Wie Deutschland bis 2050 klimaneutral wird

Kann Deutschland klimaneutral werden?

Kann Deutschland klimaneutral werden? Eine Reduktion der Treibhausgase in Deutschland bis zum Jahr 2030 um 65 Prozent und Klimaneutralität bis 2050 sind machbar und technisch umsetzbar. Das zeigt erstmals die Studie „Klimaneutrales Deutschland“, deren Ergebnisse im Oktober vorgestellt wurden. Darin haben Prognos, Öko-Institut und Wuppertal Institut in verschiedenen Szenarien untersucht, mit welchen konkreten Maßnahmen Deutschland bis zum Jahr 2050 seine Treibhausgasemissionen auf null senken kann.

In diesem Artikel:

Ein Gastbeitrag von Öko-Institut, Prognos und Wuppertal Institut.

In der Studie Studie „Klimaneutrales Deutschland“ haben Prognos, Öko-Institut und Wuppertal Institut in verschiedenen Szenarien untersucht, mit welchen konkreten Maßnahmen Deutschland bis zum Jahr 2050 seine Treibhausgasemissionen auf null senken kann. So wird Deutschland klimaneutral

Treibhausgasemissionen senken und vermeiden

Im November 2019 verabschiedete der Bundestag das Klimaschutzgesetz. Ziel des Gesetzes ist es, dass Deutschland bis zum Jahr 2050 treibhausgasneutral wird. Die von Prognos, Öko-Institut und Wuppertal Institut erstellte Studie „Klimaneutrales Deutschland“ zeigt erstmals, wie Deutschland dieses Ziel erreichen kann. Klimaneutral bedeutet dabei, dass die Treibhausgasemissionen in allen Bereichen vollständig oder fast vollständig vermieden werden. Insbesondere in der Landwirtschaft – aber auch in einzelnen industriellen Prozessen – verbleiben auch im Jahr 2050 noch Restemissionen. Diese residualen Emissionen werden durch die gezielte CO2-Entnahme aus der Atmosphäre und Speicherung als sogenannte „negative Emissionen“ ausgeglichen. In der Summe wird Deutschland so klimaneutral.

Der Weg zur Klimaneutralität in der EU
Der Weg zur Klimaneutralität in der EU
Bild: Öko-Institut

Zudem zeigt die Studie, wie Deutschland bis zum Jahr 2030 die Treibhausgasemissionen deutlich stärker senken kann als bislang vorgesehen und damit die aktuell diskutierten Ziele auf europäischer Ebene erfüllt. In dem Hauptszenario werden bis zum Jahr 2030 die Emissionen um 65 Prozent im Vergleich zu 1990 gesenkt – zehn Prozentpunkte mehr als das aktuelle Klimaschutzgesetz vorsieht. Die hierfür notwendigen zusätzlichen Einsparungen ergeben sich vor allem in der Energiewirtschaft durch einen beschleunigten Kohleausstieg und schnelleren Ausbau der erneuerbaren Energien sowie durch eine zügigere Transformation in der Industrie. Aber auch im Verkehr und Gebäudebereich werden zusätzliche Einsparungen erzielt.

Klimaziele für Deutschland
Klimaziele für Deutschland
Bild: Öko-Institut

Umfang der Studie

Für die Studie untersuchten und modellierten die drei Institute Prognos, Öko-Institut und Wuppertal Institut insgesamt ein Jahr lang detailliert die Maßnahmen in den Sektoren Energiewirtschaft, Industrie, Verkehr, Gebäude, Landwirtschaft und Abfall. Auch die oft vernachlässigten Bereiche Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft (LULUCF) sowie die effiziente Gewinnung und Nutzung von Bioenergie wurden umfassend analysiert.

Bei der Auswahl der Maßnahmen zur Umsetzung der Treibhausgasminderung standen einerseits die Kosten im Vordergrund. Aufgrund der an vielen Stellen notwendigen schnellen Transformation wurden zudem die Fragen der technischen Umsetzbarkeit und dem möglichen Markthochlauf berücksichtigt. Um möglichst robuste Szenarien zu erhalten, lag der Fokus auf Technologien mit möglichst geringen technologischen und wirtschaftlichen Risiken. Der Einsatz von CO2-Abscheidung und -Ablagerung (Carbon Capture and Storage, CCS) wurde soweit es geht reduziert und wenn möglich alternative Technologien bevorzugt.

Umstellung statt Verzicht

Gleichzeitig setzen die Szenarien explizit nicht auf Verzicht als notwendige Voraussetzung für Klimaneutralität. So steigt in der Studie die Pro-Kopf-Wohnfläche weiter und die Mobilität bleibt vollumfänglich erhalten. Bei der Ernährung wurden aktuelle Trends fortgeschrieben, wie ein moderat sinkender Milchkonsum, eine Verschiebung des Fleischkonsums hin zu mehr Geflügel sowie ein leichter Anstieg bei Biolebensmitteln. In den Berechnungen behält der Industriestandort Deutschland sein hohes Produktionsniveau und die Investitionen werden im Rahmen der normalen Modernisierungszyklen getätigt.

Wie sich ein Ernährungsumstellung auf die Emissionen von Treibhausgasen auswirkt
Wie sich ein Ernährungsumstellung auf die Emissionen von Treibhausgasen auswirkt
Bild: Öko-Institut

Die Studie stellt damit einen aus Kostensicht und unter Berücksichtigung der Umsetzbarkeit optimierten Weg zur Erreichung der Klimaneutralität 2050 dar. Die Studie wurde im Auftrag von Agora Energiewende, Agora Verkehrswende & Stiftung Klimaneutralität erstellt.

Hintergrundinformation zu den Sektoren – wie wird Deutschland klimaneutral?

Zentrale Maßnahmen, damit Klimaneutralität im Jahr 2050 erreicht werden kann
Zentrale Maßnahmen, damit Klimaneutralität im Jahr 2050 erreicht werden kann
Bild: Öko-Institut

Bild: Öko-Institut, Prognos und Wuppertal Institut

Energiewirtschaft

Ein Drittel der gesamten Treibhausgasemissionen entfiel 2018 auf die Energiewirtschaft. Mit der Beendigung der Kohleverstromung im Jahr 2030, einem ambitionierten Ausbau erneuerbarer Energien im Stromsektor auf rund 70 Prozent des Bruttostrombedarfs, dem Ausbau von erneuerbaren Energien in den Wärmenetzen sowie einem Einstieg in die Wasserstoffnutzung in Gaskraftwerken können die Emissionen bis zum Jahr 2030 um etwa zwei Drittel gesenkt werden. Die Energiewirtschaft leistet damit den mit Abstand größten Beitrag zur Emissionsreduktion bis zum Jahr 2030.

Im Zeitraum bis 2050 werden die erneuerbaren Energien weiter ausgebaut und die Stromerzeugung aus fossilem Erdgas vollständig durch Wasserstoff ersetzt. Durch den Ausbau von Speichern, einen verstärkten Stromaustausch mit dem Ausland sowie eine gesteigerte Flexibilität der Stromnachfrage können auch langfristig – trotz des hohen Anteils der Windenergie- und Photovoltaik – das Stromangebot und die Nachfrage effizient in Einklang gebracht werden.

Der Strommix in Deutschland
Der Strommix in Deutschland im Jahr 2018
Bild: Öko-Institut

Industrie

Deutschland ist auch zukünftig ein bedeutender Standort für Grundstoffe wie Stahl, Grundstoffchemikalien und Zement, und meistert die Transformation der Grundstoffindustrien hin zur Klimaneutralität. Klimaneutralität lässt sich in der Industrie durch Effizienzmaßnahmen, einen weitgehenden Umstieg auf erneuerbare Energieträger (Strom, Wasserstoff, biogene Energieträger), innovative Produktionsrouten, wie die Herstellung von Roheisen in Direktreduktionsanlagen und chemisches Recycling, sowie den Einsatz von CO2-Abscheidung und Speicherung (Carbon Capture and Storage, CCS) erreichen.

Die Industrie spielt eine wichtige Rolle bei der Erreichung der Klimaneutralität. Durch den gezielten Einsatz von biogenen Energieträgern ermöglicht sie in Kombination mit CCS negative Emissionen. Hierfür sind aufgrund ihrer räumlich hochkonzentrierten Energiebedarfe insbesondere die Standorte der chemischen Industrie und der Stahlindustrie geeignet.

Die Grundstoffindustrien Stahl, Grundstoffchemie, Zement, Kalk, Nichteisenmetalle, Glas, Gießereien, sowie Zellstoff, Papier und Pappe stehen zudem mit Blick auf eine Reduktion von Treibhausgasemissionen aufgrund der für die Umwandlung von Rohstoffen nötigen energieintensiven Hochtemperaturprozesse sowie dem Auftreten von prozessbedingten Emissionen vor besonders großen Herausforderungen und wurden deshalb besonders detailliert untersucht.

Verkehr

Statt motorisiertem Individualverkehr braucht es auf dem Weg zu einer klimaverträglichen Mobilität mehr öffentlichen Rad- und Fuß-Verkehr. Pkw müssen durch Pooling-Konzepte höher ausgelastet, der Gütertransport auf die Schiene verlagert und die Entwicklung emissionsfreier Antriebe vorangetrieben werden. Konkret bedeutet das: Im Jahr 2030 gibt es 14 Millionen Elektroautos und es fahren rund ein Drittel der Lkw elektrisch mit Batterien, Oberleitungen oder Brennstoffzellen.

Trotz Schiff und Schiene: Güterverkehr auf der Straße bleibt dominant
Trotz Schiff und Schiene: Güterverkehr auf der Straße bleibt dominant
Bild: Öko-Institut

2050 sind Pkw- und Lkw-Bestand dann nahezu vollständig elektrifiziert. Güter werden – mit 190 Milliarden Tonnenkilometern (Mrd. tkm) im Jahr 2030 und 230 Mrd. tkm im Jahr 2050 – verstärkt auf der Schiene transportiert. Der Luftverkehr und die Seeschifffahrt, bei denen Möglichkeiten der direkten Elektrifizierung noch nicht absehbar sind, basieren langfristig vollständig auf dem Einsatz strombasierter Kraftstoffe. Insgesamt verursacht der Verkehrssektor 2030 noch 89 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente – 74 Millionen weniger als im Jahr 2019. Im Jahr 2050 ist der Verkehr in den Szenarien klimaneutral.

Klimaschutz im internationalen Flugverkehr: Emissionsziele im Vergleich
Klimaschutz im internationalen Flugverkehr: Emissionsziele im Vergleich
Bild: International Civil Aviation Organization/Öko-Institut

Gebäude

Im Gebäudesektor entstehen die Emissionen hauptsächlich bei der Erzeugung von Raumwärme und Warmwasser. In den betrachteten Szenarien steigt die jährliche Sanierungsrate im Vergleich zu heute um etwa 50 Prozent auf rund 1,6 Prozent. Gleichzeitig wird die Qualität (Sanierungstiefe) der eingesetzten Bauteile gesteigert. Der Verbrauch für Raumwärme und Warmwasser verringert sich im Szenario bis 2050 um 36 Prozent gegenüber 2018. Die verbleibende Wärme wird weitestgehend CO2-neutral erzeugt. Die Zahl der Wärmepumpen erhöht sich von aktuell rund einer Million auf sechs Millionen in 2030 und auf 14 Millionen im Jahr 2050. In urbanen Gebieten steigt die Bedeutung der Wärmenetze stark an; die Nachfrage nach Fernwärme verdoppelt sich im Zeitraum 2018 bis 2050.

Landwirtschaft

In dem Sektor Landwirtschaft verbleiben im Jahr 2050 Restemissionen in Höhe von 44 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente, was hauptsächlich auf die Tierhaltung zurückzuführen ist. Die wesentlichen Maßnahmen zur Reduktion von Emissionen in der Landwirtschaft sind vor allem die Reduktion von Düngemitteln und Tierbeständen, eine verstärkte Wirtschaftsdüngervergärung, die Ausweitung des Ökolandbaus und die Anpflanzung von weniger stickstoffintensiven Kulturarten. In der vorliegenden Studie werden keine Änderungen in den Ernährungsgewohnheiten bis 2050 angenommen, sondern aktuelle gesellschaftliche Trends fortgeschrieben.

Abfall

Bis zum Jahr 2030 sinken die Methanemissionen aus der Deponierung durch verstärkte Maßnahmen der Deponiebelüftung. Aufgrund von biologischen Prozessen bei der Deponierung und der Abwasserbehandlung lassen sich bis zum Jahr 2050 geringe Restemissionen nicht vollständig vermeiden.

Nicht nur Deutschland muss klimaneutral werden. Verkehr, Gebäude, Abfall und Landwirtschaft: Emissionsziele der EU im "Effort Sharing"
Verkehr, Gebäude, Abfall und Landwirtschaft: Emissionsziele der EU im „Effort Sharing“
Bild: European Environment Agency/Öko-Institut
Abfallvermeidung ist der richtige Weg in Richtung klimaneutrales Deutschland: Stufen der Abfallvermeidung: Wertschöpfung und Nutzung entlang des Lebenswegs eines Produktes
Stufen der Abfallvermeidung: Wertschöpfung und Nutzung entlang des Lebenswegs eines Produktes
Bild: Öko-Institut

Infos zur Studie

Eine Zusammenfassung der Studie „Klimaneutrales Deutschland“ von Öko-Institut, Prognos und Wuppertal Institut können sie hier nachlesen. Zuständigkeiten: Prognos verantwortete in dieser Studie die Sektoren Gebäude und Energiewirtschaft und war mit der Gesamtprojektleitung sowie dem Szenariendesign betraut. Das Öko-Institut war zuständig für Verkehr, Landwirtschaft, Abfall und LULUCF (Landnutzung, -änderung und Forstwirtschaft) und die Herleitung der Emissionsminderungsziele. Das Wuppertal Institut bearbeitete den Sektor Industrie.

Über das Öko-Institut

Das Öko-Institut ist eines der europaweit führenden, unabhängigen Forschungs- und Beratungsinstitute für eine nachhaltige Zukunft. Seit der Gründung im Jahr 1977 erarbeitet das Institut Grundlagen und Strategien, wie die Vision einer nachhaltigen Entwicklung global, national und lokal umgesetzt werden kann. Das Institut ist an den Standorten Freiburg, Darmstadt und Berlin vertreten.

Öko-Institut: Homepage, Blog, Twitter

Über Prognos

Prognos ist eines der ältesten Wirtschaftsforschungsinstitute Europas. An der Universität Basel gegründet, forschen Prognos-Expertinnen und -Experten seit 1959 für verschiedenste Auftraggeber aus dem öffentlichen und privaten Sektor – politisch unabhängig, wissenschaftlich fundiert. Die bewährten Modelle der Prognos AG liefern die Basis für belastbare Prognosen und Szenarien. Mit rund 150 Expertinnen und Experten ist das Unternehmen an neun Standorten vertreten; Basel, Berlin, Bremen, Brüssel, Düsseldorf, Freiburg, Hamburg, München und Stuttgart. Die Projektteams arbeiten interdisziplinär, verbinden Theorie und Praxis, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik.

Prognos Homepage

Über das Wuppertal Institut

Das Wuppertal Institut erforscht und entwickelt Leitbilder, Strategien und Instrumente für Übergänge zu einer nachhaltigen Entwicklung; auf lokaler, regionaler, nationaler und internationaler Ebene. Im Zentrum stehen Ressourcen-, Klima- und Energieherausforderungen in ihren Wechselwirkungen mit Wirtschaft und Gesellschaft. Die Analyse und Induzierung von Innovationen zur Entkopplung von Naturverbrauch und Wohlstandsentwicklung bilden einen Schwerpunkt seiner Forschung. Im Fokus der Forschung des Wuppertal Instituts stehen Transformationsprozesse zu einer nachhaltigen Entwicklung. Die Forschungsarbeiten hierzu bauen auf disziplinären wissenschaftlichen Erkenntnissen auf und verbinden diese bei der transdisziplinären Bearbeitung komplexer Nachhaltigkeitsprobleme zu praxisrelevanten und akteursbezogenen Lösungsbeiträgen. Problem, Lösungsansatz und Netzwerke sind dabei gleichermaßen global, national sowie regional/lokal ausgerichtet.

Homepage Wuppertal Institut

Bilder (wenn nicht anders gekennzeichnet): Pixabay

Elektrosmog – Quellen vorsorglich reduzieren

Raus mit dem Elektrosmog ! Wie riskant elektromagnetische Felder von Geräten und Kabeln, Handys und Funkmasten für die Gesundheit sind, ist umstritten. Doch gerade in der eigenen Wohnung kann man viel tun, um ihren Einfluss vorsorglich stark zu reduzieren.

Raus mit dem Elektrosmog ! Wie riskant elektromagnetische Felder von Geräten und Kabeln, Handys und Funkmasten für die Gesundheit sind, ist umstritten. Doch gerade in der eigenen Wohnung kann man viel tun, um ihren Einfluss vorsorglich stark zu reduzieren.

In diesem Artikel:

Ein Gastbeitrag der Zeitschrift natürlich gesund und munter.

