr. Markus Strauß entwickelte Konzept der öffentlichen Selbstversorgung aus der Natur mit ausschließlich essbaren Wildpflanzen. Dazu hat er 2015 die Stiftung Ewilpa® gegründet. Zwei dieser Parks gibt es schon, der dritte wird als erster innerstädtischer Park in diesem Frühling eröffnet. Zehn weitere Parks sind in der konkreten Projektplanung.

Beispielplan für die Umsetzung eines Ewilpas®
Beispielplan für die Umsetzung eines Ewilpas®
Bild: Stiftung Ewilpa®

Da sich die Gestaltung und Artenauswahl an den natürlichen Gegebenheiten orientiert, ist der Pflegeaufwand im Vergleich zu herkömmlichen Parks oder landwirtschaftlichen Nutzflächen gering. Essbare Wildpflanzenparks bieten kostenfreie Sammelgelegenheiten für krautig wachsende Wildpflanzen, Wildgemüse, essbare Blüten und Blätter, Obst, Wildobst und Beeren, Nüsse sowie Waldbaumfrüchte.

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In Anlehnung an den mittelalterlichen „Allmende-Gedanken“ soll der Zugang für jedermann frei und unentgeltlich möglich sein. Damit dienen sie nicht nur der Versorgung mit ehrlichen und hochwertigen Lebensmitteln, sondern auch dem sozialen Ausgleich. Sie sind zudem ökologisch wertvoller Lebensraum für viele einheimische Pflanzen- und Tierarten.

Ein Ewilpa® bietet nicht nur den verschiedensten Pflanzen Lebensraum...
Ein Ewilpa® bietet nicht nur den verschiedensten Pflanzen Lebensraum…
Bild: Meike Koppmann
...sondern ist auch für die Artenvielfalt von Bedeutung
…sondern ist auch für die Artenvielfalt von Bedeutung
Bild: Meike Koppmann

Die von Dr. Markus Strauß initiierte Stiftung EssbareWildpflanzenParks® unterstützt die verschiedenen Initiativen vor Ort mit fachkundigem Rat und wildem Wissen sowie mit projektbezogenen Spenden. Im sogenannten Ewilpa®-Film werden die vielfältigen Zukunftschancen eindrucksvoll dargestellt.

Der Ewilpa®-Film

Warum wild?

Essbare Wildpflanzen bieten das ganze Jahr über eine gesunde und schmackhafte Bereicherung des Speiseplans. Als Wildpflanzen gedeihen sie ohne menschliches Zutun – sie werden uns von der Natur geschenkt:

  • ohne Züchtung, Gentechnik, Dünger, Agrarchemie
  • keine langen Transportwege
  • weder Verpackung noch Müll
  • garantiert frisch
  • Nutzung regionaler und saisonaler Ressourcen

Im Vergleich mit Kultursorten enthalten Wildpflanzen ein Vielfaches an Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen. Zudem halten sie wertvolle sekundäre Pflanzenstoffe wie ätherische Öle, Bitterstoffe und Antioxidantien für uns bereit. Wildes Gemüse, Kräuter, Blüten, Salate, Beeren, Früchte und Nüsse sind eine kulinarische Bereicherung und die ideale Grundlage für ein gesundes Leben.

Vergleich von Kulturgemüse und Wildgemüse
Vergleich von Kulturgemüse und Wildgemüse
Quelle: Die 12 wichtigsten essbaren Wildpflanzen von Markus Straß, Neuauflage Hädecke-Verlag 2012, Seite 8

Ein praktisches Beispiel
Das schmackhafte und gesunde Wildgemüse Giersch wächst in der Natur an lichten Stellen im Laubwald, am Waldrand, unter Sträuchern und Hecken und zum Leidwesen vieler Gärtner auch in Gärten. In einem Ewilpa® gedeiht er unter Obstbäumen und Sträuchern wie Holunder, Johannisbeere, Aronia, Rose (Hagebutte) oder Himbeeren. Indem man Giersch 2-4 Mal pro Jahr mit Sichel oder Sense abmäht, erhält man bis in den späten Herbst hinein frühlingshaft frisches Gemüse. Von den Essbaren Wildpflanzenparks schließlich auf den Teller! Giersch schmeckt beispielsweise als “Spinat”, als Zutat im Salat oder (zusammen mit Brennnesseln) im Grünen Smoothie!


Zukunftsweisend und inklusiv

Seit Anbeginn der Menschheit vor über 2 Millionen Jahren bildeten essbare Wildpflanzen unsere Lebensgrundlage. Erst mit der Einführung der Landwirtschaft vor einigen tausend – und vor allem im Zuge der industriellen Revolution vor etwas über hundert Jahren – ging das archaische Erfahrungswissen fast gänzlich verloren. Erst heute wird uns in zunehmender Weise dieser Verlust an Lebensqualität bewusst. Die Stiftung EssbareWildpflanzenParks® zeigt hier zukunftsweisende Lösungen auf; In möglichst siedlungsnah gelegen Parks kann sich die Bevölkerung selbst versorgen. Darüber hinaus versteht sich ein Ewilpa® auch als Bildungsstätte und sozialer Treffpunkt. Hier kann das sichere Erkennen der Wildpflanzen und deren Zubereitung von fachkundigen Beratern erlernt werden.


Ewilpa®: Ziele und Umsetzung

Ewilpa® Ziele

Bildung (= Stichwort „Grünes Klassenzimmer“): Wiederbelebung von altem Wissen um Pflanzen und ökologische Zusammenhänge; Zubereitung von Speisen, Selbstversorgung; Garten und Landschaftsgestaltung mit essbaren Wildpflanzen

Nachhaltige Versorgung der Bevölkerung mit hochwertigen, ehrlichen Lebensmitteln aus der Natur (Wildgemüse, Kräuter, Wildsalate, Beeren, Obst, Nüsse)

Sozialer Ausgleich durch Wiederbelebung des mittelalterlichen „Allmende Gedankens“

Förderung der Integration durch interkulturelle Begegnungen sowie durch Nutzung der auch bei uns wachsenden essbaren Wildpflanzen aus fremden Kulturen wie zum Beispiel:
– Osteuropa/Russland: Gemeiner Schneeball, Bocksdorn, Sanddorn, Aronia
– Südamerika: Amaranth, Quinoa Melde
– aus den Mediterranen Ländern: Kräuter aus der Familie der Lippenblütler

Sozialer Treffpunkt in der Gemeinde, im Wohnviertel oder im Stadtteil (gemeinsames Sammeln unter Anleitung, Vorträge, Kochkurse, gemeinsame Mahlzeiten

Ökologische Ausgleichsfläche: Ein Essbarer Wildpflanzenpark ist sehr artenreich, bietet vielen Wildtieren einen Lebensraum, die natürliche Bodenfruchtbarkeit und der Wasserhaushalt regenerieren sich

Erholungsgebiet/ Naherholung

Die Einrichtung eines Essbaren Wildpflanzenparks ist ein wertvoller Beitrag zur nachhaltigen Stadtentwicklung


Zielgruppe

– Kinder & Jugendliche
– Naturliebhaber & Sammler
– Hobbyköche & an Kulinarik Interessierte
– An gesunder Ernährung und Gesundheitsvorsorge Interessierte
– Garten und Streuobstwiesen Besitzer
– Senioren (geben „altes“ Wissen weiter)


Wissenstransfer an Multiplikatoren in folgenden Berufsfeldern

– Lehrer & Erzieher
– Gastronomie, Touristik & Wellness
– Garten und Landschaftsbau, Landwirtschaft
– Heilberufe aller Art


Realisierungsvariationen

Gestaltung eines vielgestaltigen Essbaren Wildpflanzenparks mit unterschiedlichen ökologischen Bereichen (Aue, Feuchtwiese, trockeneres Ackerland, Berghang)

Realisierung eines Essbaren Wildpflanzenparks in einem Hochwasserschutzgebiet als ökologische Ausgleichsmaßnahme möglichst mit Integration der bereits vorhandenen Vegetation und bestehender Strukturen

Möglichkeit einer kompletten Neugestaltung, zum Beispiel nach Abriss alter Industriegebäude

Erschließung des Essbaren Wildpflanzenparks mit naturnah gestalteten Wegen und Sitzgelegenheiten

Installierung eines Infosystems, beispielsweise mit Schautafeln in Verbindung mit QR Codes

Erstellung eines Seminarhauses mit Schulküche, Gruppenraum/Klassenzimmer und sanitären Anlagen

Erschaffung eines Veranstaltungs- und/oder Bildungsprogrammes unter Mitwirkung der Fachberater/innen für Selbstversorgung mit essbaren Wildpflanzen (HfWU) und örtlicher Institutionen (Kindergärten, Schulen, Hochschule, Heilpraktiker, Ärzte, Gastronomen

Wissenschaftliche Begleitung des Projektes durch Hochschulen (Ökologie, Landwirtschaft, Didaktik)

Mediale Begleitung des Projektes als Modellprojekt von überregionaler Bedeutung (aktive, überregionale und nationale PR bei Print und TV Medien)


Voraussetzungen für einen essbaren Wildpflanzenpark

– Flächen in Größenordnung von 30 Ar bis einige Hektar in Siedlungsnähe
– Gute Erreichbarkeit: Radweg, S-Bahn, Bus, Straße
– Begrenzung mit Wildfruchthecke, Zaun (Schutz vor Hunden)
– Ökohaus mit Küche, Seminarraum, WC
– Wegebau: Naturnahe Kieswege, in Hanglage eventuell Treppen aus Naturstein
– Pflegeaufwand: Jährlich 1 bis 2 Mal Mahd der Wiesen und Streuobstwiesen, später erforderlicher Schnitt einzelner Gehölze sowie jährliche Boden Bearbeitung der Acker Brachfläche


Finanzierung

– Vorrangig Nutzung von Gemeinde oder Stadt eigenem Gelände
– Spenden von Firmen, Privatleuten
– Stiftung Essbare WildpflanzenParks®
– Fördergelder von Land, Bund, EU
– Ehrenamtliche Mitarbeit von Bürgern, Fachberater/innen für Selbstversorgung mit Essbaren Wildpflanzen (HfWU) sowie anderen Fachkundigen


Die ersten Ewilpas® in Deutschland

Der erste Ewilpa® hat am 16. Juni 2018 in Kemnath-Waldeck in der Oberpfalz geöffnet. Dieser erste realisierte und eröffnete Park ermöglicht eine Wildpflanzenvielfalt der besonderen Art mit dem trockenen, felsigen Südhang unterhalb der Burg, mit unterschiedlichen Waldtypen, mit Feldhecken, mit einer Streuobstwiese, mit einer Ackerbrache und mit einer Feuchtwiese. Sieben Flächen befinden sich dabei auf dem Schlossberg und sechs Flächen in der benachbarten Feldflur westlich von Waldeck. Ein fünf Kilometer langer Wanderweg führt durch die Parklandschaft. Insgesamt erläutern 13 Schautafeln die Teilflächen und weisen auf die wichtigsten essbaren Wildpflanzen hin.

Der zweite Ewilpa® wurde 2020 in Bad Pyrmont in Betrieb genommen. Weitere Parks befinden sich in der konkreten Planungs- sowie Projektphase; Der dritte Ewilpa® wird im Frühling 2021 in Mönchengladbach eröffnet.

Ewilpa® in Mönchengladbach

Im Möchengladbacher Stadtteil Eicken entsteht der erste innerstädtische und in sich geschlossene Ewilpa®. Initiatorin Meike Koppmann, selbstständige Kräuterpädagogin, pachtet hier für einen symbolischen Euro seit Februar 2020 dauerhaft ein 5.500 Quadratmeter großes Grundstück von der städtischen Entwicklungsgesellschaft Mönchengladbach EWMG.

Initiatorin des Ewilpas® Möchengladbach ist Meike Koppmann, selbstständige Kräuterpädagogin
Initiatorin des Ewilpas® Möchengladbach ist Meike Koppmann, selbstständige Kräuterpädagogin
Bild: Meike Koppmann
Bei ihrem Unterfangen wird Meike Koppmann von vielen freiwilligen Ewilpa®-Helfer*innen unterstützt
Bei ihrem Unterfangen wird Meike Koppmann von vielen freiwilligen Helfer*innen unterstützt
Bild: Timo Riegel

Bei ihren Aktivitäten für den Aufbau und Betrieb des Ewilpas® zählt sie auf die Unterstützung ihres dicht gewebten Netzwerks. Von den zahlreichen Kooperationspartnern seien hier Transition Town Mönchengladbach e.V., die Volkshochschule der Stadt und der benachbarte Kleingartenverein Alsbroich e.V. erwähnt. Die Stadt Mönchengladbach fördert den Aufbau des Ewilpa® finanziell sowie logistisch.

Nach der bereits erfolgten Untersuchung des Bodens auf eventuelle Altlasten wurde das Gelände im Februar 2020 geräumt und die verdichtete Erde gefräst. Danach begannen die ersten Pflanzungen und Einsaaten, die Gestaltung der Wege (Hackschnitzelbelag, Wiesenweg, Barfußweg), der Aufbau von Weidenzäunen, der Einzug der Wildbienen einer Imkerin sowie der Bau von Hochbeeten.

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Kräuterpädagogin Meike Koppmann realisiert realisiert den Aufbau des Parks mit ehrenamtlichen Unterstützern, die jeden Samstag zu den s.g. Helfertagen mit anpacken. Die Pflanzung der meisten Bäume und Sträucher erfolgte im Herbst 2020.

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Rezeptideen

Wildpflanzen sind ein starker Partner zu ökologischen Lebensmitteln, die wir auf dem Wochenmarkt oder im Bioladen erhalten. Sie ergänzen eine naturbelassene und vegetarische Ernährung (mit Smoothies und Pestos, Salaten und Kräuterdips) und erweitern das Spektrum für bekannte Gerichte (wie Spinat, Aufläufe, Kuchen, Pudding, Marmelade, Aufstriche).

Produkte aus dem BioladenErnte aus dem Ewilpa®Kombinierter Genuss
Hirse & Gemüsebrühe+Brennnessel-Spinat=Mittagessen
Quinoa & Erdnussmus+Wiesenbärenklau (Wiesen-Fenchel)=Abendessen
Buchweizen & Reismilch+Obst von der Streuobstwiese=Frühstücksbrei
Olivenöl & Mandeln, Walnüsse oder Haselnüsse+Knoblauchsrauke, Bärlauch oder Giersch=Pesto
Datteln+wilde Beeren (Brombeere, Aronia)=Smoothie

Durch die Ernte eines Ewilpas® kann man Mahlzeit natürlich gesund aufwerten. Sowohl inhaltlich als auch geschmacklich, denn Wildpflanzen sind in allem intensiver.

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Rezept für deftigen Meldenkuchen

Hefeteig : Aus 300g Dinkelvollkornmehl, einem ½ Würfel Frischhefe, etwas warmem Wasser, ½ TL Rohrohrzucker (zum Aufgehen der Hefe), 4 EL Olivenöl und 1 TL Salz einen Hefeteig zubereiten. Wildgemüse-Füllung : Meldenblätter, Blüten und Triebspitzen waschen, abtropfen lassen (alternativ sind auch Brennessel- oder Gierschblätter verwendbar). 1 Zwiebel und 1 Knoblauchzehe klein gewürfelt, in etwas Olivenöl dünsten. Melde hinzugeben, mit etwas Wasser ablöschen, abdecken und im Dampf zusammenfallen lassen, vom Herd nehmen.

