Wärmedämmverbundsysteme – Probleme und Lösungen

Ein Dämmsystem mit Holz
Bild: Stefan Meyer

Wärmedämmverbundsysteme werden oft für die Bekleidung von Bestandsfassaden verwendet, da sie direkt verputzt sind. Zudem kommen meist Systeme mit biozider Ausrüstung zum Einsatz. Umweltbewusste Bauherren sollten daher Alternativen wählen.

In diesem Artikel:

Nach der Energiekrise 1973 verschärfte die Politik Schritt für Schritt die gesetzlichen Anforderungen an die Gebäudedämmung. Inzwischen muss bei einem Neubau die Energieeinsparverordnung (EnEV) 2016 beachtet werden. Diese besagt, dass Gebäudehüllen sehr gut gedämmt sein müssen – die Werte müssen ungefähr einem Achtel des Energieverbrauchs eines ungedämmten Altbaus entsprechen. Außerdem müssen die Gebäude weitgehend luftdicht errichtet werden.

Wärmedämmverbundsysteme als Lösung?

Es liegt auf der Hand, dass auch die gestiegenen Dämmvorschriften das Bauen immer teurer machen. Normalerweise sind Bauherren daher bemüht, die Kosten eines Hausbaus oder einer Sanierung zu optimieren. Da kommen einfache Fassadendämmungen, die direkt verputzt werden können, gerade recht.

Für sogenannten Wärmedämmverbundsysteme werden dicke Dämmplatten direkt auf die Fassade geklebt oder gedübelt und anschließend mit einer mehrlagigen, relativ dünnen Kunstharzspachtelung verputzt. Am häufigsten werden hierfür Polystyrol- oder Mineralwollplatten verwendet, da diese zum günstigen Materialpreis erhältlich sind. Die Spachtelung ist meist 3-6 mm dünn und zur Rissvermeidung außerdem mit Kunststoffen vergütet.

WDVS – Nachträgliche Fassadendämmung
Bild: Christian Kaiser
Durch nachträgliche Fassadendämmungen wird das Erscheinungsbild von Gebäuden verändert

Probleme bei der Dämmung

Der konstruktive Aufbau der Wärmedämmverbundsysteme birgt allerdings verschiedene Tücken. Durch Niederschlag und Betauung bleibt Feuchtigkeit beispielsweise lange auf der synthetischen, dünnen und harten Fassadenschale liegen. Dadurch kommt es häufig zu einer starken Algenbildung, was von Bauherren als deutlicher optischer Mangel gerügt wird.

Fassade mit algenbedingten Verfärbungen auf einem WDVS
Bild: Christian Kaiser
Bereits nach kurzer Zeit können Verfärbungen durch Algen auf WDVS-Fassaden entstehen – dadurch zeichnen sich Dübelköpfe heller ab
Algenbewuchs auf einer Fassade
Bild: Christian Kaiser
Algenbewuchs als Gestaltungselement?

Inzwischen schreiben Systemhersteller den Zusatz von Bioziden in Fassadenanstrichen vor. Daraufhin schlägt jedoch die Wasserwirtschaft Alarm, da sich die giftigen Zusätze aus den Anstrichen herauslösen und so in den Gewässerkreislauf gelangen. Folglich gelangen die Gifte auch in das Grundwasser, das häufig als Trinkwasser genutzt wird.

Gleichzeitig muss festgestellt werden, dass Polystyrol-Dämmschichten bei Brandfällen nicht nur die Luft mit hochgiftigen Dioxinen und Furanen verschmutzen, sondern auch Gebäudenutzer wie Rettungskräfte gefährden.

Auch im täglichen Gebrauch mehren sich negative Erfahrungen mit den Dämmsystemen, da die dünne Deckschicht sehr leicht beschädigt werden kann. Beispielsweise stanzen achtlos abgestellte Fahrradlenker schnell Löcher in die Dämmungen oder ein Hagelschlag führt zu Putzabplatzungen. Es stellt sich daher die Frage, wie nachhaltig ein direkt verputztes WDVS tatsächlich ist.

Wärmedämmverbundsysteme als Sanierungsfall

Wer sich auf die Suche nach belastbaren Angaben zur Lebenserwartung der Wärmedämmverbundsysteme macht, wird wegen der oben genannten Gründe sehr unterschiedliche Auskünfte bekommen. Tatsache ist jedoch, dass zahlreiche Hausbesitzer bereits nach wenigen Jahren schon wieder Gerüste wegen kleineren Schäden aufstellen müssen. Die Dämmfassade muss dann entweder ausgebessert oder sogar komplett neu gestrichen werden.

