Cradle to Cradle Prinzip: Definition

Cradle to Cradle Prinzip: Definition

Eine Cradle to Cradle Definition ist schwer zu finden. Denn was bedeutet eigentlich von der Wiege zur Wiege? Wo sind die Vorteile und was macht es aus? Wie kann man es von Nachhaltigkeit abgrenzen und wie sieht eine künftige Welt aus? Wir haben mit Pionier Michael Braungart über das Cradle to Cradle Prinzip, seine Vorteile und die Zukunft gesprochen.

In diesem Artikel:

Ein Beitrag unserer Redaktion.

Das Cradle to Cradle Prinzip – eine Definition

Cradle to Cradle (von der Wiege zur Wiege) bezeichnet eine natürliche Kreislaufwirtschaft, bei der kein Abfall entsteht. Alle verwendeten Materialien oder Stoffe bleiben in Kreisläufen erhalten. Dabei geht es darum, schädliche Substanzen gar nicht erst einzusetzen und wertvolle Rohstoffe in ihrer reinen Form zu verwenden, damit sie unendlich oft wiederverwendet werden können.

Über Michael Braungart

Michael Braungart ist Verfahrenstechniker und Chemiker. Er entwickelte zusammen mit seinem Kollegen William McDonough das Cradle to Cradle Konzept. Und kann eine Cradle to Cradle Definition deshalb am allerbesten liefern. Braungart engagierte sich bereits bei Greenpeace und ist Professor für Ecodesign.

Über Michael Braungart
Foto: Anna Bauer

Klimaneutral versus Cradle to Cradle

Wie lautet eine Cradle to Cradle Definition?
Cradle to Cradle bedeutet, dass wir für andere Lebewesen nützlich sein sollen. Es geht darum Dinge zu tun, die nützlich sind und nicht weniger schädlich. Deshalb ist Cradle to Cradle mehr als Umweltschutz.

Also geht es darum, klimaneutral zu wirtschaften?
Was ist klimaneutral? Was für ein Blödsinn neutral sein zu wollen. Kein Baum ist klimaneutral. Wir wollen ja viel mehr gut und nützlich sein – also klimapositiv.

Die Umweltbewegung sagt uns, dass es besser wäre, nicht da zu sein. Dabei müssen wir unser Dasein als Chance und nicht als Belastung empfinden. Hier in Europa sagen uns die Religionen, dass die Menschen böse sind und nur Gott sie erlösen kann und wir nicht gut, sondern nur weniger schlecht sein können.

All das habe ich erst begriffen, als ich zwei Jahre in China war. Wenn man da auf dem Land bei jemandem zu Besuch ist, bleibt man nach dem Essen so lange, bis man die Toilette aufsucht um die Nährstoffe da zu lassen, da wird immer im Kreislauf gedacht.

Das heißt es ist wirklich wichtig seine Rolle neu zu denken. Wir sind keine Schädlinge, sondern nützlich für andere. Uns sagt aber die Umweltbewegung, es wäre besser, nicht da zu sein. In anderen Ländern herrscht eine Kultur der Großzügigkeit, das Leben wird als Chance begriffen nicht als Belastung.

Deshalb geht in China die Tendenz viel mehr zu Cradle to Cradle, weil man das Prinzip viel leichter verstanden hat. Im Islam und Christentum ist der Mensch böse. Deshalb wollen wir hier klimaneutral sein.

Klimaneutral versus Cradle to Cradle

Nachhaltig versus Cradle to Cradle

Welche Unterscheidungen gibt es zwischen der Cradle to Cradle Definition und dem gern verwendeten Begriff „nachhaltig“?
Nachhaltigkeit ist innovationsfeindlich. Echte Innovation ist nicht nachhaltig. Wenn ich Sie frage „wie geht es mit Ihrem Lebensgefährten“ und Sie sagen „nachhaltig“ ist das traurig.

Bei Cradle to Cradle geht es um Qualität und Schönheit und Innovation. Nachhaltigkeit ist gut, um inne zu halten, aber es ist kein Zukunftskonzept. Bei Cradle to Cradle geht es um: rethink, reinvent, redesign. Sprich: man muss alles neu erfinden und nicht weniger schädlich gestalten, sondern nützlich. Das ist einfach eine andere Fragestellung.

In Baden-Württemberg zum Beispiel haben die Grünen massiv Cradle to Cradle verhindert, weil Sie in dem Denken sind, dass es Umweltschutz ist, Müll zu entsorgen. Es geht aber nicht darum zu verzichten und vermeiden, sondern darum, dass man Nützliches macht. Es gibt nichts Böses, nur die Abwesenheit von Qualität. Zu viel Abfall ist ein Qualitätsproblem.

Können Sie das konkretisieren?
Wir machen Stahlbeton und nennen das Recycling, obwohl dabei alle wertvollen Grundmetalle am Ende weg sind. Vor 26 Jahren haben wir eine Waschmaschine vorgestellt, bei der man nicht die Waschmaschine, sondern die Nutzung der Waschmaschine verkauft und dann hochwertige Kunststoffe nimmt.

Wenn der Hersteller das beste Material nehmen kann und die Maschine wieder zurückbekommt, kann er es am Ende wieder neu einsetzten und muss es nicht recyceln.
Wenn Mercedes Stahl nur vermieten, nicht verkaufen würde, dann wäre es billiger und besser.

Ein Windrad enthält 12 Tonnen Kupfer. Aber niemand braucht das Kupfer, sondern nur die Stromleitung. Wenn der Hersteller also die Kupfernutzung verkaufen würde, dann würde ich weniger bezahlen und das Kupfer behält seinen Wert. Gleiches gilt bei Fensterrahmenherstellern. Die 80.000 Tonnen Aluminium in den Fassaden kaufe ich. Damit wird ein Gebäude zur Materialbank und das sollte man eigentlich aus dem Gebäudewert rausrechnen.

Nachhaltig versus Cradle to Cradle

Ist das nicht alles ein sehr langwieriger und umständlicher Prozess?
Das braucht Zeit, und das ist nicht schlimm. Das Mobiltelefon hat 65 Jahre bis zum Endverbraucher gebraucht. Innovationen brauchen eben Zeit. Wir sind aber gut im Zeitplan.

Es gibt mittlerweile 11.000 Cradle to Cradle Produkte. Der Vorstand von BMW hat bei der Bilanzkonferenz vorgestellt, dass ab 2025 alle BMWs nach Cradle to Cradle gebaut werden.

Wie wirtschaftlich ist Cradle to Cradle?

Sind solche Umstellungen nicht unfassbar unwirtschaftlich?
Es gibt viele 100 Cradle to Cradle Produkte in Holland. Man kann damit auch Geld verdienen.

Das erste Cradle to Cradle-Produkt war 1992 ein essbarer Möbelbezug. Normalerweise sind die Zuschnitte hier so giftig, dass sie als Sondermüll verbrannt werden. Wenn die Zutaten essbar sind – was ich übrigens schon rund 60-mal im Fernsehen demonstriert habe – dann können die Zuschnitte an Gärtnereien gehen. Und in der Herstellung sind sie 20 Prozent billiger.

Darüber hinaus gibt es viele Firmen, die das schon machen. Ein Beispiel: in Tübingen werden Cradle to Cradle Druckfarben gemacht, die in Bangladesch produziert werden. Das Wasser, das beim Färben rauskommt, ist trinkbar.

Cradle to Cradle setzt sich durch, weil es kostengünstiger ist. Das sieht man an Elektromotoren, die setzten sich durch, weil es billiger ist, sie zu fertigen.

Wie wirtschaftlich ist Cradle to Cradle?

Ist es Ihrer Ansicht nach ein Konzept für Privatmenschen, die Wirtschaft oder beides?
Es ist wichtig, immer bei uns selbst anzufangen und nicht auf eine Systemänderung zu warten. Jeder kann was tun. Auch fünf Menschen können was ändern.

Wenn man sich zum Beispiel überlegt, dass ein Baby 3.000 Windeln braucht. Das ist eine Gemeinheit, denn Hersteller machen so Profit auf Kosten der Allgemeinheit. Wenn nur fünf Leute zu Aldi zurückkommen würden und die benutzen Windeln zurückgeben würden, weil es nichts anderes als eine Einwegverpackung ist, würde sich vielleicht schon was ändern. Es gibt viele Dinge, wo Menschen handeln können.

Ganz einfach heißt es: Kompost oder Ofen. Sprich: ich verkaufe ein Bett, einen Stuhl, einen Tisch oder einen Bodenbelag mit Pfand und definierter Nutzungszeit. Eine Waschmaschine, die 30 Jahre hält, ist umwelttechnisch eine Katastrophe. Denn Die Innovationszeit eines solchen Geräts liegt bei 9 Jahren. Wenn man Pfand darauf hat, weiß der Hersteller, dass das Produkt zurückkommt und kann das beste Material, nicht das billigste, verwenden und das wiederverwenden.

Was kann jede*r Einzelne tun?

Beim Thema Umweltschutz geht es auch immer um den Verzicht des Einzelnen. Wie viel Verzicht ist bei einer Cradle to Cradle Wirtschaft notwendig?
Wenn ich nur verzichte, zerstöre ich die Welt nur langsamer. Der Planet zerstört sich jetzt schon. Wir brauchen ein anderes Ziel, wir müssen erreichen, dass wir die Treibhausgase von 1900 haben. Dafür reicht es nicht, 10 Prozent weniger Schwein zu sein. Wir brauchen positive Ziele. Der Boden muss wieder aufgebaut werden, eine Landwirtschaft muss Nährstoffe zurückgewinnen.

Wie wirtschaftlich ist Cradle to Cradle?

Kann das Cradle to Cradle Prinzip aber noch rechtzeitig flächendeckend umgesetzt werden?
Ich mache mir da keine Sorgen. Alle führenden Designschulen machen schon Cradle to Cradle. Außerdem ist für die jüngere Generation Anerkennung wichtiger als Geld. Und das Umweltthema ist ein Moralthema.

Die junge Generation will stolz sein und ihnen ist Anerkennung sehr wichtig. Diese narzisstische Selbstachtung ist gut. Denn wer Müll macht, ist ein Idiot und jemand, der giftiges Spielzeug macht, ist doof. Ich will aber nicht doof sein. Das ist ein Qualitätsproblem und wenn ich giftige Produkte mache, dann macht jemand junges nicht mit. Deshalb setzen sich solche Sachen nicht durch, weil junge Leute stolz auf sich sein wollen.

Das Interview führte Julia Schenkenhofer.
Fotos: Pixabay

Wohn- und Geschäftshäuser in massiver Holzbauweise

Die private Baugemeinschaft Z8 hat mit den Architekten von ASUNA ein Wohn- und Geschäftshaus in massiver Holzbauweise errichtet.
Bild: Peter Eichler

Die private Baugemeinschaft Z8 hat in Leipzig-Lindenau mit den Architekten von ASUNA ein selbstgenutztes Wohn- und Geschäftshaus in massiver Holzbauweise errichtet. Es beweist, dass Gebäude in einem städtischen Umfeld auch in Holz errichtet werden können. So erfüllt es auf einem Altlastensanierungsgrundstück einen ganzheitlich ökologischen und nachhaltigen Anspruch.

In diesem Artikel:

Ein Gastbeitrag des Redaktionsbüros van Uffelen.

Massive Holzbauweise als konstruktives Element

Energieoptimiertes Bauen beginnt bei der Wahl des Rohbaumaterials. Deshalb griffen die Architekten von ASUNA – atelier für strategische und nachhaltige architektur auf Holz zurück. Hierdurch reduziert sich die graue Energie zur Erstellung des Gebäudes an der Felsenkellerstraße 1 maßgeblich.