  • 2 Eier, 200 ml Sahne, Salz und Pfeffer in einer Schüssel verquirlen.
  • 200g Schafskäse auf einem Teller zerbröckeln
  • Backofen auf 175 Grad vorheizen.

Hefeteig nach dem zweiten Gehen flach ausrollen und in die gefettete Form legen, Ränder andrücken. Eine erste Schicht Wildgemüse einfüllen, diese mit dem Schafskäse bestreuen und mit einer weiteren Schicht Wildgemüse belegen. Gleichmäßig mit der Eier-Sahne-Flüssigkeit übergießen. Etwa 35 Minuten backen, warm genießen.

Koch und Backen mit Pflanzen aus einem Ewilpa®: Selbstgemachter Melden-Kuchen, alternativ auch schmackhaft mit Brennessel- oder Gierschblättern
Selbstgemachter Melden-Kuchen, alternativ auch schmackhaft mit Brennessel- oder Gierschblättern
Bild: Micha Brem

Weitere Rezeptideen mit Wildpflanzen finden Sie hier!


Über Dr. Markus Strauß

Dr. Markus Strauß lebt als freiberuflicher Autor, Berater und Dozent im Allgäu. In Kooperation mit der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) bietet er an deren Weiterbildungsakademie seit 2013 die Deutschlandweit erste und einzige Weiterbildung auf Hochschulniveau im Bereich essbare Wildpflanzen an. Er studierte Geografie, Geologie sowie Biologe in Heidelberg. Forschungsprojekte führten ihn nach Südamerika, zum Himalaya (Nepal) und nach Indonesien. Seit seinem langjährigen autarken und naturnahen Leben beschäftigt er sich mit der Thematik der Selbstversorgung mit essbaren Wildpflanzen.

Sein Werk als Autor umfasst elf Bücher, einen Ernteplaner sowie einen Tischaufsteller als immerwährender Kalender. Für zahlreiche Fachpublikationen schreibt er regelmäßig Beiträge und Essays. Vorträge, Kurzseminare und Kongresse führen ihn durch den deutschsprachigen Raum. Auch im Fernsehen (regelmäßig SWR, dazu ZDF, BR, WDR, ARTE, HR usw.) ist er als Experte sehr gefragt.

Ewilpa® Gründer Dr. Markus Strauß
Bild: Maximilian Gall

Bei allen Tätigkeiten bleibt seine Vision stets im Mittelpunkt: Die (Re-)Integration der essbaren Wildpflanzen in das Alltagsleben und die Alltagskultur sowie die Erschaffung von essbaren Wildpflanzenparks. Die Stiftung EssbareWildpflanzenParks® hat Markus Strauß hierfür im August 2015 initiiert. Das Ziel ist die Schaffung von 4.000 Ewilpas®, sodass die gesamte Bevölkerung Zugang zu qualitativ hochwertigen, essbaren Wildpflanzen erhält und die Natur wieder aufatmen und erblühen kann.

Dr. Markus Strauß
Aichbaindt 5
87487 Wiggensbach/Allgäu
kontakt@ewilpa.net
www.youtube.com/c/DrMarkusStrauss
www.dr-strauss.net
www.ewilpa.net

Text: Stiftung Ewilpa®
Bilder, wenn nicht anders gekennzeichnet: Unsplash, Pixabay

Das Quartier Mühlkanal in Salach

Mit dem Quartier Mühlkanal in Salach soll ein durchmischtes und identitätsstiftendes Quartier für rund 800 Bewohner entstehen.
Bild: Gemeinde Salach/Giacinto Carlucci

Mit dem Quartier Mühlkanal in Salach soll ein durchmischtes und identitätsstiftendes Quartier für rund 800 Bewohner entstehen. Im Fokus liegen gemeinschaftliche Verantwortung für soziale Aufgaben, ein besonderes bürgerschaftliches Engagement und die Entwicklung von Gemeinschaftsflächen als Kommunikationspunkte.

In diesem Artikel:

Ein Gastbeitrag der IBA’27.

Vorstellung: Quartier Mühlkanal in Salach

In Salach wird das Areal der ehemaligen Textilfabrik Schachenmayr zwischen der Bahntrasse Stuttgart-Ulm und der Fils neu geordnet, zusammen mit der ehemaligen Kleingartenanlage »Krautländer« auf der anderen Seite der Bahnlinie. Auf der Industriebrache soll ein sozialgerecht durchmischtes und identitätsstiftendes Quartier für rund 800 Bewohner entstehen. Neben seriellen und modularen ökologischen Neubauten werden die vorhandenen denkmalgeschützten Gebäude saniert und neu genutzt.

Das Gründstück, auf dem das Quartier Mühlkanal entstehen soll
Bild: Gemeinde Salach/Giacinto Carlucci

Zusätzlich ist ein Mehrgenerationenhaus mit Bürgerpark als Bindeglied zwischen Areal und Ortsmitte geplant. Weitere Schwerpunkte sind die Förderung einer »Caring Community« mit gemeinschaftlicher Verantwortung für soziale Aufgaben, eines besonderen bürgerschaftlichen Engagements und die Entwicklung von Gemeinschaftsflächen als Kommunikationspunkte. Die mit Unterstützung der IBA’27 organisierte Planungswerkstatt für den Städtebau hat das Büro helsinkizurich (Zürich, Helsinki) zusammen mit Cadrage Landschaftsarchitekten (Zürich) für sich entschieden.

Projektträgerin: Gemeinde Salach mit Krause Gruppe, Deutsche Reihenhaus, MEZ

In Salach wird das Areal der ehemaligen Textilfabrik Schachenmayr zwischen der Bahntrasse Stuttgart-Ulm und der Fils neu geordnet, zusammen mit der ehemaligen Kleingartenanlage »Krautländer« auf der anderen Seite der Bahnlinie.
Bild: Gemeinde Salach/Giacinto Carlucci
Industriebrache für das Unterfangen
Bild: Gemeinde Salach/Giacinto Carlucci

Das Vorhaben

Auf der historischen Industriebrache Schachenmayr-Areal in Salach soll das urban geprägte »Quartier Mühlkanal« entstehen, in dem Wohnen und Arbeiten eng verzahnt sind. Sozialgerecht durchmischt und identitätsstiftend angelegt, werden neue flexible Wohnformen geschaffen, die Platz für bis zu 600 Bewohnerinnen und Bewohner bieten. Die denkmalgeschützten Industriegebäude sollen nachhaltig saniert und umgenutzt werden. Geplant ist zudem ein Mehrgenerationenhaus auf dem Allmendegebiet Krautländer, mit dem nicht nur ein soziales und kulturelles Zentrum, sondern auch Bindeglied zwischen neuem Quartier und der Ortsmitte entstehen soll. Die Gemeinde und die beteiligte Bürgerschaft möchte in dem Quartier zudem die Voraussetzungen für eine „caring community“ (sorgende Gemeinschaft) schaffen.

Als eine der ersten Kommunen aus der Region Stuttgart hat sich Salach bereits 2018 mit dem Quartier Mühlkanal für die Teilnahme an der IBA’27 beworben. Für die IBA’27 war die Zusammenarbeit eine Art Prototyp: „Salach hat viel Mut bewiesen und gemeinsam mit der IBA Neuland beschritten“, so IBA-Intendant Andreas Hofer.

Hier soll das Quartier Mühlkanal in Salach entstehen
Bild: Gemeinde Salach/Giacinto Carlucci

Der nächste Schritt

Jetzt wurde mit dem Entscheid der Planungswerkstatt der nächste Schritt vollzogen; Das Konzept des international tätigen Architekturbüros helsinkizurich in Zusammenarbeit mit Cadrage Landschaftsarchitekten ging als klarer Sieger hervor. Aus Sicht des aus Experten, Vertretern der IBA’27 und der Kommune besetzten Beraterteams hat helsinkizurich die komplexe Aufgabenstellung „hervorragend und überzeugend“ gelöst. Der Entwurf übertrage viele Ziele der IBA’27 in konkrete Formen.

„Wir sind sehr zuversichtlich, dass der Schwung in Salach über die nächsten Jahre trägt. Im Dialog zwischen Planern, Rathaus, Bevölkerung und Investoren könnte aus dem Quartier ein Vorzeigeprojekt werden, das identitätsstiftend für Salach ist und mit der die IBA beispielhaft für Kommunen im eher ländlichen Raum sein kann.“

IBA-Intendant Andreas Hofer

Weiter geht es nun mit der Konkretisierungs- und Überarbeitungsphase für die Quartiersentwicklung. Den Auftakt dafür bildete die Eröffnung der Ausstellung zur Planungswerkstatt „Quartier Mühlkanal“ im Februar 2020. Andreas Hofer stellte dort die eingereichten Arbeiten vor und erläuterte die Entscheidung des Beraterteams. Gleichzeitig war der Abend der Impuls für die dritte Bürgerwerkstatt. die im Mai stattfand. Die Entwürfe der Planungswerkstatt wurden vom 10. bis 17. Februar 2020 im Foyer des Rathauses in Salach ausgestellt.

Die Entwürfe der Planungswerkstatt wurden vom 10. bis 17. Februar 2020 im Foyer des Rathauses in Salach ausgestellt.
Bild: IBA’27/Tobias Schiller
Die Entwürfe der Planungswerkstatt wurden vom 10. bis 17. Februar 2020 im Foyer des Rathauses in Salach ausgestellt.
Bild: IBA’27/Tobias Schiller

Gemeinsame Quartiersentwicklung

Mit dem aufregenden städtebaulichen Entwurf für das Quartier Mühlkanal macht sich die kleine Gemeinde Salach im Filstal auf den Weg in die Zukunft. Doch wie ist es dazu gekommen?

Als sich Ende 2018 die Diskussion um die bauliche Entwicklung des Schachenmayr-Areals in Salach intensivierte, war zunächst nur eines klar; Ein einfaches „business as usual“ konnte es bei den Planungen für diesen Ort nicht geben. Zu wichtig für die Identität der 8000-Einwohner-Gemeinde schien den Verantwortlichen der Umgang mit den historischen Bestandsgebäuden der ehemaligen Wollfabrik. Die vorgelegten Pläne der Grundstücksbesitzer waren für die Neubebauung zu fragmentiert und lieblos.

Die Stadt gehört den Menschen, die in ihr wohnen

Ein erster Schritt war damals bereits getan; In einem Beteiligungsverfahren zur Neuentwicklung des benachbarten Krautländer-Areals hatten sich die Bürgerinnen und Bürger deutlich und klar für mehr Gemeinschaft, Nähe und Solidarität im Zentrum ihrer Stadt ausgesprochen. Das Leitbild einer „Caring Community“ war so entstanden. Eine Gemeinschaft, in der die Menschen dicht zusammen leben und Verantwortung füreinander übernehmen, ein Wohnen, bei dem das Öffentliche eine ebenso große Rolle spielt, wie das Eigene. Kurz, ein lebendiges Stück Stadt. Und nun sollte das ungleich größere Schachenmayr-Areal hinter den Ideen und Wünschen des neu erwachten Gemeinsinns zurückbleiben? Auf einem Gelände, das noch dazu den Menschen ein Stück Fluss zurückgeben konnte?

Mit diesem Auftrag der Bürgerschaft traten die Verantwortlichen der Gemeinde an die Internationale Bauausstellung 2027 StadtRegion Stuttgart (IBAʼ27) heran. Doch wie konnte Salach das Heft im städtebaulichen Prozess wieder in die Hand nehmen? Wie die Themen setzen für eines der wichtigsten Baugebiete der Filstalgemeinde? Schnell wurde klar; die Schnittmengen mit den Anliegen der Internationalen Bauausstellung sind groß. So groß, dass sich das Stadt- und Regionalentwicklungsformat den Salachern gerne als Vermittler, Impulsgeber und Partner anbot.

Das Quartier Mühlkanal wurde vorgestellt und ausgiebig diskutiert
Bild: IBA’27/Tobias Schiller

Beteiligung und Planung für das Quartier Mühlkanal

Im November 2018 verabredeten sich die Interessensgruppen zu einem ersten Workshop. Die Spitzen der Salacher Gemeindeverwaltung nahmen daran ebenso teil wie Teile des Gemeinderats, die Grundstückseigentümerinnen und potenziellen Investoren, externe Berater sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der IBAʼ27. Die Tagesordnung: Wie kann die Geschichte der Stadt von diesem Ort aus in die Zukunft geschrieben werden? Wie gelingt es, das Schachenmayr-Areal zu einem auch für junge Menschen attraktiven, lebendigen und für unterschiedliche Nutzungen geeigneten Quartier zu entwickeln? Lassen sich die vielfältigen Interessen der Akteure am Tisch zu einem gemeinsamen Leitbild verdichten? Welche Chancen gibt es, welche Zielkonflikte?

Der Workshop machte deutlich, dass das Interesse an einem gemeinwohlorientierten, identitätsstiftenden Städtebau ungleich verteilt ist. Aber eben auch, dass keine Seite sich der besseren Lösung grundsätzlich verweigern würde. Die Vertreter der IBAʼ27 schlugen eine Planungswerkstatt vor. In einem eng von allen Verantwortlichen begleiteten, offen dialogischen Verfahren sollten drei ausgewählte Büros städtebauliche Entwürfe erarbeiten.

Dieses Format bot die Möglichkeit, sich in einem gemeinsamen Diskussionsprozess städtebaulichen Zielen anzunähern. Wichtig war zum einen die Einbeziehung von Expertinnen für Lärmschutz, Denkmalpflege, Landschaftsarchitektur und Städtebau. Durch ihre Anregungen und Überprüfungen wurden schon während des Planungsprozesses die Entwürfe justiert. Zum anderen sollte ein intensiver Dialog mit den Bürgern geführt werden. Diese sollten vor, zwischen und nach der Planungswerkstatt den Planungsteams weitere Hinweise mit auf den Weg geben können.

Auf dieser alten Industriefläche soll das Quartier Mühlkanal in Salach
Bild: Gemeinde Salach/Giacinto Carlucci

Zwischenbericht und öffentliche Aussprache

„Die Planungswerkstatt sollte vom ersten Moment an kooperativ sein“, sagt Nina Riewe, Projektleiterin bei der IBAʼ27. „Wir wollten größtmögliche Transparenz, auch zwischen Verwaltung und Bürgern, eine demokratische Auseinandersetzung für ein zentrales Stück Stadt“. Nach sechs Wochen Arbeit reisten die Büros aus Tübingen, Köln und Zürich Ende September 2019 zur öffentlichen Zwischenpräsentation nach Salach.

Und siehe da: Zwischen Planungsprofis, Beurteilungsgremium, Beratern, Verwaltungsspitze und Bürgern entspann sich ein wertvoller, von gegenseitigem Respekt getragener Dialog. Einen ganzen Tag lang wurden die vorgelegten Skizzen diskutiert und erörtert, kamen die lokalen Verhältnisse zu Wort, begegneten die Profis den Fragen und Befürchtungen der gar nicht laienhaft vortragenden Zivilgesellschaft mit Argumenten. Diese Hinweise und Vorschläge im Hinterkopf hatten die Planungsbüros weitere sechs Wochen Zeit, um ihre Entwürfe zu konkretisieren.