Darüber hinaus klingt auch der Lebenszyklus von Polystyrol-Dämmungen in der Theorie besser als in der Praxis. Viele Hersteller geben beispielsweise an, dass Polystyrol-Dämmungen weitgehend recycelbar seien. Praktisch macht sich allerdings keiner die Mühe, die Kleber und Putze bei einer Entsorgung zu entfernen. Die meisten Dämmplatten landen daher fast vollständig in der Müllverbrennung. Doch auch dort sorgen diese dann für giftige Verbrennungsrückstände.

Könnte es somit sein, dass die WDVS, die heute noch als weit verbreiteter „Stand der Technik“ gelten, bereits in naher Zukunft zum massenhaften Sanierungsfall werden? Denn bereits heute müssen andere Schadstoffe der Vergangenheit wie Asbest- und Holzschutzmittelprodukte mühselig saniert werden.

Gibt es Alternativen?

Dem umweltbewussten Bauherrn stellt sich daher immer öfter die Frage, ob es auch umweltverträglichere Dämmungen für seinen Neu- oder Altbau gibt. Eine Alternative sollte schließlich nicht nur zum Zeitpunkt des Kaufes ‚billig‘, sondern auch langfristig unterhaltsarm und nachhaltig sind. Wer sich tatsächlich eine verputzte Fassade wünscht, sollte deswegen darauf achten, dass er ein verputztes Dämmsystem wählt, welches ohne synthetische Zuschläge auskommt.

Hierfür braucht man zunächst eine deutlich festere und stabilere Dämmplatte, zum Beispiel aus Holzfasern, Kork oder Mineralschaum. Auf dieser kann man 10-15 mm dick mit rein mineralischem Fassadenputz verputzen und anschließend mit einer mineralischen Farbe ohne biozide Zusätze streichen.

Bauen als kultureller Beitrag

Verputzte Dämmsysteme bieten in der Regel kaum gestalterische Möglichkeiten, sodass gerade bei Bestandsgebäuden die Fassade nach einer Dämmmaßnahme ihren ursprünglichen Charme verliert. Darunter könnten beispielsweise Fenstereinfassungen, Klappläden, die Schattenwirkung der Fenstereinschnitte und weitere Aspekte leiden.

Man sollte auch bedenken, dass nicht nur denkmalgeschützte Gebäude erhaltenswert sind. Schließlich sind auch weniger auffällige oder besondere Häuser sind Teil unseres kulturellen Umfeldes. Kultur findet schließlich nicht nur im Theater statt! Es wäre ein besonderes Armutszeugnis, wenn als bauliches Erbe unserer Zeit ausschließlich gesichtslose Dämmfassaden zurückblieben.

Insofern empfiehlt es sich, über gestalterisch und konstruktiv hochwertige Fassadenausbildungen nachzudenken. Das kann beispielsweise mit Klinker oder hinterlüfteten Holzschalungen umgesetzt werden. Des Weiteren bieten diese Fassaden bei deutlich besserer Widerstandsfähigkeit gegen Wind und Wetter auch gleichwertige Dämmwerte. Zudem könnten sie dann ‚in Würde altern‘.

Eine Innendämmung könnte ebenfalls eine passende Alternative sein. Sonst werden wir nicht mehr lange warten müssen, bis der nächste „Schock“ die Politik erschüttert: Nämlich dann, wenn die Entsorgungsprobleme der vorhandenen WDVS überhand nehmen und wir erkennen müssen, dass es kaum noch sehenswerte Altstädte gibt. Und das nur, weil wir im allgemeinen Dämmwahn unsere Altbauten unkenntlich gemacht haben.

Wärmedämmverbundsysteme kann man mit einer Innendämmung vermeiden
Bild: Christian Kaiser
Diese historische Fassade blieb von einem WDVS verschont, weil sie innen gedämmt wurde

Ökologische WDVS-Dämmstoffe

DämmstoffVorteileSonstige Anwendung
Holzfaser– Nachwachsender Rohstoff
– Guter sommerlicher Wärmeschutz
– Kapillaraktiv
– Innendämmungen
– Dachdämmungen
– Trittschallplatten u.v.m.
Kork – Nachwachsender Rohstoff
– Dauerhaft und beständig
– Herkunft aus Portugal
– Als Putzträgerplatte für mehrlagige Dämmaufbauten
– Innenausbau, Bodenbeläge, Dehnfugen, etc.
Mineralschaumplatte– Mineralischer Rohstoff – Innendämmung
Gedämmte Fassade mit Holz
Bild: Stefan Meyer
Holz und andere Fassadenmaterialien bieten zum Beispiel ganz andere Möglichkeiten der Gestaltung als verputzte Dämmstoffe.
DämmstoffVorteileAnwendung
Zellulose– Recyclingprodukt
– Günstiger Materialpreis
– Guter sommerlicher Wärmeschutz
– Ausblasdämmung im Holzbau
Flachs und Hanf– Nachwachsender Rohstoff
– Kapillaraktiv
– Gute Verarbeitbarkeit
– Regionale Herkunft
– Innen- oder Dachdämmung
– Fassadendämmung mit separatem Wetterschutz (z.B. Holzfassade)
Stroh– Nachwachsender Rohstoff
– Regional verfügbar
– Im Holzsystembau oder auch als lasttragende Strohballenbauweise
EIn Wärmedämmverbundsystem (WDVS) kann mit einer alternativen Dämmung mit Strohballen vermieden werden
Bild: FASBA
Nachträgliche Außendämmung mit Strohballen: Nachwachsende Dämmstoffe bieten einen besseren sommerlichen Wärmeschutz, sind kapillaraktiv und stammen außerdem aus regionalen Rohstoffen.

