Nachhaltige Hotels: Die 5 wichtigsten Buchungsportale

Nachhaltige Hotels und wie man sie findet: wir stellen Ihnen 5 Online-Portale vor
Bild: BIO HOTEL Panorama, Südtirol

Nachhaltige Hotels versprechen entspannten Urlaub mit gutem grünem Gewissen. Leider ist es alles andere als einfach, bei den gängigen Reiseportalen fündig zu werden. Und wie erkennt man überhaupt, ob ein Hotel wirklich nachhaltig ist oder nur Greenwashing betreibt? Hier erfahren Sie, was das Besondere an nachhaltigen Hotels ist und vor allem: wie man sie findet.

In diesem Artikel:

Ein Beitrag unserer Redaktion.

Was ist das Besondere an nachhaltigen Hotels?

„Können Sie sich vorstellen, wie viele Tonnen Handtücher weltweit jeden Tag gewaschen werden und wie stark Waschmittel unsere Gewässer belasten?“

Diesen Spruch, mit dem der Hotelgast im weiteren Verlauf dazu aufgefordert wird, sein Handtuch länger als üblich zu benutzen, kennt mittlerweile fast jeder. Doch steckt dahinter wirklich ein umweltbewusster Hotelier oder sollen nur Kosten gespart werden? Und was zeichnet nachhaltige Hotels wirklich aus?

Es gibt verschiedene Kriterien für nachhaltige Hotels
Das Bio Hotel Mattlihüs sorgt mit baubiologischen Zimmern mit Zirbenbetten für einen erholsamen Schlaf
Bild: BIO HOTEL Mattlihüs, Oberjoch (Allgäu)

Nachhaltige Hotels werden von Menschen geführt, denen Umweltschutz besonders am Herzen liegt. Sie versuchen, ihren Ressourcen- und Energieverbrauch zu senken, unterstützen die lokale Wirtschaft und verwenden natürliche und nachhaltige Materialien. Jedes Hotel setzt dabei etwas andere Schwerpunkte. Hier eine Übersicht, was nachhaltige Hotels von konventionellen Hotels unterscheidet:

  • Regionale, saisonale, faire Bio-Küche, auch vegetarische oder vegane Ernährungswünsche werden bedient
  • Verwendung von Ökostrom und erneuerbaren Energien, möglichst geringer Energieverbrauch
  • Ressourcenschonung, etwa durch Müllvermeidung und sparsamen Umgang mit Wasser
  • Fairer und sozialer Umgang mit den Mitarbeitern, Erhalt regionaler Traditionen und Unterstützung der lokalen Wirtschaft
  • Wellnessangebote zur bewussten Entschleunigung und Entspannung mit Fokus auf der Gesundheit der Gäste, Naturkosmetik, Naturpools, Sauna.
  • Nachhaltige Architektur aus der Region, Erhalt von Baudenkmälern, schadstoffarme und umweltfreundliche Baustoffe

Insgesamt gibt es weltweit um die 70 Zertifikate für nachhaltigen Tourismus, beispielsweise Bio Hotels, GreenSign, TourCert, GreenGlobe, Viabono und das EU-Ecolabel.

Wie findet man nachhaltige Hotels?

Die fünf wichtigsten Online-Portale für nachhaltige Unterkünfte in Europa sind Bio Hotels, Good Travel, Viabono, Bookitgreen und Anderswo. Außerdem gibt es eine Reihe kleinerer Online-Portale, die sich auf nachhaltiges Reisen spezialisiert haben. ReNatour bietet beispielsweise nachhaltigen Pauschalurlaub zu einem bestimmten Motto an.

Hier finden Sie im Überblick die wichtigsten Online-Portale für nachhaltige Hotels. Außerdem gibt es Tipps, für welche Art Urlaub sich das Portal am besten eignet. Dazu zeigen wir Ihnen jeweils ein Beispiel für ein besonders nachhaltiges Hotel.

Bio Hotels

Website: www.biohotels.info

Angebot: etwa 100 Hotels – vorwiegend in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Italien, Spanien, Griechenland und Slowenien.

Was zeichnet Bio Hotels aus: Bio Hotels ist die weltweit größte Vereinigung biologischer Hotels. Wer das Label trägt, verpflichtet sich zur Einhaltung strenger Nachhaltigkeitskriterien, deren Einhaltung jedes Jahr kontrolliert wird. Dazu gehören nicht nur regionale und saisonale Bio-Küche, sondern auch Ökostrom, niedrige CO2-Emissionen, Energiesparmaßnahmen und nachhaltige Mobilitätskonzepte. Fast alle Bio-Hotels bieten naturnahe Outdoor-Aktivitäten und Wellness-Angebote an.

Zielgruppe: Gesundheitsbewusste Bio-Urlauber, die Wert auf höchsten Komfort legen.

Buchungsmöglichkeit: direkt über das Bio-Hotels-Portal. Es gibt viele verschiedene Sortiermöglichkeiten, z.B. Bio-Urlaub, Familienhotels, Wellnesshotels, Gesundheitshotels, Romantikhotels, Green Meetings, Klimaneutrale Hotels usw.

Unsere Bewertung: Bio Hotels bieten modernen Bio-Lifestyle auf höchstem Niveau. Luxus und Nachhaltigkeit gehen hier Hand in Hand. Die hohe Qualität macht sich allerdings auch im Preis bemerkbar, denn ein Urlaub im Bio Hotel ist nichts für den kleinen Geldbeutel.


Beispiel “theiner’s garten” – der Bio-Pionier in Südtirol

Das Biorefugium theiner’s garten in Südtirol war das erste zertifizierte Klimahotel Europas. Der Traum der Familie Theiner: ein Hotel zu erschaffen, das die ökologische, naturverbundene und biologische Einstellung der Gastgeber widerspiegelt. Der hauseigene demeter-zertifizierte „Bergerhof“ blickt auf eine 30-jährige Tradition zurück.

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Die Räumlichkeiten sind schadstofffrei, Elektrosmog reduziert und schallgeschützt. Besonders am Herzen liegt den Hoteliers auch das Thema Mobilität. Gefördert wird nicht nur die Bahnanreise der Gäste, sondern auch die Nutzung von E-Bikes und E-Autos. Aufgeladen wird anschließend mit dem Strom der hauseigenen Photovoltaikanlage.


Good Travel

Website: www.goodtravel.de

Angebot: rund 250 nachhaltige Hotels, Ferienhäuser, Glamping-Unterkünfte, Bauernhöfe oder BnBs; europaweit, momentan hauptsächlich in Deutschland und Italien.

