Minimalismus Tipps für Anfänger

6 Minimalismus Tipps für Anfänger

Mit diesen Minimalismus Tipps gelingt der minimalistische Lebensstil. Dieser soll entlasten, Stress reduzieren und Spaß machen. Aber wie geht minimalistisch leben eigentlich? Und was genau bedeutet das für den Alltag? Mit unseren Minimalismus Tipps gehen Sie den ersten Schritt in Richtung entspanntes Leben.

In diesem Artikel:

Was ist Minimalismus?

Minimalismus assoziieren viele Menschen mit Verzicht. Aber Minimalismus bedeutet keinesfalls, einfach alles wegzuwerfen und fortan in einer leeren Wohnung zu leben. Minimalismus heißt vielmehr sich auf das zu konzentrieren, was wichtig ist und den Blick hierfür zu schärfen. Es bedeutet, unnötigen Konsum nicht als Katalysator zu nutzen, sondern sich im Alltag an den kleinen Dingen zu erfreuen und diese wieder mehr wertzuschätzen.

Was ist Minimalismus?

Unsere Minimalismus Tipps: so geht minimalistisch wohnen

Auf die Wohnsituation bezogen heißt das konkret: unnötiger Besitz, der in Schubladen und Schränken Platz wegnimmt und dafür sorgt, dass sie nicht mehr zugehen, muss gehen. Bleiben darf nur, was einem wirklich wichtig ist. Denn zu viel Besitz belastet mehr als man denkt! Wer kennt schließlich nicht den Moment, in dem man mal wieder stundenlang die Kuchenform sucht oder sich darüber ärgert, dass die Schublade der Kommode nicht zugeht?

Weniger Besitz sorgt für mehr Klarheit in der Wohnung, das spart nicht nur Zeit und Nerven, sondern schafft auch Klarheit im Kopf. In einem klar strukturierten und aufgeräumten Heim können Sie wieder durchatmen und sich jeden einzelnen Tag an ihrem Beitz erfreuen. Oder anders gesagt: Wer weniger Dinge besitzt hat mehr Zeit für das Wesentliche.

Wie geht minimalistisch wohnen? Wir zeigen es Ihnen!

Minimalismus Tipp 1: Ihre Lieben ins Boot holen

Wer mit anderen zusammen wohnt kann so viel aufräumen und so viele gute Vorsätze haben, wie er möchte. Wenn die Familie nicht mitspielt ist die neugewonnene Ordnung und Klarheit vergebens. Holen Sie deshalb ihre Lieben ins Boot und ziehen sie gemeinsam an einem Strang. Eine Kiste für Spielzeug, die auch für Kinder erreichbar ist, sorgt dafür, dass das Aufräumen nicht nur an Ihnen hängen bleibt. Und wenn Sie abends gemeinsam den Esstisch von den Malsachen befreien, haben sie ein gemeinsames Erfolgserlebnis, das ihre Kinder dazu anspornt selbst aufzuräumen.

Damit Sie unsere Minimalismus Tipp langfristig umsetzen können, sollten Sie Ihre Lieben mit ins Boot holen.

Minimalismus Tipp 2: Wo fange ich an – richtig ausmisten

Wer minimalistisch leben möchte, muss als erstes ausmisten. Dafür müssen Sie nicht gleich ein Wochenende frei haben und die ganze Wohnung angehen. Für den Anfang reicht es, sich ein Projekt, zum Beispiel eine Kommode, vorzunehmen. So können Sie jeden Tag – zum Beispiel nach Feierabend – Schritt-für-Schritt vorgehen. Am sinnvollsten ist es außerdem, nicht mitten in einem Raum, sondern zum Beispiel rechts neben der Tür anzufangen und sich dann durch den Raum weitervorzuarbeiten. Jeder Schrank, jede Schublade und jedes Fach wird dann einmal komplett ausgeräumt, ausgewischt und erst dann wieder eingeräumt.

Für einen minimalistischen Lebensstil sollte Sie mal so richtig gründlich ausmisten!

Minimalismus Tipp 3: Was darf bleiben?

Sich zum Ausmisten aufzuraffen ist der erste Schritt. Aber natürlich muss dann auch etwas aussortiert werden. Hierbei ist es wichtig, ehrlich zu sich selbst zu sein. Ziehe ich diese Bluse noch an? Benutze ich das Geschirr der Großtante wirklich noch mal? Und: Nur was Sie wirklich mögen darf bleiben. Außerdem sollten Sie nichts für den besonderen Anlass aufbewahren. Minimalismus bedeutet nämlich, nicht nur seine Schätze zu reduzieren, sondern sie auch wertzuschätzen.

Wer also ein besonders Besteck im Schrank hat, sollte es ab sofort jeden Tag verwenden und sich so daran erfreuen. Denn mal ehrlich: Um es nur einmal im Jahr zu verwenden ist es dann doch zu schade. Alle Dinge, bei denen Sie sich nicht sicher sind, ob Sie sie brauchen, packen Sie in einen Karton. Hier dürfen Wackelkandidaten ein halbes Jahr lang auf ihren Einsatz warten. Falls Sie nicht aus dem Karton genommen werden, müssen sie nach einem halben Jahr gehen.

Minimalismus Tipps: was darf bleiben, was wird aussortiert?

Minimalismus Tipp 4: Wohin mit den gebrauchten Sachen?

Wenn erst alles aus der Wohnung verschwunden ist, lebt es sich gleich viel unbeschwerter. Aber oft ist genau hier das Problem. Wohin mit den ganzen Sachen? Die einfachste Möglichkeit ist es, alles in den Müll zu werfen. Aber gerade bei Dingen, die noch gut sind, ist das oft nicht die beste Lösung. Besser für die Umwelt und das eigene Gefühl ist es, die Dinge sinnvoll zu entsorgen. Denn so kann sich noch jemand anderes daran erfreuen. Folgende Möglichkeiten kommen hierbei in Frage:

Freunde und Bekannte
Fragen Sie nach, ob jemand aus dem Freundeskreis Verwendung für ihre aussortierten Sachen hat. Vielleicht möchte der Schwager ja noch die Krimis lesen, die sie wegtun würden? Am einfachsten ist es, in eine WhatsApp-Gruppe unkompliziert die Bilder der aussortierten Gegenstände zu posten. So kann sich jeder das aussuchen, was ihm oder ihr gefällt.

Flohmarkt
Einen Flohmarkt zu besuchen macht Spaß und schafft Platz zuhause. Wenn Sie nicht auf den nächsten Termin warten möchten, können Sie auch einen Hofflohmarkt bei sich zuhause veranstalten. Fragen Sie hierfür aber am besten beim Ordnungsamt nach, inwiefern dies bei Ihnen möglich ist.

Online-Portale
Online-Portale können eine gute Möglichkeit sein, noch gut erhaltene Sachen zu Geld zu machen. Besonders beliebt sind beispielsweise die Plattformen ebay-Kleinanzeigen oder momox.

Spenden
Wer mag, kann die ausgedienten Sachen auch spenden. Fragen Sie einfach bei örtlichen Kinderheimen oder Wohlfahrtsläden nach. Diese freuen sich häufig über die Spenden.

Die aussortierten Sachen können auf vielerlei Weg eine weitere Verwendung finden

Minimalismus Tipp 5: So bleibt es ordentlich

Minimalismus und Aufräumen sind nicht das Gleiche. Beim Minimalismus geht es darum, nach dem Ausmisten nicht wieder mit dem Anhäufen unnötiger Dinge anzufangen. Mit diesen vier Minimalismus Tipps gelingts:

Erstens:
Beim Aufräumen bekommt alles seinen festen Platz und behält diesen auch.

Zweitens:
Gleiche oder ähnliche Dinge, zum Beispiel Batterien oder Kabel, werden alle an einem Ort aufbewahren

Drittens:
Jeden Abend vorm ins Bett gehen 10 Minuten die Spuren des Tages wegräumen. Wenn alles seinen festen Platz hat und die Schubladen nicht so voll sind geht das ganz einfach, versprochen!

Viertens:
Am aller wichtigsten ist es, keine neuen Schätze anzuhäufen. Denn beim Minimalismus geht es schließlich darum, nicht nur seinen Besitz, sondern auch den Konsum zu reduzieren. Hierfür ist es wichtig, sich selbst Spielregeln aufzustellen. Beispielsweise ist es sinnvoll für jeden neuen Gegenstand, der in die Wohnung kommt, einen wieder wegzugeben – und sei es nur der Werbe-Kugelschreiber von ihrem Bankvertreter. Wenn Sie erst einmal darauf achten, werden Sie schnell merken, wie häufig sie Neues in ihre Wohnung bringen, das dann die Schubladen wieder verstopft.

Wie bleibt es ordentlich, nachdem Sie sich minimalistisch eingerichtet haben?

Minimalismus Tipp 6: So wird es gemütlich und persönlich

Auch bei der Deko gilt: Weniger ist mehr. Das heißt aber nicht, dass Sie in einer kahlen Wohnung leben müssen. Vielmehr geht es darum, nur das auszustellen, was für Sie eine Geschichte erzählt. Der Vorteil: Mit dieser Methode wird das Auge des Betrachters automatisch auf die wenigen wichtigen Schätze gelenkt. So können Sie sich an diesen ungehindert erfreuen. Haben Sie beispielsweise eine Schublade voll mit alten Bildern, dann suchen Sie sich die fünf schönsten heraus und hängen diese einfach auf.

Gleiches gilt zudem für die gemalten Bilder ihrer Kinder: Hängen Sie Ihre liebsten Gemälde in schönen Rahmen auf. Die Übrigen können Sie beispielsweise in einem schönen Album sammeln. Besonders praktisch hierfür sind auch Rahmen, bei denen die Vorder- und Rückseiten bestückt werden können. Hier können sie ständig ein neues Kunstwerk präsentieren. Minimalismus bedeutet nämlich nicht, einfach nur zu verzichten, sondern sich an dem zu erfreuen, was man hat.

Wir hoffen, dass Ihnen unsere Minimalismus Tipps gefallen haben.
Wir hoffen, dass Ihnen unsere Minimalismus Tipps eine gute Starthilfe für einen geordneten Neuanfang sind!

Text: Julia Schenkenhofer

Der „unverpackt Laden“ – Vor- und Nachteile

Ein unverpackt Laden ist ein Geschäft, in dem bewusst auf die sonst übliche Umverpackung der Ware verzichtet wird.

Ein sogenannter „unverpackt Laden“ oder auch Unverpacktladen ist ein Geschäft, in dem bewusst auf die sonst übliche Umverpackung der Ware verzichtet wird.

In diesem Artikel:

Was ist ein unverpackt Laden?

In den meisten Supermärkten ist ein Großteil der Ware ein- oder sogar mehrfach in Plastik eingepackt. Für Obst und Gemüse stehen oftmals dünne Einwegplastiktüten bereit. Dadurch entsteht zuhause viel Verpackungsmüll, der häufig schon direkt nach dem Einkauf entsorgt wird.