Elektrosmog im eigenen Zuhause

Wir alle werden fast ständig von verschiedensten elektromagnetischen Feldern und Signalen umschwirrt, ohne sie sinnlich wahrnehmen zu können. Sie sind unsichtbar, erzeugen kein Gefühl auf der Haut, geben keine Gerüche ab und auch keine Geräusche. Nur gelegentlich kann ein störendes Knattern und Brummen im Lautsprecher zeigen, dass der „Feldsalat“ von Handys und ihren Masten, schnurlosen Telefonen, WLAN-Netzen und sämtlichen elektrischen Geräten permanent präsent ist – und auch mal unerwünschte Effekte auslösen kann.

Smart Homes sorgen für eine Dauerbestrahlung im Eigenheim

Allein dieses Gefühl, selbst im eigenen Zuhause solchen unsichtbaren Kräften ausgeliefert zu sein, kann belasten und sogar krank machen. Doch gibt es schädliche Wirkungen, die darüber hinausgehen? Viele Menschen sind überzeugt, dass der „Elektrosmog“ ihren Schlaf stört und bei ihnen Beschwerden wie starke Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit auslöst. Überraschend wäre das nicht, schließlich funktionieren fast alle Vorgänge in lebenden Organismen über elektrische Spannungsänderungen; sämtliche Nervensignale, der Herzschlag, die Energieversorgung der Zellen.

Doch wie groß das Risiko elektromagnetischer Strahlen und Felder tatsächlich ist, wird von Experten durchaus unterschiedlich bewertet und muss zudem für jeden Frequenzbereich einzeln betrachtet werden (siehe Infokasten). Einig sind sich alle zumindest in einem Punkt: „Man sollte die Exposition so gering wie möglich halten“, sagt etwa die Biologin Dr. Gunde Ziegelberger, Leiterin der Arbeitsgruppe Elektromagnetische Felder beim Bundesamt für Strahlenschutz (BfS). „Und gerade bei den stärksten Einflüssen kann jeder selbst ganz viel tun.“

Strahlungsquelle Internetrouter

Wenn Messtechniker wie Johannes Schmidt, Referent am Institut für Baubiologie und Nachhaltigkeit in Rosenheim, ihre Prüf­geräte einschalten, geben sich die verborgenen elektromagnetischen Felder zu erkennen. So weist ein Knattern darauf hin, dass der WLAN-Router eingeschaltet ist. Der arbeitet mit hochfrequenten Signalen, die nicht gleichbleibend senden, sondern gepulst. Umweltmediziner und Baubiologen sehen das kritisch: „Es gibt Hinweise, dass solche gepulsten Signale den Herzrhythmus negativ beeinflussen können“, so Schmidt. „Versuchen zufolge kann sich das Herz auf den Takt des Routers einschwingen, statt variabel dem eigenen Rhythmus zu folgen.“

W-Lan Router sind meistens dauernd eingeschaltet; mit unseren Tipps können Sie den Elektrosmog reduzieren

Da Fritzbox & Co. permanent senden, ist die potenzielle Belastung in der Wohnung hoch. Was viele Nutzer nicht wissen; Sie lässt sich deutlich reduzieren – bei gleichbleibendem Komfort. Schmidt erläutert, welche Möglichkeiten es gibt:

› Datenkabel in der Wohnung verlegen – das geht auch nachträglich, entweder als Aufputzleitung oder in oft bereits vorhandene Leerrohre.

› Zusätzlich lassen sich sogenannte Femtozellen in den Zimmern errichten – das sind nur dort aktive WLAN-Netze, die mit äußerst geringer Sendeleistung auskommen und sich nach Bedarf einzeln aktivieren und deaktivieren lassen.

› Die Strahlungsintensität des Routers lässt sich manuell deutlich verringern, ohne dass sich Datenladegeschwindigkeit und Empfang verschlechtern. Für kleinere Wohnungen reichen meist 6 Prozent der ab Werk eingestellten vollen Sendeleistung. Für eine weitere Abdeckung (zum Beispiel inklusive Garten) muss man ausprobieren, wie weit sich die Sendeleistung des Routers reduzieren lässt. Diese lässt sich in den Grundeinstellungen ändern.

› Abends sollte der Router ausgeschaltet werden, entweder manuell oder automatisch (ebenfalls über die Grundeinstellungen). So lässt er die Bewohner wenigstens im Schlaf unbehelligt. „Die Nachtruhe dient der Regeneration, deshalb sollten Menschen in dieser Zeit besonders geschützt sein“, sagt der Baubiologe Schmidt.

[Einschub der Redaktion: mehr zum Thema Dauerstrahlung/Smart Home und baubiologische Empfehlungen können Sie hier lesen.]

Schnurlostelefone und Babymonitore

Auch Schnurlostelefone und Babymonitore sind Elektrosmogquellen

Auch Schnurlosgeräte senden hochfrequente gepulste Signale – und zwar beim üblichen DECT-Standard sogar dann, wenn sie nicht benutzt werden.

› Geräte mit „Eco-DECT“-Standard senden nur während des Telefonats, zudem ist die Sendeleistung um 90 Prozent reduziert – was meist völlig ausreicht. Bei Geräten mit „Eco-Mode +“ strahlt auch die Basisstation nicht, wenn nicht telefoniert wird. Wichtiger Hinweis von Johannes Schmidt: „Dieser Modus muss allerdings auch aktiviert sein.“

› Bei Babyphonen statt eines DECT-Modells lieber ein analoges Gerät wählen und mindestens zwei
Meter Abstand zum Kind einhalten.

Elektrosmog von Handystrahlen

Obwohl auch Fernseh- und Radioprogramme über elektromagnetische Signale in die eigene Wohnung gelangen, sind es vor allem Sendemasten für Handys, die von vielen skeptisch betrachtet werden. „Es gibt jedoch bisher keine nachgewiesene Wirkung, die geltende Grenzwerte infrage stellen würde“, fasst die Biologin Ziegelberger den Stand der Forschung zu den Mobilfunkstrahlen zusammen.

Elektrosmog im Alltag: Auch Fernseh- und Radioprogramme gelangen über elektromagnetische Signale in die eigene Wohnung.

Dabei wurde in etlichen Studien sogar untersucht, wie diese auf Menschen wirken, die sich selbst als elektrosensibel einstufen. In einer Untersuchung bewerteten sie ihre Schlafqualität, die zugleich per EEG dokumentiert wurde, während sie unter einem schützenden Baldachin lagen. Sowohl die subjektiven als auch die objektiven Aufzeichnungen zeigten, dass die Schlafqualität unabhängig davon war, ob der Baldachin die Probanden wirklich oder nur scheinbar von den Strahlen abschirmte.

In einer anderen Studie wurde ein norddeutsches Dorf im Funkloch mit einem neuen Sendemasten ausgestattet. Es zeigte sich sowohl in den Protokollen als auch im EEG; Wer sich über die Strahlung Sorgen machte, schlief messbar schlechter – aber die Schlafqualität war unabhängig davon, ob die Station sendete oder ausgeschaltet war.

Wichtiger als die ziellosen Mobilfunkstrahlen in der Umgebung sind jedoch die, welche direkt mit dem eigenen Gerät ausgetauscht werden. Dadurch entstehen direkt am Körper die höchsten Feldstärken, denen Menschen im Alltag ausgesetzt sind. Die wichtigste Sorge ist die vor der tumorfördernden Wirkung. „Bislang gibt es keinen Nachweis, dass Mobilfunkstrahlung Krebs auslösen kann. Gerade in Bezug auf langjährige, intensive Handynutzung können wir es aber nicht sicher ausschließen, denn viele Tumoren haben eine lange Latenzzeit“, sagt Gunde Ziegelberger. Wer das Handy bewusst nutzt, kann viel für den eigenen Schutz tun.

Handys/Smartphones sind eine Dauerquelle von Elektrosmog

Empfehlung zur Reduktion von Elektrosmog

› Den ständig im Hintergrund laufenden Funkverkehr drastisch reduzieren und WLAN, GPS und/oder Datenverkehr nur einschalten wenn nötig. Nachts können Sie mit dem Flugmodus sogar alle Funksignale des eigenen Geräts kappen und es trotzdem zum Beispiel als Wecker benutzen.

› Abstand halten, also beispielsweise Freisprecheinrichtungen nutzen. Das gilt vor allem bei schlechtem Empfang; Die höchsten Feldstärken entstehen, wenn das Gerät eine Verbindung sucht und der nächste Mast schlecht erreichbar ist.

› Handy nutzen, dessen SAR-Wert (Maß für die Strahlungsintensität) möglichst weit unter dem Grenzwert von 2,0 Watt pro Kilogramm (W/kg) liegt. Die Werte finden Sie hier.

Elektromagnetische Felder

Die gute Nachricht zuerst: Hochspannungsleitungen in der Nähe des Hauses sind laut BfS unbedenklich. Bei dem gelegentlich hörbaren Knistern und Summen handelt es sich um Entladungen, zu denen es bei feuchtem Wetter kommen kann. Für den Menschen sind sie unschädlich. Im Hinblick auf den Strahlenschutz ist etwas anderes wichtiger: „Die Stärke des elektromagnetischen Feldes nimmt mit jedem Meter stark ab“, sagt Ziegelberger. Dagegen wirken die Felder all der elektrischen Geräte in jeder Wohnung durchaus auf die Bewohner ein. „Es handelt sich um ein niedriges Frequenzspektrum, das aber gerade im Bereich dessen liegt, was die Zellen in einem lebenden Organismus auch nutzen“, sagt der Baubiologe Johannes Schmidt.

Elektrosmog von Strommasten? Hochspannungsleitungen in der Nähe des Hauses sind laut BfS unbedenklich

Sich dem völlig zu entziehen, ist in einem Land wie Deutschland fast unmöglich, doch wenigstens der Bettplatz sollte so weit wie möglich frei von den elektromagnetischen Feldern und Wellen sein. „Schließlich halten wir uns an keinem anderen Ort so viele Stunden hintereinander auf“, sagt Schmidt. Zudem wird diskutiert, dass Felder und Wellen die Produktion des Hormons Melatonin beeinflussen und so den Schlaf beeinträchtigen könnten.

Gunde Ziegelberger vom BfS beschäftigt etwas anderes­ mehr: „Epidemiologische Studien geben teils Hinweise auf einen Zusammenhang von nieder­frequenten Feldern und Leukämie im Kindesalter“, berichtet sie. In diesen Studien lag die Belastung der von Leukämie betroffenen Kinder mit 0,3 bis 0,4 Mikro­tesla bis zu viermal höher als das Hintergrundlevel. Wegen der geringen Fallzahlen ist jedoch bisher nicht bewiesen, ob es sich um einen ursächlichen Zusammenhang handelt. „Bislang konnte das in experimentellen Studien nicht bestätigt werden“, so die Expertin Ziegel­berger. Es laufen jedoch derzeit mehrere Studien, die genau diese Frage untersuchen.

Epidemiologische Studien geben teils Hinweise auf einen Zusammenhang von nieder­frequenten Feldern und Leukämie im Kindesalter

Die Physik hinter Elektrosmog

Strahlen und Felder sind eigentlich Schwingungen,
die man sich wie Wellen vorstellen kann. Tatsächlich sind sie (unter anderem) durch ihre „Wellenlänge“ charakterisiert, genauer; wie dicht die Spitzen der Wellenberge aufein­anderfolgen.
Das Maß dafür ist die Frequenz, die gemessen in Hertz (Hz) die Anzahl der Spitzen pro Sekunde angibt. Sendemasten und Empfangsgeräte senden hochfrequente Signale aus, während durch den Hausstrom niederfrequente elektromagnetische Felder entstehen.
Die Stärke aller elektromagnetischen Felder wird in Tesla gemessen. Dabei gelten 0,1 Mikrotesla (µT) beziehungsweise 100 Nanotesla (nT) als „Hintergrundlevel“ für die durch elektrische Geräte verbreiteten Felder. Das Erdmagnetfeld hat hierzulande eine Stärke von etwa 48 µT.

Geschützter Schlaf – so geht’s

Wer auf die Ergebnisse nicht warten will, hat verschiedene Möglichkeiten, die Schlafplätze der Wohnung vor Elektrosmog zu schützen:

› Keine elektrischen Geräte nah am Bett betreiben. Wichtig: Das gilt auch für solche, die sich auf der anderen Seite der Schlafzimmerwand befinden, vor allem, wenn diese auch nachts laufen, zum Beispiel der Kühlschrank.

› Manche Geräte wie Nachttischlampen erzeugen sogar dann ein Feld, wenn sie ausgeschaltet und nur an eine stromführende Steckdose angeschlossen sind. Einen Ausweg bieten sogenannte Netzfreischalter, die man im Sicherungskasten einbauen lassen kann. „Das bedeutet: Wenn der letzte Stromverbraucher – meist die Nachttischlampe – ausgeknipst wird, schaltet die Stromversorgung auf 12 V Gleichstrom um, die für den Körper unbedenklich sind“, erläutert Schmidt. „Schaltet man ein Gerät ein, ist die volle Leistung sofort wieder da.“ Ein Messtechniker sollte vorab prüfen, welche Stromkreise Einfluss auf den Bettplatz haben.

› Sollten die Strahlenquellen beim Nachbarn liegen, gibt es Möglichkeiten der Abschirmung, die jedoch der Fachmann planen und überprüfen sollte.

› Verbannen Sie Geräte mit Transformatoren, beispielsweise Niedervoltlampen, möglichst aus Ihrer Wohnung – sie können im Nahbereich von rund einem Meter starke magnetische Felder verursachen.

Ironischerweise kann sogar das Bett selbst zur Störquelle werden. Häufig sind die Federkerne von Matratzen magnetisiert, manchmal auch andere Metallteile am Bett oder den Lattenrosten. Erkennbar sind die magnetischen Gleichfelder daran, dass z. B. ein auf dem Bett liegender Kompass sie anzeigt. Als Gegenmaßnahme hilft nur, weitgehend metallfreie Betten und Matratzen zu kaufen.

Auch am Schlafplatz gibt es viele Elektrosmog Quellen

Text: Kirsten Segler mit fachlicher Beratung von Johannes Schmidt und Dr. Gunde Ziegelberger
Bilder: Unsplash und Pixabay

Das Ostcarré Hanau: Bauen mit Ziegeln

Das Ostcarré Hanau ist ein Beispiel für zeitgemäßen, nachhaltigen und bezahlbaren Wohnungsbau in der Stadt in monolithischer Ziegelbauweise.
Bild: Lisa Farkas

Das Ostcarré Hanau ist ein Beispiel für zeitgemäßen Wohnungsbau in monolithischer Ziegelbauweise. Die verwendeten Ziegel sorgen nicht nur für eine moderne Optik, sondern bieten auch klare Vorteile für die Gesundheit.

In diesem Artikel:

Ein Gastbeitrag von Wienerberger.

„Das Material Ziegel altert wunderbar und ist deshalb langlebig. Das kommt unseren Vorstellungen entgegen, etwas zu schaffen, das uns überdauert.“

Architekt Stefan Forster

Das Ostcarré Hanau

In direkter Nachbarschaft zu einem Kirchen-Baudenkmal aus Ziegel ersetzt ein von Stefan Forster Architekten geplanter fünfgeschossiger Wohnungsbau die marode Blockrandbebauung von 1952. An dieser prominenten Stelle monolithisch in Ziegelbauweise zu planen war für den Bauherrn von Anfang an klar, denn er wollte wohngesunden und nachhaltigen Wohnraum im mittleren Preissegment in Hanauer Citylage bieten.

Im Zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstört und danach nur in Teilen wiederaufgebaut, erinnert das Baudenkmal der Wallonisch-Niederländische Kirche in Hanau an ein Statement für Toleranz und Offenheit. Graf Philipp Ludwig II. von Hanau-Münzenberg hatte die Doppelkirche aus Ziegel Anfang des 17. Jahrhunderts für reformierte Religionsflüchtlinge aus Frankreich und den Niederlanden bauen lassen. Mit ihren zwei verschränkten Kirchenräumen war sie auf die zweisprachige Flüchtlingsgemeinde zugeschnitten. Zwischen den beiden Kuppeln stand ein gemeinsamer Turm und die großen Ziegel-Walmdächer waren weithin zu sehen. Heute ist sie als Baudenkmal auch ein Mahnmal gegen die Kräfte, die ihre Zerstörung herbeiführten.

Weniger ansehnlich war in den letzten Jahren die Blockrandbebauung an der Französischen Allee, die den Kirchplatz als Ringstraße umgibt: Mietshäuser aus den 1950er-Jahren, zweckmäßige Siedlungsarchitektur der Nachkriegszeit. Der Neubau Französische Allee ersetzt ein solches Mietshaus aus dem Bestand der Baugesellschaft Hanau GmbH. „Enge Treppenhäuser, viele Kleinwohnungen, marode Bäder ohne Fenster, gefangene Räume und schlechte Bausubstanz machten einen Neubau wirtschaftlicher als die Sanierung“, erläutert BGH-Geschäftsführer Jens Gottwald die Gründe für den Abriss des alten Mehrgeschossers.