Was zeichnet Good Travel aus: Hinter Good Travel steckt eine engagierte Redaktion,die die “Perlen” unter den nachhaltigen Unterkünften sucht. Die Unterkünfte werden in einem Interview oder bei Vor-Ort-Besichtigungen persönlich überprüft. Dafür legt Good Travel fünf Nachhaltigkeitskriterien zu Grunde: 1. Naturnahe, regionale und nachhaltige Architektur; 2. regionale und frische Bioküche; 3. Wellnessangebot zur Ruhe und Entspannung; 4. Schonender Umgang mit Ressourcen (z.B. Ökostrom, Müllvermeidung, Energieeffizienz), 5. Faire und soziale Entlohnung des Personals.

Zielgruppe: Umweltbewusste Menschen, die einen individuellen Urlaub mit persönlichem Charme verbringen möchten.

Buchungsmöglichkeit: Good Travel ist keine Reise-, sondern eine Vermittlungsplattform. Jede Unterkunft wird ausführlich vorgestellt. Wer interessiert ist, kann auf die Website der Unterkunft weiterklicken und dort buchen. Man kann nach verschieden Filtern sortieren, etwa nach bestimmten Nachhaltigkeitskriterien.

Unsere Bewertung: Good Travel legt Wert auf “Klasse statt Masse”. Sie bieten handverlesene, einzigartige Unterkünfte der anderen Art. Die persönliche Atmosphäre im Urlaub spielt eine wichtige Rolle bei Good Travel – und das merkt man auch an der Auswahl der vorgestellten Hotels und Unterkünfte.


Beispiel Hotel La Donaira – Luxusresort im rustikalen Stil

Das Hotel La Donaira in Ronda, Spanien (Andalusien) ist ein 5-Sterne-Resort der besonderen Art. Das über hundert Jahre alte Farmhaus wurde ökologisch saniert. Typisch ist der Stilmix aus rustikaler Natürlichkeit und Moderne. Die Küchenchefs bringen Bioküche aus der Region auf den Tisch, vor allem vegetarisch. Zum Resort gehört auch ein eigener Pferdestall mit rund 60 Pferden.

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Viabono

Website: www.viabono.de, www.klima-hotels.de

Angebot: rund 6000 Unterkünfte deutschlandweit. Dazu gehören nicht nur nachhaltige Hotels, sondern auch Campingplätze, Ferienhäuser und Jugendunterkünfte.

Was zeichnet Viabono aus: Viabono wurde 2011 auf Initiative des Bundesumweltministeriums ins Leben gerufen. Im Unterschied zu den Mitbewerbern macht Viabono Nachhaltigkeit messbar: Es werden keine Kriterienlisten abgefragt, sondern auf wissenschaftlicher Basis die CO₂-Emissionen jedes Betriebes ermittelt, aufgeschlüsselt in die Bereiche Energie, Mobilität, Wasser und Restabfall. Viabono verspricht, dass alle Unterkünfte klimaneutral sind. Defizite in der CO2-Bilanz werden kompensiert durch ein Regenwald-Wiederaufforstungsprogramm in Panama.

Zielgruppe: Wer Urlaub in einem nachhaltigen Hotel verbringen möchte, das insbesondere Wert auf eine ausgewogene COZ-Bilanz legt, findet hier eine sehr breite Auswahl.

Buchungsmöglichkeit: Buchung direkt über das Viabono-Portal oder direkt bei den nachhaltigen Hotels.

Unsere Bewertung: Viabono ist das bislang größte Portal zum nachhaltigen Reisen in Europa. Weiterer Pluspunkt: Nachhaltigkeit wird bei Viabono ganz konkret messbar und vergleichbar. Die Vorstellung der einzelnen nachhaltigen Hotels und Unterkünfte wirkt allerdings etwas unpersönlich und könnte zum Teil noch ausführlicher sein.


Beispiel Creativhotel Luise

Dass nachhaltige Hotels auch im Businessbereich möglich sind, zeigt das “nachwachsende Hotelzimmer” des Creativhotel Luise in Erlangen. Bis ins kleinste Detail wurde hier nach dem Cradle-to-Cradle-Prinzip gearbeitet. Alle Materialien sind 100% wiederverwertbar, dazu gehören auch beispielsweise die Raumdecke aus Stroh oder die Teppichfliesen auf Fischernetzen.

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Bookitgreen

Website: www.bookitgreen.com

Angebot: rund 500 nachhaltige Hotels, Pensionen, Ferienhäuser, Bauernhöfe, Camping; derzeit vor allem (noch) hauptsächlich in Deutschland und Österreich, aber auch in Portugal, Spanien, Frankreich und Italien.

Was zeichnet Bookitgreen aus: Bookitgreen will auch kleineren Unterkünften die Chance auf eine Aufnahme ins Portal geben. Aufgenommen wird deshalb nich tnur, wer eines der bestehenden Zertifikate im nachhaltigen Tourismus erfüllt (z. B. EU-Siegel für Nachhaltigkeit, deutsches Bio-Siegel, Viabono, Fairstay), sondern auch, wer mindestens vier der 15 Nachhaltigkeitskriterien von Bookitgreen (z.B. Ökostrom, Bio-Lebensmittel, Abfallvermeidung) erfüllt.

Zielgruppe: Menschen, die mit gutem grünen Gewissen einen bezahlbaren Urlaub abseits des üblichen Mainstreams verbringen möchten.

Buchungsmöglichkeit: entweder direkt über das Portal oder per Weiterverlinkung auf die Website der Hotels. Man kann nach Art der Unterkunft und gewünschter Preisklasse sortieren.

Unsere Bewertung: Ob Indianer-Tipi in Portugal, Baumhaus in Frankreich oder Bio-Gut in Brandenburg – hier findet sich für viele Geschmäcker das passende Urlaubsdomizil. Die meisten Unterkünfte sind eher einfacher gehalten, für Luxushotels ist es die falsche Adresse.


Beispiel “Knödl-Alm” in der Steiermark

Die Knödl-Alm in Bad Mitterndorf, Österreich (Steiermark) bietet ihren Gästen vollwertige Bio-Küche, teils vom eigenen Bio-Bauernhof. Das Haus selbst wurde in massiver Holzbauweise erbaut, innen sorgen Lehmputz, Holzböden und echte Zirbenbetten für Wohnkomfort.