Ein unverpackt Laden versucht diesen Überfluss an Verpackungen zu vermeiden, indem die Waren ohne diese verkauft werden. Wenn es nicht ohne eine Verpackung geht, sind die Produkte in Papier oder Pappe verpackt. Häufig gibt es zusätzlich Artikel, die zu einer Müllreduktion im Alltag beitragen. Das kann zum Beispiel wiederverwendbares Besteck für unterwegs oder ein Bienenwachstuch als Ersatz für Frischhaltefolie sein.

Es gibt viele Gründe, weshalb man über den Einkauf in einem plastikfreien Geschäft nachdenken sollte. Da es mit dem Thema „unverpackt“ jedoch oft Berührungsängste gibt, haben wir für Sie die Vor- und Nachteile zusammengefasst. So können Sie sich einen Überblick verschaffen und bei Interesse gleich den nächsten Einkauf in Angriff nehmen – mit möglichst wenig Verpackungsmaterialien!

Einmachgläser sind prima für die Aufbewahrung von Nüssen und Körnern
Mit Besteck aus Holz kann man unterwegs Plastikbesteck zum Wegwerfen vermeiden

Nachteile von unverpackt Läden


Die Umstellung auf mitgebrachte Behälter

Für einen Einkauf in einem Unverpackladen werden selbst mitgebrachte Behälter benötigt. Diese Umstellung auf wiederverwendbare Behälter kann am Anfang etwas schwierig sein. Denn man muss nicht nur die passenden Behälter finden, sondern diese auch beim Transport und der anschließenden Lagerung gut verstauen können.

Vor einem Einkauf sollten Sie also überlegen, was und wie viel Sie einkaufen möchten und dementsprechende Dosen, Beutel oder Gläser einpacken. Zudem ist eine etwas größere Einkaufstasche von Vorteil, da feste Behältnisse nicht so platzsparend sind wie bewegliche Plastikfolien.

Das Management von unverpackten Lebensmitteln kann zuerst überwältigend sein.
Das Management von unverpackten Lebensmitteln kann zuerst überwältigend sein

Der größere Zeitaufwand

Bei einem Einkauf in einem konventionellen Supermarkt ist die Einkaufsliste meistens mit wenigen Handgriffen abgearbeitet. In einem unverpackt Laden muss man hingegen die Behältnisse vorher auswählen, vor Ort bereithalten und die Lebensmittel einzeln abfüllen und wiegen. Zudem gibt es noch nicht in jeder Stadt Geschäfte, die sich auf den unverpackten Verkauf spezialisieren, sodass für den Einkauf eventuell ein kleiner Umweg in Kauf genommen werden muss.

Beispiel für eine Abfüllstation in einem unverpackt Laden
Abfüllstation in einem unverpackt Laden

Höhere Preise

Teilweise kosten die Lebensmittel in unverpackt Läden etwas mehr. Um vorher zu wissen, wie viel ein Einkauf kostet, kann ein kurzer Blick auf die Internetseite des ausgewählten Ladens und dessen Preisliste helfen. So kann man auch mit einem etwas kleineren Geldbeutel abwägen, welche Lebensmittel man ohne großen Aufpreis unverpackt kaufen kann. Oftmals handelt es sich bei Produkten aus dem Unverpacktladen auch um Bioprodukte, sodass der direkte Preisvergleich mit verpackten Bioprodukten keinen großen Unterschied aufweist.

Die Warenverfügbarkeit

Nicht jedes Lebensmittel kann ohne Verpackung gekauft werden. Daher ist die Auswahl in unverpackt Läden auch manchmal auf Grundnahrungsmittel und alltägliche Waren begrenzt. Auch vorgefertigte Gerichte oder stark verarbeitete Nahrungsmittel sind häufig Teil des Angebotes. Wer sich also schnell ein Fertiggericht oder vorverarbeitete Nahrungsmittel kaufen möchte, wird diese nicht unverpackt finden. Auch aus diesem Grund lohnt sich ein Blick auf die Homepage des ausgewählten Geschäftes. Ein Beispiel für ein großes Sortiment an unverpackten Waren finden Sie hier.

Spontaneinkäufe sind komplizierter

Sie möchten nach einem kurzen Ausflug in die Stadt kurz einkaufen gehen? In einem unverpackt Laden könnte das schwierig werden, wenn Sie die nötigen Behältnissen nicht dabei haben. Zwar gibt es in vielen plastikfreien Geschäften auch Behälter, die man gegen ein Pfand verwenden kann, ein größerer Einkauf könnte jedoch schwierig werden.


Vorteile von unverpackt Läden


Müllvermeidung

Das augenscheinlichste Argument lässt sich direkt am Namen ablesen: die Waren sind nicht verpackt. Somit gibt es viel weniger Müll im Haushalt. Laut Umweltbundesamt sind 2018 pro Einwohner 535 kg Siedlungsabfall angefallen. Davon waren große Anteile Hausmüll, Verpackungen, Kartonagen und Glas. Mit wiederverwendbaren Behältern können Sie so schon einen großen Teil der wöchentlichen Abfälle reduzieren.

In einem unverpackt Laden kauft man kein Plastik ein und schont so die Umwelt

Bessere Organisation

Mit der nötigen Vorbereitung kann man auch als Anfänger den Einstieg in den müllfreien Einkauf wagen. Sie könnten zum Beispiel jederzeit anfangen, zuhause passende Behälter zu sammeln. Für den Einkauf im unverpackt Laden eignen sich eigentlich alle Behälter, die fest verschließbar und gut zu transportieren sind. Das sind wiederverwendbare Dosen, Einmachgläser, Jutebeutel mit Schnur oder gesammeltes und gespültes Altglas, beispielsweise große Gurkengläser. Auch kleine Säckchen können für Nüsse oder Süßwaren Anwendung finden.

Gezielter Einkauf durch selbst gewählte Verpackung und selbstständiges Befüllen
Mit einer durchdachten Planung gelingt auch ein Einkauf ohne Verpackungen gut

Selbstbestimmte Menge

Während in Supermärkten lediglich die Verpackungsgrößen bereitstehen, die von den Herstellern angeboten werden, können Sie in einem Geschäft ohne Umverpackungen selbst bestimmen, welche Menge Sie kaufen. So kann zum Beispiel eine exakte Mengen von Lebensmitteln abgewogen werden, die für ein bestimmtes Rezept benötigt wird. So wird zusätzlich die Verschwendung von Lebensmitteln verringert.

Die Menge der Nahrungsmittel kann in einem unverpackt Laden selbst bestimmt werden
Die Menge der Nahrungsmittel kann in einem Unverpacktladen selbst bestimmt werden

Gesundheit

Viele Einzelhändler, die sich auf unverpackte Waren spezialisiert haben, setzen auf Produkte in Bioqualität. Außerdem sind die Lebensmittel, die ohne Verpackung gekauft werden können, häufig nicht industriell verarbeitet. Wer im Unverpacktladen kauft, ernährt sich also tendenziell gesünder, da die Gerichte mit frischen Zutaten zubereitet werden.

Nachhaltigkeit

Mit jeder Verpackung, die eingespart wird, wird die Umwelt etwas weniger belastet. Zudem beziehen Unverpacktläden häufig regionale Produkte; somit sinkt auch der CO2-Abdruck der Waren. Außerdem birgt der unverpackte Einkauf, bei dem die Nahrungsmittel einzeln gewogen und abgefüllt wird, die Chance auf einen bewussteren Konsum.

Neben Lebensmitteln werden in unverpackt Läden auch häufig Alltagsprodukte wie biologisch abbaubare Putzmittel, wiederverwendbare Kosmetikartikel oder nachhaltige Küchenutensilien verkauft. Auch so kann die Umwelt vor unnötigen Belastungen geschützt werden.

Zahnbürste aus Holz und ohne Plastik
auch Seife im Block spart Plastik
Plastikfreier Rasierer
Kosmetikartikel aus dem Unverpackladen

Übersicht der Vor- und Nachteile im unverpackt Laden

Nachteile

  • Umstellung
  • Zeitaufwand
  • höhere Preise
  • Verfügbarkeit
  • Spontaneinkauf kann kompliziert sein

Vorteile

  • weniger Müll
  • man ist besser organisiert
  • bewusster Konsum
  • Mengen wählbar
  • gesünder
  • nachhaltiger

Tipps

  • Behälter sammeln
  • den Einkauf gut vorbereiten
  • Preise vergleichen

Fazit: Schritt für Schritt in die richtige Richtung

Der erste Schritt in die richtige Richtung ist der Umstieg auf wiederverwendbare Behältnisse. Man muss auch nicht den Anspruch haben, direkt alle Produkte auf der Einkaufsliste unverpackt zu kaufen. Jeder kleine Beitrag für weniger Müll zählt. Sie können zum Beispiel mit ein paar ausgewählten Lebensmitteln oder Alltagsprodukten anfangen.

Und auch das Vorurteil, dass die Produkte in unverpackt Läden teurer sind als in Supermärkten, trifft nur bedingt zu. Denn wer generell häufig zu Marken- oder Bioprodukten greift, kann die Waren zu ähnlichen Preisen oder sogar billiger unverpackt kaufen.

Auch im Alltag kann man mit wenigen bewussten Handlungen schon Verpackungen einsparen. Verwenden Sie zum Beispiel einfach beim nächsten Einkauf – ob im unverpackt Laden oder im Supermarkt – ein Obst- oder Gemüsenetz, anstatt zur Einmaltüte zu greifen. Mit einer Brotdose und einer Trinkflasche können zudem Brottüten und Plastikflaschen ersetzt werden. So kann man Stück für Stück den Verpackungskonsum reduzieren und einen Teil für eine lebenswerte Zukunft mit weniger Müll beitragen.

Mit einem Obst- und Gemüsenetz kann man Einmaltüten vermeiden

Text: Jenny Heim

Buchvorstellung: ‚Pflanzenfaserarchitektur heute‘

Das Buch 'Pflanzenfaserarchitektur heute' und die dazugehörige Wanderausstellung 'Fibra – Zeitgenössische Architektur mit Pflanzenfasern' würdigen die 50 Finalisten des FIBRA Awards
Bild: Wang Ziling

Das Buch ‚Pflanzenfaserarchitektur heute‚ und die dazugehörige Wanderausstellung ‚Fibra – Zeitgenössische Architektur mit Pflanzenfasern‚ würdigen die 50 Finalisten des FIBRA Awards, des ersten weltweiten Preises für zeitgenössische Architektur aus Pflanzenfasern.

Ökologischer Wandel mit Pflanzenfasern

Der Einsatz von Materialien aus schnell wachsenden Pflanzen kann bei der Verringerung der Umweltauswirkungen von Gebäude einen wesentlichen Beitrag leisten. Er bietet die Chance, die CO2-Emissionen stark zu verringern und damit die globale Erderwärmung zu reduzieren.