Das Ostcarré Hanau befindet sich gegenüber der Niederländisch-Wallonischen Kirche, einem Baudenkmal aus dem 17. Jahrhundert. Der Baukörper fügt sich in Proportion, Materialität und Dachform in den historischen Kontext ein.
Der Neubau befindet sich gegenüber der Niederländisch-Wallonischen Kirche, einem Baudenkmal aus dem 17. Jahrhundert. Der Baukörper fügt sich in Proportion, Materialität und Dachform in den historischen Kontext ein.
Bild: Lisa Farkas

Zeitgemäßes Wohnen

Städtebaulich sorgsam integriert verfügt der Neubau über 57 moderne Wohneinheiten. Acht Vier-Zimmer-Wohnungen, 25 Zwei-Zimmer-Wohnungen und 24 Drei-Zimmer-Wohnungen ergeben eine Gesamtwohnfläche von rund 4800 Quadratmetern. Jede Wohnung verfügt straßenseitig über eine Loggia und hofseitig über einen Balkon, die Dachgeschosswohnungen über eine straßen- oder hofseitig orientierte Dachterrasse. Zur Ausstattung gehören moderne Tageslichtbäder mit Wanne und Dusche, die Wärmeverteilung erfolgt über eine Fußbodenheizung. Die Energie dafür liefern ein Blockheizkraftwerk und Fernwärme. In Verbindung mit der hochwärmedämmenden Gebäudehülle erreicht das fünfgeschossige Gebäude KfW-70-Effizienzhausstandard. Wer bei dieser Ausstattung an Luxus denke, liege falsch, versichert Jens Gottwald: „Mit einer gestaffelten Nettokaltmiete von derzeit unter zehn Euro stellen wir der Mitte der Hanauer Gesellschaft preisgünstigen, zeitgemäßen und werthaltigen Wohnraum in Citylage zur Verfügung.“

Das fünfgeschossige Gebäude in KfW-70-Effizienzhausstandard bietet 57 moderne Wohneinheiten mit zwei bis vier Zimmern auf einer Gesamtwohnfläche von rund 4 800 Quadratmetern im preisgünstigen Segment.
Das fünfgeschossige Gebäude in KfW-70-Effizienzhausstandard bietet 57 moderne Wohneinheiten mit zwei bis vier Zimmern auf einer Gesamtwohnfläche von rund 4 800 Quadratmetern im preisgünstigen Segment.
Bild: Lisa Farkas
Die Grundrisse des Ostcarré Hanau spiegeln sich mittig in zwei symmetrische Hälften. Jede Wohnung verfügt straßenseitig über eine Loggia und hofseitig über einen durchgehenden Balkon. Die Dachgeschosswohnungen sind mit einer straßen- oder hofseitigen Dachterrasse ausgestattet.
Die Grundrisse spiegeln sich mittig in zwei symmetrische Hälften. Jede Wohnung verfügt straßenseitig über eine Loggia und hofseitig über einen durchgehenden Balkon. Die Dachgeschosswohnungen sind mit einer straßen- oder hofseitigen Dachterrasse ausgestattet.
Bild: Stefan Forster Architekten

Wohngesundheit im Ostcarré Hanau

Der von Stefan Forster Architekten konzipierte Baukörper fügt sich in Proportionen, Materialität der Fassade und Dachform in den architektonisch-historischen Kontext der Französischen Allee ein. Auf dem massiven Klinkersockel mit erhöhtem Erdgeschoss setzen drei Obergeschosse in monolithischer Ziegelbauweise mit großen Verglasungen und unterschiedlichen Putzstrukturen an. Das rötliche Satteldach mit Dachgauben bildet den oberen Abschluss und entspricht morphologisch dem historischen Stadtbild von Hanau.

Geplant wurde von Anfang an in Ziegelbauweise. „Uns war es wichtig, an dieser prominenten Stelle wohngesund und nachhaltig zu bauen“, erläutert Jens Gottwald. Die monolithische Ziegelkonstruktion biete klare Vorteile hinsichtlich Brandschutz und langfristiger Instandhaltungskosten durch Verzicht auf zusätzliche Außendämmung.

Auf dem massiven Klinkersockel mit erhöhtem Erdgeschoss setzen drei Obergeschosse in monolithischer Ziegelbauweise mit großen Verglasungen und unterschiedlichen Putzstrukturen an.
Auf dem massiven Klinkersockel mit erhöhtem Erdgeschoss setzen drei Obergeschosse in monolithischer Ziegelbauweise mit großen Verglasungen und unterschiedlichen Putzstrukturen an.
Bild: Lisa Farkas

Hinzu kommen die raumklimatischen Eigenschaften des Ziegels. Dank seiner Kapillarstruktur ist der Ziegel diffusionsoffen und reguliert Luftfeuchte sehr gut. Die hohe thermische Speichermasse wiederum gleicht Temperaturschwankungen sehr gut aus. „Der Naturbaustoff Ziegel bewährt sich seit tausenden von Jahren durch seine positiven Eigenschaften und sorgt zu jeder Jahreszeit für angenehmes Raumklima“, so Jens Gottwald.

Monolithische Ziegelkonstruktion

Für die Außenwände plante das Architektenteam um Stefan Forster mit zwei verfüllten Poroton-Ziegeln: Für das gesamte erste Obergeschoss sowie den zur Straße liegenden Teil des Gebäudes mit dem Poroton S9-MW in den Stärken 30 und 36,5 Zentimeter, für den hofseitigen Teil ab dem zweiten Obergeschoss mit dem Poroton T8-MW in der Stärke 36,5 Zentimeter. Die unterschiedlichen Stärken des S9-MW sind den Fensterbändern geschuldet, die als architektonisches Stilmittel leicht zurückversetzt in 30 Zentimeter Wandstärke realisiert wurden.

Die Entscheidung, mit zwei Poroton-Ziegelprodukten zu bauen, hing vor allem mit unterschiedlichen Anforderungen an Statik und Wärmeschutz innerhalb der Konstruktion zusammen. Das Ostcarrée hat große Fensteröffnungen, die Außenwand somit eine relativ geringe Fläche. Für die statisch abzutragenden Wohngeschosse konnte in den unteren Geschossen daher kein leichter Ziegel verwendet werden. Um gleichzeitig den KfW-70-Standard zu erreichen, musste in den oberen Geschossen mit abnehmender Traglast die Wärmeleitfähigkeit minimiert werden. Die verwendeten Poroton-Ziegel spielen hier ihre jeweiligen Stärken aus: Der für den Geschossbau konzipierte, dämmstoffverfüllte S9-MW bietet mit seiner charakteristischen Mauerwerksdruckfestigkeit fk 4,6 MN/m² die notwendige statische Sicherheit bei gleichzeitig sehr guter Wärmedämmung. Mit einer Wärmeleitfähigkeit von λR 0,08 W/mK optimiert der T8-MW wiederum den Wärmeschutz.

Der straßenseitige Teil des Ostcarré Hanau ist aus statischen Gründen mit dem dämmstoffverfüllten Poroton-Ziegel S9-MW von Wienerberger in der Stärke 36,5 Zentimeter errichtet, im Bereich der Fensterbänder in der Stärke 30 Zentimeter. Die so entstandenen Rücksprünge rhythmisieren die Fassade horizontal, die Auskragungen an den Loggien vertikal.
Der straßenseitige Teil des Gebäudes ist aus statischen Gründen mit dem dämmstoffverfüllten Poroton-Ziegel S9-MW von Wienerberger in der Stärke 36,5 Zentimeter errichtet, im Bereich der Fensterbänder in der Stärke 30 Zentimeter. Die so entstandenen Rücksprünge rhythmisieren die Fassade horizontal, die Auskragungen an den Loggien vertikal.
Bild: Lisa Farkas

Wärmebrückenoptimierte Lösungen

Der benötigte Schallschutz zwischen den Wohnungen ist durch Trennwände mit 30 Zentimeter starken Poroton-Planfüllziegeln sicher gestellt. Für die Haustrennwände planten die Architekten mit einer Doppelwandkonstruktion aus jeweils 17,5 Zentimeter starken Poroton-Planfüllziegeln mit einer innenliegenden, vier Zentimeter starken Trennwandplatte aus Mineralfasern. Poroton-Systemergänzungen wie Laibungsziegel kombiniert mit Anschlagschalen sowie Ziegelstürze, WU-Schalen, Deckenrandschalen und wärmegedämmte Ziegelrollladenkästen bieten wärmebrückenminimierte Lösungen und sorgen durch die homogene Ziegeloberfläche für einen sicheren Putzauftrag. Architekt Stefan Forster: „Uns war wichtig, unterschiedliches thermisches Verhalten in der Fassade zu vermeiden, weil es ansonsten auf Dauer zu Putzrissen und Verfärbungen kommt.“ Das sei nicht nur ein ästhetisches Problem, sondern verkürze auch Instandhaltungsintervalle und erhöhe Kosten unnötig.

Vorteile von Ziegelkonstruktionen

Bei der Detailplanung der monolithischen Ziegelkonstruktion fiel dem Team um Stefan Forster auf, wie viele statische Situationen bei alternativen Wandkonstruktionen beispielsweise mittels Überzüge durch Brüstungsbänder abgetragen werden. Bei monolithischen Ziegelkonstruktionen dagegen kann weitgehend ohne Zug- und Biegekräfte in den Fassaden geplant werden. „Da mussten wir erstmal umdenken“, so Stefan Forster. Mit Unterstützung durch das Wienerberger Projektmanagement WPM konnten alle Details mit den geeigneten Poroton-Produkten geplant und die konstruktiven Möglichkeiten zur Erreichung der architektonischen Ziele ausgereizt werden, so der Frankfurter Architekt. „Der Neubau Französische Allee definiert mit seiner Qualität und Materialität einen neuen Maßstab für zukünftige Bauten in der Innenstadt“, bilanziert Stefan Forster. Jens Gottwald von der Baugesellschaft Hanau ergänzt: „Die sehr hohe Akzeptanz in der Bevölkerung zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind und mit dem Bau einen Beitrag zur Aufwertung der Hanauer Innenstadt geleistet haben.“

Ein Großteil der Wohnungen der Französischen Allee war bereits kurz nach Fertigstellung Ende 2016 vermietet. Seine Freude über die Wahl des Baustoffs Ziegel begründet Stefan Forster so: „Das Material Ziegel altert wunderbar und ist deshalb langlebig.“ Es entwickele mit der Zeit eine Patina und gewinne dadurch an Qualität. „Das kommt unseren Vorstellungen entgegen, etwas zu schaffen, das uns überdauert“, so Forster weiter. Letztlich reflektiere es das Bedürfnis der Menschen, in Würde zu altern.

Baudaten Ostcarré Hanau

Objekt:
Neubau Mehrfamilienhaus Ostcarré, KfW-Effizienzhaus 70

Standort:
Französische Allee 2-6, 63450 Hanau

Bauherr:
Baugesellschaft Hanau GmbH, Hanau

Bauleitung:
BGG Grünzig Ingenieursgesellschaft mbH, Bad Homburg

Architekten:
Stefan Forster Architekten GmbH, Frankfurt am Main

Tragwerksplaner:
Stroh + Ernst AG, Frankfurt am Main

Planer Haustechnik:
Innius RR GmbH, Rosbach v.d.H.

Außenwände/Fassade:
EG: 2-schalige Außenwand, StB + Klinker (0,29 W/m²K)
Straße, OG 1-4:
Brüstungen: 36,5 cm Poroton S9 (0,23 W/m²K)
Fensterbänder: 30 cm Poroton S9 (0,28 W/m²K)
Hof, EG + 1. OG: Wienerberger Poroton-Ziegel Poroton S9 36,5 cm (0,23 W/m²K)
Hof, 2.+4. OG: Wienerberger Poroton T8 36,5 cm (0,21 W/m²K)
Wohnungstrennwände: Wienerberger 30 cm Planfüllziegel (PFZ-T)
Haustrennwände 17,5 cm PFZ-T, 4 cm Trennwandplatte,
17,5 cm PFZ-T
Ringanker WU-Schalen, Deckenrandschalen

Bauzeit:
2014–2016

Text: Nadine Schwarz und Rebecca Rieder der Ansel & Möllers GmbH | PR-Agentur

Urbane Nachverdichtung: das Kontorhaus Leipzig

Urbane Nachverdichtung: das Kontorhaus Leipzig.
Bild: Knoche Architekten BDA Roland Halbe

Urbane Nachverdichtung birgt das Potenzial, in wachsenden Städten neuen Wohn- und Büroraum zu schaffen, ohne dass Fläche neu versiegelt wird. Des Weiteren sorgen bei dem Projekt spezielle Tonziegel dafür, dass die Verwendung eines Wärmedämmverbundsystems überflüssig wurde.

In diesem Artikel:

Ein Gastbeitrag von Wienerberger.

Ausgezeichnetes Projekt urbaner Nachverdichtung

Gleich mehrfach wurde die Sanierung und Aufstockung eines denkmalgeschützten Kontorhauses in Leipzig ausgezeichnet – als positives Beispiel für innerstädtische Nachverdichtung und für die geforderte Nutzungsmischung von Wohnen und Arbeiten. Ebenso einfühlsam wie souverän ergänzten die Architekten den massiven Bestand um massives Volumen. Der Ziegel bildet dabei die perfekte Brücke zwischen charakterstarkem Industriedenkmal und formal eigenständigem Aufbau. Das Ergebnis: eine städtebaulich markante Kubatur, die die Aufstockung sichtbar lässt und gleichzeitig wesentliche Elemente aus dem Bestand weiterführt.

Die Nachverdichtung des Kontorhauses Leipzig sorgt für ein zusätzliches Geschoss, in dem sich nun zwei Wohnungen befinden
Das neue Dachgeschoss des Kontorhauses in Leipzig greift in seiner Materialität wesentliche Merkmale des bestehenden, massiven Ziegelbaus auf. Es fügt sich durch seine zurückhaltende Form- und Farbsprache in die Bestandskulisse ein und grenzt sich zugleich optisch ab.
Bild: Knoche Architekten BDA / Roland Halbe

Für die Aufstockung einer ehemaligen Celluloidfabrik in Leipzig entschieden sich die Architekten von Knoche Architekten BDA für die Schaffung einer stilistisch und strukturell kompakten Struktur auf dem soliden Basisgebäude – ein eingetragenes Industriedenkmal aus dem Jahre 1896. Als Beispiel für Weiterbauen im Bestand leistet das Projekt einen gelungenen Beitrag zur Baukultur urbanen Wohnens. Der dabei geschaffene Wohnraum ist mit 315 Quadratmetern zwar flächenmäßig überschaubar, doch hat das sensibel umgesetzte Projekt deshalb nicht weniger Vorbildcharakter; Nachverdichtung und Vermeidung des Donut-Effekts in einer wachsenden Stadt. Zusammen mit dem sanierten Bestandsbau sind heute auf insgesamt 1.250 Quadratmetern Wohnen und Co-Working-Space harmonisch vereint.

Nachverdichtung durch ein zusätzliches Geschoss; 
Nach der Erweiterung umfasst das Kontorhaus in Leipzig insgesamt 1.250 Quadratmeter
Nach der Erweiterung umfasst das Kontorhaus in Leipzig insgesamt 1.250 Quadratmeter. Der durchdachte Plan der Architekten konnte 315 Quadratmeter mehr Raum schaffen. Davon fallen 190 Quadratmeter auf die größere Wohnung und 80 Quadratmeter auf die kleinere. Der restliche Raum verteilt sich auf das neue Treppenhaus mit Aufzug sowie auf Konstruktionsfläche.
Bild: Knoche Architekten BDA

Nachverdichtung mit Respekt vor dem Bestand

Bei der Aufstockung gingen die Planer von Knoche Architekten buchstäblich massiv vor: „Maßgabe war die Verdichtung der umgebenden Stadtstruktur, die aus mehrgeschossigen, gründerzeitlichen Wohn- und Gewerbebauten besteht. In dieser Struktur hatte das bestehende Kontorhaus aufgrund seiner geringen Höhe nur eine untergeordnete Präsenz, obwohl es gut sichtbar an einer markanten Kreuzung steht“, führt Prof. Knoche aus. „Wir wollten das Volumen daher stärken und die Aufstockung massiv ausführen. Gleichzeitig sollte dabei die Gebäudekontur versatzfrei übernommen werden. Also Weiterbauen mit Respekt vor der Substanz, das Gegenteil der häufig zurückgesetzten, gläsernen Parasiten.“

Das neue Dachgeschoss greift hierfür wesentliche Merkmale des bestehenden Ziegelbaus auf, allen voran das Material selbst; Der Aufbau aus tragenden, hochwärmedämmenden Poroton-Ziegeln S9-MiWo in 36,5 cm Wandstärke und Ziegelmontagedecken von Wienerberger kann auf ein Wärmedämmverbundsystem verzichten. Dauerhaftigkeit und Nachhaltigkeit des Altbaus werden so bautechnologisch weitergeführt. Stahlträger leiten die Lasten in die tragenden Außen- und Innenwände ein. „Tonbaustoffe wie die eingebaute Ziegeldecke und die Außenwände mit Wärmedämm-Mauerwerk waren hier die beste Wahl, weil sie leicht sind und sich auch im Bestand einfach verarbeiten lassen“, sagt Prof. Knoche. „Außerdem können Tonbaustoffe Wärme und Feuchtigkeit speichern und wieder abgeben. Damit besitzen sie eine für Wohn- und Aufenthaltsbereiche optimale bauphysikalische Qualität.“

[Einschub der Redaktion: warum viele Wärmedämmverbundsysteme nicht recycelbar sind und welche ökologischen Alternativen es gibt, können Sie hier lesen.]