Die besten Argumente überzeugen

Diese präsentierten die Büros im großen Saal der kommunalen Stauferlandhalle. Professionell moderiert diskutierten Beurteilungsgremium, Experten und Gemeindevertreterinnen die Konzepte entlang von Leitfragen. Landschaftsräumliche Qualitäten, Verkehrserschließung, Lärm-, Hochwasser- und Denkmalschutz wurden erörtert. Aber auch Baukörper und die dadurch entstehenden Frei- und Sozialräume kamen zur Sprache. Da war es wieder, das Leitbild der „Caring Community“.

„Im Verlauf der Diskussion zeichnete sich der Entwurf von helsinkizurich und Cadrage Landschaftsarchitekten immer deutlicher als die beste Arbeit ab“, sagt IBAʼ27-Intendant Andreas Hofer. Die Entscheidung für das Konzept der Büros aus Zürich fiel in Übereinstimmung der im Saal Anwesenden. Und auch der Gemeinderat stimmte mit großer Mehrheit für den Entwurf der Partnerbüros.

„Indem [der Entwurf] Bestand, Neubau und Grünräume selbstverständlich zueinander anordnet, erzählt er aus der Geschichte heraus eine neue Geschichte und zelebriert auf intelligente Art Einfachheit.“

IBAʼ27-Intendant Andreas Hofer
Indem der Entwurf des Quartier Mühlkanal Bestand, Neubau und Grünräume selbstverständlich zueinander anordnet, erzählt er aus der Geschichte heraus eine neue Geschichte und zelebriert auf intelligente Art Einfachheit.
Bild: Gemeinde Salach/Giacinto Carlucci

Beteiligung ist weiterhin ein Kernanliegen

Der Prozess zur städtebaulichen Entwicklung des Schachenmayr-Areals geht weiter. Nun freilich entlang des von helsinkizurich entworfenen Bildes. Investorinnen und Eigentümer wollen überzeugt, offene Fragen erörtert und geklärt werden; Verlagert das autofreie neue Quartier den Verkehr in die umliegenden Viertel? Oder gelingt ein Mobilitätskonzept, das die Menschen aufs eigene Auto verzichten lässt? Wie sieht es aus? Und wenn alle Entwürfe den Fluss als öffentlichen Raum wiederentdecken, ist dann der ursprünglich auf dem Krautländer-Areal geplante Bürgerpark an der Fils nicht besser aufgehoben? Dieser Meinung sind jedenfalls viele Bürger. Wie könnte dann ein Ausgleich zwischen den Flächenbesitzern aussehen? Die transparente Beteiligung der Salacher bei der Gestaltung ihres Quartiers bleibt ein Kernanliegen der Verwaltung. Anfang Februar 2020 wurde die Ausstellung aller Entwürfe eröffnet, der Siegerentwurf ausführlich vorgestellt. Im Mai lud die Gemeinde Interessierte zur dritten Bürgerwerkstatt ein.

Text: IBA’27

Bild: Gemeinde Salach/Giacinto Carlucci
Bild: Gemeinde Salach/Giacinto Carlucci

Mehrgenerationenhaus – Definition, Vorteile, Nachteile

Leben in einem Mehrgenerationenhaus? Ob als Single, junge Familie oder Senior; gemeinsames Wohnen und gemeinsames Leben haben viele Vorteile. So schaffen Mehrgenerationenhäuser Orte für Gemeinsamkeit. Dort unterstützt man sich gegenseitig, nutzt gemeinsame Infrastruktur und lebt somit resilienter – in der Stadt und auf dem Land.
Bild: holzius

Leben in einem Mehrgenerationenhaus? Ob als Single, junge Familie oder Senior; gemeinsames Wohnen und gemeinsames Leben haben viele Vorteile. So schaffen Mehrgenerationenhäuser Orte für Gemeinsamkeit. Dort unterstützt man sich gegenseitig, nutzt gemeinsame Infrastruktur und lebt somit resilienter – in der Stadt und auf dem Land.

In diesem Artikel:

Ein Beitrag unserer Redaktion.

Was ist ein Mehrgenerationenhaus?

Unsere Gesellschaft wird immer älter. Heute sind bereits 17 Millionen Menschen älter als 65 Jahre, Tendenz steigend. Auf der anderen Seite gibt es zunehmend junge Familien und Alleinerziehende, für die die Kinderbetreuung eine echte Herausforderung darstellt. Singles fühlen sich einsam und freuen sich über Anschluss. Wenn die Generationen wieder gemeinsam leben, gewinnen alle. Ein Mehrgenerationenhaus (MGH) bietet den Rahmen dazu.

Mehrgenerationenhäuser gibt es in zwei Bereichen:

Im Privaten ist ein Mehrgenerationenhaus eine langfristig „angelegte Lebensform für das freiwillige Zusammenleben mehrerer unabhängiger und verschieden alter Personen in einer sehr großen Wohnung oder einem Haus“, wie es Wikipedia definiert. Sie wohnen dabei in der Regel in separaten Einheiten, wie beim Familienwohnhaus Modica.. Weitere Nutzungen wie Werkstatt, Toberäume, Gemeinschaftsküche, Gästezimmer, Sauna und Gartenflächen können so einfacher erstellt und nach vereinbarten Regeln gemeinsam genutzt werden.

Auf der Ebene der Kommunen sind Mehrgenerationenhäuser Orte der Begegnung der Generationen. Sie bieten Raum für gemeinsame Aktivitäten und schaffen ein nachbarschaftliches Miteinander. Jüngere helfen dort Älteren und umgekehrt. Das ‚Aktionsprogramm Mehrgenerationenhäuser‘ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen, und Jugend fördert Bundesweit rund 540 Mehrgenerationenhäuser, wie das AWO-Mehrgenerationenhaus Landsberg. Über die Internetseite www.mehrgenerationenhaeuser.de lassen sich Häuser in der Nähe finden.

Wenn die Generationen wieder gemeinsam leben, gewinnen alle. Ein Mehrgenerationenhaus  bietet den Rahmen dazu.
Wenn die Generationen wieder gemeinsam leben, gewinnen alle. Ein Mehrgenerationenhaus bietet den Rahmen dazu.
Bild: holzius

Aktionsprogramm Mehrgenerationenhäuser

Die vom Bund geförderten Häuser sind als Schwerpunkt offene Treffs. Sie sind Caféstube, Erzählsalon, Spielzimmer, Treffpunkt der Generationen und Wohnzimmer für alle. Zudem gibt es in solchen Häusern familienorientierte Aktivitäten und Dienste für Jung und Alt. Beispiele sind Betreuungs-, Lern- und Kreativangebote für Kinder und Jugendliche, Weiterbildungskurse für berufliches und privates, Unterstützungsangebote für Pflegebedürftige und deren Angehörige oder Sprachkurse für Migrantinnen und Migranten.

Zudem fördern MGH Hilfe zur Selbsthilfe. Dabei lebt das Haus durch freiwilliges Engagement. Freiwillige sind Leihgroßeltern, geben Computer-Nachhilfe oder organisieren Theaterprojekte. Alle Interessierten können sich mit ihren Erfahrungen und Fähigkeiten einbringen und zugleich vom Wissen und Können der anderen profitieren. Die Kommune vernetzt mit weiteren Akteuren wie Freiwilligenagenturen, Verbänden oder Kultur- und Bildungseinrichtungen. Einmal im Jahr gibt es Aktionstage bei dem die Häuser zu besonderen Veranstaltungen einladen. Seit 2018 werden mit dem Wettbewerb „DemografieGestalter 2018 – Der Mehrgenerationenhauspreis“ besonders kreative Projekte ausgezeichnet.

Vorteile Mehrgenerationenhaus

Das Leben in einem Mehrgenerationenhaus bietet viele Vorteile; die Kosten sind Kosten geringer, es gibt eine soziale Vielfalt und die Bewohner werden potenziell entlastet.

Geringere Kosten

Da die Grundstücks- und die Baukosten zwischen den Akteuren aufgeteilt werden, wird das Projekt für jeden einzelnen günstiger. Gemeinsam lassen sich auch zusätzliche Räume für die Gemeinschaft, Kinder oder Gäste realisieren. Auch wohnbegleitenden Dienstleistungen und Sharing-Angebote wie Car-Sharing lassen sich so einfacher realisieren.

Soziale Vielfalt

MGH erleichtern es, soziale Kontakte zu knüpfen und zu pflegen. Ein gemeinschaftliches Zusammenleben mehrerer Generationen unter einem Dach bietet eine Vielzahl an Möglichkeiten, das Sozialleben zu stärken und sich gegenseitig zu unterstützen. Austausch und Unterhaltung gibt es bei gemeinsamen Aktionen wie Feiern zu Silvester oder Sommerfeste. Bewohner*innen von größeren Projekten wie beim Haus Mobile in Stuttgart organisieren auch gemeinsame Ausflüge und sogar einen Kurzurlaub.

Entlastung der Bewohner

Durch das Zusammenleben von Erwerbstätigen und Senioren ergeben sich Synergien. Berufstätige Eltern finden im Haus leichter Betreuungsmöglichkeiten für ihren Nachwuchs wie Babysitter, Leihgroßeltern oder Spielgefährten. In manchen Häusern wird abwechselnd einmal die Woche in der Gemeinschaftsküche gekocht. Manche Gemeinschaften wie Schloss Tempelhof bereiten täglich Essen zu, die auch Gäste bestellen können. Im Tempelhof gibt es auch ein Café, in dem selbstgebackene Kuchen und eigener Apfelsaft verkauft werden. Hat das Projekt eine gewisse Größe, so können auch Räume zur medizinischen Versorgung bereitgestellt werden.

Vorteile: geringere Kosten, soziale Vielfalt, Entlastung der Bewohner

Nachteile Mehrgenerationenhaus

Es gibt jedoch auch ein paar Nachteile, die man beachten sollte. Zum Beispiel gibt es einen größeren Organisationsaufwand, man braucht mehr Zeit zum Planen und es kann zu Streitigkeiten zwischen den Beteiligten kommen.

Größerer Organisationsaufwand

Bis sich die Baugruppe gefunden hat, vergeht meist schon Zeit. Jedes Mitglied benötigt die Kreditzusage seiner Bank und es kommt vor, dass zuletzt noch jemand deshalb ausfällt. Denn nach der Firmierung muss erst einmal ein passendes Grundstück gefunden werden, vor allem in Städten oft kein einfaches Unterfangen. Das Vertragswerk wird in der Regel von einem Anwalt ausgearbeitet. Zum Notartermin wird dann oft der umfangreiche Vertrag vor allen Beteiligten verlesen und unterschrieben. Näheres dazu im Artikel MGH gründen und bauen.

Mehr Planungszeit

Bei der Planung schließlich sind viele Bedürfnisse abzugleichen, weshalb der Aufwand größer ist. Weil meist ein oder zwei Bauherrenvertreter*innen an Vergabegesprächen mit Handwerkern teilnehmen, kann auch die Bauzeit länger dauern.

Potential für Streitigkeiten

Größere Projekte haben auch mehr Potential für Streitigkeiten. So überzog ein Mitglied der Hausgemeinschaft in einem Holzbauprojekt den Bauherren mit Klagen wegen eines seiner Meinung nach ungenügendem Schallschutz. Bei einem anderen Projekt erreichte es ein Bauherr, dass in den Planungsunterlagen eine Raumnutzung festgeschrieben wurde, wodurch alle anderen den als Gemeinschaftsraum angedachten Raum nicht mehr anderes nutzen konnten.

Nachteile: größerer Organisationsaufwand, mehr Planungszeit, Potential für Streitigkeiten

Beispiel Familienwohnhaus Modica

Im Südtiroler Vetzan baute die Firma holzius das Familienwohnhaus Modica mit drei Wohneinheiten. Die untere Etage wird von Cosimo Modica und Petra Gamper genutzt., Im Obergeschoss haben die erwachsenen Kinder von Cosimo separate Wohneinheiten. Cosimos Tochter lebt dort mit ihrer Tochter, so dass das Holzhaus drei Generationen nutzen. „Die Atmosphäre in unserem Zuhause wirkt äußerst angenehm, das fällt auch unseren Gästen sofort auf“, freut sich der Hausherr. Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach liefert Strom für die Wasser-Luft-Wärmepumpe, die eine Bodenheizung versorgt. Ein großer Regenwassertank unter dem Rasen dient der Gartenbewässerung.

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Beispiel AWO-Mehrgenerationenhaus Landsberg

2014 zog das AWO-Mehrgenerationenhaus Landsberg in ein Gebäude aus dem 16. Jahrhundert inmitten der historischen Altstadt. Hier gibt es eine Begegnungsstätte und zwei Büroräume, aus denen 25 Projekte koordiniert werden. 130 Ehrenamtliche wurden ausgebildet, die verschiedene Initiativen gegründet haben, wie etwa die Ortsgruppe von Greenpeace. Seit 2015 ist das MGH auch Träger eines erfolgreichen Repair Cafés. Reparieren statt Wegwerfen heißt die Devise. Daneben konnte vielen Menschen mit Fluchtgeschichte ein kaputtes Fahrrad vermittelt und repariert werden. So wird ein verantwortungsbewusster und nachhaltiger Lebensstil in Verbindung mit nachbarschaftlicher Gemeinschaft und generationenverbindende Miteinander gepflegt.

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Buchtipps

Woelky, Daniel: „Unter einem Dach. Positive Synergieeffekte eines Mehrgenerationenhauses“, Studylab, 2018

IBA_Wien 2022, future.lab (Hrsg.): „Neues soziales Wohnen: Positionen zur IBA_Wien 2022“, Jovis, 2020

Text: Achim Pilz

Der Gabrielhof – vier Familien, ein Bauernhof

Vier Familien haben den Gabrielhof in Eggstätt, Chiemgau, ressourcenschonend, wohngesund und baubiologisch saniert.
Bild: KfW Bankengruppe / Claus Morgenstern

Vier Familien haben den Gabrielhof in Eggstätt, Chiemgau, ressourcenschonend, wohngesund und baubiologisch saniert. Dadurch wurde eine Neuversiegelung vermieden und der alte Bauernhof erstrahlt in neuer Pracht.

In diesem Artikel:

Ein Beitrag unserer Redaktion.

„Ökologisch bauen kostet nicht mehr als ein konventionelles Haus, wenn man es vernünftig angeht“

Architekt Eik Kammerl
Die vier Baufamilien vor ihrem neuen Heim: dem Gabrielhof
Die vier Baufamilien vor ihrem neuen Heim
Bild: KfW Bankengruppe/Claus Morgenstern

Der Gabrielhof: Ein alter Bauernhof mit neuem Anbau

Die ökologischen und baubiologischen Ansprüche der vier Baufamilien, die aus einem heruntergekommenen Hof im Chiemgau wieder ein stolzes Anwesen machten, waren hoch. Obwohl das Budget knapp war, gewannen sie einen ersten Preis beim ‚KfW Award Bauen 2019‚.

Der 1914 erbaute Gabrielhof im bayerischen Eggstätt fügt sich harmonisch ins Landschaftsbild und bietet den Baufamilien, die ihn 2014 in einem desolaten Zustand erwarben, viel Platz zum Leben, ohne dass neue Fläche versiegelt wurde. Mit vereinten Kräften haben sie das ursprüngliche Haupthaus saniert und den zerfallenen Holzanbau – ein langer Stall mit Scheune – durch drei fast gleich große, neue Reihenhäuser ersetzt.