Text: Christian Kaiser

Smart Home – Risiken und Empfehlungen

smart home - risiken und empfehlungen

Was ist ein Smart Home und mit welchen Risiken ist es verbunden? Wir stellen das Konzept der Hausautomation vor und zeigen Ihnen anschließend, wie Sie ein gesünderes Smart Home einrichten können.

In diesem Artikel:

Das Smart Home

Unsere Häuser werden immer ’smarter‘ – Geräte und Installationen funken oder haben ’smarte‘ Funktionen, um sie zu kontrollieren und zu steuern. Doch wer gesundheitlich vorsorgt, reduziert so die Belastung durch Funk.

Beim Smart Home geht es um eine neue Generation der Hausautomation. Haushaltsgeräte, Multimediageräte, Beleuchtung, Installationen oder Haustechnik interagieren miteinander und können oft auch aus der Ferne gesteuert werden. Der dafür erforderliche Datenaustausch erfolgt sehr häufig per Funk, wobei Smartphones oder Tablets oft als ‚Fernbedienung‘ fungieren.

es handelt sich um das Konzept der Home Automation

Es ist zudem Trend, Sendemodule in mehr oder minder jedes Gerät im Haus einzubringen. Einige Anwendungen sind praktisch und sinnvoll, zum Beispiel optimiertes oder automatisiertes Heizen oder Lüften. Vieles ist allerdings schlicht riskant und aus baubiologischer Sicht abzulehnen.

Der Begriff Smart Home umfasst sehr viele verschiedene Geräte, Systeme und Anwendungen. Von einfachen Geräten aus dem Discounter bis hin zu hoch komplexen Systemen aus dem Fachhandel ist alles dabei. Es gibt komplette Hausvernetzungen, aber auch Einzelanwendungen.

Bei Komplettsystemen ist eine Zentraleinheit nötig, welche oft Router, Zentrale oder Gateway genannt wird. Diese kann ein Dauersender sein, muss es aber nicht. Bei Einzelanwendungen hingegen gibt es häufig nur Kontakt zwischen zwei Sendern (beispielsweise zwischen Funkschalter und Lampe oder dem Smartphone und der Kaffeemaschine). Oft, aber nicht immer, ist der Kontakt nur aktionsgesteuert und damit selten funkend.

Smart Home Anwendungsbereiche und -beispiele

Grob zusammengefasst gibt es vier Bereiche bei Smart Home-Anwendungen mit verschiedenen Beispielen:

  • Sicherheit: z.B. Überwachung, Alarmsysteme, Warnmelder, Zugangskontrollen
  • Energie und Klima: z.B. Heizung, Belüftung, Verschattung
  • Komfort: z.B. Haushalt, Elektronikgeräte, Beleuchtung
  • Entertainment: z.B. TV, Audio, Spiele

Viele Installationen können ’smart‘ sein, von Alarmanlagen bis zu Lichtschaltern. Im Entertainment-Bereich werden mittlerweile sogar sehr viele Geräte miteinander verbunden. Selbst Haushaltsgeräte haben schon ’smarte‘ Funktionen. Schließlich gibt es noch diverse und teilweise kuriose ’smarte‘ Geräte: Spielzeuge und Spielekonsolen, Smartwatches, Hörgeräte, Kleidung mit Fitnesskontrolle, Windeln, Tampons, elektrische Zahnbürsten, Toilettensitze, Duschköpfe oder Katzen-/Hunde-Klappen und -Funkchips (im Halsband oder implantiert).

