Materialknappheit bei Holz und Stahl − was Sie jetzt tun können

Erst die Corona-Pandemie, nun der Ukraine-Konflikt. Wie viele andere Branchen auch kommt der Bausektor einfach nicht zur Ruhe und sieht sich durchgehend mit neuen Schwierigkeiten konfrontiert. Seit dem Jahr 2020 machte sich die weltweite Pandemie signifikant bei der Verfügbarkeit und Preisgestaltung von Baumaterialien bemerkbar. Mit Abklingen die Pandemie waren die Prognosen für das Jahr 2022 eigentlich optimistisch. Aber jetzt sorgt der russische Angriffskrieg auf die Ukraine für weiter anhaltende Unsicherheiten.

Aber: Es gibt alternative Rohstoffe, die Sie nutzen können. Sie können für Bauherren eine gute Ausweichmöglichkeit sein.

In diesem Artikel:

Ein Gastbeitrag von Christian Schaar.

Gründe für die Lieferverzögerungen und Materialknappheit im Bausektor

Die Zukunftsaussichten in der Baubranche sind ungewiss, denn die gesamte wirtschaftliche Lage ist kaum kalkulierbar. Die Entwicklung des Ukraine-Kriegs kann dabei ebenso wenig vorhergesagt werden, wie die Corona-Pandemie. Stark anziehende Preise, Lieferengpässe sowie Materialknappheit sind die Folge davon.

Schwierigkeiten bei der Lieferung sind vor allem auf unterbrochene Lieferketten zurückzuführen. Zahlreiche Angestellte in der Logistikbranche, die europaweit Baumaterialien lieferten, stammen aus der Ukraine. Ein Großteil der Angestellten musste die Arbeit niederlegen, um in den Krieg zu ziehen.

Speditionen, die noch fahren können, müssen sich in der Ukraine auf neue Transportwege einstellen, denn viele Straßen wurden bombardiert und sind zerstört. Einige Regionen sind aufgrund zerstörter Brücken gar nicht mehr erreichbar. Und als wären diese Widrigkeiten nicht schon genug, sind die Spediteure besonders von den stark angezogenen Spritpreisen betroffen. Einige Spediteure haben aus diesem Grund entschieden, gar nicht mehr auszuliefern, da sich dies in der aktuellen Situation nicht rentiert.

Doch der Personalmangel ist nicht nur auf den Konflikt in der Ukraine zurückzuführen. Erschwerend kommen die aktuell steigenden Ansteckungszahlen mit dem Coronavirus hinzu, die auch in der Logistikbranche für personelle Ausfälle sorgen.

Holz und Stahl besonders betroffen

Holz und Stahl sowie deren Erzeugnisse gehören in der Baubranche zu den wichtigsten Rohstoffen. Beide Materialien sind besonders von Lieferverzögerungen und Preissteigerungen betroffen. Produkte aus Aluminium, wie Dachrinnen oder – Fallrohre, aber auch andere Bleche sind momentan nur schwer am Markt zu bekommen.

Der Konflikt wirkt sich so deutlich auf die Lieferketten aus, weil rund ein Drittel des in Europa verarbeiteten Baustahls aus Russland, der Ukraine oder Weißrussland kommt. Neben der knappen Verfügbarkeit jagen die immensen Kosten für Energie die Preise weiter nach oben. Ein Ausweichen auf weitere Produzenten wie China oder Indien ist theoretisch möglich, aber mit noch höheren Kosten verbunden, da die Lieferwege hier um ein Vielfaches länger sind.

Auch bei der Holzproduktion zählen die Länder Belarus, Russland und Ukraine zu den größten Herstellern. Entsprechend schwierig gestaltet sich auch hier die Lieferung von Holzprodukten. Schon vor dem Ukraine-Konflikt war der Export der Sibirischen Lärche aus Russland eingeschränkt. Sibirische Lärche wird bevorzugt als Konstruktionsholz für die Dielen auf der Terrasse oder für Keilstülpschalungen verwendet.