Von chinesischen Lampenschirmen inspiriert: das aus Kieselsteinen, Stampflehm und Bambus gebaute Gasthaus zelebriert die Schönheit von Bambus
Von chinesischen Lampenschirmen inspiriert: das aus Kieselsteinen, Stampflehm und Bambus gebaute Gasthaus zelebriert die Schönheit von Bambus
Bild: Dominique Gauzin-Müller

Gebäude: Gasthaus für die internationale Bambusbiennale von Baoxi, China.
Architektin: Anna Heringer

Die ausgewählten Gebäude kommen aus allen Kontinenten und verwenden die verschiedensten Materialien: Bambus, Stroh, Schilf, Weide oder Rattan, Hanf, Palm- oder Zuckerrohrblätter, Rinde, sowie Nordsee- oder Andengräser. Die meisten Bauten kombinieren den Einsatz lokaler Ressourcen, die Revitalisierung traditioneller Techniken, zeitgenössisches Gestaltung und energiesparende Bauweisen. So bieten sie überzeugende Beispiele für eine kreative Suffizienz.

Auch Ferienhäuser werden in 'Pflanzenfaserarchitektur heute' vorgestellt. Hier ein Gebäude in Kenia mit einem Dachstuhl aus Mangrovenholz und einem langen Makuti-Kokosblattdach geschützt.
Mehrere separate Ferienhäuser werden von einem Dachstuhl aus Mangrovenholz und einem langen Makuti-Kokosblattdach geschützt. Bis auf die Bodenplatte aus Beton wurden alle Arbeiten mit Materialien aus der Insel Lamu handwerklich ausgeführt.
Bild: Alberto Heras

Gebäude: Ferienhaus Red Pepper in Lamu, Kenia
Architekten: Urko Sanchez Architects

Den Menschen wieder mit der Natur verbinden

In Europa wird mit nachwachsenden Rohstoffe wie Stroh, Hanf und Flachs gedämmt. In Ländern des Südens kann man aus Bambus, Schilf und anderen Fasern – oft in Verbindung mit Lehm – komfortable Häuser zu erschwinglichen Preisen errichten. Dazu schafft der Einsatz von Pflanzenfasern eine Ästhetik, die den Menschen wieder mit der Natur verbindet: ihre Struktur hat eine selbstverständliche haptische Schönheit.

Mehr als nur Pflanzenfasern: Diese lebendige Kuppel inmitten eines Waldes ist die natürliche Kulisse für die Aufführung von traditionellen chinesischen Opern
Diese lebendige Kuppel inmitten eines Waldes ist die natürliche Kulisse für die Aufführung von traditionellen chinesischen Opern
Bild: Wang Ziling

Architektur: Lebendes Bambus-Theater in Songyang County, China
Architektin: Xu Tiantian, DnA_Design and Architecture

Bauen und Renovieren mit Stroh und Hanf

Mit mehr als 5.000, mit Stroh gedämmten Bauten ist Frankreich Pionier. Rund zehn französische strohgedämmte Schul- und Wohngebäude, darunter ein sozialer Wohnungsbau mit sieben Etagen, gehören zu den Finalisten des FIBRA Awards. Die Verwendung von Hanfbeton nimmt auch in Frankreich zu, wie zwei Pariser Beispiele zeigen: die Renovierung eines alten Mietshauses und der Neubau von Sozialwohnungen.

In "Pflanzenfaserarchitektur heute" werden verschiedene Bauprojekte vorgestellt. Wie dieses Gebäude in Vitry-sur-Seine.
Die geflochtenen Weidengeländer des Wohnhaus Le Candide strahlen eine besondere Wärme aus. Die beweglichen Schiebewände und die Balkon-Trennwände wurden in der Werkstatt vorgefertigt, die Balkongeländer vor Ort gewebt.
Bilder: Luc Boegly

Gebäude: Wohnhaus Le Candide in Vitry-sur-Seine, Frankreich
Architekt: Bruno Rollet

Hygrothermischer Komfort

Nachwachsende Materialien sind diffusionsfähig, winddicht und können Feuchtigkeit puffern. Zudem wirken sie ausgleichend auf die Temperaturen im Innenraum. Dadurch tragen sie nicht nur zu einem ökologischen Wandel sondern auch zu einem gesunden Wohnen bei.

Auch Einfamilienhäuser werden in "Pflanzenfaserarchitektur heute" gezeigt
Architektur für Familien mit Pflanzenfasern: Das erste Strohballenhaus der Region will eine erschwingliche und ökologische Alternative zu den üblichen Einfamilienhäusern in den Vororten Nordamerikas sein.
Das erste Strohballenhaus der Region will eine erschwingliche und ökologische Alternative zu den üblichen Einfamilienhäusern in den Vororten Nordamerikas sein.
Bilder: Nicolas Koff

Gebäude: K-House in Toronto, Kanada
Architekten: Nicolas Koff, Office Ou

Details

Titel
Pflanzenfaserarchitektur heute – 50 ausgezeichnete Bauwerke aus aller Welt

Autorin
Dominique Gauzin-Müller

Verlag
éditions MUSEO/ vdf Hochschulverlag

Umfang und Preis
144 Seiten, 216 Fotos, 112 Grafiken und Illustrationen, durchgehend farbig, Format 24 x 32,5cm, broschiert

CHF 42.00/EUR (D) 39.90
ISBN 978-3-7281-4028-9

erscheint Mitte Oktober, auch als E-Book erhältlich

Details ‚Fibra – Zeitgenössische Architektur mit Pflanzenfasern‘

Zeitraum
16. Oktober 2020 – 10. Januar 2021

Ort
Ifa-Galerie Stuttgart

Info
Neben den 50 Finalisten des FIBRA Awards werden Modelle von 1zu1-Details dieser Bauten vorgestellt, wie Hanfbeton-Wände, Dach- und Wandverkleidung aus Stroh, Geländer aus Weide.

Text: Dominique Gauzin-Müller

Das destinature Dorf in Hitzacker – Natur für alle Sinne

Das destinature Dorf in Hitzacker
Bild: WERKHAUS

Das destinature Dorf ist ein Naturhotel mitten im Biosphärenreservat Niedersächsische Elbtalaue.

In diesem Artikel:

Das destinature Dorf

Morgens von der Sonne wachgekitzelt werden, vom Bett aus schweift der Blick in die Natur. Erholung pur inmitten einer wunderschönen Landschaft. All das erleben die Gäste des destinature Dorfes in Hitzacker an der Elbe.

Das destinature Dorf liegt mitten im Biosphärenreservat Niedersächsische Elbtalaue
Bild: WERKHAUS/Janine Oswald
Inmitten der schönen Natur kann man Entspannung und Ruhe finden
Bild: WERKHAUS/Janine Oswald

Außerdem liegt das Dorf nahe des Elberadweges, sodass sich besonders Radtouren ins Umland anbieten.

Bild: WERKHAUS

Die 16 destinature Hütten sind im WERKHAUS-Style gebaut und eingerichtet, mit Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft. Textilien in zertifizierter Bioqualität und Matratzen mit Öko-Wollauflage sorgen zudem für ein angenehmes Raumklima und einen entspannten Schlaf. Über verschließbare Lüftungsschlitze mit Insektengitter kann man sich mit Frischluft versorgen und den direkten Blick in die Sterne genießen.

Hütten im Werkhaus-Stil, mit Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft, Textilien in Bioqualität und Öko-wollauflagen
Bild: WERKHAUS/Janine Oswald

Ein weiteres Highlight ist das Bett to Go, die mobile Micro-Hütte. Hier kann man vor Insekten geschützt unter freiem Himmel schlafen und sich von der Sonne wachkitzeln lassen. Wer es schattiger mag, dreht das Bett einfach um, denn mit seinen zwei Rädern lässt es sich einfach bewegen. Sechs dieser Betten stehen auf dem Gelände verteilt, lassen sich bei Gruppenbuchungen aber auch zusammenschieben.

Das destinature Dorf bietet etwas ganz besonderes: ein Bett-to-go
Bild: WERKHAUS

Wohnkomfort in der Natur

Das moderne Sanitärgebäude bietet neben Duschen und WCs auch eine Waschmaschine und einen Trockner. In den destinature Hütten Plus befinden sich zusätzlich ein Waschbecken und eine nachhaltige Trockentoilette. Eine extra Portion Entspannung bietet der Outdoor-Wellnessbereich mit Sauna und Badezuber.

Bild: WERKHAUS

Ganzheitliche Nachhaltigkeit

Das destinature Dorf wurde 2019 auf einem ehemaligen Gartengrundstück errichtet und noch im September desselben Jahres eröffnet. Ideengeber und Eigentümer sind Eva und Holger Danneberg, welche zudem die Inhaber von WERKHAUS sind. Ursprünglich stellt die Firma mit Sitz in Bad Bodenteich in der Lüneburger Heide nachhaltigen Wohn- und Büroaccessoires, Möbel sowie Warenaufsteller her.

Mit dem destinature Dorf haben die WERKHAUS-Gründer ihre Vision von komfortablen sowie komplett nachhaltig gebauten Unterkünften verwirklicht. Bei der Errichtung wurde darauf geachtet, dass der Eingriff in die Natur möglichst gering ist; deshalb wurden die Hütten auf Stelzen errichtet.

Ein Urlaub mit der ganzen Familie mitten in der schönen Natur
Bild: WERKHAUS

Gäste dürfen sich nicht nur auf einen Urlaub unter freiem Himmel freuen, denn das destinature Dorf lädt zudem zur Rückbesinnung auf das Wesentliche ein. Außerdem lässt sich hier besonder intensiv Zeit mit der Familie verbringen. Ein Bistro bietet des Weiteren hochwertige, regionale Bio-Lebensmitteln und Getränke an. Für Begegnungen mit anderen Gästen gibt es viele Gelegenheiten, ob beim Frühstück auf der Terrasse oder abends an der Feuerstelle. Wer sich zurückziehen möchte, kann dafür die Terrasse vor der eigenen Hütte nutzen. Smartphones und Laptops können übrigens überall im destinature Dorf mittels Solarenergie geladen werden.

Bilder: WERKHAUS/Janine Oswald

Kontakt destinature Dorf

Die Unterkunft mit Preisen sowie Buchungsmöglichkeiten finden Sie unter www.destinature.de.
Alternativ können Sie eine E-Mail an destinature.dorf@werkhaus.de schreiben oder unter der Telefonnummer 05862/338 99 43 anrufen.

Betonrecycling – Bauen statt Deponieren

Betonrecycling: Bauen statt Deponieren

Mit Betonrecycling gibt es auch für Bauschutt eine Aussicht auf eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft im Betonbau.

In diesem Artikel:

„Hundert Prozent recycelte Gesteinskörnung im Beton sind auch im Hochbau machbar!“

Prof. Dr. Andrea Kustermann
Prof. Dr. Andrea Kustermann entwickelt für Betonrecycling in einem Modellprojekt in der Bayernkaserne eine Methode
Bild: Julia Bergmeister
Prof. Dr. Andrea Kustermann entwickelt in einem Modellprojekt in der Bayernkaserne eine Methode für Betonrecycling

Betonrecycling: Bauen statt Deponieren

Auf dem Gelände der Bayernkaserne findet derzeit ein einzigartiges Modellprojekt statt: Der Bauschutt der abgerissenen Gebäude wird nicht auf die Deponie gefahren, sondern soll vollständig für neue Bauwerke genutzt werden. Die Rezeptur für den Recycling-Beton entwickeln Prof. Dr. Andrea Kustermann und ihr Team der Fakultät für Bauingenieurwesen der Hochschule München.