Durch spezielle Proton-Ziegel konnte auf ein Wärmedämmverbundsystem verzichtet werden
Die Planer von Knoche Architekten entschieden sich bei der Aufstockung für ein massives Volumen auf einem massiven Be-stand. Das gesamte Mauerwerk besteht aus hochwärmedämmenden Poroton-Ziegeln und Ziegel-montagedecken von Wienerberger.
Bild: Knoche Architekten BDA

Anbindung und Eigenständigkeit zugleich

Vor allem durch Farbgebung und moderne Geradlinigkeit hebt sich der Aufbau deutlich vom Bestand ab. Die bewusst unregelmäßige Abfolge und Dimensionierung der Fenster, die zugleich die vertikalen Kanten der Bestandsfenster aufnehmen, betonen sowohl Anbindung wie Eigenständigkeit des neuen Geschosses. Auf Vorsprünge oder Balkone wurde analog zum Bestand verzichtet. Die kleine Wohnung erhielt stattdessen eine eingeschnittene Loggia, die große Wohnung einen innenliegenden Patio. Nur der hofseitige Vorbau des Bestandes wird oben als Austritt vor die Fassade genutzt. Hier verläuft die Kontur der Aufstockung geradlinig durch.

Nachverdichtung schafft Wohnraum: Bei den neuen Wohnungen wurde analog zum Bestand, bis auf die Fortführung des hofseitigen Vor-baus, auf Vorsprünge und Balko-ne verzichtet. Stattdessen erhielt die kleinere Wohnung eine eingeschnittene Loggia und die größere einen innenliegenden Patio.
Bei den neuen Wohnungen wurde analog zum Bestand, bis auf die Fortführung des hofseitigen Vorbaus, auf Vorsprünge und Balkone verzichtet. Stattdessen erhielt die kleinere Wohnung eine eingeschnittene Loggia und die größere einen innenliegenden Patio.
Bilder: Knoche Architekten BDA / Roland Halbe

„Wichtig war uns, die architektonische Balance zu finden zwischen formaler Zurückhaltung und einer dennoch eigenständigen Gestaltung“, erklärt Prof. Christian Knoche, Knoche Architekten BDA. „Wir haben daher beispielsweise die Fassadengliederung sehr genau studiert und die neuen Fenster nach der bestehenden Maßordnung gesetzt. Auf den regelmäßig strukturierten Straßenseiten wurden trotzdem einzelne Fenster weggelassen und andere zu Panoramafenstern zusammengefasst. So wird auch die neue Nutzung Wohnen ablesbar, ohne das Gebäude zu dominieren.“

Struktur durch Putz und Fugen

Im Bereich des Dachrandes wird die horizontale Gliederung des Bestandes aufgegriffen, während die Außenwände mit ihrer handwerklich ausgeführten, horizontal reliefierten Putzstruktur die Rauheit des Ziegelmauerwerks neu formulieren. Ausgeführt wurde die Putzfläche als Kammputz mit 15 mm tiefen Fugen, wie Prof. Knoche erklärt: „Dabei verlaufen die Fugen wie die Lagerfugen des Mauerwerks absolut und exakt horizontal. Ihre Ausführung zeigt den Herstellungsprozess: Der Putz wurde wie aufgetragen belassen, geringfügige Fehlstellen also im Nachgang nicht korrigiert. Das führt zu einer sehr handwerklichen Anmutung, die mit dem Bestandsmauerwerk sehr schön harmoniert.“ Die zurückhaltende Formensprache und der graue Putzton mit Horizontal-Reliefierung fügen sich dadurch in die Bestandskulisse ein und belegen gleichzeitig die Authentizität des Neuen.

Die handwerklich ausgeführte Kammputz-Struktur mit ausgeprägter Reliefierung formuliert die Rauheit des Ziegelmauerwerks neu. Dabei verlaufen die Putzfugen wie die Lagerfugen des Mauerwerks absolut und exakt horizontal.
Die handwerklich ausgeführte Kammputz-Struktur mit ausgeprägter Reliefierung formuliert die Rauheit des Ziegelmauerwerks neu. Dabei verlaufen die Putzfugen wie die Lagerfugen des Mauerwerks absolut und exakt horizontal.
Bild: Knoche Architekten BDA

Baudaten und Auszeichnungen

Die Aufstockung des Kontorhauses wurde bereits mehrfach ausgezeichnet, beispielsweise mit dem Architekturpreis der Stadt Leipzig (2017). Darüber hinaus erhielt Knoche Architekten 2019 vom Bund Deutscher Architekten (BDA) in Sachsen die Anerkennung für „die erfolgreiche Renovierung und Nachverdichtung eines Industriedenkmals und außergewöhnliche architektonische Virtuosität“.

Objekt
Aufstockung Kontorhaus Leipzig

Standort
Ecke Holbeinstraße/Stieglitzstraße, Leipzig

Architekten
Knoche Architekten BDA, Leipzig

Außenwände/Fassade
Poroton S9-36,5-MiWo, Putzfassade mit Kammputzstruktur

Ziegeldecke
Poroton Ziegeldecke V-TEC und Ziegeldecke FILIGRAN

Wohnungs-/Haustrennwände
Poroton-Plan-T9 36,5; HLZ Plan-T 17,5-1,4; Poroton-Plan-T 24,0-0,9; Poroton-Plan-T14 30,0; Poroton-Plan-T18 17,5

Anschlussdetails Systemzubehör
Poroton Anschlagschalen (P-AS), Deckenrandschalen (DRS), U-Schalen, Zwischenwandplatten (ZWP) und weitere Systemergänzungen

Fertigstellung
2017

Im neuen Obergeschoss des Kontorhauses in Leipzig fanden zwei geräumige, lichtdurchflutete Wohnungen Platz.
Im neuen Obergeschoss des Kontorhauses in Leipzig fanden zwei geräumige, lichtdurchflutete Wohnungen Platz.
Bilder: Knoche Architekten BDA / Roland Halbe

Über Wienerberger

Die deutsche Wienerberger GmbH mit Sitz in Hannover zählt zu den führenden Ziegelherstellern in Deutschland. Sie ist hundertprozentige Tochter der österreichischen Wienerberger AG und seit 1986 auf dem deutschen Markt präsent. Zum Unternehmen zählen aktuell deutschlandweit 16 Ziegelwerke, darunter neun für Poroton-Hintermauerziegel, drei für Terca-Vormauerziegel und Penter-Pflasterklinker sowie drei für Koramic-Dachziegel. Die Argeton-Fassadenplatten werden individuell für jedes Bauvorhaben im Werk Görlitz hergestellt. Wienerberger entwickelt und produziert Tonbaustoffe für die Gebäudehülle vom Keller über die Wand bis zum Dach sowie für die Gestaltung von Freiflächen.

Kunden profitieren zudem von einer großen Bandbreite an Services, die sich von der Baustelleneinweisung über eine technische Hotline bis hin zu verschiedenen digitalen Tools erstreckt. Die Wienerberger GmbH beschäftigt am Hauptsitz Hannover und in den verschiedenen Werken insgesamt rund 1500 Mitarbeiter. Als Tochter der traditionsreichen Wienerberger AG profitiert das Unternehmen von mehr als 200 Jahren Erfahrung in der Kunst des Ziegelbrennens. Europaweit arbeitet ein leistungsstarkes Forschungsteam kontinuierlich daran, die Produkte zu verbessern und neue zu entwickeln. Dadurch gewährleistet Wienerberger eine hohe und ausgereifte Produktqualität in Verbindung mit modernsten und ressourcenschonenden Produktionstechnologien.

Wienerberger ist zudem online präsent; Auf Instagram finden Planer Anregungen zum Bauen mit Ton, und auf Facebook veröffentlicht der Tonbaustoffproduzent regelmäßig Einblicke in das Unternehmen sowie News aus der Baubranche.

Text: Franziska Klug und Rebecca Rieder-Tschernov der Ansel & Möllers GmbH | PR-Agentur

Greenwashing – was es ist und wie man es erkennt

Was ist Greenwashing und wie erkennt man es? Unser Artikel klärt auf.

Was ist Greenwashing und wie erkennt man, ob eine Firma es betreibt? In unserem Beitrag erklären wir, um was es sich dabei handelt und wie Sie die Zeichen dafür erkennen können.

In diesem Artikel:

Ein Beitrag unserer Redaktion.

Was ist Greenwashing?

Greenwashing ist der Versuch eines Unternehmens, die eigene Marke oder ein Produkt mit einem „grünen“ Image zu versehen, ohne dass dabei tatsächlich Wert auf ökologische oder soziale Nachhaltigkeit gelegt wird. Kund*innen sollen so mit gezielten Aktionen den Eindruck bekommen, dass das Unternehmen besonders auf Umweltverträglichkeit achtet. Dabei handelt es sich jedoch lediglich um gezielte Marketingstrategien, mit denen Konsument*innen schlussendlich getäuscht werden.

Mit Greenwashing wird bei Kund*innen der Eindruck geweckt, dass es sich bei der Firma, dem Produkt oder der Leistung um ein nachhaltiges Angebot handelt.
Mit Greenwashing wird bei Kund*innen der Eindruck geweckt, dass es sich bei der Firma, dem Produkt oder der Leistung um ein nachhaltiges Angebot handelt.

Wie und was wird „grüngewaschen“?

Bei dem gezielten Marketing kann es sich um jegliche Form der Außendarstellung handeln, zum Beispiel um Fernseh- und Plakatwerbung, Etiketten und Verpackungen oder sogar ganze Werbekampagnen. Für ein grüngewaschenes Image reichen oft schon die Farbe Grün, Worte und Slogans rund um „Nachhaltigkeit“ oder Bilder, die „Natur“ darstellen.

Mit Greenwashing versuchen Unternehmen, ihre Produkte und Marken in ein "grünes" Licht zu rücken und so attraktiver für Konsumenten zu werden

Auch ein „grüngewaschener“ Internetauftritt kann den Anschein erwecken, dass es sich um ein besonders ökologisch agierendes Unternehmen handelt. So werden sogar auch die Kund*innen getäuscht, die sich im Vorfeld eines Kaufes ein wenig über das gewünschte Produkt erkundigen. Da sich immer mehr Menschen für einen bewussten Konsum entscheiden und auf Nachhaltigkeit Wert legen, greifen auch mehr und mehr Unternehmen zu Marketingstrategien mit den Argumenten „nachhaltig“, „fairtrade“ oder „biologisch/ökologisch“.

Doch bei welchen Produkten tritt Greenwashing auf? So ziemlich jedes Produkt kann davon betroffen sein. Ob Kosmetik- und Hygieneprodukte, Wasch- und Reinigungsmittel, Elektrogeräte, Autos, Möbelstücke, Nahrungsmittel oder Textilien. Bei jedem Produkt können Nachhaltigkeitsmaßnahmen aufgebauscht, Arbeits- und Herstellungsverhältnisse geschönt oder schlechte Produktionsumstände verschwiegen werden.

Jedes Produkt kann von Greenwashing betroffen sein; von Zahnbürste, über Möbel bis hin zu Autos.
Ob bei Kosmetikprodukten, Klamotten oder Autos; bei Greenwashing suggeriert die Werbung, dass es sich um ein besonders ökologisches, umweltschonendes oder gesundes Produkt handelt

Mit welchen Aspekten können Unternehmen „falsch“ werben?

Unternehmen können zum Beispiel den Klimawandel ansprechen oder das Artensterben thematisieren, ohne tatsächlich etwas dagegen zu unternehmen. Sie können auf Ressourcenschonung hinweisen, obwohl auf ebenjene nicht geachtet wird. Wenn ein Unternehmen Umweltverschmutzung zum Thema macht, bei der Produktion aber nicht auf Umweltschutzmaßnahmen achtet oder extrem viel Verpackungsmaterialien nutzt, erscheint das ebenfalls unglaubwürdig. Bei der Verpackung kann allerdings auch mit falschen Argumenten geschummelt werden; diese wird zum Beispiel als ökologisch ausgewiesen, auch wenn sie entweder komplett unnötig oder nicht recyclebar ist. Auch Produkte, die im Laufe der Herstellungskette mehrfach weite Transportwege aufweisen und die Kontinente wechseln, sind weniger ökologisch.

Einwegplastik ist nicht nachhaltig, und auch hier kann mir der Verpackung ein „grünes“ Image erzeugt werden

Warum betreiben einige Unternehmen Greenwashing?

Dafür gibt es mehrere Gründe; höhere Preise, besseres Image und Vergünstigungen im Handel können eine Rolle spielen. Mit einem grüngewaschenen Image können Unternehmen mehr Geld für ihre Produkte verlangen, da Käufer*innen oftmals bereit sind, für nachhaltige Produkte etwas mehr auszugeben. Denn gerade das „grüne“ Image eines Produktes ist für manche Menschen das ausschlaggebende Argument bei der Kaufentscheidung.

Generell kann ein Unternehmen versuchen, das eigene Image mit Greenwashing aufzuwerten. Denn so gibt es nach außen hin zu verstehen, dass es Verantwortung übernimmt und sich für eine besserer Welt einsetzt. Mit diesem Image könnte das Unternehmen auch im Handel mit Produktionspartnern, bei staatlichen Zuschüssen oder bei Verkäufern bessere Chancen haben. Zudem ist es für das Unternehmen billiger, Geld für aufwändiges Marketing auszugeben, anstatt wirklich nachhaltiger zu werden. Denn dafür müssten zum Beispiel Fertigungsprozesse geändert, Produkte neu designt und Arbeitsbedingungen erheblich verbessert werden.

Greenwashing ist der Versuch eines Unternehmens, die Einnahmen mithilfe eines irreführenden und falschen "grünen" Images zu steigern.
Greenwashing ist der Versuch eines Unternehmens, die Einnahmen mithilfe eines irreführenden und falschen „grünen“ Images zu steigern

Greenwashing Checkliste

Wenn Sie nicht genau wissen, ob ein Unternehmen Greenwashing betreibt, können Sie sich vor einer Kaufentscheidung informieren. Generell lohnt sich dafür ein Blick auf den Internetauftritt der Firma. Die folgenden Aspekte können Hinweise auf Greenwashing geben.

Worte vs. Taten

Benutzt das Unternehmen schwammige Aussagen und beschreibt allgemein eher Vorsätze, anstatt deutliche Beispiele zu bringen? Sind die Website und die Werbeauftritte mit Wörtern rund um Nachhaltigkeit geschmückt, ohne dass wirklich konkrete Umsetzungen präsentiert werden? Wenn ein Unternehmen Nachhaltigkeit als Aushängeschild oder Kaufargument nutzt, aber keine Handlungen vorweisen kann, ist das ein Hinweis auf Greenwashing.

Transparenz

Auch die Transparenz eines Unternehmens kann zeigen, ob Umweltbewusstsein oder fairen Produktionsbedingungen ernst genommen werden. Gibt die Firma zum Beispiel Details dazu bekannt, oder sind auch hier die Formulierungen vage und unspezifisch? Unterstützt die Firma Hilfsorganisationen, Umweltschutzprogramme oder spendet regelmäßig für den guten Zweck? Auch Angaben über Materialien können etwas über die Transparenz aussagen. Welche Rohstoffe, Materialien oder Chemikalien kommen zum Einsatz (oder werden konsequent gemieden, so wie Palmöl)? Sind die Produkte recycelbar? Bekommt man als Kund*in Einblicke in den Herstellungsprozess oder -Ort? Gibt es Informationen über faire Löhne oder die gesundheitliche Sicherheit der Arbeiter*innen vor Ort?

Wenn eine Website zudem keinen eigenen Abschnitt zum Thema Nachhaltigkeit hat (beispielsweise in Form von einer „über uns“ oder „unsere Werte“ Präsentation), dann ist „grüne“ Werbung wenig überzeugend.

Historie des Unternehmens

Ist das Unternehmen für günstige Produkte, Schnäppchen oder schnell wechselnde Kollektionen bekannt? Ist die Firma in der Vergangenheit mit Umweltskandalen oder schlechten Arbeitsbedingungen aufgefallen? Wenn ja, dann lohnt sich ein Blick „hinter die Kulissen“ erst recht. Dafür kann man den Namen des Unternehmens + „Greenwashing“ in die Suchleiste des Browsers eingeben. So stößt man auf Beispiele, Recherchen oder Nachrichtenmeldungen, die einem zeigen können, ob die Firma schon in der Vergangenheit negativ aufgefallen ist. Natürlich kann sich ein Unternehmen im Laufe der Jahrzehnte auch ändern; dann sollte man jedoch auf der Homepage auch sehen können, welchen Beitrag es beispielsweise für Umwelt- und Artenschutz, faire Löhne oder Klimaneutralität leistet.