Bild: bookitgreen


Anderswo

Website: www.wirsindanderswo.de

Angebot: rund 100 Blaue-Schwalbe-Unterkünfte

Was zeichnet Anderswo aus: Hinter der Website steckt das Reisemagazin „Anderswo“, das sich ganz dem nachhaltigen Tourismus verschrieben hat und bewusst gegen den Strom schwimmen will. Auf der Website werden Unterkünfte, Veranstalter und Regionen für nachhaltig Reisen in Europa vorgestellt. Unterkünfte, die die Anderswo-Redaktion überzeugen, erhalten das Blaue-Schwalbe-Logo. Sehr lesenswert sind auch die Reiseartikel der Redaktion.

Zielgruppe: Menschen, die einen individuellen, nachhaltigen Urlaub verbringen und sich inspirieren lassen möchten.

Buchungsmöglichkeit: Bei Anderswo kann man nicht direkt buchen, sonderndie nachhaltigen Hotels und Unterkünfte werden nur vorgestellt und weiterverlinkt.

Unsere Bewertung: Die vorgestellten Unterkünfte sind außergewöhnlich und individuell – ähnlich wie bei Good Travel trifft die Redaktion schon eine Vorauswahl. Die Beschreibungen der einzelnen Unterkünfte könnten noch ausführlicher sein.


Beispiel “Hotel Sturm” in der Rhön

Das Biohotel Sturm ist das erste 100 Prozent bio-zertifizierte Hotel im Unesco-Biosphärenreservat Rhön. Die Hotelküche verwertet die Produkte regionaler Bioproduzenten aus der Region, gleiches gilt für die Naturkosmetik im Spa-Bereich. Der eigene Naschgarten lädt dazu ein, selbst angebaute frische Erdbeeren oder Kräuter zu probieren.

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Unser Tipp: Auf der Website Fairunterwegs kann man zwar keine Reisen buchen, findet aber eine Vielzahl von Tipps und Orientierungshilfen rund ums nachhaltige Reisen. Empfehlenswert!

Text: Kerstin Dunker

Interview mit Prof. Alexander Rudolphi

Prof. Alexander Rudolphi ist langjähriger Präsident der 'Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen'
Bild: DGNB

Prof. Alexander Rudolphi hat die Entwicklung des nachhaltigen Bauens in Deutschland entscheidend mitgeprägt. Er ist Initiator, Gründungsmitglied und Präsident der ‚Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen‘ DGNB. Die DGNB wurde 2007 gegründet, hat heute fast 1.300 Mitglieder und bezeichnet sich selbst als Europas größtes Netzwerk für nachhaltige Bau- und Immobilienwirtschaft. Ihre Zertifikate bewerten die nachhaltigen Qualitäten von Gebäuden und Quartieren.

Herr Rudolphi, was ist ihr Lieblingsmaterial?

Ich bin Holzbauingenieur und diesem Material und auch dem Wald eng verbunden. Aber grundsätzlich liebe ich es in der Tat, wenn Material handwerklich gut verarbeitet ist. Das kann ein Kalk sein, zum Beispiel als wunderschön geglätteter Stucco Veneziano oder es kann eine Holzoberfläche sein. Mein Fokus liegt auf der richtigen, guten und fachgerechten Verarbeitung. Das einzige Problem, das ich habe, ist die falsche Verarbeitung und der Versuch, mit synthetischen Materialien einen natürlichen oder historischen Look zu imitieren. Das geht in der Regel schief.

Über Materialehrlichkeit wird ja auch bei Architekten lebendig diskutiert. Gibt es aktuell ein Material, das eine natürliche und moderne Ästhetik erzeugt?

Was verbirgt sich hinter dem Begriff einer natürlichen Ästhetik? Ob Holz, Kalk, Lehm oder Keramik, alle diese Materialien müssen heute in einer normgerechten und modernen Art und Weise verwendet werden. Das heißt, ich muss meine Materialien modifizieren, ich muss sie an die moderne Bautechnik anpassen. Da komme ich nicht drum herum. Das ist in vielen Punkten auch sehr gut gelungen. Inwieweit das dann eine natürliche Optik produziert, hängt wiederum von der Auswahl und der Verarbeitung ab. Wir haben ja den Deutschen Nachhaltigkeitspreis und im letzten Herbst hat ein sehr großes Gebäude in Holz- und Lehmbauweise gewonnen.

Meinen Sie die Alnatura-Arbeitswelt? Was gefällt Ihnen an diesem Projekt in Darmstadt?

Da finde ich zum Beispiel gelungen, die Materialien auf moderne Art und Weise so zu verarbeiten, dass ein Gebäude in der Größenordnung auch gewährleistungstauglich und kalkulierbar möglich wird. Gleichzeitig ist auch die Ästhetik gelungen, die aus den verwendeten Materialien spricht.

An der Alnatura-Arbeitswelt gefällt Prof. Alexander Rudolphi die gelungene Ästhetik, die aus den verwendeten Materialien spricht
An der Alnatura-Arbeitswelt gefällt Prof. Alexander Rudolphi die gelungene Ästhetik, die aus den verwendeten Materialien spricht
Bild: Roland Halbe

Alnatura und die Grüne Erde-Welt haben für Ihre Neubauten sehr viel Abrissmaterial wiederverwendet. Das wird dann auch in dem Rückbauzertifikat der DGNB bewertet?

Ja, das wird sehr hoch und sehr positiv bewertet. Im cradle to cradle-Sinne sollen die Materialien auf funktional gleichwertiger Ebene wiederverwendet werden. Die Herausforderung ist, ein Gebäude beim Abriss so zu trennen, dass ich einen größtmöglichen Anteil von verwertbaren Materialien bekomme und einen kleinstmöglichen Anteil von nicht verwertbaren oder kontaminierten Materialien. Die werden in der Regel mit großen Kosten deponiert. Nichts ist schlimmer und teurer als Gebäude oder bestimmte Bauteile einfach zusammen abzureißen.

Den Innenraum der Alnatura-Arbeitswelt prägen Holz und formvollendeter Stampflehm
Den Innenraum der Alnatura-Arbeitswelt prägen Holz und formvollendeter Stampflehm
Bild: Achim Pilz

Was kommt denn da bei den Wärmedämmverbundsystemen auf uns zu?

Die billigen Wärmedämmverbundsysteme heute sind meistens ein chemisches Gesamtkunstwerk. Da wird alles im Verbund zusammengeführt, was der Markt an Kunststoffen so hergibt und ich kann es dann nicht mehr trennen. Wenn ich vorrechne, was das Deponieren in 10 bis 20 Jahren kosten wird, wird schnell klar, dass sich die Einsparung heute nicht rechnet. Dann kriegen alle sofort Angst. Hier sind mineralische, homogene oder trennbare Systeme gefragt.