Bereits jetzt türmen sich auf dem Gelände der ehemaligen Bayernkaserne meterhohe Schutthalden. Vor drei Jahren begann der Abbruch der alten, von der Wehrmacht errichteten Gebäude. Dieser „Rückbau“ wird insgesamt 300.000 Tonnen Beton-, Ziegel- und Mörtelreste hinterlassen.

Für Andrea Kustermann ist der Schutt jedoch ein hochinteressantes Forschungsobjekt. Die Professorin kommt mindestens einmal in der Woche auf die Baustelle, um Proben zu nehmen. „In dem Modellprojekt, das vom Kommunalreferat der Landeshauptstadt mit 35.000 Euro gefördert wird, wollen wir herausfinden, wie sich der Beton, der beim Abriss der alten Bauten anfällt, zu hundert Prozent recyceln lässt.“

Selten Kreislaufwirtschaft im Betonbau

Hundert Prozent Beton-Recycling ist in Deutschland im Bereich des Hochbaus noch ein Novum, vor allem bei sehr feinkörnigem Bauschutt. Die Kapazität von Schuttdeponien ist bereits jetzt weitgehend erschöpft, jedes Jahr kommen Millionen Tonnen neuer Schutt dazu. Dessen Transport per LKW verbraucht zudem fossile Rohstoffe. Außerdem werden stets neuer Sand und Kies für Neubauten abgebaut. Folglich könnte ein Recycling der Baumaterialen vor Ort die Öko-Bilanz deutlich verbessern.

Durch das Recyclen von Beton könnte deutlich die Ökobilanz verbessern
Bild: Julia Bergmeister
Durch das Recyclen von Beton könnte deutlich die Ökobilanz verbessern

Dass Kreislaufwirtschaft im Betonbau bisher kaum praktiziert wird, liegt an den in Deutschland gültigen Normen. Denn bisher ist nur eine begrenzte Zumischung von grobkörnigem Material erlaubt. Überdies darf Sand gar nicht verwendet werden. Poröse Zementbestandteile können Wasser aufnehmen, sich verformen und bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt sogar den Beton sprengen.

Hundert Prozent Recycling-Beton für den Hochbau

„Mit unseren Untersuchungen wollen wir zeigen, dass Recycling-Beton mit 100 Prozent rezyklierter Gesteinskörnung durchaus für neue Beton-Konstruktionen geeignet sind“, erklärt Kustermann. „Man muss die Materialeigenschaften allerdings genau kennen, um beurteilen zu können, wo ein Werkstoff eingesetzt werden kann – es macht einen großen Unterschied, ob man eine Innenwand daraus baut, die kaum Frost ausgesetzt wird, oder eine Fassade.“

An der Wand des Betonlabors der Hochschule München stehen Reihen beschrifteter Mörtelwannen, gefüllt mit Abbruchmaterial. Das Abrissunternehmen Ettengruber, der Kooperationspartner des Projektes, filterte den Bauschutt bereits mit riesigen Brech- und Siebanlagen. Somit ist der Bauschutt für seinen erneuten Einsatz aufbereitet. Alle Proben sind nun feinkörnig, enthalten aber unterschiedlich viel Ziegel, Putz oder Beton. „Daher müssen wir für die Verarbeitung unterschiedliche Rezepturen entwickeln“, erläutert Kustermann.

Michael Weiß, Projektleiter der Firma Ettengruber, und Prof. Dr. Andrea Kustermann prüfen die Bestandteile des Schutts aus den riesigen Brech- und Siebanlagen vor Ort
Bild: Julia Bergmeister
Michael Weiß, Projektleiter der Firma Ettengruber, und Prof. Dr. Andrea Kustermann prüfen die Bestandteile des Schutts aus den riesigen Brech- und Siebanlagen vor Ort

Testverfahren für Betonrecycling

Im ersten Schritt werden Korngrößen bestimmt, Dichte sowie Porosität gemessen. Anschließend mischen die Ingenieurinnen und Ingenieure das Material mit Zement und Wasser und dokumentieren genau die Mengverhältnisse. Nach dem Gießen der Probewände und deren Aushärtung folgen Belastungsprüfungen. „Mit diesen Untersuchungen können wir ermitteln, wie belastbar der fertige Beton ist und wie oft er sich einfrieren und wiederauftauen lässt, ohne Schaden zu nehmen“, erläutert die Forscherin.

Betonrecycling auf dem Prüfstand: Der recyclete Beton muss genauestens  überprüft werden
Foto: Julia Bergmeister
Der recyclete Beton muss genauestens überprüft werden

Nachdem alle Tests abgeschlossen sind, wird die Genehmigung für den Einsatz des 100-prozentigen Recycling-Materials bei der Baubehörde beantragt. Danach sollen 2020 die ersten temporären Gebäude aus dem neuen, alten Baustoff auf dem Gelände der Bayernkaserne entstehen.

Text: Monika Weiner

Alpine Architektur: Die Schönheit des Alten

alpine Architektur: das Forschungsprojekt ATLAS unter der Leitung von Prof. Dr. Natalie Eßig und Prof. Dr. Silke Langenberg
Die Schönheit alpiner Fassaden (Bild: Natalie Eßig)

Traditionelle alpine Architektur von historischen Gebäuden neu entdecken, bewerten und nachhaltig entwickeln – das ist das Ziel des europäischen Forschungsprojekts ATLAS. Zwei Professorinnen der Fakultät für Architektur sind in der wissenschaftlichen Leitung des Projektes aktiv.

In diesem Artikel:

„Wir wollen die traditionelle alpine Architektur bewahren und historische Gebäude – auch Häuser und Ensembles jenseits des Schutzniveaus – erhalten und für die Zukunft rüsten.“

Prof. Dr. Silke Langenberg und Prof. Dr. Natalie Eßig

Die Schönheit des Alten: alpine Architektur

Wer Urlaub in den Bergen macht, sieht sie oft: alte, traditionelle Bauernhäuser in einem kleinen Bergdorf. Sie sind nicht mehr bewohnt, und langsam aber sicher beginnt ihr Verfall. Für die Renovierung oder Sanierung solcher Häuser macht sich das Projekt »Advanced Tools for Low-carbon, high-value development of historic architecture in the Alpine Space« (ATLAS) stark.

»Wir wollen die traditionelle alpine Architektur bewahren und historische Gebäude – auch Häuser und Ensembles jenseits des Schutzniveaus – erhalten und für die Zukunft rüsten. Gleichzeitig sollen sie energieeffizient und nachhaltig saniert werden, denn nur so können wir die ehrgeizigen Klimaschutzziele erreichen und die Merkmale der alpinen Kulturlandschaft schützen«, erklären Prof. Dr. Silke Langenberg und Prof. Dr. Natalie Eßig das Konzept.

Prof. Dr. Silke Langenberg, wissenschaftliche Leitung des europäischen Forschungsprojektes ATLAS
Prof. Dr. Silke Langenberg (Bild: Johanna Weber)
Prof. Dr. Natalie Eßig, wissenschaftliche Leitung des europäischen Forschungsprojektes ATLAS
Prof. Dr. Natalie Eßig (Bild: Johanna Weber)

Die beiden Professorinnen ergänzen sich ideal in diesem Projekt: während Eßig die Professur für Baukonstruktion und Bauklimatik inne hat und Expertin für Nachhaltigkeit ist, ist Langenberg Professorin für Bauen im Bestand, Denkmalpflege und Bauaufnahme und steht für die Bewahrung der historischen Bausubstanz unter Berücksichtigung ihrer kulturellen Bedeutung.

Gebäude nachhaltig entwickeln

Bis zu 60 Prozent der Gebäude in ländlichen Gebieten können als historisch betrachtet werden. Meistens stehen sie in benachteiligten Gebieten im alpinen Raum – ob im slowenischen Soca-Tal, im italienischen Truden im Naturpark oder im österreichischen Hittisau in Vorarlberg – und bieten ein geringes Maß an Energieeffizienz und Komfort.

Die Besitzer*innen der historischen Gebäude müssen, ebenso wie Architekt*innen, Erbschaftsbehörden und politische Entscheidungsträger*innen in den Kommunen, meist erst für die Notwendigkeit und den Nutzen einer nachhaltigen Entwicklung der traditionellen alpinen Architektur sensibilisiert werden.

Gebäudeatlas für alpine Architektur

In einem ersten Schritt entsteht im Rahmen von ATLAS deshalb ein historischer Gebäudeatlas als Online-Datenbank mit Best-Practice-Beispielen.

Beispiel für alpine Architektur: Das Jurasteinhaus im bayerischen Altmühltal
Das Jurasteinhaus im bayerischen Altmühltal (Bild: Silke Langenberg)

Tobias Listl, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Forschungsprojekt, klassifizierte dafür unterschiedliche Typologien wie beispielsweise das Jurasteinhaus im bayerischen Altmühltal (Bild oben), das Appenzeller Haus in der Schweiz oder das Vorarlberger Holzhaus in Österreich (Bild unten) – und stellte gelungene Beispiele für die nachhaltige Sanierung solcher historischen Gebäude in die Datenbank ein.

Ein weiteres Beispiel für alpine Architektur: Das Vorarlberger Holzhaus in Österreich
Das Vorarlberger Holzhaus in Österreich (Bild: Natalie Eßig)

Darüber hinaus finden sich hier auch Tipps, was man von historischen Bauten lernen kann, zum Beispiel Fensterläden aus Holz, die man im Sommer als Sonnenschutz verwendet, im Winter aber aushängt, um Platz für ein zusätzliches Winterfenster zu machen.

Bewertungsschema für alpine Architektur

Im zweiten Schritt entwickelt Prof. Eßig mit ihrem wissenschaftlichen Mitarbeiter Ahmed Khoja ein Bewertungsschema mit so genannten »Key Performance Indicators« für die Nachhaltigkeit historischer Gebäudesanierungen. Dabei geht es – neben ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Kriterien – auch um kulturelle Aspekte wie die Vereinbarkeit der Sanierung mit den kulturellen Werten in der Region.

Darauf folgen wird ein »interactive retrofit guidance tool«, das jede und jeder Einzelne als Grundlage für Sanierungspläne nutzen kann: »Welcher Architekt ist sensibel für das Thema? Wie wurde ein ähnliches Gebäude saniert? Welche Baumaterialien haben sich bewährt? Wie wurde gedämmt?« nennt Eßig einige praktische Beispiele.

Kommunen sind gefragt

Ein Hauptergebnis des Forschungsprojekts ATLAS wird ein ganzheitliches Toolkit für Kommunen sein. »Gemeinden sind Schlüsselakteure, wenn es um die optimalen Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Sanierung historischer Gebäude geht. Sie können Pilotprojekte starten und sich selbst an der Renovierung traditioneller Gebäude beteiligen, lokale Netzwerke gründen oder sich als Modellregion positionieren«, erklären Eßig und Langenberg.