Anteil der nachhaltigen Produkte im Sortiment

Wenn man sich das Sortiment eines Unternehmens anschaut, kann man oft schon erkennen, ob Nachhaltigkeit eine Priorität ist oder nicht. Denn teilweise wird ein sehr kleiner Anteil an nachhaltigen Produkten für einen sehr großen Anteil des Marketings genutzt. Hier ein Beispiel aus der Textilbranche; Ein Anbieter für Mode hat nur eine sehr kleine Auswahl an Kleidungsstücken mit Biobaumwolle, Fairtrade-Zertifikaten oder Umweltschutzmaßnahmen. Der überwiegende Rest der Textilien ist konventionell hergestellt. Trotzdem beherrscht die „grüne“ Mode die Werbung und wird als Aushängeschild benutzt. Mit solchem Methoden sollen Kund*innen davon überzeugt werden, dass das Unternehmen ökologisch handelt, faire Löhne zahlt und gesunde Materialien verwendet.

Gerade in der Modeindustrie in den Zeiten des Fast Fashions lohn sich ein Blick auf das Angebot; ist Nachhaltigkeit nur bei einer kleinen Kollektion ein Argument, oder ist sie ein Grundsatz der Unternehmensphilosophie?
Gerade in der Modeindustrie in Zeiten des Fast Fashions lohn sich ein Blick auf das gesamte Angebot; ist Nachhaltigkeit nur bei einer kleinen Kollektion ein Kaufargument oder ist sie ein Grundsatz der Unternehmensphilosophie?

Vertrauenswürdige Zertifikate

Immer mehr Produkte weisen Siegel oder Zertifikate auf, die besonders ökologische oder soziale Praktiken auszeichnen sollen. Doch sagen diese wirklich immer etwas über die Nachhaltigkeit des Unternehmen aus? Nein, denn auch bei Zertifikaten kann geschummelt werden; es gibt Konzerne, die sich einfach eigens entworfene Labels, Auszeichnungen oder Preise verleihen. Wenn man ein Produkt mit einem besonderen Gütesiegel oder einem Zertifikat sieht, das man noch nicht kennt, kann man dieses zum Beispiel googlen. So kann man herausfinden, ob es tatsächlich von einer externen, objektiven Prüfstelle vergeben wurde, oder das Unternehmen sich nur selbst etwas verliehen hat.

Außerdem kann man sich an Zertifizierungs- und Prüfstellen orientieren, die sehr bekannt sind (doch auch hier darf man hinterfragen, was genau geprüft und ausgezeichnet wird). Wir haben ein paar Links für Sie herausgesucht, an denen Sie sich beim nächsten Kauf orientieren können:

TÜV Nord listet beispielsweise seine Kriterien für Nachhaltigkeit und Klimaschutz und zeigt Konsument*innen so, worauf er bei einer Zertifizierung achtet.

Die Plattform Utopia hat einen Siegel-Guide, der verschiedene Nachhaltigkeitssiegel vorstellt. Es gibt eine Kurzvorstellung in der Übersicht sowie weiterführende Informationen. Utopia unterteilt die Siegel in die Gruppen staatliche Siegel, Label von Interessensgemeinschaften sowie Zeichen von Unternehmen.

Auf siegelklarheit.de haben Sie die Möglichkeit, die Siegel nach Produktgruppen (beispielsweise Textilien, Papier, Lebensmittel oder Mobiltelefone) kennenzulernen. Außerdem können Sie verschiedene Siegel miteinander vergleichen. Die Bewertung stellt sich aus den Kategorien Glaubwürdigkeit, Umweltfreundlichkeit und Sozialverträglichkeit zusammen. Diese haben wiederum transparente Bewertungsaspekte gelistet, sodass Sie direkt sehen, wie die Bewertung zustande kommt.

Die Seite Klima-Lügendetektor widmet sich komplett der Entlarvung von Greenwashing-Versuchen. Betrieben und befüllt wird die Seite von Journalist*innen, die regelmäßig neue Fälle von irreführendem Marketing aufdecken. Auch hier gibt es mehrere Unterteilungen, beispielsweise in Energie, Medien, Politik oder Wirtschaft.

Nachhaltiger Konsum

Um sich wirklich vor Greenwashing zu schützen, muss man sich mit den Unternehmen ein wenig auseinandersetzen, von denen man etwas kauft. Man sollte jedoch auch im Kopf behalten, dass nicht jedes Unternehmen in jeder Hinsicht nachhaltig sein kann. Trotzdem gibt es Firmen, die sich wirklich mit sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit auseinander setzen und einen Beitrag für eine bessere Welt leisten.

Zudem ist es wichtig, dass Konsument*innen aufgeklärte und bewusste Konsumentscheidungen treffen. Jeder kleine Beitrag bewirkt etwas, denn auch hier gilt „Die Summe macht’s“. Trauen Sie sich deshalb, das Thema Greenwashing im Familien- oder Freundeskreis anzusprechen. Viele Menschen wissen schließlich nicht, dass Unternehmen mit Marketingstrategien ökologische und soziale Nachhaltigkeit nur vortäuschen. So können Sie ihr Umfeld aufklären und sorgen dafür, dass immer weniger Menschen auf Greenwashing hereinfallen.

Und auch Minimalismus setzt auf nachhaltigen und bewussten Konsum, beziehungsweise eine allgemeine Reduktion von Konsumgütern. Für Interessierte haben wir deshalb einen kleinen Minimalismus-Leitfaden mit Tipps verfasst, der beim Einstieg in ein minimalistische(re)s Leben helfen kann.

Minimalismus ist nachhaltiger und bewusster Konsum

Text: Jenny Heim
Bilder: Unsplash und Pixabay

Das Centro Tesoro – ein nachhaltiges Bürogebäude

Das Centro Tesoro ist mit Photovoltaik und Recycling-Baumaterial ein exzellentes Beispiel für nachhaltige Büroimmobilien. Das Projekt zeigt, dass es sich lohnt, bestehende Gebäude nicht abzureißen, sondern sie ökologisch zu sanieren.

In diesem Artikel:

Ein Gastbeitrag der Schwaiger Group.

Revitalisierung statt Abriss und Neubau

Trotz gestiegenem Bewusstsein für Energieeffizienz und Nachhaltigkeit setzen Investoren bei ihren Objekten meist noch auf Abriss und Neubau. Dass es auch anders geht, zeigen die Projekte der in München ansässigen Schwaiger Group. Diese hat sich auf die nachhaltige Revitalisierung von Objekten spezialisiert. Der Büro­ und Gewerbekomplex Centro Tesoro – vormals eine Sektkellerei – zeigt auf, welche Potenziale im Gebäudebestand schlummern. Außerdem zeigt er, dass sich bei sorgsamem Umgang mit der grauen Energie dennoch eine Rendite erzielen lässt.

Wo einst die Sektkellerei Nymphenburg ihren Sitz hatte, bietet heute das Centro Tesoro auf knapp 24 000 Quadratmetern Fläche in dem revitalisierten Gebäudekomplex anmietbare Büro- und Gewerberäume. Nicht zuletzt aufgrund des konsequenten Einsatzes von Recycling-Baumaterial wurde es als „Nachhaltigste Immobilienprojekt 2019“ ausgezeichnet. Sowohl das effiziente Energiekonzept mit Mieterstrommodell als auch das Mobilitätskonzept mit Bike-Sharing und E-Ladestationen sowie das nachhaltige Abfallwirtschaftssystem überzeugten die Jury.
Wo einst die Sektkellerei Nymphenburg ihren Sitz hatte, bietet heute das Centro Tesoro auf knapp 24 000 Quadratmetern Fläche in dem revitalisierten Gebäudekomplex anmietbare Büro- und Gewerberäume. Nicht zuletzt aufgrund des konsequenten Einsatzes von Recycling-Baumaterial wurde es als „Nachhaltigste Immobilienprojekt 2019“ ausgezeichnet. Sowohl das effiziente Energiekonzept mit Mieterstrommodell als auch das Mobilitätskonzept mit Bike-Sharing und E-Ladestationen sowie das nachhaltige Abfallwirtschaftssystem überzeugten die Jury.

Energieeffizientes Bauen und Sanieren beim Eigenheim ist mittlerweile gang und gäbe, bei Gewerbeimmobilien besteht aber weiterhin Nachholbedarf. Zwar mögen 2,7 Mio. „Nichtwohngebäude“ im Vergleich zu 19 Mio. Wohngebäuden auf den ersten Blick wenig relevant erscheinen, aufgrund ihrer jeweils großen Flächen fällt ihr Anteil am Endenergieverbrauch laut dena mit 36 % dafür umso höher aus. Während in den Assets wie Retail und Hotel, aber auch bei den Kommunen die Notwendigkeit erkannt wird, in Energieeffizienz zu investieren, ist bei Büroimmobilien noch sehr viel Luft nach oben.

Green Building statt Green Washing

Die Revitalisierung unserer Bausubstanz ist allein schon deshalb sinnvoll, weil nicht nur das Resultat nachhaltig ist, sondern auch der Weg dorthin. Denn ähnlich wie beim E-Auto muss am Ende die Ökobilanz stimmen. Bei der Revitalisierung von Immobilien beträgt der Bedarf von mineralischen Baustoffen im Durchschnitt nur 40 % dessen, was bei einer Entscheidung für einen Abriss einschließlich Neubau derselben Immobilie fällig geworden wäre.

Nicht erst seit den Fridays-for-Future-Protesten ist auch bei den Investoren und Immobilienunternehmen das Ressourcenpotenzial des Gebäudebestandes mehr und mehr in den Fokus gerückt – indes gehört die Schwaiger Group zu den wenigen Unternehmen, die sich auf die Revitalisierung von Gebäuden spezialisiert hat.
Nicht erst seit den Fridays-for-Future-Protesten ist auch bei den Investoren und Immobilienunternehmen das Ressourcenpotenzial des Gebäudebestandes mehr und mehr in den Fokus gerückt – indes gehört die Schwaiger Group zu den wenigen Unternehmen, die sich auf die Revitalisierung von Gebäuden spezialisiert hat
Die Schwaiger Group hat in Kooperation mit MVG eine Bike-Sharing-Station ins Centro Tesoro geholt

Green Building statt Green Washing muss deshalb die Devise lauten. Damit Nachhaltigkeitszertifikate wie LEED, breeam, DGNB oder ÖGNI den geprüften Gebäuden nicht nur einen grünen Anstrich verleihen, kommt es bei der Zertifizierung auch auf die Details an. Denn damit wird beurteilt, ob das entsprechende Objekt einen Beitrag zum Erreichen der Klimaziele leistet und auch hinsichtlich der Energieeffizienz überzeugt. Dennoch haben Zertifikate ihre Berechtigung, denn sie ermöglichen eine erste Einschätzung, inwieweit ein Green Building am Markt seinem Namen gerecht wird.

Anders als beim Neubau stellen die Anforderungen bei Bestandsimmobilien Projektentwickler vor größere Herausforderungen. Insofern verwundert es nicht wirklich, dass das Centro Tesoro der Schwaiger Group die bundesweit erste Bestandsimmobilie ist, die im Zuge der Revitalisierung mit LEED Platin zertifiziert wurde. Das war nicht zuletzt aus wirtschaftlicher Sicht kein einfaches Unterfangen.

In dem Centro Tesoro hat der Projektentwickler das erste Unterflursystem Münchens als Abfallkonzept installiert. Fünf Unterflurcontainer für Restmüll, Bioabfälle und Papier sind im Untergrund verborgen, was oberirdisch wertvolle Flächen einspart und Geruchsbelästigungen vermeidet.
In dem Centro Tesoro hat der Projektentwickler das erste Unterflursystem Münchens als Abfallkonzept installiert. Fünf Unterflurcontainer für Restmüll, Bioabfälle und Papier sind im Untergrund verborgen, was oberirdisch wertvolle Flächen einspart und Geruchsbelästigungen vermeidet.

Centro Tesoro: „Nachhaltigste Immobilie 2019“

Seinen Anfang nahm das Projekt 2016, als die Schwaiger Group den Gebäudekomplex der ehemaligen Nymphenburger Sektkellerei im Münchner Osten erworben hat. Die beiden auf dem Gelände verteilten Gebäude aus den 1980er und 1990er Jahren waren sichtlich in die Jahre gekommen. Trotzdem sah das Konzept vor, die Substanz zu erhalten und sie in einen modernen und ineinander übergehenden Bürokomplex zu überführen, der auf knapp 24 000 m2 Fläche ökonomisch und ökologisch neue Standards setzt.

Die Entscheidung für eine Revitalisierung der Immobilie hat sich gerechnet; Gegenüber einem Neubau lagen die Kosten bei der Sanierung um fast zwei Drittel tiefer – bei weniger als 400 Euro / m2. Ein wesentlicher Grund für die Einsparungen liegt auch in dem Umstand begründet, dass die Schwaiger Group keinen GU beauftragt, sondern jede Leistung selbst vergibt und anschließend abnimmt. Statt mit Dienstleistern zu arbeiten, versucht das Unternehmen stets den Einkauf, aber auch die Verarbeitung bzw. den Einbau direkt über den Hersteller zu bekommen.

Bauteil / MaßnahmeKennwertErläuterung
Gesamtmaßnahmen
PV-Anlage414 kWp
Austausch der HeizkesselVitocrossal 200
Einbau von Hocheffizienzpumpen
Aufstockung
DächerUD = 0,15 W/(m2K)200 mm Steinwolle­Dachdämmplatten, WLG 0,038 W/(mK),
zusätzlich Gefälledämmschicht (dmax 80 mm)
WändeUAW = 0,23 W/(m2K)160 mm, WLG 035, mechanisch befestigt
Fußböden EG gegen KellerUFB = 0,35 W/(m2K)80 mm, WLG 035
FensterUW = 1,0 W/(m2K)
außenliegender SonnenschutzAbminderungsfaktor FC = 0,25üblicher Wert für Lamellenraffstore
Sonnenschutz Fensterg­Wert = 0,5übliche Verglasung, der g­Wert ist genau einzuhalten (Toleranz ± 0,03)
Nachtlüftung über FensterFenster manuell öffenbar, Information der Nutzer
Bestand
Austausch aller OberlichterU = 1,8 W/(m2K)
nachträgliche Dämmung der DächerDU = 0,15 W/(m2K)200 mm Steinwolle­Dachdämmplatten, WLG 0,038 W/(mK), zusätzlich Gefälledämmschicht (dmax 80 mm
Zusammenstellung der energetischen Maßnahmen – die ehemaligen Gebäude wurden revitalisiert („Bestand“), die große Gewerbehalle wurde aufgestockt („Neubau“)

Das Centro Tesoro hat die größte innerstädtische Aufdach-PV-Anlage

Der Clou und eine wichtige Säule der energetischen Sanierung war die größte innerstädtische Aufdach-Photovoltaikanlage Münchens. Diese hat die Schwaiger Group in Kooperation mit den Stadtwerken München (SWM) auf einer Fläche von 10 000 Quadratmetern auf dem Dach des Centro Tesoro installiert hat. Insgesamt 1.354 PV-Module mit je 320 Watt produzieren mit einer Gesamtleistung von 428 kWp den grünen und kostengünstigen Direktstrom für die Mieter. Was sich als absolutes Plus für die Vermarktung der Büroflächen herausstellte, denn das Mieterstromkonzept sprach ausgewählte Unternehmen an, die grün erzeugten Strom in ihrem Pflichtenheft haben. Der weltweit größte E-Scooter-Anbieter LIME etwa hat vor allem deshalb einen großen Teil der Hallenfläche langfristig gemietet, weil er für eine Anmietung Ökostrom vorausgesetzt hatte.

Auf dem Dach des Centro Tesoro ist die größte innerstädtische PV-Anlage Münchens installiert. Mit einer Leistungskapazität von 428 kWp produzieren 1.354 PV-Module grünen und dezentralen Mieterstrom.
Auf dem Dach des Centro Tesoro ist die größte innerstädtische PV-Anlage Münchens installiert. Mit einer Leistungskapazität von 428 kWp produzieren 1.354 PV-Module grünen und dezentralen Mieterstrom.

Günstiger Strombezug dank Mieterstrommodell

Mieterstrommodelle bieten Immobilienunternehmen grundsätzlich die Möglichkeit, in die Erzeugung und den Vertrieb von dezentralem Ökostrom einzusteigen. Welche Rolle die Eigentümer solcher Objekte einnehmen, hängt davon ab, welchen Grad an Autonomie sich Immobilienwirte wünschen. Entweder man möchte die Dachfläche verpachten oder man übernimmt die Betreiberrolle.