1 Map

Durch die Massiveholzbauweise mit Brettsperrholzelementen der Außenwand- und Deckenkonstruktionen und durch das Brettschichtholz der Stützen-Riegel-Konstruktion sind in dem Gebäude insgesamt etwa 520 Kubikmeter Holz verbaut. Dadurch werden etwa 520 Tonnen CO2 für die nächsten Jahrzehnte fest in dem Gebäude gebunden. Ausschließlich der Treppenhauskern und die Fundamente sind als Stahlbetonkonstruktion ausgeführt. Die Holzkonstruktionen sind auf Abbrand gerechnet und erfüllen die REI 90-Anforderungen, sodass keine Kapselung erforderlich ist.

Mit der inneren Stützen-Riegel-Konstruktion und dem hochflexiblen Fassadenprinzip entstand eine Hülle, die eine Gewerbeeinheit und vier Wohneinheiten aufnimmt und zudem eine große innere und äußere Gestaltungsfreiheit ermöglicht.

Außenansicht des Eckgebäudes: ästhetisch ergänzt das Haus in massiver Holzbauweise das Stadtbild
Außenansicht des Eckgebäudes
Bild: Peter Eichler
Außenansicht am Abend: die Fassade aus Holz fügt sich optisch ansprechend ins Stadtbild ein
Außenansicht am Abend
Bild: Peter Eichler

Energiekonzept und Unterhalt eines Massivholzbaus

Das Gebäude ist ein Effizienzhaus im KfW 55 Standard. Entsprechend des Energiekonzepts von IEBW – Ingenieurbüro für Energieeffizientes Bauen und Wohnen wird das Gebäude über eine Wärmepumpenanlage mit Wärme für Heizung und Warmwasser sowie mit passiver und aktiver Kälte versorgt. Eine 20 Quadratmeter Solarkollektoranlage und wassergeführte Kamine in den Wohneinheiten unterstützen dabei. Zudem versorgt eine Regenwassernutzungsanlage alle Toiletten mit Brauchwasser. Alle Wohneinheiten sind mit bedarfsgeführten Lüftungsanlagen ausgestattet. Diese sind über die Luftfeuchtigkeit gesteuert und reduzieren die Lüftungsverluste sehr effizient. Zugleich legten die Architekten bei der vergrauenden Lärchenholzfassade, den Aluminiumfenstern und den geplanten Dachgärten Wert auf reduzierte Unterhalts- und Instandsetzungskosten.

Massive Holzbauweise kombiniert mit gelasertem Aluminium: Fenster mit Aluminiumschiebeläden
Fenster mit gelaserten Aluminiumschiebeläden
Bild: Peter Eichler

Kooperative Umsetzung des Holzgebäudes

Die hervorragende vernetzte Zusammenarbeit aller Beteiligten war entscheidend für die Umsetzung. Das Architekturbüro ASUNA, der Energieberater IEBW, die Tragwerksplaner Hüls Ingenieure / Blankenfelde-Mahlow und der Entwickler des Brandschutzkonzepts Brandschutz Consult Ingenieurgesellschaft mbH Leipzig standen im regen Austausch mit der Bauherrengemeinschaft Z8 GbR. Trotz der Kombination von massiver Holzbauweise, regenerativem Energiekonzept und hohem Flexibilisierungsgrad für die einzelnen Nutzer sind auf angespannten Immobilienmärkten Erstellungskosten weit unter den üblichen Preisen umsetzbar.

Hofansicht: das Haus kombiniert eine massive Holzbauweise, ein regeneratives Energiekonzept und einen hohen Flexibilisierungsgrad für die einzelnen Nutzer
Hofansicht
Bild: Peter Eichler

Nutzungsflexibilität durch Stützen-Riegel-Konstruktion

In dem Gebäude befinden sich im Erdgeschoss und ersten Obergeschoss eine Gewerbeeinheit mit rund 430 Quadratmetern sowie im zweiten bis vierten Obergeschoss insgesamt vier Wohneinheiten mit jeweils 120 bis 195 Quadratmetern. Das fünfte Obergeschoss mit dem allseitigen Blick über die Dächer der Stadt ist hingegen als gemeinschaftlich nutzbarer Dachgarten ausgebaut.

Blick auf die Straße aus der Gewerbefläche
Blick auf die Straße aus Gewerbefläche
Bild: Martin Jehnichen

Aufgrund der inneren Stützen-Riegel-Konstruktion bleibt das Gebäude hoch flexibel, sodass sowohl Gewerbeeinheit und als auch Wohneinheiten künftig veränderten Nutzungen angepasst werden können: Übrigens ist dies ein weiterer überaus nachhaltiger Aspekt des Holzbaus. Grundlage der individuellen und zeitgemäßen Räume der Wohnungen und der Gewerbeeinheit bilden die offenen Untersichten der Decken sowie die Stützen-Riegel-Konstruktion aus Brettschichtholz.

Holzrohbau der Gewerbefläche
Holzrohbau Gewerbefläche
Bild: Peter Eichler

Städtebaulicher Zugewinn durch Holzbauweise

Nur mit einer engagierten Bauherrengemeinschaft sind innerstädtische, ambitionierte und selbstgenutzte Bauprojekte im wirtschaftlichen Rahmen realisierbar. Indem der Massivholzbau die Grundform des spitzwinkligen innerstädtischen Grundstücks nachzeichnet und die Höhen der benachbarten Bebauungen aufgreift, ergänzt er die Stadtstruktur sinnvoll und bildet einen markanten Anker an einer Hauptverkehrsstraße Leipzigs. Zudem schafft die Aufständerung des Eckbereichs sowohl einen markanten Eingangsbereich für das Gebäude und die Gewerbeeinheit als auch eine öffentliche Durchwegung, die von den Anwohnern intuitiv genutzt wird.

Fassadenansicht des Eckgebäudes
Fassadenansicht des Eckgebäudes
Bild: Peter Eichler

Ästhetik: Holz und Aluminium in abwechslungsreichem Spiel

Holz und Aluminium in ihren ganz unterschiedlichen, aber dennoch harmonierenden optischen und emotionalen Qualitäten bestimmen das Erscheinungsbild. Das hochflexible Fassadenprinzip aus Aluminiumbändern bildet die Grundlage für ein lebendiges Spiel mit unterschiedlichen Fensterformaten. Gleichzeitig betont es die Position der vor der Holzfassade laufenden Schiebeläden aus gelasertem Aluminium. Diese elegante horizontale Gliederung nimmt außerdem die Brandschotten der hinterlüfteten Fassade und der vorvergrauten Lärchenholzverkleidung auf. Sie bewirkt gleichsam ein sich nach Jahres- und Tageszeiten änderndes Erscheinungsbild des Massivholzgebäudes.

Geräumige Wohnfläche mit Loggia
Geräumige Wohnfläche mit Loggia
Bild: Claus Morgenstern

Durch die Mehrschichtigkeit der Fassade entsteht eine räumliche Tiefe, die die grundstückskonforme Gebäudeform unterstreicht. Die individuelle Laserung der Schiebeläden ist auf die Anforderungen des sommerlichen Wärmeschutzes ausgelegt. Sie bildet mit ihrem Schattenspiel nach Innen und dem Durchscheinen nach Außen ein lebendiges und emotionales Element der Fassade. Somit ist der Massivholzbau von ASUNA als ästhetischer Blickfang zugleich ein optischer Zugewinn für den Stadtteil, ein nachhaltiger Speicher für CO2 und ein moderner urbaner Wohnraum für die Nutzer und Nachnutzer der Bauherrengemeinschaft Z8.

Grundriss, Lageplan und Schnitt





Text: Chris van Uffelen

Treffpunkt Sitzlandschaft: gemeinsam Raum gestalten

Treffpunkt Sitzlandschaft: gemeinsam Raum gestalten
Bild: Natalie Brehmer

Das Forschungsprojekt „TransZ – Transformation urbaner Zentren“ hat in Form einer Bauwerkstatt in Stuttgart-Wangen eine temporäre Sitzlandschaft errichtet. Das Projekt zeigt, wie gemeinsame Lebensraumgestaltung funktioniert.

In diesem Artikel:

Ein Gastbeitrag von STUDIO CROSS SCALE.

TransZ Bauwerkstatt Stuttgart-Wangen

Im Rahmen einer Bauwerkstatt haben sich engagierte Bürger*innen und Anrainer*innen zusammengefunden, um gemeinschaftlich einen Beitrag für die zukünftige Gestaltung des Ortszentrums in Stuttgart-Wangen zu leisten. Konkret sollte die Freude am öffentlichen Raum wiederentdeckt und das Bewusstsein geweckt werden, diesen durch einfache Aktionen zu verändern. Die Aktion wurde im Rahmen des Forschungsprojekts „TransZ – Transformation urbaner Zentren“ und unter Leitung von STUDIO CROSS SCALE an einem Samstag im Juni 2019 durchgeführt.

“In der Bauwerkstatt soll die Freude am öffentlichen Raum wiederentdeckt werden…
…dabei nutzen wir den öffentlichen Raum als unser Labor.”

Mitwirkende des Forschungsprojekts TransZ der Hochschule für Technik Stuttgart haben das Reallabor S-Wangen im Vorlauf initiiert. Nach einleitenden Gesprächen mit Vertreter*innen der Stadtverwaltung wurden Interviews mit Schlüsselpersonen geführt und motivierte Multiplikator im Stadtbezirk ausfindig gemacht. Es konnten Personen mit unterschiedlichen Hintergründen und Perspektiven für den Prozess gewonnen werden: Bewohnerinnen, Einzelhändlerinnen, Künstler*innen, sowie Vertreter*innen sozialer Einrichtungen, der Familien- und Jugendarbeit, der Gastronomie und vielen mehr. Diese wurden zu sogenannten „Lenkungskreisen“ eingeladen, um sich über die Zukunft ihres Stadtteilzentrums auszutauschen, Ideen zu entwickeln und Projekte anzustoßen.

Das Organisationsteam der Bauwerkstatt.
Das Organisationsteam der Bauwerkstatt.
Bild: Johannes Eitelbuss
Eine experimentelle Herangehensweise förderte das ungezwungene und ergebnisoffene Ausprobieren.
Bild: Natalie Brehmer

Gemeinsam öffentlichen Raum gestalten

Eine Gruppe von Interessierten fokussierte den öffentlichen Raum. Es wurden verschiedene Anforderungen an die Aufenthaltsqualität in Wangen diskutiert und dabei immer mehr Herausforderungen sichtbar: zu wenige Rastmöglichkeiten im Stadtbezirk, zu wenig Atmosphäre entlang der zentral gelegenen Ulmer Straße, zu einseitige infrastrukturelle Nutzungen der Verkehrsräume.

Die Bauwerkstatt war als Experiment im öffentlichen Raum angelegt und hat alle zum Mitmachen eingeladen.

Sascha Bauer, STUDIO CROSS SCALE

Im weiteren Verlauf wurde der Keltervorplatz für die Durchführung einer Aktion gewählt. Dieser liegt im Zentrum der Ulmer Straße und lädt aktuell nicht zum Verweilen ein: Glascontainer und Altkleider-Container dominieren den Raum, eine Litfaßsäule versperrt den Blick auf die sanierte Kelter aus dem 18. Jahrhundert, zahlreiche Schilder diktieren, wie und wann dieser Ort genutzt werden soll. Bequeme Sitzgelegenheiten und ein Gesamtkonzept des Platzes hingegen fehlen. Außerhalb der kurzzeitigen kulturellen Veranstaltungen wartet der Ort mit einer oftmals leeren und ungenutzten großen Fläche auf.

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Die Bauwerkstatt war als Experiment im öffentlichen Raum angelegt und hat alle zum Mitmachen eingeladen. Gemeinsam mit Bürger*innen vor Ort wurden Ideen entwickelt, wie der Keltervorplatz im Kontext der gewachsenen Strukturen ─ zwischen sozialen Einrichtungen, Gastronomie, Einzelhandel, der historischen Gebäude und diversen weiteren Infrastrukturen ─ so gestaltet werden könnte, dass er in Zukunft auch im Alltag zu vielfältiger Nutzung einlädt. Das heißt, alle waren herzlich eingeladen mitzuwirken und Ideen mit in das Experiment einfließen zu lassen.