Da das Holz nicht mehr lieferbar ist, weichen viele auf die österreichische Gebirgslärche um. Dieses Holz hat zwar ähnliche Eigenschaften wie die Sibirische Lärche, ist aber deutlichen kostenintensiver.

Alternativlösungen für den Bausektor in Deutschland

Schafswolle als natürliche und klimafreundliche Alternative

Bei einigen Baumaterialien, wie der Sibirischen Lärche, gibt es also durchaus Ausweichmöglichkeiten. Viele Stahl- oder Holzerzeugnisse können aber nicht komplett gleichwertig ersetzt werden, sodass Bauherren mit einem geringfügigen Qualitätsverlust rechnen müssen. Im Bereich der Dämmung sind aber viele nahezu ebenbürtige Ersatzprodukte erhältlich. Es muss also nicht unbedingt eine Dämmung mit Hanf oder Holzfasern sein. Zellulose und Schafwolle sind ebenfalls natürliche und klimafreundliche Materialien, die über vergleichbare Dämmeigenschaften verfügen.

Bodenplatten werden bevorzugt mit Armierungsstahl hergestellt, aber auch hier können Bauherren auf Faserbeton ausweichen. Dieser besteht aus Kunststofffasern und ist aktuell noch nicht so stark von Preissteigerungen oder Lieferausfällen betroffen wie Stahl.

Das können private und gewerbliche Bauherren jetzt tun

Der Markt reagiert aktuell sehr dynamisch auf die weltweiten Entwicklungen. Lieferzeiten oder Kosten für benötigtes Material können somit stark schwanken. Auf lange Sicht scheint momentan keine Stabilität bei den Verfügbarkeiten oder eine Senkung des Preisniveaus in Sicht. Im Gegenteil, Experten gehen eher davon aus, dass sich die Kosten für Baumaterialien, aber auch für Sprit und Energie auf einem hohen Niveau einpendeln.

Trotzdem lohnt es sich, den Markt genau im Auge zu behalten und bei kurzfristigen Preiseinbrüchen das erforderliche Material zu bestellen. Unterstützung können hierbei sachkundige Experten, wie Architekten oder Bauleiter leisten, die meist genau einschätzen können, wann der richtige Zeitpunkt zum Kauf ist. Auch in Bezug auf alternative Baumaterialien ist die Expertenmeinung unersetzlich, um negative Auswirkungen auf den Bau ausschließen zu können.

Einige Händler versuchen ihren Kunden entgegenzukommen und bieten zum Beispiel an, Baumaterial zum tagesaktuellen Preis zu reservieren, aber erst zu dem Zeitpunkt abzuholen, wenn die Rohstoffe wirklich benötigt werden. Bestehen aufseiten des Bauherren Einlagerungsmöglichkeiten, kann es sinnvoll sein, zum aktuellen Preis zu kaufen und selbst einzulagern. Dies hat den Vorteil, dass Preise kalkulierbar bleiben, birgt aber das Risiko, dass der Preis in einigen Wochen doch wieder fällt.

Aus der Perspektive der Bauherren wäre es wünschenswert, eine langfristig geltende Preisbindung mit einem Händler zu vereinbaren. Doch kaum ein Händler wird sich in der aktuellen Situation auf eine solche Vereinbarung einlassen, da die Gefahr besteht, auf hohen Kosten sitzenzubleiben. Vielmehr fordern immer mehr Bauunternehmen eine sogenannte Stoffpreisgleitklausel. Diese ermöglicht es, steigende Preise an die Kunden weiterzugeben.

Momentan sind die Aussichten auf ein Ende der Lieferknappheit und Preissteigerung schlecht. Es bleibt abzuwarten, ob sich die Lage weiter verschlechtert oder weitere Alternativlösungen gefunden werden können.

Text: Christian Schaar, S2 GmbH
Bilder: Unsplash und pixabay