(Kommentar der Redaktion: mehr zu den Problemen bei Wärmedämmverbundystemen finden Sie hier.)

Wir bei CRADLE wollen Materialien genau betrachten. Gibt es bestimmte Materialien, die Sie für den Innenbereich empfehlen?

Für den Innenbereich sollte das Material immer in der Lage sein, Feuchte und Wärme abzupuffern.

Im ‚DGNB Blog rund um nachhaltiges Bauen‘ mahnen sie in der ‚Blogserie zum neuen Jahrzehnt‘ Wohnungssanierungen an. Sind Sanierungen für Sie die aktuellen Herausforderungen des nachhaltigen Bauens?

Wir müssen uns um unseren Bestand kümmern, da können wir Energie einsparen. Im Neubau steckt kein signifikantes Einsparpotenzial. Und wir werden uns um die Energiebereitstellung kümmern müssen und natürlich auch um den ständig wachsenden Flächenverbrauch, das ist klar. Das sind die großen Handlungsfelder, mit denen wir hier zu tun haben. Die Größe der Aufgabe wird deutlich, wenn Sie bedenken, dass etwa 50 % unserer Wohngebäude – das sind zirka neun Millionen – heute noch fossile Energie in der Größenordnung von 180 bis 250 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr verbrauchen.

Was tut die Politik dafür, dass diese Ziele angegangen werden?

Leider viel, viel zu wenig. Auch beim neuen Gebäudeenergiegesetz wird nur wieder an altbekannten Schräubchen gedreht, die alle schon überdreht sind. Die Politik drückt sich eigentlich um einige sehr wichtige aktuelle Forderungen, wie z.B. die Änderung der Zielgröße bei der energetischen Performance von Gebäuden. Bisher heißt es immer Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr. Die Effektivität kann ich aber nur beurteilen, wenn ich die Umweltwirkung – also z.B. die Treibhausgasemissionen pro Person als Zielgröße oder als Indikator betrachte.

Die ‚2000-Watt-Gesellschaft‘ verpflichtete sich, persönlich höchstens 2000 Watt an Primärenergie zu verbrauchen. Inwieweit ist dieses Schweizer energiepolitische Modell da weiter?

Damit sind sie einen Schritt weiter. Wir müssen einen neuen Indikator überhaupt erst einmal publik und zum Genehmigungs- oder Förderungsthema machen. Das ist ein Paradigmenwechsel! Wichtig dabei ist, dass wir das mit der lebenszyklusumfassenden Bilanzierung von Gebäuden verbinden. Wir fordern ja seit 12 Jahren diesen Bewertungsansatz als Grundlage.

Wir als ‚Deutsche Gesellschaft für nachhaltiges Bauen‘?

Nicht nur wir, das machen auch sehr viele Experten bei der Bundesregierung. Wir haben ja auch das Zertifikationssystem ursprünglich gemeinsam mit dem Ministerium entwickelt. Die Bilanzierung von Gebäuden soll von cradle to cradle, von der ‚Wiege bis zur Wiederverwendung‘, die Vorketten und die Nachketten mit einbeziehen. Heute verschieben wir Umweltgefährdungen wie CO², Flächenverbrauch oder Trinkwasserverbrauch einfach in die Produktionsphasen und Entsorgung vorzugsweise in die Entwicklungsländer.

Das DGNB Zertifikat ‚Innenräume‘ beinhaltet ja einige gesundheitliche Kriterien. Gilt es für Neu- und Altbau?

Das ist übergreifend, ja. Es geht aber eigentlich davon aus, dass man ein bestehendes Gebäude nur teilweise saniert. Im Fokus steht die Nutzungsqualität und die Hygiene, das heißt also Schwerpunkt Materialeinsatz, Produktauswahl, Anforderung der Ausschreibung und die thermische, visuelle und akustische Behaglichkeit.

Das DGNB Zertifikat 'Innenräume' fokussiert auch gesundheitliche Kriterien
Das DGNB Zertifikat ‚Innenräume‘ fokussiert auch gesundheitliche Kriterien
Bild: DGNB

Vielen Dank für das Interview, Herr Rudolphi.

Das Interview mit Prof. Alexander Rudolphi führte Achim Pilz.

Smarter Brückenbau – Innovation mit Biokompositen

Smarter Brückenbau: ein EU-Projekt macht Tests mit innovativen und ressourcenschonenden Materialien
Bild: BioMat at ITKE/University of Stuttgart

Brückenbau wird smart, ganz im Sinne der Cradle-to-Cradle Bewegung. Ein EU-Projekt zeigt, dass Brücken aus Biokompositen möglich sind.

In diesem Artikel:

Eine Pressemitteilung von BioMat at ITKE/University of Stuttgart und Proesler Kommunikation.

Neue Werkstoffe für den Brückenbau

Im Rahmen eines EU-Projekts werden drei Brücken aus Biokompositen gebaut. Natürliche Pflanzenfasern und Biopolymere können nun für tragende Strukturen verwendet werden. Damit eröffnen sich spannende Perspektiven auf Nachhaltigkeit und Materialzirkularität für zukünftige Brückenkonstruktionen. Ein Structural Health Monitoring System wird die Tragsicherheit gewährleisten und neue Erkenntnisse über die Verwendung der Materialien in Tragwerken liefern.

September 2020. Die Bekämpfung des Klimawandels und das Streben nach Kreislaufwirtschaft werden in der Bauindustrie immer wichtiger. Insbesondere Tragwerke bieten ein großes Potenzial, vor allem wenn sie auf erneuerbaren, nicht fossilen Materialien basieren. Im Rahmen eines EU-Projekts werden derzeit drei Fußgänger- und Fahrradbrücken in Deutschland und den Niederlanden mit Bio-Verbundwerkstoffen geplant. Die erste Brücke wird im Frühjahr 2021 in Almere (NL) realisiert. Diese Brücke wird Teil der Gartenbau-Weltausstellung Floriade 2022 sein, die im folgenden Jahr unter dem Thema „Städte der Zukunft“ stattfinden wird. Zwei weitere Brücken werden in Ilsfeld (DE) und Bergen op Zoom (NL) platziert.