Elektrosmog im Alltag: mögliche Anwendungen in einem Smart Home
Bild: diagnose:funk
Elektrosmog im Alltag: Mögliche Strahlungsquellen im Haushalt

Weitere ergänzende Anwendungen:

  • internetbasierte Sprachassistenten wie Alexa, Siri sowie Google Assistant, welche als Schnittstelle zu den ’smarten‘ Geräten dienen
  • Smartmeter, also ‚intelligente‘ Stromzähler zur Erfassung und Weiterleitung von Strom- und anderen Hausdaten an Versorgungsunternehmen
  • Anbindungen an Cloud-Dienste

Arten der Datenübertragung

  1. Übertragung über Datenkabel. Dabei treten in der Regel keine elektromagnetischen Belastungen auf
  2. Übertragung über Stromleitungen (dLAN, Powerline). Die Strahlungsstärken sind dadurch meist geringer als bei vielen Funksystemen
  3. Übertragung per Funk

Gesundheitsrisiken durch Funk

Risiken durch Funk sind seit Jahren bekannt, sowohl aus der baubiologischen Praxis wie auch durch diverse Studien. Auch bei einem Smart Home bestehen diese Risiken.

Risiken durch Funk eines smarten Gebäudes

Die WHO hat 2011 hochfrequente elektromagnetische Felder in die Gruppe 2B krebserzeugender Substanzen eingestuft. Die medizinische EUROPAEM EMF-Leitlinie forderte 2016 niedrige Werte für WLAN, DECT und Mobilfunk, die den baubiologischen Richtwerten weitgehend entsprechen. Selbst das Bundesamt für Strahlenschutz mahnt: „Wo man Dauerbelastungen durch elektromagnetische Felder herabsetzen kann, da sollte man es tun.“

Weitere Smart Home Risiken

Neben Funkbelastungen werden des Weiteren die Themen Datenschutz und Sicherheit diskutiert – denn bei einem Smart Home besteht das Risiko, in seinen eigenen vier Wänden ‚gläsern‘ zu werden.

Außerdem könnten Kriminelle Zugriff auf hausinterne Geräte und Dienste bekommen.

Auch der Stromverbrauch wird offenbar zu einem Problem: Laut einer aktuellen BUND-Studie sind europaweit langfristig 70 TWh pro Jahr für den zusätzlichen Stromverbrauch bei ’smarten‘ Küchen- und Haushaltsgeräten sowie der Beleuchtung zu erwarten – deutlich mehr als die Stromerzeugung aller deutschen Windkraftanlagen 2013.

Baubiologische Empfehlungen

  • Vor dem Kauf von ’smarten‘ Geräten oder Smart Home-Komponenten überprüfen, was diese tun, insbesondere ob und wann sie funken (Leistung, Dauer, Häufigkeit) – im Zweifel sollten Sie dies nachmessen

  • Möglichst nur leitungsgebundene Geräte und Funktionen einsetzen

  • Bei Neu- oder Umbauten Netzwerk-, BUS- oder sonstige Datenkabel verlegen

  • Funkende Geräte und Komponenten sollten nur kurz und schwach senden, also aktionsgesteuert (wie beim Einschalten eines Gerätes) beziehungsweise nur, wenn eine Aktivität im System notwendig ist und entsprechende Daten übermittelt werden müssen

  • Keinesfalls funkende Geräte und Systeme verbauen, die nicht auszuschalten sind (zum Beispiel Beleuchtungen oder Alarmsysteme)

  • Baubiologisch akzeptable Systeme scheinen hier nach aktuellem Wissenstand am ehesten mit Anbietern wie beispielsweise HomeMatic, EnOcean oder KNX-RF realisierbar
  • ‚Smarte‘ Geräte, die an hauseigene WLAN- oder DECT-Netze angebunden sind, können dauerstrahlen. WLAN-Router, -Repeater und -Access Points sollten zumindest nachts bzw. immer bei Nichtgebrauch abschaltbar sein. Des Weiteren sollte deren Reichweite/Sendeleistung möglichst gering eingestellt werden

Smart Home ganz ohne Funk ist schwierig, denn viele ’smarte‘ Anwendung würden dann nicht mehr möglich sein. Smart Home ohne Dauerfunk ist aber sicher möglich, da sehr viele ’smarte‘ Steuerungen kabelgebunden bzw. mit nur kurzen Funkimpulsen umgesetzt werden können. Dafür gibt es vielfältige Möglichkeiten und Systeme.

Text: Manfred Mierau

Radon messen im eigenen Haus

Mit einem Dosimeter kann Strahlung (von zum Beispiel Radon) auch im eigenen Haus gemessen werden

Was ist Radon und wie kann man es messen?

In diesem Artikel:

Gefahr durch Radon

In Deutschland sterben viele Menschen, nachdem sie jahrelang Radon eingeatmet haben, denn das Gas ist mit den menschlichen Sinnen nicht wahrnehmbar. Um das persönliche Risiko in den eigenen vier Wänden einzuschätzen, sind Radonmessungen erforderlich.

Symbol von Radon

Radon ist ein radioaktives Gas, das aus tiefen Erdschichten an die Oberfläche kommt, in Gebäude eindringen kann und somit ein Gesundheitsrisiko darstellen kann.