Die vier Baufamilien und der Architekt sind stolz auf das nachhaltige Weiterbauen.
Die vier Baufamilien und der Architekt sind stolz auf das nachhaltige Weiterbauen.
Bild: KfW Bankengruppe/Claus Morgenstern
Stolz erhebt sich das historische Kopfgebäude des Gabrielhofs, an dessen Rückseite sich nahtlos die neuen Häuser für drei weitere Familien anschließen.
Stolz erhebt sich das historische Kopfgebäude des Gabrielhofs, an dessen Rückseite sich nahtlos die neuen Häuser für drei weitere Familien anschließen.
Bild: KfW Bankengruppe/Claus Morgenstern

Cradle to Cradle Prinzip

Hubert und Brigitte Janson, deren dreiköpfige Familie wunschgemäß den Altbau bekam, hatten bei den Sanierungsarbeiten, die bis auf Sanitär- und Elektroinstallation in Eigenleistung erfolgten, ein echtes Schlüsselerlebnis. „Da habe ich hautnah erfahren, was Cradle to Cradle bedeutet“, sagt der Bauherr. Sie mussten das Gebäude bis auf die Außenwände komplett entkernen und stießen dabei auf lediglich drei bis vier Materialien wie Kalkputz, Holz, Mauer- und Dachziegel.

Alle Materialien konnten problemlos entsorgt oder zurück in den Kreislauf gebracht werden. Die einzige Ausnahme bildete das später eingebaute Bad. Bei seinem Ausbau fielen von Porenbetonsteinen über Gipskartonplatten bis hin zu Plastikfußboden und diversen Verbundstoffen die unterschiedlichsten Baustoffe an, wobei vieles gesondert entsorgt werden musste.

Individuelle Lösungen

Solch einen Sündenfall gab es bei der Sanierung nicht mehr. An Wänden und Decken sind nur noch Lehm oder Holz zu finden. Um das Gesicht der Außenfassade nicht zu verändern, wurde das 50 Zentimeter dicke Mauerwerk mit einer Holzfaserplatte von innen gedämmt. Darauf kam eine Wandheizung in einem Lehmputz. Im Erdgeschoss entschied sich das Ehepaar für einen Schwingboden aus Eiche. Seine leicht nachfedernden Dielen sind eine Wohltat für Kniegelenke und Rücken.

Die neuen Reihenhäuser hinter dem ursprünglichen Gabrielhof haben eine durchgängige Holzfassade, ähnlich der ehemaligen Scheune. Dahinter stecken drei individuelle Grundrisse.
Die neuen Reihenhäuser haben eine durchgängige Holzfassade, ähnlich der ehemaligen Scheune. Dahinter stecken drei individuelle Grundrisse.
Bild: KfW Bankengruppe/Claus Morgenstern

In den oberen Stockwerken liegen unbehandelte Ahorndielen und an den neuen Holzbalkendecken fallen die sägerauen, gebürsteten Fichtenbretter mit ihrer schönen Zeichnung ins Auge. Auch wenn die vierjährige Sanierungszeit für Familie Janson anstrengend war: Die Mühe hat sich gelohnt. Vater, Mutter und Sohn genießen den unverwechselbaren Charme und die einzigartige Atmosphäre ihres individuellen Zuhauses in vollen Zügen.

In den neuen Räumen des Gabrielhofes dominieren naturbelassenes Holz und Lehm. Die recycelten Ziegel erinnern an vergangene Zeiten.
Links: In den neuen Räumen dominieren naturbelassenes Holz und Lehm. Die recycelten Ziegel erinnern an vergangene Zeiten. (Bild: Privat)
Rechts: Gemütlich zwischen Holz und Natur: Der eingezogene Balkon bietet ein geschütztes Plätzchen für kurze und lange Pausen, auch wenn das Wetter einmal nicht mitspielt. (Bild: Privat)

Der Gabrielhof wurde ressourcenschonend und gesund gebaut

Die drei Reihenhäuser teilen sich mit dem Altbau das neu errichtete Dach. Auch in den neuen Räumen dominieren naturbelassenes Holz und Lehm. So kam beim Aufbau der Außenwände aus massivem Vollholz kein ökologisch kritischer Leim zum Einsatz. Die Holzbohlen aus heimischer Fichte werden stattdessen durch eine vernagelte Querlage zusammengehalten. Auch die aus ökonomischen Gründen akzeptierten Haustrennwände aus Betonverfüllsteinen sind nicht ‚von der Stange‘. Die Baufamilien bestanden auf einem Verfüllbeton ohne chemische Zusätze und suchten so lange, bis sie ein Betonwerk fanden, das ihnen eine entsprechende Mischung herstellte. Zwar brauchte diese länger zum Austrocknen, doch der Lehmputz konnte dank seiner Elastizität und Durchlässigkeit für Feuchte mit dieser Herausforderung gut umgehen.

Wo Fenster zu Terrassentüren erweitert wurden, wurde die alte Sprossenteilung übertragen. Holz, Lehmputz und dickes Gemäuer erzeugen eine Atmosphäre voll Ruhe und Geborgenheit im Gabrielhof.
Wo Fenster zu Terrassentüren erweitert wurden, wurde die alte Sprossenteilung übertragen. Holz, Lehmputz und dickes Gemäuer erzeugen eine Atmosphäre voll Ruhe und Geborgenheit.
Bild: KfW Bankengruppe/Claus Morgenstern

Als Dämmung gegen das Erdreich wurde Glasschaumschotter aus anderweitig nicht recycelbarem Altglas gewählt. Das Material hat sich in diesem Bereich bewährt und war letztendlich sogar günstiger als eine konventionelle Dämmung und eine anschließend notwendige kapillarbrechende Schicht. Im Winter bannt die im Erdgeschoss im Estrich verlegte Fußbodenheizung zusätzlich jede Gefahr kalter Füße. In den Geschossen darüber wurden Wandflächenheizungen installiert, die durch ihre angenehme Strahlungswärme stark zum allgemeinen Wohlbefinden beitragen. Die notwendige Heizenergie liefert die Hackschnitzelanlage des Nachbarn. Außerdem nutzt eine Solaranlage die Sonne als regenerative Energiequelle.

Gabrielhof: Blick über die Landschaft: In diesem Haus liegt der Wohnmittelpunkt im Obergeschoss.
Blick über die Landschaft: In diesem Haus liegt der Wohnmittelpunkt im Obergeschoss.
Bild: KfW Bankengruppe/Claus Morgenstern Titelbild

Nachhaltige Wirkung

„Ökologisch bauen kostet nicht mehr als ein konventionelles Haus, wenn man es vernünftig angeht“, sagt Eik Kammerl, der Architekt, der das Projekt betreute. Der erfahrene Planer konnte beim Gabrielhof die Kosten erfolgreich im Rahmen halten. Das lag auch an dieser besonderen Baugruppe mit gelebtem Gemeinschaftssinn: „Wenn einer sein Ding durchdrücken will, geht sowas nicht“, formuliert es Corinna Schneider, die in einem der Reihenhäuser wohnt. Gerne packten alle tatkräftig mit an. Das nächste Projekt steht bereits vor der Tür: Demnächst werden die Außenanlagen gerichtet – mit Hilfe des Preisgeldes aus dem KfW Award.

Baudaten Gabrielhof

Erweiterung eines Bauernhauses für vier Familien in Eggstätt, Chiemgau:

Sanierung
2015 – 2018

Neubau
2016 – 2017

Bauweise Bestand
Ziegelaußenwand, Innendämmung, Lehmputz

Böden und Decken
Eiche, Ahorn, Fichte

Bauweise neu
Holzmassivbau aus heimischem Fichtenholz, vorgehängte Schalung aus unbehandeltem Lärchenholz, Zellulose Einblasdämmung, Lehmputz, Dielenböden, teilweise Sichtestrich

Energiekonzept
Fernwärme aus Hackschnitzelanlage sowie Solaranlage, Fußboden- und Wandflächenheizung, Solaranlage, Regenwassernutzung

Bauherren
Familien Emerson, Janson, Oßwald/Dietz und Schneider

Architekten
Kammerl & Kollegen, Pfaffing

Wenn Sie sich für umgebaute Scheunen interessieren, haben wir hier noch einen sehr interessanten Beitrag für Sie. Die Innenarchitektin Stephanie Thatenhorst hat sich einen Traum erfüllt und eine alte Scheune der Familie in ein Urlaubsdomizil verwandelt.

Text: Margot Allex-Schmid

Das Ostcarré Hanau: Bauen mit Ziegeln

Das Ostcarré Hanau ist ein Beispiel für zeitgemäßen, nachhaltigen und bezahlbaren Wohnungsbau in der Stadt in monolithischer Ziegelbauweise.
Bild: Lisa Farkas

Das Ostcarré Hanau ist ein Beispiel für zeitgemäßen Wohnungsbau in monolithischer Ziegelbauweise. Die verwendeten Ziegel sorgen nicht nur für eine moderne Optik, sondern bieten auch klare Vorteile für die Gesundheit.

In diesem Artikel:

Ein Gastbeitrag von Wienerberger.

„Das Material Ziegel altert wunderbar und ist deshalb langlebig. Das kommt unseren Vorstellungen entgegen, etwas zu schaffen, das uns überdauert.“

Architekt Stefan Forster

Das Ostcarré Hanau

In direkter Nachbarschaft zu einem Kirchen-Baudenkmal aus Ziegel ersetzt ein von Stefan Forster Architekten geplanter fünfgeschossiger Wohnungsbau die marode Blockrandbebauung von 1952. An dieser prominenten Stelle monolithisch in Ziegelbauweise zu planen war für den Bauherrn von Anfang an klar, denn er wollte wohngesunden und nachhaltigen Wohnraum im mittleren Preissegment in Hanauer Citylage bieten.

Im Zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstört und danach nur in Teilen wiederaufgebaut, erinnert das Baudenkmal der Wallonisch-Niederländische Kirche in Hanau an ein Statement für Toleranz und Offenheit. Graf Philipp Ludwig II. von Hanau-Münzenberg hatte die Doppelkirche aus Ziegel Anfang des 17. Jahrhunderts für reformierte Religionsflüchtlinge aus Frankreich und den Niederlanden bauen lassen. Mit ihren zwei verschränkten Kirchenräumen war sie auf die zweisprachige Flüchtlingsgemeinde zugeschnitten. Zwischen den beiden Kuppeln stand ein gemeinsamer Turm und die großen Ziegel-Walmdächer waren weithin zu sehen. Heute ist sie als Baudenkmal auch ein Mahnmal gegen die Kräfte, die ihre Zerstörung herbeiführten.

Weniger ansehnlich war in den letzten Jahren die Blockrandbebauung an der Französischen Allee, die den Kirchplatz als Ringstraße umgibt: Mietshäuser aus den 1950er-Jahren, zweckmäßige Siedlungsarchitektur der Nachkriegszeit. Der Neubau Französische Allee ersetzt ein solches Mietshaus aus dem Bestand der Baugesellschaft Hanau GmbH. „Enge Treppenhäuser, viele Kleinwohnungen, marode Bäder ohne Fenster, gefangene Räume und schlechte Bausubstanz machten einen Neubau wirtschaftlicher als die Sanierung“, erläutert BGH-Geschäftsführer Jens Gottwald die Gründe für den Abriss des alten Mehrgeschossers.

Das Ostcarré Hanau befindet sich gegenüber der Niederländisch-Wallonischen Kirche, einem Baudenkmal aus dem 17. Jahrhundert. Der Baukörper fügt sich in Proportion, Materialität und Dachform in den historischen Kontext ein.
Der Neubau befindet sich gegenüber der Niederländisch-Wallonischen Kirche, einem Baudenkmal aus dem 17. Jahrhundert. Der Baukörper fügt sich in Proportion, Materialität und Dachform in den historischen Kontext ein.
Bild: Lisa Farkas

Zeitgemäßes Wohnen

Städtebaulich sorgsam integriert verfügt der Neubau über 57 moderne Wohneinheiten. Acht Vier-Zimmer-Wohnungen, 25 Zwei-Zimmer-Wohnungen und 24 Drei-Zimmer-Wohnungen ergeben eine Gesamtwohnfläche von rund 4800 Quadratmetern. Jede Wohnung verfügt straßenseitig über eine Loggia und hofseitig über einen Balkon, die Dachgeschosswohnungen über eine straßen- oder hofseitig orientierte Dachterrasse. Zur Ausstattung gehören moderne Tageslichtbäder mit Wanne und Dusche, die Wärmeverteilung erfolgt über eine Fußbodenheizung. Die Energie dafür liefern ein Blockheizkraftwerk und Fernwärme. In Verbindung mit der hochwärmedämmenden Gebäudehülle erreicht das fünfgeschossige Gebäude KfW-70-Effizienzhausstandard. Wer bei dieser Ausstattung an Luxus denke, liege falsch, versichert Jens Gottwald: „Mit einer gestaffelten Nettokaltmiete von derzeit unter zehn Euro stellen wir der Mitte der Hanauer Gesellschaft preisgünstigen, zeitgemäßen und werthaltigen Wohnraum in Citylage zur Verfügung.“

Das fünfgeschossige Gebäude in KfW-70-Effizienzhausstandard bietet 57 moderne Wohneinheiten mit zwei bis vier Zimmern auf einer Gesamtwohnfläche von rund 4 800 Quadratmetern im preisgünstigen Segment.
Das fünfgeschossige Gebäude in KfW-70-Effizienzhausstandard bietet 57 moderne Wohneinheiten mit zwei bis vier Zimmern auf einer Gesamtwohnfläche von rund 4 800 Quadratmetern im preisgünstigen Segment.
Bild: Lisa Farkas
Die Grundrisse des Ostcarré Hanau spiegeln sich mittig in zwei symmetrische Hälften. Jede Wohnung verfügt straßenseitig über eine Loggia und hofseitig über einen durchgehenden Balkon. Die Dachgeschosswohnungen sind mit einer straßen- oder hofseitigen Dachterrasse ausgestattet.
Die Grundrisse spiegeln sich mittig in zwei symmetrische Hälften. Jede Wohnung verfügt straßenseitig über eine Loggia und hofseitig über einen durchgehenden Balkon. Die Dachgeschosswohnungen sind mit einer straßen- oder hofseitigen Dachterrasse ausgestattet.
Bild: Stefan Forster Architekten

Wohngesundheit im Ostcarré Hanau

Der von Stefan Forster Architekten konzipierte Baukörper fügt sich in Proportionen, Materialität der Fassade und Dachform in den architektonisch-historischen Kontext der Französischen Allee ein. Auf dem massiven Klinkersockel mit erhöhtem Erdgeschoss setzen drei Obergeschosse in monolithischer Ziegelbauweise mit großen Verglasungen und unterschiedlichen Putzstrukturen an. Das rötliche Satteldach mit Dachgauben bildet den oberen Abschluss und entspricht morphologisch dem historischen Stadtbild von Hanau.

Geplant wurde von Anfang an in Ziegelbauweise. „Uns war es wichtig, an dieser prominenten Stelle wohngesund und nachhaltig zu bauen“, erläutert Jens Gottwald. Die monolithische Ziegelkonstruktion biete klare Vorteile hinsichtlich Brandschutz und langfristiger Instandhaltungskosten durch Verzicht auf zusätzliche Außendämmung.