Bis 2023 werden drei Fahrrad- und Fußgängerbrücken in den Niederlanden und Deutschland gebaut – die erste bereits im Frühjahr 2021 in Almere (NL).
Bis 2023 werden drei Fahrrad- und Fußgängerbrücken in den Niederlanden und Deutschland gebaut – die erste bereits im Frühjahr 2021 in Almere (NL).
Bild: BioMat at ITKE/University of Stuttgart

Smart Circular Bridges

Die so genannten „Smart Circular Bridges“ sind aus Biokompositen hergestellt. Wie herkömmliche Verbundwerkstoffe bestehen sie aus zwei Materialien; Naturfasern wie Flachs und Hanf sorgen für die Steifigkeit und Festigkeit, das Bio-Harz verbindet die Fasern miteinander, sodass ein fester und leichter Werkstoff entsteht. Biokomposite bieten große Formfreiheit und ermöglichen strukturoptimierte und ressourcenschonende, aber dennoch elegante Designs.

Die innovativen Brücken entstehen im Rahmen der Bio-Wirtschaftsstrategie der Europäischen Union und werden durch das Interreg-Programm Nordwesteuropa gefördert. Das Projekt wird von der Technischen Universität Eindhoven geleitet, die mit insgesamt 14 Partnern aus Wissenschaft, Industrie sowie lokalen Behörden zusammenarbeitet, um die drei Brücken bis 2023 fertigzustellen. Die Universität baut auf umfangreichen Erfahrungen mit biobasierten Materialien auf. In einem früheren Forschungsprojekt im Jahr 2016 realisierte sie mit anderen Partnern eine Brücke in den Niederlanden über die Dommel mit einer Spannweite von 14 Metern.

Eleganter Brückenbau
Bild: Hanaa Dahy

Monitoring der Daten

Bei den Smart Circular Bridges kommt ein ausgefeiltes Monitoringsystem zum Einsatz. Durch den Einsatz von faseroptischen Sensoren (FBG-s) wird die Struktur und der Materialzustand sowie das Niveau der strukturellen Sicherheit ständig überwacht. Das Structural Health Monitoring System erkennt strukturelle Veränderungen und mögliche Materialdegradation wie zum Beispiel Ermüdung. Es kann eine Frühwarnung ausgeben, falls voreingestellte Grenzwerte erreicht werden.

Die vor Ort gesammelten Daten der Brücken des Projekts werden mit umfangreichen Forschungs- und Labortestdaten verglichen (unter Verwendung beschleunigter Bewitterungs- und Kriechverformungstests). Das Überwachungssystem sammelt Informationen über mechanische Reaktionen, Dimensionsänderungen sowie Umwelteinflüsse wie Temperatur und Feuchtigkeit. Durch die Kombination der Labortests mit konstanten in-situ-Überwachungsdaten wird nicht nur ein Höchstmaß an Nutzungssicherheit gewährleistet, sondern es werden auch umfangreiche, wertvolle Informationen für die Planung und Optimierung weiterer Brücken und anderer Bauwerke gesammelt.

Um eine maximale Materialzirkularität zu erreichen, ist die Rückgewinnung der Materialien aus den Biokompositen Teil der Forschung. Das Projekt nutzt nachwachsende Rohstoffe auf innovative Weise. Über den Brückenbau hinaus zeigt es das Potenzial einer klimafreundlichen Bio-Wirtschaft in der Bauwirtschaft auf.

Weitere Informationen zu dem Projekt finden Sie hier.

Brückenbau Projektpartner und Kontakt

Smart Circular Bridge Partner:
– TU/e Eindhoven University of Technology (NL)
– KU Leuven (BE)
– FiberCore Europe BV (NL)
– 24SEA BVBA (BE); Sub-partner: Com&Sens BVBA (BE)
– VolkerInfra (NL)
– Lineo – groupe NatUp fibres (FR)
– University of Stuttgart (DE)
– Centre of Expertise Biobased Economy (NL)
– Vrije Universiteit Brussel (BE)
– Gemeente Bergen Op Zoom (NL)
– Gemeente Almere (NL)
– Gemeinde Ilsfeld (DE)
– Proesler Kommunikation (DE)
– Concrefy b.v. (NL) 

Kontakt: Projekt
Prof. Rijk Blok
2 De Rondom
Eindhoven
5612 AP
Niederlande
r.blok@tue.nl

Kontakt: PR
Proesler Kommunikation
Andre Jerke
Karlstraße 2
72072 Tübingen, Germany
+49 7071 23416
a.jerke@proesler.com

Unverpackt einkaufen: so funktioniert’s

Einkaufen gehen im unverpackt Laden: wie zeigen Ihnen Schritt für Schritt, wie das unverpackte Einkaufen funktioniert.

Wie funktioniert eigentlich unverpackt einkaufen gehen? Wir waren zu Besuch bei Randvoll – Café und Unverpacktes und zeigen Ihnen Schritt für Schritt, wie der Einkauf in einem unverpackt Laden abläuft. Denn mit einem verpackungfreien Einkauf tun Sie nicht nur sich selbst, sondern auch der Umwelt etwas Gutes!

In diesem Artikel:

Ein Beitrag unserer Redaktion.

randvoll unverpackt in Kaarst bei Neuss und Düsseldorf: hier können Sie gemütlich unverpackt einkaufen gehen und einen Kaffee trinken

Vor dem Einkauf: die Planung

Der Einkauf in einem unverpackt Laden benötigt ein wenig Vorbereitung. Da die Waren ohne Verpackung verkauft werden, müssen diese selber mitgebracht werden. Einige Produkte sind leicht verpackt; diese können Sie dann ohne eigenen Behälter in den Einkauskorb legen. Zum Beispiel haben einige Kosmetik- oder Küchenartikel ein Pappetikett.

Für einen EInkauf eigenen sich Gläser aller Größen mit Schraubverschlüssen sowie Einmachgläser, Einkaufsnetze, Jutebeutel, und Aluminium- oder Plastikdosen. Zusätzlich sollten Sie an eine ausreichend große Transportmöglichkeit denken. In den meisten unverpackt Läden kann man zudem vor Ort passende Behältnisse kaufen oder bereitstehende Papiertüten verwenden.

In Gläsern kann man gut die unverpackt gekauften Waren lagern und transportieren
Meistens können Sie och im unverpackt Laden Jutebeutel, Gläser oder Netze kaufen

Außerdem ist eine Einkaufliste hilfreich. Wenn man sich unsicher ist, welche Waren genau erhältlich sind, hilft ein Blick auf die Homepage des ausgewählten Geschäftes. Auch die gewünschte Menge sollte überlegt sein, damit Sie Behältnisse in passender Größe mitbringen. Wenn Sie ölige oder flüssige Lebensmittel einkaufen möchten, sollten Sie zudem auf eine gute Dichtung achten. Wenn Sie Eier kaufen möchten, könnten Sie noch einen aufbewahrten Karton von zuhause mitbringen oder im Laden anrufen und fragen, ob es auch vor Ort welche gibt.