Außerdem kann Radon in geringen Anteilen aus Baustoffen wie Tuff, Phosphatschlacke oder Phosphatgips freigesetzt werden, die heute jedoch keine Verwendung mehr finden.

Radon als Gesundheitsrisiko

Man kann Radon weder sehen noch riechen oder schmecken. Des Weiteren erhöht es im Langzeiteffekt nachweislich das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken. Radioaktive Belastungen in Innenräumen stellen sogar die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs dar.

Auf Grund des langjährigen Einatmens von Radon und seinen radioaktiven Zerfallsprodukten sind allein in Deutschland pro Jahr ungefähr 1.900 Todesfälle zu bedauern. Um dem entgegenzuwirken, besteht seit Dezember 2018 in Deutschland und ganz Europa die gesetzliche Pflicht, radonsicher zu bauen.

Neues Gesetz zu Radon

Mit dem Strahlenschutzgesetz (StrSchG) und der Strahlenschutzverordnung (StrlSchV) wurde dann erstmalig der Schutz der Gebäudenutzer und Arbeitnehmer vor Radon in Gebäuden gesetzlich verankert.

In allen Aufenthaltsräumen und an allen Arbeitsplätzen sind dadurch nur noch geringe Konzentrationen von Radon zulässig. Als Referenzwert gelten 300 Bq/m³ (Becquerel pro Kubikmeter) im Jahresmittel.

Ausführliche Informationen sind beim Bundesamt für Strahlenschutz (BfS.de) erhältlich. Gesetz, Verordnung und ein Radon-Maßnahmenplan sollen durch entsprechende Maßnahmen am Bau die Gesundheit ausreichend schützen.

Radon-Maßnahmenplan 2020

  • Entwicklung einheitlicher Strategien zur Messung in Innenräumen und in der Bodenluft
  • Radonmessungen in Gebäuden und in der Bodenluft
  • Bewertung von baulichen Maßnahmen
  • Förderungen der Eigeninitiative von Bürger*innen

Quelle: BfS

Der Gesetzgeber ist verpflichtet, bis Ende 2020 sogenannte Radonvorsorgegebiete auszuweisen. Dies sind Gebiete, in denen bei einer „beträchtlichen Zahl von Gebäuden“ Überschreitungen der Referenzwerte zu erwarten sind. Aus dieser Gebietsfestlegung resultieren rechtliche Pflichten für Bauvorhaben sowie für Radonmessungen. Das gilt vor allem für Arbeitsplätze in Erd- und Kellergeschossen.

Wie hoch Radonkonzentrationen in Innenräumen sein können, hängt im Wesentlichen von drei Hauptfaktoren ab:

  • Radonkonzentration in der aufsteigenden Bodenluft
  • Gasdurchlässigkeit (Permeabilität) des Untergrundes
  • Zustand der Gebäudehülle mit Erdberührung

Radonkonzentration und Permeabilität sind naturgegebene Größen, aber die bauliche Qualität des Gebäudes können wir direkt beeinflussen. Zudem kann die Konzentration von Radon stark schwanken, je nach Jahreszeit, Wetterlage, Luftdruck und Nutzerverhalten im Gebäude, zum Beispiel durch Lüftung und Luftwechselrate.

Radon professionell messen lassen

Grundsätzlich können alle Gebäude erhöhte Radonwerte aufweisen, neue und bestehende, mit und ohne Keller, im Flach- und im Bergland. Die Konzentration von Radon nimmt jedoch in den meisten Gebäuden von Stockwerk zu Stockwerk nach oben hin ab. Deswegen sind Radonmessungen besonders in Wohnungen im Erdgeschoss, Souterrain oder in häufig genutzten Untergeschossräumen wie Hobbyräumen sinnvoll.

Ein Kamineffekt kann allerdings auch in oberen Etagen von Gebäuden mit offenen Treppenhäusern, Aufzügen und Versorgungs- oder Wäscheschächten die Radonwerte erhöhen.

Die ‚Radon-Karten‘, die man auch im Internet findet, sollten dabei lediglich als Orientierungshilfe im groben regionalen Maßstab dienen. Denn sie lassen keine Vorhersage zu, wie hoch die Konzentration des Radons vor Ort tatsächlich ist. Somit steigt der Bedarf an fachgerechten Messungen in Innenräumen und in der Bodenluft. Potenzielle Eintrittspfade können außerdem mittels ‚Sniffing‘ erkannt werden. Speziell ausgebildete Fachpersonen bieten dafür professionelle Messungen, Begutachtungen und Beratungen an.