Prof. Dr. Silke Langenberg und Prof. Dr. Natalia Eßig
Eßig und Langenberg im Gespräch (Bild: Johanna Weber)

Professor Eßig hat übrigens selbst ein historisches Gebäude in Franken renoviert und weiß – aus der Perspektive der Bauherrin und der Architektin – wie viele Stolpersteine im Lauf eines solchen Projekts auftauchen. »Man muss sehr behutsam vorgehen, um die Schönheit des Alten zu bewahren, kann aber auch moderne Elemente integrieren«, sagt sie. In ihrem eigenen Haus hat sie zum Beispiel die inneren Fenster ihres Altbau-Kastenfensters durch eine energieeffizientere Verglasung ersetzt, deren Fensterrahmen aber die historischen Proportionen aufgreifen. Ein klarer Fall für die Best-Practice-Datenbank.

Projektdaten

Projekttitel:
Advanced Tools for Low-carbon, high-value development of historic architecture in the Alpine Space (ATLAS)

Projektlaufzeit:
April 2018 bis 16. April 2021

Projektpartner:

  • Accademia Europea di Bolzano, Italien (Koordinator)
  • Universität Innsbruck, Österreich
  • Energieinstitut Vorarlberg, Österreich
  • Posoški razvojni center, Slowenien
  • Gemeinde Truden im Naturpark, Italien
  • Teamblau GmbH, Italien
  • Sites et Cités Remarquables France, Frankreich
  • University of Applied Sciences and Arts of Southern Switzerland, Schweiz

Projektträger und Zuwendungsgeber:
Europäische Union sowie Interreg-Programm

Text: Elke Zapf

Das Studio Chamanga – Design Build in Ecuador

Das Studio Chamanga ist ein Design Build Projekt der Hochschule München in Ecuador.

Das Studio Chamanga ist ein Design Build Projekt der Hochschule München in Ecuador.

In diesem Artikel:

Ein Kulturzentrum für Chamanga: Bauen lernen und etwas Sinnvolles tun

Nach einem Erdbeben fehlt es im Küstenort Chamanga in Ecuador an Orten für Kultur. Deshalb planten Studierende der Fakultäten der Architektur und des Bauingenieurswesens in einem Projekt von Professorin Ursula Hartig ein Kulturzentrum und bauten es eigenhändig vor Ort. Für Manche war dies zudem eine Erfahrung, die auch die Wahrnehmung der eigenen Kultur veränderte.

Zwei Räume in Beton-Ziegel-Bauweise, dazwischen eine große Halle mit Bühne. Darüber mehrere Stockwerke ganz aus Bambus gebaut – viel Platz für Kurse und ein Radiostudio. So steht das Kulturzentrum der NGO „Opción Más“ jetzt in Chamanga. Dass es in viereinhalb Wochen Bauzeit fertig wurde, ein kleines Wunder – auch für Hartig, die Initiatorin des Projekts. Sie hat bereits langjährige Erfahrung mit internationalen Bauprojekten mit Studierenden.

Bauschild des Kulturzentrums in Chamanga
Bauschild des Kulturzentrums in Chamanga

Design Build Studio Chamanga

Die Studierenden entwickelten im „DesignBuild Studio Chamanga“ zunächst den Entwurf für ein Kulturzentrum, dann machten sie sich an die Ausführungspläne: Was muss man bedenken, wenn Beton gegossen wird? Wie genau lassen sich die Bambusbauteile aus den Rohbestandteilen zuschneiden? Erfahrung im eigenhändigen Bauen hatten bis zu diesem Zeitpunkt nur Wenige von ihnen. Nicht nur deshalb war ein Netzwerk von lokalen Architekten und anderen akademischen Partnern vor Ort für Hartig die wichtigste Voraussetzung für den Erfolg des Projekts.

„Kati vom Dach“ – Studentin beim Schnüren der Bambusstruktur
„Kati vom Dach“ – Studentin beim Schnüren der Bambusstruktur
Zwischenzeit beim Bau des Studio Chamanga
Zwischenzeit beim Bau des Kulturzentrums in Chamanga

Unplanbares planen

Noch in Deutschland erstellten die Studierenden einen so genannten Bauzeitenplan. „Der musste alles enthalten, zum Beispiel auch, dass immer zwei Personen durch Krankheit ausfallen“, sagt Hartig. Und eben solche Eventualitäten erlebten die Studierenden schließlich: Die rostfreien Schrauben aus Italien kamen partout nicht an. Und der angelieferte Bambus war so verschlammt, dass er zwei Wochen lang geputzt werden musste.

Die Gruppenmitglieder übernahmen jeweils Verantwortung für einzelne Teile des Baus, außerdem hat eine Person die Rolle des Bauleiters übernommen. Nicht nur durch die körperliche Arbeit, sondern auch mit den eigenen Kenntnissen kamen einige Studierende an ihre Grenzen. Doch die Gruppe unterstützte sich wechselseitig.

Bau der "Königsstützen" des Kulturzentrums in Chamanga
Bau der „Königsstützen“ des Kulturzentrums

Aus Sicht von Ferdinand Loserth, Masterstudent des Bauingenieurwesens und studierter Holzbauingenieur, hat sich auch der Bauzeitenplan bewährt: „Wir Deutschen kommen uns oft kleinkariert vor. Das sind wir auch! Aber über weite Strecken ist das notwendig für ein gewisses Niveau an Sicherheit und Qualität.“ Für ihn änderte der Aufenthalt seine Sicht auf die eigene Kultur: „Das tägliche Deja-vu, als wir abends in den Urlaubsort Mompiche kamen – völlig fertig, dreckig und hungrig – und dann die vom Surfen kommenden Urlauber. Das kam einem völlig surreal vor“.

Herstellung der "Bubble-Fassade" des Kulturzentrums von Chamanga. Verwendung von lokalen Materialien, wie zum Beispiel Bambus.
Verwendung von lokalen Materialien, wie zum Beispiel Bambus: Herstellung der „Bubble-Fassade“

Gute Aussichten für Chamanga

Hartig kennt diesen Effekt des Perspektivenwechsels bei ihren Studierenden in dem zugleich internationalen, interdisziplinären und praxisorientierten Lehrformat: „Da steht nicht nur das Architektonische im Mittelpunkt, sondern auch die Menschen und ihre Umgebung. Solche Projekte sind rundum sinnvoll für alle Beteiligten“.

Endlich fertig: am Abend vor der Fertigstellung des Studio Chamanga
Am Abend vor der Fertigstellung des Kulturzentrums: noch herrscht rege Betriebsamkeit

Dass das auch für die Menschen in Chamanga gilt, zeigte sich bereits kurz nach der Einweihung: “Opción Más“ hatte das Gebäude gleich in Beschlag genommen und veranstaltete am Folgetag den ersten Kurs. „Kultur hat dort einen ganz hohen Stellenwert“, sagt Hartig. Und mit dem Zentrum nun auch wieder einen festen Ort im Dorf Chamanga.

Abschließend wurde das Projekt eingeweiht: Abend der Einweihung des Kulturzentrums mit dem Deutschen Botschafter
Abschließend: Ein Einweihungsabend mit dem Deutschen Botschafter

Eckdaten Studio Chamanga

Der Bau des Kulturzentrums für die NGO „Opción Más“ in Chamanga, Ecuador, war eine Kooperation der Hochschule München (HM) mit der „Portland State University“, der “Tokyo University“ und der „Pontificia Universidad Católica del Ecuador“ sowie zwei Architekten vor Ort.

Die ProfessorInnen Christoph Dauberschmidt und Andreas Scholz sowie Ursula Schmid von der Fakultät für Bauingenieurwesen und Frau Prof. Hartig von der Fakultät für Architektur betreuten das Projekt an der HM. Insgesamt konnten Mittel in Höhe von Euro 70.000 für das Projekt eingeworben werden, davon ein Großteil über das HM-Programm Qualifive. Weitere Informationen: www.dbxchange.eu/node/1531

Weitere Design Build Projekte finden Sie hier.

Text: Christiane Taddigs-Hirsch
Bilder: Studio Chamanga, Hochschule München

Villa Windrose in Bad Sachsa (Harzgebirge)

Die imposante Villa Windrose von außen

Die Villa Windrose ist ein baubiologisch saniertes Fachwerkhaus in Bad Sachsa, Niedersachsen, in dem man Ruhe und Erholung vom Alltag findet.

In diesem Artikel

Ein Ferienhaus für die ganze Familie

Die Villa Windrose liegt am Rande des Südharzes, in der kleinen Stadt Bad Sachsa. Das Ferienhaus hat insgesamt vier Schlafzimmer, zwei Bäder, eine große Gemeinschaftslounge sowie eine gut ausgestattete Küche. Es bietet Platz für bis zu 10 Personen und ist dadurch auch für große Familien geeignet.

Ein Schlafzimmer und ein Badezimmer sind ebenerdig, sodass sie auch für Menschen mit eingeschränkter Mobilität erreichbar sind. Außerdem gibt es kostenlose Parkplätze am Haus, kostenfreies WLAN und einen Flachbildfernseher für die Möglichkeit gemeinsamer Filmabende.

Gemütliches Doppelbett im ersten Stock der Villa Windrose
Gemütliches Zimmer mit grünen Akzentenim ersten Stock der Villa Windrose
Liebevoll dekoriertes Zimmer mit Doppelbett im ersten Stock der Villa Windrose
Liebevoll dekoriertes Zimmer mit Doppelbett im ersten Stock der Villa Windrose, mit roten Akzenten
In diesem Zimmer haben 4 Personen Platz - bestens geeignet als Kinderzimmer
4-Personen Zimmer mit authentischer Dekoration
Das Zimmer liegt im Erdgeschoss und ist auch für Personen mit eingeschränkter Mobilität erreichbar
Im Erdgeschosszimmer kann man gut entspannen
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Das Wohn- und Esszimmer bietet einen herrlichen Panoramablick auf die Harzwälder, denn hier befindet sich ein großer Esstisch und eine gemütliche Leseecke. Auf der Terrasse und dem Balkon kann man nicht nur eine tolle Aussicht, sondern auch die frische Waldluft genießen. Die vielen Freiflächen eignen sich in klaren Nächten besonders gut dazu, den Sternenhimmel zu bestaunen.

Der Panoramablick der Villa auf die angrenzenden Wälder
Weiter Blick auf die Harzwälder

Auch der große Wildgarten des Naturgrundstücks lädt zum Verweilen sowie zum Entspannen ein. Dort gibt es einen Kräutergarten, dessen Kräuter Sie in den Sommermonaten gerne für Ihre Gerichte verwenden dürfen. Ein weiteres Highlight des Gartens ist die Feuerstelle, denn dort kann jederzeit ausgiebig gegrillt werden. Da das Haus direkt an den Wald angrenzt und der Naturpark Harz in naher Reichweite liegt, gibt es ein vielfältiges Angebot an Aktivitäten in der Umgebung.

Weg durch den Garten der Villa Windrose
Schon beim Eintreten erwartet einen die volle Schönheit der Natur
Das sanierte Fachwerkhaus im Frühling
Der große Garten lädt zum Verweilen ein
Die Feuerstelle begeistert Groß und Klein
Die Feuerstelle lädt zum Grillen ein
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Des Weiteren gibt es noch einen ganz besonderer Vorteil dieser Location: die Gastgeber, Ute Janich und Klaus Harich, vermieten ein zweites Ferienhaus in Bad Sachsa – die Villa Weltenbummler. Dadurch gibt es die Möglichkeit, mit einer Gruppe mit bis zu 20 Teilnehmern nur 100 Meter getrennt voneinander Urlaub zu machen!