“Diese Orte sind Grundsteine für gelingende generationen-und kulturübergreifende Nachbarschaft.”

Temporäre Sitzlandschaft als attraktiver Treffpunkt

Durch gemeinsames Versuchen, Probieren, Testen, Beobachten und natürlich Bauen, wurde spielerisch in Erfahrung gebracht, wie der Keltervorplatz baulich umgestaltet werden sollte, damit ein attraktiver Treffpunkt entstehen kann. Der öffentliche Raum wurde dabei als Labor verstanden, in dem eine räumlich-gestalterische Intervention in Form einer Bauwerkstatt handwerklich umgesetzt wurde. Unter der Leitung von Sascha Bauer von STUDIO CROSS SCALE haben engagierte Wangener an diesem Tag mit dem Bau einer temporären Sitzlandschaft eine neue Organisation des Platzes erprobt.

Mit einer temporären Sitzlandschaft wird eine neue Organisation des Platzes erprobt.
Bild: Natalie Brehmer

Die Zusammenstellung von ortsansässigen Personen mit unterschiedlichsten Hintergründen und Perspektiven war für den Prozess unabdingbar, denn vorhandene Potenziale des Ortes werden erst durch sie auch für Außenstehende sichtbar und erlebbar gemacht. Die experimentelle Herangehensweise förderte das ungezwungene und ergebnisoffene Ausprobieren. Das Vertrauen und die Transparenz der Bezirksverwaltung haben das Vorhaben zusätzlich bereichert.

“Alle Menschen, die sich im öffentlichen Raum fortbewegen sind Spezialisten für ihren Weg. Damit dieser entstehen und wachsen kann, sind Orte der Begegnung nicht nur in Gebäuden, sondern gerade im öffentlichen Raum notwendig.”

Beate Dietrich, Bezirksvorsteherin

Wir freuen uns, dass die erörterten Pro und Kontra Argumente nun der Stadtverwaltung als Vorschlag zur geplanten Umgestaltung des Keltervorplatzes vorliegen. Diese Dokumentation des Prozesses um die Bauwerkstatt in Stuttgart-Wangen vom Juni 2019 soll als Vorlage weiterer Überlegungen an diesem oder auch ganz anderen Orte dienen.

Die Dokumentation der Bauwerkstatt + Bauanleitung finden Sie hier.

Die fertige Sitzlandschaft
Bild: Natalie Brehmer
Die Sitzlandschaft soll ein Ort der Begegnung sein
Bild: Natalie Brehmer

Infos und Videobericht zum Projekt Sitzlandschaft


Bauherr
Forschungsprojekt „TransZ – Transformation urbaner Zentren“, Hafen City Universität Hamburg, Hochschule für Technik Stuttgart, gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

Konzeption
Sascha Bauer, STUDIO CROSS SCALE, Stuttgart

Umsetzung
Dörthe Hauswald, Norbert Jeschick, Severin Klaric, Oliver Klein, Elisabeth Schaumann, Dagmar Staiger, Roland Walser, Sandra Walser, Michael Weinrich, Daniel Zinser


Text: STUDIO CROSS SCALE

Der Bundespreis UMWELT und BAUEN

Der Bundespreis UMWELT & BAUEN; Neuer Bundespreis für nachhaltiges Bauen – Umweltbundesamt und Bundesumweltministerium zeichnen Leuchtturmprojekte in Sachen Nachhaltigkeit aus
Bild: Andrea Kroth

Im September 2020 wurde zum ersten Mal der Bundespreis UMWELT & BAUEN ausgezeichnet. Wir stellen die Gewinner der Kategorien “Wohngebäude”, “Nicht-Wohngebäude”, “Quartier” und “Sonderpreis” vor.

In diesem Artikel:

Ein Gastbeitrag des Umweltbundesamtes.

Neuer Bundespreis für nachhaltiges Bauen – Umweltbundesamt und Bundesumweltministerium zeichnen Leuchtturmprojekte in Sachen Nachhaltigkeit aus

Alle Reden über Nachhaltigkeit beim Bauen – doch die Praxis zeigt: Nachhaltige Neubauten bleiben die Ausnahme. Und auch die Sanierung von Bestandsbauten bleibt hinter den erforderlichen Quoten zum Erreichen der nationalen Klimaziele zurück. Der 2020 erstmals durch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) und das Umweltbundesamt (UBA) ausgelobte Bundespreis UMWELT & BAUEN soll Leuchtturmprojekte auszeichnen und Bauherren und Planer zu mehr Nachhaltigkeit am Bau ermutigen.

Am 29. September 2020 wurden die vier Hauptpreisträger in den Kategorien „Wohngebäude“, „Nicht-Wohngebäude“ und „Quartier“ ausgezeichnet. Weiteren sieben Projekten wurden Anerkennungen ausgesprochen. Ausgewählt wurden die Projekte durch eine interdisziplinär besetzte Jury unter der Leitung von Prof. Christa Reicher und dem parlamentarischen Staatssekretär Florian Pronold. Die Hauptpreisträger und einige Anerkennungen stellen wir Ihnen im Folgenden kurz vor. Weitere Informationen zum Wettbewerb und den Preisträgern sowie Videoportraits zu allen ausgezeichneten Projekten finden Sie auf der Website des Bundespreises UMWELT & BAUEN.

Bundespreis UMWELT und BAUEN: Kategorie Wohngebäude

In der ersten Kategorie wurden das Projekt „Stadthäuser StadtFinken“ (Hamburg) der Architekten ARGE MUDLAFF & OTTE, Studio Witt und MoRe Architekten sowie das Quartier Sewanstraße (Berlin) der HOWOGE jeweils mit einem ersten Preis ausgezeichnet. Die Projekte zeigen: Es gibt nicht nur die eine Lösung, Wohnungsbau in Innenstädten nachhaltig zu gestallten. Je nach Randbedingungen können gänzlich unterschiedliche Konzepte herausragende Beispiele für nachhaltigen Wohnungsbau hervorbringen.

So entstanden auf dem ungewöhnlich langen Baufeld auf dem Gelände eines ehemaligen Klinikums in Hamburg 42 Eigentumswohnungen in 22 Stadthäusern im KfW-Standard-Effizienzhaus 40. Realisiert wurde der niedrige Primärenergiebedarf durch eine hochdämmende Gebäudehülle im Passivhausstandard. Dadurch werden die Wärmeverluste so weit reduziert, dass die erforderliche Energie zur Beheizung über eine Erdwärmepumpe erzeugt werden kann. Unterstützt wird die Wärmeerzeugung durch eine Wärmerückgewinnung aus dem Abwasser. Hierfür wird das warme Abwasser der Wohnungen in einen Zwischenspeicher geleitet und über einen Wärmetauscher das Wasser für die Heizung vorerwärmt.

Bundespreis UMWELT & BAUEN, Kategorie Wohngebäude, Stadtfinken in Hamburg
Auf einem ungewöhnlich schmalen, 145 Meter langen Baufeld in Hamburg wurden 22 Stadthäuser mit 44 Wohneinheiten im Passivhausstandard realisiert.
(Bild: Daniel Sumesgutner)
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Im Berliner Bezirk Lichtenberg entstanden zwei achtgeschossige Wohnhäuser mit 99 Wohnungen im KfW-Standard 40plus. Dabei werden über die Hälfte der Wohnungen als geförderter Wohnungsbau mit Mieten von 6,50 Euro pro Quadratmeter vermietet. Das Projekt schafft nicht nur attraktiven neuen Wohnraum, sondern trägt auch dazu bei, die spezifischen Qualitäten des bestehenden Quartiers auszubauen, Freiräume aufzuwerten und Monostrukturen zu lebendigen, urbanen Räumen weiterzuentwickeln. Durch eine Photovoltaikanlage werden ca. 70 Prozent des Strombedarfs gedeckt. Außerdem kommt ein Batteriespeicher zum Einsatz und alle Wohnungen verfügen über eine kontrollierte Wohnungslüftung mit Wärmerückgewinnung. Das Projekt beweist eindrücklich, dass gesamtheitliche Nachhaltigkeitsanforderungen umsetzt und gleichzeitig die Auswirkungen auf den Mietpreis minimiert werden können.

Bundespreis UMWELT & BAUEN
Gebäude des HOWOGE-Quartiers Sewanstraße in Berlin.
Kategorie Wohngebäude
Bilder: HOWOGE/Dombrowsky
Gebäude des HOWOGE-Quartiers Sewanstraße in Berlin.
Photovoltaikanlage auf dem Dach des HOWOGE-Quartiers Sewanstraße in Berlin.
Bild: HOWOGE/Dombrowsky

Kategorie Nicht-Wohngebäude

Der neue Fachklassentrakt des Schubart-Gymnasiums in Aalen, entworfen von Liebel/Architekten, wurde mit dem Bundespreis Umwelt und Bauen in der Kategorie Nicht-Wohngebäude ausgezeichnet. Bereits im Architekturwettbewerb wurde das Konzept für eine „Null-Energie-Schule“ entwickelt. Ziel war ein Gebäude, welches lokal und regenerativ so viel Energie erzeugt, wie es selbst verbraucht. Das Gebäude in Holz-Hybridbauweise nutzt ein Klimakonzept, welches aktiv die vorhandenen Ressourcen aus Tageslicht, natürlicher Thermik und Erdwärme ausschöpft. So wurde ein 45 Meter langer Erdkanal angelegt, in dem die Zuluft im Sommer vorgekühlt und im Winter vorgewärmt wird. Eine hocheffiziente Wärmerückgewinnung aus der Abluft minimiert die für die Erwärmung benötigte zusätzliche Energie. Entstanden ist so eine Null-Energie-Schule, deren Photovoltaikanlage 100 Prozent des Strombedarfs deckt und deren Lüftungskonzept die natürlichen Ressourcen optimal nutzt.

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Kategorie Quartier

Bestehend aus fünf Mehrfamilienhäusern in Holz-Hybridbauweise in KfW-Standard 40 bietet das Quartier WIR (Deimel Oelschläger Architekten Partnerschaft) in Berlin Weissensee ca. 250 Nutzern neuen Wohnraum. Der Holzanteil der Konstruktion liegt bei 70 Prozent. Möglich wurde der hohe Anteil des nachwachsenden Rohstoffes durch eine Hybridbauweise mit Treppenhauskernen aus Beton, sichtbaren Massivholzdecken, Holzstützen, Unterzügen sowie Holzbalkonen und einer nichttragenden Holztafelfassade mit Zellulosefüllung. Die hochdämmende Gebäudehülle erreicht nahezu Passivhausstandard.

Quartier WIR in Hamburg
Das Quartier WIR vereint unterschiedliche Wohnkonzepte zur Integration unterschiedlicher sozialer Gemeinschaften mit hoher Energieeffizienz.
(Bild: Andrea Kroth)

Doch nicht nur in Sachen Energie- und Rohstoffkonzept setzt das Quartier Maßstäbe. In einem gemeinschaftlichen Planungsprozess entstanden unterschiedliche Wohnkonzepte mit dem Ziel der Integration unterschiedlicher Gemeinschaften. So entstanden neben Miet- und Eigentumswohnungen auch Cluster für mehrere soziale Träger aus Berlin. Gemeinschaftsflächen und Gemeinschaftseinrichtungen wie Bewohnerwerkstatt, Schwimmbad, Quartiersplatz und Kita ermöglichen eine lebendige und vielfältige Nachbarschaft.