Radonkarte des BfS: Konzentration von Radon in der Bodenluft in Deutschland
Bild: Bundesamt für Strahlenschutz
Radonkonzentration in der Bodenluft

Radon messen: die Methoden

Radonkonzentrationen in der Raumluft

Im Wesentlichen werden zwei Messmethoden eingesetzt: kurze und lange. Welche Strategie besser geeignet ist, richtet sind nach den jeweiligen Fragestellungen und dem Einsatzzweck. Oftmals ist eine Kombination dieser Methoden sinnvoll, um die Situation vor Ort am besten einschätzen zu können. Wichtig ist bei allen Messungen, dass sie fachgerecht durchgeführt werden. Private Messungen sind zwar möglich, die Ergebnisse sind aber meist wenig belastbar. Beratungsstellen der Bundesländer zum Thema Radon liefern weitere Informationen.

Radon messen in Innenräumen: digitales Radonmessgerät
Bild: Sarad GmbH
digitales Radonmessgerät
Bild: Sarad GmbH

Digitale Radonmessgeräte für Innenräume gibt es sowohl mit als auch ohne Luftdrucksensor.

Kurzzeitmessung

Kurzzeitmessungen verschaffen einen ersten Eindruck zur Orientierung. Dies ist beispielsweise wichtig für Kontrollmessungen in Neubauten. In Bestandsgebäuden dienen Kurzzeitmessungen zur raschen ersten Einschätzung der Sachlage sowie zur Überprüfung der Wirksamkeit von Maßnahmen zur Abhilfe. Diese können zum Beispiel Maßnahmen wie Abdichtungen und ein verändertes Lüftungsverhalten sein.

Außerdem dienen Kurzzeitmessungen auch zum Aufspüren von Radon-Eintrittspfaden, zum Beispiel an undichten Ritzen, Fugen, Schächten, Kanälen und sonstigen Öffnungen. Dafür werden bevorzugt elektronische Messgeräte mit digitaler Anzeige und Datenspeicherung zur computergestützten Auswertung eingesetzt.

Des Weiteren ermöglichen zusätzliche Daten einen detaillierteren Einblick in die Gesamtsituation im Gebäude. Minimal- und Maximalwerte sowie Quellstärke sind wichtige Parameter zur Einschätzung vor Ort. Lufttemperatur und Luftfeuchte spiegeln das Lüftungsverhalten wider. Der Luftdruck zeigt die Wettereinflüsse.

Kurzzeitmessungen dauern Tage bis Wochen. Je kürzer die Messdauer sein soll (beispielsweise um möglichst schnell einen ersten Eindruck zu erhalten), desto hochwertiger und empfindlicher müssen die verwendeten Messgeräte sein. Mit speziellen Messgeräten können sogar innerhalb von Stunden oder gar Minuten orientierende Radonwerte erhoben werden.

Langzeitmessung

Langzeitmessungen dauern hingegen idealerweise 12 Monate, denn so kann der tatsächliche Jahresmittelwert festgestellt werden. Langzeitmessungen sind zudem für den Abgleich mit gesetzlichen Vorgaben erforderlich. Wenn die Messdauer deutlich kürzer als ein Jahr ist, können saisonale Unterschiede und wetterbedingte Schwankungen in den Radonkonzentrationen zu Abweichungen vom eigentlichen Jahresmittelwert führen.

Für Langzeitmessungen werden bevorzugt Kernspurexposimeter eingesetzt. Diese werden vereinfachend auch ‚Dosimeter‘ oder ‚Messdosen‘ genannt. Wichtig hierbei ist, dass qualitativ hochwertige Dosimeter nach DIN ISO 11665-4 von akkreditierten Laboren verwendet werden. Eine Liste der Labore wird jährlich durch das BfS veröffentlicht.

Größe des Kernspurexposimeters

Kernspurexposimeter – kurz Messdose oder Dosimeter genannt – sind relativ klein und deshalb einfach zu handhaben. Die Messung dauert allerdings mindestens drei Monate.

Bild: Pamela Jentner

Die Messdosen werden mindestens drei Monate während der Heizperiode aufgestellt. Nach Abschluss der Messdauer werden sie dann an das Labor des Herstellers geschickt und ausgewertet, das Ergebnis ist ein Mittelwert. Aussagen über den zeitlichen Verlauf oder Maximalwerte sind mit dieser Messmethode jedoch nicht möglich.