Die Übergabe der Betreibereigenschaft und aller sonstigen energiewirtschaftlichen Verpflichtungen an Dritte kommt für alle Immobilienwirte in Frage, die sich insgesamt nicht mit den Anforderungen des Energiemarktes beschäftigen oder größere Investition vermeiden wollen. Weil die Schwaiger Group bereits als Projektentwickler, Bauunternehmer und Verwalter eigene Objekte betreut, hat sie sich dafür entschieden, die Dachfläche des Centro Tesoro an die Stadtwerke München (SWM) zu verpachten. Die SWM übernehmen damit die Rolle des Erzeugers sowie des Lieferanten und bieten den Strom allen Unternehmen im Centro Tesoro zu günstigeren Konditionen an. Erzeuger und Verbraucher gehen dabei eine direkte Vertragsbeziehung ein, was beim sonst üblichen Stromhandel über die Börse nicht oder nur indirekt der Fall ist.

Die im Zuge der Aufstockung erforderliche Tiefgarage stellte mit Blick auf die infrastrukturellen Leitungen wie Heizung, Gas, Wasser und Telekommunikation eine besondere Herausforderung

Die Mehrheit der Verbraucher kann bei einem Mieterstrommodell zudem persönlich an der Energiewende teilnehmen und so ebenfalls kostengünstigen Solarstrom erhalten. Beim Centro Tesoro ist dieser rund 10 % günstiger als zugekaufter Strom aus dem Netz. Überschüssige Energie aus der Anlage fließt ins Stromnetz ein. Wird mehr Strom benötigt als die Anlage erzeugt, wird der Bedarf aus dem Netz gespeist. Trotzdem profitieren die Mieter im Centro Tesoro von konkurrenzlos günstigen Nebenkosten in Höhe von 1,38 Euro / m2.

Die drei Säulen der Energiewende: Gebäudehülle, Anlagentechnik und Erzeugung

Weil die Energiewende bei Immobilien nur gelingen kann, wenn die drei Säulen Energieerzeugung, Gebäudehülle und Gebäudetechnik berücksichtigt werden, wurden beim Centro Tesoro im Zuge der Revitalisierung auch Hülle gedämmt und die TGA erneuert. Der Dämmstandard des Gebäudes liegt nun 40 % über den gesetzlichen Vorgaben. Zudem verbessert eine neue, hoch effiziente Heizanlage mit Gas-Brennwert-Technik die Anlageneffizienz. Last but not least regelt eine smarte Gebäudeleittechnik die TGA-Einrichtungen wie Heizung, Hebeanlage und Aufzüge.

Der intelligenten Steuerung kommt hinsichtlich des Einsparpotenzials bei den Stromkosten (bis zu 50 % sind möglich!) eine besondere Bedeutung zu, wenn sich damit Anlagen vorübergehend abschalten lassen, die gerade nicht benötigt werden. Für eine effiziente Stromnutzung müssen allerdings auch Gebäudenutzer, Erzeugungsanlagen und Speicher eines Betriebsgebäudes in das Energiemanagement einbezogen werden. Das bedeutet, dass nicht nur Maschinen und Anlagen, sondern auch Klimatechnik, Beleuchtung sowie Heizung berücksichtigt und mit der PV-Anlage gekoppelt werden müssen.

Klimaschutz erfordert Sekundärbaustoffe

Um den Verbrauch von Primärrohstoffen so gering wie möglich zu halten, setzte die Schwaiger Group beim Centro Tesoro verstärkt auf recyceltes Material. Etwa beim Bodenbelag für den Innenausbau oder bei der Mineralwolle für die Dämmung. Die Aufstockung um zwei Etagen und die Verstärkung der vorhandenen Bausubstanz erfolgte mit Recycling-Beton.

Die Aufbereitung durch Brechen, Sieben und Fraktionieren kostet Zeit und Geld, spart aber wertvolle Primärrohstoffe.
Die Aufbereitung durch Brechen, Sieben und Fraktionieren kostet Zeit und Geld, spart aber wertvolle Primärrohstoffe.

Zwar sind die Hürden noch erheblich, um Projekte konsequent mit Sekundärbaustoffen umzusetzen. Das Ziel muss aber sein, sich konsequent daran auszurichten, Rohstoffe nicht zu verschwenden, sondern sich auf Lösungen zu konzentrieren, die die Wiederverwendung von Altbaustoffen als hochwertige Werkstoffe ermöglichen.

Ein geschlossener Materialkreislauf funktioniert nicht, wenn mineralische Baumaterialien im Sinne eines Downcycling ihre Zweitverwertung im Tiefbau finden und somit fix aus dem Kreislauf herausfallen. Hier ist es dringend nötig, veraltete Regularien und Normen zu aktualisieren. Die Herstellung von rezyklierten Beton (R-Beton) beruht immer noch auf dem Stand der Technik der 90er Jahre. Zur Herstellung von R-Beton darf aktuell keine feine rezyklierte Gesteinskörnung verwendet werden, und eine grobe rezyklierte Gesteinskörnung ist nur beschränkt erlaubt. Diese Vorschriften vernachlässigen die technische Entwicklung der vergangenen 30 Jahre. Zudem berücksichtigen sie nicht neue Betonzusatzmittel oder Fortschritte bei der Aufbereitungstechnik. Hier muss dringend nachgebessert werden.

[Einschub der Redaktion: einen Artikel mit einer aktuellen Studie zum Thema Betonrecycling finden Sie hier]

Damit sich ein Bewusstsein für eine geschlossene Kreislaufwirtschaft durchsetzen kann, steht vor allem auch die öffentliche Hand in der Pflicht, in ihren Ausschreibungen zwingend auf Recyclingstoffe zu verweisen. Ein Punkt, der für das Erreichen der Klimaschutzziele ausschlaggebend ist, aber kaum Eingang in die Baupraxis findet. Dabei wird dies vom Kreislaufwirtschaftsgesetz verlangt. Dazu gehört auch, sich kritisch dem Problem der Nachverfolgung des Recycling-Prozesses zu widmen. Denn niemand darf befürchten müssen, minderwertige Ware „untergejubelt“ zu bekommen.

Auseinandersetzung mit der TGA: Der Aufwand lohnt sich

Auch beim 30 000 m2 umfassenden Bürokomplex Hatrium in Unterhaching hat sich die Schwaiger Group dazu entschieden, auf erneuerbare Energieträger umzustellen. Neben einer großflächigen Aufdach-PV-Anlage wurde die gesamte TGA im Gebäude für die Geothermienutzung über Fernwärme umgestellt. Eine Aufgabe, die bei Bestandsimmobilien normalerweise keiner freiwillig in Angriff nimmt.

Ist die TGA älter als 16 Jahre, ist sie nicht mehr wirtschaftlich. Weder mit Blick auf die Energieeffizienz noch in Bezug auf die Zuverlässigkeit. Daher ist es unabdinglich, dass man sich bei einer Revitalisierung mit dem Altbestand differenziert auseinandersetzt. Die Analyse des Bestandes stellt die wirklich aufwändige und anspruchsvolle Herausforderung dar.

Auch bei dem 30 000 m2 umfassenden Bürokomplex Hatrium in Unterhaching setzt die Schwaiger Group auf ein nachhaltiges Energiekonzept. Dafür wechselte sie auf die mittels Geothermie erzeugte Fernwärme.
Auch bei dem 30 000 m2 umfassenden Bürokomplex Hatrium in Unterhaching setzt die Schwaiger Group auf ein nachhaltiges Energiekonzept. Dafür wechselte sie auf die mittels Geothermie erzeugte Fernwärme.

Auch bei dem 30 000 m2 umfassenden Bürokomplex Hatrium in Unterhaching setzt die Schwaiger Group auf ein nachhaltiges Energiekonzept. Dafür wechselte sie auf die mittels Geothermie erzeugte Fernwärme.

Umsetzung

Die Maßgabe bei der Beurteilung der einzelnen Komponenten des Hatrium war ein größerer Wirkungsgrad sowie eine bessere Ökologie und Energiebilanz. Der Wärmeaustausch findet deshalb nicht etwa über einen Kessel, sondern über Wärmetauscher statt. Und nicht über wartungsintensive Plattenwärmetauscher, sondern mittels Rohrbündelwärmetauscher. Bei der Regeltechnik verlässt sich der Projektentwickler auf die Samson AG. Die Regelung funktioniert cloudbasiert, so dass sich von jedem Handy alle Parameter über eine manuelle Regelung abrufen lassen. Einen wichtigen Beitrag für die energieeffiziente Umstellung der TGA haben Hocheffizienzpumpen geleistet, die vollautomatisch den hydrostatischen Druck im Rohrleitungssystem messen. Je nach Anforderung regeln sich die Pumpen aufgrund des hydrostatischen Drucks von selbst und laufen nicht durchgehend auf voller Leistung. Außerdem wurden die Ventile ersetzt, um eine noch bessere Kommunikation mit den Pumpen zu gewährleisten. Die Ansteuerung funktioniert dabei nicht wie gewöhnlich über manuelle Thermostatköpfe, sondern über Thermoantriebe.

Ein Blick auf die Zahlen rechtfertigt letztendlich den doch erheblichen Mehraufwand; Der Primärenergiefaktor der geothermischen Fernwärme in Unterhaching ist mit aktuell 0,24 vergleichsweise niedrig. Damit ist er deutlich günstiger als der Faktor für Erdgas (1,0). Heizöl liegt sogar noch höher. Durch die Umstellung auf Geothermie via Fernwärme spart die Schwaiger Group beim Hatrium 43 % der Energie. Auch die kleinteilige Auseinandersetzung mit der TGA macht sich finanziell bemerkbar; Allein die neuen Hocheffizienzpumpen bringen eine zusätzliche Ersparnis von rund 20 000 Euro Stromkosten im Jahr.

Die Schwaiger Group hat beim 24.000 Quadratmeter umfassenden Komplex Centro Tesoro  ein grünes Exempel statuiert
Die Schwaiger Group hat beim 24.000 Quadratmeter umfassenden Komplex Centro Tesoro ein grünes Exempel statuiert

Text und Bilder: Schwaiger Group

Vertikale Begrünung im urbanen Raum

Vertikale Begrünung mit modularen Systemen kombiniert eine flexible Bauweise mit positiven Eigenschaften für das Stadtklima und einem ausgezeichneten Lärmschutz. Ein Projekt von Fraunhofer UMSICHT.

Vertikale Begrünung mit modularen Systemen birgt viele Vorteile für wachsende Städte, denn sie ist verhältnismäßig pflegeleicht und ist zudem wirtschaftlich. Die Vorteile reichen von verbesserter Luftqualität über Schallschutz bis hin zu einer optimalen Temperaturregulierung. Ein Projekt von Fraunhofer UMSICHT.

In diesem Artikel:

Ein Gastbeitrag von Fraunhofer UMSICHT.

Projektziele

Immer mehr Menschen leben in Städten. Begleiterscheinungen sind unter anderem Luftverschmutzung durch Verkehrsaufkommen und hohe Geräuschpegel. Um eine hohe Lebensqualität zu sichern und diese weiter zu optimieren, bedarf es entsprechender Lösungen; Zunehmend rückt die Begrünung des urbanen Raums und urbaner Infrastrukturen ins Blickfeld von Architektur, Planungs- sowie Bauwesen. Es besteht zum einen der Wunsch, grüne Flächen als gestalterisches Element zu verwenden, zum anderen verspricht man sich von der Begrünung positive Einflüsse auf Sauerstoffproduktion, CO2-Bindung und Luftreinhaltung. Hinzu kommen energetische Einsparpotenziale und positive Auswirkungen auf das Mikroklima, bedingt durch die dämmende und kühlende Wirkung von bepflanzten Flächen sowie positive Auswirkungen auf die Biodiversität durch das Schaffen neuer Lebensräume.

Vertikale Begrünung: der Nutzen

Zusammen mit Partnern hat das Fraunhofer UMSICHT spezielle Elemente auf Basis eines mineralischen Werkstoffs (Kalksandstein) für den Bau von bodenungebundenen begrünten Wänden entwickelt. Der mineralische Werkstoff eignet sich durch seine optimierten saugfähigen und flüssigkeitsspeichernden Eigenschaften ideal für derartige Anwendungen. Die einzelnen Elemente sind mit Pflanzrinnen versehen und werden zu einem Modulsystem verbaut. Die Rinnen werden mit Pflanzsubstraten befüllt und können anschließend eingesät oder bepflanzt werden. Die Pflanzen wachsen nach vorne aus den Bauelementen heraus und bedecken die vertikale Fläche. Für die Begrünung eignen sich je nach gewünschtem Begrünungstyp unterschiedlichste Pflanzenarten. Insbesondere Gräser erzielen einen Begrünungserfolg bereits nach 2 bis 3 Wochen.

Pilotwand zur vertikalen Begrünung beim Fraunhofer UMSICHT: Modulsystem auf Basis von mineralischen Bauelementen.
Pilotwand zur vertikalen Begrünung beim Fraunhofer UMSICHT: Modulsystem auf Basis von mineralischen Bauelementen.

Die Bewässerung erfolgt von oben, wobei aufgrund der Flüssigkeits-Transporteigenschaften des Steins das Wasser in der Wand allein durch Schwerkraft nach unten geführt wird und so alle Pflanzrinnen erreicht. Das mindert den Aufwand für die Pflege der Pflanzen erheblich. Bei Bedarf können einzelne Steinlagen zudem separat bewässert werden.

Durch den Einsatz einzelner Bauelemente ist das System skalierbar, sodass sich beliebig große Flächen erstellen lassen. Die Anwendungsgebiete reichen von der Wandverkleidung- und Begrünung über die Nutzung als gestalterisches Element oder begrünte Trennwand bis zum vertikalen Gärtnern. Kleinteilige Module sind schon im Größenbereich von Balkonen oder Terrassen für die Bepflanzung nutzbar – beispielsweise als Kräutergarten.

Ergebnis

Die Bauelemente ermöglichen durch ihren Aufbau eine wirtschaftliche und industrielle Herstellung in Serie. Bislang sind Pilotsysteme in Castrop-Rauxel (UNIKA), im spanischen Orihuela Costa (biolit) sowie in Oberhausen (Fraunhofer UMSICHT) zu Forschungszwecken installiert – mit überzeugenden Praxisergebnissen. Aktuell abgeschlossene Messungen zum Lärmschutzverhalten bestätigen dem System ausgezeichnete Werte.

In nachfolgenden Arbeiten begleitet das Fraunhofer UMSICHT die Realisierung von Begrünungsobjekten. Im Fokus stehen dabei insbesondere Untersuchungen zum Verhalten des Systems im Hinblick auf die Mikroklimaverbesserung und Kühlwirkung im urbanen Raum.

Projektpartner

Biolit Vertical Green®
UNIKA – Ruhrbaustoffwerke GmbH & Co. KG

Das Projekt für urbane vertikale Begrünung ist eine Kooperation von Fraunhofer UMSICHT, biolit und UNIKA
Das Projekt für urbane vertikale Begrünung ist eine Kooperation von Fraunhofer UMSICHT, biolit und UNIKA
Bild: Fraunhofer UMSICHT/Holger Wack

Über die vertikale Begrünung von Biolit und UNIKA

Luftqualität, Schallschutz, Temperaturregulierung – all das sind Faktoren, die einen hohen Anteil an unserer Wohn- und Lebensqualität tragen. Sie gilt es nicht nur zu erhalten, sondern zu optimieren, um die immer weiter wachsenden Städte lebenswert zu gestalten.

Ein Baustein dazu ist die vertikale Begrünung mit dem neuen Begrünungssystem Biolit Vertical Green®. Diesem liegt ein Patent des Fraunhofer-Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT und Herrn Dipl.-Ing. Berthold Adler zugrunde. Die Vorteile dieser grünen Wände sind überzeugend:

Bauelement zur vertikalen Begrünung.
Bauelement zur vertikalen Begrünung.
  • Schall wird um mehr als 50 dB reduziert, bis zu 8 dB werden dabei absorbiert
  • Die Bindung von Kohlendioxid (CO2) und Stickoxiden (NOX) aus der Luft wird positiv beeinflusst
  • Das System trägt zur Luftreinhaltung und Biodiversität bei.
  • Das Mikroklima wird positiv beeinflusst
  • Der konstruktive Aufbau und die schnelle Begrünung schützen vor Schäden durch Vandalismus (z. B. Graffiti)
  • Die Pflege der Anlage ist einfach und wirtschaftlich
  • Mit dem voll integrierbaren Bewässerungssystem gehören vertrocknete grüne Wände der Vergangenheit an.

Viele Stadtverwaltungen haben erkannt, dass der Platz für Grünflächen zur Wohnklima- und Luftverbesserung nicht mehr ausreicht. Deshalb werden Begrünungsprojekte an Gebäuden gefördert. Neben der Förderung für Gründächer gilt dies seit wenigen Jahren auch für vertikale Flächen. Je nach Stadt sowie nach Art und Umfang der Begrünung werden bis zu 50 Prozent der Kosten erstattet.

Bei einer Messe wurde das Projekt vorgestellt
Bei einer Messe wurde das Projekt vorgestellt
Bild: Fraunhofer UMSICHT/Holger Wack

Statik und bautechnische Eigenschaften

Die Konstruktion kann flexibel und skalierbar geplant und zusammengefügt werden. Der Größe der zu begrünenden Flächen sind somit nahezu keine Grenzen gesetzt. Die Pflanzsteine können entweder als Vorsatzschale vermauert und über eine Verankerung an einer bestehenden Fassade befestigt werden oder sie erhalten als freistehende Wände oder Trennwände – beispielsweise zur optischen Gestaltung, zum Lärmschutz oder als Sichtschutz – bei Bedarf ein Fundament oder Tragsystem.