Bundespreis UMWELT und BAUEN, Kategorie Quartier, Quartier WIR
Die fünf Mehrfamilienhäuser wurden mit einer Holzskeletbauweise und die Fassade in Holztafelbauweise realisiert.
(Bild: Andrea Kroth)

Bundespreis UMWELT und BAUEN: Anerkennungen in der Kategorie Sonderpreis

Über eine der sieben Anerkennungen konnte sich das Projekt „Recyclinghaus Hannover“ der Cityförster architecture + urbanism Part GmbB freuen. Der überwiegend aus recycelten Baustoffen und Materialien errichtete Prototyp eines freistehenden Einfamilienhauses zeigt eindrücklich, dass die Verwendung von Rezyklaten und rezyklierten Bauteilen nicht auf Kosten von Komfort oder Ästhetik gehen muss. Für den Bau des Recyclinghauses wurden 90 Prozent der Fassadenbekleidung sowie alle Fenster und Türen aus gebrauchten Bauteilen und Baustoffen hergestellt. Dieses Konzept wurde auch im Innenraum fortgeführt. Bei der Verwendung der gebrauchten Baumaterialien wurde auf Regionalität und kurze Transportwege geachtet und diese zum Großteil aus den Gebäudebeständen der Bauherrin GUNDLACH, einem lokalen Bau- und Wohnungsunternehmen, bezogen. Auch auf gute Rückbaubarkeit wurde geachtet, sodass das Recyclinghaus am Ende seines Lebenszyklus auch zukünftigen Bauvorhaben als Materiallager dienen kann.

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Eine weitere Anerkennung ging an die Sanierung und Umnutzung einer denkmalgeschützten Scheune zum Wohnhaus. Das Projekt Sonnenscheune der Hofgut Erler GbR ist ein herausragendes Beispiel für die ökologische und nachhaltige Sanierung im ländlichen Raum. So wurden neben der vorhandenen Bausubstanz in erster Linie regionale, nachwachsende und recyclingfähige Baustoffe verwendet. Auch das historische Fachwerk konnte größtenteils erhalten werden. Die Sonnenscheune erfüllt darüber hinaus die Energiestandards Passivhaus (Passivhausinstitut Darmstadt PHI; entspricht KfW-Effizienzhaus 40 plus) und Sonnenhaus (Sonnenhausinstitut Straubing SHI). Ermöglicht wurde dies durch eine Haus-in-Haus-Konzeption und eine (teil-)autarke Energieversorgung aus 100 Prozent erneuerbaren Energien. Das Projekt ist somit zukunftsweisend für energieeffizientes ländliches Bauen.

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Auch 2021 wird der Preis in vier Kategorien verliehen, die Auslobung finden Sie hier.

Text: Johannes Schwan

Der Deutsche Nachhaltigkeitspreis (DNP)

Der Deutsche Nachhaltigkeitspreis (DNP) prämiert in Zusammenarbeit mit der Bundesregierung die besten Konzepte gegen Erderwärmung, Ressourcenübernutzung, Artensterben und gesellschaftliche Spaltung.
Bild: Christian Koester

Der Deutsche Nachhaltigkeitspreis (DNP) prämiert in Zusammenarbeit mit der Bundesregierung die besten Konzepte gegen Erderwärmung, Ressourcenübernutzung, Artensterben und gesellschaftliche Spaltung. Die Verleihung des 13. Preises schreibt eine Erfolgsgeschichte fort.

In diesem Artikel:

gegen Erderwärmung, Ressourcenübernutzung und Artensterben.

Ein Beitrag unserer Redaktion.

Der Deutsche Nachhaltigkeitspreis (DNP)

Der Deutsche Nachhaltigkeitspreis (DNP) ist die nationale Auszeichnung für Spitzenleistungen der Nachhaltigkeit in Wirtschaft, Kommunen und Forschung. Inzwischen lobt er insgesamt acht Wettbewerbe aus, von Architektur und Design über Städte und kommunale Partnerschaften bis hin zu Forschung und dem Next Economy Award für ‘grüne Gründer’. Mit über 1.000 Bewerbern und über einer Milliarde an Medienkontakten alleine in Deutschland ist er der größte Preis in Europa. Die Auszeichnung wird vergeben von der Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis e.V. in Zusammenarbeit mit der Bundesregierung und kompetenten kommunalen Spitzenverbänden, Wirtschaftsvereinigungen, zivilgesellschaftlichen Organisationen und Forschungseinrichtungen.

Rahmen für die Verleihung ist der Deutsche Nachhaltigkeitstag in Düsseldorf, die meistbesuchte jährliche Kommunikationsplattform zu den Themen nachhaltiger Entwicklung. Selbst in Coronazeiten fand die Preisverleihung live statt. Im Magazin #DNP13 kann man hier über den Preis für 2021 schmökern. Ehrenpreise erhielten diesmal der britische Sänger Sir Elton John, US-Zukunftsforscher Jeremy Rifkin, die Musikerin Joy Denalane und Singer-Songwriter Jack Johnson.

Kommunale Partnerschaften

Kommunen sind weltweit die Orte, an denen sich Klimawandel und andere ökologische und soziale Herausforderungen wie unter einem Brennglas konzentrieren. Hier werden auch Lösungen gefunden und Transformationsprozesse umgesetzt. Kommunale Partnerschaften leisten einen wichtigen Beitrag zu Umwelt- und Klimaschutz, wie auch zu Versöhnung und Friedenssicherung. Seit 2018 werden in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) besonders engagierte kommunale Partnerschaften ausgezeichnet, die sich besonders vorbildlich für die Verwirklichung der Agenda 2030 engagieren. Für 2021 waren es der Landkreis Karlsruhe und die Stadt Brusque in Brasilien.

DNP Kommunale Partnerschaften: Ehrung eines Siegers 2021 mit Zuschaltung von Dr. Christoph Schnaudigel, Landrat des Landkreises Karlsruhe (l.) und Cristiano Olinger, Superintendent of the Brusque Environment Foundation (r.).
Ehrung eines Siegers 2021 mit Zuschaltung von Dr. Christoph Schnaudigel, Landrat des Landkreises Karlsruhe (l.) und Cristiano Olinger, Superintendent of the Brusque Environment Foundation (r.).
Bild: Christian Koester
Weiterer Sieger 2021 Thomas Hirsch, Oberbürgermeister der Stadt Landau (l.) und Valens Habarurema, Bürgermeister des Distrikts Ruhango in Ruanda (r.). DNP Kommunale Partnerschaften.
Weiterer Sieger 2021 Thomas Hirsch, Oberbürgermeister der Stadt Landau (l.) und Valens Habarurema, Bürgermeister des Distrikts Ruhango in Ruanda (r.).
Bild: Christian Koester

Next Economy Award

Der Next Economy Award (NEA) ist die nationale Spitzenauszeichnung für Gründer*innen, die den Wandel zu einer nachhaltigeren Wirtschaft mitgestalten. Ausgezeichnet werden Startups, die mit innovativen Geschäftsmodellen die soziale und ökologische Transformation vorantreiben. Für 2021 vergab ihn die Stiftung DNP e.V. in Zusammenarbeit mit dem Rat für Nachhaltige Entwicklung und dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) zum sechsten Mal. Sie verliehen etwa Fynn Kliemann den Sonderpreis als moderner Unternehmer, den eine außergewöhnliche Kombination aus Gründergeist, Kreativität und Fairness ausmacht.

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Der Deutsche Nachhaltigkeitspreis für Städte

Transformation entscheidet sich kommunal. Der DNP prämiert Städte und Gemeinden jeder Größe, die sich dem Wandel mit einer umfassenden, nachhaltigen Stadtentwicklung stellen – z. B. mit Maßnahmen für besseren Klima- und Artenschutz oder gut durchdachten Bildungsprojekten. Die Sieger erhalten je 30.000 € zweckgebunden für Nachhaltigkeitsprojekte. Insgesamt gibt es für diese Sparte Preisgelder von 90.000 €.

Der DNP Forschung

Für 2021 ging der DNP Forschung in seine neunte Runde. Anders als in den Vorjahren standen diesmal nicht abgeschlossene Projekte, sondern innovative Ideen im Mittelpunkt. Diesmal war das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) Partner, das den Preis zum Thema urbane Bioökonomie auslobte. Sieger war für 2021 ‘loopsai – Künstliche Intelligenz natürlich integriert’, eine Software die den Kreislauf zahlreicher Roh- und Nährstoffe in urbanen Räumen schließen soll.

Thorsten Kluß vom Forschungsbereich Kognitive Neuroinformatik an der Universität Bremen nahm als Sieger den DNP Forschung 2021 in Empfang.
Thorsten Kluß vom Forschungsbereich Kognitive Neuroinformatik an der Universität Bremen nahm als Sieger den DNP Forschung 2021 in Empfang.
Bild: Dariusz Misztal
Mithilfe der intelligenten Software „loopsai – Künstliche Intelligenz natürlich integriert“ könnten wirtschaftlich sinnvolle Lösungen für Stoffkreisläufe betriebsübergreifend entwickelt werden.
Mithilfe der intelligenten Software „loopsai – Künstliche Intelligenz natürlich integriert“ könnten wirtschaftlich sinnvolle Lösungen für Stoffkreisläufe betriebsübergreifend entwickelt werden.
Bild: Frisches Management

Der DNP Unternehmen

Der DNP Unternehmen würdigt Akteure aus der Wirtschaft, die in den wichtigen Feldern Klima, Ressourcen, Biodiversität und Gesellschaft wirksame Beiträge zur Transformation leisten. Ausgezeichnet werden Akteur*innen, die mit innovativen Produkten und Dienstleistungen, hohen ökologischen Standards in der Produktion oder besonderem sozialen Engagement in ihrer Lieferkette eine Vorreiterrolle einnehmen. 2021 war einer der Sieger im Transformationsfeld Klima die gemeinnützige Suchmaschine Ecosia, im Transformationsfeld Biodiversität die Erzeugergemeinschaft Demeter-Felderzeugnisse und im Transformationsfeld Gesellschaft & Fairness das gemeinnützige IT-Unternehmen AfB.

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Der DNP Design

Der DNP Design prämiert die besten Beispiele für nachhaltiges Design aus allen Lebens- und Arbeitsbereichen wie z. B. Einrichtung, Ernährung, Kleidung, Mobilität, Kommunikation und Freizeit. 2021 geht er in seine zweite Runde.

Der DNP Architektur

Deutschlands wichtigster Architekturpreis der Nachhaltigkeit dokumentiert den Wandel im Bausektor. Zusammen mit renommierten Akteur*innen der Architekturwelt zeichnet er Gebäude aus, die transformative Wirkung, Innovation und herausragende gestalterische Qualität verbinden. Gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) hat der DNP 2012 eine Sonderauszeichnung für zukunftsweisendes Bauen ins Leben gerufen. 2019 wurde sie zum eigenständigen DNP Architektur. BDA, BAK und Stiftung Baukultur unterstützen die Auszeichnung. Sieger für 2021 ist das SKAIO in Heilbronn. Zum Zeitpunkt seiner Fertigstellung war es mit zehn Geschossen und einer Höhe von 34 Metern das höchste Holzhochhaus in Deutschland. Über diesen Schwerpunkt berichten wir noch separat.

Sieger für den DNP Architektur 2021 ist das SKAIO in Heilbronn.
Sieger für 2021 ist das SKAIO in Heilbronn. Zum Zeitpunkt seiner Fertigstellung war es mit zehn Geschossen und einer Höhe von 34 Metern das höchste Holzhochhaus in Deutschland.
Bild: Höfele

Text: Achim Pilz

Einzigartige Projekte aus Stampflehm von Martin Rauch

Martin Rauch Projekte – einzigartige Architektur aus Stampflehm
Bild: Beat Bühler

Die Bauten aus Stampflehm von Martin Rauch sind außerordentlich ästhetisch. Sein eigenes Wohnhaus in Schlins stampfte er komplett aus dem Aushub. Die Alnatura-Arbeitswelt in Darmstadt ist europaweit der größte Büro-Lehmbau. Innovativ sind seine kerngedämmten (das heißt in der Wand gedämmten) Stampflehmwände. Mit seiner eigenen Werkhalle schließlich betritt er wieder mutig Neuland. So macht er den Weg frei für ein nachhaltiges Bauen mit dem Aushub.

In diesem Artikel:

Ein Beitrag unserer Redaktion.