Auf dem massiven Klinkersockel mit erhöhtem Erdgeschoss setzen drei Obergeschosse in monolithischer Ziegelbauweise mit großen Verglasungen und unterschiedlichen Putzstrukturen an.
Auf dem massiven Klinkersockel mit erhöhtem Erdgeschoss setzen drei Obergeschosse in monolithischer Ziegelbauweise mit großen Verglasungen und unterschiedlichen Putzstrukturen an.
Bild: Lisa Farkas

Hinzu kommen die raumklimatischen Eigenschaften des Ziegels. Dank seiner Kapillarstruktur ist der Ziegel diffusionsoffen und reguliert Luftfeuchte sehr gut. Die hohe thermische Speichermasse wiederum gleicht Temperaturschwankungen sehr gut aus. „Der Naturbaustoff Ziegel bewährt sich seit tausenden von Jahren durch seine positiven Eigenschaften und sorgt zu jeder Jahreszeit für angenehmes Raumklima“, so Jens Gottwald.

Monolithische Ziegelkonstruktion

Für die Außenwände plante das Architektenteam um Stefan Forster mit zwei verfüllten Poroton-Ziegeln: Für das gesamte erste Obergeschoss sowie den zur Straße liegenden Teil des Gebäudes mit dem Poroton S9-MW in den Stärken 30 und 36,5 Zentimeter, für den hofseitigen Teil ab dem zweiten Obergeschoss mit dem Poroton T8-MW in der Stärke 36,5 Zentimeter. Die unterschiedlichen Stärken des S9-MW sind den Fensterbändern geschuldet, die als architektonisches Stilmittel leicht zurückversetzt in 30 Zentimeter Wandstärke realisiert wurden.

Die Entscheidung, mit zwei Poroton-Ziegelprodukten zu bauen, hing vor allem mit unterschiedlichen Anforderungen an Statik und Wärmeschutz innerhalb der Konstruktion zusammen. Das Ostcarrée hat große Fensteröffnungen, die Außenwand somit eine relativ geringe Fläche. Für die statisch abzutragenden Wohngeschosse konnte in den unteren Geschossen daher kein leichter Ziegel verwendet werden. Um gleichzeitig den KfW-70-Standard zu erreichen, musste in den oberen Geschossen mit abnehmender Traglast die Wärmeleitfähigkeit minimiert werden. Die verwendeten Poroton-Ziegel spielen hier ihre jeweiligen Stärken aus: Der für den Geschossbau konzipierte, dämmstoffverfüllte S9-MW bietet mit seiner charakteristischen Mauerwerksdruckfestigkeit fk 4,6 MN/m² die notwendige statische Sicherheit bei gleichzeitig sehr guter Wärmedämmung. Mit einer Wärmeleitfähigkeit von λR 0,08 W/mK optimiert der T8-MW wiederum den Wärmeschutz.

Der straßenseitige Teil des Ostcarré Hanau ist aus statischen Gründen mit dem dämmstoffverfüllten Poroton-Ziegel S9-MW von Wienerberger in der Stärke 36,5 Zentimeter errichtet, im Bereich der Fensterbänder in der Stärke 30 Zentimeter. Die so entstandenen Rücksprünge rhythmisieren die Fassade horizontal, die Auskragungen an den Loggien vertikal.
Der straßenseitige Teil des Gebäudes ist aus statischen Gründen mit dem dämmstoffverfüllten Poroton-Ziegel S9-MW von Wienerberger in der Stärke 36,5 Zentimeter errichtet, im Bereich der Fensterbänder in der Stärke 30 Zentimeter. Die so entstandenen Rücksprünge rhythmisieren die Fassade horizontal, die Auskragungen an den Loggien vertikal.
Bild: Lisa Farkas

Wärmebrückenoptimierte Lösungen

Der benötigte Schallschutz zwischen den Wohnungen ist durch Trennwände mit 30 Zentimeter starken Poroton-Planfüllziegeln sicher gestellt. Für die Haustrennwände planten die Architekten mit einer Doppelwandkonstruktion aus jeweils 17,5 Zentimeter starken Poroton-Planfüllziegeln mit einer innenliegenden, vier Zentimeter starken Trennwandplatte aus Mineralfasern. Poroton-Systemergänzungen wie Laibungsziegel kombiniert mit Anschlagschalen sowie Ziegelstürze, WU-Schalen, Deckenrandschalen und wärmegedämmte Ziegelrollladenkästen bieten wärmebrückenminimierte Lösungen und sorgen durch die homogene Ziegeloberfläche für einen sicheren Putzauftrag. Architekt Stefan Forster: „Uns war wichtig, unterschiedliches thermisches Verhalten in der Fassade zu vermeiden, weil es ansonsten auf Dauer zu Putzrissen und Verfärbungen kommt.“ Das sei nicht nur ein ästhetisches Problem, sondern verkürze auch Instandhaltungsintervalle und erhöhe Kosten unnötig.

Vorteile von Ziegelkonstruktionen

Bei der Detailplanung der monolithischen Ziegelkonstruktion fiel dem Team um Stefan Forster auf, wie viele statische Situationen bei alternativen Wandkonstruktionen beispielsweise mittels Überzüge durch Brüstungsbänder abgetragen werden. Bei monolithischen Ziegelkonstruktionen dagegen kann weitgehend ohne Zug- und Biegekräfte in den Fassaden geplant werden. „Da mussten wir erstmal umdenken“, so Stefan Forster. Mit Unterstützung durch das Wienerberger Projektmanagement WPM konnten alle Details mit den geeigneten Poroton-Produkten geplant und die konstruktiven Möglichkeiten zur Erreichung der architektonischen Ziele ausgereizt werden, so der Frankfurter Architekt. „Der Neubau Französische Allee definiert mit seiner Qualität und Materialität einen neuen Maßstab für zukünftige Bauten in der Innenstadt“, bilanziert Stefan Forster. Jens Gottwald von der Baugesellschaft Hanau ergänzt: „Die sehr hohe Akzeptanz in der Bevölkerung zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind und mit dem Bau einen Beitrag zur Aufwertung der Hanauer Innenstadt geleistet haben.“

Ein Großteil der Wohnungen der Französischen Allee war bereits kurz nach Fertigstellung Ende 2016 vermietet. Seine Freude über die Wahl des Baustoffs Ziegel begründet Stefan Forster so: „Das Material Ziegel altert wunderbar und ist deshalb langlebig.“ Es entwickele mit der Zeit eine Patina und gewinne dadurch an Qualität. „Das kommt unseren Vorstellungen entgegen, etwas zu schaffen, das uns überdauert“, so Forster weiter. Letztlich reflektiere es das Bedürfnis der Menschen, in Würde zu altern.

Baudaten Ostcarré Hanau

Objekt:
Neubau Mehrfamilienhaus Ostcarré, KfW-Effizienzhaus 70

Standort:
Französische Allee 2-6, 63450 Hanau

Bauherr:
Baugesellschaft Hanau GmbH, Hanau

Bauleitung:
BGG Grünzig Ingenieursgesellschaft mbH, Bad Homburg

Architekten:
Stefan Forster Architekten GmbH, Frankfurt am Main

Tragwerksplaner:
Stroh + Ernst AG, Frankfurt am Main

Planer Haustechnik:
Innius RR GmbH, Rosbach v.d.H.

Außenwände/Fassade:
EG: 2-schalige Außenwand, StB + Klinker (0,29 W/m²K)
Straße, OG 1-4:
Brüstungen: 36,5 cm Poroton S9 (0,23 W/m²K)
Fensterbänder: 30 cm Poroton S9 (0,28 W/m²K)
Hof, EG + 1. OG: Wienerberger Poroton-Ziegel Poroton S9 36,5 cm (0,23 W/m²K)
Hof, 2.+4. OG: Wienerberger Poroton T8 36,5 cm (0,21 W/m²K)
Wohnungstrennwände: Wienerberger 30 cm Planfüllziegel (PFZ-T)
Haustrennwände 17,5 cm PFZ-T, 4 cm Trennwandplatte,
17,5 cm PFZ-T
Ringanker WU-Schalen, Deckenrandschalen

Bauzeit:
2014–2016

Text: Nadine Schwarz und Rebecca Rieder der Ansel & Möllers GmbH | PR-Agentur

Urbane Nachverdichtung: das Kontorhaus Leipzig

Urbane Nachverdichtung: das Kontorhaus Leipzig.
Bild: Knoche Architekten BDA Roland Halbe

Urbane Nachverdichtung birgt das Potenzial, in wachsenden Städten neuen Wohn- und Büroraum zu schaffen, ohne dass Fläche neu versiegelt wird. Des Weiteren sorgen bei dem Projekt spezielle Tonziegel dafür, dass die Verwendung eines Wärmedämmverbundsystems überflüssig wurde.

In diesem Artikel:

Ein Gastbeitrag von Wienerberger.

Ausgezeichnetes Projekt urbaner Nachverdichtung

Gleich mehrfach wurde die Sanierung und Aufstockung eines denkmalgeschützten Kontorhauses in Leipzig ausgezeichnet – als positives Beispiel für innerstädtische Nachverdichtung und für die geforderte Nutzungsmischung von Wohnen und Arbeiten. Ebenso einfühlsam wie souverän ergänzten die Architekten den massiven Bestand um massives Volumen. Der Ziegel bildet dabei die perfekte Brücke zwischen charakterstarkem Industriedenkmal und formal eigenständigem Aufbau. Das Ergebnis: eine städtebaulich markante Kubatur, die die Aufstockung sichtbar lässt und gleichzeitig wesentliche Elemente aus dem Bestand weiterführt.

Die Nachverdichtung des Kontorhauses Leipzig sorgt für ein zusätzliches Geschoss, in dem sich nun zwei Wohnungen befinden
Das neue Dachgeschoss des Kontorhauses in Leipzig greift in seiner Materialität wesentliche Merkmale des bestehenden, massiven Ziegelbaus auf. Es fügt sich durch seine zurückhaltende Form- und Farbsprache in die Bestandskulisse ein und grenzt sich zugleich optisch ab.
Bild: Knoche Architekten BDA / Roland Halbe

Für die Aufstockung einer ehemaligen Celluloidfabrik in Leipzig entschieden sich die Architekten von Knoche Architekten BDA für die Schaffung einer stilistisch und strukturell kompakten Struktur auf dem soliden Basisgebäude – ein eingetragenes Industriedenkmal aus dem Jahre 1896. Als Beispiel für Weiterbauen im Bestand leistet das Projekt einen gelungenen Beitrag zur Baukultur urbanen Wohnens. Der dabei geschaffene Wohnraum ist mit 315 Quadratmetern zwar flächenmäßig überschaubar, doch hat das sensibel umgesetzte Projekt deshalb nicht weniger Vorbildcharakter; Nachverdichtung und Vermeidung des Donut-Effekts in einer wachsenden Stadt. Zusammen mit dem sanierten Bestandsbau sind heute auf insgesamt 1.250 Quadratmetern Wohnen und Co-Working-Space harmonisch vereint.

Nachverdichtung durch ein zusätzliches Geschoss; 
Nach der Erweiterung umfasst das Kontorhaus in Leipzig insgesamt 1.250 Quadratmeter
Nach der Erweiterung umfasst das Kontorhaus in Leipzig insgesamt 1.250 Quadratmeter. Der durchdachte Plan der Architekten konnte 315 Quadratmeter mehr Raum schaffen. Davon fallen 190 Quadratmeter auf die größere Wohnung und 80 Quadratmeter auf die kleinere. Der restliche Raum verteilt sich auf das neue Treppenhaus mit Aufzug sowie auf Konstruktionsfläche.
Bild: Knoche Architekten BDA

Nachverdichtung mit Respekt vor dem Bestand

Bei der Aufstockung gingen die Planer von Knoche Architekten buchstäblich massiv vor: „Maßgabe war die Verdichtung der umgebenden Stadtstruktur, die aus mehrgeschossigen, gründerzeitlichen Wohn- und Gewerbebauten besteht. In dieser Struktur hatte das bestehende Kontorhaus aufgrund seiner geringen Höhe nur eine untergeordnete Präsenz, obwohl es gut sichtbar an einer markanten Kreuzung steht“, führt Prof. Knoche aus. „Wir wollten das Volumen daher stärken und die Aufstockung massiv ausführen. Gleichzeitig sollte dabei die Gebäudekontur versatzfrei übernommen werden. Also Weiterbauen mit Respekt vor der Substanz, das Gegenteil der häufig zurückgesetzten, gläsernen Parasiten.“

Das neue Dachgeschoss greift hierfür wesentliche Merkmale des bestehenden Ziegelbaus auf, allen voran das Material selbst; Der Aufbau aus tragenden, hochwärmedämmenden Poroton-Ziegeln S9-MiWo in 36,5 cm Wandstärke und Ziegelmontagedecken von Wienerberger kann auf ein Wärmedämmverbundsystem verzichten. Dauerhaftigkeit und Nachhaltigkeit des Altbaus werden so bautechnologisch weitergeführt. Stahlträger leiten die Lasten in die tragenden Außen- und Innenwände ein. „Tonbaustoffe wie die eingebaute Ziegeldecke und die Außenwände mit Wärmedämm-Mauerwerk waren hier die beste Wahl, weil sie leicht sind und sich auch im Bestand einfach verarbeiten lassen“, sagt Prof. Knoche. „Außerdem können Tonbaustoffe Wärme und Feuchtigkeit speichern und wieder abgeben. Damit besitzen sie eine für Wohn- und Aufenthaltsbereiche optimale bauphysikalische Qualität.“

[Einschub der Redaktion: warum viele Wärmedämmverbundsysteme nicht recycelbar sind und welche ökologischen Alternativen es gibt, können Sie hier lesen.]

Durch spezielle Proton-Ziegel konnte auf ein Wärmedämmverbundsystem verzichtet werden
Die Planer von Knoche Architekten entschieden sich bei der Aufstockung für ein massives Volumen auf einem massiven Be-stand. Das gesamte Mauerwerk besteht aus hochwärmedämmenden Poroton-Ziegeln und Ziegel-montagedecken von Wienerberger.
Bild: Knoche Architekten BDA

Anbindung und Eigenständigkeit zugleich

Vor allem durch Farbgebung und moderne Geradlinigkeit hebt sich der Aufbau deutlich vom Bestand ab. Die bewusst unregelmäßige Abfolge und Dimensionierung der Fenster, die zugleich die vertikalen Kanten der Bestandsfenster aufnehmen, betonen sowohl Anbindung wie Eigenständigkeit des neuen Geschosses. Auf Vorsprünge oder Balkone wurde analog zum Bestand verzichtet. Die kleine Wohnung erhielt stattdessen eine eingeschnittene Loggia, die große Wohnung einen innenliegenden Patio. Nur der hofseitige Vorbau des Bestandes wird oben als Austritt vor die Fassade genutzt. Hier verläuft die Kontur der Aufstockung geradlinig durch.