Einkaufswägen stehen selten bereit, deshalb sollten Sie für den gesammelten Einkauf einen eigenen Korb mitbringen. Einige unverpackt Läden stellen für ihre Kunden auch Einkaufskörbe bereit.

Wichtig für einen Einkauf ohne Einkaufswagen und Verpackungen: der Transport

Falls Sie sich noch unsicher sind, ob Sie bereit für den ersten unverpackt Einkauf bereit sind; wir haben eine Übersicht mit den Vor- und Nachteilen von unverpackt Läden erstellt, die Sie hier finden.

Das Abwiegen der Behälter

Nachdem Sie Ihren Einkauf geplant und die Behälter vorbereitet haben, kann es nun losgehen. Bevor die Behälter befüllt werden, müssen sie jedoch gewogen werden. Dazu stehen eine Waage und die Möglichkeiten zur Beschriftung bereit. Sie stellen jeden Behälter einzeln auf die Waage und notieren sich dann, wie viel er wiegt. Man kann entweder mit einem Marker das Gewicht direkt auf das Glas oder die Dose schreiben, kleine Zettel verwenden oder eine Liste anlegen.

Die leeren Behältnisse werden gewogen; dann wird das Leergewicht vermerkt

Das Gewicht der Behälter ist essenziell für die Berechnung des endgültigen Preises. Ohne das Gewicht des Glases oder der Dose kann schließlich nicht festgestellt werden, wie viel die von Ihnen abgefüllte Waren wiegt. Denn damit festgestellt werden kann, welche Menge einer Ware Sie abgefüllt haben, wird das Gewicht des jeweiligen Behälters an der Kasse vom Gesamtgewicht abgezogen.

Beispiel:
Sie bringen ein Einmachglas mit und stellen es auf die Waage. Es wiegt 946 Gramm. Diese Zahl notieren Sie sich auf dem Glas. Sie befüllen das Glas bis oben hin mit Knuspermüsli.

An der Kasse wird das volle Glas anschließend gewogen: es bringt nun 1779 Gramm auf die Waage. Nun wird das von Ihnen notierte Gewicht des Glases abgezogen. Übrig bleiben 833 Gramm: so viel Müsli haben Sie abgefüllt. Die Kasse kann nun den Preis berechnen.

Für das unverpackte Einkaufen sind die Gewichte der leeren Behältnisse essenziell
Gewicht des Glases: 946 Gramm
Gesamtgewicht and der Kasse: 1779 Gramm
Berechnung: 1779g – 946g = 833 Gramm
Ihnen werden 833 Gramm Knuspermüsli berechnet

Das Befüllen

Bevor es ans Befüllen geht, können Sie erstmal einen Rundgang durch den Laden machen. So bekommen Sie einen guten Eindruck von der Sortierung und können sich einen Überblick über das Sortiment verschaffen.

Die Lebensmittel sind unterschiedlich gelagert und werden somit auch unterschiedlich befüllt. Getreide, Nüsse, Müslis und kleine Nudeln sind zum Beispiel in großen Glaszylindern mit Hebelmechanismen gelagert, sogenannten Bulk Bins. Aus diesen lässt sich mit dem Hebel vorsichtig die Ware direkt in Ihren Behälter abfüllen. Manche unverpackt Läden stellen auch eine Mühle bereit, in der man ausgewählte Lebensmittel anschließend noch mahlen kann.

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Andere Lebensmittel, wie zum Beispiel Trockenobst, Gewürze, Süßigkeiten und Tee oder Backzutaten, sind in großen Glasbehältern mit einfachen Deckeln gelagert.

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Für diese Waren stehen kleine Schäufelchen, Trichter oder Zangen bereit, mit denen Sie hygienisch die von Ihnen gewählte Menge umfüllen können. Dafür stehen zwei Kisten bereit: unterteilt in unbenutzte und benutzte Utensilien.

Für den hygienischen Einkauf stehen Schäufelchen und Zangen bereit

Flüssigkeiten, Kosmetikartikel und Putzmittel

Flüssigkeiten wie Essig, Öl und Saucen können Sie einfach in die von Ihnen mitgebrachte Flasche abfüllen. Auch die flüssigen Putzmittel füllen Sie direkt aus dem Kanister mit der Pumpe in Ihr Behältnis. Wenn Sie unsicher sind, wie etwas genau funktioniert, können Sie auch jederzeit das Personal fragen. Die Mitarbeiter*innen helfen Ihnen gerne bei der Befüllung und beantworten Ihre Fragen zum Thema unverpackt einkaufen!

Unverpackt einkaufen: auch Essig, Öle und Saucen können Sie abfüllen. Dafür sind dichte Behältnisse essenziell
Reinigungsmittel kännen Sie direkt in eine mitgebrachte Flasche füllen

In unverpackt Läden sind Kosmetik- und Reinigungsartikel oftmals die einzigen Waren, die tatsächlich mit ein wenig Verpackung bereit liegen. Es gibt Deocremes in Gläsern, Lappen mit Pappbanderole oder Wattestäbchen in kleinen Boxen. Doch auch hier findet man verpackungsfreie Artikel. Beispielsweise können Sie Haarseifen, Reinigertabletten und Bürsten verpackungsfrei kaufen.

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Obst, Gemüse und Milchprodukte

Zusätzlich zu Lebensmitteln, die nicht verderblich sind, gibt es meist noch ausgewähltes Obst und Gemüse, Eier und andere lokale Leckereien. Auch Milchprodukte können Sie unverpackt einkaufen.

Auch regionales Gemüse, Bioeier und Obst können unverpackt eingekauft werden

In einem Kühlschrank gibt es Joghurt und Milch in Glasflaschen und verschiedene Käsesorten. Wenn Sie sich für einen Käse entschieden haben, können Sie einfach dem Personal Bescheid geben und eine Dose dafür bereit halten.

Auch Käse kann ohne Verpackung gekauft werden
Einige Käsesorten auf Kuh- und Ziegenmilch stehen zur Auswahl

Das Sortiment ist in jedem unverpackt Laden unterschiedlich. Basics wie Reis, Nudeln und Hülsenfrüchte, weitere Getreide- und Kornprodukte, Gewürze und Tees, Nüsse und Füchte sowie Backzutaten gibt es jedoch fast überall.