Haus Rauch in Schlins

In unserem ersten Artikel über Martin Rauch zeigen wir, warum Stampflehm das Baumaterial des Klimawandels ist und dass man mit Lehm auch Böden, Wände und Möbel spachteln kann. In Schlins stehen gleich mehrere Werke des Lehmbaumeisters mit ästhetisch klarer Linie; das Atelierhaus seiner Firma, das er schon 1994 nachhaltig baute sowie einige Häuser mit Stampflehmelementen. 2008 stellte er mit dem Wohnhaus für seine vierköpfige Familie sein bisher konsequentestes und wohnlichstes Werk fertig. Es besteht fast gänzlich aus dem Aushub der Baugrube. Das ist nachhaltig einmalig und sorgte international für Anerkennung!

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Der Aushub, ein Gemisch aus Lehm und Steinen, wurde gesiebt, der gewonnene Lehm gestampft, gebacken, gespritzt und gespachtelt. Doch fernab heimeliger Ökoromantik ist das Gebäude klar und puristisch, von der Küche bis zum Atelier. Und minimalistisch schön ist es zudem: der Stampflehm mit den großen, unregelmäßigen Steinen ist zudem durch Bänder aus eingelegten, nach außen leicht überstehenden Tonplatten fein gegliedert. Bei Sonnenlicht gibt es ein lebendiges Schattenspiel auf der rauen Lehmwand. Das Flachdach mit eingelassenen Solarelementen ist modern, ebenso wie die großzügigen Öffnungen. Die weiten, sprossenlosen Fenster spiegeln das Bergpanorama.

Einzigartiges Stampflehm Projekt von Martin Rauch; Einmalige erdige Ästhetik des Wohnhaus Rauch in Schlins.
Einmalige erdige Ästhetik des Wohnhaus Rauch in Schlins.
Bild: Beat Bühler

Wie ein Kubus aus Erde steht das Haus unvermittelt am Ende eines Sträßchens auf der grünen Wiese. Aus der Ferne ist es auffallend scharfkantig. Obwohl es relativ klein ist – 135 Quadratmeter Wohnfläche, 30 Quadratmeter Atelier – wirkt es sehr kraftvoll. Die warme Erdfarbe und die Streifen aus Tonplatten, deren Abstände kaum merklich variieren, lockern den Eindruck. Von nahem wirkt der Stampflehm lebendig mit unterschiedlich großen, hellen Steinen und kleinen Unregelmäßigkeiten. Das Innere ergänzen gespachtelte Flächen sowie Boden- und Wandfliesen der Keramikkünstlerin Marta Rauch. Das in Zusammenarbeit mit Roger Boltshauser geplante Wohnhaus war Rauchs Durchbruch bei modernen Architekten. Danach folgten die Zusammenarbeit mit dem international erfolgreichen Büro Herzog & de Meuron und die Alnatura Arbeitswelt in Darmstadt.

Gedämmter Stampflehm für Alnatura

Die Alnatura Arbeitswelt, das europaweit größte Bürogebäude mit Lehmfassade, wurde 2019 eröffnet. Das nachhaltige Gebäude der Architekten haascookzemmrich STUDIO2050 steht auf dem besonders nachhaltigen, 55.000 Quadratmeter großen Alnatura Campus im Südwesten von Darmstadt. Für ihn wurde das ehemalige US-Kasernengelände der Kelley-Barracks umfassend renaturiert; Versiegelte Flächen wurden aufgebrochen und das anfallende Material in den Freiflächen verbaut.

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Heute beleben das Konversionsgelände ein Waldorfkindergarten, ein Park, Teiche, Sportflächen sowie Flächen für den Ökolandbau. Herzstück des Campus’ ist die Alnatura Arbeitswelt, eine helle und moderne Bürolandschaft mit Platz für 420 Mitarbeiter*innen. Sorgfältig ausgewählte Baumaterialien und ein optimiertes passives Gebäudekonzept erzeugen ein behagliches Raumklima. Der intelligente, stoffgerechte Einsatz der Baumaterialien und die Reduzierung der technischen Anlagen zum Heizen, Lüften und Kühlen schonen Ressourcen und sparen Energie und Kosten im Betrieb. Wichtigstes Bauteil ist die Stampflehmfassade.

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Um Stampflehm innen wie auch außen zu zeigen, musste die Fassade in ihrem Kern gedämmt werden. So baute Pionier Rauch die erste pure Stampflehmwand mit Kerndämmung überhaupt. Ihre Oberflächen innen und außen waren nach dem Stampfen quasi fertig. Nur die Fugen und eventuelle Fehlstellen wurden noch retuschiert und innen die sandende Oberfläche transparent stabilisiert. Die Außenseite der Elemente schützen wasserfeste Schichten aus eingestampftem Kalk. Rauch rechnet mit einem Abtrag der Fassade von 1-2 cm innerhalb von 70 Jahren. Man kann gespannt sein, wie sie sich über die Jahre verändert, reift, Patina und Charakter bekommt. Besucher*innen können das nach dem Ende des Lockdowns wieder bei einem vegetarischen oder veganen Essen mitverfolgen und ihre erdige Macht auf sich wirken lassen. Die Kantine der Beschäftigten im Gebäude ist gleichzeitig das öffentliche Restaurant „tibits“.

Ein Projekt von Martin Rauch: die Alnatura Arbeitswelt. Auch im Inneren der preisgekrönten Alnatura Arbeitswelt ist der Stampflehm mit seiner natürlichen Ästhetik prägend.
Auch im Inneren der preisgekrönten Alnatura Arbeitswelt ist der Stampflehm mit seiner natürlichen Ästhetik prägend.
(Bild: Roland Halbe)

Stampflehm: Zentrale Fertigung

Um Stampflehmfassaden rationell zu produzieren, hat der Lehmkünstler eine lange, fast vollautomatische Fertigungsstraße mit einem Stampfroboter entwickelt. Auf dem Campus baute er sie in einer ehemaligen Fahrzeughalle auf. Er verwendete Lehm aus dem Westerwald, recyceltes Material aus dem Tunnelaushub von Stuttgart 21 und den Kelley-Barracks sowie Lavaschotter aus der Eifel. Somit kommen die Materialien nicht mehr direkt aus der Nähe. Bei einem Vortrag auf dem DGNB Tag der Nachhaltigkeit 2019 rechnete Professor Thomas Auer von Transsolar Klimaengineering vor, dass der Transport einen signifikanten Einfluss auf den Energieaufwand für den Bau einer Stampflehmwand hat. Die Nutzung von lokalem Material reduziert ihn um bis zu 80 %. Weit weniger ästhetisch könnte man den gleichen Effekt für das Raumklima – viel Masse, frei erreichbar für die Raumluft – auch günstiger erreichen. Andererseits spart man sich so in Stuttgart auch Kosten für das Deponieren des Tunnelaushubs.

Mit Aushub bauen

Mit Aushub zu bauen ist ein Thema mit sehr viel Potential. Das zeigt sich auch bei der aktuell im Bau befindlichen neuen Metrolinie um Paris, der ‘Grand Paris Express’. Aus einem Teil des immensen Aushubs soll in Ivry in dem Projekt ‘Cycle Terre’ ein ganzes Viertel entstehen. Martin Rauch war vor Ort und hat den Aushub geprüft. Er kann für Lehmsteine, -putz und -innenwände verwendet werden. Aktuell entsteht eine Fabrik, die 15.000 bis 25.000 Tonnen Erde pro Jahr in Baumaterial umwandeln soll. So lassen sich die Massen für Temperatur- und Feuchteausgleichswirkungen in einem ressourcenschonenden, den Klimawandel berücksichtigenden Bauen günstig integrieren.

Für die Projekte von Martin Rauch wird mit Stampflehm gebaut. Produktion von Stampflehm; In Zukunft wird immer mehr mit dem Aushub gebaut werden.
In Zukunft wird immer mehr mit dem Aushub gebaut werden.
Bild: Lehm Ton Erde

Neuland ERDEN Werkhalle

Seit Mai 2019 stampft Martin Rauch in Schlins eine neue, große Werkhalle mit Planungsbüro. Auch hier betritt er wieder Neuland. Denn die Stampflehmwand trägt diesmal nicht nur ihr eigenes Gewicht, wie bei Ricola oder Alnatura, sondern auch das Dach und die schwere Technik, die zum Ausführen der Stampfarbeiten benötigt wird. Kombiniert sind die erdigen Wände mit einer schönen Holzkonstruktion. Und natürlich stampfte Rauch die Lehmwände direkt vor Ort auch aus lokalem Material. So macht er den Weg frei für das Bauen mit dem Aushub und viele weitere ästhetische Stampflehmbauten.

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Ein weiteres Projekt von Martin Rauch ist die ERDEN Werkhalle mit Wänden aus Stampflehm; Die Erden Werkhalle nutzt Sonnenenergie passiv. Trombe-Wand nennt man die Kombination aus Kollektorverglasung und massiver Wand.
Die Erden Werkhalle nutzt Sonnenenergie passiv. Trombe-Wand nennt man die Kombination aus Kollektorverglasung und massiver Wand.
Bild: Hanno Mackowitz

Filmtipps

Lehm als nachhaltiger und innovativer Baustoff in der TV-Thek – BR Fernsehen. Ab min 30 über den Neubau der ERDEN Werkhalle.

Kurzer Dokumentarfilm über den Schulpavillon Allenmoos und den Neubau eines Stadtspitals in Zürich mit viel Lehm. Gesichtspunkte sind Gesundheit, Ressourcennutzung, Gebäudetechnik sowie gesellschaftliche Bedeutung.

Text: Achim Pilz

Bosco Verticale: Waldtürme zum Wohnen

Bosco Verticale in Mailand von Stefano Boeri: Waldtürme zum Wohnen
Bild: Boeri Studio

Der Bosco Verticale ist eines der beeindruckendsten Hochhäuser der Welt. Wie es dem Architekten Stefano Boeri mit seinem Team gelang, über 800 Bäume und Tausende weitere Pflanzen an seiner Fassade wachsen zu lassen, erfahren Sie hier.

In diesem Artikel

Ein Beitrag unserer Redaktion.

Grün statt Grau: Der Bosco Verticale

Als der damals 50-jährige italienische Architekt Stefano Boeri mit der Planung von zwei Wohntürmen mitten in Mailand beauftragt wurde, kam ihm ein faszinierender Gedanke: Wie wäre es, die Fassade nicht aus Mineralstoffen, sondern aus lebender Natur zu gestalten?

Die beiden Wohntürme, das sind die heute weltberühmten Zwillingstürme Torre E und Torre D des Bosco Verticale. „Bosco Verticale“ ist Italienisch und bedeutet „vertikale Wälder“. Stefano Boeri entwarf die begrünten Doppeltürme zusammen mit den beiden Architekten Gianandrea Barreca und Giovanni La Varra. Es war ihr Gegenprogramm zu Stahl und Glas. „Wir wollten inmitten dieser Glastürme eine Art neues Manifest schaffen“, erklärt Stefano Boeri.

Dieses Manifest für mehr Grün in Städten ist ihnen gelungen: Auf rund 400 Terrassen wachsen 800 Bäume, 4.500 Sträucher und über 15.000 weitere Grünpflanzen und Kräuter. Insgesamt wird so eine Fläche von 1.700 Quadratmetern begrünt.

Eine clevere Idee, denn freie Flächen fehlen oft in der Stadt, aber senkrechte Flächen an Hauswänden gibt es hier mehr als genug.