Nachverdichtung schafft Wohnraum: Bei den neuen Wohnungen wurde analog zum Bestand, bis auf die Fortführung des hofseitigen Vor-baus, auf Vorsprünge und Balko-ne verzichtet. Stattdessen erhielt die kleinere Wohnung eine eingeschnittene Loggia und die größere einen innenliegenden Patio.
Bei den neuen Wohnungen wurde analog zum Bestand, bis auf die Fortführung des hofseitigen Vorbaus, auf Vorsprünge und Balkone verzichtet. Stattdessen erhielt die kleinere Wohnung eine eingeschnittene Loggia und die größere einen innenliegenden Patio.
Bilder: Knoche Architekten BDA / Roland Halbe

„Wichtig war uns, die architektonische Balance zu finden zwischen formaler Zurückhaltung und einer dennoch eigenständigen Gestaltung“, erklärt Prof. Christian Knoche, Knoche Architekten BDA. „Wir haben daher beispielsweise die Fassadengliederung sehr genau studiert und die neuen Fenster nach der bestehenden Maßordnung gesetzt. Auf den regelmäßig strukturierten Straßenseiten wurden trotzdem einzelne Fenster weggelassen und andere zu Panoramafenstern zusammengefasst. So wird auch die neue Nutzung Wohnen ablesbar, ohne das Gebäude zu dominieren.“

Struktur durch Putz und Fugen

Im Bereich des Dachrandes wird die horizontale Gliederung des Bestandes aufgegriffen, während die Außenwände mit ihrer handwerklich ausgeführten, horizontal reliefierten Putzstruktur die Rauheit des Ziegelmauerwerks neu formulieren. Ausgeführt wurde die Putzfläche als Kammputz mit 15 mm tiefen Fugen, wie Prof. Knoche erklärt: „Dabei verlaufen die Fugen wie die Lagerfugen des Mauerwerks absolut und exakt horizontal. Ihre Ausführung zeigt den Herstellungsprozess: Der Putz wurde wie aufgetragen belassen, geringfügige Fehlstellen also im Nachgang nicht korrigiert. Das führt zu einer sehr handwerklichen Anmutung, die mit dem Bestandsmauerwerk sehr schön harmoniert.“ Die zurückhaltende Formensprache und der graue Putzton mit Horizontal-Reliefierung fügen sich dadurch in die Bestandskulisse ein und belegen gleichzeitig die Authentizität des Neuen.

Die handwerklich ausgeführte Kammputz-Struktur mit ausgeprägter Reliefierung formuliert die Rauheit des Ziegelmauerwerks neu. Dabei verlaufen die Putzfugen wie die Lagerfugen des Mauerwerks absolut und exakt horizontal.
Die handwerklich ausgeführte Kammputz-Struktur mit ausgeprägter Reliefierung formuliert die Rauheit des Ziegelmauerwerks neu. Dabei verlaufen die Putzfugen wie die Lagerfugen des Mauerwerks absolut und exakt horizontal.
Bild: Knoche Architekten BDA

Baudaten und Auszeichnungen

Die Aufstockung des Kontorhauses wurde bereits mehrfach ausgezeichnet, beispielsweise mit dem Architekturpreis der Stadt Leipzig (2017). Darüber hinaus erhielt Knoche Architekten 2019 vom Bund Deutscher Architekten (BDA) in Sachsen die Anerkennung für „die erfolgreiche Renovierung und Nachverdichtung eines Industriedenkmals und außergewöhnliche architektonische Virtuosität“.

Objekt
Aufstockung Kontorhaus Leipzig

Standort
Ecke Holbeinstraße/Stieglitzstraße, Leipzig

Architekten
Knoche Architekten BDA, Leipzig

Außenwände/Fassade
Poroton S9-36,5-MiWo, Putzfassade mit Kammputzstruktur

Ziegeldecke
Poroton Ziegeldecke V-TEC und Ziegeldecke FILIGRAN

Wohnungs-/Haustrennwände
Poroton-Plan-T9 36,5; HLZ Plan-T 17,5-1,4; Poroton-Plan-T 24,0-0,9; Poroton-Plan-T14 30,0; Poroton-Plan-T18 17,5

Anschlussdetails Systemzubehör
Poroton Anschlagschalen (P-AS), Deckenrandschalen (DRS), U-Schalen, Zwischenwandplatten (ZWP) und weitere Systemergänzungen

Fertigstellung
2017

Im neuen Obergeschoss des Kontorhauses in Leipzig fanden zwei geräumige, lichtdurchflutete Wohnungen Platz.
Im neuen Obergeschoss des Kontorhauses in Leipzig fanden zwei geräumige, lichtdurchflutete Wohnungen Platz.
Bilder: Knoche Architekten BDA / Roland Halbe

Über Wienerberger

Die deutsche Wienerberger GmbH mit Sitz in Hannover zählt zu den führenden Ziegelherstellern in Deutschland. Sie ist hundertprozentige Tochter der österreichischen Wienerberger AG und seit 1986 auf dem deutschen Markt präsent. Zum Unternehmen zählen aktuell deutschlandweit 16 Ziegelwerke, darunter neun für Poroton-Hintermauerziegel, drei für Terca-Vormauerziegel und Penter-Pflasterklinker sowie drei für Koramic-Dachziegel. Die Argeton-Fassadenplatten werden individuell für jedes Bauvorhaben im Werk Görlitz hergestellt. Wienerberger entwickelt und produziert Tonbaustoffe für die Gebäudehülle vom Keller über die Wand bis zum Dach sowie für die Gestaltung von Freiflächen.

Kunden profitieren zudem von einer großen Bandbreite an Services, die sich von der Baustelleneinweisung über eine technische Hotline bis hin zu verschiedenen digitalen Tools erstreckt. Die Wienerberger GmbH beschäftigt am Hauptsitz Hannover und in den verschiedenen Werken insgesamt rund 1500 Mitarbeiter. Als Tochter der traditionsreichen Wienerberger AG profitiert das Unternehmen von mehr als 200 Jahren Erfahrung in der Kunst des Ziegelbrennens. Europaweit arbeitet ein leistungsstarkes Forschungsteam kontinuierlich daran, die Produkte zu verbessern und neue zu entwickeln. Dadurch gewährleistet Wienerberger eine hohe und ausgereifte Produktqualität in Verbindung mit modernsten und ressourcenschonenden Produktionstechnologien.

Wienerberger ist zudem online präsent; Auf Instagram finden Planer Anregungen zum Bauen mit Ton, und auf Facebook veröffentlicht der Tonbaustoffproduzent regelmäßig Einblicke in das Unternehmen sowie News aus der Baubranche.

Text: Franziska Klug und Rebecca Rieder-Tschernov der Ansel & Möllers GmbH | PR-Agentur

Das Centro Tesoro – ein nachhaltiges Bürogebäude

Das Centro Tesoro ist mit Photovoltaik und Recycling-Baumaterial ein exzellentes Beispiel für nachhaltige Büroimmobilien. Das Projekt zeigt, dass es sich lohnt, bestehende Gebäude nicht abzureißen, sondern sie ökologisch zu sanieren.

In diesem Artikel:

Ein Gastbeitrag der Schwaiger Group.

Revitalisierung statt Abriss und Neubau

Trotz gestiegenem Bewusstsein für Energieeffizienz und Nachhaltigkeit setzen Investoren bei ihren Objekten meist noch auf Abriss und Neubau. Dass es auch anders geht, zeigen die Projekte der in München ansässigen Schwaiger Group. Diese hat sich auf die nachhaltige Revitalisierung von Objekten spezialisiert. Der Büro­ und Gewerbekomplex Centro Tesoro – vormals eine Sektkellerei – zeigt auf, welche Potenziale im Gebäudebestand schlummern. Außerdem zeigt er, dass sich bei sorgsamem Umgang mit der grauen Energie dennoch eine Rendite erzielen lässt.

Wo einst die Sektkellerei Nymphenburg ihren Sitz hatte, bietet heute das Centro Tesoro auf knapp 24 000 Quadratmetern Fläche in dem revitalisierten Gebäudekomplex anmietbare Büro- und Gewerberäume. Nicht zuletzt aufgrund des konsequenten Einsatzes von Recycling-Baumaterial wurde es als „Nachhaltigste Immobilienprojekt 2019“ ausgezeichnet. Sowohl das effiziente Energiekonzept mit Mieterstrommodell als auch das Mobilitätskonzept mit Bike-Sharing und E-Ladestationen sowie das nachhaltige Abfallwirtschaftssystem überzeugten die Jury.
Wo einst die Sektkellerei Nymphenburg ihren Sitz hatte, bietet heute das Centro Tesoro auf knapp 24 000 Quadratmetern Fläche in dem revitalisierten Gebäudekomplex anmietbare Büro- und Gewerberäume. Nicht zuletzt aufgrund des konsequenten Einsatzes von Recycling-Baumaterial wurde es als „Nachhaltigste Immobilienprojekt 2019“ ausgezeichnet. Sowohl das effiziente Energiekonzept mit Mieterstrommodell als auch das Mobilitätskonzept mit Bike-Sharing und E-Ladestationen sowie das nachhaltige Abfallwirtschaftssystem überzeugten die Jury.

Energieeffizientes Bauen und Sanieren beim Eigenheim ist mittlerweile gang und gäbe, bei Gewerbeimmobilien besteht aber weiterhin Nachholbedarf. Zwar mögen 2,7 Mio. „Nichtwohngebäude“ im Vergleich zu 19 Mio. Wohngebäuden auf den ersten Blick wenig relevant erscheinen, aufgrund ihrer jeweils großen Flächen fällt ihr Anteil am Endenergieverbrauch laut dena mit 36 % dafür umso höher aus. Während in den Assets wie Retail und Hotel, aber auch bei den Kommunen die Notwendigkeit erkannt wird, in Energieeffizienz zu investieren, ist bei Büroimmobilien noch sehr viel Luft nach oben.

Green Building statt Green Washing

Die Revitalisierung unserer Bausubstanz ist allein schon deshalb sinnvoll, weil nicht nur das Resultat nachhaltig ist, sondern auch der Weg dorthin. Denn ähnlich wie beim E-Auto muss am Ende die Ökobilanz stimmen. Bei der Revitalisierung von Immobilien beträgt der Bedarf von mineralischen Baustoffen im Durchschnitt nur 40 % dessen, was bei einer Entscheidung für einen Abriss einschließlich Neubau derselben Immobilie fällig geworden wäre.

Nicht erst seit den Fridays-for-Future-Protesten ist auch bei den Investoren und Immobilienunternehmen das Ressourcenpotenzial des Gebäudebestandes mehr und mehr in den Fokus gerückt – indes gehört die Schwaiger Group zu den wenigen Unternehmen, die sich auf die Revitalisierung von Gebäuden spezialisiert hat.
Nicht erst seit den Fridays-for-Future-Protesten ist auch bei den Investoren und Immobilienunternehmen das Ressourcenpotenzial des Gebäudebestandes mehr und mehr in den Fokus gerückt – indes gehört die Schwaiger Group zu den wenigen Unternehmen, die sich auf die Revitalisierung von Gebäuden spezialisiert hat
Die Schwaiger Group hat in Kooperation mit MVG eine Bike-Sharing-Station ins Centro Tesoro geholt

Green Building statt Green Washing muss deshalb die Devise lauten. Damit Nachhaltigkeitszertifikate wie LEED, breeam, DGNB oder ÖGNI den geprüften Gebäuden nicht nur einen grünen Anstrich verleihen, kommt es bei der Zertifizierung auch auf die Details an. Denn damit wird beurteilt, ob das entsprechende Objekt einen Beitrag zum Erreichen der Klimaziele leistet und auch hinsichtlich der Energieeffizienz überzeugt. Dennoch haben Zertifikate ihre Berechtigung, denn sie ermöglichen eine erste Einschätzung, inwieweit ein Green Building am Markt seinem Namen gerecht wird.

Anders als beim Neubau stellen die Anforderungen bei Bestandsimmobilien Projektentwickler vor größere Herausforderungen. Insofern verwundert es nicht wirklich, dass das Centro Tesoro der Schwaiger Group die bundesweit erste Bestandsimmobilie ist, die im Zuge der Revitalisierung mit LEED Platin zertifiziert wurde. Das war nicht zuletzt aus wirtschaftlicher Sicht kein einfaches Unterfangen.

In dem Centro Tesoro hat der Projektentwickler das erste Unterflursystem Münchens als Abfallkonzept installiert. Fünf Unterflurcontainer für Restmüll, Bioabfälle und Papier sind im Untergrund verborgen, was oberirdisch wertvolle Flächen einspart und Geruchsbelästigungen vermeidet.
In dem Centro Tesoro hat der Projektentwickler das erste Unterflursystem Münchens als Abfallkonzept installiert. Fünf Unterflurcontainer für Restmüll, Bioabfälle und Papier sind im Untergrund verborgen, was oberirdisch wertvolle Flächen einspart und Geruchsbelästigungen vermeidet.

Centro Tesoro: „Nachhaltigste Immobilie 2019“

Seinen Anfang nahm das Projekt 2016, als die Schwaiger Group den Gebäudekomplex der ehemaligen Nymphenburger Sektkellerei im Münchner Osten erworben hat. Die beiden auf dem Gelände verteilten Gebäude aus den 1980er und 1990er Jahren waren sichtlich in die Jahre gekommen. Trotzdem sah das Konzept vor, die Substanz zu erhalten und sie in einen modernen und ineinander übergehenden Bürokomplex zu überführen, der auf knapp 24 000 m2 Fläche ökonomisch und ökologisch neue Standards setzt.

Die Entscheidung für eine Revitalisierung der Immobilie hat sich gerechnet; Gegenüber einem Neubau lagen die Kosten bei der Sanierung um fast zwei Drittel tiefer – bei weniger als 400 Euro / m2. Ein wesentlicher Grund für die Einsparungen liegt auch in dem Umstand begründet, dass die Schwaiger Group keinen GU beauftragt, sondern jede Leistung selbst vergibt und anschließend abnimmt. Statt mit Dienstleistern zu arbeiten, versucht das Unternehmen stets den Einkauf, aber auch die Verarbeitung bzw. den Einbau direkt über den Hersteller zu bekommen.

Bauteil / MaßnahmeKennwertErläuterung
Gesamtmaßnahmen
PV-Anlage414 kWp
Austausch der HeizkesselVitocrossal 200
Einbau von Hocheffizienzpumpen
Aufstockung
DächerUD = 0,15 W/(m2K)200 mm Steinwolle­Dachdämmplatten, WLG 0,038 W/(mK),
zusätzlich Gefälledämmschicht (dmax 80 mm)
WändeUAW = 0,23 W/(m2K)160 mm, WLG 035, mechanisch befestigt
Fußböden EG gegen KellerUFB = 0,35 W/(m2K)80 mm, WLG 035
FensterUW = 1,0 W/(m2K)
außenliegender SonnenschutzAbminderungsfaktor FC = 0,25üblicher Wert für Lamellenraffstore
Sonnenschutz Fensterg­Wert = 0,5übliche Verglasung, der g­Wert ist genau einzuhalten (Toleranz ± 0,03)
Nachtlüftung über FensterFenster manuell öffenbar, Information der Nutzer
Bestand
Austausch aller OberlichterU = 1,8 W/(m2K)
nachträgliche Dämmung der DächerDU = 0,15 W/(m2K)200 mm Steinwolle­Dachdämmplatten, WLG 0,038 W/(mK), zusätzlich Gefälledämmschicht (dmax 80 mm
Zusammenstellung der energetischen Maßnahmen – die ehemaligen Gebäude wurden revitalisiert („Bestand“), die große Gewerbehalle wurde aufgestockt („Neubau“)

Das Centro Tesoro hat die größte innerstädtische Aufdach-PV-Anlage

Der Clou und eine wichtige Säule der energetischen Sanierung war die größte innerstädtische Aufdach-Photovoltaikanlage Münchens. Diese hat die Schwaiger Group in Kooperation mit den Stadtwerken München (SWM) auf einer Fläche von 10 000 Quadratmetern auf dem Dach des Centro Tesoro installiert hat. Insgesamt 1.354 PV-Module mit je 320 Watt produzieren mit einer Gesamtleistung von 428 kWp den grünen und kostengünstigen Direktstrom für die Mieter. Was sich als absolutes Plus für die Vermarktung der Büroflächen herausstellte, denn das Mieterstromkonzept sprach ausgewählte Unternehmen an, die grün erzeugten Strom in ihrem Pflichtenheft haben. Der weltweit größte E-Scooter-Anbieter LIME etwa hat vor allem deshalb einen großen Teil der Hallenfläche langfristig gemietet, weil er für eine Anmietung Ökostrom vorausgesetzt hatte.