Radon in der Bodenluft messen

Bevor ein Gebäude gebaut wird, kann Radon in der Bodenluft des Baugrundes gemessen werden. Daraus wird dann abgelesen, wie hoch die Radonbelastungen im Untergrund an dieser Stelle zum Messzeitpunkt sind. Davon kann abgeleitet werden, ob erhöhte Schutzmaßnahmen gegen Radon für Neubauten sinnvoll sind.

eine Bodenluftsonde mit einem digitalen Messgerät
Bild: Pamela Jentner
Radon-Bodenluftmessung über Bodenluftsonde mit digitalem Messgerät

Des Weiteren können Radonwerte je nach Untergrund, Jahreszeit und Wetterlage stark variieren. So finden wir in Deutschland Radonkonzentrationen in der Bodenluft von z.B. unter 20.000 Bq/m³ bis über 500.000 Bq/m³. Doch auch innerhalb eines Baugrundstücks können die Radonwerte variieren. Deshalb ist es sinnvoll, auf einem Bauplatz an mehreren Stellen zu messen, um einen zuverlässigeren Eindruck zu bekommen.
Doch Vorsicht vor Missverständnissen: Oftmals werden Radonwerte in der Bodenluft in Kilo-Becquerel (kBq/m³) angegeben, auch in den sogenannten ‚Radon-Karten‘. 1 kBq/m³ entspricht 1000 Bq/m³. Dieser ‚Faktor 1000‘ kann jedoch leicht übersehen werden.

Des Weiteren kann Radon in der Bodenluft aktiv digital oder passiv kurzzeitig gemessen werden. Vorteilhaft sind dafür hochwertige, digitale Messgeräte, die innerhalb von einigen Minuten oder Stunden orientierende Aussagen direkt vor Ort zulassen. Eine Bodenluftmessung mit passiven Messdosen erfordert hingegen eine Messdauer von 2 Wochen, zuzüglich der Zeit für die Laborauswertung. Oftmals sind jedoch raschere Ergebnisse für Bauvorhaben gewünscht.

Wurden erhöhte Werte festgestellt, dann können unterschiedliche Maßnahmen wie Abdichtung und Lüftung durchgeführt werden. Dazu mehr in folgenden Beiträgen.

Text: Pamela Jentner

Digitale Kommunikation – Belastungen im Home-Office

Digitale Kommunikation ist unerlässlich im Home Office

Für eine gesunde digitale Kommunikation im Home-Office ist die Akustik von entscheidender Wichtigkeit.

Corona stellt alles auf den Kopf und zwingt uns dazu, neue Wege zu gehen – auch die digitale Kommunikation betreffend. Bislang ist das Arbeiten von Zuhause nicht so recht etabliert und wir üben uns in der Improvisation. Daher stellt sich die Frage, worauf es für ein gesundheitsförderndes Home-Office wirklich ankommt.

Zwei wesentliche Kriterien für ein gesundes und stressfreies Arbeiten von zuhause finden bislang nämlich kaum Beachtung: die mitunter schlechte Akustik und die ungesunde Strahlung, die beim Telefonieren entstehen kann. Dipl.-Ing. (FH) Architektin und Baubiologin Stefanie Jörgens erklärt, wie Sie sich schützen können.

Architektin Stefanie Jörgens im Interview

Architektin Stefanie Jörgens im Interview

Frau Jörgens, in den letzten Wochen konnten wir verfolgen, wie Millionen von Menschen zum Arbeiten nach Hause geschickt wurden. Sehen Sie in dieser Situation auch Vorteile?

Die Not macht erfinderisch und wir stellen fest, dass viel mehr von zuhause aus geht, als wir dachten. Zum Beispiel fallen die An- und Abreisezeit zum Arbeitsplatz, zum Kunden oder zum Meeting weg. So können wir unsere Arbeitszeit sinnvoller nutzen. Wir sparen also Geld und Zeit und schonen daneben auch die Umwelt. 

Worin würden Sie hingegen Probleme bei der Einrichtung eines Arbeitsplatzes in den eigenen vier Wänden sehen? Liegen die Schwierigkeiten eher bei der Technik oder den persönlichen räumlichen Begebenheiten?

Die technischen Aspekte, also beispielsweise Datenschutz, Cloud-Dienste und Zugriffe auf die Server werden sich in unserem digitalen Zeitalter schnell lösen. Jetzt liegt es an uns, in unserem Zuhause einen abgegrenzten Bereich zu schaffen, an dem wir uns zum Arbeiten wohlfühlen. Es ist bekannt, dass eine gute Ergonomie ein große Bedeutung für unsere Gesundheit hat. Was jedoch bislang unberücksichtigt war, ist sogar am entscheidendsten für einen gesunden und entspannten Arbeitsplatz: die Akustik sowie die strahlungsfreie Telefonie mit dem Handy. Doch strahlungsarmes Telefonieren und eine gute Akustik sind leider selten anzutreffen.

Im Home-Office ist die digitale Kommunikation jedoch unabdingbar. Inwiefern können uns Telekommunikationsmedien denn belasten oder sogar schädigen?