Stefano Boeri liebt Bäume, ganz besonders die Linde, den Olivenbaum und die Birke
Stefano Boeri liebt Bäume, ganz besonders die Linde, den Olivenbaum und die Birke
Bild: Chiara Cadeddu
Der vertikale Wald ist ein architektonisches Highlight in Mailand
Der Bosco Verticale in Mailand liegt direkt an einem Park und in unmittelbarer Nähe zum weitgrößten Bahnhofs Mailands, dem Porta Garibaldi
Bild: Boeri Studio/Dimitar Harizanov

Schon Monate vor ihrer Vollendung waren die Zwillingstürme Stadtgespräch in Mailand. Die weit auskragenden Balkone zogen alle Blicke auf sich und mehr noch, als diese Schritt für Schritt mit Bäumen, Sträuchern und Stauden bepflanzt wurden. Allein die Bepflanzung der Wohntürme dauerte über ein Jahr. Eine gestapelte Parklandschaft, mitten in Mailand.

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Architektur meets Botanik

Eine der größten Schwierigkeiten beim Bau der Zwillingstürme war es, geeignete Pflanzen zu finden. Für die unterschiedlichen Höhen und Standorte auf der Fassade mussten die richtigen Bäume ausgewählt werden, die diverse Voraussetzungen erfüllen:

Sie müssen mit wenig Platz auskommen – schließlich bieten die Pflanzgefäße auf den Balkonen viel weniger Platz zur Bewurzelung als in der freien Natur. Auch windfest sollten sie sein, denn die Türme sind immerhin 76 und 110 Meter hoch. Außerdem sollten die Pflanzen möglichst wenig anfällig für Schädlinge und Krankheiten sein und wenig Wasser benötigen, um den Pflegeaufwand gering zu halten. Sie sollten keine Allergien auslösen oder giftig sein. Und schließlich sollten sie auch hübsch aussehen, um den Bewohnern und Betrachtern zu jeder Jahreszeit einen attraktiven Anblick zu bieten.

Die grüne Terrassen sind der Hingucker des Bosco Verticale
Bild: Boeri Studio/Dimitar Harizanov

“Bosco Verticale ist ein Haus für Bäume, in dem auch Menschen wohnen”

Stefano Boeri im Interview mit Stayinart auf der Triennale in Mailand

Dem Architektentrio war schnell klar: Hier ist biologisches Fachwissen gefragt. Die Botanikerin Laura Gatti wählte schließlich insgesamt 20 Baum- und 80 Pflanzenarten aus, die eigens für ihren Einsatz am Bosco Verticale herangezogen wurde. Ihre Wahl fiel unter anderem auf Eschen, Ilex und Olivenbäume.

Über zwei Jahre hinweg wurden die Bäume des Bosco Verticale daran gewöhnt, auf kleinem Terrain zu wachsen. Im Windkanal wurden die Pflanzen auf ihren Einsatz an der Fassade vorbereitet. Zum Schluss verteilte die Botanikerin sie wie ein dreidimensionales Kunstwerk auf die Fassade.

Dieses Kunstwerk aus Architektur und Botanik wurde nur möglich durch eine sorgfältige Vorauswahl der eingesetzten Bäume und Stauden
Dieses Kunstwerk aus Architektur und Botanik wurde nur möglich durch eine sorgfältige Vorauswahl der eingesetzten Bäume und Stauden
Bild: Boeri Studio/Giovanni Nardi

Pflanzen als Gemeinschaftsgut

Heute sind die Pflanzen für alle da. Sie sind ein geteiltes Gut, von dem alle Bewohner des Bosco Verticale profitieren. Sie sind Eigentum der Hausgemeinschaft, die Bewässerung und Pflege wird zentral erledigt. Das ist praktisch, weil keine Mehrarbeit für die Bewohner anfällt, und notwendig, um eine professionelle Versorgung der Pflanzen zu gewährleisten. Aber es ist nicht billig: Mailänder Medien haben errechnet, dass für die Bewässerung und Pflege der Pflanzen rund 1500 Euro Nebenkosten pro Monat und Wohnung anfallen.

Die „fliegenden Gärtner“ seilen sich zweimal pro Jahr an den Wänden der Hochhäuser ab und kümmern sich um die Pflanzen
Die „fliegenden Gärtner“ seilen sich zweimal pro Jahr an den Wänden der Hochhäuser ab und kümmern sich um die Pflanzen
Bild: Boeri Studio/Laura Cionci

Wie nachhaltig ist der Bosco Verticale wirklich?

Im Jahr seiner Fertigstellung wurde der Bosco Verticale 2014 in Frankfurt mit dem angesehenen Internationalen Hochhaus Preis (IHP) als weltweit innovativstes Hochhaus ausgezeichnet. Begründung: Mit dem Bau des Bosco Verticale wurde Pionierarbeit für die Bepflanzung von Hochhäusern geleistet. Aber sind die Waldtürme auch nachhaltig?

Fest steht: Der vertikale Wald verbessert das Mikroklima in den Wohnungen und auf den Balkonen. Die Pflanzen erzeugen Feuchtigkeit und dienen gleichzeitig als Luftfilter: Sie absorbieren CO2 sowie Staubpartikel und setzen gleichzeitig rund 19 Tonnen Sauerstoff pro Jahr frei.

Auch auf psychologischer und körperlicher Ebene hat die Bepflanzung eine bedeutende positive Wirkung auf die Bewohner.

Die Vegetation an den Hochhäusern neuen Lebensraum für Insekten und Vögel. so können die Wohntürme als Trittsteinbiotope zwischen den öffentlichen Parks fungieren. Die Türme sollen so einen Beitrag zu einem Biotopverbundsystem einer Stadt liefern.

Auch in Sachen Energieversorgung setzen die Mailänder Türme auf Nachhaltigkeit und nutzen Geothermie. Vier unterirdische Pumpen beheizen die Wohnungen des Vertikalwaldes.

Grüne Wohntürme wie der Bosco Verticale leisten in Stadtgebieten einen wesentlichen Beitrag gegen die Auswirkungen des Klimawandels, verbessern die Luft und die Lebensqualität der Bewohner
Grüne Wohntürme wie der Bosco Verticale leisten in Stadtgebieten einen wesentlichen Beitrag gegen die Auswirkungen des Klimawandels, verbessern die Luft und die Lebensqualität der Bewohner
Bild: Boeri Studio/Dimitar Harizanov

Kritik am Bosco Verticale – und Boeris Antwort

Für die Fassade mit vertikalem Wald musste viel Beton verbaut werden, was die CO2-Bilanz ungünstig beeinflusst. In einem Interview mit der FAZ entgegnete Stefano Boeri dieser Kritik: „Der Bosco Verticale in Mailand war der Beginn von etwas Neuem. Man hätte dort auch ein normales Hochhaus hinstellen können. Stattdessen stehen da jetzt zwei Wohntürme, an deren Fassade so viele Pflanzen wachsen, wie normalerweise auf etwa drei Hektar Wald.“

Bei den aktuellen Projekten des Architekturbüros wird die CO2-Reduktion beim Bauen fortwährend verbessert. Ein vertikaler Wald in Paris wird beispielsweise ganz aus Holz konstruiert sein.
Bei den aktuellen Projekten des Architekturbüros wird die CO2-Reduktion beim Bauen fortwährend verbessert. Ein vertikaler Wald in Paris wird beispielsweise ganz aus Holz konstruiert sein.
Bild: Laila Pozzo/Michelangelo Foundation

Das Bosco Vertikale ist ein Prestigeprojekt. Wirtschaftlich gesehen waren die Zwillingstürme daher nicht gerade nachhaltig, wenn man auf die Bau- und Investitionskosten, aber auch Bewirtschaftungskosten blickt. Gekostet hat der Bau 55 Millionen Euro, die Eigentumswohnungen darin gab es für je 6.000 bis 7000 Euro pro Quadratmeter. Heute wohnen im Bosco Verticale die reichen Mailänder: Fußballer der Mailänder Clubs, Modeleute oder Rapper. Wer nicht dazugehört, wird am Eingang abgefangen. Stefano Boeri selbst lebt auch im Bosco Verticale und hat hier sein Büro.

Doch auch in Sachen wirtschaftlicher Nachhaltigkeit will das erfolgreiche Architektenbüro um Stefano Boeri bald nachjustieren. So soll im Jahr 2021 im niederländischen Eindhoven ein Sozialwohnungsprojekt begrünt werden: Im 19-stöckigen Trudo Vertical Forest bekommt jede Wohnung ihren einen eigenen Baum. Außerdem sind weitere 5.200 Sträucher und Pflanzen vorgesehen. Die Appartements sollen für rund 700 Euro Mietkosten pro Monat angeboten werden.

Mehr zum vertikalen Wald in Einhoven erfahren Sie hier.

Seit dem Bau des Bosco Verticale sind außerdem auch in vielen anderen Ländern Waldtürme entstanden oder geplant, beispielsweise in China, Brasilien, Mexiko, Indien, Indonesien, Frankreich, Spanien und Deutschland.

Stefano Boeris Manifest für mehr Nachhaltigkeit

Stefano Boeri setzt nicht des guten Prestiges und Images wegen auf spektakuläre Green Buildings. Der Architekt hat eine Mission: Seine globale Kampagne soll für mehr Bäume und Pflanzen in unseren Städten sorgen – für uns und für unseren Planeten. Denn Städte gehören zwar zu den wichtigsten Verursachern der globalen Erderwärmung, können aber selbst zur Lösung des Problems beitragen, indem sie für mehr Grün sorgen und mithelfen, die Klimaerwärmung umzukehren.

Das sind Stefano Boeris Vorschläge für grüne Städte:

Parks, Gärten, Wälder oder von Bäumen gesäumten Alleen in der Stadt anlegen

Stadtdächer in Rasenflächen und Gemüsegärten verwandeln

Grüne Fassaden auf Mauern und Hochhäusern anlegen

Städtische Innenhöfe in grüne Oasen verwandeln

Grüne Korridore in der Stadt schaffen, um die verschiedenen grünen Inseln miteinander zu verbinden

Förderung von Gemeinschaftsgärten und städtischer Landwirtschaft („Urban Gardening“)

Text: Kerstin Dunker

Nachhaltigkeit im Arbeitszimmer: Massivholzmöbel

Nachhaltigkeit im Arbeitszimmer: Massivholzmöbel

Wer sein Arbeitszimmer nachhaltig gestalten möchte, setzt am besten auf Massivholzmöbel: Sie sehen nicht nur gut aus, sondern bergen auch jede Menge Vorteile. Doch nicht nur das Mobiliar entscheidet, wie umweltfreundlich das Homeoffice ist – auch der Energieverbrauch der Geräte und die Qualität der Arbeitsmaterialien spielen eine wichtige Rolle.

In diesem Artikel:

Ein Gastbeitrag von Ekomia.

Nachhaltigkeit im Arbeitszimmer: Gar nicht so schwer

Wenn es um Nachhaltigkeit geht, ist das Arbeitszimmer oft kein Vorbild. Im Homeoffice wird häufig in praktische, aber kurzlebige Artikel, wie Ablagesysteme oder Rollcontainer, investiert. Doch Nachhaltigkeit und Praktikabilität schließen sich nicht aus – im Gegenteil!

Zahlreiche Produkte für das Arbeitszimmer sind mit Umwelt-Siegeln wie dem Blauen Engel, dem EU-Ecolabel oder dem FSC-Siegel versehen. Schon auf den ersten Blick wird dadurch deutlich: Hier handelt es sich um umweltverträgliche bzw. ökologische Artikel. Und auch „Praktisch, stylisch oder nachhaltig?“ muss keine Entweder-Oder-Frage sein. Denn ein Arbeitszimmer aus Massivholz erfüllt all diese Anforderungen mühelos.

Warum Massivholzmöbel? 4 Vorteile für das Arbeitszimmer

  • Nachwachsender Rohstoff: Holz ist ein Naturprodukt
  • Positive Eigenschaften: Massivholz wirkt feuchtigkeitsregulierend im Raum
  • Qualität: Massivholzmöbel sind hochwertige und langlebige Investitionen
  • Pflegeleicht: Möbel aus massivem Holz lassen sich immer wieder aufbereiten

Massivholzmöbel ins Arbeitszimmer integrieren: So klappt es am besten

Im Arbeitszimmer sind bei Möbeln vor allem drei Faktoren entscheidend: Viel Stauraum, eine praktische Handhabung und ein klares Design. Einige Key-Pieces sind daher Pflicht.