Auf dem Dach des Centro Tesoro ist die größte innerstädtische PV-Anlage Münchens installiert. Mit einer Leistungskapazität von 428 kWp produzieren 1.354 PV-Module grünen und dezentralen Mieterstrom.
Auf dem Dach des Centro Tesoro ist die größte innerstädtische PV-Anlage Münchens installiert. Mit einer Leistungskapazität von 428 kWp produzieren 1.354 PV-Module grünen und dezentralen Mieterstrom.

Günstiger Strombezug dank Mieterstrommodell

Mieterstrommodelle bieten Immobilienunternehmen grundsätzlich die Möglichkeit, in die Erzeugung und den Vertrieb von dezentralem Ökostrom einzusteigen. Welche Rolle die Eigentümer solcher Objekte einnehmen, hängt davon ab, welchen Grad an Autonomie sich Immobilienwirte wünschen. Entweder man möchte die Dachfläche verpachten oder man übernimmt die Betreiberrolle.

Die Übergabe der Betreibereigenschaft und aller sonstigen energiewirtschaftlichen Verpflichtungen an Dritte kommt für alle Immobilienwirte in Frage, die sich insgesamt nicht mit den Anforderungen des Energiemarktes beschäftigen oder größere Investition vermeiden wollen. Weil die Schwaiger Group bereits als Projektentwickler, Bauunternehmer und Verwalter eigene Objekte betreut, hat sie sich dafür entschieden, die Dachfläche des Centro Tesoro an die Stadtwerke München (SWM) zu verpachten. Die SWM übernehmen damit die Rolle des Erzeugers sowie des Lieferanten und bieten den Strom allen Unternehmen im Centro Tesoro zu günstigeren Konditionen an. Erzeuger und Verbraucher gehen dabei eine direkte Vertragsbeziehung ein, was beim sonst üblichen Stromhandel über die Börse nicht oder nur indirekt der Fall ist.

Die im Zuge der Aufstockung erforderliche Tiefgarage stellte mit Blick auf die infrastrukturellen Leitungen wie Heizung, Gas, Wasser und Telekommunikation eine besondere Herausforderung

Die Mehrheit der Verbraucher kann bei einem Mieterstrommodell zudem persönlich an der Energiewende teilnehmen und so ebenfalls kostengünstigen Solarstrom erhalten. Beim Centro Tesoro ist dieser rund 10 % günstiger als zugekaufter Strom aus dem Netz. Überschüssige Energie aus der Anlage fließt ins Stromnetz ein. Wird mehr Strom benötigt als die Anlage erzeugt, wird der Bedarf aus dem Netz gespeist. Trotzdem profitieren die Mieter im Centro Tesoro von konkurrenzlos günstigen Nebenkosten in Höhe von 1,38 Euro / m2.

Die drei Säulen der Energiewende: Gebäudehülle, Anlagentechnik und Erzeugung

Weil die Energiewende bei Immobilien nur gelingen kann, wenn die drei Säulen Energieerzeugung, Gebäudehülle und Gebäudetechnik berücksichtigt werden, wurden beim Centro Tesoro im Zuge der Revitalisierung auch Hülle gedämmt und die TGA erneuert. Der Dämmstandard des Gebäudes liegt nun 40 % über den gesetzlichen Vorgaben. Zudem verbessert eine neue, hoch effiziente Heizanlage mit Gas-Brennwert-Technik die Anlageneffizienz. Last but not least regelt eine smarte Gebäudeleittechnik die TGA-Einrichtungen wie Heizung, Hebeanlage und Aufzüge.

Der intelligenten Steuerung kommt hinsichtlich des Einsparpotenzials bei den Stromkosten (bis zu 50 % sind möglich!) eine besondere Bedeutung zu, wenn sich damit Anlagen vorübergehend abschalten lassen, die gerade nicht benötigt werden. Für eine effiziente Stromnutzung müssen allerdings auch Gebäudenutzer, Erzeugungsanlagen und Speicher eines Betriebsgebäudes in das Energiemanagement einbezogen werden. Das bedeutet, dass nicht nur Maschinen und Anlagen, sondern auch Klimatechnik, Beleuchtung sowie Heizung berücksichtigt und mit der PV-Anlage gekoppelt werden müssen.

Klimaschutz erfordert Sekundärbaustoffe

Um den Verbrauch von Primärrohstoffen so gering wie möglich zu halten, setzte die Schwaiger Group beim Centro Tesoro verstärkt auf recyceltes Material. Etwa beim Bodenbelag für den Innenausbau oder bei der Mineralwolle für die Dämmung. Die Aufstockung um zwei Etagen und die Verstärkung der vorhandenen Bausubstanz erfolgte mit Recycling-Beton.

Die Aufbereitung durch Brechen, Sieben und Fraktionieren kostet Zeit und Geld, spart aber wertvolle Primärrohstoffe.
Die Aufbereitung durch Brechen, Sieben und Fraktionieren kostet Zeit und Geld, spart aber wertvolle Primärrohstoffe.

Zwar sind die Hürden noch erheblich, um Projekte konsequent mit Sekundärbaustoffen umzusetzen. Das Ziel muss aber sein, sich konsequent daran auszurichten, Rohstoffe nicht zu verschwenden, sondern sich auf Lösungen zu konzentrieren, die die Wiederverwendung von Altbaustoffen als hochwertige Werkstoffe ermöglichen.

Ein geschlossener Materialkreislauf funktioniert nicht, wenn mineralische Baumaterialien im Sinne eines Downcycling ihre Zweitverwertung im Tiefbau finden und somit fix aus dem Kreislauf herausfallen. Hier ist es dringend nötig, veraltete Regularien und Normen zu aktualisieren. Die Herstellung von rezyklierten Beton (R-Beton) beruht immer noch auf dem Stand der Technik der 90er Jahre. Zur Herstellung von R-Beton darf aktuell keine feine rezyklierte Gesteinskörnung verwendet werden, und eine grobe rezyklierte Gesteinskörnung ist nur beschränkt erlaubt. Diese Vorschriften vernachlässigen die technische Entwicklung der vergangenen 30 Jahre. Zudem berücksichtigen sie nicht neue Betonzusatzmittel oder Fortschritte bei der Aufbereitungstechnik. Hier muss dringend nachgebessert werden.

[Einschub der Redaktion: einen Artikel mit einer aktuellen Studie zum Thema Betonrecycling finden Sie hier]

Damit sich ein Bewusstsein für eine geschlossene Kreislaufwirtschaft durchsetzen kann, steht vor allem auch die öffentliche Hand in der Pflicht, in ihren Ausschreibungen zwingend auf Recyclingstoffe zu verweisen. Ein Punkt, der für das Erreichen der Klimaschutzziele ausschlaggebend ist, aber kaum Eingang in die Baupraxis findet. Dabei wird dies vom Kreislaufwirtschaftsgesetz verlangt. Dazu gehört auch, sich kritisch dem Problem der Nachverfolgung des Recycling-Prozesses zu widmen. Denn niemand darf befürchten müssen, minderwertige Ware „untergejubelt“ zu bekommen.

Auseinandersetzung mit der TGA: Der Aufwand lohnt sich

Auch beim 30 000 m2 umfassenden Bürokomplex Hatrium in Unterhaching hat sich die Schwaiger Group dazu entschieden, auf erneuerbare Energieträger umzustellen. Neben einer großflächigen Aufdach-PV-Anlage wurde die gesamte TGA im Gebäude für die Geothermienutzung über Fernwärme umgestellt. Eine Aufgabe, die bei Bestandsimmobilien normalerweise keiner freiwillig in Angriff nimmt.

Ist die TGA älter als 16 Jahre, ist sie nicht mehr wirtschaftlich. Weder mit Blick auf die Energieeffizienz noch in Bezug auf die Zuverlässigkeit. Daher ist es unabdinglich, dass man sich bei einer Revitalisierung mit dem Altbestand differenziert auseinandersetzt. Die Analyse des Bestandes stellt die wirklich aufwändige und anspruchsvolle Herausforderung dar.

Auch bei dem 30 000 m2 umfassenden Bürokomplex Hatrium in Unterhaching setzt die Schwaiger Group auf ein nachhaltiges Energiekonzept. Dafür wechselte sie auf die mittels Geothermie erzeugte Fernwärme.
Auch bei dem 30 000 m2 umfassenden Bürokomplex Hatrium in Unterhaching setzt die Schwaiger Group auf ein nachhaltiges Energiekonzept. Dafür wechselte sie auf die mittels Geothermie erzeugte Fernwärme.

Auch bei dem 30 000 m2 umfassenden Bürokomplex Hatrium in Unterhaching setzt die Schwaiger Group auf ein nachhaltiges Energiekonzept. Dafür wechselte sie auf die mittels Geothermie erzeugte Fernwärme.

Umsetzung

Die Maßgabe bei der Beurteilung der einzelnen Komponenten des Hatrium war ein größerer Wirkungsgrad sowie eine bessere Ökologie und Energiebilanz. Der Wärmeaustausch findet deshalb nicht etwa über einen Kessel, sondern über Wärmetauscher statt. Und nicht über wartungsintensive Plattenwärmetauscher, sondern mittels Rohrbündelwärmetauscher. Bei der Regeltechnik verlässt sich der Projektentwickler auf die Samson AG. Die Regelung funktioniert cloudbasiert, so dass sich von jedem Handy alle Parameter über eine manuelle Regelung abrufen lassen. Einen wichtigen Beitrag für die energieeffiziente Umstellung der TGA haben Hocheffizienzpumpen geleistet, die vollautomatisch den hydrostatischen Druck im Rohrleitungssystem messen. Je nach Anforderung regeln sich die Pumpen aufgrund des hydrostatischen Drucks von selbst und laufen nicht durchgehend auf voller Leistung. Außerdem wurden die Ventile ersetzt, um eine noch bessere Kommunikation mit den Pumpen zu gewährleisten. Die Ansteuerung funktioniert dabei nicht wie gewöhnlich über manuelle Thermostatköpfe, sondern über Thermoantriebe.

Ein Blick auf die Zahlen rechtfertigt letztendlich den doch erheblichen Mehraufwand; Der Primärenergiefaktor der geothermischen Fernwärme in Unterhaching ist mit aktuell 0,24 vergleichsweise niedrig. Damit ist er deutlich günstiger als der Faktor für Erdgas (1,0). Heizöl liegt sogar noch höher. Durch die Umstellung auf Geothermie via Fernwärme spart die Schwaiger Group beim Hatrium 43 % der Energie. Auch die kleinteilige Auseinandersetzung mit der TGA macht sich finanziell bemerkbar; Allein die neuen Hocheffizienzpumpen bringen eine zusätzliche Ersparnis von rund 20 000 Euro Stromkosten im Jahr.

Die Schwaiger Group hat beim 24.000 Quadratmeter umfassenden Komplex Centro Tesoro  ein grünes Exempel statuiert
Die Schwaiger Group hat beim 24.000 Quadratmeter umfassenden Komplex Centro Tesoro ein grünes Exempel statuiert

„Official Selection 2020“ – das Centro Tesoro beim FIABCI Prix d´Excellence

Das Centro Tesoro wurde nun durch den FIABCI Prix d´Excellence Germany mit einem Platz auf der Official Selection ausgezeichnet. Der Preis würdigt jedes Jahr die 20 besten Projektentwicklungen in den Bereichen Wohnen und Gewerbe. Als zertifiziertes Green Building punktet das revitalisierte Bürogebäude in den Bereichen Nachhaltigkeit und Innovation, zudem wurden die Architektur und das Mixed-Use-Konzept von der Jury gewürdigt.

„Von der Entscheidung, trotz widriger Umstände bezüglich der Statik und im Brandschutz den Bestand zu bewahren, bis hin zur Auswahl der Baumaterialien und zur größten Aufdach-Solaranlage konnten die Projektentwickler ein vorbildliches, ganzheitliches und zukunftsorientiertes Konzept für Nachhaltigkeit im Gewerbebau umsetzen. Das hochwertige Green Building führt darüber hinaus zu einer Aufwertung des gesamten Viertels. Bravo“

Die 13-köpfige Fachjury verweist zudem auf die architektonische Formensprache bei der Projektentwicklung: „Geometrische Formen und funktionale Klarheit verleihen dem Centro Tesoro eine moderne Architektursprache mit Wiedererkennungswert. Vor allem aber garantieren sie im Innern ein Höchstmaß an Funktionalität und Flexibilität.“

Text und Bilder: Schwaiger Group

Vertikale Begrünung im urbanen Raum

Vertikale Begrünung mit modularen Systemen kombiniert eine flexible Bauweise mit positiven Eigenschaften für das Stadtklima und einem ausgezeichneten Lärmschutz. Ein Projekt von Fraunhofer UMSICHT.

Vertikale Begrünung mit modularen Systemen birgt viele Vorteile für wachsende Städte, denn sie ist verhältnismäßig pflegeleicht und ist zudem wirtschaftlich. Die Vorteile reichen von verbesserter Luftqualität über Schallschutz bis hin zu einer optimalen Temperaturregulierung. Ein Projekt von Fraunhofer UMSICHT.

In diesem Artikel:

Ein Gastbeitrag von Fraunhofer UMSICHT.

Projektziele

Immer mehr Menschen leben in Städten. Begleiterscheinungen sind unter anderem Luftverschmutzung durch Verkehrsaufkommen und hohe Geräuschpegel. Um eine hohe Lebensqualität zu sichern und diese weiter zu optimieren, bedarf es entsprechender Lösungen; Zunehmend rückt die Begrünung des urbanen Raums und urbaner Infrastrukturen ins Blickfeld von Architektur, Planungs- sowie Bauwesen. Es besteht zum einen der Wunsch, grüne Flächen als gestalterisches Element zu verwenden, zum anderen verspricht man sich von der Begrünung positive Einflüsse auf Sauerstoffproduktion, CO2-Bindung und Luftreinhaltung. Hinzu kommen energetische Einsparpotenziale und positive Auswirkungen auf das Mikroklima, bedingt durch die dämmende und kühlende Wirkung von bepflanzten Flächen sowie positive Auswirkungen auf die Biodiversität durch das Schaffen neuer Lebensräume.