Eine entspannte Kommunikation braucht angemessene akustische Voraussetzungen. Das Ausblenden von Hintergrundgeräuschen für ein konzentriertes Arbeiten kostet uns zum Beispiel ca. 30% unserer Konzentrationsfähigkeit. Wenn ich mir anschaue, wie sich momentan Videokonferenzen abspielen, so macht die Akustik bzw. die Sprachverständlichkeit einer Blechtrommel ernste Konkurrenz. Hinzu kommt die stundenlange Nutzung des Handys, bei der mit oder ohne handelsübliche Kopfhörer telefoniert wird; denn das ist eine Strahlungseinwirkung, die völlig unterschätzt wird und unseren Köper sehr belastet. Die Kombination aus schlechter Akustik und hoher Strahlung führt zu einer schnellen Erschöpfung und mindert unsere Leistungsfähigkeit ungemein.

Reicht ein hochwertiges Produkt aus, um unserer Gesundheit nicht zu schaden?

Wenn wir uns anschauen, was uns der Markt für Akustiklösungen bietet, finden sich fast ausschließlich Produkte, die in ihrer Beschaffenheit mit wiederverwertetem Sondermüll (PET & Co) vergleichbar sind. Die Materialien sind aufgeschäumt, erwärmt, oder mit neuen Chemikalien vermengt und zu neuem, teurem Sondermüll verpresst. Die meisten Optionen sind wahlweise ausschließlich aus Kunststoff oder lediglich mit Naturmaterialien vermengt, oder alternativ aus Steinwolle oder Glaswolle. Ist das die neue Kreislaufwirtschaft, die wir uns für eine bessere Zukunft wünschen? Für uns als Nutzer bedeutet das also, dass wir im Schnitt acht Stunden inmitten eines Chemie Cocktails sitzen, was in Heizperioden im Winter dann besonders prekär ist.

Gibt es Produkte für eine bessere Raumakustik auf dem Markt, die Sie weiterempfehlen können?

Das Fehlen von wirklich gesunden und hochwertigen Akustiklösungen hat mich dazu veranlasst, in enger Zusammenarbeit mit einem Toningenieur ein 100%ig natürliches Akustikprodukt mit ausgezeichnetem Klangerlebnis zu entwickeln. Es schafft eine verständliche und fokussierte Kommunikation, eine „Entstressung“ der Räume, eine Leistungssteigerung durch stressfreies Arbeiten und eine neue Qualität des Hörens und Wohlbefindens. Außerdem reguliert es das Raumklima und bindet Schadstoffe, die evtl. in der Innenraumluft sind.

Möglichkeiten der Raumgestaltung

Beispiel einer gesunden Akustiklösung
Beispiel für eine natürliche und gesunde Akustiklösung

Akustikprodukte an Wänden und Decke, auch für eine verbesserte  Kommunikation verwendbar
So könnten Sie die Raumakustik stilvoll und gesund verbessern. Die Akustikprodukte werden an den Wänden und der Decke befestigt und nehmen so keinen Platz ein.

Wie sieht es mit gesunden Kopfhörern zur Vermeidung der Strahlung aus?

Für die Arbeit im Home-Office gibt es spezielle Lösungen für Laptops. In Verbindung mit einem „Luftleiter Headset“ steht dem entspannten Arbeiten von zuhause aus nichts mehr im Weg. Handys und konventionelle Handy-Headsets verursachen erheblichen Elektrosmog direkt am Kopf. Die Luftleiter-Technik reduziert diese hochfrequente Strahlung um bis zu 98%! Bei der Verwendung des Headsets am PC oder am schnurgebundenen Telefon entsteht aufgrund der Luftleitertechnik für Mikrofon und Lautsprecher dann kein Magnetfeld mehr am Kopf.

Versetzen wir uns nun einmal gedanklich in die Zukunft. Denken Sie, dass zukünftig einige Arbeitsverhältnisse weiterhin am Home-Office Modell festhalten werden?

Die Arbeit aus dem Home-Office vereint so viele Vorzüge. Auch, wenn unsere Kinder zukünftig wieder zur Schule gehen dürfen und ein soziales Privat- sowie Berufsleben wieder möglich ist, könnten wir an einigen Privilegien der Arbeit in den eigenen vier Wänden festhalten. Denn der durch das Coronavirus ausgelöste Ausnahmezustand gibt uns einen Vorgeschmack auf eine Stadt der Zukunft, in der die Straßen von weniger Fahrzeugen befahren sind und unsere altbekannten Abläufe neu gedacht und optimiert werden. Der ersehnten Work-Life Balance sowie einer angestrebten Effizienz in jeglicher Hinsicht kommen wir ein großes Stück näher. Dem Verkehrschaos und der Luftverschmutzung wirken wir entgegen. So birgt diese Form der Arbeit die Chance, für alle eine höhere Lebensqualität zu erreichen!

Mehr Informationen zu Stefanie Jörgens und gesunden Akustiklösungen finden Sie hier.