Schreib- und Stehtische: Ergonomisch – langlebig – nachhaltig

Der Schreibtisch ist das zentrale Möbelstück jedes Arbeitszimmers. Warum nicht also direkt auf einen nachhaltigen Tisch aus Massivholz setzen? Egal, ob vollständig aus Holz gefertigt oder Massivholz-Elemente wie die Tischplatte: ein Massivholz-Schreibtisch ist eine stylische Möglichkeit, das Arbeitszimmer etwas nachhaltiger zu gestalten.

Traditionelle Schreibtische aus Massivholz sind ein echter Blickfang, doch Stehtische sind aktuell die beste Möglichkeit, ergonomisch zu arbeiten. Modelle aus Massivholz erweisen sich in doppelter Hinsicht als sinnvoll: Nachhaltig trifft gesund. Besonders praktisch an Massivholz-Tischen ist zudem, dass sie mit etwas Schleifpapier und Möbelöl immer wieder von Kratzern, Unebenheiten und Co. befreit werden können – und jedes Mal wie neu erscheinen.

Regale und Schränke: Einfach ordentlich

In jedem Office sind Regalsysteme oder Schränke ein Muss – denn Ordnung ist vor allem im Büro das halbe Leben. Wer keine Lust auf wackelige Regale mit wenig Platz hat, setzt auch dabei auf Massivholz Sideboards.

Dank zahlreicher Optionen für Aufteilung, Optik und Größe ist garantiert das passende Schrankmöbel für jedes Office dabei. Durch die langlebige Qualität des natürlichen Rohstoffs bleibt das Möbelstück dauerhaft stabil – und so jahrzehntelang ein fester und nachhaltiger Bestandteil jedes Arbeitszimmers.

Arbeiten auf kleinem Raum: Massivmöbel für kleine Zimmer

Beim nachhaltigen Einrichten geht es vor allem um zwei Dinge: Die Möbelstücke sollen lange Freude bringen und sich möglichst gut in den Raum einfügen. In überschaubaren Arbeitszimmern haben schon kleine Veränderungen einen großen Effekt.

Ein Sekretär aus massivem Holz ist ein Platzwunder für kleine Räume. Er bietet Stauraum für Bürobedarf und ist gleichzeitig eine tolle Alternative zu einem großen Schreibtisch. Kleine Bürohelfer wie Rollcontainer oder Wandregale nehmen zudem wenig Platz ein – denn sie sind flexibel verschiebbar oder an der Wand angebracht. Gleichzeitig bergen sie wertvollen Stauraum, der besonders in kleinen Arbeitszimmern dringend benötigt wird.

Kleine Schritte zu mehr Nachhaltigkeit: Praktische Ideen für das Arbeitszimmer

Doch Nachhaltigkeit im Arbeitszimmer hängt nicht nur mit der Wahl des Mobiliars zusammen. Schon einmal an diese Punkte gedacht?

Augen auf bei Ordnungshelfern: Ablagesysteme, Schreibwaren und Co. sind oftmals nicht sehr nachhaltig gefertigt. Durch den Einsatz von hochwertigen Materialien oder recycelten Produkten ist auch hier ein verantwortungsvoller Konsum garantiert.

Sparsam sein: Egal ob bei Materialien, Strom oder neuen Geräten: Hoher Verbrauch ist das Gegenteil von Nachhaltigkeit. Ein erster Schritt hin zu mehr Ökologiebewusstsein ist es, den eigenen Konsum zu überdenken. Es bietet sich an, bei Papier auf eine umweltfreundlich produzierte (Recycling-)Variante umzusteigen.

Weniger ist mehr: Ein aufgeräumter Schreibtisch ist nicht nur gut für klare Gedanken – sondern auch für mehr Nachhaltigkeit im Arbeitszimmer. Denn wer lieber bewusst und so auch weniger kauft, zum Beispiel Bücher oder Hardware für den PC, tut ganz nebenbei auch etwas für die Umwelt.

Technisch einwandfrei: Besonders bei technischen Geräten gerät die Nachhaltigkeit oft aus dem Fokus. Durch die Nutzung von Elektronik mit geringem Energieverbrauch ist ein erster Schritt dahin getan. Noch besser: Refurbished IT, also wiederaufbereitete Geräte, die dadurch einen zweiten Produktlebenszyklus bekommen – und so den schnelllebigen Konsumkreislauf durchbrechen.

Doppelter Nutzen: Objekte wie Lampen, Ordner oder auch kleinere Möbelstücke sind nach dem Aussortieren nicht direkt für den Sperrmüll bestimmt. Denn wer doppelt nutzt, lebt nachhaltiger. Vielleicht besitzen Familienmitglieder oder Freunde noch leere Ordner, die im Homeoffice einen neuen Platz finden. Auch Online-Flohmärkte bieten ein riesiges Sammelsurium an funktioneller Office-Ausstattung aus zweiter Hand.

Kleine Schritte zu mehr Nachhaltigkeit: Praktische Ideen für das Arbeitszimmer

Stück für Stück zu mehr Nachhaltigkeit im Arbeitszimmer

Sich in den eigenen vier Wänden – und auch im Arbeitszimmer – wohlzufühlen, ist wichtiger denn je: Seit Corona arbeiten immer mehr Menschen immer regelmäßiger im Homeoffice. Ein guter Grund, das heimische Büro nach den eigenen Vorstellungen umzugestalten. Dass sich Funktionalität und Nachhaltigkeit dabei nicht ausschließen müssen, zeigen die obenstehenden Tipps.

Ob hochqualitative Möbel aus Massivholz, energieeffiziente Technik oder Arbeitsmaterialien aus Recycling-Materialien – es gibt zahlreiche Möglichkeiten, das Arbeitszimmer sukzessive ökologischer werden zu lassen. Denn Nachhaltigkeit muss nicht von heute auf morgen passieren. Wer sein Zuhause langfristig optimiert und umweltverträglich gestaltet, handelt sprichwörtlich nachhaltig.

Weitere Einrichtungsideen finden Sie bei Ekomia.

Text und Bilder: Ekomia

Martin Rauch – Lehm gestampft und gespachtelt

Martin Rauch – Lehm gestampft und gespachtelt
(Bild: Beat Bühler)

Lehm ist das Baumaterial des Klimawandels. Er gilt als das ökologischste Material überhaupt, ist ästhetisch und kann das Raumklima verbessern. Martin Rauch holt es aus der Ökoecke und macht es auch für moderne Gestaltungen interessant. Er verarbeitet es klar und minimalistisch und betont so die Wärme und Einmaligkeit des erdigen Materials.

In diesem Artikel:

Ein Beitrag unserer Redaktion.

Lehmpionier Martin Rauch

Im Zuge des Klimawandels und der Notwendigkeit, nachhaltig zu bauen, hat sich Lehm wieder zu einem echten Trend entwickelt, nicht nur für besonders ökologische Planer und Bauherren. Das nachhaltige Baumaterial ist im großen Umfang verfügbar und kann so eingebaut werden, dass es stets wiederverwendbar ist. Es punktet durch sehr gute Temperatur- und Feuchteausgleichswirkung, geringen Energiebedarf und Schadstofffreiheit, wie auch der Dachverband Lehm betont. Vermehrt wird das Material, das heute noch in den Tiefen vieler Fachwerkhäuser und Baudenkmäler zu finden ist, für sichtbare Oberflächen eingesetzt.

Die Modernisierung von Lehm treibt der renommierte Stampflehmexperte Martin Rauch besonders voran. Am liebsten verwendet er lokales Material, aus dem er Bauteile in allen Maßstäben vorfertigt, um sie in den modernen Bauprozess einzugliedern. Seine ersten Projekte aus den 1990er Jahren tragen eine künstlerische Handschrift. Seine aktuellen Bauten sind von den technischen Innovationen geprägt, die er in 30 Jahren Lehmbau entwickelt hat.

Portrait Martin Rauch

1958 im österreichischen Schlins, einer Gemeinde in Vorarlberg, geboren, hat Martin Rauch die Fachschule für Keramik und Ofenbau und die Meisterklasse für Keramik an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien besucht. Seit 1985 konzipiert, plant und realisiert er Lehmbauprojekte im In- und Ausland. 1999 gründet er seine Firm ‘Lehm Ton Erde, Baukunst GmbH’, 2007 ‘ERDEN’, um Stampflehm vorzufertigen. Er erhielt nationale und internationalen Preis, wie den für nachhaltige Architektur Fassa Bortolo Italien.

Lehmpionier Martin Rauch
Martin Rauch ist der erfahrenste Stampflehmbauer in Europa, baut mit international renommierten Architekten und erhielt den Terra Award für technische Innovationen.
(Bild: Hanno Mackowitz)

2016 wurde er vom Terra Award, dem ersten internationalen Lehmpreis, für seine technischen Innovationen beim Bau der Stampflehmfassade des Ricola Kräuterzentrums ausgezeichnet. Er lehrte an verschiedenen Fachhochschulen und Universitäten. Unter anderem war er zusammen mit Anna Heringer (Bauprojekt: eine Schule in Bangladesh) Gastdozent am Departement Architektur der ETH Zürich und ist seit 2010  Honorarprofessor des UNESCO-Lehrstuhls ‘Earthen Architecture’.

Moderner Stampflehm – Material und Eigenschaften

Seit Anbeginn des Bauens wird Lehm für massives Bauteile eingesetzt: Teile der großen Mauer in China, Pyramiden in Ägypten, ganze Städte und Burgen in Marokko. Massive Stampflehmwände können passiv Sonnenwärme und Nachtkühle speichern. Mit in die Wand eingelegten Wasserleitungen können sie auch aktiv wärmen und kühlen. Aktuell wird Stampflehm gerne aus ästhetischen Gründen eingesetzt. Durch seine horizontalen Schichten mineralischer Farbtöne und die unterschiedlich großen Steinen wirkt er sehr naturnah – ähnlich selbstverständlich, wie eine Trockenmauer in einem Garten. Elemente wie Wandscheiben, Öfen, Sitzbänke oder Tresen werden dazu Schicht für Schicht gestampft. Traditionell geschah das vor Ort. Dabei ist es eine Kunst, Lehm, Zuschläge und Wasser richtig zu rezeptieren.

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Heute wird meist auch ein Kunststoffgitter zur Verbesserung der statischen Eigenschaften eingestampft, mitunter farbige Zuschläge, kleinere oder größere Steine. Solange Stampflehm trocknet, schwindet er. Das dauert seine Zeit. Um den Baufortschritt zu beschleunigen, werden heute dünnere Vorsatzplatten wie auch voluminöse Bauteile vorgefertigt.

Pionier der Vorfertigung ist Martin Rauch. Im Österreichischen Schlins stehen Fassaden von ihm, die schon Jahrzehnte bewittert sind. Regen wäscht dabei den wasserlöslichen Lehm aus, die kleinen und großen Steine bleiben stehen. Horizontale Lagen von wasserfestem Material wie Kalk oder gebrannte Ziegel, verhindern, dass Regenwasser ins Fließen kommt und zu viel Material abträgt. Rauch nennt das „kontrollierte Erosion“. Durch sie entwickelt eine Stampflehmfassade mit der Zeit Charakter. Die Zuschläge werden sichtbar und die Sonne malt Schatten in die Furchen. Dabei bleibt die Fassade dauerhaft und sauber, im Gegensatz zu den meisten konventionell gedämmten Fassaden. Eine solche „kontrollierte Erosion“ ist einmalig für Augen, Hände und auch Ohren, denn sie wirkt auch schalldämpfend.

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Stampflehm hat eine archaische Ausstrahlung, wie der Schwenk auf die Fassade des Alnatura Campus’ zeigt.