Naherholung in Bad Sachsa und Umgebung

Nicht nur die Villa Windrose bietet viele Möglichkeiten zum Entspannen, Erholen und Spielen, sondern auch die Ortschaft Bad Sachsa. Ein Besuch des kleinen Städtchens lohnt sich zu jeder Zeit – egal, ob es schneit, regnet oder die Sonne scheint. Der Harz besticht mit vielen Wanderwegen, die nicht nur zum Spazierengehen, sondern auch zu längeren Tagestouren einladen.

Auf der anderen Seite der kleinen Ortschaft gibt es einen Gipskarstgürtel zu bestaunen, der sich einmal entlang des Südharzes zieht. Die Landschaft dort ist geprägt durch steile Felsen, Erdfälle, alte Buchenwälder und Trockenrasen. Obwohl der Gipskarstgürtel nicht weit entfernt liegt, herrscht dort eine vollständig andere Vegetation mit ausgedehnten Weiden, Orchideenwiesen und Schluchtwäldern. Einen guten Einblick in die Region bekommt man außerdem auf dem durch das Gebiet führenden und zertifizierten Weitwanderweg „Karstwanderweg“.

Nur 1,4 km von der Unterkunft entfernt liegt das Erlebnisbad Salztal Paradies, in dem Klein und Groß einen Tag im Wasser verbringen können – auch bei schlechtem Wetter. Wer es lieber sportlich mag, kann die örtliche Kletterhalle besuchen. Doch auch Kulturliebhaber kommen hier auf ihre Kosten, denn nicht weit von Bad Sachsa entfernt steht das Weltkulturerbe Kloster Walkenried. Alternative Ausflugsziele sind die Harzer Schmalspurbahn (die zum Teil noch mit Dampfloks betrieben wird), die vielen Bergwerke der Region sowie die Whisky Destillerie in Zorge.

Die Schmalspurbahn im Harz
Harzer Schmalspurbahn
Winterlandschaft im Harz
Wandern im Sommer
Schöne Wanderwege im Harz
Stollenbesuch im Harz
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Ferner gibt es noch die Möglichkeit, eine Imkerin zu besuchen und an einer Kerzenwerkstatt im Ort teilzunehmen. Auch im Winter gibt es sportliche Aktivitäte im Harz, denn es mangelt nicht an Rodelbahnen und Langlaufloipen. Auf dem Ravensberg, dem Hausberg von Bad Sachsa, gibt es zudem ein Skigebiet mit mehreren Liften.

Die meisten Aktivitäten in und um Bad Sachsa haben somit einen kleinen CO2-Abdruck. Die Anfahrt kann mit dem öffentlichen Nahverkehr geschehen (mit einem kurzen Fußmarsch von einem Kilometer) und mit der Kurkarte können Sie zudem die Busse kostenlos benutzen.

Baubiologische Sanierung der Villa Windrose

Das alte Fachwerkhaus, bevor es zur Villa Windrose wurde
Das Fachwerkhaus der Familie vor der aufwändigen Sanierung

2016 entschieden sich Ute und Klaus für eine Sanierung ihres alten Fachwerkhauses. Dieses wurde 1905 auf dem großen Naturgrundstück errichtet und war daher bestens für eine ökologische Nachrüstung geeignet. Da die Gastgeber großen Wert auf Nachhaltigkeit legen, entschieden sie sich für eine baubiologische Sanierung. Dafür wurde das alte Fachwerk aufwändig mit Lehm ausgefacht.

Während der Fußboden mit geschäumtem Altglas gedämmt wurde, wurden für die Dämmung der Wand Holzfaserplatten verwendet. Das Dach wurde hingegen mit Holzfasern gedämmt und auch die Fenster sind aus Holz. Generell spielt Holz in dem Haus ein große Rolle: so wurden für den Boden Buchendielen verlegt und auch die meisten Möbel sind aus Holz.

Buchendielen und Möbel aus Holz im Wohn- und Speisezimmer
Das Wohnzimmer ist mit den Buchendielen und dem altem Holzschrank eine Wohltat für die Augen
Der Treppenaufgang des Fachwerkhauses ist ein Highlight
Besonders gut gelungen ist der Treppenaufgang, denn hier wurde mit viel Aufwand ein Himmelsblick durch die alten Balken geschaffen
Natürliche Farben und gemütliches Interieur tragen zur wohnlichen Atmosphäre bei
Die Villa Windrose überzeugt mit natürlichen Farben und gemütlichem Interieur

Durch die vielen Lehmputze (auch im Badezimmerbereich) ist das Raumklima in dem Haus besonders angenehm, denn so ist eine optimale Feuchtigkeitsregulierung gewährleistet.

Das alte Bad im ersten Stock
Das alte Bad im ersten Stock
Das alte Bad im Erdgeschoss
Das alte Bad im Erdgeschoss
Das neue Bad im ersten Stock
Das neue Bad im ersten Stock
Das neue Bad im ersten Stock der Villa
Im Erdgeschoss sieht man die tolle Lehmtextur der Wände
Das neue Bad im Erdgeschoss: hier kann man deutlich den Lehmputz mit seiner schönen Textur sehen

Auch auf die Verwendung grüner Ressourcen wurde Wert gelegt, denn die Warmwasserbereitung ist solar und im Winter wird (optional) ein Holzofen im Wohnzimmer als Zusatzofen verwendet. Das Holz dafür stammt vom eigenen Grundstück oder aus den angrenzenden Wäldern.

Viele der Geräte und Objekte in dem Haus sind außerdem ressourcensparend. Zum Beispiel sparen die Toiletten, Duschen und Wasserhähne Wasser und die Leuchtmittel Strom. Die Elektrogeräte entsprechen der A-Klasse und es sind einige Zwischenschalter verbaut, um den Stand-by zu verhindern. Im Alltag wird Müll durch wieder auffüllbare Seifenspender vermieden, die Spül- und Waschmittel sind ökologisch. Zudem werden Bioprodukte verwendet.

Kontakt

Ute und Klaus sprechen Deutsch und Englisch. Anrufen können Sie unter den folgenden Nummern:

015771891894
01787680013

Alternativ können Sie eine E-mail an die folgende Adresse schreiben:

ute.janich@gmail.com

Die Unterkunft mit Preisen finden Sie auf gängigen Buchungsplattformen wie airbnb.de, booking.com oder fewo-direkt.de.

Text: Jennifer Heim
Fotos: Ute Janich und Klaus Harich (andernfalls gekennzeichnet)

Design Build – studentische Bauprojekte

Design Build Projekte: die Bauprojekte werden von Studierenden geplant und umgesetzt
Bild: Matthias Kestel

Design Build: das sind Projekte, die Architekturstudierende planen und ausführen, und die jungen Menschen somit reale Bauerfahrungen vermitteln.

In diesem Artikel:

Design Build: Studentische Bauwerke

Mit Design Build sind nun auch Partizipation und Selbsthilfe in den Universitäten und Hochschulen angekommen. Die Studierenden planen aber keine Luftschlösser, sondern bauen notwendige Gebäude wie Gemeinschaftshäuser. Die Planung und das Bauen verbinden somit die verschiedenen Ebenen: von der Großform über die Details bis hin zur greifbaren Realität.

Bei einem Design Build werden die Projekte von Studierenden nicht nur geplant, sondern auch durchgeführt

Geplant und gebaut werden sowohl auf dem eigenen Campus als auch international. In Schwellen- oder Entwicklungsländern werden gemeinsam mit Einheimischen kommunale Projekte wie Schulen, Bibliotheken, Ambulanzen sowie Einrichtungen für sozial Benachteiligte entwickelt. Besonders im Ausland ist dieses gemeinsame Selbstbauen ein sozialer Prozess.

Dieser soziale Aspekt von Architektur gerät zunehmend ins Blickfeld: Auch wichtige Nachhaltigkeitssiegel wie das der Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen und das Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen des Bundes lenken ihren Fokus inzwischen auf soziale Bereiche. Dafür haben sie eigene Bewertungskriterien entwickelt. Die Ausstellung ‚Think Global, Build Social!‘ des Deutschen Architekturmuseums (DAM) und des Architekturzentrums Wien lief 2013 im Frankfurter DAM und tourte dann noch einige Jahre durch die Welt.

Minimalistische Ästhetik

Beim selbst Bauen sind die Ressourcen immer knapp. Der geringe finanzielle Rahmen wird daher mit viel Eigeninitiative und Kreativität ausgeglichen. Die Ästhetik, die an den Hochschulen durch das Weiterentwickeln aktueller Designtendenzen entsteht, hat dadurch etwas Selbstverständliches. Deswegen wird gerade lokalen Baumaterialien oft viel Raum eingeräumt.

Bei der Schule in Nairobi wurden zum Beispiel Steine aus dem nächsten Steinbruch verwendet. Bei der Modellbauwerkstatt in Liechtenstein wählten die Professoren Holz, die Studierenden entschieden sich hingegen für Holzlatten. Für das Studentenwohnheim in Stuttgart kamen vorfabrizierte Baustoffe zum Einsatz und die Schule in Bangladesch entstand aus Bambus und Lehm.

Erstes Beispiel: Skills Center, Nairobi, Kenia

Das erste Beispiel ist die ästhetische Handwerkerschule ‚Skills Center Nairobi‘, die von Studierenden aus Deutschland und Kenia geplant und gebaut wurde. Mit lokalen Baumaterialien errichteten sie eine soziale Schule, in der junge Erwachsene des nahen Slums ausgebildet werden.

Ein Bauprojekt in Nairobi. Das Skills Center Nairobi wurde von Studierenden aus Deutschland und Kenia geplant.
Bild: Matthias Kestel

Organisatoren sind deutsche sowie kenianische NGOs. Das Fachgebiet Holzbau der Technischen Universität München kooperierte dazu mit der lokalen Universität. Die Architekturstudierenden entwarfen und planten Klassenzimmer, einen Gemeinschaftsraum mit Speisesaal, Küche und Verwaltung, Schlafräume, Toiletten sowie Duschen. Die Gebäude bilden begrünte Innenhöfe, die wie Oasen in dem staubigem Gelände wirken. Indem sich überdachten Bereiche mit geschlossenen, hohen Räumen abwechseln, ist das Gebäude optimal an das lokale Klima angepasst.

Die Wände der Gebäude sind aus massivem, handbehauenem Naturstein in der lokalen Tradition vermauert. Die schwere Bauart puffert die starken Tag-Nacht-Temperaturschwankung ab und gewährleistet somit ein angenehmes Raumklima ohne aktive Heizung und Kühlung.

Hohe Räume und luftgekühlte Decken: so bleibt das Skills Center in Nairobi auch an heißen Tagen kühl.
Das Skills Center in Nairobi ist durch hohe Räume und luftgekühlte Decken auch im heißen Klima komfortabel
Bild: Matthias Kestel

Die Dachtragwerke sind aus leichten Bambusrohren konstruiert. Der schnell wachsende, einheimische Bambus wurde auch für das Flechtwerk an Fenstern und Türen, als Armierung der Betonbodenplatten sowie für Leitern und Gerüste verwendet.