Die Bewässerung ist im System voll integrierbar und damit vor Vandalismus geschützt. Sie macht sich die speziellen Eigenschaften des mineralischen Baustoffs zunutze. Feuchtigkeit wird gespeichert und bei Bedarf wieder an das Pflanzsubstrat und die Pflanzen abgegeben.

Der Pflanzstein mit den Abmessungen 25 x 24 x 24 cm (Länge x Breite x Höhe) wurde bezüglich der Materialstruktur, auf Basis von Kalksandstein, speziell auf seine Wasserspeicher- sowie Wassertransporteigenschaften hin entwickelt. Bautechnisch gelten für ihn dieselben Parameter, die den Baustoff Kalksandstein auszeichnen. Er bietet einen hervorragenden Schallschutz und erfüllt zudem auch baurechtliche Anforderungen, z. B. im Brandschutz. Zudem liegt eine Umwelt-Produktdeklaration nach ISO 14025 vor. Die gute Frostbeständigkeit des Materials garantiert eine lange Wertbeständigkeit und Freude am vertikalen Grün.

Mit Winkelsteinen können die Pflanzrinnen umlaufend auf die andere Seite der Wand weitergeführt werden.

Bewässerung, Substrat und Pflanzen

Nach dem Aufbau der Wand werden die Rinnen mit Substrat gefüllt und anschließend direkt bepflanzt oder eingesät. Das Substrat und die Pflanzen können dabei in vielfältiger Weise variiert und auf den gewünschten Begrünungstyp angepasst werden. Bei der Begrünung mit Gräsern wird ein schneller Erfolg (2 bis 3 Wochen) erzielt und das entstehende Mikroklima ermöglicht die Ansiedlung weiterer Pflanzen.

Perfekter Ort für Erdbeeren: Das Modulsystem auf Basis von mineralischen Bauelementen zur vertikalen Begrünung.
Perfekter Ort für Erdbeeren: Das Modulsystem auf Basis von mineralischen Bauelementen zur vertikalen Begrünung.

Meist reicht ein einzelner Wasseranschluss, um eine komplette Wand zu bewässern. Die Bewässerung des Systems erfolgt von oben, denn aufgrund der Flüssigkeitstransporteigenschaften des Pflanzsteins gelangt das Wasser in der Wand allein durch Schwerkraft nach unten und erreicht so jede Pflanzrinne. Bei Bedarf – zum Beispiel extreme Witterungsverhältnisse, Südseite – können die einzelnen Steinlagen jedoch auch separat bewässert werden.

Durch Regenereignisse nimmt das System eigenständig Wasser auf, was zu einer guten Bewässerungsbilanz führt. Durch die Nutzung von Regenwasser (beispielsweise mit Zisternen) ist eine Einleitung in die Kanalisation verzichtbar.

Bewässerungstechnik und Monitoring

Die Bewässerungsanlage lässt sich über verschiedene Module und Sensoren zu einem intelligenten System erweitern. Beginnend mit einfachen Zeitschaltuhren, die den Wasserzulauf regeln, sind auch Sensoren zur Luft- und Bodenfeuchtemessung und weitere, bis hin zur kompletten Wetterstation, integrierbar. Auf Basis der ermittelten Messdaten wird die Feuchtigkeit im System bedarfsgenau gesteuert und die Bewässerung somit individuell geregelt.

Per WLAN und GPRS-Adapter können die Sensorwerte auch an eine App weitergegeben werden. Der Anwender hat so die Möglichkeit, seine Bewässerungsanlage zu überwachen und gegebenenfalls zu justieren. Über Solarpanele bleibt auch die Stromversorgung autark.

Text und Bilder (wenn nicht anders gekennzeichnet): Fraunhofer UMSICHT

STROHBOID – nachhaltige Bausysteme für Events

STROHBOID ist ein Unternehmen, das sich auf Bausysteme für die Toursimus- und Eventbranche spezialisiert hat. Im Fokus steht dabei CO2-neutrales und ökologisches Bauen mit natürlichen und schadstofffreien Baustoffen.

STROHBOID ist ein Unternehmen, das sich auf Bausysteme für die Tourismus- und Eventbranche spezialisiert hat. Im Fokus steht dabei CO2-neutrales und ökologisches Bauen mit natürlichen und schadstofffreien Baustoffen.

In diesem Artikel:

Ein Gastbeitrag von STROHBOID.

STROHBOID  bietet ikonographische Bausysteme an, die aus nachhaltigen und klimaneutralen Materialien bestehen

STROHBOID stellt sich vor

Die STROHBOID GmbH entwickelt, produziert und vermarktet zukunftsweisende Bausysteme aus nachhaltigen, natürlichen und CO2-neutralen Materialien für die Event – und Baubranche. Die ersten drei Produkte sind das STROHBOID Eventzelt, der STROHBOId Pavillon und das STROHBOID Chalet.

STROHBOID ist ein Team aus Zukunftsdenkern, die den Bausektor verändern wollen. Die beiden Gründer Max Schade und Fritz Walter teilen die Leidenschaft für natürliches Bauen und den unumstößlichen Vorsatz, der nächsten Generation eine nachhaltigere Umwelt zu schaffen.

„Wir stehen kompromisslos für nachhaltige Baustoffe, CO²-Neutralität und Langlebigkeit. Einzigartiges Design kombiniert mit höchster Qualität ist unser Standard.
Wir beweisen, dass nachhaltige Architektur Räume schaffen kann, über die wir normalerweise noch nicht einmal zu träumen wagen. Wir garantieren ein rundum nachhaltiges Wohnerlebnis auf einer völlig neuen Ebene:“

STROHBOID ist ein Team aus Zukunftsdenkern, die den Bausektor verändern wollen. Die beiden Gründer Max Schade und Fritz Walter teilen die Leidenschaft für natürliches Bauen und den unumstößlichen Vorsatz, der nächsten Generation eine nachhaltigere Umwelt zu schaffen.

Die Vision dahinter

Warum nachhaltig bauen?

40 % aller CO²-Emissionen werden durch das Erbauen und anschließende Heizen von Gebäuden verursacht. Alle Anstrengungen beim Energiesparen werden von Reboundeffekten aufgefressen. Was moderne Gebäude beim Heizen sparen, verbrauchen sie schon bei ihrer Herstellung. Nur mit nachhaltigen Baustoffen können wir diese Emissionen tatsächlich reduzieren. Die Herstellungsenergie für Gebäude aus Holz, Stroh und Lehm schrumpft um 80 bis 90 %. Zudem binden nachwachsende Rohstoffe Kohlenstoff, den die Pflanze während ihres Wachstums der Atmosphäre in Form von CO² entzieht.

Pro Tonne verbautem Stroh wird die Atmosphäre um zwei Tonnen CO² erleichtert. Es lassen sich Gebäude errichten, die genauso viel CO² speichern, wie herkömmliche Bauweisen freisetzen. Ein konsequenter Umstieg würde mit einer CO²-Reduktion von 20 % mehr einsparen als die Elektromobilität.

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Natürliche Materialien zeichnen die Bausysteme von STROHBOID aus

Wie nachhaltig kann gebaut werden?

In Europa stehen mindestens dreimal so viel Holz und Stroh zur Verfügung, wie wir zur Herstellung aller Gebäude bräuchten. Folglich ist der konsequente Umstieg auf nachwachsende, natürliche Baustoffe jederzeit machbar. Abgesehen davon, dass nachhaltige Häuser deutlich gesünder für unsere Atmosphäre sind, sind sie auch deutlich gesünder für ihre Bewohner; Heute wissen wir, dass Lehm in Verbindung mit organischen Materialien völlig ohne aufwendige Technik ein optimales Raumklima erzeugen und sogar Schadstoffe aus der Luft filtern kann

Der richtige Weg in die Zukunft?

Das 21. Jahrhundert gehört nicht mehr dem Stahl und dem Erdöl, sondern dem Silizium. Das ist der Stoff, aus dem unsere Mikrochips und Solarzellen gebaut sind. Ein Material, was nichts weiter macht als Elektronen zu bewegen. Und dadurch Erstaunliches leistet: Es produziert Strom oder lässt Computer denken. Die gleichen Eigenschaften des im Lehm natürlich vorhandenen Siliziums nutzen wir schon seit Jahrhunderten, um unsere Raumluft zu reinigen und zu regulieren. Es ist kein Zufall, dass der Lehmputz ein echtes Hightech Material ist! Heute können sich junge Menschen eher mit Mikrochips oder Solarzellen identifizieren als mit den Maschinen ihrer Vorfahren.

Wir glauben, dass die Menschheit die großen Herausforderungen der Zukunft nur meistern kann, wenn sie sich auf die Eigenschaften des Siliziums besinnt. Immer mehr Menschen sind immer besser informiert und wollen die Vorteile des nachhaltigen Bauens nutzen. Klar ist: Mit der Natur zu arbeiten, ist viel leichter als gegen sie.

Warum ist das noch nicht die Norm?

Als archaischer Selbstbau oder Hippietraum verschrien, hat das nachhaltige Bauen heute das gleiche Imageproblem wie das Elektroauto vor zehn Jahren. Wir sind überzeugt davon, dass das gleiche Konzept auf die Architektur übertragbar ist. Was aber ist der Sportwagen der Architektur? Was setzt neue Trends, und lässt uns schon heute die Zukunft in gebauter Form erleben? Es ist die ikonographische Architektur, die Wahrzeichen unserer Städte, Gebäude wie Museen, Bibliotheken, Bahnhöfe oder Messehallen, die die Trends der Zukunft setzen.

Der Sportwagen des nachhaltigen Bauens: ikonographische Architektur
Der Sportwagen des nachhaltigen Bauens: ikonographische Architektur

Deswegen haben wir das erste konsequent nachhaltige Bausystem für frei geformte ikonographische Gebäude jeder Größe und Spannweite entwickelt, vom Tiny House bis zum Olympiastadion. Ob mobiles, mit Stoff bespanntes Bühnenzelt, Flugdach oder mit Stroh gedämmtes Passivhaus: Das STROHBOID Bausystem bietet für jeden Einsatz die perfekte Lösung.

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Mit dem STROHBOID Freiform System lassen sich organisch gekrümmte Räume gestalten, die mit der Natur harmonieren. Wir wollen zeigen, dass nachhaltige Architektur Räume schaffen kann, über die wir normalerweise noch nicht einmal zu träumen wagen! Wer heute schon in der Zukunft wohnen will, lebt in einem STROHBOID!

STROHBOID baut mit natürlichen und nachhaltigen Material nach dem Motto "form follows nature"

3 Fragen an STROHBOID

Gab es ein spezielles Erkenntnis, die dazu führte, dieses Unternehmen zu gründen?
Das Potential CO² einzusparen ist im Bausektor sehr groß und wird bisher noch wenig beachtet. Carbon-negative Häuser mit zum Beispiel Holz, Stroh und Lehm sind aber möglich! Holz bindet CO² aus der Atmosphäre – nicht zuletzt deshalb haben wir uns für diesen Baustoff entschieden. Bisher gibt es noch wenige Firmen die Vorzeigeprojekte zu
CO²-neutraler Architektur vorweisen können. Wir haben uns zum Ziel gesetzt das Image des CO2 neutralen ökologischen Bauens mit unseren Produkten aufzuwerten und einen Stein ins Rollen zu bringen.

Was braucht es Ihrer Meinung nach, um gesellschaftliche Veränderung zu bewirken?
Eine nachhaltige CO2 neutrale Bauwirtschaft hätte einen größeren positiven Impact auf das Klima als Umstellung auf Elektromobilität. Um eine gesellschaftliche Veränderung zu bewirken braucht es vor allem ein besseres Image für nachhaltiges Bauen mit natürlichen Rohstoffen. Dafür braucht es Architektur, die sich in deutlich von herkömmlichen Häusern abhebt. Wir haben uns mit all unseren Produkten zum Ziel gesetzt, herausragende Ergebnisse in den Punkten Ökologie, Qualität, Design und gesundem Raumklima zu erreichen. Des Weiteren ist geplant auch für größere Bauten Vorzeigeprojekte aufzuweisen.

Welches langfristiges Ziel verfolgt ihr?
Wir haben das Ziel, dass unsere Produkte die Menschen erreichen und überzeugen. Zudem ist uns unser stetige Entwicklung wichtig: wir wollen kontinuierlich neue Gebäude entwerfen, die für eine CO2 neutrale Zukunft stehen und diese auch maßgeblich mitgestalten können. Mit genügend Impact und Kapital können wir in die richtige Richtung gehen und den Bausektor revolutionieren, da es in entsprechender Serienproduktion auch günstiger sein wird nachhaltige Bauten zu errichten.

Die Systeme können auch privat den Garten gemütlich machen
Ein STROHBOID Bausystem von oben

Text und Bilder (wenn nicht anders gekennzeichnet): STROHBOID

INUAS Konferenz 2021

Die Inuas Konferenz 2021 findet vom 03.-05. März statt.

Die INUAS Konferenz 2021 ist der zweite Teil der Konferenzreihe „Urbane Transformationen: Wohnen | Ressourcen | Öffentliche Räume“. Sie findet vom 3. bis 5. März 2021 an der Hochschule München statt.

In diesem Artikel:

Ein Gastbeitrag der Hochschule München.

Die INUAS Konferenz

München, Wien und Zürich. Der INUAS-Verbund von Hochschulen dieser drei Städte veranstaltet in München mit „Ressourcen – Material, Zeit, Raum, Energie“ eine Konferenz zu den urbanen Transformationen unserer Zeit.

Drei Städte, die sich in wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen sowie ihrer Lebensqualität ähneln. Drei Hochschulen, die sich zusammentun, um für die Herausforderungen der Metropolregionen München, Wien und Zürich gemeinsam Lösungen zu entwickeln. 2011 gründete die Hochschule München, der FH Campus Wien und die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften gemeinsam das International Network of Universities of Applied Sciences (INUAS). Eine neue Form ihrer Zusammenarbeit ist seit 2019 die Konferenzreihe „Urbane Transformationen: Wohnen I Ressourcen I Öffentliche Räume“.

„Die Schweiz und Österreich sind uns [beim Thema Materialwiederverwendung im Bau] in rechtlicher und politischer Hinsicht voraus. Auch hier ist der Hochschulverbund INUAS ideal dazu geeignet, Wissen zu transferieren und Prozesse zu verändern. Wunderbar wäre es, wenn wir uns bei der Konferenz zu diesem und den anderen Themen austauschen und neue Verknüpfungen ermöglichen könnten“

Prof. Dr. Andrea Kustermann

Ressourcen urbanen Wandels – transdisziplinär erforscht

Die Reihe startete mit dem Thema „Wohnen“ 2019 in Wien und wird nun 2021 in München unter dem Titel „Ressourcen“ fortgeführt. Das Thema „Öffentliche Räume“ wird eine abschließende Veranstaltung in Zürich behandeln. Dass die Konferenz „Ressourcen“ urbane Transformation mit internationalem und transdisziplinären Fokus behandelt, wurzelt in der Ausrichtung der drei Hochschulen. „Unsere angewandte Forschung organisieren wir zunehmend transdisziplinär. Um Antworten auf Fragen der Ökologie, der Ökonomie, des Sozialen und der Kultur finden zu können, ist der Austausch zwischen den Disziplinen von Bedeutung“, sagt Prof. Dr. Sonja Munz, Vizepräsidentin für Forschung der Hochschule München.  

Vier Perspektiven auf Ressourcen

Die vier Sektionen der Tagung stellen auf die vier Themen Material, Zeit, Raum und Energie scharf. Diese vielseitige Ausrichtung entspricht der Vision der scheidenden Vorsitzenden des Scientific Committees, Prof. Dr. Silke Langenberg, für die Münchner Konferenz: „Interessant ist, sich Fragen zu Problemen zu stellen, die erst in der Zukunft auftreten werden. Bei der Themensetzung der Konferenz haben wir versucht, die Interdisziplinarität zwischen der Architektur, dem Bauingenieurwesen und den Sozialwissenschaften abzubilden“.

Die Sektion Material behandelt unter anderem die Bauwirtschaft zwischen Wertstoffkreisläufen und nachhaltigem Neubau. Im Bereich Zeit stehen beispielsweise die widersprüchlichen Bewegungen zwischen demokratischer Teilhabe und Zeitknappheit zur Debatte. Die hart umkämpfte Ressource Raum wird für die Städte unter anderem in punkto Mehrfachnutzung und Verdichtung diskutiert, der Energiebedarf der Metropolregionen zwischen umweltfreundlicher Gewinnung und nachhaltigen Energiesystemen.