Unverpackt einkaufen und schlemmen

Einige unverpackt Läden – so wie Randvoll in Kaarst bei Neuss und Düsseldorf – betreiben auch ein kleines Café. Für den Beginn oder Abschluss eines gemütlichen Einkaufes kann man hier einen Kaffee bestellen oder sich ein Stück Kuchen genehmigen. Auch das zeichnet die besondere Stimmung in unverpackt Läden aus. Denn der verpackungsfreie Einkauf hat eine ganz besondere Atmosphäre; die Geschäfte sind nicht so groß wie die gängigen Supermarktketten und oftmals liebevoll von den Inhabern gestaltet. Dadurch ist der Einkauf nicht so hektisch, man kann gemütlich durch den Laden schlendern und somit viel bewusster (unverpackt) einkaufen!

Bei randvoll.unverpackt in Kaarst bei Düsseldorf und Neuss können Sie in einem kleinen Familienbetrieb unverpackt einkaufen gehen
Die Stimmung beim unverpackt einkaufen gehen ist ganz besonders; es ist viel entspannter und sehr ansehnlich
In dem Cafe können Sie Kaffeespezialitäten und Gebäck genießen
Der Kaffe von Barista Stefan hat sich schon in Kaarst herumgeprochen

Wir wünschen Ihnen viel Spaß bei Ihrem ersten Einkauf in einem unverpackt Laden!

Text und Bilder: Jenny Heim

Stadtquartier aus Holz – nachhaltig bauen mit Modulen

Bild/Rendering: Werner Sobek, AH Aktiv-Haus

Ein nachhaltiges Stadtquartier, welches auf Basis der von Werner Sobek entwickelten und gestalteten Aktivhaus-Module basiert, soll in Stuttgart Bad Cannstatt entstehen. Prototyp dafür ist das modulare Gebäude B10.

In diesem Artikel

Ein Beitrag von AH-aktivhaus sowie bering*kopal, Büro für Kommunikation.

Vom Modul zum Plus Energie Stadtquartier – Nachhaltig Bauen im größeren Maßstab

Ein Meilenstein in Sachen nachhaltiges und serielles Bauen wird das in Stuttgart-Bad Cannstatt geplante Effizienzhaus Plus Quartier. Mit insgesamt 6 Gebäuden für das Personal des Klinikums Bad Cannstatt ist es das größte bislang geplanten Holzhaus-Stadtquartier Deutschlands. Zudem wird es aus der Hand eines einzelnen Investors entwickelt.

Vergeben wurde das Projekt von der Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft (SWSG) an die AH Aktiv-Haus GmbH. Diese steht für den architektonisch anspruchsvollen, seriellen Modulbau auf Basis der von Werner Sobek entwickelten und gestalteten Aktivhaus-Module. Grundlage ist hierbei das Triple Zero Prinzip; Erstens, ein Gebäude benötigt nur die Energie, die es aus nachhaltigen Quellen selber erzeugt (Zero Energy). Zweitens, ein Gebäude produziert keine schädlichen Emissionen (Zero Emission). Und drittens, alle Bauteile werden wieder vollständig in technische oder biologische Kreisläufe zurückgeführt (Zero Waste).

B10 – das erste Aktivhaus der Welt ist der Prototyp

Der von Werner Sobek entworfene Prototyp, der all diese Anforderungen an nachhaltiges Bauen erfüllt und sich auch durch ein ansprechendes Interieur- und Architekturkonzept auszeichnet, stand als Forschungsprojekt und experimentelle Wohneinheit mehr als 5 Jahre lang in der Stuttgarter Weißenhofsiedlung. Der Prototyp fand internationale Beachtung unter dem Namen „B10“ – eine Anspielung auf den Standort Bruckmannweg 10.

B10 gilt als erstes Aktivhaus der Welt, das dank eines ausgeklügelten Energiekonzepts und einer selbstlernenden Gebäudesteuerung das Doppelte seines Energiebedarfs aus nachhaltigen Quellen selbst erzeugt. Mittlerweile ist das Experimentalgebäude an seinen Produktionsort zurück transportiert. Dort ist es innerhalb kürzester Zeit wieder aufgebaut worden. Das kompakte Modul gilt nach wie vor als Vorzeigeprojekt für ressourcenschonendes und energieeffizientes Bauen.

Prototyp für das neue Stadtquartier ist das von Werner Sobek entwickelte, modulare Expertimentalgebäude B10 – das erste Aktivhaus der Welt, das dank eines ausgeklügelten Energiekonzepts und einer selbstlernenden Gebäudesteuerung das Doppelte seines Energiebedarfs aus nachhaltigen Quellen selbst erzeugt. B10 stand mehr als 5 Jahre lang in der Stuttgarter Weißenhofsiedlung und zog ein internationales Publikum an.
Prototyp für das neue Stadtquartier ist das von Werner Sobek entwickelte, modulare Expertimentalgebäude B10 – das erste Aktivhaus der Welt, das dank eines ausgeklügelten Energiekonzepts und einer selbstlernenden Gebäudesteuerung das Doppelte seines Energiebedarfs aus nachhaltigen Quellen selbst erzeugt. B10 stand mehr als 5 Jahre lang in der Stuttgarter Weißenhofsiedlung und zog ein internationales Publikum an.
Bild: Zooey Braun

Modulare Vorfertigung ermöglicht schnelleres Bauen

Bereits am Beispiel von B10 wurde sichtbar, dass das Bauen mit vorgefertigten Modulen schneller geht und der Wohnraum in kurzer Zeit bezugsfertig ist. Auch die Anwohner dürften sich darüber freuen. Denn Lärm und Schmutz wie beim konventionellen Bauen vor Ort werden weitgehend vermieden. Gerade wenn kurzfristig Wohnraum geschaffen werden muss, sind diese Aspekte von Vorteil. So auch bei der ebenfalls von Werner Sobek entworfenen Wohnanlage in Winnenden; diese wurde auf Basis des modularen Konzepts von B10 zur Beherbergung von 200 Personen geplant.

In Bad Cannstatt wird nun noch umfangreicher geplant. Es handelt sich um die größte Vergabe eines Bauvorhabens für „serielles Bauen“ nach dem GdW Rahmenvertrag*. Diesen konnte AH Aktiv-Haus mit den von Werner Sobek entwickelten und gestalteten Aktivhaus-Modulen für sich gewinnen. Insgesamt entstehen in dem Stadtquartier im Prießnitzweg 329 Wohnungen für Mitarbeiter des Krankenhauses Bad Cannstatt. Diese Wohnungen verteilen sich auf sechs je 4- bzw. 5-geschossige Gebäude. Die modulare, serielle Bauweise ermöglicht die vergleichsweise schnelle Realisierung in zwei Bauabschnitten; Geplant ist es, bereits im Frühjahr des Jahres 2022 die ersten 157 Wohneinheiten fertigzustellen. Darunter ist eine große Anzahl an Mikroapartments. Gegen Ende des Jahres 2023 ist geplant, die zweite Bauphase mit 172 Wohneinheiten abzuschließen.