Regionale und nachwachsende Ressourcen wie Bambus werden bei den studentischen Projekten gerne verwendet.
Zum Einsatz kommen lokale Materialien wie Naturstein sowie unterschiedliche Qualitäten von Bambus

Baudaten Design Build Nairobi

  • Architektur: Prof. Stefan Krötsch, Fachgebiet Holzbau der TU München sowie Prof. Hermann Kaufmann
  • Nutzfläche: 285 m² sowie 83 m² überdachte Freifläche
  • Mitarbeitende: 67 Studierende der Architektur, des Bauingenieurwesen und der Baukonstruktion von der TU München, der HS Augsburg und der JKUAT Nairobi, außerdem 32 lokale Arbeiter
  • Internet: orangefarm-ev.de

Zweites Beispiel: Modellbauwerkstatt, Liechtenstein

Die Modellbauwerkstatt ist ein Bauprojekt der Uni Liechtenstein
Auch die neue Modellbauwerkstatt der Universität Liechtenstein ist ein prämiertes Design Build Projekt
Bild: Bruno Klomfar

In Liechtenstein entwarfen und bauten Studierende der Architekturfakultät ihre eigene Modellbauwerkstatt. In einem intensiven Gestaltungsprozess mit handwerklichem Fokus entstand ein konstruktiv elegantes und haptisch ansprechendes Gewölbe aus filigranen Holzbögen.

Design Build mit Holz: filigrane Dachelemente, die von Hand verlegt werden
Identifikation durch Hand anlegen: Die in einer handlichen Größe vorgefertigten, filigranen Dachelemente werden zusammengebaut
Bild: Darko Todorovic

Die 2017 fertig gestellte, schwungvolle Konstruktion nutzt elegant die organische Spannung des Naturbaustoffs. Die minimalistische Tragstruktur der ausgewählten Variante besteht nur aus gebogenen Brettern, sowohl für den Boden als auch für das Dach. «Die dabei gemachten Erfahrungen im realen Maßstab stellen einen unschätzbaren Wert für die Studierenden dar», betont Dr. Carmen Rist-Stadelmann, Hochschuldozentin und Leiterin einer der beiden Entwurfsgruppen.

In gemeinsamer Arbeit werden die Lärchenschindeln verlegt
Die Studierenden beim Verlegen der Lärchenschindeln
Bild: Bruno Klomfar

2018 wurde die Modellbauwerkstatt deshalb als eines von 7×7 guten Beispielen im Rahmen des durch die EU geförderten Projektes «Triple Wood – nachhaltige Holzbaukultur im Alpenraum» ausgewählt.

Baudaten Modellbauwerkstatt Design Build Liechtenstein

  • Bauherr: Universität Liechtenstein, Institut für Architektur und Raumentwicklung
  • Nutzfläche: 72 m²
  • Begleitung Umsetzung: Zimmerei Frommelt Ing. Holzbau AG
  • Mitarbeitende: 53 Studierende, Entwurfsleitung Dr. Carmen Rist-Stadelmann sowie Prof. Urs Meister
  • Internet: uni.li/de/thema/architektur/hands-on/modellbauwerkstatt

Drittes Beispiel: Studentenwohnheim Bauhäusle, Stuttgart Vaihingen

Das Studentenwohnheim ‚Bauhäusle‘ wurde bis 1983 von den Professoren Peter Hübner und Peter Sulzer mit 250 Studierenden geplant und gebaut. Sie griffen dabei auf ein modulares System des englischen Architekten Walter Segal zurück. Nach diesem System hatte er zuletzt in London zwei öffentlich geförderte Siedlungen in Selbsthilfe gebaut. Auch er verwendet vorfabrizierte Elemente wie Mauerwerksdielen, sodass die Erbauer ihr Gebäude mit einfachen Mitteln und wenig Maschinen selbst errichten können.

EIn Projekt des Studierendenwohnheims Stuttgart Vaihingen: das Bauhäusle
Beim Stuttgarter Studentenwohnheim ‚Bauhäusle‘ wird seit Jahrzehnten partizipativ geplant und zusätzlich weitergebaut
Bild: Bauhäusle

Das Bauhäusle ist ein Holzbau, der in das Grundstück eingepasst und um einen alten Kirschbaum herum geplant wurde. Es bietet Zimmer zwischen 15 und 28 Quadratmetern. Auch heute noch ist das Wohnheim selbst verwaltet und ist somit für seine Bewohner*innen ein Ort hoher Identifikation.

Versammlung der Studierenden auf dem Dach des Bauhäusles
Versammlung auf dem Dach des selbst verwalteten Wohnheims
Bild: Heiner Steinacker

Immer bauen sie weiter: 2019 haben sie einen gemeinsam genutzten Wintergarten erneuert – leicht vergrößert und besser gedämmt. Dabei sind sie konsequent nachhaltig. Sogar die recycelten Fenster fuhren sie mit dem Lastenrad auf die Baustelle.

Der Wintergarten des Studierendenwohnheims Bauhäusle
Bild: Heiner Steinacker

Baudaten Design Build Stuttgart

  • Nutzfläche: 30 Zimmer, 2 Küchen, 4 Duschen sowie 4 Toiletten auf ca. 757 m²
  • Architektur: Prof. Peter Hübner, Prof. Peter Sulzer, Studierende
  • Mitarbeitende: 250 Studierende (ca. 28 000 h)
  • Internet: bauhaeusle.de

Viertes Beispiel: Meti Handmade School, Rudrapur, Bezirk Dinajpur, Bangladesch

Das Design Build Projekt von Anna Heringer: die Meti Handmade School in Rudrapur, Bezirk Dinajpur, Bangladesch
Die preisgekrönte Meti Handmade School in Bangladesch besteht aus den örtlichen Baumaterialien Lehm und Bambus
Bild: Kurt Hörbst

Ein etwas anderes Design Build Projekt ist die Meti Handmade School in Bangladesch, denn sie war Teil von Anna Heringers Abschlussarbeit ihres Architekturstudiums und wurde 2005 mit lokalen und internationalen Kooperationspartnern gebaut. Der Architekt Eike Roswag unterstützte Heringer bei der Ausarbeitung der technischen Planung.

Mit Lehm und Bambus: die Meti Handmade School
Bild: Bauteam

Mit lokalem Lehm und Bambus, lokalen Energieressourcen wie Büffeln und lokalen Kompetenzen entstand nicht nur ein Ort des Lernens, sondern auch ein Zuhause für die Schüler*innen. Neben hohen, schattigen Räumen gibt es außerdem kleine Höhlen als Refugium.

Höhlen aus Lehm bieten den Kindern einen Ort des Rückzuges
Aus massivem Lehm sind auch die Höhlen, ein gutes Versteck für die Kinder
Bild: Bauteam

Inzwischen ist Heringer Honorarprofessorin des UNESCO Lehrstuhls für Lehmarchitektur, Baukultur und Nachhaltigkeit. Weiter veranstaltet sie Workshops und Selbstbaustellen. 2018 stampfte sie zum Beispiel mit der Gemeinde des Wormser Doms einen Altar und ein Ambo aus Lehm. Des Weiteren baute sie 2019 mit Studierenden der Harvard University Graduate School of Design einen Pavillon aus Stampflehm.

Baudaten Design Build Bangladesch

  • Nutzfläche: 325 m² für 3 Klassenräume und 6 Höhlen im EG sowie einen teilbaren Klassenraum im OG
  • Architektur: Anna Heringer, At-Salzburg/Laufen sowie Eike Roswag, Berlin
  • Tragwerksplanung, Fachberatung Lehmbau: Ziegert Roswag Seiler, Berlin sowie Martin Rauch, At-Schlins
  • Mitarbeitende: 2 Architekten, 2 Fachhandwerker aus Deutschland, 6 Freiwillige aus Deutschland und Österreich, außerdem 40 lokale Arbeiter*innen
  • Internet: anna-heringer.com

Ein weiteres Design Build Projekt finden Sie hier.

Text: Achim Pilz

Stadl mit Lehm – eine zweite Heimat im Chiemgau

Stephanie Thatenhorst hat den alten Stadl im Chiemgau stylisch verwandelt
Bild: Stephanie Thatenhorst

Ein Stadl mit Charakter und Stil. Die Innenarchitektin Stephanie Thatenhorst hat sich einen Traum erfüllt und dafür die alte Scheune der Familie in ein Urlaubsdomizil verwandelt.

In diesem Artikel:

„Ich bin der festen Überzeugung, jeder Mensch braucht einfach mehr Natur.“

Für das Projekt ist Stephanie Thatenhorst ist an ihren Geburtsort zwischen Wald und Chiemsee zurückgekehrt. Dort hat sie den 120 Jahre alten Stadl ihrer Kindheit magisch verwandelt: dunkler Lehmputz und lebendige Hölzer bilden die Bühne für ihre edlen und unkonventionellen Möbelentwürfe mit pink- und salbeifarbenem Gewebe.

Der Stadl – Heimat mit Textur

Ob Stadl, Scheuer oder Schopf – Heulager heißen überall anders und sind überall ganz ähnlich: große Innenräume, einfach und bewährt aus Holz konstruiert. Stephanie Thatenhorst ist auf einem Bauernhof mit einem solchen Stadl im Chiemgau aufgewachsen. Dort sprang sie schon als junges Mädchen vom Gebälk ins Heu: „Da konnte man sich so schön reinplumpsen lassen“, erinnert sie sich.

das Heulager vor dem Umbau
Bild: Stephanie Thatenhorst

Die Fassade blieb erhalten: dadurch hat der Stadl seinen alten Charakter nicht verloren

Die Fassade verleiht dem Stadl seinen alten Charakter
Bild: Stephanie Thatenhorst
Die Scheune von außen
Bild: Stephanie Thatenhorst

Während ihrer Au Pair Zeit in Australien verliebte sie sich in Architektur. Nach ihrem Architekturstudium arbeitete sie dann als Innenarchitektin und realisierte gediegene Residenzen, exklusive Hotels und coole Interieurs für Bars und gemütliche Restaurants. Mit ihrem Mann und ihren zwei Söhnen lebt sie in München.

Den Hof ihrer Eltern führt ihre Schwester seit zehn Jahren als Biohof mit Milchwirtschaft. Als Ausgleich für das Leben in der Großstadt hatte Familie Thatenhorst schon lange ein Ferienhaus im Chiemgau gesucht – Da war es ein Glücksfall, als ihr Vater ihr die Hälfte des Heulagers im Obergeschoss des Stadls anbot. „Das war der Sechser im Lotto“, freut sich Thatenhorst daher, „Wir durften es ausbauen.“

Heute gibt es viel natürliches Licht im alten Stadl. Die Giebelfassade erhielt ein neues, großes Fenster neben den alten Öffnungen, während die Westfassade großzügig verglast wurde und beim Esstisch eine kleine Loggia an der Gebäudeecke bekam. „Ansonsten haben wir die Außenhaut so belassen, wie sie war“, sagt die Innenarchitektin. Gedämmt wurde von innen, das Dach danach verschalt und die Wände erst mit Kalk, dann mit Lehm verputzt.