Prof. Dr. Andrea Kustermann, Professorin für Bauingenieurwesen der HM, löst Prof. Dr. Silke Langenberg als Vorsitzende des Scientific Committees ab, die zum Wintersemester an die ETH Zürich berufen worden ist, aber weiterhin Teil des Committees bleibt. Auch ihre Forschung zur Materialwiederverwendung im Bau profitiert von internationalem Austausch: „Die Schweiz und Österreich sind uns hier in rechtlicher und politischer Hinsicht voraus. Auch hier ist der Hochschulverbund INUAS ideal dazu geeignet, Wissen zu transferieren und Prozesse zu verändern. Wunderbar wäre es, wenn wir uns bei der Konferenz zu diesem und den anderen Themen austauschen und neue Verknüpfungen ermöglichen könnten“, so Kustermann.

Prof. Dr. Andrea Kustermann ist Vorsitzende des Scientific Committee der INUAS Konferenz 2021 an der Hochschule München
Prof. Dr. Andrea Kustermann ist Vorsitzende des Scientific Committee der INUAS-Tagung „Ressourcen“ 2021 an der Hochschule München
Bild: Johannes Lesser

Die Konferenz „Urbane Transformationen – Ressourcen: Material, Zeit, Raum, Energie“ findet vom 3.-5. März virtuell an der Hochschule München statt. Interessierte finden das genaue Programm sowie Informationen zur Anmeldung ab Mitte November unter https://www.inuas.org/konferenz-2021/programm-konferenz/.

Weitere Beiträge der Hochschule München

Ein Modellprojekt in München, das die Kreislaufwirtschaft im Hochbau revolutionieren könnte: Betonrecycling – Bauen statt Deponieren

Ein europäisches Forschungsprojekt zur Wiederentdeckung traditioneller Gebäude in den Alpen: Alpine Architektur: Die Schönheit des Alten

Ein studentisches Bauprojekt: Das Studio Chamanga – Design Build in Ecuador

Text: Christiane Taddigs-Hirsch

Der DNP Architektur 2021: die Finalisten

Der DNP Architektur wird auch dieses Jahr vergeben. Drei Finalisten stehen schon fest.
Bild: DGNB

Für den DNP Architektur 2021 stehen die Finalisten nun fest: SKAIO in Heilbronn, UNIQUE³ in Saarbrücken und Walden 48 in Berlin.

In diesem Artikel:

Ein Gastbeitrag der DGNB.

„Der DNP Architektur prämiert in Kooperation mit der DGNB herausragende und beispielhafte Leistungen im Bausektor, die Beiträge zur Transformation zu nachhaltigem Leben und Wirtschaften leisten und darüber hinaus große Innovationskraft sowie eine hohe gestalterische Qualität aufweisen.“

Die Finalisten des DNP Architektur 2021

Gebäude aus Berlin, Heilbronn und Saarbrücken im Finale des DNP Architektur 2021.

Zwei außergewöhnliche Wohnungsbauten aus Holz und ein umgenutzter denkmalgeschützter Gebäudekomplex sind die Finalisten des Deutschen Nachhaltigkeitspreises Architektur. Sie stehen beispielhaft für die Leistungsfähigkeit des urbanen Holzbaus und den nachhaltigen Umgang mit vorhandener Bausubstanz. Die renommierte Auszeichnung wird in diesem Jahr zum achten Mal gemeinsam von der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen – DGNB e.V. sowie der Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis e.V. vergeben.

„Alle drei Finalisten für den diesjährigen Deutschen Nachhaltigkeitspreis Architektur lösen ihre jeweilige Bauaufgabe auf außergewöhnliche, beispielhafte Weise“, sagt DGNB Präsident Amandus Samsøe Sattler. „Sie zeigen in besonderer Weise, wie sich eine gute architektonische Qualität mit innovativen Lösungen und einem hohen Nachhaltigkeitsanspruch kombinieren lassen.“

DGNB Präsident Amandus Samsøe Sattler
Bild: DGNB

Der Auswahlprozess

Für eine fundierte und unabhängige Bewertung werden die Sieger und Finalisten beim Deutschen Nachhaltigkeitspreis Architektur in einem zweistufigen Juryprozess ausgewählt, an dem sich namhafte Experten aus den Bereichen Architektur und Bauen, aber auch Experten aus Kommunen, Forschung, Zivilgesellschaft und Politik beteiligen. Nachdem eine DGNB Jury unter dem Vorsitz von Amandus Samsøe Sattler über die nominierten Projekte entschied, wurden die Finalisten und der Sieger in einer zweiten Auswahlrunde durch die Jury des Deutschen Nachhaltigkeitspreises bestimmt. Im Expertengremium unter dem Vorsitz von Prof. Günther Bachmann, Generalsekretär des Rates für Nachhaltige Entwicklung a.D., befanden sich unter anderem Susanne Warzeck, Präsidentin Bund Deutscher Architekten (BDA), Reiner Nagel, Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung Baukultur, sowie DGNB Präsidiumsmitglied Prof. Alexander Rudolphi.

Die Preisverleihung findet am 4. Dezember 2020 im Rahmen des Deutschen Nachhaltigkeitstages in Düsseldorf statt. Die Auszeichnung wird in diesem Jahr durch Caparol, den Bund Deutscher Architekten, die Bundesarchitektenkammer sowie die Bundesstiftung Baukultur unterstützt.

Weitere Informationen im Detail gibt es unter www.nachhaltigkeitspreis.de/architektur und www.dgnb.de.

SKAIO, Heilbronn

Das SKAIO in Heilbronn ist mit zehn Geschossen und einer Höhe von 34 Metern das erste und bis heute das höchste Holzhochhaus in Deutschland. Es entstand im Rahmen der Bundesgartenschau 2019 in Heilbronn, die eine ambitionierte Brachflächen-Revitalisierung mit einem Stadtentwicklungsprojekt sowie unterschiedlich innovativen Bauvorhaben verband. Das SKAIO steht also nicht für sich allein, sondern ist Teil eines umfassenden Konzeptes zukunftsfähiger Stadtentwicklung: sinnvoll im Quartier, kompakt, flächensparend und deshalb bezahlbar, mit einer gut durchdachten Nutzungs- und Nutzermischung, intelligenten Wohnungsgrundrissen und dem Ziel, die Grenzen des Machbaren im Holzbau auszuloten. 60 Mietwohnungen, davon 25 öffentlich gefördert, werden um vier Wohngemeinschaften für bedürftige Menschen und integrierte Gewerbeeinheiten ergänzt.

dnp architektur 2021 finalist skaio
Bild: Höfele

Durch die „Vergemeinschaftung“ von Nebenfunktionen gewinnen die zum Teil sehr kleinen Wohnungen ein Maximum an Wohnqualität und haben sozialverträgliche Mieten. Ein gutes Vorbild im Hinblick auf Flächensuffizienz. Ein herausstechendes Merkmal dieses Projektes ist es, dass man sich hier nicht mit dem Bewährten zufrieden gibt, sondern ausprobiert, was als sinnvoll erkannt wurde. So steht das SKAIO als Modellprojekt beispielhaft für die Leistungsfähigkeit urbanen Holzbaus. In die Weiterentwicklung des Landesrechts in Baden-Württemberg zur Verwendung des Baustoffes Holz im Hochhaus sind die Erkenntnisse aus dem Projekt unmittelbar eingeflossen. Das Experiment SKAIO hat den Blick für das Machbare geschärft. Welches Objekt kann das von sich behaupten?

Dabei bleibt das Projekt unideologisch: Weil sie sich im Lebenszyklus als sinnvoll erwiesen, wurde die Fassadenverkleidung mit vorgehängten, hinterlüfteten Aluminiumelementen verkleidet. Konsequent wurden Fragen der Rückbaubarkeit konstruktiv bearbeitet und das Cradle to Cradle-Prinzip verfolgt. Im Rahmen der DGNB Zertifizierung wurde darüber hinaus eine Lebenszykluskostenanalyse durchgeführt.

Hier wollte man genau wissen, ob die ehrgeizigen Ziele wirklich eingelöst werden. Auch deswegen kann das SKAIO prototypisch für Innovation im Bauwesen gesehen werden.

UNIQUE³, Saarbrücken

Das UNIQUE3 ist ein umgenutzter, denkmalgeschützter Gebäudekomplex der ehemaligen SiemensNiederlassung in Saarbrücken aus dem Jahr 1965. Das Wohnquartier beantwortet auf beispielhafte Weise die Frage, wie der wertvolle Raum solch eines Baudenkmalareals weiter genutzt werden kann. Schließlich galt das Ensemble aus einem sechsgeschossigen Bürohaus, einem Casino und Werkstätten nach seiner Aufgabe 2010 zunächst als energetisch nicht sanierbar und stand lange leer. Gegen ein Wohnquartier sprachen zuerst die Raumtiefen der ehemaligen Großraumbüros und die Schwierigkeit eines denkmalgerechten Umgangs mit dem äußeren Erscheinungsbild, die vor allem hinsichtlich der durchgängigen festverglasten Fensterbänder des Bürohauses bestand.

Hinzu kamen die von Gebäuden der Nachkriegsmoderne her vertrauten bautechnischen Probleme wie niedrige Geschosshöhen (durch enorme Technik über den Abhangdecken für Lüftung, Klima etc.) sowie thermische Bauteilschwierigkeiten. Die Umnutzung gelang beim ehemaligen Bürohaus durch den Einsatz einer zurückgesetzten Klimahülle, einem Haus-im-Haus-Prinzip, mit dem die EnEV- und KfW-55-Anforderungen erfüllt werden konnten. Wobei zugleich die neu geschaffenen, großzügigen Loggien, die für Wohnzwecke zu groß geratenen Raumtiefen reduzieren.

Dabei hat man etwa die Hälfte der Glasfelder aus den Fensterbändern entnommen – ein Schritt, der im Rahmen der Bewertung der Einreichung durchaus ambivalent gesehen wurde. Diese Maßnahmen, die in Abstimmung mit der Denkmalpflege erfolgten, gehen durchaus selbstbewusst mit dem Bestand um und setzen dadurch ein neues, eigenes Zeichen. Zugleich bleibt die Ästhetik der Moderne als eine historische, visuelle Zeitschicht weiterhin deutlich ablesbar. In dem ehemaligen Bürohaus entstanden 41 großzügige Wohnlofts mit Raumhöhen von circa 3,70m und ansprechenden konstruktiven Details, wie zum Beispiel den freigelegten Stahlbetonrippendecken.

dnp architektur 2021 finalist unique3
Bild: Iris Maria Maurer

Bauen mit Holz

Zudem wurde positiv bewertet, dass die Erweiterungen der Nachbargebäude konstruktiv in Holzbauweise realisiert wurden. Das ehemalige Casino wurde entkernt und eingeschossig in Holztafelbauweise aufgestockt, wobei auch die neuen Bauteile in Anlehnung an den Bestandsbau eine Fassade mit weißen Aluminiumkassetten erhielten. Durch neue Deckenöffnungen wurde außerdem ein Atrium geschaffen, über das sechs Wohnungen mit Gartenanteil im Erdgeschoss und 14 Apartments in den Obergeschossen erschlossen werden. Die ehemaligen Siemens-Werkstätten wurden im Rahmen einer zweigeschossigen Aufstockung in Brettschichtholzbauweise in Townhouses mit nach Süden ausgerichteten Gärten und Terrassen aufgeteilt. So entstanden sieben Lofts im Erdgeschoss sowie 20 weitere Wohneinheiten im ersten und zweiten Obergeschoss.

Durch die Revitalisierung einer Gewerbebrache ohne zusätzliche Flächeninanspruchnahme wurde hochwertiger, zentrumsnaher Wohnraum geschaffen, der Wärme-, Schall-, Brand- und Denkmalschutz miteinander kombiniert und versöhnt. Durch eine weitgehende Entsiegelung und eine extensive Dachbegrünung wurden zudem lokale klimatische Verbesserungen erreicht.

Walden 48, Berlin

Das Wohnhaus Walden 48 ist ein sehr gelungenes Beispiel innerstädtischer Nachverdichtung. Die Vorbildwirkung des Projektes liegt in der hohen Qualität architektonischer Gestaltung. Als Gebäude mit starkem Anteil an sichtbaren Holzoberflächen und -fassaden ist es beispielhaft für den urbanen Holzbau. Gleichzeitig setzt es einen Meilenstein im Diskurs um den Wohnungsbau in Holzbauweise, der gerade in Berlin einsetzt.

Das Wohnhaus besetzt ein Baufeld am Rande eines Friedhofs und erstreckt sich als langgezogener Baukörper an einer Ausfallstraße mit Straßenbahntrasse. Über einer zweigeschossigen Sockelzone, die von der historischen Friedhofsmauer zurückspringt, scheint der darüber liegende Wohnriegel zu schweben. Die verschieferte Lochfassade mit locker angeordneten Fensterformaten überzeugt als selbstbewusster, städtischer Baukörper. Zum Friedhof hin öffnet sich das Gebäude über Loggien, die den Schottenbau repräsentieren und einen Beitrag zur Aufenthaltsqualität leisten. Die Gartenfassade sowie das Staffelgeschoss sind mit einer naturbelassenen vertikalen Holzschalung aus Lärche versehen.

dnp architektur 2021 finalist Walden 48
Bild: Jan Bitter

Bauen in einer Baugemeinschaft

Das intensiv mit einer Baugemeinschaft entwickelte Gebäude spiegelt die diversen Wünsche der Beteiligten wider. Im Kellergeschoss ist ein Fahrradparkhaus angeordnet, ergänzt durch drei ECarsharing-Plätzen im Freiraum. Dies ermöglicht den Verzicht auf individuelle PKW. Im Erdgeschoss und auf dem Dach sind Gemeinschafts- und Gewerbeflächen angeordnet, die ein Siebtel der Flächen ausmachen. Das Erdgeschoss und 1. Obergeschoss verbinden zudem Maisonettewohnungen. Die Obergeschosse werden mit drei straßenseitigen Erschließungskernen angebunden. Der Schottenbau wird mit individuellen Grundrissvarianten der diversen Nutzer bespielt.

Ab der Kellerdecke ist das Gebäude weitestgehend in Massivholzbauweise errichtet. Lediglich die Treppenhaus- und Brandwände sind in Stahlbeton ausgeführt. Alle Schotten, die Aufzugskerne sowie die Treppenläufe wurden in Massivholz, die Decken in Holz-Beton-Verbundbauweise hergestellt. Die Außenwände wurden hochdämmend in Holzrahmenbauweise ausgeführt. Die straßenseitige Außenwand reagiert auf die hohen Schallschutzanforderungen. Alle Massivholzteile wurden als sichtbare Holzkonstruktionen auf Abbrand bemessen, auf teure Sprinkleranlagen wurde auch in den Treppenhäusern verzichtet. Energetisch ist das KfW-55-Gebäude mit Erdwärmepumpe und ergänzender Gastherme und Wohnraumlüftung eher konventionell ausgestattet.

Technisch setzt das Projekt in Sachen Brandschutz einen Meilenstein. Nach der in den vergangenen Jahren im Holz-Geschossbau üblichen Kapselung, also Bekleidung des Holzbaus mit Brandschutzbekleidungen aus Gips, folgen nun sichtbare Holzkonstruktionen. So ist es möglich, die positiven Eigenschaften des Holzes erlebbar zu machen, das Bauen mit Holz zu vereinfachen sowie Kosten zu reduzieren. Die Baugemeinschaft zeigt über das sehr ambitionierte Projekt, wie sich bürgerliches Engagement vorbildlich in die Stadt einschreiben kann.

DNP Architektur 2021: Bauherren und Architekten in der Übersicht

SKAIO, Heilbronn
Bauherr: Stadtsiedlung Heilbronn GmbH
Architekt: Kaden + Lager

UNIQUE³, Saarbrücken
Bauherr: Unique SB Entwicklung GmbH & Co. KG
Architekt: Hauser + Luft Architekten Part GmbB

Walden 48, Berlin
Bauherr: Baugemeinschaft Walden 48 GbR
Architekt: Scharabi Architekten in Arbeitsgemeinschaft mit Anne Raupach

Über die DGNB

2007 gegründet, ist die DGNB heute mit rund 1.200 Mitgliedsorganisationen Europas größtes Netzwerk für nachhaltiges Bauen. Ziel des Vereins ist es, Nachhaltigkeit in der Bau- und Immobilienwirtschaft zu fördern und im Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit zu verankern. Mit dem DGNB Zertifizierungssystem hat die unabhängige Non-Profit-Organisation ein Planungs- und Optimierungstool zur Bewertung nachhaltiger Gebäude und Quartiere entwickelt. Dieses hilft dabei, die reale Nachhaltigkeit in Bauprojekten zu erhöhen. Dabei fußt das DGNB System auf einem ganzheitlichen Nachhaltigkeitsverständnis, das die Umwelt, den Menschen und die Wirtschaftlichkeit gleichermaßen einbezieht. Über die Fort- und Weiterbildungsplattform DGNB Akademie wurden zudem bereits mehr als 4.500 Personen in 40 Ländern zu Experten für nachhaltiges Bauen qualifiziert.

Dieses Jahr wird zudem das erste Mal der DNP Design verliehen. Dieser Preis honoriert neben funktionaler Ästhetik unter anderem auch eine effiziente Verwendung von Ressourcen, Umweltverträglichkeit sowie faire Lieferketten.