*Bei der GdW handelt es sich um den Spitzenverband der Wohnungswirtschaft, der u.a. mit dem Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI) sowie weiteren Mitgliedsunternehmen eine Rahmenvereinbarung über den Neubau von mehrgeschossigen Wohnbauten u.a. in serieller und modularer Bauweise mit hoher architektonischer Qualität abgeschlossen hat. In diesem Zusammenhang wurde ein innovatives Ausschreibungsverfahren entwickelt, das neun Bieter/Bietergemeinschaften gewonnen haben, darunter die AH Aktiv-Haus GmbH. Ziel ist es außerdem, schnell, kostengünstig und in hoher Qualität zu bauen; auch der Nachhaltigkeitsaspekt spielt eine wichtige Rolle.

Lebenswert und nachhaltig: das neue Stadtquartier

Lebenswert und in jeder Hinsicht nachhaltig soll das neue Stadtquartier sein und den KfW 40 Plus Standard erfüllen. Im Jahresmittel soll darüber hinaus ein Energieüberschuss aus regenerativen Quellen erzeugt werden. Bei der geplanten Holzständerbauweise ist es zudem vorgesehen, überwiegend zertifizierte Hölzer zu verwenden. Durch konsequente Anwendung des Leichtbau-Prinzips wird Material gespart. Die Häuser dienen so durch den Baustoff Holz nicht nur als CO2-Speicher, sondern zeichnen sich im Vergleich mit herkömmlichen Bauweisen auch durch eine deutliche Reduktion ihrer grauen Emissionen aus.

Lebenswert und in jeder Hinsicht nachhaltig soll das neue Stadtquartier sein und den KfW 40 Plus Standard erfüllen. Die modulare, serielle Bauweise ermöglicht die vergleichsweise schnelle Realisierung.
Lebenswert und in jeder Hinsicht nachhaltig soll das neue Quartier sein und den KfW 40 Plus Standard erfüllen. Die modulare, serielle Bauweise ermöglicht die vergleichsweise schnelle Realisierung.
Bild/Rendering: Werner Sobek, AH Aktiv-Haus

Geplant ist ein möglichst effizientes Heizsystem auf Basis von Sole-Wasser-Wärmepumpen, Photovoltaikmodulen sowie Solar-Hybridkollektoren. Zudem ist ein Lüftungssystem mit Wärmerückgewinnung zur Unterstützung der Heizung vorgesehen. Weitere wichtige Aspekte, die eine hohe Aufenthaltsqualität schaffen sollen, sind unter anderem eine gute Belichtung, großzügig gestaltete Grün- und Gemeinschaftsflächen sowie kühlende Frischluftzufuhr zwischen den Gebäuden.

Über AH Aktiv-Haus

Die AH Aktiv-Haus GmbH entwickelt nachhaltige Wohnprojekte für Unternehmen der Wohnungswirtschaft. In serieller, modularer Bauweise konsequent nachhaltig zu bauen und dabei mit weniger Material mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, ist das Ziel. Das Nachhaltigkeitskonzept von AH Aktiv-Haus basiert auf den drei Säulen Ökologie, Soziales und Wirtschaftlichkeit. Unter besonderer Berücksichtigung steht zudem die Energieerzeugung aus regenerativen Quellen. Essentiell ist es darüber hinaus, bei allen Bauvorhaben ein architektonisch anspruchsvolles Konzept umzusetzen und Wohnraum mit hoher gestalterischer, baulicher und funktionaler Qualität zu schaffen.

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Werner Sobek und AH Aktiv-Haus haben Erfahrung im Bereich des modularen, seriellen Bauens: Diese Wohnanlage steht seit Dezember 2019 auf einem kompakten Grundstück am Rande der Esslinger Innenstadt und besteht aus 17 Apartements in Modulbauweise. Maximale Vorfertigung, möglichst kurze Montagezeiten und einfache Umrüstbarkeit standen im Mittelpunkt des Entwurfs.
Werner Sobek und AH Aktiv-Haus haben Erfahrung im Bereich des modularen, seriellen Bauens: Diese Wohnanlage steht seit Dezember 2019 auf einem kompakten Grundstück am Rande der Esslinger Innenstadt und besteht aus 17 Apartements in Modulbauweise. Maximale Vorfertigung, möglichst kurze Montagezeiten und einfache Umrüstbarkeit standen im Mittelpunkt des Entwurfs.
Bild: Zooey Braun
Stadtquartier in Winnenden; Die Stadt suchte nach einer kurzfristig realisierbaren Lösung zur Unterbringung von ca. 200 Personen. Eines der wichtigen Kriterien war die Einhaltung nachhaltiger Standards zu Energieverbrauch und Rückbaubarkeit. Bei dem Bauvorhaben im Stadtteil Schelmenholz wurden im Jahr 2016 insgesamt 38 Module von AH Aktiv-Haus eingesetzt.
Die Stadt Winnenden suchte nach einer kurzfristig realisierbaren Lösung zur Unterbringung von ca. 200 Personen. Eines der wichtigen Kriterien war die Einhaltung nachhaltiger Standards zu Energieverbrauch und Rückbaubarkeit. Bei dem Bauvorhaben im Stadtteil Schelmenholz wurden im Jahr 2016 insgesamt 38 Module von AH Aktiv-Haus eingesetzt.
Bild: Zooey Braun

Über die Werner Sobek AG

Das 1992 von Professor Werner Sobek gegründete Unternehmen steht weltweit für Engineering, Design und Nachhaltigkeit. Werner Sobek hat Büros in Berlin, Buenos Aires, Dubai, Frankfurt, Hamburg, Istanbul, Moskau, New York sowie Stuttgart und beschäftigt über 350 Mitarbeiter. Die Projekte, für die Werner Sobek verantwortlich zeichnet, überzeugen durch hochwertige Gestaltung auf der Basis von erstklassigem Engineering. Zudem sind ausgeklügelte Konzepte zur Minimierung von Energie- und Materialverbrauch oberste Priorität. Das Unternehmen steht unter der Leitung von Roland Bechmann, Prof. Dr. Lucio Blandini, Stephen Hagenmayer sowie Prof. Dr. Thomas Winterstetter. Prof. Dr. Werner Sobek ist Vorsitzender des Aufsichtsrats.

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