Historische Fassade der Scheune
Die historische Fassade blieb erhalten
Bild: Stephanie Thatenhorst
Großes Fenster in der Fassade
Durch das große neue Fenster in der Giebelfassade wird der Innenraum gut belichtet
Bild: Stephanie Thatenhorst

Raum durch Holz

Das alte Gebälk prägt die Räume, vom großzügigen Einraum mit acht Metern Höhe bis zum gemütlichen Kinderzimmer im hinteren Teil des Gebäudes. Dort schließt das Stockbett exakt an die alte Holzkonstruktion an.

Der Stadl wirkt herrschaftlich mit seinen hohen Öffnungen
Die hohen, schlanken Öffnungen wirken herrschaftlich
Bild: Stephanie Thatenhorst
Im Hintergrund ist das Kinderzimmer zu sehen
Die Kinderzimmer nutzen den Raum bis unter den First
Bild: Stephanie Thatenhorst
Die Kinderbetten auf der Empore
Empore für die Kinderbetten, darunter ist Stauraum
Bild: Stephanie Thatenhorst
Stahl, Holz und Lehm machen die Scheune zu einem Ort des Wohlfühlens
Der schwarze Stahl, der bei der Rolltür, der Leiter und dem Geländer verbaut ist, ergänzt Holz und Lehm
Bild: Stephanie Thatenhorst

Die Dachuntersicht besteht aus neuen, sägerauen Fichtenbrettern mit einer Patina durch Essigbeize. Der Tipp dazu kam vom Handwerker. „Das ist super gelungen“, freut sich die Bauherrin. „Es sieht sehr lebendig aus, ist aber keine jodelige Altholzerscheinung.“

Naturmaterialien: Treppe, Möbel und Türen aus Ulmenholz, Nadelholz und alten Bodendielen
Symphonie aus Naturmaterialien: alte Bodendielen für die Treppe, rötliches Ulmenholz für die eigens entworfenen Möbel und Türen sowie gebeizte Nadelhölzer für die Dachuntersicht
Bild: Stephanie Thatenhorst

Nur für die Treppe verwendete die Gestalterin wurmstichiges Holz weiter. „Hier war es ein schöner Anlass, die ehemaligen Bodendielen wieder zu verwenden.“

Wohnraum, Holztreppe und First des Stadls
Der Wohnraum öffnet sich bis unter den acht Meter hohen First
Bild: Stephanie Thatenhorst

Sonst setzte sie leicht rötliches Ulmenholz ein, zum Beispiel für die Türen und die opulenten Küchenmöbel.

Offene Küche, Gäste sind willkommen
In der offenen Küche sind Gäste willkommen
Bild: Stephanie Thatenhorst
Die Kücheninsel lädt zum gemeinsamen Kochen ein
Bild: Stephanie Thatenhorst

Ausstattung mit Gewebe

Als Ergänzung zu internationalen Designexponaten, wie zum Beispiel den Superleggera Stühlen von Gio Ponti, entwarf sie das gesamte Mobiliar selbst. Die Küche, die leicht geschwungene Couch mit salbeifarbenem Samtbezug, eine Bank mit alpinen Blümchen auf pinkfarbenem Bezug, die Ankleide sowie alle Betten und das Sideboard.

Weltoffene Ausstattung im Hauptraum des Stadls.
Wohnen im historischen Raum mit weltoffener Ausstattung
Bild: Stephanie Thatenhorst
Farben und Motive: Holz und Stoff in der Küche.
Farbtupfer und florale Motive beleben zusammen mit den warmen Hölzern den coolen Loftcharakter
Bild: Stephanie Thatenhorst
das Schlafzimmer der Eltern
Elternschlafzimmer mit Waschzuber de luxe
Bild: Stephanie Thatenhorst
Übergang zwischen Bad und Schlafzimmer
Fließender Übergang zwischen Schlafzimmer und offenem Wellnessbereich
Bild: Stephanie Thatenhorst
Marmor, Ulmenholz und Messingarmaturen im Badezimmer
Edler Marmor kombiniert mit Ulmenholz und Messingarmaturen
Bild: Stephanie Thatenhorst

„Textil in sämtlichen Einsatzgebieten ist mein Lieblingsmaterial“

Auch die Schiebetüren des Sideboards sind mit Stoff bespannt, „Textil in sämtlichen Einsatzgebieten ist mein Lieblingsmaterial“, bestätigt die Designerin. Dazu passt auch der Lehmputz mit seiner textilen Struktur sehr gut.

Das Sideboard wurde mit Stoffen verziert: ein echter Hingucker
Das Sideboard als Hingucker: hierfür wurden Ulmenholz und Stoff kombiniert
Bild: Stephanie Thatenhorst

Oberflächen mit Lehm

Der verwendete Lehmputz ist durchgefärbt und enthält außerdem winzige Glimmerplättchen, die abhängig von der jeweiligen Lichteinstrahlung das Licht reflektieren und glitzern. „Sie verleihen den Wänden tatsächlich einen natürlichen Glanz“, beschreibt es die Gestalterin. Des Weiteren kann Lehm besonders gut ohne Fugen verarbeitet werden. Durch die handwerkliche Spuren bekommt ein Wohnraum so einen individuellen Charme.

Glimmerplättchen im Lehmputz. So glitzert es im Stadl
Im Lehmputz befinden sich Glimmerplättchen: dadurch glitzert es ein wenig
Bild: Stephanie Thatenhorst

Allerdings bleibt Lehm wasserlöslich, weshalb er in den Nassbereichen einen farblosen Wasserlack erhielt. Dieser muss dann immer wieder nachgearbeitet werden – für eine Dauernutzung nicht wirklich geeignet. „So wahnsinnig robust ist er nicht“, weiß Thatenhorst, „Einem Kunden muss man vorher sagen, dass er empfindlich ist.“

Lehmputz im Bad, mit Lack geschützt
Lack in den Bädern, denn dadurch wird der empfindliche Lehmputz geschützt
Bild: Stephanie Thatenhorst

Lehmputz ist außerdem baubiologisch und verbessert das Raumklima. „Der gesundheitliche Aspekt wurde in vielerlei Hinsicht umgesetzt“, fasst es die Bauherrin zusammen, „Es ist sehr angenehm hier zu wohnen.“ Vor allem auf dem Land ist Weiterbauen besonders nachhaltig, denn es spart viel graue Energie und versiegelte Verkehrsflächen. Auch an Heiz- und Warmwasser ist im Stadl gedacht – dafür sorgt die vorhandene Hackschnitzelheizung des Bauernhauses.

Modernes Zuhause

Für die Familie ist der Stadl jedes Wochenende und zudem in den Schulferien das neue Zuhause. „Es war ein sehr großer Luxus, dass ich alles so verwirklichen konnte, wie ich es haben wollte“, lacht Stephanie Thatenhorst, „auch unpragmatische Dinge, die nur der Schönheit dienen und nicht der Funktionalität.“

Diese Radikalität erzeugte ein großes Medienecho, sowohl online als auch in Print und TV. Zudem erhielt der Ausbau den ersten Preis von „Best of Interior 2019“. Die Laudatio attestiert „eine moderne Loft-Atmosphäre. Das Chiemgau trifft in dieser Scheune auf die große, weite Designwelt. Mit mehr Gefühl für die Umgebung, die eigene Heimat und zeitgenössische Gestaltung kann man kaum einrichten.“

Das Chiemgau trifft in dieser Scheune auf die große, weite Designwelt

Laudatio „Best of Interior 2019“

Vier Fragen an Stephanie Thatenhorst

Warum haben sie auf dem Bauernhof Ihrer Eltern ein Heulager zu Ihrem Feriendomizil ausgebaut?
Die Kinder lieben den Stadl sehr. Es ist schön, dass sie neben dem schnellen und lauten Stadtleben hier die Einfachheit zu spüren bekommen. Und der See ist mit dem Fahrrad gut erreichbar.

Wie vermitteln Sie zwischen alt und modern?
Ich würde sagen – zwischen alt und Zeitgeist: Dass man natürlich die Historie bewahrt und alt sein lässt, was alt da ist, aber dann nicht irgendwelche pseudoalten Dinge hinzufügt, sondern etwas zeitgenössisches. Es muss ja auch nicht an allen Ecken und Enden jodeln.

Was waren Ihre gestalterischen Prämissen?
Ein großes Augenmerk lag darauf, dass man so wenig Materialien wie möglich für die Oberflächen verwendet und das ganz konsequent durchzieht. Und ich wollte definitiv eine Wandoberfläche haben, die nicht gestrichen werden muss. Die Oberfläche sollte schon die fertige Farbe mit sich bringen – wie ein Lehmputz. Er ist mit seiner Struktur eine unglaublich schöne Erscheinung, baubiologisch und bringt ein angenehmes Raumklima. Den Lehm haben wir sogar in den Nassbereichen verwendet, wofür er eigentlich nicht geeignet ist. Der Boden ist einheitlich und das Ulmenholz für Möbel und Türen. Das waren meine Kernaussagen.

Wie verändert sich das Tageslicht in den Räumen?
Tagsüber bekommen wir durch die großen Fenster an der Westseite sehr viel Licht, wodurch der große Wohnraum trotz dunkler Wände förmlich zu glänzen beginnt. Abends entsteht durch die lediglich punktuelle Beleuchtung eine sehr gemütliche Atmosphäre.

Drei Fragen an Michaela Huber

Michaela Huber geht handwerklich meisterlich mit Lehm um. Mit einem Kollegen veredelte sie den Stadl und war 2018 zudem Preisträgerin des Claytec-Oberflächenpreises. Heute arbeitet sie als Restauratorin und Bauleiterin in der Denkmalpflege.

In was wurde der Stadl verwandelt?
In einen sehr besonderen Ort – vielleicht auch durch den erdigen Lehm. Er bringt Emotion hinein. Ich empfinde den Raum als sehr angenehm – kreativ gestalteter Wohnraum einmal anders erzählt.

Was ist das Besondere an Lehm?
Durch die Erdpigmente gibt es immer ein Lichtspiel. Das Material ist lebendig. Seine Haptik, seine Optik. Das ist für Körper und Geist wohltuend.

Wie aufwendig war die Oberfläche?
Wir haben die Oberfläche geglättet und dann noch leicht angeschliffen, damit sie optisch samtig wird und um das Gesamtbild ruhiger und homogener zu machen. Teilweise wurde sie bis zu 14 Mal mit einem Wasserlack eingelassen.

Der letzte Schliff für die verwandelte Scheune
Um die handwerklichen Spuren zu harmonisieren, wurde abschließend geschliffen
Bild: Michaela Huber

Baudaten Stadl

  • Baujahr: ca. 1900
  • Ausbaujahr: 2017
  • Grundfläche: 200 m²
  • Deckenhöhe: 8 m
  • Bauweise: Holzkonstruktion
  • Umbau: großzügige, neue Fenster, Holzfassade belassen, innen gedämmt, mit Kalk und Lehm verputzt, geschliffen, stellenweise lackiert sowie Möbel und Türen in Ulmenholz
  • Putzarbeiten: Michaela Huber für Maler Epple
  • Planung: Stephanie Thatenhorst

Text: Achim Pilz