Innovativer Lehmkaseinspachtel für Boden, Wand, Möbel

Auch wer nicht gleich ein ganzes Haus in Lehm stampfen möchte, sondern nur einzelne Oberflächen betonen möchte, wird bei Martin Rauch fündig. Neben Lehmöfen hat er auch einen Lehm-Spachtel entwickelt, der fugenlos verarbeitet werden kann – auf Böden, Wänden und Möbeln wie in seinem eigenen Wohnhaus. So können Räume eine durchgängige gestalterische Handschrift erhalten, welche eine moderne erdige Ästhetik fortschreibt. Der Spachtel ist in verschiedenen Erdtönen erhältlich, die mit etwas Pigmente und untereinander gemischt werden können. Nach dem Schleifen wird er durch sein ökologisches Bindemittel Kasein feste und spröde. Seine Oberfläche wird noch mit Öl und Carnaubawachs behandelt, so dass eine ledrig, weiche Haptik entsteht.

Die ökologische Qualität einer damit gestalteten Oberfläche ist hoch: alle verwendeten Materialien sind ungiftig; Materialreste können über den Kompost entsorgt werden; ein Rückbau ist einfach möglich. Selbst von Allergiker werden Lehmspachtelböden sehr gut vertragen. In der Schweiz und in Österreich werden sie deshalb auch in öffentlichen Gebäuden wie Schulen und Kitas eingebaut, wie beim Schulpavillon Allenmoos in Zürich. Die Zukunft des nachhaltigen Bauens wird aus Lehm gespachtelt und aus Erde gestampft.

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“Die Zukunft des nachhaltigen Bauens wird aus Lehm gespachtelt und aus Erde gestampft.”

Der nächste Artikel zeigt drei herausragende Gebäude aus Stampflehm und die Zukunft beim Bauen mit Aushub.

Buch- und Filmtipps

“UPSCALING EARTH – Material, Process, Catalyst”, Anna Heringer, Lindsay Blair Howe, Martin Rauch, in Englisch

Wer mehr über die Projekte von Martin Rauch erfahren möchte, findet einen guten Zugang in dem Buch „Upscaling Earth“, das er gemeinsam mit Anna Heringer und Lindsay Blair Howe, die beide an der ETH Zürich unterstützt, geschrieben hat. Interessant ist die Zusammenschau mit den organisch geformten Häusern und Skulpturen, die zusammen mit Anna Heringer entstanden sind, die ebenfalls den Unesco-Lehrstuhl „Earthern Architecture“ inne hat. Nicht zuletzt stellt das Buch auch Hintergründe, neue Strategien und technologische Innovationen zur Realisierung von Lehmarchitektur vor.

gta Verlag, ETH Zürich, 2019
Broschur mit Fadenheftung, 152 Seiten und 114 Abbildungen
ISBN 978-3-85676-393-0
30,- €

Upscaling Earth - Material, Process, Catalyst von Anna Heringer, Lindsay Blair Howe und Martin Rauch

“Martin Rauch: Gebaute Erde – Gestalten & Konstruieren mit Stampflehm”

Herausgeber: DETAIL; Marko Sauer und Otto Kapfinger
Sprache : Deutsch
Gebundene Ausgabe : 160 Seiten
ISBN: 9783955532703


Filmtipps

Lehm als nachhaltiger und innovativer Baustoff in der TV-Thek – BR Fernsehen. Ab min 30 über den Neubau der ERDEN Werkhalle.

Kurzer Dokumentarfilm über den Schulpavillon Allenmoos und den Neubau eines Stadtspitals in Zürich mit viel Lehm. Gesichtspunkte sind Gesundheit, Ressourcennutzung, Gebäudetechnik und gesellschaftliche Bedeutung.

Text: Achim Pilz

Energiesparen mit Thermobodenplatten

Bild: S2 GmbH

Energiesparen mit Thermobodenplatten? Beim Bau von Passiv- und Energiesparhäusern gehören sie längst zum Standard. Doch auch im konventionellen Eigenheim-Bau liegen Thermobodenplatten mit integrierter Fußbodenheizung im Trend. Kein Wunder, steigen doch die Ansprüche an moderne Häuser hinsichtlich Nachhaltigkeit, Energiespareffizienz, Baubiologie und Wohnklima.

In diesem Artikel

Ein Gastbeitrag von Christian Schaar.

Energiesparen mit Thermobodenplatten

In Skandinavien sind Thermobodenplatten bereits seit 30 Jahren verbreitet. Deshalb bezeichnet man sie nicht nur als Energiesparbodenplatte oder Warmgrundfundament, sondern auch als Schwedenplatte. Sie sind für energiesparende, nicht unterkellerte Gebäude entwickelt worden. Des Weiteren eignen sich insbesondere für den Bau von Einfamilienhäusern oder Gewerbegebäuden. Bodenplatten mit Kernbetonheizung gewährleisten allerdings nicht nur eine optimale Dämmung zum Erdreich, sie haben auch heizende Eigenschaften, wodurch sich zahlreiche Vorteile beim Hausbau und für das Wohnklima ergeben.

Bild: S2 GmbH

Einbau von Thermobodenplatten reduziert Energieverbrauch und Bauzeit

Der Einbau von Thermobodenplatten bei nachhaltigen Neubauprojekten wirkt sich vor allem positiv auf den Energieverbrauch aus. Gegenüber einer konventionellen Dämmung kann dieser mindestens um ein Drittel oder sogar um die Hälfte gesenkt werden. Das schlägt sich deutlich in geringeren Energiekosten nieder. Die Flächenheizung in der Bodenplatte arbeitet später mit Niedrigtemperaturen und benötigt eine Vorlaufwärme von lediglich 30 bis 34 Grad. Die Bodentemperaturen in der Wohnung liegen im Bereich zwischen 18 und 24 Grad. Dabei kann die Fußbodenheizung über ein Thermostat angesteuert und reguliert werden.

Zahlreiche Vorteile ergeben sich auch direkt für den Hausbau. Thermoplatten sind schneller eingerichtet als konventionelle Bodenplatten. Ein Erdaushub bis zur Frostgrenze ist beispielsweise nicht notwendig, da die Heizschlangen die Wärme an das Erdreich abgeben. Statt der üblichen 80 Zentimeter genügt ein Aushub von 30 Zentimetern. Wenn zudem frostsicherer Fundament-Kies unterhalb der Platte zum Einsatz kommt, erübrigt sich das Betonieren von Streifenfundamenten, was eine enorme Zeitersparnis darstellt. Herkömmliche Betonfundamente müssen erst gegossen werden und haben eine Trocknungsdauer von ungefähr sechs Wochen. Dadurch kann es zu Problemen mit Nässe und Schimmel kommen. Bei Thermoplatten treten diese Probleme nicht auf. Zudem fällt auch die Bauzeit inklusive Erdarbeiten drei bis fünf Tage kürzer aus. Das hat direkte Auswirkungen auf die Dauer des Hausbaus, der sich um bis zu einem Monat verkürzen kann.

Der Einbau von Thermobodenplatten bei nachhaltigen Neubauprojekten wirkt sich vor allem positiv auf den Energieverbrauch aus.
Bild: S2 Gmbh/Bowatec.de

Bodenplatten mit Heizelementen erleichtern den Hausbau

Durch den Einbau einer Thermobodenplatte reduziert sich jedoch nicht nur die Bauzeit, sondern ebenfalls der Aufwand beim Hausbau. So wird die Oberfläche vom Hersteller bereits bodenbelagsfertig produziert und geglättet. Aufgrund der Fußbodenheizung muss kein Heizestrich gegossen werden. Damit ist die Platte zugleich Fundament, Dämmung, Fußbodenheizung und Erdgeschoss-Estrich. Den Bodenbelag, ob Fliesen oder Parkett, kann man daher direkt auf der Bodenplatte aufbringen. Die zwei Dämmschichten, zwischen denen sich eine Feuchtigkeitssperre aus Polymerbitumen, Vlies oder Alu befindet, sorgen dafür, dass weniger Beton vonnöten ist und dieser zugleich als Wärmespeicher fungiert. Der Einbau einer Bodenplatte mit Heizelementen bietet effektiven Schutz vor Frost. Da Wärme an das Erdreich zurückgegeben wird, kann sich unter der Platte kein Eis bilden.

Bodenplatte mit Heizelementen: Thermobodenplatten
Bild: S2 Gmbh/Bowatec.de

Was ist beim Einbau der beheizten Bodenplatten zu beachten?

Beim Einbau einer Thermobodenplatte können Leitungen für Kalt-, Warm- und Abwasser direkt mit in den Beton eingelassen werden. Damit erübrigt sich die spätere separate Einrichtung. Da sich die Wasserleitungen mit den Heizschlangen auf den zwei Dämmschichten befinden, müssen sie nicht extra isoliert werden. Um die Fußbodenheizung später in den Wohnräumen einstellen zu können, sollte für jeden Raum ein eigener Heizkreis eingerichtet werden.

Dafür werden beim Einbau der Bodenplatten die Innenwände markiert, durch die die Wohnräume voneinander abgetrennt sind. Damit die Wärmeverluste der Fußbodenheizung später nur minimal sind, ist ein passender Bodenbelag zu wählen. Natürliche Materialien wie Natursteine und Keramikfliesen leiten die Wärme besonders gut und sind künstlichen Belägen vorzuziehen. Das entspricht auch der Baubiologie beim Errichten von Energiesparhäusern, garantieren natürliche Materialien doch ein gesundes Raumklima. Diese sollten frei von Schadstoffen, ökologisch abbaubar, langlebig sowie nachhaltig sein.

Dank Strahlungswärme steigt das Wohlfühlklima in Innenräumen

Bodenplatten, die über eine Fußbodenheizung verfügen, sorgen dafür, dass die Temperatur im Gebäude besser gehalten wird. Somit ist das Wohnklima im Haus von den klimatischen Umgebungsbedingungen isoliert. Durch die flächendeckende Heizung entstehen zudem keine Kälte- oder Wärmebrücken, wobei ebenfalls gewährleistet ist, dass weniger Feuchtigkeit ins Haus zieht. Das hat direkte Auswirkungen auf das Innenraumklima, da gesundheitsgefährdende Schadstoffe wie Schimmelpilze vermieden werden können.

Durch den Einbau einer Fußbodenheizung in die Bodenplatte, ist der Einbau weiterer Heizkörper in den Räumen nicht notwendig. Das hat den Vorteil, dass weniger Staub aufgewirbelt wird; hiervon profitieren vornehmlich Asthmatiker und Menschen mit Hausstauballergie. Anders als Heizkörper erzeugen die Heizelemente in der Bodenplatte Strahlungswärme. Diese wird als sehr behaglich und wärmer empfunden wird, als sie ist. Da die Wärme gleichmäßig an Raumluft, Wände und Decke abgegeben wird und die Luftfeuchtigkeit nahezu gleich bleibt, steigert eine Fußbodenheizung das Wohlfühlklima. Neben der gleichmäßigen Verteilung der Wärme, haben Bodenplatten mit Kernbetonheizung aber auch optische Vorzüge. Die Heizquelle ist praktisch unsichtbar, wodurch eine freie Raumgestaltung ohne störende Heizkörper möglich ist.

Einbau der Thermobodenplatten: Durch den Einbau einer Fußbodenheizung in die Bodenplatte, ist der Einbau weiterer Heizkörper in den Räumen nicht notwendig.
Bild: S2 Gmbh/Bowatec.de

Über den Autor

Christian Schaar ist Geschäftsführer der S2 GmbH. Seine baubiologischen Kenntnisse erlangte er durch den täglichen Umgang mit Problemen der Baubiologie in verschiedenen Unternehmen des ökologischen Holzbaus. Als Geschäftsführer eines Planungsbüros, dessen Schwerpunkt ebenfalls der ökologische Holzbau ist, wird er bei Neubauprojekten und Sanierungen regelmäßig mit baubiologischen Fragestellungen konfrontiert und als Experte auf diesem Gebiet konsultiert.

Christian Schaar über Energiesparen mit Thermobodenplatten