Vertikale Begrünung: der Nutzen

Zusammen mit Partnern hat das Fraunhofer UMSICHT spezielle Elemente auf Basis eines mineralischen Werkstoffs (Kalksandstein) für den Bau von bodenungebundenen begrünten Wänden entwickelt. Der mineralische Werkstoff eignet sich durch seine optimierten saugfähigen und flüssigkeitsspeichernden Eigenschaften ideal für derartige Anwendungen. Die einzelnen Elemente sind mit Pflanzrinnen versehen und werden zu einem Modulsystem verbaut. Die Rinnen werden mit Pflanzsubstraten befüllt und können anschließend eingesät oder bepflanzt werden. Die Pflanzen wachsen nach vorne aus den Bauelementen heraus und bedecken die vertikale Fläche. Für die Begrünung eignen sich je nach gewünschtem Begrünungstyp unterschiedlichste Pflanzenarten. Insbesondere Gräser erzielen einen Begrünungserfolg bereits nach 2 bis 3 Wochen.

Pilotwand zur vertikalen Begrünung beim Fraunhofer UMSICHT: Modulsystem auf Basis von mineralischen Bauelementen.
Pilotwand zur vertikalen Begrünung beim Fraunhofer UMSICHT: Modulsystem auf Basis von mineralischen Bauelementen.

Die Bewässerung erfolgt von oben, wobei aufgrund der Flüssigkeits-Transporteigenschaften des Steins das Wasser in der Wand allein durch Schwerkraft nach unten geführt wird und so alle Pflanzrinnen erreicht. Das mindert den Aufwand für die Pflege der Pflanzen erheblich. Bei Bedarf können einzelne Steinlagen zudem separat bewässert werden.

Durch den Einsatz einzelner Bauelemente ist das System skalierbar, sodass sich beliebig große Flächen erstellen lassen. Die Anwendungsgebiete reichen von der Wandverkleidung- und Begrünung über die Nutzung als gestalterisches Element oder begrünte Trennwand bis zum vertikalen Gärtnern. Kleinteilige Module sind schon im Größenbereich von Balkonen oder Terrassen für die Bepflanzung nutzbar – beispielsweise als Kräutergarten.

Ergebnis

Die Bauelemente ermöglichen durch ihren Aufbau eine wirtschaftliche und industrielle Herstellung in Serie. Bislang sind Pilotsysteme in Castrop-Rauxel (UNIKA), im spanischen Orihuela Costa (biolit) sowie in Oberhausen (Fraunhofer UMSICHT) zu Forschungszwecken installiert – mit überzeugenden Praxisergebnissen. Aktuell abgeschlossene Messungen zum Lärmschutzverhalten bestätigen dem System ausgezeichnete Werte.

In nachfolgenden Arbeiten begleitet das Fraunhofer UMSICHT die Realisierung von Begrünungsobjekten. Im Fokus stehen dabei insbesondere Untersuchungen zum Verhalten des Systems im Hinblick auf die Mikroklimaverbesserung und Kühlwirkung im urbanen Raum.

Projektpartner

Biolit Vertical Green®
UNIKA – Ruhrbaustoffwerke GmbH & Co. KG

Das Projekt für urbane vertikale Begrünung ist eine Kooperation von Fraunhofer UMSICHT, biolit und UNIKA
Das Projekt für urbane vertikale Begrünung ist eine Kooperation von Fraunhofer UMSICHT, biolit und UNIKA
Bild: Fraunhofer UMSICHT/Holger Wack

Über die vertikale Begrünung von Biolit und UNIKA

Luftqualität, Schallschutz, Temperaturregulierung – all das sind Faktoren, die einen hohen Anteil an unserer Wohn- und Lebensqualität tragen. Sie gilt es nicht nur zu erhalten, sondern zu optimieren, um die immer weiter wachsenden Städte lebenswert zu gestalten.

Ein Baustein dazu ist die vertikale Begrünung mit dem neuen Begrünungssystem Biolit Vertical Green®. Diesem liegt ein Patent des Fraunhofer-Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT und Herrn Dipl.-Ing. Berthold Adler zugrunde. Die Vorteile dieser grünen Wände sind überzeugend:

Bauelement zur vertikalen Begrünung.
Bauelement zur vertikalen Begrünung.
  • Schall wird um mehr als 50 dB reduziert, bis zu 8 dB werden dabei absorbiert
  • Die Bindung von Kohlendioxid (CO2) und Stickoxiden (NOX) aus der Luft wird positiv beeinflusst
  • Das System trägt zur Luftreinhaltung und Biodiversität bei.
  • Das Mikroklima wird positiv beeinflusst
  • Der konstruktive Aufbau und die schnelle Begrünung schützen vor Schäden durch Vandalismus (z. B. Graffiti)
  • Die Pflege der Anlage ist einfach und wirtschaftlich
  • Mit dem voll integrierbaren Bewässerungssystem gehören vertrocknete grüne Wände der Vergangenheit an.

Viele Stadtverwaltungen haben erkannt, dass der Platz für Grünflächen zur Wohnklima- und Luftverbesserung nicht mehr ausreicht. Deshalb werden Begrünungsprojekte an Gebäuden gefördert. Neben der Förderung für Gründächer gilt dies seit wenigen Jahren auch für vertikale Flächen. Je nach Stadt sowie nach Art und Umfang der Begrünung werden bis zu 50 Prozent der Kosten erstattet.

Bei einer Messe wurde das Projekt vorgestellt
Bei einer Messe wurde das Projekt vorgestellt
Bild: Fraunhofer UMSICHT/Holger Wack

Statik und bautechnische Eigenschaften

Die Konstruktion kann flexibel und skalierbar geplant und zusammengefügt werden. Der Größe der zu begrünenden Flächen sind somit nahezu keine Grenzen gesetzt. Die Pflanzsteine können entweder als Vorsatzschale vermauert und über eine Verankerung an einer bestehenden Fassade befestigt werden oder sie erhalten als freistehende Wände oder Trennwände – beispielsweise zur optischen Gestaltung, zum Lärmschutz oder als Sichtschutz – bei Bedarf ein Fundament oder Tragsystem.

Die Bewässerung ist im System voll integrierbar und damit vor Vandalismus geschützt. Sie macht sich die speziellen Eigenschaften des mineralischen Baustoffs zunutze. Feuchtigkeit wird gespeichert und bei Bedarf wieder an das Pflanzsubstrat und die Pflanzen abgegeben.

Der Pflanzstein mit den Abmessungen 25 x 24 x 24 cm (Länge x Breite x Höhe) wurde bezüglich der Materialstruktur, auf Basis von Kalksandstein, speziell auf seine Wasserspeicher- sowie Wassertransporteigenschaften hin entwickelt. Bautechnisch gelten für ihn dieselben Parameter, die den Baustoff Kalksandstein auszeichnen. Er bietet einen hervorragenden Schallschutz und erfüllt zudem auch baurechtliche Anforderungen, z. B. im Brandschutz. Zudem liegt eine Umwelt-Produktdeklaration nach ISO 14025 vor. Die gute Frostbeständigkeit des Materials garantiert eine lange Wertbeständigkeit und Freude am vertikalen Grün.

Mit Winkelsteinen können die Pflanzrinnen umlaufend auf die andere Seite der Wand weitergeführt werden.

Bewässerung, Substrat und Pflanzen

Nach dem Aufbau der Wand werden die Rinnen mit Substrat gefüllt und anschließend direkt bepflanzt oder eingesät. Das Substrat und die Pflanzen können dabei in vielfältiger Weise variiert und auf den gewünschten Begrünungstyp angepasst werden. Bei der Begrünung mit Gräsern wird ein schneller Erfolg (2 bis 3 Wochen) erzielt und das entstehende Mikroklima ermöglicht die Ansiedlung weiterer Pflanzen.

Perfekter Ort für Erdbeeren: Das Modulsystem auf Basis von mineralischen Bauelementen zur vertikalen Begrünung.
Perfekter Ort für Erdbeeren: Das Modulsystem auf Basis von mineralischen Bauelementen zur vertikalen Begrünung.

Meist reicht ein einzelner Wasseranschluss, um eine komplette Wand zu bewässern. Die Bewässerung des Systems erfolgt von oben, denn aufgrund der Flüssigkeitstransporteigenschaften des Pflanzsteins gelangt das Wasser in der Wand allein durch Schwerkraft nach unten und erreicht so jede Pflanzrinne. Bei Bedarf – zum Beispiel extreme Witterungsverhältnisse, Südseite – können die einzelnen Steinlagen jedoch auch separat bewässert werden.

Durch Regenereignisse nimmt das System eigenständig Wasser auf, was zu einer guten Bewässerungsbilanz führt. Durch die Nutzung von Regenwasser (beispielsweise mit Zisternen) ist eine Einleitung in die Kanalisation verzichtbar.

Bewässerungstechnik und Monitoring

Die Bewässerungsanlage lässt sich über verschiedene Module und Sensoren zu einem intelligenten System erweitern. Beginnend mit einfachen Zeitschaltuhren, die den Wasserzulauf regeln, sind auch Sensoren zur Luft- und Bodenfeuchtemessung und weitere, bis hin zur kompletten Wetterstation, integrierbar. Auf Basis der ermittelten Messdaten wird die Feuchtigkeit im System bedarfsgenau gesteuert und die Bewässerung somit individuell geregelt.

Per WLAN und GPRS-Adapter können die Sensorwerte auch an eine App weitergegeben werden. Der Anwender hat so die Möglichkeit, seine Bewässerungsanlage zu überwachen und gegebenenfalls zu justieren. Über Solarpanele bleibt auch die Stromversorgung autark.

Text und Bilder (wenn nicht anders gekennzeichnet): Fraunhofer UMSICHT

INUAS Konferenz 2021

Die Inuas Konferenz 2021 findet vom 03.-05. März statt.

Die INUAS Konferenz 2021 ist der zweite Teil der Konferenzreihe „Urbane Transformationen: Wohnen | Ressourcen | Öffentliche Räume“. Sie findet vom 3. bis 5. März 2021 an der Hochschule München statt.

In diesem Artikel:

Ein Gastbeitrag der Hochschule München.

Die INUAS Konferenz

München, Wien und Zürich. Der INUAS-Verbund von Hochschulen dieser drei Städte veranstaltet in München mit „Ressourcen – Material, Zeit, Raum, Energie“ eine Konferenz zu den urbanen Transformationen unserer Zeit.

Drei Städte, die sich in wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen sowie ihrer Lebensqualität ähneln. Drei Hochschulen, die sich zusammentun, um für die Herausforderungen der Metropolregionen München, Wien und Zürich gemeinsam Lösungen zu entwickeln. 2011 gründete die Hochschule München, der FH Campus Wien und die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften gemeinsam das International Network of Universities of Applied Sciences (INUAS). Eine neue Form ihrer Zusammenarbeit ist seit 2019 die Konferenzreihe „Urbane Transformationen: Wohnen I Ressourcen I Öffentliche Räume“.

„Die Schweiz und Österreich sind uns [beim Thema Materialwiederverwendung im Bau] in rechtlicher und politischer Hinsicht voraus. Auch hier ist der Hochschulverbund INUAS ideal dazu geeignet, Wissen zu transferieren und Prozesse zu verändern. Wunderbar wäre es, wenn wir uns bei der Konferenz zu diesem und den anderen Themen austauschen und neue Verknüpfungen ermöglichen könnten“

Prof. Dr. Andrea Kustermann

Ressourcen urbanen Wandels – transdisziplinär erforscht

Die Reihe startete mit dem Thema „Wohnen“ 2019 in Wien und wird nun 2021 in München unter dem Titel „Ressourcen“ fortgeführt. Das Thema „Öffentliche Räume“ wird eine abschließende Veranstaltung in Zürich behandeln. Dass die Konferenz „Ressourcen“ urbane Transformation mit internationalem und transdisziplinären Fokus behandelt, wurzelt in der Ausrichtung der drei Hochschulen. „Unsere angewandte Forschung organisieren wir zunehmend transdisziplinär. Um Antworten auf Fragen der Ökologie, der Ökonomie, des Sozialen und der Kultur finden zu können, ist der Austausch zwischen den Disziplinen von Bedeutung“, sagt Prof. Dr. Sonja Munz, Vizepräsidentin für Forschung der Hochschule München.  

Vier Perspektiven auf Ressourcen

Die vier Sektionen der Tagung stellen auf die vier Themen Material, Zeit, Raum und Energie scharf. Diese vielseitige Ausrichtung entspricht der Vision der scheidenden Vorsitzenden des Scientific Committees, Prof. Dr. Silke Langenberg, für die Münchner Konferenz: „Interessant ist, sich Fragen zu Problemen zu stellen, die erst in der Zukunft auftreten werden. Bei der Themensetzung der Konferenz haben wir versucht, die Interdisziplinarität zwischen der Architektur, dem Bauingenieurwesen und den Sozialwissenschaften abzubilden“.

Die Sektion Material behandelt unter anderem die Bauwirtschaft zwischen Wertstoffkreisläufen und nachhaltigem Neubau. Im Bereich Zeit stehen beispielsweise die widersprüchlichen Bewegungen zwischen demokratischer Teilhabe und Zeitknappheit zur Debatte. Die hart umkämpfte Ressource Raum wird für die Städte unter anderem in punkto Mehrfachnutzung und Verdichtung diskutiert, der Energiebedarf der Metropolregionen zwischen umweltfreundlicher Gewinnung und nachhaltigen Energiesystemen.

Prof. Dr. Andrea Kustermann, Professorin für Bauingenieurwesen der HM, löst Prof. Dr. Silke Langenberg als Vorsitzende des Scientific Committees ab, die zum Wintersemester an die ETH Zürich berufen worden ist, aber weiterhin Teil des Committees bleibt. Auch ihre Forschung zur Materialwiederverwendung im Bau profitiert von internationalem Austausch: „Die Schweiz und Österreich sind uns hier in rechtlicher und politischer Hinsicht voraus. Auch hier ist der Hochschulverbund INUAS ideal dazu geeignet, Wissen zu transferieren und Prozesse zu verändern. Wunderbar wäre es, wenn wir uns bei der Konferenz zu diesem und den anderen Themen austauschen und neue Verknüpfungen ermöglichen könnten“, so Kustermann.

Prof. Dr. Andrea Kustermann ist Vorsitzende des Scientific Committee der INUAS Konferenz 2021 an der Hochschule München
Prof. Dr. Andrea Kustermann ist Vorsitzende des Scientific Committee der INUAS-Tagung „Ressourcen“ 2021 an der Hochschule München
Bild: Johannes Lesser

Die Konferenz „Urbane Transformationen – Ressourcen: Material, Zeit, Raum, Energie“ findet vom 3.-5. März virtuell an der Hochschule München statt. Interessierte finden das genaue Programm sowie Informationen zur Anmeldung ab Mitte November unter https://www.inuas.org/konferenz-2021/programm-konferenz/.

Weitere Beiträge der Hochschule München

Ein Modellprojekt in München, das die Kreislaufwirtschaft im Hochbau revolutionieren könnte: Betonrecycling – Bauen statt Deponieren

Ein europäisches Forschungsprojekt zur Wiederentdeckung traditioneller Gebäude in den Alpen: Alpine Architektur: Die Schönheit des Alten

Ein studentisches Bauprojekt: Das Studio Chamanga – Design Build in Ecuador

Text: Christiane Taddigs-Hirsch